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Central-Verein-Zeitung · 1934-10-11 · 41 (11.10.1934) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
41 (11.10.1934)
Date
1934-10-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Diese Nummir umfasst 16 Seiten Sie enthalt 11. a.t Hauptblatts Brief aus Italien — Aufbau durch Liquidation? von Friedrich Brodnitz 1. Beiblatt: Die jüdischen Krankenhäuser in Deutschland. von Dr. Bruno Claserfcld — Emin Pascha, von Heinz Leidersdorf 2. Beiblatt: Seite der Jugend — Wirtschaft der Woche 3. Beiblatt: „Jeremias ‘ im Berliner Kultur- bund — Auftakt zum Hilfstoerk, Festansprache von Justizrat Julius Brodnitz — Henri Bergson, von Leo Hirsch — Eine Mutter erzählt die Bibel Vorsitzenden be-3 Landesverbandes Sachsen,- Felix Goldmaun. Wenn man aus den Protokollen der Vorstands- und Ausschntzsitzungen die Referate ltnb Anregungen zusarmnenstellen wollte, die Felix Goldmann entsprangen, man müßte ein Buch füllen. Sein Einfluß auf die Gestaltung der modernen Apologie ist von historischer Bedeutung. Er selbst hat in einer Reihe wertvoller Schriften, die zu unserer Freude meist durch unsere Vermittlung den Weg in die Sesseutlichkeit fanden. Vorbildliches geleistet. Seine Weltklugheit, verbunden mit seiner energischen und sprühenden Beredsamkeit, die aus tiefem Wissen beruht, werden uns aufs schmerzlichste fehlen. Unersetzlich ist uns der Freund, der mit jugendlichem Temperament in allen ernsten Fragen seinen Standpunkt wahrte und dabei doch inuner ein seltenes Verständnis für jeden hatte, von dessen ehrlichem Ringen er überzeugt war. Felix Goldmaun hat hinterlassen, daß er an seinem Grabe keine Gedenkreden wünsche: aber weiter als die Stimme, die am Grabe Tankworte sagen könnte, sollen diese Worte dringen und den Zehntausenden deutscher Juden, für die Felix Goldmann ein Begriff war, von Verlust, Tankbarkeit und Gedenken Kunde geben. Eva Reichmann-Sungmann Aus einer Zeit und aus einem Lebensalter. in denen Reschionsstunden durchaus nicht in hohem Ansehen zu-stehen pflegten, leuchten mir die Stunden meines Lehrers Tr. Felix Goldmann-als eine wunderbare Erinnerung hervor. In die in jüdischer Beziehung unbewegte Stimmung dieser Fahre brach seine geistige Führung wie ein Sturm ein, der uns Kinder gerade deshalb unaufhaltsam mitriß, weil ihr jedes falsche, bußpredigerhaste Pathos weltenfern war. Felir Goldmann war als Lehrer unser Freund. Er mied die künstliche Tistanz des planvollen Pädagogen und schuf durch persönlichste Zugewandtheit zu jedem einzelnen von uns, durch seine humorige Frische und kameradschaftliche Nähe eine Atmosphäre, in der der fast unmertlich übermittelte Wissensstoff in unseren Köpfen und stärker noch in unseren Herzen Boden fassen mußte. So wurde er unser Führer zum Judentum in einer Zeit, die anderwärts Generationen Abgeschreckter, Verärgerter und dem Judentum für immer Verlorener in die Welt entließ. Er hatte eine herrliche Sache für uns ersonnen. In jeder ersten Stunde nachMvnatsbegrnn ruhten die Bücher, und wir durften fragen. Wir durften nach allem fragen, was in der sich weitenden Wett unserer suchenden Seelen irgendwelche Zweifel erweckt hatte, worüber nur wissen wollten, mehr als uns gedruckte Bücher boten, das, was nur der