Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 42 (18.10.1934)
- Date
- 1934-10-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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dem mein Leben/ Dieser Satz enthalt keine lieber« treibung; denn viereinhalb Jahrzehnte nach jenen Baseler Frühsonnnertagen hat Carl Neumann uns sein Burckhardt-Buch vorgelegt, eine Frucht immer erneuter Auseinandersetzung mit seinem großen Lehrer, von dessen wissenschaftlichen Anschauungen er sich in vielem, löste, dem er im Herzen aber die Treue hielt. Das ist keine Biographie im landläufigen Sinn, sondern ein Versuch, in einer Folge scharfsinniger Essays das Ewiggültige aus Jakob Lurckhardts Werk und das Einzigartige seiner Persönlichkeit zu erfassen. Auch wer die herkömmliche Methode der Lebensdarstellung im allgemeinen vorzieht, muß zugestehen, daß die moderne geistesgeschichtliche Forschung nicht allzu viele Leistungen vom Range dieses Buches aufzuweisen hat. Auf die Lehrjahre folgen nun die Wanderjahre. Ein Dezennium lang hat Carl Neumann die Welt durchstreift und eine unermeßliche Fülle von Anregungen in sich ausgenommen. In Mi'inchen hat er in der Glyptothek die Antike studiert und au Malerstammtischen Einsichten über moderne Aimft gesammelt. Venedig und Nom bringen ihm die Erfüllung südlicher Schönheitsträume: in jenen Jahren erklimmt seine Begeisterung für das Nenaissanceideal den Kipfel. Mit Untersuchungen über Stauferzeit und Kreuzzüge beschäftigt, dehnt er den Bereich feiner Studienfahrten immer weiter aus. bis nach Aegypten und 'Palästina. Endlich, ein Vierunddrcißigjähriger. habilitiert er sich in Heidelberg für beschichte und Kunstgeschichte zugleich: wie sein großer Meister mochte auch er sich dem Schema des Zunftbetriebes nicht anpasien.. Sein Name dringt zum erstenmal in die literarische Lcfsentlichkcit durch eine Kampfschrift. in der er das Lebensrecht der jungen deutschen Kunst verficht. Damit gewinnt er die Wertschätzung Hermann Grimms und — noch nächtiger — Friedrich Allhoffs: außerdem entwickeln sich nun ireundschaftlickie Beziehungen zu bedeutenden Malern, wie Gras Leopold Kalckreuth, Hans Thoma und Wilhelm Steinhaufen. War Neumanns Blick so schon etwas von der südlichen Schönheit abgekehrt und inehr dem 'Norden zugewandt, so sollte ein Besuch in der Kasseler Galerie die zweite entscheidende Stunde seines Lebens bringen: der Anblick von „Jakobs Segen" überwältigte ihn. „Nembrandts sterbender und blinder Patriarch Jakob", berichtet er in seiner Antobiographie, „schüttelte meine arme Seele, die durch Leidenserfahrungen schon halb geweckte, und ließ sic blitzartig ahnen, daß Kunst nicht Ileberfchminken der Wirklichkeit oder hold beglückender Traum sei, sondern etwas furchtbar Ernstes und Weltbedcntendes sein könne." Seit ienem Tamaskus-Tag. wie er ihn selbst nennt, suchte er auf Hollandsahrten immer tiefer in das Wesen Nembrandts einzudringen: damit löste er sich von dem Einfluß Bnrckhardts, der einmal angesichts der Kasseler Bilder schroff erklärt hatte: „Nembrandt asfrontiert mich allein unter den großen Meistern der Vergangenheit." 