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Central-Verein-Zeitung · 1934-10-18 · 42 (18.10.1934) · page 15

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
42 (18.10.1934)
Date
1934-10-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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! mm fnttän Buber Ivricht Kr EMnrmg Srs SeMlehrgrmss »rs Urbischen Lehrh-mlekn «xronkkMt n. MM Unter dem starken Eindruck der Buberschen Rede zur Eröffnung des Herbstlehrgangs 1934 möchte man eher von einer Ansprache als von einem Vortrag s p rech cm; insofern nämlich. als das Uninittell->are der Ucberlcgungen. das „Werkstattinäßige" des Entstehens von Gedanken und Folge- Hingen, die in Buberschen Arbeiten vor- und N'Luertlingen, gerade hier, und bei solchem Anlaß in besonderer Klarheit wirksam wird. In dem Rücrlcben des Entstehens und der Aufdeckung von Tcsinnungen und Problemen liegt für den Äirerfreio nicht zuletzt das Faszinierende der Reden Bubers. Ausgehend von einem Wort des Grafen Hermann Keyserlrngk. daß die gegenwärtige geistige Situation der europäischen Völker dahin gekennzeichnet ser. daß in der Leitung des Bülkerlebens der suggerierende Typus den geistig-lcnkenden verdrängt habe, stellte Buber das Verhältnis des G e i st e s 311 d e n E l e in e n t a r t r ä f t e lt im Ablauf der abendländischen Geistesgeschichte dar. Unter Geist versteht Buber nicht etwas, was erst allmählich in der Geschichte des Menschengeschlechts ansgekommen ist: Geist ist ihm nicht eine späte Blüte im Wachstum des Menschengeschlechts, sondern Geist ist das. was den Menschen als solchen ton'truiert. Geist ist die ursprüngliche Ganzheit, nicht ein Element neben anderen Elementen, nicht eine Eigenschaft des Menschen neben anderen. Geist ist die Ganzheit des Menschen, in der alle seine Kräfte, Eigenschaften, Triebe eingezvgen sind: Also nicht das. was Inlelii'fi heißt, seinen Sitz im Gehirn und das Teilten zu seiner Funktion hat. Das Verhältnis dieses Geistes zu den Elemcntarlrästen. den tellnrischen, besieht in seiner L e b e n s rv i r k u n g. Tie Geschichte von da ans betrachtet, läßt drei Phasen der Beziehung erkennen: Verklärung der elementaren Kräfte (Heidentum). U e b e r - w i n d u n g der elementaren Kräfte (am intensivsten und eindringlichsten im Christentums, .Heiligung der elementaren Kräfte und damit ihre Verwandlung. Im H c i d c n t 11 m werden die elementaren Kräfte als solche vergottet, sic werden nicht geheiligt, sondern heilig gesprochen. Tas Nichtmächtige, Unmächtige entblättert sich lind Nachgoldnngsversuche (Hellenismus) versagen. Notwendig bricht die heidnische Welt in weltfremden Geist und gcistsremde Welt auseinander. Als das E h r i st e n t u m die Macht antritt. entsteht ein anderes Verhältnis des Geistes Z'.l den Elementar- '.rasten und Elementar trieben: Es vollzieht negative Entheiligung der Elementarkräste. Tas Christentum vollzieht ferner positive Entheiligung der Elementar triebe. Das lshristentum bringt diese Elementartriebe unter die Oberhoheit einer völlig andersartigen Heiligkeit. einer Heiligkeit, die diese Triebe im Grunde verneint und verwirft. (Regeln der Mönchsorden: Eie verhalten sich zu den Elementartrieben grundsätzlich negativ.) Das Judentum i st das deutlichste R e 2 l s y st e m bewältigenden G e i st e s. tzrn Judentum ist der Geist