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Central-Verein-Zeitung · 1934-09-21 · 38 (21.9.1934) · page 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
38 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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c LATT DER 21. September 1934 3. Beiblatt der C.-V.-Zeitung Von MELITTA PFEFFERMANN Fol. llcrbcvl Sonncnfeld, Berlin Ta? jüdische junge Mädchen war bis zum Früh, sihr 10y:3 in den verschiedensten Berufen tätig. Ta die Akademikerin. insbesondere die Aerztin, Airistin, Lehrerin, da war die kaufmännische Ange. ncüic, die Sozicilarbeiterin, die Haustochter. Ganz 'Aeu horte man von einer Gärtnerin, einer Ge- ^elzüchterrn, einer Imkerin. Im allgemeinen war Lc landwirtschaftliche Beruf der jüdischen weiblichen -Hgend fremd. Erst in den letzten VA Jahren haben!id) viele junge Mädchen zur Landwirtschaft ent- 'chlossen. lieber die Schwierigkeiten der Umstellung 'een der geistigen zur körperlichen Arbeit, von der Ltadt aufs Vaud, von bodensremden in natirrvcrwurzelte Berufe ist schon viel geschrieben worden. "Aau denkt dabei Zuerst an den Gärtner, der mit dem Epaten umgräbt, den Bauern, der hinter dem Pfluge vergeht, also an die allgemeinen Probleme bei der Umschichtung zur Landwirtschaft. Hier gilt es nun, dieienigen Sondergebiete zu betrachten, die weibliche Ärbeitsträfte verlangen. Es lassen sich da zwei Üruppen teilen: 1. Ehefrauen oder Mägde, die mit dem Manne zusammen einen Betrieb versorgen, 2. Spezialistinnen, die einen landwirtschaftlichen Sonderberuf erlernt haben. Bon den Ehefrauen und Mägden wird sehr viel grobe und anstrengende Arbeit verlangt. Man vergleiche nur die tägliche Reinigung des Hauses von dem Schmutze, der aus Feld und Stall hereingctragen wird, mit der Säuberung der Stadt-- Wohnung. Schwee sind die Eimer, in denen das Wasser für Gliche und Stall geholt, die Milch in dazu bestimmte Behälter getan wird (vergl. Abb.). Anstrengend ist das tägliche Dreher: der Aentrifnge, in der sich die Sahne von der Magermilch trennt, der Buttermaschine, in der die Sahire Zu Butter verarbeitet wird. Und rrn'rhevoll ist es, auf dem Felde hinter dem Schiritter das Getreide zu raffen und zrr Garben zu binden, oder tagelang mit der Hacke Kartoffeln zu ernten. Die Landarbeiterin hilft bei allen durch die Jahreszeit bedingten Arbeiten, wo sie gerade gebraucht wird: in: Früh fahr beim Graben und Säen, im Sommer beim Psarizen und Ernten, un Herbst beim .Hereinholen des letzten Ertrages, im Winter beim Borbereiten des Feldes für die neue Bestellung. Beben dieser allgemeinen Arbeit sind ihr drei Gebiete im besonderen unterstellt, nämlich: Haus', Stall- und Milchwirtschaft. Die ländliche .gliche ist von der städtischen wesentlich unterschieden. Gekocht lvird. was die Jahreszeit bringt oder was im -Heller lagert. Beim Miuifunum wird nur das nötigste ergänzt, es darf nur so wenig Bargeld wie möglich gebraucht werden. Deshalb kounnt es darauf an, durch geschickte Anlage des Obst- und Gemüsegartens, durch vernünftige Bernvendung der Vorräte, durch richtige Vorsorge für crtragsarme Monate durch Eintochen von Obst. Gemüse und Frnchtsäften lvgl. Abb.). die Ertragsfähigkeit des ganzen Betriebes so stark wie möglich zu steigern. Das