Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 38 (21.9.1934)
- Date
- 1934-09-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2277379-2278044-2278082--08849-2289910- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jwdisehe Frauengestalten:' , Mas Weib des Marach und MPinah Die Frau Korachs, des Leviten, konnte es nicht vergessen, daß ihr Mann einst Schatzmeister des Königs Pharao gewesen war und die goldenen Schlüssel zur königlichen Schatzkammer in seiner Hand gehalten hatte. Darum murrte sie im stillen und sprach endlich zu ihrem Gatten: „Weißt du wohl noch, wie voll meine Speisekammer war. als wir noch in Aegypten lebten? Fisch und Fleisch hatte ich in den Töpfen, mehr, als wir zu essen verlangten. Und jetzt — Manna den einen Tag wie den andern! Sabbat und Alltag und Feiertag — alles gleich! Mir ekelt der einförmigen Speise . . . Wo liegt es denn nun, das Land, wo Milch und Honig fließt, das euch Moscheh, euer Führer, versprochen hat? Wenn es nicht etwa aus dem Monde liegt: auf Erden Hab' ich bisher nichts davon gesehen .. lind dann trat sie näher an ihn heran und flüsterte: „Und was ich dir schon lange sagen wollte: Wer ist er denn eigentlich, dem ihr hier folgt durch die Wüste, wie irregeleitete Schafe dem selbst verirrten Hirten? Wer ist denn dieser Mann Moscheh? Ist nicht sein Vatersvater Kehat auch der deinige? Und sag', wo steht es geschrieben, daß Amrams Söhne herrschen sollen, und seines Bruders Izahar Söhne Sklaven seien?!" Ta folgte Korach den Worten des Weibes: empörte sich gegen Moscheh. Aber die Erde tat sich auf, ihn zu verschlingen, ihn und seine ganze Rotte. So verlor Korach zugleich diese Welt und jene Welt durch die Schuld seines Weibes. Darum sagt König Salomo: Ein Nachruf auf Judith M-z Judith M . . 3 ist seit sechs Jahren tot, und ich weiß nicht, wie viele Menschen es sind, die noch an sie denken. Ihr Leben war kurz und unscheinbar. Als ich ihren Kopf zum ersten Male über dem hohen Pult der Bank in dem amphitheatralisch aufgebautcn Hörsaal hcrvorragen sab, wußte ich nicht, ob er einem Jungen oder einem Mädchen gehörte. Das Haar war hell, farblos und verschnitten, auf der runden Nase lagerte eine schwere Brille, die so dicke Gläser hatte, daß die Augen dahinter in weite Ferne rückten, und der Mund war blaß und still. Nur ein einziges Mal hatte ich ihn für einen Bruchteil einer Sekunde ausleuchlen sehen, als wollte er sich zu einem Lächeln formen. Sie stammte aus Lemberg und war die Tochter eines Rechtsanwalts. Sie hat nie jemandem erzählt, warum der Vater sie nicht verstehen wollte, als sie eines Tages nach deni Abitur nach Palästina fuhr und dort während des Sommers Ziegel trug, warum er sie mit keinem Pfennig n.nterstützte, als sie im Herbst nach Europa zurückkehrte und sich an einer Technischen Hochschule inskribierte. Sie wählte das Bauingenieurfach. Das ist ein harter, männlicher Beruf. Vrückenkonstruktionen und Tiesbauten erfordern festes, konsequentes Tenken. Ter Professor, der die Statik des Brückenbaues vortrug, war eine gefürchtete Gottheit, eine hervorragende Kapazität töricht Weib zerstört ihr Haus mit eig'ner Hand. Unter den Anhängern Korachs befand sich auch On, der Sohn des Peleth. Aber Dinah, sein Weib, war klug und fromm und sprach zu ihm: „Was