die Macht, die die Welt heiligt. Ter Geist besteht in der Heiligung der 'llleltt er ist die geschehende Gottverbundenheit der Welt: um dessentivillen ist er da, läßt sich aus den Menschen nieder, damit e r die Welt heilige. Im Judentum wird mit äußerstem Ernst die „Geschaffenheit der Welt" angenommen. Hier wird nicht die Welt zum Geiste verklärt, aber auch der Geist lagert sich nicht überwindend über die Welt, sondern hier i st d e r G e i st heiligend und d i c WcBlt ist geheiligt. Tie Elementarkräste werdeii im Nealshstem, in der Glaubenswelt des Judentums geheiligt: Volk u n d Land sind nicht als Elementarkräste für sich heilig, sondern empfangen ihre Gültigkeit von dem Echopsnngsziele Gottes. Volk und Land sind eine heilige Einheit, nicht heilig gesprochen, sondern vom Heiligen rezipiert. — Ter Hunger wird dadurch geheiligt und faktisch gewandelt, das; der Mensch, der Fleisch essen will, es nur im Zusammenhang mit Gott, mit einem Opfer tun kann. — Tas Geschlecht wird geheiligt durch das Grundsakrament der Beschneidung. Tas bedeutet Annahme der Schöpfung, der Leiblichkeit. — Macht- Wille wird dadurch geheiligt, daß der oberste Träger der Macht, der menschliche König, sein Amt in allem Ernst von Gott empfängt, so, das; er mit der Salbung einen Auftrag empfängt, daß er mit dem Reich, das er zu führen, den Anfang des Gottesreiches zu führen hat. Tie Heiligung wandelt, verwandelt die T r i e b e, indem sie sic in die Verantwortung dein Heiligen gegenüberstcllt. Tie Leidenschaft ist den Menschen von Gott cingeschafsen worden, als die Kraft, ohne die kein Werk, auch kein heiliges Werk, geraten kann. Nicht davon sollte gesprochen iverden. was in dieser Zeit des Versagens des Intell e k t S die Elementarkräfte an die Macht gebracht hat. TaS, waS nur zu tun haben, ist, daß wir uns ans diese Einigkeit, die M ä ch t i g k c i t des I u d e n t u w 5 besinnen, daß wir uns mit aller Kraft unserer Existenz besinnen, dessen was wir sind. Kein anderer Geist, allein der Geist, der die Elementarkräfte ein heiligt und einwandelt. i st der Elementark r ä f t e mächtig und nur der kann einer Welt standhalten, in der sie nnbcwältigt walten. Darum haben die Propheten Israels ans der Mächtigkeit des Geistes, der seine Welt heiligt, den Mut., deu gläubigen Mut und die Macht gesunden, sich den Völkern gegenüber- und entgegenzustellen und das Wort des mächtigen Geistes zu sprechen über die Mächte elementarer Kräfte, die dem Geist widerstehen. Den Nahmen zu Martin Bubers Worten bildeten Psalmengesänge des Jüdischen K a in m e r ch 0 r s unter Leitung von Nathan Ehrenreich. Die Vertonungen Salomone Rosst2 kamen dabei zu vollendeter Widergabe. Dr. Hermann Gundersheimer. €Sf! ZMÄöWs gifte? Erst die moderne Zeit hat den Grundsatz der produktiven Hilfe innerhalb der Sozialfürsorge zur Herrschaft gebracht. Innerhalb des Judentums war es zuerst die O N T - G e s e l l s ch a f t. die diesen neuzeitlichen Gesichtspunkt für jüdische Menschen fruchtbar machte. In Rußland entstanden, betrieb sic seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die — wie wir heute sagen würden — Umschichtung der Juden von den Handlerischen in die manuellen und landwirtschaftlichen, also seßhaften Berufe, und ihre Einordnung in den sie umgebenden Wirtschastsraum. Das Werk der ORT-Gesellschast. das sich über die