Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 40 (5.10.1934)
- Date
- 1934-10-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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dern ein Hindernis. Gewiß, kein lebendiger Mensch ist an irgendeinem Punkte seines Gebens „fertig". Wir haben alle in den letzten Jahren viel gelernt und lernen noch täglich. Wir bemühen uns, die großen Lücken unserer jüdischen Bildung einigermaßen auszusüllen. Aber die Bildungsfähigkeit eines Menschen, einer Generation ist nicht unbegrenzt, und nichts haftet so, wie die erste Formung des Weltbildes. Wir erkennen genau das Notwendige, so schars und deutlich, wie nur eine Ilebcrgangsgeneration erkennen kann. In den p stich teureichen Wochen des Arbeitsjahres, das ganz der Wegbereitung des Kommenden gewidmet ist, bemühen wir uns, in unseren freien Stunden allem wirklich lebendigen Jüdischen durch Bildnngsarbeit nahezukommen. Aber in den Erhvlnngswochen, in denen man neben körperlicher Auffrischung den Weg zu feiner geistigen Heimat sucht, da finden wir sie schließlich doch wieder in dieser Abendstunde, in der uns aus Zusammenklang von Buch und Landschaft ein Stück antiken Weltbildes lebendig wurde. Schon, daß die individuelle Auseinandersetzung mit dem Buch der Weg des Bildungserlebens ist, unter- M Berliner Mitglieder! Der Mitgliedsbeitrag für das IV. Quartal 1934 ist fällig. Wer den Beitrag ohne Aufforderung überweist, erspart uns Spesen und Arbeit. Central -Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V. Landesverband Gross-Berlin. Postscheckkonto: Berlin 115 501. scheidet die Zwischengeneration von der sungen, die — für ihre Zeit mit Recht — das Lernen in Gemeinschaft bevorzugt. Don der älteren trennt sie die Einsicht in die Fragwürdigkeil des alten Bildungsgedankens als Formprinsip der Zukunft und das Gefühl für die Folgerichtigkeit des Weges einer neuen Jugend. Was bleibt nun dieser Zwischeugeneration als Ausgabe? Um das Negative vorwegzimehmen: äußerste Selbstbescheidung im celbslgcstaltenwollen der Zukunft. Wegweiser z 11 neuer Lebensform formten und können wir sein, Führer i n neuer Lebensform nicht. Wir haben zu lange darum gekämpft, uns für die neue Erkenntnis von der Bevormundung der damals noch selbstsicheren älteren Generation frei zumachen, um setzt, aus der anderen Seite stehend, den gleichen Fehler zu wiederholen. "Nur wer zugleich mit der kommenden sungen Generation deutscher Juden, unbelastet durch frühere Bildungswelten. die neue mitausgebaut haben wird, wird diese Jugend wirklich führen können. Aber bis dahin ist genug Arbeit zu leisten in bescheidener Ebnung des Weges, Schaffung von Lebensbedingungen und Erleichterung des Zusammenhaltens. Ter Zwischengeneration ist aber noch eine andere, wichtige Aufgabe gesetzt. Auf der einen Seite kann sie entscheidende Arbeit leinen als Wortführer der kommenden Generation gegenüber der älteren. Auch die junge Generation unterliegt dem Gesetz, daß Gestaltung und "Analyse nicht einer Generation zugleich verliehen wird. Wer wirklich handelt, ist meist in der Begründung seines Tuns schwächer. T i e Generation, die durch ihre Erkenntnisse die Dorbedingnngen für neue Lebeusgestaltung der Jugend schuf, ist am ehesten geeignet, die Notwendigkeit und Richtigkeit des neuen Weges der älteren Generation gegenüber zu vertreten. Nur sie kann mit der älteren deren Tenkmethoden, die Tenkformen der Jüngeren erklären und deutlich machen. Gegenüber der Jugend aber hat die Zwischengeneration eine andere Aufgabe. Sie muß dafür sorgen, daß in der Begeisterung für ein neues Weltbild und der Hingabe an neue Lebeusgestaltung nicht leichtherzig alles über Bord geworfen wird, was die vorhergehenden Generationen an kulturellen Werten