nutzt es dir, wenn Korach den Sieg davonträgt über Moscheh? Du wirst doch immer nur der Diener Korachs sein, wie du bis jetzt der Diener Moschehs warst. Ich rate dir gut: geh' nicht mit Korach!" Aber On erwiderte ihr: „Ich glaube wohl, du hast recht. Nun aber habe ich Korach einen Eid geschworen, daß ich zu ihm käme; soll ich meineidig werden?" Da sprach Dinah kein Wort mehr. Aber als der Tag der Empörung kam, da gab sie ihrem Mann ein festlich Mahl zu essen und Rauschtrank zu trinken — Vis er aufs Lager sank und entschlief. Plötzlich aber begann die Bettstatt unter ihm zu beben und zu zittern. Rauch drang hervor und erfüllte den Raum. Das war die Srunde, da Korach und die Seinen versanken, und überall im Lager alles, was zu ihnen gehöre, klein oder groß, mit ihnen in den Abgrund gerissen wurde. Ta ergriff Dinah ihren Mann mit rascher Hand und hielt ihn fest und schrie zu Gott: Ist es Tein Wille, Herr der Gerechtigkeit, daß der Reuige mit dem Sünder sterbe? Und die Unterwelt ließ ab von ihm. So ward On, der Sohn des Peleth, durch sein Weib gerettet. Darum heißt es von ihr und ihresgleichen: Ein kluges Weib erbaut das Haus; weit über Perlen geht ihr Wert. Iparon und ein hervorragender Antisemit. Zitternd schlichen die Studenten zum fünften Male von der Prüfung fort, ohne durchgekommen zu sein. Einmal schien das unheimliche Schweigen im Prüfungszimmer nach der Verkündung der Prüsungsresultate noch drückender als sonst. Judith M . . z hatte „Vorzüglich" bekommen. Ruhig stand sie vom grünen Tisch auf und verschwand hinter der Tür. Es warteten heute noch drei Gymnasiasten auf sie, denen sie Nachhilfestunden gab. Mit schweren Schritten, den Arm voll orcrer Bücher, die linke Schulter hochgezogen und den Kops gesenkt, als ob das Gewicht der Brille das Gesicht nach vorn zöge, durchmaß sie die langen Korridore. „Wie ein mächtiger alter Arbeitsgaul, der gelassen eine neue Furche beginnt, wenn er die letzte gezogen hat, geht sie dahin", sagte ein Student mit schief aufgesetztem Eouleurkäppchen und einigen Schmissen im Gesicht. „Ich schlüge, an ihrer Stelle, den ganzen langen Korridor entlang Näder, ginge aus den Händen und spränge die Treppenarme auf einmal hinunter." Taß sich Judith M..z doch eine Belohnung gönnte, wußte er nicht. Am nächsten Tag holte sie die Erlaubnis eich die Vorlesungen über architektonische Formenlehre besuchen zu dürfen. Tonn saß sie jeden Montag. Mittwoch und Freitag von zwei bis sechs über dem großen weißen Brett und blickte nicht auf. Ihr angespannter gebeugter Nucken steckte in einem stumpfen grauen Wollstoff. Ein nichts daß^er fort ist mit seinen Gedanken? Taß jeder Tag ihn weiter von uns sorttreibt?" Er Preßte die Fäuste an die Augen, als könnte er das schreckliche Bild dieser drohenden, grausamen Trennung dadurch verscheuchen. — Er sah das Kind vor sich, den Schuljungen, den Primaner — wie auf einem Filmband rollten die Erinnerungen vor ihm ab, lauter schmerzlich beglückende Phasen seiner Entwicklung, die er mit dem beglückten Stolz des Vaters verfolgt hatte. ^Jch bitte dich, Vater-" Der alte Mann hörte ihn nicht. Eingesponnen in das leidvvlle Glück einer Vergangenheit. deren Sorglosigkeit ihm heute fast unverantwortlich erschien, zitterte er vor der Gegenwart.