lebendige Mensch, unser Lehrer und Freund uns sagen konnte. Schon lange vor einer solchen Fragestunde wurden Zweifel ausgetauscht lind besprochen, für würdig befunden oder für belanglos erklärt, ustd schließlich läutete uns die oft so verhaßte Schulglocke zu einer Feierstunde, in der etwas von der Spannung und dem Glück faustischer Wahrheitssuche uns umwehte. . Wir haben es unserm Tr. Goldmaun nicht leicht gemacht. Zwischen Himmel und Erde büeb wenig, was er uns nicht zur Klarheit bringen mußte. Aber er antwortete auf alles mn gleicher Gründlichkeit, er nahm alles wichtig, was uns bewegte. Und wenn er so mit Tiefe und Bildhaftigkeit, oft mit einem der Witzworte, die er liebte und meisterhaft anwandte, oft mit einem Bekenntnis, das aus dem Innersten seiner Persönlichkeit drang, die Welt um uns baute und rundete, dann fügte er uns werdende Menschen mit einer Sicherheit an unfern Platz, dann band er uns an unfern jüdischen Ort mit so unmerklichen und unlöslichen Banden, daß wir unfern Halt für immer gefunden hatten. Es ist noch nicht lange her, daß ich Dr. Goldmann noch einmal dankbar von der Fülle sprach, die er mir und meinen Genossinnen in der Jugend gegeben hatte. Tamals strahlte er in so heller Freude auf, daß ich fast verwundert war. Ich hatte geglaubt, daß er um seine Kraft geivußt hätte. Heute bleibt nur noch schmcrzbcladener Tank an einen Toten. Aber er ist getragen von einer Liebe, die sich dem Leben verpflichtet fühlt. Ieachlm Prim Felix Goldmann ist mein Lehrer gewesen. Ich verdanke ihm alles. Er war es, der mich zum. Juden machte. Er war es, der mich zu meinem Rabbinerberufe trieb. Er war für mich immer, während der Schulzeit, während des Studiums und im Amte, das große Vorbild. In der Stunde, da uns die Nachricht von seinem frühen Tode kommt, wird alles noch einmal lebendig, und ich will ihm danken. Er war das Leben selbst. Er trug in sich alle Widersprüche dieses Lebens, alle Heiterkeit, alle SarkaSmen, allen Witz und allen Ernst. Seine Kraft war sehr groß und sie strömte ans ihm. Vieles von dieser Kraft hat ihm das Leben, das grausame, kleine Leben zerbrochen und es zerran ihm manches. Aber cs blieb noch immer eine große Begabung und ein großes, gutes Herz. Er war das Beispiel eines Rabbiners, der in seiner Gemeinde nie die Institution und inuner den Menschen, den einzelnen Menschen gesehen hat. In unserer Heimntgemeindc ging er von Hans zu Haus. Er war nicht nur. der Rabbiner der Juden, sondern sehr oft auch, der Seelsorger der Christen. ' Er hat immer mehr gegeben, als er hatte. Er hat nicht nur gepredigt, sondern auch getan. Die Ostjudcn in seiner Leipziger Gemeinde werden ihm das Hohelied dieser Liebe singen. Er war ein denkender, kämpferischer Mensch und zugleich ein Romantiker. Er dachte sehr scharf und verstand zu polemisieren, aber zugleich liebte er zum Beispiel die Ostjuden und ihre Sprache romantisch und ÄMtzWg der MM Die Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: Sonntag, 1-1 d. M., findet in Berlin die zweite Tagung des Beirates der Reichövertretung der deutschen Juden statt. Die Tagesordnung sieht außer einer Kundgebung des Präsidenten der Reichvvertretung, Rabbiner Dr. Leo Baeck, sowie den Berichten des Präsidialausschusses Uber die einzelnen Arbeitsgebiete