Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 43 (25.10.1934)
- Date
- 1934-10-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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ßffjipfiS. ■Srine spezifische.?frt der Dibelbetrach. tfmg. die Lchrist in Erzrählungsgruppeu einzuteilen und diese motivisch zu würdigen, war ganz besonders -anregend und interessant. Buber lehnt Ältdrasch und andere Hilfsmittel der Exegese so lange als möglich ab und versucht, alle Erscheinungen zunächst aus dem „ernst zu nehmenden" Text zu erklären. 3« einer Lehrprobe brachte er den Schülern Jakob und Esau zu näherem Verständnis. Tr. Ernst 3 i m o n dozierte über die „biblisck/c (beschichte im Unterricht". Neben seinem Hauptthema, das er iu die Gruppen „Objektivität des geschichtlichen Urteils", „Ouellen". ,,'Arbeitsunterriciit" und „Hilfsmittel" einkeilte, erweckte eine bibliographisch-kritische Arbeitsgemeinschaft über die Jüeschichtswerke von . Graetz. Tnbnow, Kastein und Prinz das besondere Interesse der Hörerschaft. Seine Lehrproben hatten die .„'seit der Sachsentäiscr", .das „Jüdiscl)e Prag" und „Samuel n, Kapitel 12" zum Gegenstand. ' Pädagogisch wichtig, und deshalb mit stärkster Anfmerksamleit bedacht icorrn' die durchdachten, klaren und mit vieler Mühe anschaulich gemachten Aiisstihriingen von Professor Tr. B ln menfeld i Dresden) über fragen der „Jugendpsychologie", insbesondere der Reifezeit. Schwieriger für das Verständnis, einerseits °8urch d!e Eigenart de? Thema- und anderseits durch die' notwendige Gedrängtheit der' Darlegung, war die Vorlesung „Grundgcstalt und Typen der 4lutori. töt im Judentum". Rabbiner.Tr. A l t m o n n jim. grenzte zunächst jüdisches und'nichtjüdisches Denken gegeneinander ab. Dem christlichen Meister-Jünger- Verhältnis steht das jüdische Leyrer-Lchüler-Verhältnis gegenüber. Die Wandlungen. des FährcrtnmZ wurden am Prphcten, am Rabbi und dem heutigen Rabbiner gezeigt. Kurz ging der Referent auch auf die Bestrebungen zur Wieder- ' errichtung eines Lauhedrins m Jerusalem ein. Hebräische Sprachgeschichte und praktiscl)e Be- 'Handlung schwieriger Fragen des hebräischen Sprachunterrichts (Schum, Tagesch, Kamez latan nsw.) ivaren Gegenstand der von Dr. Woski n (Leipzig) geführten Arbeitsgemeinschaft. Eine um» .fassende Kenntnis der hebräischen Sprachwissen- .frfjnft kennzcichncte die fesselnden Vorlesungen des Redners. Tie geplante Behandlung der „Apologetik im jüdischen Religionsunterricht" muhte wegen des Hinscheidcns Dr. Goldmanns aussatten. Zum Schluß der Tagung sprach Rabbiner Tr. Wolf (Dresden) den Dank der Hörerschaft aus. die für lange Zeit hinaus Anregungen erhalten habe. J. Kindliches Spiel — kindlicher Trotz Von Prof. Dr. L. F. Meyer, Berlin „Spiel ist die höchste Stufe der Mcuschciientwickluug dieser Zeit; es nt die freiwillige Darstellung des Inneren aus 'Notwendigkeit und zugleich das Vorbild, Nachbild des gesamten Menschenlebens. Ein 'Kind, welches tüchtig, selbsttätig, stitt, ausdauernd spielt, wird auch ein tüchtiger stiller, ausdauernder Mensch." (Frvbel). Fast mochten wir glauben, daß man es im späteren Leben jedem anmerkt, der in seiner Jugend nicht spielen gelernt hat. Tie Spielfunktion ist eine wichtige Onelle jeder produktiven Leistung des