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Central-Verein-Zeitung · 1934-10-05 · 40 (5.10.1934) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
40 (5.10.1934)
Date
1934-10-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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''MßM Mvach""-'^' In einer der letzten Nummern wurde hier-vön der Synagoge in Snlzbach berichtet, die in ein £>cimotnuifoum verwandelt worden ist und zu bestehen nufacliört hat. derselben Gegend der bayerischen Obcrpsalz tonnte die jüdische Gemeinde Floß. wie ebenfalls berichtet wurde, am 2. Oktober d. 2. ihr 260jähriges Bestehen feiern. -Hach '-drS NM ÄkchÜge"TäümoiiS BtS tn Sie G. genwart beibeyalten hatten. Dagegen ist beim Bau der Synagoge hier eine talmudischs Forderung er» füllt worden, die in anderen Orten nnduräMr» bar war: das Ueberragen d^es Chnago. q e n d a ch e s über alle anderen Dächer des Ortes, Ptan hatte den Emigranten vor 25.0 Jahren ems nnbelM'te Bodenwelle des städtischen Geländes gewiesen, noch heute als „Jndenberg" bezeichnet, - - Professor Dr.-lng. Alfred Grotte, £ «llmgubilSumLeSTtlerrimeLMSvonKrakau In diesen Tagen begeht der „Ostjude" seinen 600. Geburtstag. Am S. Oktober 1334 erließ König Kasimir II. von Polen jenes Edikt, das wie eine Verheißung die deutschen Juden des Mittelalters in ihrer Trostlosigkeit, aufri'rttelte und viele Tausende wie in-den Bann eines magnetischen Kraftfeldes nach Osten zog. Um die geschichtliche Wahrheit nicht dem runden Jnbiläumsdatuin zu opfern, braucht man sich nur zu erinnern, daß bereits 1204 Boleslaw der Fromme ein Edikt erlassen hatte, das den Juden Rechte einrüumte, die sie in Deutschland nicht besaßen. Schon «1 CASIMIRVS MAGNVS gegen Ende des 11. Jahrhunderts waren deutsche Juden in Polen seßhaft geworden, wo sie Ackerbau und Handel trieben. Das Edikt BolcZlaws bot den deutschen Juden nur geringen Anreiz zuin Auswandcrn. denn feilte Wirksamkeit war zunächst auf das damalige Großpolcn beschränkt. Außerdcnr ging cs den Juden in Deutschland noch nicht so schlecht, daß sie gegen die Borteile der Boleslawschen Gesetzgebung die ihnen liebgewordcne Heimat cingetauscht hätten. I.">33 bestieg Kasimir II. unter glänzenden Festlichkeiten den Thron. Es war das Jahr des Schwarzen Todes. Am 9. Oktober seines zweiten Regierungsjahres erließ Kasimir das Edikt von Krakau, dessen kühne Toleranz Bewunderung erregen muß. Tie Juden des gesamten Königreichs Polen, so bestimmte das Edikt, waren der unmittelbaren Jurisdiktion der fürstlichen Kammer unterworfen. In bestimmten Fällen war ihnen eine eigene Gerichtsbarkeit zuerkannt. Bon den Bestimmungen sind zu erwähnen: Wer. einen. Juden des Ritualmordes beschuldigte, sollte dem Tode verfallen, wenn er seine Anschuldigung nicht durch sechs jüdische und sechs christliche Zeugen beweisen konnte. Wer einen: überfallenen Juden nachts nicht zu Hilfe eilte, hatte eine Geldstrafe zu zahlen. Tie Juden durften frei kaufen und verlausen, an wen und von wem sie wollten. Geistliche. die sich dieser Bestimmung widcrsetztcn, indem sie Lebensmittel, die von Juden verkauft wurden.' für „unrein" erklärten, waren einer Geldstrafe unterworfen. Schändungen jüdischer Grabstätten ' - und' Entführung Don" Judenkind'ern "zum-Zwecke fcetT- Taufe waren mit schweren Strafen bedroht. Während die meisten Fürsten der Zeit die Juden zum Wucher anhielten, uni an diesem Geld dann für die eigene Schatulle teilzuhaben, reduzierte Kasimir den Zinsfuß aus ein Maß, daß sowohl dem jüdischen Verleiher als auch dem Geldsuchenden zusagte. Ilm zu verhüten, daß diese, wie es in anderen Ländern ..