baltischen Länder und Polen auSbreitete und zunächst nur für die dort lebenden Inden geschaffen war, wurde auch von Deutschland ans unterstützt. Hier braucht man nur den Namen Paul Nat h a n S zu nennen, und im letzten Jahrzehnt war es vor allem Justizrat Dr. Julius B r 0 d n i tz, der auf die mittelbare Wirkung der von der ORT- Gefellschaft geleisteten Arbeit auch für die deutschen Juden himvies. Auf einer Pressebesprechung, die kürzlich in Berlin stattfaird, schilderten Ing. D. Kleinent i n 0 w s k y und George G 0 e tz die Eindrücke, die sie auf einer Inspektionsreise für die ORT- Gcsellschaft in Litauen und Lettland empfangen haben. In den Kursen zur Heranbildung von Maschinenschlossern, Bauschlossern. Installateuren, Elektrotechnikern, Landwirten und Tischlern sind seit dem Jahre 1936 auch mehr als hundert junge deutsche Inden uniergebracht. In der etwa anderthalbjährigen Lernzeit erfahren sie dort eine sorgfältige Ausbildung, die sie zu hochwertigen, qualifizierten Arbeitskräften macht, welche neben der fachlichen Eignung auch die seelischen Voraussetzungen für die Ausübung des neuen Berufes mitbringen. ' Die jungen Allen scheu, die dort arbeiten, haben mit ihrer beruflichen Vergangenheit und ihren früheren Plänen abgeschlossen. Sie wollen einen neuen Anfang machen und sind heute, nach etwa einjähriger Knrsdaner, schon harmonisch und zufrieden "geworden, wenngleich es ihnen oft schwer siel und noch fällt, sich dem neuen Milien und seinen Forderungen anzuvassen. Der ORT-Gesellschast in Litauen und Lettland ist trotz oft schwieriger örtliäjcr Verhältnisse im Ausstieg. Erst kürzlich wurde in Kaunas das Richtfest eines „Hauses für jüdische Arbeit", des N'eubanes einer mit modernsten technischen Lehrmitteln ansgestatteien Handwerkerschule, gefeiert. au dcui Juden aller Parteirichtungen teil» nahmen, weil sie einig sind in der Erkenntnis, daß eine normale Bernfsstrnttnr allein die Zukunft der jüdiscbeu Gemeinschaft garantieren kann. Ter litauische Staatspräsident Smetona und der Mliilstervräsident Tnbieles haben den Präsidenten der Erekiltive des ORT-Berbandes ernpfangen und sich über die Arbeiten der Gesellschaft genauestens informiert. Die deutsche Judeuheit verfolgt mit Interesse ein Werk, au dessen Ausbau sie mithals und das nun ihren Söhnen zugute kommt. K. J. R. öea MMes Ht'inemanii B l 11 m e 11 f c l d (Moniberg. Kreis Marburg) wurde am S. Oktober 80 Jahre alt und feiert am 22. Oktober mit seiner Frau Earvliue, geb. Katzenstein, das Fest seiner goldenen Hochzeit. — Hugo H er; und Frau Jdn. geb. Seelig (Berlin), begeht am 19. Oktober das Fest der goldenen Hochzeit. — Carl o cf) ö n c b a u m (Dortrnnnd-Hoerde). Vorsteher der Synagogengemeinde und treues Mitglied des C.-V.. vollendete am 16. Oktober sein 60. Lebensjahr. — Wolf All a t c u S (Oberkotzau b. öo?\ feiert am 22. Oktober seinen 70. Geburtstag. — Stadtrat a. D. Ernst Lcderinan n (Oberglogau. O.-S.), der frühere Vorstand der Ortsgruppe des C.-V., feierte am 17. Oktober seinen 70. Geburtstag. Herr Lcdermann ist als Vorstand der dortigen Gemeinde sowohl in der Stadt als auch innerhalb der Gemeinde sehr angesehen. ff!