-Mit einer verzweifelten Gebärde hob er die Hände: „Er will alles nicht sehen — uns alte Leute will er nicht sehen — überwunden, nicht wahr, Hedwig?" „Tu tust mir unrecht. Vater! Ich will auf. bauen — ich habe andere Ziele" — Jetzt war Festigkeit in der jungen Stimme. „Rein, du willst fliehen! Ich erlaube dir nicht! Ich werde dich halten —" Er suchte Unterwerfung, suchte ein Nachgeben in dem Gesicht des Sohnes. Aber diese angespannten, plötzlich reifer scheinenden Züge ließen ihn verstummen. „Tu bist schon entschlossen?" murmelte er. Hilflos sah er sich nach der Frau um — in ihren Augen las er Bestätigung. Er setzte sich nieder und blieb stumm. Nur seine Brauen zuckten wie unter einem peinvollen Stich. Paul begann zu sprechen. „Siehst du, Vater — ich komme hier nicht mehr vorwärts. Tu kennst die Schwierigkeiten. Das lähmt mich. Ich will ja nicht auf immer fort. — Und wenn es mir draußen glückt, dann hole ich euch herüber-!" „Paul!" Ter alte Mann hatte sich ausgerichtet, seine Hand war mit Wucht aus den Tisch gefallen. Solchen Unsinn solltest du gar nicht anssprechcn. Uns herüberhvlen? Du kennst mich wohl gar nicht, wie? Laß Mutter und wich aus dem Spiel.- Sprich von dir selber — du bist mündig, bist -ein selvsiändiger Mensch. Es ist richtig — aber ich hoffe um MutterS willen.-Habe mir genug Gedanken um dich gemacht. Jeder muß fein eignes Schicksal erleben-." „Erleiden —", sagte 'die Frau ruhig. Ter alte Mann warf ihr einen Blick zu, der voller Trauer war. „Laß gut sein, Hedwig. Ich versuche, seinen Jdeengängen zu folgen. Er hat den Krieg nicht mitgemacht. Er war ein Kind damals. Er kann nicht wissen, daß man sich noch fester an dieses Stück Erde gekittet fühlt, seit man dafür geblutet hat." Er griff unwillkürlich nach der tiefen Narbe, die sich von der Schläfe bis zum Mundwinkel hinzog. „Aber das wäre auch kein Argument", fuhr er fort. „Schließlich gibt es Dinge, die nicht durch Opfer zu erkaufen sind. Deshalb ist es in meinen Augen keine Frage des Heroismus, wenn man in einem Lande bleibt, das einen nur als Gast ansieht. Ein Gast hat sich zu fügen, sich zu bescheiden. Das ist die äußere Seite der Sache. Was ich innerlich empfinde, ist meine eigne Angelegenheit. Das muß jeder machen, wie sein Gewissen es ihm vorschreibt — oder seine Nerven. Ich selber will lieber hier verrecken, als sortgehen. Ich sage das ohne Pathos, Paul. Das hindert mich nicht. Deine Anschauung zu achten." „Du hast mich noch gar nichts erklären lassen, Vater!" sagte Paul mit gerötetem Gesicht. „Lieber Junge, ich kenne dich doch. Du erträgst die Beschränkungen nicht, die dir auferlegt werden. Daher die Sehnsucht ins Weite — wahrscheinlich genau so berechtigt wie mein Festhalten hier.-Es ist schlimm für Mutter und mich — aber-Wo willst du hingehen?" „Nach Erie. Pennsylvanien. Zu Ernst Wehl:sch. Er meint, er wird mich da irgendwo, irgendwie in seiner Papierfabrik unterbringcn können. Nationalökonomie ist ein Fach, das man ausbaucn kann. Ich weiß, daß es anfangs schwer sein wird — ich bin entschlossen, jede Art von Arbeit zu tun." grauer, hoher Berg wölbte sich vor der Zeichnung des Parthenongiebels, an dem sie arbeitete, der graue Berg verbot einen Blick über die Schulter atrf die olympischen Götter. Judith M..z mischte mit unendlicher Geduld gelbe Farbe