Erwachsenen in Wissenschaft. Kunst und Wirtschaft. In der Kindheit gibt das Spiel Lebensfreude und heiteren Sinn und läßt Langciveile, die Ursache vieler kindlicher Ungezogenheiten, nicht auslommen. Niemals ist der Erwachsene ein vollivertiger Ersah für den kindlichen Spielkameraden, mögen wir es noch so sehr versuchen, uns ans die Ebene des linMirijeu Denkens cinznstetten. In unserem Spiel steckt zuviel Schulineisterei, wir beantwoitcn dabei zuviel Fragen und belasten das kindlick)e Gehirn. Spiel mit Kindern ergötzt und ruht aus. Spiel mit Erwachsenen langweilt und strengt an. Betrachten Sic die Gesichter Ihrer Kinder beim Spiel mit Gleichaltrigen, die Augen leuchten, die Haut ist gerötet, die Gesichtszüge sind gespannt. Beim Spiel mit Erwachsenen dagegen -sind die Augen matt, die Hautfarbe blas; und die Gesichtszügc schlaft. Das Kind freut sich der häufigen 'Wiederholung des gleichen Spiels, dasselbe Märchen lann es hundertfach in derselben Fassung hören, während uns die Wiederholung ermüdet. ' Spielzeug ist lein Spick. Auch hier wird der Fehler gemacht, immer wieder neues Spielzeug zu liefern, während das Kind an; alten und vertrauten Spielzeug die meiste Freude hat. Wie hängt das kleine Mädchen gerade an ihrer ältesten Puppe, die oft mrr noch einen Torso darsteilt. Je mehr Spielzerig wir dem Kind in die Hand gehen, desto weniger weist es damit anznfangen: eine leere Garnrolle bedeutet oft mehr als die neusten Wunder der Spielzeugindnstrie. Irn Spiel lernt das Kind auch ohne viele Worte Unterordnung und Disziplin, denn Führer und Geführte rvechseln sich ab. Rur wer die Einordnung gelernt hat, wird von den Kameraden zur Führerschaft zngelasseu. Deshalb findet man . oft. daß einzige Kinder, die lieber herrschen als gehorchen, von den Spielgefährten oft abgclehnt werden und schwerer als andere einen Freund finden. Obwohl die Lebenszeit zrvischen ein bis sechs Jahren als Spielalter des Kindes bezeichnet wird, fehlt es auch in dieser Lebensperivde nicht an ernsten Lebenskonflikten. Tie sozialen Konflikte treten zuerst bei den Zwei- bis Vierjährigen in die Erscheinung, in einer für die kindliche Entwicklung überhaupt kritischen Lcbensphase. Es ist die Zeit, die für jedes Kind, und damit auch für die Erzieher, schwierig zu nennen ist. Früher taimr beachtet, wissen wir heute, daß iu dieser Lebenszeit die Grundlagen für den Ausbau der Persönlichkeit gestaltet werden. Erziehungsfehler, die in dieser Periode begangen werden, sind von schwerwiegenden Folgen für das ganze Leben begleitet. Während Aerztc und Erzieher sich heute der Bedeutung dieser Jahre bewußt sind, ahnen die nreisten Eltern noch nichts von dem, was hier vvrgcht. In der Regel sind die Eltern ganz erstaunt, daß ihr Dreijähriges, das bisher so brav und solgsanr war, mit einem Male trotzig, ungehorsam und schwer erziehbar wird. Sie verstehen gar nicht, welch böser Geist in das bisher so gute Kind gefahren ist. Ihnen kann man heute die Erklärung für die seelische Verwandlung des Kindes geben. Es handelt sich um eine Art von Lebenskrisis, die jedes Kind in dieser Zeit durchwacht. Ten Forschungen Freuds, Charlotte B ü h l e r s und vor allem Benjamins') verdanken wir das Verständnis dieser kritischen Periode des kindlichen Lebens. Man