üblich war, .sich eines..Tages durch Gewalttat ihrer -Schulden entledigten, führte Kasimir in-dem Edikt von 1334 das Faustpfand ein und legte damit den Grund zum modernen Leihhauswesen, das die Kirche später nachahmte (Mont de Pi6t6). Leider ließ das Edikt wenig Raum für die ländliche Siedlung der Juden, die zu dieser Zeit schon wieder, in der Rückbildung begriffen war. 1047 hatte der Schwarze Tod Messina erreicht, 1348 endlich streckte er seine Hand über Deutschland. Damit begann für die Juden eine Zeit furchtbarster Verfolgungen. Obwohl die Pest von ihnen selbst Tausende und aber Tausende befiel, fand das Märchen von der „jüdischen Brunncnvergiftung" bereitwilligen Glauben. Tie Massakers, die folgten, übertrafen an Schrecklichkeit die Judengemetzel der ersten Kreuzzüge. Tie Masseiicibwanderung nach Polen setzte ein. Tie Flüchtlinge wurden von Kasimir mit offenen Armen ausgenommen. Tie spätere Geschichtsschreibung hat die Großmut des Königs, dern sie das Attribut „der Große" nicht vorenthalten konnte, zu entwerten versucht, indem sie die legendäre Figur der Esterka (Esther), der angeblichen jüdischen Maitressc Kasimirs einführte. Ihrem „unheilvollen Einfluß" soll das Edikt von Krakau seine Entstehung verdanken. Sie soll Kasimir zwei Söhne und zwei Töchter geboren haben, die Töchter sollen sogar im jüdischen Glauben erzogen worden sein. Ter Esterkaberg bei Krakau und das Esthergrab wurden sogar in der jüdischen Chronik als Wallfahrtsorte gläubiger Pietät.genannt. Sonderbarerweise berichtet kein zeitgenössischer Geschichtsschreiber von der jüdischen Maitresse. Zuerst taucht ihr Name im 15. Jahrhundert bei dem polnischen Historiker Dlugosz auf. Auf jeden Fall ist die Analogie mit der biblischen Esther, die als Gattin des Perserkönigs Xerrcs für die verfolgten Juden Schonung erwirkte, zu offensichtlich. Tie Legende von den vier Kindern wird von Caro auf das Bestreben Tlugosz' zurückgeführt, die spätere Entziehung des Erdteils zu beschönigen, das Kasimir seinen natürlichen Kindern ansgcsetzt hat. Ans diese Nachkommen Kasimirs führt übrigens ein Teil des - polnischen Hochadets seine Herkunft zurück, der also nicht frei von jüdischem Blut wäre. wenn die Esterlalegcnde dem geschichtlichen Sachverhalt entspräche. Ernte Von Leo Hirsch Die Aepfel leuchten rot und rund. Die Blätter werden herbstlich bunt, Die Trauben glühen prall und reif, Und Fäden weiss und fein Schwimmen im Sonnenschein Verloren, in des Sommers Schweif. Die Herzen glühen reif und matt, Sind aller ihrer Blüten satt, Und herbstlich prall wie Trauben gar — Pressest uns mit Gewalt, Nun keltre, Gott, uns bald Und mach’ uns wahr und mild und klar. .. '"-x l 1 n * *7.. T> . ' * ' ' - j ..._ _ Tie Jndengcmeinden der bayerischen Lande sind in zwei Gruppen zu teilen, solche, die in Gegenden entstanden