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Central-Verein-Zeitung · 1934-09-21 · 38 (21.9.1934) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
38 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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l'Ulli}' Tie Vornchinen imt> ^rommon, Mc Weisen und die weither berühmten Männer Jerusalems tanzten mit gackeln in den -'bänden vor dem Volk. Sic klatschten mit den Händen und sangen dabei ein Lied, das da begann: Heil unserer Jugend, d:e unser Alter nicht beschämt. Branche unter ihnen pflegten mit den Fackeln kunstvoll zu hantieren, was allgemeinen Jubel auslöste. Als der große N. Simon den Gamaliel, wird berichtet, an der Feier des Wasscrichöpsens teilnahm. da nahm er acht Fackeln-, die einewarf er und die andere sing er.aus, ohne daß eine die andere berührt hat. Er pflegte noch dabei, die bc'd.m Daumen gegen den Fußboden zu stemmen, sich so zu bücken, daß er das 'Pflaster mit seinen Lippen berühren konnte und sich hinterher so auszurichten. Das konnte ihm niema>:d nachnmchcn. Ter weise Hillel, der, große Meister ans Babylon. hatte die Gewohnheit, beim Fest des Wasternhöpfcns mit feierlick)er Stimme auszurlisim: Wennid) da bin, ist alles da, wer aber 'ist da, wenn ich nicht da bin?! Was für Wunder nu». wenn in dieser '.'«acht, an der im Fcstransch und im Frcndenjubel Bornehme und Volk, Priester und Laien vereint waren. Aus Talmud Midrasch Aacherzähik von RabbLnec Dr. Manfred Swarsensky Ein Armer und ein Reicher kamen einst vor Gericht. Ter Richter fragte den Armen: Warum hast du dich nicht mit der Thora beschäftigt? Er antwortete: Ich :var arm und mußte mich sehr für meinen Lebensunterhalt quälen. Ter Richter aber cntgegncte ihn:: Bist du denn äriner als Hillel geivcsen, der sich tagaus, tagcin für ein paar Gr-chchen verdingte, von denen er die Hälfte denr Torivächter des Lehrhanses gab und die andere Hälfte für seinen Lebensunterhalt gebrauchte! Einst kam es vor, daß er keinen Verdienst hatte. Ter Wächter verweigerte ihm den Zutritt zmn Lehrhaus. Hillel stieg unverdrossen aus das Tach und hörte durch eine Oeffnung die Worte der Weisen. Es war einst am Sabbat- Vorabend mitten im Winter. Schnee war gefallen, eine grimmige .gälte wütete. Man fand Hillel am Fenster des Daches liegend, Schnee aus ihm, Eis rings um ihn. sein Körper erstarrt. Sie erwärmten ihn. er kam wieder zu sich. Die Weisen sprachen: Er verdient, daß man feinetwegen den Sabbat entweiht. Danach wurde der Reiche gefragt: Weshalb halt du dich nicht mit der Thora befaßt? Er erwiderte: Ich war reich und war mit der Verwaltung meines Vermögens überlastet. Ter Richter darauf: Warst du etwa reicher als Rabbi Eleasar den Eharsom? Sein Vater hatte ihm Lausend Städte auf dem Festland und tausend Schisse auf dem Meere Hinterlossen. Tag für Tag aber nahm er einen Sack nnt Mehl ans die Schulter, zog von Stadt zu Stadt, von Landschast zu LandsciM, um Thora zu lernen. Einniemand Schlaf finden konnte, denn noch lange in den Morgenstunden des folgenden Tages. hallten,die Gassen Jerusalems vom Taumel des Festes und seinen begeisterten Menschen. Wie anhaltend' und tief mußte der Eindruck und die Wirkung dieses Festes noch auf die späteren Generationen sein, wenn man von ihm voller Begeisterung sprach: Wer die Festlichkeit des Wasserschöpsens nicht gesehen hat, der hat in, seinen: Leben kein Fest gesehen! Wir haben es in dieser interessanten Ucberlieferung zweifelsohne mit einem lleberrest eines alten volkstümlichen Baucrnfestes zu tun, das in engster Verbindung mit den: Weidenfest