hat sie die T r o tz p e r i o d e, die erste Pubertät oder die erste Sturm - und Drangperiode des Kindes benannt und damit den seelischen Aufruhr des Kindeö schon in der Beuemnrng zum Ausdruck gebracht. Es ist die Zeit, in der sich das bisher nur seiner Lustbefricdignng lebende Kind der Gemeinschaft und ihren Forderungen anpassen muß. Bis dahin lebte das Kind unbewußt nur seinem Ich. Bringt man zwei Kleine von iy3 Jahren in einer Box zusammen, so nehmen sie kaum von einander Rotiz und es fehlt jeder soziale Kontakt. Schon beim Zweijährigen wird das Experiment anders ausfallen. nun zeigen sich K Bergt, die Besprechung!n dee „T.-D.-Zeitung" vom 2. August 1934. bereits Beziehungen, wenn auch primitiver Art, zum Du. Ein Ball wird bereits zwischen beiden hin und herbewegt. Ein Spielzeug gemeinsam bearbeitet. Zärtlichkeiten oder auch Grobheiten werden ansgetauscht. In jedem Individuum erwacht der Wunsch zur Angleichimg au andere, während gleichzeitig der Drang zur Selbstbehauptung besteht. Ans diesem Widerstreit der Empfindungen entsteht eine seelische Disharmonie, die jedem Kind in dieser Zeit zu schaffen macht. Daneben must uni diese Zeit die Erziehung des kleinen Erdenbürgers ernstlich beginnen. Unter Erivecknng von llnlnstgefühlen must die Einordnung des Kindes in sein Milieu und die Hemimnut der Triebe erfolgen. Ta das kleine Kind Anhänger des Rictzscheschen Satzes ist „alle Lust will Eivigkeit", läßt es sich zum Lustverzicht nur unter sanftem oder gröberen; Erziehnngszwang herbei. Leide: fällt cs den Eltern vieler Kinder schwer, llulnstgesühle, ohne die die Erziehung nun einmal nicht möglich ist, ausznlösen. Aus die Forderungen, die an das Kind gestellt werden müssen, reagiert eS auf seine Art und mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln, um seinen Protest der llmgebung möglichst fühlbar zu machen. Die Stärke dieses Protestes hängt einmal von der Erbanlage des Kindes ab und zun: andern von den Erziehungsfehlern, die gemacht wurden und gerade in der Trotzperivde sich zu häufen Pflegen. Benjamin hat uns gezeigt, wie sich aus dieser Protesteinstellnng der Kinder abwegige Eharaktereigenschasten entwickeln und bis zu echten Kraukheitssymptomen steigern können. Bei guter Anlage und regelrechter Erziehung ist die Sturm- und Drangperiode im fünften Lebensjahr überwunden und nach dieser Zeit die weitere Erziehung beim normalen Kind eigentlich leicht. Bei ungünstiger Anlage und regelwidriger Erziehung kann die Trotzperivde in veränderter Form unter Zurücktreten der lauten Trvtzerscheinungen bis zur Pubertät und darüber hinaus bestehen bleiben. Tann hat sich ans dem anfangs nur imerzogeuen Kind ein neurotisches entwickelt, eben weil das Kind nicht in normaler Weise mit den Lebensfragen fertig geworden ist (Adler). In solchen Fällen must die Hilfe eines psychologisch geschulten Arztes in Anspruch genommen werden. Tie Wurzel der Neurose aber geht in jedem Fall aus das frühe Kindesalter zurück. Aus dieser Erkenntnis erwächst uns, besonders bei den einzigen Kindern, die wichtige Aufgabe, vorzubeugen. Alle jene Erziehungsfehler sind vermeidbar, die durch die Isolierung dieser Kinder in dieser wichtigen Lebensphase begangen werden. Dabei wird unsere Kritik nicht am Kind, sondern am