gleiche gilt für die Stallwirtschaft. Da die Grosiviehhaltnng besondere.Uörverkräfte verlangt, untersteht der Frau vor allem die Kleintierpflege, vor altem der Hühnerhof. Hier ist auf richtige Fütterung. Saiibertialtung der Ställe und Wahl geeigneter Tiere zu actsten. Mit Hitie sogenannter Fallnester. die die Tiere beim Legen der Eier einsperren, kann die Wärterin gute Legehennen von nutzlosen Fressern scheiden. Und ebenso wichtig für den Betrieb ist die Milchwirtschaft, dem: sie bringt bei Verkauf der Produkte einen dauernden Barzuschuß. Noch tierwarm wird die Milch, lute schon erwähnt, zentrifugiert, bei genügender Menge der Sahne verbuttert, aus Botlvder Magermilch .gase bereitet. Abfallprodukte dienen als Viehfutter. So hat diese Gruppe wesentlichen Anteil an der Rentabilität der Wirtschaft. Die zweite Gruppe sind die geschulten Kräfte, die Spezialistinnen. Entsprechend dem modernen .? j' Aufbau der Wissenschaft, der jedes Gesamtgebiet in Sonderstudien teilt, gibt es auch in der Landwirtschaft die verschiedensten Einzel berufe. Es ist selbstverständlich, daß der Frart hier burcf) ihre Körperlräste Schranken gesetzt sind. So ist für sie zum Beispiel in einem Baum schulbetrieb kein Platz. Dagegen lvird sie bei Neigung und Fähigkeit sich in der Blnmengärtnerei, in der Tierhaltung. im Milchgroßbctrieb und vielen anderen Landwirtschastszweigen gut bewähren. Es würde zu weit sühreit, auf alle Berufs- Möglichkeiten im einzelnen einzugehen. Hm hier den Pflichten gewachsen zu fein, ist wie überall Wissen und praktische Erfahrung erforderlich. Bereits bei so einfach erscheinenden Handlungen wie dem Besprengen der Frühbeetkästen (vgl. Abb.) ist zu beachten, daß die richtige Tageszeit gewählt, die geeignete Wassermenge gegebeit. und die Schärfe des Strahls der Empfindlichkeit der Pflanzen angepaßt wird. Viel Verständnis und Geschicklichkeit gehört zum Beispiel aurfj zur Bienenhaltung. Hier gilt cs, Königin. Drohnen und Arbeitsbienen zu unterscheiden rnid für geeignete Wohnung. Fütterung und Honiggerviilllung, richtiges Schwärinen und lldH'vuüiilovit, zu sorgen, ^unt Schul: gegen Stiche dienen derbe Lederhandschuhe und eine Haube mit siebartig aus feinem Draht gearbeitetem Gesichtsausschnitt (vgl. Abb.). Dieser kurze Bericht will zeigen, wie schwierig, aber auch wie vielseitig die Arbeit der Frau in der Landwirtschaft ist und iure stark sich gerade hier Neigung und Begabung auswirt'en können. Die langen Winterabende bieten zudem reiche Möglichkeiten zu geistiger Weiterbildung. Das Stückchen Erde Von Alice Stein-Landesmann. ..Wirst bu c? ihm sagen, Mutter?" Die alte Frau gab keine Antwort. Sie blieb unbeweglich auf ihrem Platz am Heilster, wo der Sohn sie immer zu finden gewohnt war, wenn er sie aussuchte. Das Zimmer zeigte das ihm vertraute Bild: ein paar Kiefern zweige auf dem Arbeitstisch. drüben die silbernen Sabbatslcuchter, ein Schale mit roten Aepfeln, ein bunter Herbststranst waren schöne Farbflecke w dem hellen Raum. Die Mutter selbst in ihrer Anmut, die niicf) sechsnndscchzig oft schwere Lebensjahre nicht hatten vermindern 'können, saß^ mit Awas erzwungener Gradheit in ihrem Stuhl. Es fiel dem Sohn ans, das; ihre Hände sich krampfhaft zu Fäusten geschloffen hatten, seltsamerweise