sammelten. Tie Gefahr, der begegnet werden muß, ist nicht klein. Lildungsmüdigkeit, Aenderung des Erziehungssyftems und des sozialen Ausbans, bewußte Beschränkung ans das Lildungsziel der gesonderten Gruppe wirken zusammen, um den Verlust dessen, was man bisher unter allgemeiner Bildung verstand, durchaus als im Bereich des Möglichen liegend erscheinen zu lassen. Hier wird nun auch deutlich, wie falsch es ist, immer von der angeblichen Antithese deutscher und jüdischer Bildung — mit der Befürchtung des Verlustes deutscher Kulturwerte durch jüdische Intensivierung — zu sprechen. Auch im eigentlichen deutschen Kulturkreise sind in der jungen Generation heute die gleichen Probleme zu finden, die gleiche Abkehr von universaler Bildung und Streben nach einseitig nationalgesormter Anschauungswelt. Tas Problem In der Nacht vom 27. zum 28. September starb in München im Atter von 62 Jahren Juftizrat Julius Heilbronner, der seit Jahrzehnten als treuer führender Freund nnd Berater Des bayerischen C.-D. der deutsch-jüdischen Idee diente. Dem Freunde und Kollegen Ein Mann eigenster Prägung ist von uns gegangen. Er stellte sich in seiner tiefen Bescheidenheit nie in die vorderste Linie, er rang mit sich um den höchsten Grad der Wahrheit, lim das reinste Innerliche, er strebte nach dem Ideal des Rechts, kämpfte um dessen Durchsetzung mit allen Widersachern, er verachtete die Geldgier, und darum konnte er den Menschen klar nnd offen ins Auge blicken. Er liebte den Frieden, aber keineswegs den Frieden um jeden Preis. Feige Kompromisse lehnte er ab. Unerwünscht waren ihm die Menschen mit Nebenabsichten, die Laienprediger, die sich selbst immer aufstellen, um anderen von dem Tun und Handeln dieser falschen Apostel nicht gedeckte Lehren -u erteilen. Tem Vaterland nmßte er nach seiner angeborenen Art mit ganzem Herzen dienen. So mußte er sein. Undeutsch und unbaiierisch zu denken, wäre ihm unmöglich geivesen. Ter Iudenheit war er verbunden aus Treue zum geschichtlich Gewordenen, aus Ueberzeuguug von der Reinheit ihrer religiösen Lehre, aus der Notwendigkeit ihrer Selbstbehauptung gegenüber dem Unrecht. Nicht als ob er die vielen von ihm wohl gesehenen Wandlungen im Judentum nicht empfunden hatte. Er konnte sie in ihrer letzten Auswirkung nicht klar überblicken, iveik auch er ein von dem Geist der älteren Zeit Befangener war. Tas Recht, das Recht insbesondere der deutschen Juden, war sein Innerlichstes. Darum lebte und webte er in der Münchener K.-E.-Verbindung, die er mitgründete und mit seiner Liebe umgab, darum war er unserem E.°V. völlig ergeben, tat für ihn, riet ihm, war immer da, immer voll Hingebung, und nützte ihm auch durch sein Schweigen und durch die Kürze seiner Aussührungen, wenn ihm solche unbedingt notwendig erschienen. Dieser stille, große Manu war leicht in seinem Auftreten, aber weit, weit entfernt von jeder Leisetreterei. Ich war ihm viele Jahre auch als Rechtsanwalt verbunden. In ihm empfand man: das Recht ist ihm zum Gemüt geworden. Daher auch seine Schätzung in den Kreisen der Münchener Anwälte und "Richter, der Münchener Börse, deren Spndikus er viele Jahre war. Solche Männer brauchen wir in einer Zeit der Dielgeschästigkeit und Schönrednerei, zur Leitung unserer innerjüdischcn Geschicke. Ludwig RollLodsr. §rmk dre Fügend Mit Justizrot Julius Heilbronner ist eine der liebenswertesten Persönlichkeiten des bayerischen Judentums dahingegangen. Nicht jeder von uns Jungen in der dcntschjüdischen Bewegung war immer und überall mit dem scharfen antizionistischen Kurs einverstanden, den der Verstorbene als K.