190! war llleumauns zweibändiges Neinbrandt-Wcrk fertig: er widmete es Map Klinger und Kalckreuth. Ju vier immer wieder ausgefeilten Auflagen trug es den Namen seines Verfassers in alle Welt und leitete eine neue Epoche des Nembrandt-Empfindens ein. mochten auch die Kunst Philologen im einzelnen manches auszufetzeu haben. Bewußt die Straße des Herkömmliäsim verlassend, gibt Neumann weder eine reine Biographie nod) eine gleichmäßige Schilderung der verschiedenen Bilder. Er null das Ringen einer großen Künstlerseele begreiflich machen. Aber das Buch hat mzch noch eine höhere Tendenz; cs will das Eigenrecht einer nordischen Kunstwclt zeigen. die ihre starken Wurzeln im Mittelalter hat. und will. beweisen, daß Rembrandt „nicht nur - ein großer Name in der Kunst, nicht nur ein Leben- .diger in der Gegenwart, sondern eine werbende Kraft und Macht unserer ganzen zukünftigen Kultur ist." Das Rembrandt-Werk öffnete Karl Neumann den Weg zum Ordinariat. Nach kurzer Wirksamfeit in Güttingen erhielt er den Kieler Lehrstuhl. Im Schleswig-Holsteinischen Kunstverein fand er reiche Gelegenheit, sich auch kunstpolitisch zu betätigen; Anregung dazu gab ferner der innige geistige Austausch mit dem Hamburger Freunde Lichtwark. Mit ihm war er in der Erkenntnis einig, daß Kunsthistoriker und Museumsdirektor eine tiefe Verantwortung gegenüber ihrer Nation haben und nicht vor fremder Kunst Kotau machen dürfen: „Daher ist, was man für den Handel Schutzzoll nennt, für die Knnstpolitik eine pädagogische Forderung." Als 19t 1 Henry Thode ans sein Heidelberger Lehramt verzichtete, wurde — gegen seinen Willen — Neumann sein Nachfolger; er gewann bannt endlich die feiner würdige Wirkensmöglichleit. Seitdem sammelte er,, über die Grenze der Emeritierung hinaus, eine große Schar begeisterter junger Menschen um sich und führte sie in das kunstgoschichttiche Denken und Fühlen ein. Bei diesem Professor spürte das Auditorium: das ist kein kühler Aesthet, kein trockener Tatsachensammler, kein Brillantfeuerwerker, sondern einer, der Knust erlebt hat! Noch mancherlei literarische Pläne hat Neumann nach seinem Rembrandt-Werk entworfen und in Angriff genommen. Durchgeführt hat er — außer dein Burckhardt-Dnch — keinen mehr; nur einige formvollendete Essays, von denen nur hier besonders seine schöne Betrachtung über Heidelberg als Stadtbild und seine Würdigung Hans Thomas erwähnen möchten, lassen ahnen, lwsf dieser reiche Geist der Welt noch hätte geben können, wenn er sich nicht ganz dem großen Holländer geweiht hätte. So wird denn Carl Nemnann als Erneuerer unseres Rembrandt-Berständnisscs in die Geistesgeschichte eingehen. F. H. ♦ ♦ ♦ Der Tagespresse entnehmen wir, daß in Weimar, und Aachen ein Stück des jungen Berliner Dichters Eberhard Wolfgnng Müller, der seinerzeit mit dem Knegsdrama „Dvua.ninont" Aufsehen erregte, zur Uraufführung gekommen ist: ..Rothschild siegt bei Waterloo" heißt es itnd hat jene längst als ungeschichtlich nachgewiesenc Anekdote zur Grundlage, derznfolge Nathan, der dritte der fünf Brüder Rothschild, die das Frankfurter Börsenhaus ihres Vaters zur finanziellen Weltmacht erhoben, die Schlacht bei Waterloo selbst miterlebt hat. Er sei dann, so heißt es weiter, zu Pferd und zu Schiss über Ostende nach London geeilt, um noch vor dem von Wellington entsandten Offizier in der britischen Hauptstadt zu sein. So sei es ihm gelungen, das Gerücht