in das Zinnober, um das Rot der Metopenfelder leuchtender zu gestalten. Pinselte unentwegt an dem strahlenden Hymnus auf die Athen«. Jeder Muskel der starrem ungelenken Arme wurde von dem Willen beherrscht, von der leichten, ausgeglichenen Glückseligkeit der Panathenäen einen farbigen Widerschein auf das Papier zu bannen. Ließen der graue Wollstoff, die dicken Brillengläser nicht das als Willen erscheinen, was tiefe Sehnsucht nach der leichten, ausgeglichenen Glückseligkeit war? An einem Mittwoch kam um fünf Uhr nachmittags ein junger Student in den Zeichensaal und reichte Judith M..z die Hand. Ter graue Rücken richtete sich etwas auf, und beide sahen auf die Zeichnung. Es war im November, im Zeichensaal brannten die großen harten Deckenlampen. Sie sprachen nicht viel miteinander. Auf dein Zeichenbrett berührten sich ihre tiefen Schickten oberhalb der Jünglinge von Athen, die auf den mutig dahersprengenden Pferden sitzen, in dichtem, kraftvollem Gedränge. Nach etwa zehn Minuten nahm Judith ihren Mantel und ihre Mütze vom Haken, räninte ihre Bleistifte und Pinsel fort und ging mit dem Studenten weg. Als sie ihre Mütze aufsetzte, war es, daß sich ihr Mund zu jenem einzigen Lächeln aufschwang, das ich an ihm bemerkt habe. Manchmal konnte man Judith M.. z in Begleitung eines großem schlanken Mädchens sehen, das in seinen grünen lachenden Augen das ganze Licht der düstern Aula auffing. um es von hier aus als einen Heiterkeitsschein um sein Gesicht strahlen zu lassen. Es ivar eine Ehemikerim die von Judith M..z zu einer Mathematikprüfung präpariert wurde. Tie grünen Hellen Augen ließen den grauen Rücken noch grauer erscheinen. Wenn dieses Paar erschien.,blieb die sonst übliche, bewunderungslaute Ehemiegesolgschaft still und respektvoll zurück. Niemand bemerkte, das; der düstere schwere Schritt an solchen Tagen entspannter war. weiter ansholte und schneller wechselte, als wollte er die Füße einen neuen, fremden Boden einer leichteren Welt erreichen lassen. Das Licht aber in den grünen Augen lag tiefer als sonst, und der schlanke .Hals war steil und stolz. Jeden Sommer war Judith M.. Z irr Palästina und trug Ziegel. Jeden Herbst erschien sie pünktlich im Hörsaal. Sie wohnte in einer Baracke draußen vor der Stadt. Sie gab Mrchhilsestunderr. arbeitete zeitweise in einem Anck und fertigte auch Pläne für Kollegen an, die nicht fertig wurdem Niemals hatte sie in einen Spiegel gesehen. Jemand erzählte einmal, daß sie Gedichte geschrieben hätte. Einmal hatte sie beinahe gelächelt. Nach fünf Jahren machte sie ihr Staatsexamen. Tann starb sie. Tie Baracken waren feucht. Ihr Leben war hart, kurz und unscheinbar. 6. H. Das Helm deö Jüdischen Frauenbundes ln Wh! auf Föhr, das das ganze Jahr über geöffnet ist, dient der Kräftigung und Erholung von Kindern und weiblichen Jugendlichen. ES liegt nahe an der See. an bester Stelle des geschützten und sonnigen Südstrandes. Von der Aufnahme sind an Lungentuberkulose und anderen ansteckenden Krankheiten leidende Kinder ausgeschlossen. Da? Heim dient gemeinnützigen Zwecken, ist aber durch seine Führung und Einrichtung jedem . guten Privcckheim an die Seite zu stellen. Anmeldeftellc: Jüdischer Frauenbund, Berlin-Charlvttenburg 2, Kcuckstraße lö8. „Schulfreundschaften sind ein guter