sind, die trotz der Rechtsunsicherheit der Judenhcit schon seit Jahrhunderten bestehen konnten, und solche, die bei der Rückwanderung von Ostjuden im 18. Jahrhundert hier neu gegründet wurden. Tie letzteren haben Holzsynagogen m derselben Art gebaut, wie sie die Rückwanderer von ihrer polnischen Gemeinde her kannten, mit reicher Ausmalung, bei der signraler und vrnamentaler Schmuck eine große Rolle spielte und deren künstlerischer Duktus so überragend ist. daß einzelne dieser Synagogen nach ihrem Abbruch in bayerischen Heimatmuseen wieder ausgestellt wurden. Ta Snlzbach bereits 1669 eine bedeutende jüdische Buchdruckerci besaß, ist anzunehmen, daß die Gemeinde erheblich älter sein nrußte, als jene in Floß, die erst 1684 gegründet wurde, vermutlich von den im gleichen Jahre aus Neustadt vertriedenen Inden. Die ursbrünaliche Synagoge fiel einem Stadtbrande zum Opfer, und 1815. wurde die jetzt bestehende, hier abgebildete. errichtet. Im baulichen 6 har all er des Jahres 1826 in Snlzbach errichteten Gotteshauses erstellt, weicht sie von die. sem insofern ab. als der Grundriß die Form eines länglichen Achteckes aufwcist. Das architektonisch Wertvolle dieses Bauwerks ist die organische Einfügung einer um lausenden Francnga terie. deren Stützen oberhalb der Brüstung verlängert erscheinenum das hölzerne Scheingewölbe zu trägem das dem Gotteshaus einen künstlerisch wie akustisch sehr wirkungsvollen Abschluß gibt. Ter Boukünstler hat es verstanden, das steil' abfallende Gelände in den Dienst des Baues insofern zu stellen, als der Eingang zur Empore direkt von der Straße erfolgen kann. Ter an der gegenüberliegenden Front befindliche frühere Eingang zum Männerraum ist vermauert: der Eintritt erfolgt setzt durch eine an der Westseite angesiigte Borhalle, die, scheinbar später errichtet, zugleich als Windsang dient. Jnr Innern des Gotteshauses hat sich der Geist der Emanzipation besonders ansgcwirkt. der hier wie anderwärts kirchliche Borbilder nachahmte. Ein „Hochaltar" strebt. bis zum Kuppelansatz empor: der ..heilige Schrein" erscheint in diesem pompösen Aufbau nahezu rudimentär und verschwindend klein. Es scheint fast, daß man auf einen Almemor schon beim Ban verzichtet hatte, im Gegensatz zu Snlzbach und dem gleichfalls benachbarten Hütten- FMchrift für Arnold Echönderg ' Die Universal Edition - Wien. Schüler. Freund« und Interpreten ehren-Arnold Schönberg an seinem 60. Geburtstag durch eine Broschüre, in der sie den Meister feiern und sein Werk zu ergründen suchen. Unter der Zahl der Glückwünscheudeu sind de. deutende Namen: Franz Werfel, Willem Men. g e l b e r g. Darius Nt i l h a u d. Gedankcntief ein Aufsatz von Wiesen.grund-Adorno: intereisant' auch ein Beitrag des SchönbergSchülers Erwin Stein, der das Verhältnis von Gedanke und Klang, von Wohllautendem und Mißklingendenr behandelt: cs ^entbehrt nicht eines pikanten Beigeschmack--, daß Steins Lehrer, eben Schanbera, auf Seite 13 das gerade Gegenteil zu i!)m dort wendet Schöuberg sich gegen die Leute, die das Tonmaterial als solches nicht genießen können und die Gedanken h inter der Munk. nid]t i n i[lt suchen und mit poetischen Bildern und Vergleichen schnell bei der Hand sind. Auch