Erzieher einzusetzen haben. Das einzige Kind soll und darf nicht unter Erwachsenen auftvachscn, sondern als Kind unter Kindern. Wenn die Gesellschaft vor: Spielgefährten im Hause nicht ermöglicht werden kann, dann ist trotz aller Bedenken in bezug auf die Insektivnsgcsahr die Teilnahme am Kindergarten an- Zuraten, co manche Kraukheitssymptome wie Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Erbrechen und manche unsoziale Eharakterzüge schwinden schnell, wenn die Gemeinschaft mit Altersgenossen hergestellt ist und das Kind sich in diese Gemeinschaft einzufügcn gelernt hat. Ausdrücklich möchten wir davor warnen, sich mit einem der vorher genannten Symptome allzuviel zu beschäftigen. Daß dadurch das Abwegige nur bestärkt wird, wurde bereits vorher betont. Auch vieles Nörgeln und Tadeln nützt nie, es langweilt das Kind nur und bringt Unlust in die Kinderstube; besser als Schelten ist es, nach den richtigen Erziehung?- grundsähen zu handeln und das Kind daran zu gewöhnen, die Folgen zweckwidrigen Handelns selbst zu tragen. Im übrigen sollen wir von einer festen Erziehungslinie nicht abweichen, unser Ja sei Ja. unser Nein Nein, damit das Kind weiß, wonach es sich zu richten hat. Jedes Kind sehnt sich nach autoritativer Erziehung und ist für eine grade Führung dankbar. Schwankende. zweifelnde und launenhafte Menschen sind als Erzieher unbrauchbar. Wenn die Schule beginnt, muß das Work der Erziehung im wesentlichen getan sein, denn mit der Einschulung worden die Erziehungsprobleme vereinfacht, weil die Kinder nunmehr mit Kameraden und Freunden aufwachscn, deren Freud und Leid sie teilen. Der Zwang zur sozialen Einordnung ist nunmehr die beste Erziehung und die Schule mit ihren gleichmäßigen Pflichten und Forderungen für alle kann noch manchegut« machen, was bis dahin versäumt wurde. Deshalb sollten einzige Kinder nur aus wichtigen Gründen der Gesundheit von dem Besuch der Einheitsschule zurückgehalten werden. Gerade ihnen Einzelunterricht oder Unterricht im kleinen Kreise zu geben, wäre ein Fehler, denn dadurch würde lviederum der Ausgleich ihrer Sonderstellung versäumt werden. Den Eltern liegt es ob, Freundschaften zu fördern, ganz besonders bei scheuen, in sich gekehrten Kindern, die anfangs den Kontakt mit andern fürchten. Ausdrücklich sei davor gewarnt, den Ehrgeiz für unsere Kinder zu sehr zu überspannen. Unsere Forderungen sollen den Fähigkeiten.angepaßt sein, dabei sollen rvir uns hüten, etwaige Talente zu überschätzen. Ein Kind, das zeichnen kann, wird deshalb noch kein Raffael und ein musikbegabtes noch kein Mozart. In der Kindheit bedarf cs der harmonischen Durchbildung der natürlichen Gaben, einseitiges Training ist selten günstig. Eine zweite Lebcnskrists hat das Heranwachsende jbind in der Entwicklungszeit, der Pubertät, zu überstehen. Mögen die Eltern auch noch so vertrauensvoll mit dem Kind stehen, hier bleibt immer eine Kluft zwischen zwei Generationen, die nun einmal nicht zu überbrücken ist. Die Reifung zur Persönlichkeit geht unter seelischen Stürmen vor sich: darüber mit zarter Hand zu wachen, so wenig wie möglich einzngreifen und das Kind mit seinen Sorgen und Konflikten ernst- 'zunehmen, ist die Aufgabe der Eltern in jener Zeit. Das höchste Ziel unseres tzrziehungswerkes soll darin bestehen, daß nach abgeschlossener Entwicklung der Jüngling und die Jungfrau sich als selbständige Individuen von: Elternhaus lvslöscu und gefestigt ins Leben treten. Mur noch ein Fünftel! Hochschulgesefzgebung und jüdische Studierende Auf Grund von Ausführungen in der Tagespresse veröffentlichten nur in Nr. 38 der „E.