*» Das Gesundheitsamt der jüdischen Gemeinde Berlin, X G5, Ererzierstrahc 11a. teilt mit: Ter verdienstvolle Leiter der gynäkologischen und geburtshilfkichen Abteilung des Krankenhauses der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Sanitätsrat Tr. Karl Abel, tritt nach langen Jahren erfolgreicher Tätigkeit am Krankenhause am 1. Januar 1960 in den Ruhestand. Tie bisher von ihm verwalteten Stellen als dirigierender 'Arzt der Station und weiter der gynäkologischen Polillinl sollen in Zukunst nicht CV* Kalender Landesverband Grosz-Verlin 22. Oktober, 20 Uhr ‘JOSKin.: Gnopc Westen: E.-V.-Frauer» -Arbciwgemcinschaft. „Grlchutzie der Juden in Deutschland." Logrnbaus, ttleistslrnhe 10. 25. Oktober, 20 Uhr 30 Min.: Gruppe Osten: C.-B.-Frauen» Arbeitogemrinschaft. „Geschichte der Juden in Deutschland." Hotel „König von Portugal". Burgstraße 16. Landesverband Vrandcrrbnrg 20. Oltober, 20 Uhr 30 Min.: Guben. Geineindeoersauunlung. Dr. tlludols H. H e i m ans 0 li n (Berlin): „Deutsch.jitdischer Zukuuftswillc". Geniciudehaus. 22. Oktober, 20 Uhr: Forst (N.-L.). Gemeindeversammlung. Dr. N-iüolf H. Hei man sühn (Berlin): „Deutsch.) Wischer Zukuufiswille". Möhrs Hotel. Landesverband Oberschlcsten Rechtsanwalt Dr. Kehr (Äaiserslantcru) spricht über „Erhaltung und Gestaltung des deutschen Judentums" am 22. Oktober: Hindenburg, Bibliothek,aal der Donners. marck-Hütte. 23. Oktober: Bcuthcn, Naiserhofsaal. 24. Oltodcr: Oppeln, Logenräume, Nosenbergstraßc 13. 25. Oktober: Glenvitz, Blüthnersaal. 27. Ottobcr: Ratidor, Logensaal, Brucks Hotel. Landesverband .Hcsicrr-Nassau und .Hessen 22. Oktober, 20 Ahr: Frankfurt a. M.: Versammlung der jüdischen Handelsvertreter, Nefcrcut: Divl..Kaufmann Artur Julius bürg (Berlin): „Bcrussprobleme für den jüdischen Handelsvertreter". 27. Oktober, 20 Uhr 30 Min.: Frankfurt a. M.: Gemeinde. Versammlung. Dr. Hans R e i ch m a n n «Berlin). Großer öaal des Geseüschaftshauscs, Eschershcimer Landstraße 27. 28. Oktober, 10 llhr 30 Min.: Wiesbaden: Landesverbands» tagung. „Für unseren Arbeiw- und Lebensraum: Fiir deutsch.jüdische Zukunft!" tlledncr: Dr. Hans Beimm a u n (Berlin) und Dr. Äolfgang S. M a tz d 0 r f f (Frankfurt a. M.). Hotel Ritrer, Taunusstraßc -iö. Landesverband Ntzcirrtand-LScstsalen 1. November, 10 Ahr: AIcoc: BeKrksvcrmmmtnng, vrr« schoben vom 21. Oktob"r: Dr. Ernst Plaut: „Dille und Deg der deutschen' Juden". Gemeindehaus, Reit« Landesverband MiLteldeuksähland 25. Oktober. 20 Ahr 30 Min.: Leipzig: Frcuccngcuppe, Dr. Margarete Cdelheim «Berlin): „Die öffentliche Meinung im deutschen Judentum". Jüdisches Jugendheim, Clsterstraßc 7. mehr vereint bleiben sondert, cinwln besclsi werden. Für beide Stellen werden erfahrene Fachärzte auf dem Gebiet der Frauenkrankheiten und Geburtshilfe gesucht, die auch das chirurgische 'Arbeitsgebiet völlig beherrschen, geeignet sind, sich au der wissenschaftlichen Aus- und Fortbildung von Aerzten und Schwestern zu beteiligen und eine gewisse Erfahrung in der Vcrwaltungspraris mitbringen. Ter dirigierende 'Arzt der Station muß sich and; am Unterricht in der staatlich anerkannten Krankenschwesternschule und Säuglingspslegeschule beteiligen. Schriftliche Vewerbungen unter Beifügung von Zeugnisabschriften, Leben Kauf und lllachweis bisheriger wisienschasllicher Tätigkeit werden dis zum ö. Aovember an die Direktion des Krankenhauses der Jüdischen Gemeinde. Berlin X 6.">, Ererzierstraße 11a, erbeten. Die Beratungsstelle für jüdische Zahnärzte Deutschlands, Berlin W 10, Kilrfürstcndanun 97, Garten Haus, II., teilt mit, daß die Beratungsstelle in Zukunft Tientags 8.30 bis 10 Uhr und Donnerstags 18 bis 20 Uhr stattfindcn. Berlin: ** 20. Oktober, 20ss Uhr: Gelbsthilfcgruppe jüdischer Körpers bchrnderter. Bunter Abend. Mitwirkcnde: Marion Äocgel Walter Steiner, Prof. Erich Hopp. Gustav «dtabinski. Dann,, Grün u. a. Ehemaliges Loaenhau^, Joochcmsthaler Straße 13. Breslau: ll? Deutschland aus Vergangenheit und Eegenroa Grälsichenftraße 61—65. 