den von Stein vertretcnen Gegensatz von Konsonanz und Dissonanz läßt Schönberg bekanntlich nur als graduellen Unter, schied gelten. Schon vor zehimJahren. zmn 50. ©c, burtstag. war ein Schäuberg-Sonderhest erschienen: das heutige ist bezeichnenderweise um einen Bei. trag vermehrt: Schönberg als Gestalter indisch, biblischer Themen. Vom jüdischen Standpunkt am bedeutsamsten sind Angaben über ein leider nicht veröffentlichtes Drama aus dem Jahre 1927: „Teil < biblische Weg." In eigenartigster Weise sind zio. t - nistische Ideen mit der Ausfassung Israels als ) reinem Eottesvolk verquickt und Probleme, die uns 1 von Wagners „Parsifal" (Schuld des Amfonast > her bekannt sind, spielen herein. Die Hauptfigur 1 des Dramas will mitten in Afrika ein Neu-Palästiw. 1 das alle Juden aufnehmen soll, gründen. Wider- J stände der Außenwelt und des Judentums selber.? Schwäche des Helden vor allein, der gegen Sünde 5 nicht gefeit ist. lassen den Plan kurz vor dem Ziel ■; scheitern. Der rechte — der biblische — Weg iit i der der Vergeistigung: so darf der neue Führer verkündigen: „Wir uwllcn uns geistig vervollloimr. j neu, wollen unseren Gottestraum träumen dürfen '— wie alle alten Völker, die die Materie hinter sich haben." Der Anssatz enthält auch Mitteilungen über eine noch nicht beendete Oper ..Moses und Viren', Eine vielseitige, anregende Veröffentlichung. L. A. Frage über die Lage in Oesterreich antwortete Reinhardt, daß ihn mit de:n fetzigen österreichischen Bundeskanzler Tr. Kurt Schuschnigg freundschastliche Beziehungen verbinden, und daß er nicht glaube, daß das jetzige österreichische Regime antisemitische Tendenzen verfolgt. M sah ösr Zum M MN aus? Ein Besuch im Dtclinrr Vorderuslalischen Museum Wer jetzt im neueröffneten Vorderasiatischen Museum das große Holzmodcll des Turmes von Babel bewundert, kann sich nur bedingt einen Begriff davon machen von dem, was durch die Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft, der der besondere Gönner der Staatsmiisccn, James Simon, stets ein hervorragender Förderer war. geleistet wurde. Mit Staunen sicht man, wie sich die verschiedenen Anlagen von Babylon am Ufer des Euphrat gruppieren, an Hand einer Karte kann man sich orientieren, man findet die verschiedenen Anlagen, aus deren Mitte der Turm als drohendes Wahrzeichen ousragte. Farbig abgetönt ist das Modell, es stellt die Grundmasse des Bauwerks und die Hauptmotive seiner Gestaltung klar. Nach der Legende muß der Babelturm ein Riesenwerk ge. wesen sein, und die Forschungen der Deutschen Orient-Gesellschaft belehren, daß es sich wirklich um einen Kolossalbau handelte mit riesenhaften Treppenrampen von vielen hundert Stufen, die wie immer in der Antike, besonders steil sind; Höhe und Breite einer Treppenstufe waren für gewöhnlich gleich. Man muß bei einer Würdigung der wertvollen AusgrabnngZarbeiten im babylonischen .Lande in Betracht ziehen, wie wenig greifbare Grundlagen die Gelehrten gehabt haben: einzig und allein die Angaben des Griechen Herodot waren vorhanden, in denen der antike Schriftsteller im. ersten Kapitel feines bekannten Werkesden Babelturm als einen „massiven" Turm beschreibt, auf dem ein zweiter, driiler bis zu acht Türinen