-V.- Zeitung" vom 21. September d. I. einige Zahlen über den Rückgang der nichmrischen Studierenden in den beiden Semestern des Hochschuljahrs 1933/34. Tie „Teutschie Hochschulstanstik" hat eine genaue Ausscheidung mir nach den religiösen Bekenn tn i sie n vorgenvnnnen. Tie folgenden Zahlen beziehen sich mir aus Studierende jüdischen Glaubens, also nicht ans alle Nichtarier schlechthin. Im Winter 1 9 3 3 / 3 { waren an den deutschen Hochschulen insgesamt 10J 007 reichsdentsckie Studenten immatrikuliert, und zivar 87 068 männlidjc und 1t 939 weibliche; davon waren evangelisch . . <>8 835 (67.48 v. H.). katholisch . . , 30 656 (30,05 0. *0, Jüdisch . . . 812 ( 0,80 v. H.). Alls der Zahl 812 ist zu ersehen, wie stark der jüdische Anteil an: deutschen Hochschulstudium gesunken ist. Im ersten Halbjahr, in dem die Hochschulgesetzgebnng in Kraft trat, ist die festgesetzte Richizahl von 1.5 v. H. unterschritten worden, selbst wenn wir einige hundert Nichtarier nichtjüdischeu Glaubens hinzurechnen. Eine nähere Betrachtung der Aihk 812 macht die Entwicklung noch klarer; von den 812 jüdischen Studenten ivaren 589 Männer und 223 Frauen, davon standen im ersten S e m e st e r n n r 1 3 b z u\ 3. znsa m m enalso nur 1 6. Sic machten 1,97 v. H. der Gesamtzahl aller jüdischen Stndenten aus, während im allgemeinen 0,6 Prozent aller Stndenten erste Semester waren, Nwbei freilich nicht unberücksichtigt bleiben darf, daß sich für manche arische Studenten durch den stu.-entisch-.n Arbeitsdienst, der für Inden nicht in Betracht kommt, der Begilin des Studiums ans das Wintersemester verschob. Ten 812 Studenten im Wintersemester 1933134 stehen im Winter 1932 33 4382 jüdische Stndenten gegenüber: die Zahl hat sich also innerhalb eines Jahres nur mehr als vier Fünftel v e r r i n g e r t l Jn'den meisten Fächern ist die Zahl der jüdischen Hörer ans weniger als ein Fünftel der Zahl des Borjahres znrüclgegangen. Bei den Juristen sogar mr.f mehr als ein Zwanzigste! dieses Jahres, in absoluten Zahlen ausgedrückt, von 952 auf 46 gefunken. Von diesen 46 Studenten der Nechtswissensehastcn Ivaren 38 Männer und 8 Frauen, die sämtlich ihr Studium vollendeten. Keiner stand im ersten Semester. Ettvas günstiger liegen die Zahlen der Mediziner 1360 gegenüber 1916) und Za hn me d i z i ne r (97 gegenüber 349). Ze i t ii ii g skn nd e, ein Fach, das 1932333 noch immerhin 16 Inden als Hauptfach belegt hatten, hörte im Wintersemester 1933/34 lein jüdischer Student mehr. Diese knappe auszugsweise llebersicht aus den Zahlen der neuesten Hochschulstatistil zeigt deutlich, wie rasch sich die Ariergesetzgebnng aus dem Gebiet des Hochschulstudiums ansgewirkt hat. 8. L. Berufsethik 'und Berufswahl'*1 Von Heinrich Kuhn ' Wir haben in misereu Betrachtungen so viel über Berufswahl gesprochen, ohne uns bisher Ge. danken über das eigentliche Wesen des Berufs ge. macht zu haben, daß diese Frage noch z« finren