von Wellingtons Niederlage zu verbreiten und durch eine Baisse- Spekulation ein riesiges Vermögen zu erwerben. Hieraus nimmt Möller die Elemente, mit denen er das Wesen der Geldmacht an einem ihrer ergebenen Sklaven, eben dem Juden Nathan Rothschild, darstellt. Bevor wir aus dieses Unternehmen näher eingehen, setzen wir hierher die wirkliche Begebenheit von Waterloo, wie sie der einzige ausführliche Biograph des-Hauses Rothschild, Graf Egon Cäsar Corti, in seinem in den Jahren 1927/28 im Jnsel-Verlag, Leipzig, erschienenen zweibändigen Werk „D e r A u f st i e g des Hauses Rothschild" und „Das Han s Rothschild in seiner Blüte" erzählt. Graf Corti gibt nicht nur die Tatsachen wieder, sondern er führt auch die Gründe an, die zur Bildung der Anekdote führten (Bd. 1, S. 172/73): „Herries und Nathan", so schreibt er, „waren, als die Kämpfe in Frankreich wieder ausgenommen wurden. bereits nach London zurückgekehrt und harrten angstvoll der Nachrichten über die nahende Entscheidung. Von jeher legten Nathan und seine Brüder den größten Wert darauf, einander unmittelbar oder bnrcf) ihre Geschäftsfreunde möglichst schnell Nachrichten über wichtige Geschehnisse zukommen zu lassen, die irgendwie auf ihre Geschäfte von Einfluß fein oder etwa den Entschluß zu neuen Unternehmungen anslösen konnten. Nathan hatte beu Kapitänen der von England nach dem Festlande verkehrenden Schiffe Prämien für die rascheste Ueberunttlung von Nachrichten versprochen. Dazu wies er seine Agenten in aller Welt an, ihm besonders über den Ausgang der zu erwartenden Kämpfe möglichst schnell Nachricht zu geben. Diese Maßnahmen hatten in der damaligen Zeit um so größere Bedeutung, als es keines der modernen technischen Nachrichtenmittel gab, und die durch Estafette, das heißt von Bote zu Bote, übermittelte Nachricht die schnellste Orientierungsmöglichkeit darstellte. Nathans Vorsorge bewährte sich im Falle der Schlacht von Waterloo aufs beste. Einer feiner Agenten, Rothworth mit Namen, weilte in Erwartung der Nachrichten über den Ausgang des Feldzuges in Ostende. Diesem gelang es, die erste Zeitungsnachricht über den günstigen Ausgang der Schlacht, nämlich ein Blatt der holländischen „Gazette", frisch von der Presse zu erhaschen und mit diesem ein eben nach London abgehendes Schiff zu besteigen. Er traf sehr früh am Morgen des 20. Juni in der britischen Hauptstadt ein und verständigte augenblicklich Nathan, der die ihm zugekommene Siegesnachricht an Herries und damit an die englische Negierung weitergab. Diese nahm die Sache zunächst-ungläubig auf, da sie selbst noch keine Nachricht hatte und der von Wellington entsandte Major Henry Percy mit der Meldung des FeldmarschaUs erst am 2!. ankam. Dieses Früherwissen einer so wichtigen Nachricht machte großen Eindruck bei den Mitgliedern der britischen Negierung und wurde schließlich auch allgemein bekannt. Da im Publikum ungefähr gleichzeitig die weitgehende Verwendung Nathan Rothschilds im Dienste des englischen Schatzamtes offenbar wurde, spannen sich ganze Legenden darum, wie Näthan zu dieser Wissenschaft gekommen war und wie er sie ausgenutzt hatte. Bald sollte er eine Taubenpost eingerichtet, bald höchst, 'persönlich die Schlacht von Waterloo mit. gemacht und in halsbrecherischem