Kitt. Vielleicht kann Ernst dir nützlich sein. Schade, daß du nicht wie ich durch ein Stückchen Erde gehalten wirst." Die drei Menschen schwiegen. Auch das Geräusch der kleinen Klöppel war verstummt. Die Mutter stand aus und ging ein wenig mühsam durch das Zimmer. Zum ersten Male sah der Sohn, daß sie begann, alt zu werden. Sie setzte sich neben den Mann, und mit einer Gebärde tiefster Verbundenheit legte sie leicht die Hand aus seinen Arm. Er wandte ihr ebenso wortlos den Kopf zu und nickte. , Pauls Augen flüchteten wieder zu dem Leistikow°Bild: „Ich sehe ein, daß ihr hierbleibt!" murmelte er. „Ja —" sagte der alte Mann. „Mutter und ich bleiben hier. Nicht weil wir hier sterben wollen — wir wollen hier leben, Paul! Wir sind hier zu Hause — Von Emmy Wolff Was gabst du zu fühlen, daß deine Sonne mit immer müderem Schwung das Rad umschleudert, daß dann der Tag fast fallend sich ablöst wie die überreife Beere vom Stiel, und spät ' Nacht anflutet, kalt umschauert und heimatlos, — ob auch in Kupfer der Abend hinging ,,, Auf dem Arbeite-; .. naehweis Roch immer ist die Frage der Umschichtung der Arbeitsbeschaffung, für uns nicht gelöst. A>/. wandern? Die Heimat verlassen? Nein, lieber I hierbleiben, von vorn ansangen. Mit unendlicher st Mühe und Aufopferung schasst die jüdische si>?. ' i meinde für Tausende Rat und Hilfe, lüßt nichts i unversucht, dem traurigen Los so unendlich viel; * arbeitslos Gewordener Abhilfe zu schassen.; Es gibt ein jüdisches Arbeitsamt, eingeteilt in i verschiedene Bezirke für männliche und weiblich- : ' Angestellte, wo Menschen jeden Alters und aller ‘ Berufe Beratung. "Hilfe und Stellung erhalten;; Berater sitzen dort, junge, frische Menschen. die st mit der Kraft der Jugend und dem Verständnis -x für die Rot des einzelnen diese Hilfsaktion leiten. Betrieb den ganzen Tag. Um zehn Uhr die 1 Verkäuferinnen, um elf die Stenotnpisiinnen, uni; zwölf-um eins-. Ueberall Ordnung —? Einteilung — — und Arbeitsbeschaffung. j Blaß, mit müden Angen, saß mir in der Unter.; grundbahu eilt junges Mädchen gegenüber, - i stiegen zusammen aus und ich beobachtete, wie sie eine Weile ziel- und planlos durch die Straßen ging. Sie interessierte mich. Ich sprach sie an. Sie war eine junge, stellnngsnchcnde Berlänscrin. Vom jüdischen Arbeitsamt wußte sie nichts. Ich , i nahm sie gleich mit dorthin. Es war ein kalter. F unfreundlicher Winternwrgen. die Raume neben ’l dem Gotteshaus lagen noch im Halbdunkel. Tas Wartezimmer war bereits mit Besuchern gesüllt. i Während meine kleine Unbekannte den Fragibeaeii r anssüllte, studierte ich das schwarze Brett. Ta gibt st es unendlich viel Gelegenheiten, seine arbeitslose Zeit wertvoll auszunntzen. Kurse für Schreib-! Maschine und Stenographie. Sprachunterricht, sing- [j lisch. Französisch. Holländisch. Spanisch. Hebräisch. -I Es schlug zehn Uhr. Tie Tür wurde ansv\ geschlossen, die Leiterin fragte zuerst nach den Neu-; hinzngekommenen, bat gleichzeitig die Verläufe-!; rinnen tu einen anderen Raum und verlas dort - die offenen Stellen. „Für Herrenkonfektion gesucht! Wer meldet i' sich?" .; „Hier bitte! : „Sie sind aus der Branche?" ' „Nein. Aber ich werde mich eingearbeitet haben, bevor mait es gemerkt hat!" Auf dem Gesicht dieses Mädchens lag Wille; und Energie, daS Leben fest in die eigenen Hände zu nehmen. Sie bekant die Adresse und zog freudig damit ab. Später erfuhr ich, daß sie die Stellung erhalten und zur Zufriedenheit ausgesüllt hat. „Was waren Sie früher?" fragte ich ein junges Mädchen, das einen ausfallend geschlossenen Eindruck^machte. „Studentin der Medizin." Sie anttvortete knapp. Es war ihr sichtlich schwer, daran erinnert zu st werden. /.