am 7. Sukkotage und der Tarbringnng des WasfervpscrS am Schluß der Feiertage steht. Es handelt sich hierbei um eine reine Vegetations-Zeremonie mit knltisch.sakralem Einschlag. Dabei spielt das Wasser als befruchtendes und lebenspendendes Element hier >vie mich sonst im Mythos und in: Kultus eine zentrale Rolle. (Es sei nur hier nebenbei an die fast allen Völkern eigene Anschauung von den: polaren Eharakter des Wassers, in dem Gutes und Böses enthalten ist, er. wähnt ni'.d die damit in: Zusammenhang stehenden kultischen Vorschriften über Waschungen, Libation unv. Auch der TaufriknS gehört hierher.) Ter Bauer will einerseits durch derartige Zeremonien die Fruchtbarkeit der Erde anregcu und steigern und anderseits Gottes Segen für die ^vorstehende Regenzeit, die in Palästina mit dem Anbruch des Winters einseßt, herabslehen. Ter Talmud gibt mtd) hierzu seine erläuternde Erklärung ab, indem er sagt: Gott spricht zu Israel: Spendet inir Wasser am Hnttenfest, damit euch der Regen des Jahres gesegnet werde. :nal trafen ihn seine Knechte, die ihn nicht erkannten und zwangen ihn, Frondienst zu tun. Ich bitte euch, sprach er zu ihnen: Lasset mich ziehen, daß ich Thora lerne. Sie aber entgegneten ihm: Leim Leben des Rabbi Eleasar bei: Eharsom, wir werden dich nicht entlassen. Er hatte seine Knechte nämlich im Leben nie gesehen, denn Tag und Rächt saß er mit der Lehre beschäftigt. * Ter Leib und die Seele können sich, wenn sie einst vor dein Weltenrichter stehen, also verteidigen. Ter Leib lvird sagen: Rieht ich habe gesündigt, sondern die Seele; dem: seit der Zeit, da sie von mir gewichen, liege ich regungslos da. Tie Seels ihrerseits wird sagen:: Nicht ich habe gesündigt, sondern der Leib; denn seitdem ich ihn verlassen habe, schwebe ich. aller Begierden frei, empor zu den Regionen des Lichtes. Ter ewige Weltenrichter aber läßt ihre Neben nicht gelten. Er macht es wie der Besitzer eines Gartens, der zwei Wächter hineingesetzt hat, von denen der eine lahm und der andere blind war, damit sie die Früchte bewachten. Eines Tages sprach der Lahme zum Blinden: Komm, laß mich auf dich setzen; ich sehe so schöne Früchte, wir wollen sie uns holen und essen. Ter Lahme setzte sich auf den Blinden, sie pflückten und verzehrten sie. Als der Herr des Gartens ihr Vergehen bemerkte, fragte er sie: Wo sind die Früchte geblieben? Da sprach der Lahme: Habe ich denn Füße, daß ich laufen könnte. Und der Blinde sprach: Habe ich de:::: Augen, daß ich sie sehen kann? Was tat der Herr? .Er setzte den Lahmen auf den Blinden und richtete sie beide zusammen. So wird auch der Herr der Welt die Seele einst in den Leib setzen und alle beide richten. KsmvoMnm SSN B. Gutmann, Sar. Meist!. s. SlMcr, 8. Kinsr. A. Mhmüller, E. W. Ctemberg. B. GMlhmiU Ghettojudentuni hat da? Judentum erhalten durch die Jahrhunderte. Palästina ist zwanzig Jahre alt. und wenn es hochkommt, vierzig Jahre, aller da? Ghettojudentum ist zweitausend Jahre alt. Sein Leben zwischen Abend und Morgengebct. zwischen Schabbath-Ausgang und Schabbath-Eingang ist überall dasselbe. Schabbath - Ausgang ist längst vorbei. Roch hört man ans den Fenstern singen, schöne Stimmen voller (Glanz. erzogen in der Tradition der Vorbeter, aus der Josef Schwarz herkam, Jadlowker. der weltberühmte Säuger de? Svnnh-Bvh-Kitsches, und Josef Schmidt. Es ist ganz dunkel. Katzen schleichen auf dem Müll herum, die merkwürdigen Häuser heben sich im Mondschein ab. Am Markt sind die eisernen Läden hcruntergclassen. Connenplane hängen zerfetzt über der Straße. Ein Uralter, im weißen, seidenen