-Eer vom alten Schlag stets eingehalten hat; aber auch der Gegner mußte ancrlcnnen, daß seine sachliche Schärfe von so gewinnender persönlicher Kon- Allianz, von so unbestechlicher Selbstlosigkeit und von so herzlicher Lauterkeit des Wollen? umgeben war, daß ihr jede verletzende Spitze genommen schien. Bei so selbstverständlicher Tentschheit der Substanz, wie sie der Gesinnung Heilbronners wesentlich war, mußte ihn das Erlebnis des Jahres 1933 besonders tief und schiver treffen. Aber eben in solchen „Fährten nnd Nöten" zeigte der Mann sich echt. Niemals sahen wir ihn von seinem Posten weichen, kaum, das; er sich spärliche Erholung — bis zuletzt in alpinen Hochtouren — gönnte, stets fand man ihn bereit, die Person hinter die Sache völlig zurückstellend, kleinste Einzelfragen mit peinlicher Gewissenhaftigkeit zu prüfen nnd nach bestem Wissen zu entscheiden. Rührend war cs, wie der schverkranke Mann sich bis zuletzt zur Verfügung stellte und buchstäblich, bis ihm die Stimme vor Schmerz versagte, seinen Freunden und Klienten nnd der Allgemeinheit im weitesten Sinne seine Tienste lieh. Nnd so nehmen denn wir Jüngeren Abschied von ihm als von einem Mann, von dem uns mancher Unterschied des Generationsempfindens getrennt hat, der uns aber über alle Auseinandersetzung von Meinung und Gegenmeinung hinaus ein hohes Vorbild der Pflichterfüllung, der Treue, der Wahrhaftigkeit, der unerschütterlichen Heimatliebe gewesen ist. Wir werden ihn nie vergessen und wir können dies Versprechen von uns selbst um so eher oblegen, als wir am Ende alle die wenig dankbare Ausgabe haben, die „Brücke zu sein . . . zwischen einer Zeit, die es noch nicht gibt, und einer Zeit, die stirbt." Dr. Werner Cahnmann. den Vorherrschaft b'etf Judentum? in seinem eigener; Lolk ein Ende zu machen, so war das eine inner, politische NoNvendigkeit Deutschlands. Es lag aber darin keineswegs der Gedanke der rassischen Heber, heblichkeit oder sogar der Verachtung anderer Völker. Wir sind überzeugt, daß in nicht zu ferner Zeit jeder Staat und jedes Volk erkennen wird, daß allein in der Reinheit seines Geistes und seines Blutes seine Stärke liegt. Desgleichen werden sie alle früher oder später die sinnlose Vermischung mit anderen Arten ablehnen, ohne doch den anderen Menschengruppen auf dieser Welt an sich ihre Tn. seinsberechtigung oder auch nur ihren Wert für die Geschichte im ganzen absprechen zu müssen. Wir glauben im Gegenteil, daß gerade der reinlichen Scheidung zwischen Blut und Vliil. z w i s ch e n G e i st und G e i st die einzige Garo^ tie für ein friedliches Nebeneinander der verschiedenen Menschenarten auf dieser Erde gegeben ist. Wir werden nicht müde werden, die Welt von diesen friedlichen Grundsätzen der deutschen Ras'cnpoiitik zu überzeugen. Wir werden uns aber auch weiterhin mit rücksichtsloser Schärfe jeden Versuch verbitten, ans die innere Regelung politischer Fragen innerhalb unseres Landes von außen her einen Druck auszuübcu . . Tontet auch für die jüdische Jugend.nicht „deutsche" oder „jüdische" Bildung, sondern „allgemeine" oder „gruppengebundene" Bildung. Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: Tie Suche der jüdischen Jugend nach schärferer Gestaltung ihres Weltbildes und Lebensweges vorn Jüdischen her, getragen vom Gemeinschaftsgedanken, ist richtig und darf unter keinen Umständen gestört werden. Aufgabe der Zwischengeneration aberist es, das wirklich Erhaltenswerte alten Bildungsgutes in das neue Weltbild einfchmelzcn zu helfen. Wir, die Kenntnis der alten universalen Bildung mit der Erkenntnis der Notwendigkeiten einer neuen Jugend verbinden, find dazu m besonderer Weise berufen. Unsere Generation, der von der Geschichte Erkenntnis nnb Wegbereitung als ihre Aufgabe zugewiesen ist, hat damit Möglichkeiten vom Schicksal bekommen, die ihr einen Platz in jüdischer Geistesgeschichte sichern können/ Unsere Gedanken, die im Schutze der Abendfchatten