■; „Und nun?" fragte ich. „Wir haben kein Mädchen mehr und ich führe den Haushalt." „Aber was tun Sie dann hier? Sie können best , nicht außerdem eine Stellung annehmen!?" f „Morgens eine Aufwartesielle von sechs bis zehn st Uhr für 40 RM im Monat habe ich schon. ÄM ich will versuchen, auch für den Abend nach etwas zu bekommen." Wirklich sah ich die Ermedizinstudentin später mit einer Adresse als Garderobiere in einem Klubhaus sortgehen. Still. Selbstverständlich. Man i u.tuß mit den gegebenen Verhältnissen eben fertig : werden. Tas Telephon klingelt ununterbrochen. Jüdische Firmen fragen nach jüdischen Angestellten, Ss st kam auch meine kleine Unbekannte zu z'.rci t Adressen ... , st Biele Schicksale rollen hier an einem vorüber. i Für die. die heute noch ohne Sorgen in ihren Verufen sind, kaum ein Begriff. Wie viele wißen es; auch heute noch nicht zu schätzen, was es heißt. - ohne Sorgen zu sein, ohne den Kampf um datägliche Dasein. Wie viele werden mutlos, wie viele st 'fürchten sich vor dem Unbekannten. Ungewissen. - handeln unüberlegt, ja, machen ihrem Leben sogar ein Ende. Es gibt noch immer Arbeitsmöglichkeiten. es gibt noch immer Menschen, die bereit sind zn Helsen, zu stützen'.., Ihr seht es am jüdischen Arbeitsamt. i Gretel Wallach. st Hauswirtschaftlicher i Lehrgang in Lehnitz Am 1. Oktober eröffnet der Jüdische Frauenj bund in seinem Erholungsheim in Lehnitz einen s halbjährigen Haushaltslehrgang. 15 Mädchen st jeden Alters und jeder Borbildung werden anl- st genommen. ■! Der Lehrgang will eine sorgsame und gründ- - st liche Unterweisung in allen Zweigen der Hans- J Wirtschaft vermitteln. Für jedes Unterricht-swä! . stehen gute Lehrkräfte zur Verfügung. Durch ein; einfaches Gemeinschaftsleben, durch Einfügen in ' , eine jüdische Umgebung soll eine Erziehung >nr die besonderen Ausgaben dieser Generation ge- , schaffen werden. Diese Aufgaben liegen nicht nur in der Vorbereitung für die Familie, sondernstn dem ganzen weiten Gebiet der Gemeinschastsfür- - sorge. In allen jüdischen Anstalten, in Kinder-,; Genesungs- und Altersheimen fehlt das vorgc- : bildete Personal, fehlt die Heimgehilfin. st Unterrichtsfächer sind: Praktische: Kochen '(ritnell), Hausarbeit, Waschen. Plätten. Nähen, Gartenarbeit, Werkarbeit, Gymnastik. Musik. Theoretische: Wirtschastskunde. Erziehungslehre. Arbeitsgemeinschaft. Daneben wird das halbe Jahr in Lehnitz die körperliche Ertüchtigung fördern. Die herrliche : Sage des Heims im Walde, dicht am See. biettt wundervolle Sportmöglichkeiten, im Sonuner jede Art Wassersport, im Winter Eislauf- und Sl>' sport. , Der Preis _ beträgt für volle Verpflegung. Unterbringung in aemcinsamen Schlasräumeu um Unterricht monatlich 60 NM. Auskunft erteilt bas Erholungsheim Lehnitz bei Oranienburg. Biltoriastraße 19—21. Tel. Oranienburg -015. , c s tr tc sc h st 6' ei d> i i 5 d d t x 5 ( k 1 5?r