drückten diese sonst so sanften Hände die Erregung der Frau viel ftärler ans als das beherrschte Gesicht. Paul erschrak — er begriff vielleiäst erst in diesem Moment die Endgültigkeit dessen, was er der Mutter eben mitgeteilt chatte. Unruhig irrten seine Augen zur Seite: sie rasteten sekundenlang ans dem schönen Leiftikow-Bild, einem Grnnewaldsee im Abenddämmer, Als noch ein Kind war, hatte der Anblick dieser Serben, typisch deutschen Landschaft ihn sinmcr besonders augezogen, und alle Märzen. die der Vater ihm erzählte, spielten für bin an den Ufern dieses stillen Sees, in dem geheimnisvollen Schatten dieser Bäume — — . Es schien, als ob die alte Frau instinktiv seine Empfindungen erfaßte. ..Tu bist wirklich entschlossen, das alles zu verlassen, Paul?" Ihre Stimme war klar und verriet keine tränen. Trotzdem vermied der Sohn, sie an- Phehen. Gr fand keinen anderen Ausweg, als >^rnig zu werden. . ..Entschlossen?" rief er und gab dem Wort ^uien ironischen Nebenton. „Als wenn es sich um eine Laune handelte, Mutter! Als ob du nicht nur zu genau wüßtest, wie sehr ich seit Monaten mit mir kämpfe! Dich und Vater allein lassen — meine Heimat ansgcben — es i st doch meine Heimat — ich euch finde es wahrhaft schmerzlich genug, wie stark ich hier verwurzelt bin-" „Wo sonst?" sagte die alte Frau unpathetisch. Und jetzt hatte sie sich soweit in der Gewalt, daß sie es wagte, den Kopf zu wenden und den Blick auf den Sohn zu richten, diesen spät geborenen, einzigen Sohn. Aber ihre Gedanken umkreisten ihren Mann. Sie zitterte vor dem Kummer, den man ihm mit dieser Nachricht verursachen würde. Sic selber konnte bis zu einem gewissen Grade den Wunsch eines noch jungen Menschen begreifen, der sich ein größeres Tätigkeitsfeld ersehnte. Aber Philipp in.seiner Unbeirrbarkeit würde gar nicht imstande sein, diesen Willen zur Loslösung von allem Gewohnten zu erfassen. Seine beinahe fanatische Natnriiebe hatte ihn so tief in der märtischen Erde verankert, daß seine ganze Kraft aus dieser Verbundenheit stammte. Er war stolz darauf, daß auch sein Vater schon ein Stück Land besessen hatte, draußen bei Potsdam — vor nun fast hundert Jahren- „Vater wird verzweifelt sein" sagte die alte Frau. Ihre Hände griffen mechanisch nach den Stäben des Klöppelkissens. Dieses leise Geräusch ihrer Arbeit war Paul so vertraut, daß es ihn beruhigte. Er zog sich einen Stuhl heran und setzte sich dicht zur Mutter. „Nur du kannst es ihm sagen!" wiederholte er und drängte seinen bittenden Blick in ihre Augen. Aber sie blieben gesenkt. „Er ist draußen in der Laube. Die Arbeit beruhigt ihn. Er kann nicht müßig sein. Seit heute morgen arbeitet er im Garten — du weißt ja, wie ihn das freut. Das erhält ihn rüstig. Er fängt an, das Geschäft zu vergessen. Gott erhalte uns das Stückchen Erde!" Tie Inbrunst dieses Wunsches machte den Sohn verstummen. Plötzlich erschienen ihm feine Pläne egoistisch und klein. Aber zugleich fühlte er im tiefsten Innern, daß sie für i h n richtig waren. Er sehnte sich nach Neuland — nach Bewegungsfreiheit. Seine 28 Jahre verlangten eine ungehinderte 'Aktivität. „Vater muß es schließlich einsehen!" sagte er laut in die Stille hinein, als hätte er eben einen Streit ausgesvchten. Tie yJiiittcr wandte