liefen, haben uns weitergeführt, als ihr Ausgangspunkt es ahnen ließ. Jetzt ist es mm draußen ganz still geworden. Die Sonne ist untergegangen, das Meer dunkelt im Abglanz des Himmels; es ist jetzt wirklich das „veilchenblaue" Meer Homers (schon wieder eine klassische Gedankenverbindung!) geworden. Tie Silhouette einer Nachbarinsel fleht gegen den erlöschenden Horizont. Ter Abendstern blinkt auf. leise" schlagen die Wellen. Solch eine Abendstunde muß in der Seele jedes eindrucksfähigen Menschen, welcher Generation er auch angehören mag, ihren Widerhall finden. Auch dieses gemeinsame Naturerleben ist ein Stück Weltbild und kein geringes. Juden in Wertheim..unerwünscht" Tie Stadtverwaltung von W e r t h e i m am Main hat. wie aus Pressemeldungen hervorgeht, unter den an Ortseingängen angebrachten Schriftbändern, die zum Besuch der Michaelismesse aufsordern, den Sah anbringen lassen: „Juden sind in Wertheim unerwünscht." Von einer gleichartigen Maßnahme wird auch aus Tauberbrschofsheim berichtet Im neuen Städtischen Strandbad in Heilb r o n n ist Juden, wie ein Plakat bekanntgibt, das Betreten des Bades verboten worden. Ter Präsident der Reichskarmner der bildenden Künste gibt in einer Ersten Anordnung über den Schutz des Berufs und die Berufsausübnng der Architekten vom 28. September folgendes bekannt: Tie Eingliederung in die Reichskammer der bildenden Künste durch den Bund Deutscher Architekten c. V. als Fachverband für Baiikunst ist V o r a u s s e 1; u u g f ü r d i c A u s ü d n n g des Berufs als Architekt. Mitglied des Bundes deutscher Architekten kann nur iverden, wer bei der Erzcugung und Erhaltung von Kulturgut nütwirtt — wol>ei als Kulturgut jede Leistung und Schöpfung der Lnuknnst gilt, ivenn sie der Lefsentlichkeit über- 'mittelt wird — und die für die Ausübung der Tätigkcit erforderliche Zuverlässigkeit und Eignung besitzt. Als Leistung oder Schöpfung der Baukunst ist jede planende oder sonstige gestaltende, künstlerisch anordnende, betreuende und leitende Tätigkeit auf dein Gebiet des Bauwesens anzusehen, die eigenschöpserische Gestaltungskraft des Architekten zeigt und nicht lediglich die Anwendung erlernter rein technischer Kenntnisse ist. Nützlichkeitszwecke des gestaltenden Werkes schließen den Begriff der küustlerisch-schöpserischen Leistung nicht aus. Tas Tätigkeitsgebiet des Architekten umfaßt jede bauliche Gestaltung nnd Anordnung einschließlich der beruflichen Tätigkeit als Sachverständiger. Tie Mitglieder der Reichskammer der bildenden Künste, Fachverband für Baukunst, führen die B e r n f s b e z e i ch n u n g „Architekt" mit dem Zusatz „Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste". Unberührt bleiben die Vorschriften über die Berufsbezeichnnng „Regierungsbaumeister". ReWärzieWrer Ir. Wagner M In dem „Deutschen Aerzteblntt" (Heft 36 vom 22. September 1934. S. 917 fsy wird die Rede des Reichsärzteführers Tr. Gerhard 26 a g n e r auf dem Reichsparteitage 1934 veröffentlicht. Wir entnehmen dieser Wiedergabe folgende Ausführungen: ..... Mehrfach ist die Besorgnis laut geworden, der Rassenstandpunkt des Nationalsvzialisnms könne zu einer Mißachtung anderer rassisch gebundener Bolkstümer führen. Tas ist falsch. Wenn der Nationalsozialismus gezwungen war, der erschrecken 1:2 mm bis zu 80 *130 cm kr lzjLi &<:.)' SüJflM’P'IEli ,050 KAMMÄ bis zu d?9 9CL*14öjcm ras bis zu LlQ(M3(km ' fi©nn® HP [:A ifl j ] H? r\ I V ku,,cr Uj LvL) u LS üC! & Provenienzen enthält Stucke / 7£jssa in dien Größen von seltener / Spandauer / '; - r' S t-üäfazlsteffa, Gardinen \ rl < 7/7/V d'N Wie wir in der vorigen Nummer berichtet Haben, ist in Wien plötzlich ein Negierungserlaß zur Durchführung gelaugt, der die konfessionelle Trennung der Klaffen auvrdnet. In