Gewand und weißem samtenen Mantel, das Gebetbuch in der Hand, schleicht gebückt durch die Rächt. AeorelWe DekaSkung eines Laien Ich schlendere durch die kleinen Straßen zwischen Ranke- und Ludwigtirchplatz. Ich habe Geld in der Tasche, zwar ist es nicht mein Geld, sondern das meiner Frau. Ich soll ein-e „Hntrcchnnng" bezahlci:. Aber ich bin in einer für mich recht gcsährliclien Gegend, befinden sich doch dort all die vielen kleinen Antiquitätengeschäfte, die meisten sind in jüdischen Händen. .Ich stehe vor den: ersten, sehe mir die goldenen Tassen, die Meßgewänder und die Barocklonnnode an. gch beherrsche mich und gehe nicht hinein. Aber gleich kommt der nächste Laden, ich trete ein. - ich null eigentlich gar nichts kaufen, will nach' nur nmsehen, -freue mich darüber, daß diese Antiquare in der ganzen Welt, die kleinsten wie die größten, wertvolles Kulturgut erhalten, Ge ge'stände vor dem Verderb, vor dem Einschmelzen und vor dem Verbranntwerden bewahren, die zum Teil unersetzlich sind, die aufs engste mit alter Tradition unserer Vorf-ahrcn verbunden sind. Tort stehen die hohen silbernen Leuchter, dort die siebenarmigen messiuggetriebeuen Schabbesleuchter und da fällt mein Blick auf eine altertümliche Zuckerzange. In demselben Augenblick, in dem ich sie sehe, weiß ich, daß die Hutrechnnng rneiner Frau diesmal noch nicht beglichen wird. Tie Zange wird aus die Waage gelegt und ich bezahle den Silbcrrvert. Zuckerzangen sind selten! Ich wundere mich, daß ii: jeder einigermaßen wohlhabenden jüdischen Familie auf dem Kaffeetisch die alte silberne bauschige Zuckerdose steht, immer beinahe aber fehlt die Zuckerzange. Sicherlich ist eine Zange ein kleiner Gegenstand, der im Laufe der Jahre leicht abhanden kommen kann, sicherlich auch ist sie zerbrechlicher als die schwere Dose. Doch all das ist noch keine hinreichende Erklärung für die auffallende Tatsache der offenbaren Seltenheit der Zuckerzange. Auch der Einwand, daß die Tose nur zur Aufnahure von Streuzucker gedient hat, ist nicht stichhaltig, denn da fehlen erst recht die dazu im Stile der Zeit passenden Löffel. Ich grüble weiter darüber nach, warum haben die meisten Zuckerdosen *m jüdischen Haushalten, soweit sie nicht verschließbar sind, diese merkwürdige tiefe barocke Form, die zum Entnehmen des Zuckers noch nicht einmal besonders Praktisch ist? Plötzlich komme ich zu der Vorstellung. Diese Tose ist vielleicht gär keine „geborene" Zuckerdose, sondern sie war möglicheriveise früher ein Kultgegenständ, vermutlich eine Esrogdose, die zur Aufnahme der Frucht am Laubhüttenfest diente. Ist dies der Fall, so ist klar, daß die Zange überflüssig ist. Deswegen wohl fehlt im jüdischen Haushalt die „zugehörige" Zuckerzange so häufig, weil sie eben nicht „zugehörig" ist. Damit zugleich findet auch die tiefe bauschige Form der „Zuckerdose" ihre Begründung, die sie abhebt von den übrigen Gegenständen der Epoche. vr. I. Simon. Vor nur liegt ein Stoß Roten zeirgenössischer Musiker, sie alle Zeugnisse des nie versiegenden kultnrelleu Lebenswillens der Juden, auch wenn sie nicht durchweg nach spezifisch jüdischen Programmen und Sinngehalten bin tendieren; ans der Verschiedenhcit der Begabungen, der Buntheit der Ausdrncksfvriucn mW Stile berußt der Reiz des Einzelnen >vie des Ganzen, mW darüber hinaus wird die hier zusammengestellte Sammlung zmn treuen Spiegelbild der Erlebniswelt der heutigen Inden nnt der Bielfalt der Ideale mW der künstlerischen Zielsetzungen. Bevor wir das einzelne durchblüttcrn, wollen wir mit einem kurzen Wort versuchen, unsere Bezichnng zu