der Reichsvertrctung, ein Referat des gcschäftsfUhrenden Vorsitzenden des Präsidialausschusfes, Ministerialrat a. D. Dr. Otto Hirsch, über ,.Tre innere Lage des deutschen Judentums und seiner Organisationen". Tie Tagung, zu der der Beirat am 14. -Oktober Zusammentritt, vereinigt dieses Gremium zum zweitenmal, seitdem dre Reichsvertretung besteht. Seine Einberufung entspricht der Gepflogenheit aller -Orgamsationen, zu Beginn der Winterarbeit die bevorstehenden Arbeiten zu besprechen. Man darf aber vermutendaß dieser Beiratssitzung eine mehr als nur formale Bedeutung zutommt. Wir erinnern an den Aussatz, den der Vorsitzende des Eentral-Bereins am 30. August d. I. in unserem Blatte veröffentlicht hat, um mit eindeutiger Klarheit gegen das Krisengerede auszutreten, das überslüssigerweise um die Reichsvertretung geführt worden ist. Der Beirat wird am 14. Oktober seine Aufgabe erfüllen, wenn er die Autorität des Prüstdialausschusses der Reichsvertretung durch seine eigene Autorität stärkt, und wenn er die Beschlüsse, die objektiv notwendig werden, mit der Entschiedenheit saßt, die der Stellung der Reichsvertretung und der Situation des deutschen Judentums entspricht! Wenn man die Auseinandersetzungen über die Reichsvertretung in der jüdischen Oeffentlichkeit verfolgt, so findet man kaum je eine Ablehnung ihres Prinzips, sondern höchstens eine Unzusriedenheit mit Kleinigkeiten. Niemand.wird es verlangen, daß man zu allem, was die Reichs- Vertretung tut. Ja und Amen sagt, und mancher wird sogar meinen, daß er zu vielem, was die Reichsvertretung nicht tut, nicht Ja und Amen sagen kann. Aber wir glauben, daß cs die Ausgabe der Reichsvertretung ist, die Linie zu wahren linb nicht ans Kleinlichkeiten und Kleinigkeiten Rücksicht zu nehmen. Vor einem Winter voll großer Ausgaben und großer Sorgen, dem das deutsche Judentum wie das gesamte deutsche Volk entgegengehen, gibt es keine notwendigere Arbeitsgrundlage, als eine geschlossene Führung mit einer auf unbedingtes Vertrauen gestützten Autorität. In diesem Sinne möge der Beirat der Reichsvertretung am 14. Oktober 1934 feine wichtigen Ausgaben erfüllen. * Neuwahl zweier Vorstandsmitglieder der Berliner Gemeinde. In der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde sind Amtsgerichtsrat i. N. Dr. Kurt Tuchler und Dr. Sally Hirsch zu Mitgliedern des Eemeindeverstandes gewählt worden. Diese Neuwahl war dadurch erforderlich geworden, daß zu Beginn des Sommers die Zahl der Gemeindevorsteher von elf auf zwölf erhöht^worden ist und ein anderer Vorsteher. Tr Aron -Landler, seinen Wohnsitz nach Palästina vcrverklärte gern das konservative Judentum. .'Es waren tausend Widersprüche in ihm. Jeder, der ihn liebte, liebte diese Widersprüche zugleich. . Wir gingen verschiedene Wege. Wir habeneinander oft bekämpft. Aber meine Liebe, die Liebe des Schülers, hat nie aufgehört. Ich fühlte mich ihm näher, als er es ahnen konnte, und ich spüre diese Nähe setzt um so starker, da er in der ewigen Ferne ist. Aus dem Werk vsn FM Eoldmann Felix Goldmaun hat eine umfangreiche publizistische Tätigkeit entfaltet. Eine Bibliographie seiner Aufsätze in der jüdischen allgemeinen und Fachpresse herzustellen, ist im Augenblick nicht möglich. Nur die bedeutsamsten Arbeiten, die