einzelnen Schuten, in denen Parallelklassen nicht möglich waren, hat inan die Absonderung innerhalb her verschiedenen Klaffen vorgenommen und besondere Jndenbänke eingerichtet. Ter Vorstand der Wiener Knltusgemeindc versammelte sich am -X Sep. tember zu einer Plenarversammlung, in der mich der Sprecher der Union österreichischer Juden. Tr. .Jakob O r n st e i n , gegen den Schnlerlaß. der zu einer Diskriminierung der jüdischen Kinder führte, protestierte. Znm Schluß wurde eine Resolution an den Bundeskanzler Tr. S ch u s ch nigg beschlvsstn. In ihr heißt cs u. a.: „Tie getroffene Maßnahme, durch die au den örfcntlidicn, allgemein zugänglichen Schuten jüdische Kinder abgesondert werden, hat in der Wiener jüdischen Bevölkerung Beunruhigung und Erregung hervorgerufen. Diese Beringung muß bei den Kindern israelitischen Religivnsbekenntnisses das Gefühl der Zurücksetzung erwecken. Wenn zur Begründung der in Rede stehenden Maßnahme schnlpraktische Erwägungen geltend gemacht werden, so muß daraus hnn gewiesen werden, daß die nachteiligen Folgen ■ dieser Maßnahme sowohl innerhalb der Schule als nach außen hin in ihrer Bedeutung die schulpraktischen Gründe bei weitem überwiegen. Ter Vorstand der israelitischen Kultus, gemeinde hat daher in der öffentlichen Plenar- . .sitzung vom 26. September 1934 einmütig des Beschluß gefaßt, das Präsidium zu beauftragen, bei allen in Betracht kommenden Stellen der Unterrichtsverwaltung die gegen die getroffenen Maßnahmen bestehenden schweren Bedenken geltend zu machen und die Aufhebung der erlassenen Anordnungen anzustreben/ Das Unterrichtsministerium hat daraufhin an den Stadtschulrat folgende neue Weisung erteilt: „Ter Erlaß des Bundesministerinms für Unterricht an den Stadtschulrat für Wien, durch den Weisungen über die Teilung der Mille!- schulklassen in Parallelzüge gegeben wurden, hat vereinzelt zu Folgerungen geführt, die nicht beabsichtigt waren. Es muß sestgestellt iverden. das; der Erlaß nicht den Zweck verfolgt hat, eine Trennung der Schüler nach konfessionellen Gesichtspunkten vorz'.niehmen, sondern daß er ausschließlich von schnUechmscheu und finanziellen 6;i> Wägungen ausging. lim etwaigen Schwierigkeiten zu begegnen, die sich aus der Turchsühruug des Erlasses für einzelne Schüler infolge Ausschüdens ans ihrem bisherigen Klasseuverbande ergeben sollten, hat das Bnndesminislerimn für Unterricht an den Tiablschulrat für Wien einen Erlaß gerichtet, in dem es ihn ermächtigt, nach Ueberprüsimg der vorgebrachteu Klagen der Elternschaft geeignete Barkehrurigen zur Milderung solcher Schwicrigteilcn zu treffen." Tazu wird aus 'Wien geschrieben: „Es darf nicht übersehen werden, daß die Schwierigkeiten, von denen der neue Erlaß spricht, sich nicht ausschließlich in bezug auf die jüdischen Kinder ergeben haben. Zahlreiche Klagen wurden auch von evangelischen Eltern vorgebracht, die sich dagegen wandten, daß ihre Kinder von den übrigen christ' lichen Kindern abgesondert werden und in die „Jndcnklasse" kommen sollen. Blau wird daher Z"' nächst abwartcu ntiissen, ob die in dem neuen brlaß angeknndigte Milderung nicht in erster Reihe sich aus die Zuteilung der evangelischen. niri)t aber nuf die Absonderung der jüdischen Schüler beziehen wird. Einzelne Älaßnahmen. in denen manche Schulleitungen den Rahmen des ersten Erlasses offenkundig überschritten haben — durch Sckafstmg besonderer „Jndenbänke" usw. — sind inzwischen rückgängig gemacht worden. Trotz aller Vorbehalte der österreichischen Judenschaft, die nach wie m die völlige Aufhebung der konfessionellen Klassentrenmuig fordert, ist der neue Erlaß des llnterrichtsministerimns als erster Erfolg der Abwehr einer von judenfeindlichcr Seite inspirierten einschneidenden Viaßnahme zu werten."