diesen neuen Werken grundsätzlich zu fixieren. Kritik kam: nicht die Theorie vor die Praxis, das Gesetz vor die küustterische Erscheinung setzen, sondern sie kam: einzig und allein versuchen. das unbewußt und ungehemmt Gewordene und Geformte aus seine inneren Triebkräfte und äußeren Foriueu hin zu untersuchen — und darin liegt wieder das Anfbaneude der kritischen Tätigkeit —, sie tam: durch überschauende Analyse und Vergleichen mit der letzten und weiteren Vergangenheit Klarheit über das Reue geben und Möglichkeiten für eine zukünftige Eui- N'ictlrmg andeuten. Wollte Kriiik eiivas anderes sein, würde sie die Freiheit schöpferischen Lebens auch nur mit dem Hilnveis ein Schema, nach dcm man Musik „machen" könne, eineiigen, so ivärc der Kunst dainit an: ivciiigsten gedient. Aiif unserem Streifzng durch das Gebiet neuer jüdischer Musi! sehen wir uns zuerst das erste Heft „Synagogalc Kompositionen" von Baruch G u t - »: a i: n ar:. Gutinann, der langjährige Prager Oberkantvr, gehört zur älteren Kantoren- und Kon:' poiüstengenerativn. Wer sich mit der Praxis der Synagogenmusi! beschäfligt, weist, daß jeder satztechnisch bewanderte Vorbcter „seinen" Kiddnsch. „seinen" Haschkiwein: geschrieben hat, um der persönlichen inneren Bindung «in da? Gebet den möglichst entsprechende,: äußeren Ausdruck verleihe:: zu können. Die geivaltige Zahl der so entstandenen Werte zeugt im Grunde von der Liebe mw dein Erfülltsein vpn der hohen Ausgabe des Kantors, allerdings auch von ein ganz klein ioenig Eitelkeit, wem: min gerade die Verzierungen und Stnni»- lagcn bevorzugt werden, die dein Sänger besonders liegen. Gebrauchsmusik in diesem Sinne , aus der eigenen Praxis heraus entstanden, ist auch Gutmanns Saminlnng. Ter modernen Musik, auch den ne::en kühnen Vorstößcu. die Schallt etwa, nnierltahm, steht Gutmann ganz fern. Neues ist bei ihrn in musikalischer Hinsicht nicht zu finden, wohl aber das Alte in manch fd;öner Wendung. Tie kompositorische Fassung ist völlig unsensationell, einfach bis zuln Simplen, auch in dem lediglich als Stütze behandelten Orgelfntz. Das größte Stück ist ein durchkomponicrter „Lcho dandi", aber gerade er erscheint mir gar zu abgezirkelt, eintönig. Toch geht Gutmann hier tvie überall denr Wortakzeut in der melodischen Führung liebevoll nach; darin sieht ec — laut Vorwort — auch den Hauptzweck seiner Sainmlung. Am schönsten ist ein kirchentonal gefärbter „W'schomrn", den ich vor einigen Wochen in einer kleinen deutschen Gemeinde niit großer Wirkung habe vortragen hören. Tic kleine Sammlling (erschienen im Selbstverlag, Prag. Villova ln), die durch tveitere Hefte vermehrt werden soll, gehört in ihrer Schlichtheit und leichte!: Ausführbarkeit in das jüdische.Haus. Aon ähnlichem Empfinden sind die „Bier fhnagogalei: Gesänge" von Jacob M e i s e l, dem Tanz'rger Kantor, getragen; gefühlvolle Musik, dabe: mit sorgfältiger, selbständiger Stimmführung, mit gelegentlichem Aufschwung im melodischen Fluß, welcher erst der Musik Eharakter :::w Halt verleiht. Rur der Schluß vom „Adaunoy mvloch" und die „Keduschah" erscheinen auch in der Harmonisierung allzu weichlich, „Haschkiwenu" und besonders „W'schomrn" aber bergen Stimmungs- Werte mit manch aparter Einzelheit. Mit den in diesem Jahr bei Georg Sander, Mannheim, erschienenen „Thoragesängen" von Hugo A d l e r tut sich uns eine neue Welt auf; zeitlich gesehen liegen zivischen Gutmanns und Adlers Syuagogenwerken nur wenige Monate. Aber schon beim ersten Blick erkennen wir im äußeren Rvtenbild die Gegensätze, die sich schlagwortartig in den Begriffen „Zeitgenössisch" und „modern" fassen lassen. Gutmanns. Publikation ist zwar heute erschienen, könnte aber in der gleichen Form — daS fei nicht als Vorwurf gesagt — schon vor 20 Jahre:: entstanden sein. Adler dagegen wurzelt in uwdcrner Tonsprache. Die „Thoragesänge" sind für Kantor, Ehor und Orgel gesetzt, vertont wurden die Gebete beim 'Aus- und Einheben der Thora an den Hohen Feiertagen, mit geringen Abweichungen zu dem in Berlin gebräuchlichen Ritus. Parallelen zu Schalits Liturgie drängen sich unwillkürlich auf, obwohl individuelle Eigenheiten klar zutage treten.d Die Hand, die diese Werke schrieb, hat mit eckigem Griffel die Akkorde hart nebeneinander in den Tonraum gestellt. Orientalismen wie bei Schalit finden sich nicht, wohl aber wird die Tradition süddeutschen Chasonus' ausgenommen; :vir dürfen sie z. B. im „Schmäh jißrocl". einer nach c transponierten dorischen Skala erkennen. Die melodische Diktion ist im Gegensatz zu früher sehr selten liedhaft, erinnert in ihren symmeirischen Teilen gelegentlich an die Ehoralzeilen der evangelischen Kirchenmusik (kumo . adaunoy). Züge des Rhapsodischen, ja auch nur des Aufgelockerten fehlen fast ganz — leider, denn es wäre schade, wenn diese aus gläubigem Herzen kommende Musik die Wirkung des Gleichförmigen —.und nicht nur beim Laien — auslöste.. Daß sie in: ganzen von sakraler Weihe und im einzelnen wahr und ehrlich ist, spürt man vom ersten Tvn. wenn auch die Inspiration manchmal zu verfanden droht, z. B. im Jnterludium bei „Aschre", oder in der .Begleitung an: Schlüsse des „yz chajin:", das so ungemein stimmungstief onsetzte. Am Anfang meiner Besprechrmg sagte ich. daß ich „Anweisungen" zum Komponieren nicht geben will und kann. Richt als Theoretiker, sondern als praktischer Musiker möchte ich hier aber doch einige Hinweise geben dürfen: Werke wie Adlers „Thoragesänge" sind nicht oder zumindest nicht nur für Zivecke liturgischer Verwendung geschrieden, cs sind vom Religiösen inspirierte aber mit den Mitteln freischaffender Fantasie gestaltete Knnstiverke. Man liat die Orgel dazu heran, gezogen, ohne aber ihre Rlöglichkeiten im gering, jteit zu erschöpfen. Würde man sie stärker mw selbständiger beteiligen — nicht quantitativ, wenige Takte können genügen —. auch einmal ein Stück ans dem Geist und der Technik der Orgel heraus erfinden, so würde das nichts mit einem Haschen nach äußerliche:: Effekten zu tun haben, ivohl aber könnte die Stinnmlng dadurch sehr vertieft werden. Ich kann mir vorsteilei:, daß bei ciner große»: Steigerung der Orgelsatz in breiter Beivegnng dahinfließt und, während der Ehor beu Kulminationspunkt erreicht, ihn dynainisch übersteigert und jetzt erst mit vollem Werk über ilu: hiinvegbranst. (Andeutungen dazu in Schalits N. Psalm lmd in Adlers „Jcho adaunoy hagdulvh"): oder daß man die Orgel den: Eher in: Sinne eines alten Antiphons antivorten läßt. Bei den kantoralen Teilen denke ich an eine Grundierung nur durch einige volle Pedaltöne usiv. Eins scheint mir sicher; Es muß ein Ausgleich angestrebt werden zwisck)en einer rein kontrapunktischen Führung :md einem so kompakten Satz, wie il,n Adler oft schreibt. In jedem Fall ist es bemerkenswert, daß der liberale Gottesdienst heute zu so einer bedeutenden Umgestaltung der religiösen Musik ausholt. Vom Westen kominci: wir mit einer „Kol uidre". Bearbeitung von Jehnda Kinvr (Verlag Omanut. Zagreb) zmn östlichen Kulturkrcis, in dein Rcligivl: und Leben inniger verknüpft sind als bei uns; nicht das Gemeinschaftsgcbet, der Gemeindegosarig. sondern die „intime, persönliche, primitiv