Ritt den Kanal erreicht haben. Dort mußte natürlich damit die Erzählung noch romantischer sei' schwerer Sturm herrschen, so daß Nathan London nur mit Lebensgefahr erreichen konnte. Dann hätte Nathan die Nachricht gleich an der Börse verwertet, und so sei mit einem Schlage das riesige Vermögen der Rothschild entstanden. Es versteht sich von selbst, daß Nathan die frühzeitig erhaltciw Kunde sofort, natürlich nicht zu seinem Schaden, in seine geschah, licheu Kalküls einstellte. aber im Wesen war das Vermögen der Brüder Rothschild durch die Gewinne au den früher geschilderten Geldgeschäften entstanden, und der glückliche Ausgang der Schlacht bei Waterloo vermehrte es nur und eröffuete weitere Perspektiven für künftige gewinnreiche Geschäfte. Und dies natürlich um so mehr, als ja vor allem England triumphierte, wohin Nathan das Schwergewicht der Nothschildfchen Unternehmungen verlegt hatte." Soweit Gras Corti. Au der Objektivität seiner Darstellung braucht man nicht zu zweifeln. Sie ist, wie Corti im Vorwort zu seinem Werk ausführt, dem Wunsch entsprungen, die bisherige „spezielle Literatur über das Hans Rothschild, die sich in bezahlte, im Interesse des Hauses geschriebene Hymnen oder in haßerfüllte Pamphlete teile.durch einen leidenschaftslosem unabhängigem von aufrichtiger Liede zur Wahrheit beseelten Beitrag zur Geschichte . . ." zu ersetzen. Mau darf ohne weiteres annehmen, daß der Dichter Möller, ehe er an die Formung seines „Helden" ging, sich u. a. auch bei Corti' ül>er die wahren Zusammenhänge orientiert hat. Wenn er trotzdem die Anekdote und nicht die Geschichte benutzt hat. so kann er. da ihm eine Fälschung der Begebenheiten naturgemäß ferngelegen, nur von der Voraussetzung ausgegangen fein, daß die amoralischen Sklaven der Geldgier im wesentlichen die seelische und körperliche Phpsiognomie eines Nathan Rothschild tragen, d. h.: eine jüdische Physiognomie. Es liegt nahe, daß die Zuschauer zu dem Ergebnis gelangen, diese südische Physiognomie sei die Physiognomie der Geldgier schlechthin — selbst wenn der Dichter das gar nicht hat sagen wollen. Wir sind der Ansicht, daß eine Figur von der Art Nathan Rothschilds ebenso ungeeignet ist, aus irgendeinem aktuellen Reiz heraus Anlaß zur Verherrlichung jüdu scheu Geistes zu geben — was eben jetzt in einem englischen Grvßfilm geschehen ist - wie diesen selben jüdischen Geist herab;'.!- setzen. Glaubte E. W. Möller, während smer historischen Studien eine weitgehende llckm einstimmung zwischen der Physiognomie dejüdischen Menschen und der des amoralischen, von seiner Habgier getriebenen Geldsklaven entdeckt zu haben, so hätte er seiner eigenen Vorstellung einen weit besseren Dienst erwiesen, wenn er sein Stück anstatt aus eine durch den Zwischenruf „Aber das war gar nicht so!" zu erledigende Anekdote aus eine der vielen wahren Begebenheiten gestützt hätte, die ihm doch bei seinen Studien in Massen begegnet sein müßten. iunv». t ' i.' Walter Rathenam Felix H v l l a e n - der. Gabriele Reuter, Rudolf H u ch . W a l t e r C a l e. Hinzugesellten sich: A iice B e r e n d , Hans K y s c r, Otto Flake, Martin Be*cadt, R e n <s S ch i ck e l c, R o b e r t Michel, Anette Kolb, N o r b e r t I a g u e s. Blau erkennt aus der Buntheit dieser