stand, oben darauf cm ..großer Tempel". Ties allein bildete, die literarijche Voraussetzung für die Vorstellung, die man bis zu den Grabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft von den „Terrassentürinen" Mesopotamiens gehabt hat. Es wurden vor allem Grabungen in dem uralten heiligen Bezirke, „Sachn" geheißen, veranstaltet, in welchem sich der Zikurrat „Etemenanki", der „Grundstein Himmels und der Erde", der Turm von Babylon, erhob. Umgeben war er von einer Ringmauer, an die sich allerlei mit dem Kult zusammenhängende Baulichkeiten lehnten. Noch wissen wir heute nicht genau die volle Höhe des Wunderwerkes. aber aus-der Ruine gewinnen wir klarste Anschauungen, wenn sie auch stark zerstört ist. Das kolossale Motiv des Turmes, den die Juden des Alten Testamentes als Inbegriff menschlicher Ueberhebnng betrachteten, inmitten der stolzen Priester-Paläste. der weiten Vorratshäuser, der zahllosen Fremdengelasse — ivciße Wände, bronzene Tore, drohende Fcstungsmauern ringsum mit hochragenden Portalen und einem Wald von tausend Türmen — ein überwältigender Eindruck der Größe, Macht und Fülle — im Berliner Vorderasiatischen Museum der bewundernden Nachwelt vor Augen geführt! Das hölzerne Modell in den neueröffneten Sälen erzählt noch genauer, daß der Turm in der Südwestccke des heiligen Bezirkes stand, daß er um seinen sehr beträchtlichen Lehmziegelkern noch eine dicke Mauer um sich hatte aus gebrannten Ziegeln, die jedoch bis tief hinab durch die Ziegelräuber entfernt sind. Und deshalb sehen wir heute nur den tiefen und breiten Raubgraben, der die Lage der großen Freitreppe erkennen läßt. In Zylinderinschriften Nebukadnezars und Nabupolassars fand man Aeußerungen über das Riesenbauwerk, in denen von der Höhe des Turmes und den für seinen Bau benötigten Werkstoffen die Rede ist. Lehmziegel und Lehmerde und mächtige Zedern vom Libanon werden da genannt, und man weiß heute, daß die Bedachung des Tempels auf denr Turmplateau aus Holz gezimmert war. Dr. O.B. Die Reue Madrigaldereinigung Berlin (Leitung Tr. Ludwig Misch) hat ihre Proben wieder ausgenommen. DaS Programm des nächsten Konzertes enthält u. a. den auf hebräischen Text komvoniertcn 92. Psalm von Schubert, ferner Beethovens selten ausgeführten - „Elegischen Gesang" mit Streichquartettbegleitung. M Md EMMge Berlin Können Verse und Prosa wirklichkeitsnäher und plastischer gestaltet werden, als wenn das gepflegte und vielfach nuancierte gesprochene Wort durch ein verblüffendes Mienenspiel, durch eine reiche, zuweilen groteske Gcvärdenlunst ergänzt und begleitet wird? Wer Ludwig Hardt hört und beobachtet, ist immer wieder von dieser Paarung überrascht. Da senkt er deir Kopf und blickt dann langsam auswärts. erhebt sich ein wenig und läßt sich gelassen znrückfallen: ganz einfach Geste:,, aber nie eintönig, für die Zuschauer stets eine neue Erwartung dessen, was nun herausplatzt. Hardt rezitierte im Berliner Kulturbund Hiunor ans aller Welt, indische und nichtjüdische Stoffe und Autoren, von Peter Attenberg bis Hamsun, von Goethe bis Münchhausen, zuletzt Lnber und ein Kapitel von Scholeur Alcjchein. Aus allein klingt Heiterkeit und Ironie heraus, die aber nie den zum Nachdenken anregenden, ernsten Kern vermissen lassen. Der schöne Abend, der echten und herzlichen Beifall hervorrief, hätte einen stärkeren Besuch verdient. 