einen weiten Kreis von Lesern gesunden haben, mögen ausgezählt werden. Seine w i s s e uschaftli ch c n A rbeite n lauten: „Oelbau in Palästina zur Zeit der Mischuah" (1907). — „La Figur cn Pa tost ine" (1909). — „Eigentmnserwerb durch Spezifikation im jüdischen Recht" (1909). — „Tie Theorie des Faust- Pfandvertrages" (19uS). IIeberdas W e f c n d e S Judentum 3 veröffentlichte er: „Taufjndenturn und Antisemitismus" (1914). — „Zionismus oder Liberalismus, Atheismus oder Religion" (191!).— „Warum sind und bleiben nur Juden '" (1924). Z n m P r o b I e m d e s O st j n d e n t u m s, das ihm als Gemeinderabbiner von Leipzig und ans seinen zahlreichen Reisen nach Polen besonders vertrant war, publizierte er: „Polnische Inden". — „Tie Stellung des deutschen Rabbiners zur Ostjndenfrage" (19161. Z u m P n l ä st i n a p r v b l e in _ _ nahm er Stellung in: „Eine einige religiöse Pflicht" (1922). Vorbildlich für die Formung der modernen Apologetik ist seine zunächst in der Monntsansgabe der „E.-V.-Zeitnng" veröffentlichte Arbeit „Ter Talmud, sein Werden .sein Wesen, sein Wert!" (1982). Grundlegend ist sein Werk „ V o m W e s e n d e s Antisemitismus" und seine große Arbeit: „Ter Jude im deutschen Knltnrlreise, ein Beitrag zum Wesen des Nationalismus" (1930). legt hat. Die leiden ueugewählten Herren treten als zionistische Vertreter in den Vorstand ein. M tfilrittfile M FOSMSM Die „Morgenpost" (Brünn), 13. September 1934, enthielt folgende Notiz: Wie wir erfahren, wird der tschechische Nationalrat demnächst in einer Kundgebung zur Judenfrage in der Tschechoslvwalei Stellung nehmen. Es handelt sich allerdings nicht um eure antisemitische Kundgebung. Die Juden sollen an ihre Verpflichtungen gegenüber dem Staate und der tschechischen Oeffentlichkeit gemahnt und gewarnt werden, durch unnötiges Teutschsprechen den tschechischen Eharaktcr der Städte zu beeinträchtigen. Der Rakionalrat verspricht sich von einer derartigen. Kundgebung anscheinend eine lveitere Entfremdung der Inden gegenüber dem Deutschtum in der Tschechoslowatei, die in letzte- Zeit bereits beobachtet werden kann, und die sich zum Beispiel auch in einenr Anwachsen der Zahl jüdischer Kinder in tschechischen Minderheitsschulen im deutschen Sprachgebiet äußert. Bon Zer MijMche« KMonfrrenr Tie „Fränkische Tageszeitung" berichtet über die in Brüssel sialtfindeude Weltkvnsereuz folgendes: „Der erste Tag der Antijüdischen Weltkonscrenz für Frieden, Freiheit. Arbeit verlies reibuugs- Ivs. Zwei deutsche Delegierte, die diesbezüglich u.'cht zeitgerecht genug hatten verständigt werden töuueu, werden vom Präsidium der Orgauisatioustvumüssion herzlich begrüßt, gleichzeitig aber gebeten, am Kongreß nicht teilzunehmen. Ta die jüdischen Agitatoren in allen Ländern versuchten, alles völkische Erwachen als deutsches Gewächs und jeden für sein eigenes Volk Kämpfenden als „Hitler-Agenlen". als „Pangermanisren" bei seinem Volke schlechtzumachen, wolle der Kongreß der Welt zeigen, daß der auf allen Gebieten aller Länder unerträglich gewordene Uebermut des Judentums eine überall spontan cmporgeivachsone antijüdische Gegen- und Abwehrbewegnng herbeigeführt halv, und daß die natürliche Reaktion darauf von dem Geschehen in Deutschland vollkommen unabhängig ist. Tie Deutschen verlassen den Kongreß und ziehen außerdem' die ihnen zngebilligten Berichterstalter zurück. Tie Verichlerstatluug iu den einzelnen vier Kommissionen übernehmen für Deutschland vier andere -Länder. Tic Reihe der Erklärungen über den Willen dev nationalsozialistischen Rassenpvlitik, ans die wir erst in der Nummer 39 der „E.