Auswahl »Zusammenstellung bereits, daß F. Fischer im Abklingen des Naturalismus seinen Verlag der neuen dichterischen Romarckik eröffuete. Und als nach 1910 die ersten Klänge oder besser Schreie einer natnrabgcwandten Dichtung, die dann Erpressionismus genannt wurde, erschollen, fanden auch diese Dichter hier eine Stätte: die Dramatiker Georg Kaiser, Reinhard Sorge, Reinhard Goeriug. später aber der breite Trupp dieser Autoren, die nicht nur in vielen Cinzclbändeu und -bändchcn zu Wort kamen, sondern in dem Jahrbuch „Die Erhebung" sich sammelten. Aber auch solche, die in dieser'zur Sammlung rufenden Zeit wertvolle Einzelgänger blieben, pflegte und hegte S. Fischer, wie den Lyriker OskarLoerke, den jung gefallenen Gu [tao Sack, den dionysischen Wi lhelm Lehmann, den seelischen Sucher R. M u s i l. den bizarren Dramatiker H. H. I a h n n. den wandlungsfähigen Alfred D ö b l i n. Hinzu stießen die Schweizer Schaffner und Steffens; Italiener, wie d'Annunziv, Grazia Deledda, Mathilde Serao; Franzosen, wie Romains, G i o n o; Amerikaner. wie O'Neill. dos Passos; von den Engländern G. B. S h a w mit seinem Gesamtwert, der spätere und gewandelte Oscar Wilde, Moore, Synge, Joseph Conrad, und vor allem die großen nordischen Prosaisten I. D. I e n s e n, A a g e M a d e l u n g, L au r i d s Brunn, JonasLie.Johan Bvjer, und Russen, wie der spätere Nobel-Preisträger Bunin, R e m i s o w, S ch m e l j o w., Bücher von Essayisten, Kritikern, Wirtschaftlern vervollständigten das Lerlagswerk. Und noch in den letzten Jahren, als die Erzühlungskunst einem geläuterten. konzentrierten Realismus sich näherte, der dem Naturalismus um 1900 verwandt ist, erschienen Autoren dieser Richtung bei S. Fischer, den Ring des Wirkens gleichsam schließend: H a u s e r, Hausmann, H e u ° f e r, Mohr, Broch, H u e l s e n b e ck, M a ß . Schlüter, K a r st e n, K e i l s o n, B i l l i n g e r. Tie Reihen dieser Namen zeigen, wie das Berlagswerk Fischers aus seiner Zeit wuchs und diese Zeit zugleich vorwärtstrieb. Aber dieser erfolgreiche und umworbene Mann liebte cs nicht, in der Oeffentlichkeit zu repräsentieren, zumal nachdem sein einziger Sohn im Weltkrieg gefallen war. Sein Heim im Grunewald wurde Heimat für viele seiner Autoren, und gewisseuhast saß er bis zum vorigen Jahr bei jeder Premiere seiner Dramatiker neben seiner Lebensgefährtin in der ersten Reihe des Parketts — nicht, um sich hervvrzutun, sondern weil sein Gehör gelitten hatte. Sonst war er frisch und lebendig geblieben, und bei geselliger Zusammenkunft konnte er einen Freund etwa direkt ansprechen: „Sagen Sie, was halten Sie von der jüngsten Prosa?" Was dieser deutsche Jude für das geistigkünstlerische Deutschland, was er für seine Autoren getan hat, das vermag heute weniger der Nachruf als die Namensreihe dieser Autoren selbst zu künden. Kurt Fintllus. Keine Stücke von Juden oder „jüdisch Versippten" „Die „Deutsche Bühnenkorrespondenz" (das Nachrichtenblatt der Nationalsozialistisck)en Kulturgemeinde. Abteilung Theater) wendet sich in einen! Aufruf „An die Theaterdirektoren!" dagegen, daß die Spielplänc von Theatern noch immer mit einer großen Zahl von Werken durchsetzt seien, „deren Antoren. Komponisten oder Librettisten entweder selbst Juden oder