8. o. L. MinHuhr Lotte Leonard und Franz Osborn vereinigten sich zu gemeinsamem Musizieren in einem vom Jüdischen Kulturbund Rhein-Ruhr veranstalteten Konzert in Köln. Die Sängerin, ausgestattet mit einem. großen, leuchtenden Sopran, ist trotz ihrer Zuneigung zum Liede die geborene Oratorieninterpretin, deren Mittellage zeitweise farbiger klingt als ihre Höhe. Ihr Bestes gab sie in Handels Arie aus Josua „O hätt' ich Jubels Hars'". Außer deutschen Gesängen aus dem 17. und 18. Jahrhundert brachte sic, musikalisch und sprachlich airsgezeichnet, Lieder von Hugo Wolf und Johannes Brahms. Franz Osborn imponierte in der Orgelfantasie und Fuge für Klavier 6-Moll von Bach-Liszt durch seine monumentale Gestaltungskraft, klar im Aufbau, Präzise in der Stimmführung, bis ins Kleinste ziseliert und nuanciert — eine Darbietung, die allein schon dem Hörer eine Feierstunde bereiten konnte! Neben der Rhapsodie 0«Moll op. 78 von Brahms spielte der hochbegabte junge Pianist 'Werke von Chopin, blühend und zart. Ein Wort best»- derer Alierkennnng gebührt Osborn als vornehmem und gewandtem Begleiter der Sängerin. Beide Künstler durften sich mit Zugaben für den; reichen Beifall des Publikums bedanken. Das Konzert imlrde in allen Anschluß-Slädten des Rycin-Ruhr-Bezirkes gegeben. — vo— Sreslau l Die jüdischen Künstler Breslaus haben sich [ ..K n n st l e r frei s" (Interessengemeinschaft Brcs- Inner jüdischer Künstler) ziuannnengeschlosstn. Sie neue Vereinigung inacht es fid) znrst'Infaabe. ihren Mitgliedern o>ine Hinzuziehung auswärtiger.ü»n!l-!er dnrcl, regelmäßige kiinsilerische Veraniialtnngen; die lebensnotwendige Entfaltung ihrer Tätigleik zu! ermöglichen iind damit zngleicli eine Linderung t ihrer finanziellen und freiifdjeu Nöte herN'stn- | ßllN'e». Der ..Küustlerkrei-.-' ioimsc!,! mit den in : Vreslan bereits bestellenden jüdisetien lünstlerii'-hen Orgainsationen. dem Knltnrkreis iind dem M n [ i f o c r e i n , als ihrer natürlichen Ergenznng in steter Fühlung zu bleiben. Der anteüleng der zmn größten Teck bestens belannteii Künsilernamen verspricht durchaus ernst zu nehmende Serbietnngen von beachtlichem, ffmjtJcrtidjcin* Niveau. Ter Künstlcrkreis wird seine Veranstaltungen drrcits im Oktober mit einem Werbeavend eräsmen. Sclnv. Mannheim Tas Indische L e h r h a u s Mannheim crossncte seine Winterarbeit mit einer Bialik-Gedenst feier. Als Auftakt des Abends hörte man drei Dichtungen Bialiks mit der verbindenden, rnungstiefen Musik Mar Sinzheimers. Die Dicl? tnngen wurden von Franz Oppenheimer einfnhlend gesprochen, von Kapellmeister Sinzheim e r. am.Flügel ivirksam unterstützt. Nachdem Unrruh Jeret Bialiks „Die letzten Toten der Wüste hingebend in deutsch und hebräisch tV*. boten hatte, kennzeichnete Dr. Ernst S i m v n z"' nächst die Bedeutung Bialiks für den Wortsch^ des Hebräischen und gab dann einen Einblick m Bialiks Leben und Schaffen. . So. . ^rnst Tvchs ^iveiteS Kiavierkoiizcit U'icd bcmnüct'lt rm Kulturbund Rhein-Mgiir unter H. W. Steinberg ucausgesührt.

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