-B.-Zeitung" vom -8- September unter der lleberschrifk „Andersartig oder minderwertig?" eingegangen waren, wird durch zwei neue Verlautbarungen vermehrt. Anläßlich der Sondertagung der Parteirichter der NSDAP beim Nürnberger Parteitag führte der Vorsitzende des -Obersten Parteigerichts. Reichsleiter Parteigenosse B u ch, u. a. aus: - - - Parteigenossen, deren nichtarische?lbknnft st'stgestellt ist, sollen jedoch nicht aus der Partei ausgeschlossen werden. Eine Bestrafung für einen Zustand, den der Betreffende nicht verschuldet hat, wäre sinnlos. In diesen Fällen wird die Ausnahme beschlnßmäßig für nichtig erklärt, sofern der Betroffene nicht wider besseres Wissen seine arische Abkunft behauptet hat." * v Reichsminister des Innern federführend für die Rassenfrage, ervffncte am 8. Oktober d, I. die „Vcrwaltungswissenschaftliche Woche für Standesbeamte". Er führte dabei u. a. aus: R Die Rassengesetzgebung in Teutschbwd 8 hat ein positives Ziel, sie soll uns den Weg sich f i machen, um eine dauerhaft gegründete Zukunft aufjp bauen zu können. Wir wenden uns dabei nicht f: gegen diesen oder jenen, sondern gegen die fälscht U Richtung, in der die Entwicklung zu gehen drohte." f ' Ufas diesen beiden Erklärungen geht deutlich \ hervor, daß irgendeine Diskriminierung der Nicht, arier — und unter Nichtarier sind ja im weseist. F, lichen deutsche Juden zu verstehen — durch che l Rassengesctzgebung und die aus ihr grundsätzlich sich!- ergebenden Maßnahmen nicht beabsichtigt ist. ' BckÄMMNM ostmuMrr Ctznagsm In der Synagoge in Rössel (Ostpr.) wurden vo,i unbekannten Tätern mehrere Fensterscheiben trünnnert. Es ist Anzeige erstattet worden: die Ermittlungen schweben noch. In die Synagoge von Ehristburg (Ostpr.) ist ein Einbruch verüb: worden. Gestohlen wurden eine Decke und ein Leuchter. Weiteres Silberzeug ist nicht emwendn worden. Mische Ärzte in China Nach soeben veröffentlichten offiziellen Ahi. teilmrgen haben in Schanghai 32 indische Aerzte m Deutschland ihre Praxis eröffnet. Weitere 13 judöchc Aerzte, die feit dem Frühjahr 1933 ans Tentich land ausgewandert sind, haben sich in Alnweii. Tietttsin und Hankau niedergelassen. Allen an.-. Deutschland nach Ehirra gekommenen indisch-,, Aerzteu bringt die Bevölkerung Vertrauen e,,!- gegen. über den NM kt GAM j Professor Franz Oppenheimer hat im Verlwsr Z Kulturbund einen Vortrag „Vom Sinn der Eeschichte" gehalten. Unsere jüdische Gemeinschaft — so begann N’v Redner — stellt besonders dringend die Frage, w das geschichtliche Geschehen sinnlos sei. oder ot hinter allem ein Sinn verborgen liege. Im Laus der Jahrhunderte sind aus diese Frage sehr verschiedene Antworten gegeben ivorden. Cricckien n»> Römer glaubten, die Weltgeschichte verlaust wir ein Naturprozcß in Zyklen. Es gäbe leinen stör:- sschritk. Immer kehre das Gleiche wiedu. Sich pessimistische Lehre der Antike wurde später ver f Macchiavelli, schließlich von Nietzsche