jüdisch versippt sind". Der Aufruf schließt mit dem Satz: „Wir begnügen uns bisher noch damit. die Stücke, an denen Juden mitgearbeitet haben, aus den Veröffentlichungen der Spielpläne von uns aus zu streichen — allerdings in der stillen Hoffnung, daß die Theaterdirektoren auch bald etwas davon merken." AksNerbefuch bei Iose Bako Ios6 Batü bat. oh Freude, urn den Besuch in seinem Atelier und zeigte uns feine letzten Bilder, die er diesen Svmmer in Bornholm malle; das heißt, er zeigte noch viele andere Bilder, wir /•hot. Herbert Sonnenfeld wollen aber mit den letzten beginnen, weil ihre Heiterkeit, ihr Dust und ihre Beschwingtheit einem sozusagen als Aquarellaperitiv erst den'richtigen Appetit auf die schwereren Gänge in Oel machen. Es - sind vielleicht an die zwanzig Kartons, die Haus und Seej Wiese und Sonne. Hühnerhof und Segelschiff, Felsen und verbogene Bäume, Luft und Wind und Himmel tragen. Jawohl, tragen. . Gleichsam als wären sie Erde und alles wächst ■> aus ihnen heraus. Ter Schimmer von Bornholm ist hier nicht nur gemalt, errochen ist er, nur , - zwar merkwürdig klingende, aber um so treffendere ,• Verbum dem Maler Kokoschka zu stehlen, der ein- | mal. als er au das Porträt einer Schauspielen!! ' heranging, sagte: „Lehen muß ich sie nicht, ade:; riechen muß ich sie." So kann also einer, der >.[ Bornholm nicht kennt und deswegen und noch ans j,.. anderen Gründen mißvergnügt ist. oben in einem s Atelier am Kurfürstendamm sich die Augen vollz riechen und das Herz dazu an besonnter Leichtig^ •; feit und an salziger Lust von Bornholm. Balä f erzählt, er sei besonders vergnügt und guter Dinge und sein Pinsel in seinen! Schwung gewesen, im August und im September in — Bornholm auf den Bildern leuchten rot und gelb, violette - Felsen hocken in der Sonne und selbst die dunklen . j Echatten blinzeln manchmal rosa, als wüßten Rdaß ihrem Meister mit dem Ernst von twjeit; Sckiatten nicht gar so ernst sei. , -! Was haben diese Schatten für eine Ahnung. . wie ernst Josü Batü sein kann, wenn er z"w Porträtieren kommt. Ta hängt zuerst einmal das Bild seiner Tochter. Ein junges, blondes, entzück''" : des Mädchen verträumt sich irgend wohin Helle. Tann kommt das Bild einer schivarM interessanten Frau, mit einer wohlausgebildetcn - Kopfform, mit ellvns schrägen Augen und einer gescheiten Stirn. Das Kleid ist so dunkel wie da» ..j Haar, aus der Leinwand leuchten nur das Gesicht und eine goldene Halskette heraus. - j schönes Bild einer schönen Frau. Gegenüber W im Rahmen der Cellist Aiar Baldur au seinem Cello, nicht weit davon fpielt der Geiger Telmanw-;j Der Geiger ist ein Ungar, der Aialer ist ein tz gar. iven wundert es, daß hier das Porträt erne» ungarischen Liedes gemalt wurde. Mit Tempera« Z ment und Musikalität, mit Rhythmus, Feuer. Paprika, kurz mit allem, was zum Inventar vor Z ungarischen Geiger gehört. Und davon klingt es mm in allen Räumen des Ateliers, von allen dern, die hier hängen. Sehen Sie sich die Biller des Malers Ios6 Batü an! 0. »- . .„Die künstlerische Leistung- Die unter dieser Ueberschrift in der letzten Nummer ucherer Zeitung erschienene Besprechung der „Jeremias - Aufführung im Berliner Kulturbund war noi linfetm ständigen Theaterkritiker Dr. Hug^ L a ch m a n ä f t.