religiöse Empfindung" herrscht vor. Tie Bearbeitung verlangt gemischten Ehor und Baritonsolo. Wenn man sich in gewisse harmonische Seltsamkeiten eingehört hat, wird man voir der Bearbeitung einen nachhaltigen, tiefen Eindruck mitnehmen, wie er in gleicher Stärke von moderner Musik selten ansgeht. Tie Stimmen führen ein reiches Eigenleben, Plattheiten im Zusammenklaug sind gänzlich vermieden.' darin zeigt sich der moderne Komponist; daß trotzdem die Melodie stets klar hervortritt, zeugt von den Qualitäten des Bearbeiters Kinor. Wertvoll sind die „Bier fephardischen religiösen Volkslieder" von Aron Rt. Roth müller (Verlag Omanut, Zagreb), die religiöse Gesäuge in das weltliche Treiben herübernehinen, ohne daß diese eüvas von ihrer eigentümlichen Lirmmlmgskraft einbüßen. Namentlich der erste ist mit einer Unmittelbarkeit des Empfindens gesetzt, die bei guter 'Wiedergabe erschüttern muß. Ter letzte Gesang — el nvra allla — ist ein rechtes da eapo--«türfdjc«. Diese Volkslieder und das Kol rndrc von Kinvr eine Zierde jedes indischen Ehorprogramms sind. Wir gelangen ans das Gebiet weltlicher Mnnl. Erich Waller Stornberg hat (bei Vcnno Valan. Berlin) eine Sonate für Klavier veröffentlicht; Zahl und Anordnung der Sätze entspricht den: klassischen Svnateusckjcma. Tie Klangmittel sind durchnis moderne; jeder Satz umschließt einen bcstinnntcn Eharakterausdruck. Zivischen all den modernen Musikern strebt Stcriibvrg. selber vor, Reger und Rich. Strauß (erster Satz) konrmend. zu neuen Zielen. Wenn wir bei dieser Sonate nicht recht warm werden, so scheint rnir das au einen: gewissen Mißverhältnis zwiscl)en Aiifwand und inneren: Gehalt zu liegen. Tie Substanz als solche, die Ersindimg ist nicht überzeugend reich und sortreißcnd, obwohl die Thematik sehr vielgestaltig ist. Das Werk wird am ehesten mit den: kurzen, lustig hingesetzten zweiten Satz ansprechen; der ist ein pikantes Trom)ietcrstnckchen mit einem Schuß überlegener Ironie. Berthold G o l d s ch m : d t. der im vergangenen Winter drei mit Recht stark beachtete Kamniermunkwerke für Streicher aufführte, hat sein vicrsätziges „Klavierquartett" op. 30 beendet. Hier wie dort ergibt sich der Eindruck, einer sehr großen satztechinschen Rleisterschafk. Tie kontrapnnktische Schreibweise ist zur Zivcitcn. man kam: schon sagen zur eigentlichen Natur des Komponisten geworden, und in der Ausschließlichkeit, mit der er den polyphonen Satz handhabt, darf man eine Gefahr für die zulltnftige Stilenüvicklung sehen. Es liegt ein tiefer Sinn darin, daß vor der Fuge das Präludium, vor den strengen Formen virtuoses Lansiverk steht: das entspricht einem innerstes Formgesetz, dem des Gegensatzes, der das künstlerische Gleichgewicht herstellt. Eoldschmidts Werk ist bis in den letzten Takt hinein „gearbeitet" und interessiert durch schöne thematische Einfälle im ersten und dritten Satz; der letzte bringt eine dreimalige große Fugenexposition und setzt dann die drei in Beivegung und Zeitmaß kontrastierende Themen übereinander. Hervorrufe sind mit der Wiedergabe dieses Werke? sch'ver zu erzielen; es wäre aber schade, wenn es nur für die Schublade geschrieben wäre. Wir haben unseren Querschnitt beendet. Wie wir uns auch zu dem einzelne:: Werk stellten, überall hatten wir den Eindruck lebendiger, schöpferischer Kraft. LmdUvig Alfmann» I R I '.1 I N < d s> i' b> i' ja In K di so fcf! (r: bc I'm N ko (w dr hr de di. de st' po ab av m. vo bii vn Sei 3o Dr prc ll.; nbc au. de: UPl, WZ we> sich Eh. l)ai an 51 a fn: beim Ab sch /

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