22. Oktober, 18 Ahr: Kulturkreis. 1. Kindernachmitto „Anröec feiern blauen Montag". Simchat-Tora-Zta frier. Bercinsbaus Kürafuerstraße. 22. Oktober, 20V4 Ahr: Freie Jüdische Volkshochschule. <5 aipmna des 31. Halbsemesters. Otto Bernstein. Lessin saal. Agnesstraße. Die Schlesientournee von Joseph Schwarz (KlavieV u -boris schwarz (Violine) umfaßt folgende Städte: Gli ‘I11- Oktober. Nulturlmnd: Breslau. 21. Oktob, Ge.euicliaft der Freunde: üiatibor. 21. Oktober, 51uUr blind: Hui dr 11 bürg. 23. Oktober. Loge: Bc-uthrn, 21. L tobcr. Jüdischer Frauenvrrcin: Ovpeln, 2ö. Oktob, Kulturbund. Sine Würdigung Börnes Trcilfchlc, dessen hvndertsterE Geburtstag soeben seitlich bcgangcn wurdc. hat in seiner Broschüre ..Ein Wort über unser Judentum" (1850) u. a. in aufsehenerregender Weise ein Urteil über die beiden jüdischen Schriftsteller abgegeben, deren von Leidenkiinft, Musik und Kamps um glänzte Namen in der llicgcl — amgeachtet ihrer inneren Verschiedenheit^— znjammengenannt werden: Börne und Heine. . Ter große Historiker und Publizist hebt den^ Dichter Heine, dessen deutsch empfundene Gedichte ihin unsierölich erscheinen, weit über deu bloßen Publizisten Börne, dessen Werk vergänglich sei. hinaus. . Jenes Urteil blieb für die Bewertung die Börne in lvnjervativen Kreisen farD, weiterhin maßgeblich. llm so überraschender muß deshalb der tiefsnesiende Aufsatz .Ludwig Borne und der deutsche Journalismus", den der Prioatdozent Tr. Otto 'Aa nn soeben in den .Fllatiorxilsozialistlschsn ^ttnatshetten" (5. Jahrg.. 55. -Heft) veröfsentl'.cht. aus den Börne-Kenner wirken. Ter Verfasser, der bereits durch em Buch über Friedrich Schlegel feine Fähigkeit zu eigenartiger Licht geschichtlicher 'Perinnen bewiesen hat. gelangt in seinem Aufsatz zu einer merkwürdigen, von der Ansicht Treitschkes abr weichenden Ausfassui>g. |" Man tut gut, — so meint « — weder Börne 1 noch Heine in Zusammenhang mit dem Liberalismus f :■ .Vs neinven, wenn man hierunter eine ernstzuinehmende politische Bewegung verstehen will, die i. <hwi in der Idee der Selbstbestimmung der Böller und der politischen und geistigen Unabhängigkeit des : ^''UH'!inenjck)en im Staate eine politisch-sittliche Idee \: brrrchziisühren versucht. Börne und .Heine haben st' mit diesem möglichen Ideal nichts zu tun. Viellch wehr vertreten sie eine Extrcmrsierung metaphysischer i -sdeen. die im deutschen Kulturlaus angelegt;: waren und die sie in eine neue Ebene versetzen. Als tz höchst Blüte der innecweltlich humanen Bildung i f.ar dieser Beivegung das Ideal des humanen, i lerne erfüllte Freiheit auswirkenden Dtenschen ents svrungen. Börne und Seine übertragen diese inner- 1 uch sittliche Idee m das Gebiet der Politik, «sre ft wachen aus dieser Formel für die eiufame, menb ^nprägei^de sittliche Bildung das Schlagwort der I lireiheir des Volkes gegen die Zwingherrschaft der i äurnm Tic nehmen dieser Freiheit