bleibt. Berus ist Wertvcrwirklichung der Persönlichkeit. ist die Form, in die der Mensch arbeitend seine Wertsülle einströmen läßt. Abhängig ist dieses natürliche Bernfserleben von der Uebercinswn. niung des Berufes mit den Kräften des Menschen, die ihn befähigen, den in seiner Arbeit geforderte,! höchsten Wert nach menschlicher Möglichkeit zu schaffen. Tenn jeder Beruf, und sei es mid) bcr einfachste — nicht der niedrigste, denn es gibt keinen niedrigen Beruf; der Mensch erhöht oder rr. niedrigt ihn — stellt an seine Angehörigen die Forderung, den idealen Wert im Beruf zu vertvirklichen. Der Mensch, der sich in seinem Beruf selbst erlebt, ist bei geringem Einkommen glücklicher m* ein anderer, dem bei größeren materiellen Erfolge» die eigene Arbeit stets fremd und nnbescclt bleibt. Gerade dieser Zustand führt zu der Lebensaufspal. tuug von Berns und Erwerb, wobei letzterer als Mittel zum Zweck des außerboruslichen Lebens be. trachtet wird und seiner ethischen Wertsülle e»t> kleidet ist. So ist der Mensch bestrebt, die Erwerbs, arbeit zu kürzen, um mehr Zeit für das andere ' (eigentliche) Leben zu haben. Auf diesem Baden gedeiht dann jene Korrmnpiernng der ehrlichen Arbeit, die wir leider so oft erlebt haben. Tie Einheit von natürlicher Anlage und deren Aus. Ivirkungsmöglichkeit im Bertis ist das Leben, um dessen Gestaltung cs heute nicht nur in unseren Reihen geht. Tie Beriissivolil richtet sich min midi diesen natürlichen seelischen Anlagen. Ein im Grunde seines Wesens nüchterner Mensch, der für ästhetische Form und Gestaltung lein inneres Erleben hat. wird daher nie einen Berns ergreifen föintrn. in welchem gerade solche Funktionen sich answirken. Ter gesamte Bernssbereich in allen seinen Ab. stnfnngen. also znm Beispiel Künstler. Gebrauchs, graphiker, Tckvrateur. Blaler; aber and) guni'l. sihmied. Kimstformer ustv., ist für ihn ausgeschlos. sen. Teint selbst wenn er bei großem Fleiß unb einiger formaler Geschicklichkeit die erforderlichen maimellen niid tnechanistchen Fertigkeiten erlernte, was noch sehr ziveiselliast ist. bliebe ihm dod, das Erlebnis der Verwirklichung seines inneren Wesens, das form schöpferische Wertgestalten vom Ich her. immer fern. Er hätte einen entseelten — und daher ethisch nicht zu rechtfertigenden — Erwerb, aber nie einen Berns. In Notzeiten kann für Er. Ivaehscne, und auch mir in Einzelfällen, eine foldic Einstellung zum Berus von der menschlichen Gesell, schast geduldet werden; für jugendliche Berufs amoärter als Träger unserer künftigen sozialen Gliederung ist sie unmöglich. ' Im Allgemeinen entspricht auch die echte '&'■ rnfseigmmg dem mehr oder minder beivußken Almen um diese tiefsten seelisckwn Anlagen.?br Drängen nacli Berivirklichnng läßt ans seelischen Urgründen den echten Bernfswimsch entstehen. Während der unechte ans äußerlichen Taten nufL^utr znm Beispiel Berns des Vaters, gesellschaftliche Rücksichten, materielle Ersvlgswünsche nsiv. genaue Untersuchung der Echtheit einer Beruhneignng ist daher wichtigstes Erfordernis. Erst an zweiter Stelle ordnet fid) die wirtscha'!