übernomM», st der an der kapitalistischen Kultur unserer Zeii reu | zweifelte. r Tie katholische Kirche des Rtittelalters sah d„- st- Weligeschichte als ein großes Schachspiel an. da-- s Gott mit dem Teufel um die Welt sprele. Ter;ir :> Gottes stand für sie außer Zweifel. Ter Pvo,c- : stantismus bekannte sich dann auch zu dieser deutung. lind ebenso die „Aufklärung". Aber norii;> Ansicht der Aufklärer ist es nickx mehr Galt. d:>- F siegreich gegen die „civifas diaboli“ kämpsl. wc - dern der Atensch selbst. Jüdisches Gedankengui.?e die Idee vom ewigen Frieden, trat ergänzend lw zu. Tie Geschichtsdentnng der Klassiker — Gerde',; Kant, Hegel. Saint-Simon — ist optimistisch. <ie hatten den Glauben an die Kraft des Rech'.re''' dankens an den ewigen Fortschritt, der die Menslip theit ans dornenvollen Wegen auswärts führe. - Tie klassische Wissenschaft L>irtc ihre — richtigen — Schlußfolgerungen voreilig, ohne mein { gen Voraussetzungen, gezogen. Ihre Prestiv' :° zeiungen wurden schon in der nächsten Generation s zuschanden. Statt des prophezeiten Reichinms law st für die Mehrzahl der Alenscheu große Arm,,!. J Statt des angekündigten Völkersriedens ka:„m l fürchterliche Kriege. Kein Wunder, daß die '.Aew scheu sich von dem Fortschrittsglauben der Kta'- : sikcr abwendeten. Tie einen wurden Pessimisten, die anderen Romantiker. Ter Romantik, die - Ende des 18. Jahrhunderts einsetzte, folgten die Urheber der Rassenlehre: Gobineau, Etzambevlain. Professor -Oppenheimer ist bei der soziologi'äien? Ckaatsidee angelangt, zu der er sich selbst bctennt. : Tie soziologische Staatsidee lehrt, daß alle Staa::» durch Eroberung entstanden sind. Tre „Form" des Staates war zu allen Zeiten die Herrschaft. 'eil1;- „JnhalG' die Ausbeutung des ökonomischen Alirtets. i. J^di'r Staat hat bei seiner Entstehung sofort iun-i > 'Institutionen geschaffen: der Mensch »vurde unter ein Klassenmonopol gestellt: die Erde wurde f ein Bodenmonopol gebracht. Durch die Vobensperre wurde der unfreie Mensch auch wirtschmtliä) einem Monopol ansgeliesert. Hier liegen die Wurzeln allen Uebols. Tenn nur dort, wo der Menü'-t freien Zugang zuin Boden hak, herrschen 2öol'!- stand^ und Gleichheit entsprechend der Leistuna- Geschichte hat es bewiesen Ilm das Jahr l'111-1 ungefähr verschwand in Deutschland für lange Z.'i: die Bodensperre. In dieser Epoche sind die gre'zca Dome erbaut und viele Städte gegründet tvord-en. In dieser Epoche entfaltete sich eine lvirtsc!iastl:che «md geistige Blüte ohnegleichen. Als erneut die Bodensperre kam, war der ganze Aufschwung fdincii wieder gebrochen. 5>ie soziologische Betrachtung weist uns das Fick: den Boden zu erlösen iiach Gottes Willen! „Mein 'gi das Land, spricht der Herr, und ihr seid mic nur Erbsitzer darauf." Die Stimm.- der jüdischen Propheten nirö der alten Gesetzgeber in Israel klingt^aus der Vergangenheit in eine leben-svoüe Zukunft hinein. Die Menschen sind nicht die Lps'r cmes sinnloserr Geschehens. Ter Leidensweg, den sie durchmesscn haben, war nötig, mn das große Ziel zu erreichen. TaS Ziel l>iben schon die Klassiker gesehm: Aufwärtsentwicklimg von der Knech'- fdjaft zur Freiheit, vom Krieg zum Frieden, von der Gewalt zum Recht. Dr. K. L

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