ihren metaft ftM'stchen Linn als BildrmgSidcal, um ihr einen 1. ^Ulrichen Tinn imterzi,schieben. -Otto Mann ist keineswegs blind gegenüber den Schiväck>'n und der zeitlichen Bedingtheit Börnes, trotzdem gelabt er zu folgender, den Kern der Persönlichkeit belichtciÄer Charakteristik: „Börne ist nicht der Vater des deutschen Journalismus, doch einer seiner Acitgestalter — Er hat durch die Energie, die sich in ihm zur Geltung brachte, seinen Namen der Nachwelt überliefert, und nicht nur oder selbst weniger als Journalist, denn als der Kämpfer für die von ihm journalistisch vertretener, Ideale, der völkerbesreicnden Demokratie und als Vertreter einer souveränen Eeistcshaltung, des Humors. Noch heute genießt er den widerspruchsvollen Ruhm, ein deutscher Freiheitskämpfer gegen die Metternichsü)e Reaktion und ein deutscher Hiunorist zu sein." Md die KsrneWaFr in Frankfurt umLrnünnt? In einem Interview des „Frankfurter Volksblattes" hat der Frankfurter Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs zu der Frage einer etwaigen Umbenennung der Börnestraße und des Börneplatzes folgende Erklärung abgegeben: „Wir haben gar keinen Grund, das Andenken des Löb Barnch besondershochzuhalten, der sich später (nach seiner Taufe) Ludwig Börne nannte und Vorkämpfer der jüdischen Emanzipation wurde. Mir liegt auch bereits ein Antrag auf Aenderung des Namens vor." Die Börnestraße ist der nördlichste Teil der Jahrhunderte alten Frankfurter Judengasse, in der das Geburtshaus und ein Teil des Bankgebäudes der Rothschilds noch heute stehen. Die Umbenennung der „Judengasse" in „Börnestraße" und des früheren „Judenmarktes", wo sich der alte nicht mehr benutzte jüdische Friedhof befindet, in „Börneplatz" erfolgte zum Andenken an den hier geborenen Dichter in den achtziger Jahren. Ein Denkmal, das übrigens entfernt wurde, ist Börne von der Stadt in den Frankfurter Anlagen schon im Jahre 1877 gesetzt worden. SonderdorsteLung des „Jeremias". Die Vorstellungen des „I e r e m i a 2" werden turnusmäßig am 31. Oktober beendet. Um Wünschen zahlreicher Mitglieder Rechnung zu tragen, ist für den 1. November eine Svnderveranstaltung angesetzt; sie ist die unwiderruflich letzte ..Jcremias"-Anssührung. Näheres im llllitglicderbüro. Berlin SW (38, Kochstraßc Gl, und in den Zahlstellen. Ä NsW $G)fc! Ter Kulturbund eröffuete die Wintersaison mit einem von vornehmer Kultur zeugenden Programm. An erster Stelle spielte Fräulein Heinitz die Bratschensonate von Nardini mit schönem "Ausdruck. Eine außerordentliche Ileberraschung war der bisher in Kassel unbekannte Cellist Äuber, der Beethovens ^.-äur-Sonate vollendet zum Vortrag brachte. Tie Begleitung hatte I. Rosenstock übernommen, der zum Schluß mit beiden Künstlern ein Trio von Brahms schwungvoll und meisterhaft gestaltete. ' F. 8WÄM Der jüdische Ätusikvereir, (JMV) begann seine Tätigkeit mit einem Werbekonzert im Liebichtheater. Der große Erfolg ist in erster Linie dem Dirigenten Kurt Havelland zu danken, der aus dem fast nur mit Dilettanten besetzten Kammerorchester das herausholte, was man von routinierten Lerufsmusikern hätte erwarten können. Nach einer Eröffnungsrede Rabbiner Dr. Hermann V 0 g e l st e i n 3 spielte Simon G 0 l d b e r g, vorbildlich in Auffassung und technischem Können. daS Violinkonzert F-ckur von Bach, das dank der nuancierten