- Ische Aussicht ein: denn da die Anlagen in dca nllerselteniten Fällen mir auf einen eiu'/igsü Epezialbernf hindeuten, sondern innerhalb tim': Gruiidstrntlnr einen nicht unerheblichen Lpici' raum lassen (znm Beispiel Kimstformer, Ku:i'> sckvltied. Kunstschlosser oder Bäcker — Konditor -- Kocht, so kommt den ivirtschaftlichen Bedingungen nur die Rolle der Variation innerhalb der gruudsätzlichen Berusscntscheidnng zu. Dieser Gedanke, daß die seelische Natur des Menschen in ihrer Entsprechung zur sittlichen Natur des Berufes all.uir ausschlaggebend für die Umschichtung sein dar!, wird sich gegen das bisherige inateriKißische Sogma von der '2llleingültigkeit ivirtschaitlicher Bedingungen durchsetzen müssen, wenn das Werk gelingen soll. ^Tiese neue Haltung hat auch allein das Recnt auf Optimismus. v Die Aussatzreihe von Heinrich Kuhn über das Umschichtnngsvroblem ist soeben in crivcitertcr Anssührnng als Broschüre erschienen. Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands Die Werk kreise des Landesverbandes .Hessen — Hessen-Nassau im Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands hielten eine Tagung ab, bei der Gerson Stern, Kiedrich über das Thema „Brauchen wir religiöse Form?" sprach. Daneben wurden Sportfragen behandelt. Als Ergebnis der Aussprache wurde eine Entschließung angenommen. die lRengründung eigener Sportgruppen zu beschleunigen und die Schaffung von Arbeit«. gemeinsck)asten der jüdischen Sportvereine zu fördern. Ten Abschluß der Tagung bildete der gemeinsnme Besuch einer Feierstunde, bei der Rabbiner Tr. Lemke eine Ansprache hielt. In der Jüdischen Kinderhilse e. 23., Berlin, be. ginnt am 1. November ein einjähriger Kursus zur Ausbildung in Kinderpflege und Hauswirtschgst. Die praktische Arbeit wird im Tagesheim für Säug^ lingo und Kleinkinder, im Kindergarten und in der Kinderpoliklinik geleistet Theoretische Kurse über Entwicklung, Pflege und Ernährung dos Kindc-r. Kinderkrankheiten. Erziehung und Beschäftigung werden von Fachkräften erteilt. Schriftliche Meldungen an die Leiterin Fräulein Neufcld. Berlin X 24. Auguststraße 14—15. oder an das Lerufsamt der Jüdischen Gemeinde, Berlin C 2. DaS Privatkindcrlicim .Harvcstcstudc «b-»". bürg) kann auf das erste Jahr seiner Arbeit Z»' rückblickeu. Durch Spenden aller Art kouule seinerzeit der Plan dieses Heimes verivirklicht werben. Im verflossenen Jahr wurden Kinder im Alter von zehn Tagen bis sechs Jahren aufgenommen und g-' p'legt. Tie hohen, luftigen Räume, die sauiräreu und lihgienischen Einrichtungen des Hauses geii'äbrleisteten eine gute und gesunde lluterlunft. rck Kinder standen unter ärztlicher Aufsicht und ivurden von den Schülerinnen der Honshaltimg-schule des Jsraelitisäwn Frauenvereins E. V. die hier in Säuglings- und Klemtinderpftege ausgebilbet wurden, betreut. Die Leitung liegt in den Händen der Schwestern Hennh H a u f e n - D a l t r o p un^ Margarete M a a ß. (jin Jahr Latt-schullicim .Florenz. TaZ Landschulheim Florenz (bisher Erziehungchenu Florenz Nlaiano.Fiesole. Billa Elena) i>t 1. Oktober von seinem Sommerauseuthalt an ol?r See znrückgekehrt und hat sein neues yrdßerr» Heim, die Billa Pazzi in Pia» dei Giullan bei Florenz bezogen. Es hat damit das zweite Jalir seines Bestehens eröffnet. Die bisherige lung ergab ein ständiges Anwachsen der Pi hl. so daß eine Erweiterung der Räume und der Aufgaben sich als notwendig erwiesen hat. "2"M'3ci!uug", Nr. 27. 29, 80, 31/ 3?, 31