den Kopf zum Fenster: '„Da kommt Vater — du wirst es durchkämpfen müssen, mein Junge. Vater ist kein Tyrann-aber weh tun lvird es ihm — das kannst du ihm nicht ersparen!" Pank war aufgestanden und sah mit Unruhe zur Türe hin. Er kam sich in diesem Augenblick ivie ein Schuljunge vor, der einen Tadel zu beichten hat. Seine sonstige Energie war ausgclvscht- „Wirst du mir bcistchen, Mutter?" fragte er hastig. Die alte Frau lächelte — zum ersten Male während dieser Unterredung. „Wenn es möglich ist. werde ich Vater beistehen — der wird es nötiger haben als du! E r ist es doch, der den Schlag empfängt!" Ihr Gesicht überschattete sich. Sie überlegte — und sie tat cs ohne Bitterkeit — wie merkwürdig es doch war, daß der Sohn anscheinend keine Sekunde daran dachte, was er der Mutter durch diese Trennung zufügte.- Jetzt hörte man Schritte im Gang — dann flog die Tür ans, ein großer, hagerer Mann trat ein, weißhaarig und von auffallend grader Haltung. Philipp Manasse erinnerte an das Bild eines alten 'Apostelkopfes von Dürer — das zerfurchte Gesicht zeigte die Spuren tiefer Grübelei, und ein Zug bäuerischer Kraft mischte sich seltsam mit dem geistigen Ausdruck dieser Stirn. In raschem Impuls ging ihm Pauk entgegen: „Vater!" Heilte wie vor zwanzig Jahren empfand er die Gestalt des Vaters als etwas Ehrwürdiges und Einmaliges. „Guten Tag,.Sohn!" sagte der Eintretende und warf einen raschen Blick auf die Frau, die übereifrig beschäftigt schien. „WaS habt ihr zwei denn?" fragte er dann, und da keine Entgegnung kam. fuhr er mit bedächtigem Spott fort: „Wieder eine eurer Verschwörungen?" Es war ein Versuch, die lastende Stimmung zu durchbrechen. Pauls Gesicht spiegelte seine Erregung wider: „Ter Verschwörer steht zicuilich allein!" antnwrtete er zögernd. Ter Alte zuckte die Achseln: „Will erst einmal verschnaufen. Spüre meinen Rücken — habe den ganzen Morgen im Garten gegraben. Tut gut, wenn du auch böse bist. Hedwig!" Er lächelte. „Weiß schon, was du denkst — der alte Mensch soll sich das nicht mehr zumuten, was? Aber es freut mich nun einmal! Dafür werden wir auch im nächsten Sommer wieder in einem kleinen Blnmenparadiese sitzen!" Paul machte eine Bewegung — er suchte nach einem Wort. „Solltest auch mehr im Freien arbeiten, Paul — hast Stnbenfarbe. Du hockst zuviel am Schreibtisch-junger Kerl wie du gehört an die Luft!" „Ja, Vater-du hast sicherlich recht — und deshalb will ich auch —" Er brach ab. Reichte sein Mut nicht aus, seine Meinung zu vertreten? „Was will er. Hedwig?" Tor Blick des Siebzigers wurde mißtrauisch. „Setze dich hin, Philipp — du hast dich nu'ide gemacht.-Der Junge will mit dir redcm Er ist lange mit sich zu Rate gegangen. Er möchte fort — ins Ausland. Vielleicht tut er recht. Du mußt immer bedenken, das; er einer anderen Generation angehört! Höre ihn ruhig an-" Manasse griff sich angstvoll an die Kehle, als fehle ihm plötzlich die Luft. Er atmete mühsam, umßte erst die Worte suchen: „Will fort — von uns fort?" Er drängte den Sohn zurück, der sich mit bittender Bewegung ihm entgegen stellte. „Laß'mich — da gibt es kein Beschwatzen! Aber ich hab's geahnt — Hedwig, glaube mir, immer wollte ich es dir sagen: siehst du denn i

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