Orüiesterbeglertung den stärksten künstlerischen Eindruck hinterließ. Durch Goldbergs feinsinnige Interpretation und das klare, abgewogene Zusammenspiel mit Havelland (am Flügel) kam Beethovens Frühlings-Sonate zu besonders kultiviertem Vortrag. Im zweiten Teil störte die zu bunte, für ein Werbekouzert allerdings entschuldbare Programmgestaltung. Tie vier Sätze aus Atozarts Divertimento Nr. 11 hätten trotz der einwandfreien Aufführung Wegfällen oder mit einem Werke getauscht werden können, welches das Orchester mit eigeiien Mitteln zu bewältigen in der Lage gervesen wäre. Um so begrüßenswerter waren die übrigen Darbietungen: vier Stücke für Violine mit Klavierbegleitung von Joses Suk. in denen Eoldberg und Havelland ihre virtuose Begabung zeigen. konnten. Werner Sander!i»ihm die schwierige Aufgabe auf sich, den Hymnus .Jii Ewigkeit" op. ^23 von Sch-ckit für "fünfftrrnmrgen gemischten Chor. Gcigenchor. Solovioliire. Orgel und Harfe zu leiten. Der Chor .des jüdischen Acnsilvereins hat noch nicht das künstlerische Niveau des -Orchesters. Reinheit des Gesamtklanges und tonliche Tifferenziernng lassen zuweilen noch zu wünschen übrig. Erich Schäfser mußte sich an Stelle der Orgel mit einem Harmonium begnügen, das er mit bewährter Kunst spielte. Für die Harfe mußte Celesta eintreten. di? durch ihren aufdringlichen Ton das Klangbild des Ganzen veränderte.. Tie undankbare Aufgabe der Ucbertragung auf dieses Jiistrument erledigte Selma W 0 l r - S 0 b e r f £ i mit großem Geschick. T:e Sologeige spielte Elise Szep h a z y. Infolge der eigenwilligen Instrumentierung Schalits war es für den Chor und die Instrumente schwierig, die nötige Verbindung zu inr. den. Besonders aiizuerkennen ist cs, daß der indische Musikvereiil den jüdischen Komponisten den ihrien gebührenden Platz einräumt, auch wenn etwas schiverer zugängliche Werke beim Publikum nicht s» fort Anklang finden sollteix p. Dresden Als erster Abend in der Reihe von Deranstaltungen der Tresdner jüdischen Künstterhilso fand kürzlich vor mehr als 500 Zuhörern ein Konzert des Konzertmeisters Simon G 0 l d b e r a und des Reger-Schüler Paul Aron statt. Beide Künstler wirkten früher in Dresden und erfreuten sich gerade hier großen Ansehens. Sie erw'esen sich als Kammermusiker und Solisten ersten Ranges. Eine Händel-Sonate in D-Dur konnte mau sich nicht stilechter vorstcllcn. als sie in dein klaren nnd vollen Ton Goldbergs erklang von ^nul Aron gestützt durch den schön belebt Gehandelten Klavierpart. Beethovens sriedvo'l heitere F-Dur-Blvkmsonate ist wirklich eine .Früh- Iingssvnate": das Adagio ist voller Duft, das Scyerzo wirkt kristallklar froh, die Ecksätze wurden m entzückender Leichtigkeit gespielt. Mit einer Sokvsonate von Joh. Seb. Bach zeigte Goldberq seinen grandiosen Strich und seine Doppelgriff, tecipiik. Violinstücke von Josef Suk sind charaktcvijttsche moderne tschechische Musik, in der Aron auch als Begleiter hervortrat. Mit drei Werken von Brahms rührte Paul Aron tief an unser innerstes. Als Gegensatz brachte er dami norO Sluei ui Deutschland fast rinbekannte Stü,1e: „Eklogc" von Anton Dvorak, ein reizendes Hirll":- gedichft niid eine höchst übermütige „Vaueriikirrnes" von Smetana. Das Pnbliklim spendete danlbnr und begeistert Beifall. jz. L. n. 1 l > \ V; V: t t

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