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Central-Verein-Zeitung · 1934-09-21 · 38 (21.9.1934) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
38 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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C-V.-Zeifung Nr. 38 21. September 1934 v ö (/ v Cj'1 is i^y Ju ihrem neuen Slogan ..Die SKnuks!", C. Uscher,Verlag, MM 1934 Ter Roman „Tie Sdjnufer war vor der Buch, au-gabe in der „Frankfurter Zeitung" abgcdruck't.' L-chmut. Humoe. Esprit, eine abgrundtiefe Traurig, seit, Unbekümmertheii und Lachen der Vorkriegsu flltersweishcit nnd vergoldete Erinnerung lieg-n filier diesen Münchener Geschichten von den Kindern dee königlich bayerischen Gartenarchitekten Lautenschlag und ihren Schicksalen. „So zart, so heftig erglühten noch die Nerven seines erstarrenden Herzens." — Nicht um seines. Charmes, der künstlerischen Einarbeit, des einmaligen tapriziösen Stil« oder seines Inhalts wegen zeigen wir den neuen Roman der Annette Kolb liier au. Wer ihn besitzt — die 'iia'iell.striche des Buchkünstlers E. N. Weiß mit den Münchener Franentürmen und den wehenden weißblauen Mahnen auf Titelblatt und Umschlag sind iür sich ein seltene- Kunstwerk — hat eine zerbrechliche. aber faszinierende Kostbarkeit in Händen. Mer ire-halb uns das Buch mehr als ein paar unterhaltende Stunden bedeutet, ist nicht wegen seines bayerischen Münchener Kolorits, auch nicht ineil am Anfang nnd am Schluß der Brand des Münchener Glaspalastes vorkonnnt. Unter den amüsanten Figuren des Romans bewegt sich eine nobilitierte, adelige Vorkriegsjndiii Baronin James in Tegernsee, zn deren Getülilen die Dichterin, bedeutsame Anmerkungen macht. Diese Baronin — heißt es bei Annette ."old im Text — „fühlte sich zu ihren Nichten, ja. der eigenen Tochter nicht entscrnt so innig innge zogen wie zu diesen Mädchen (den echten Münchner Kindern des königlich bayerischen Hofbcamten Lautenschlag), die, man mußte cs wohl sagen, in ihren Umrissen an srühgotische Gestalten erinnerten und deren so unvermischt abendländische Beschaffenheit sie ihrerseits empfänglich machte für die heimliche Attraktion, die geistige Spannung, die nun einmal zwischen unvermischt morgcnländischer und unvermischt abendländischer Wesensart aus der Lauer liegt. Das bedeutendste Merkmal der Frau James, wie der meisten Juden von überragendem Typ, war die Entschiedenheit ihres Qnalitatsgefnhls". „Es kam bei ihr (der israelitischen Baronin) — bemerkt die Dichterin — der starke reale Sinn, die große Gegenständlichkeit hinzu, die Hcspera (das deutsche Mdchen) kurzweilig amnuteten." Aber auch die „Änderen", die „jüdische Masse" Lärmt in dem neuen Werk der Annette Kolb (wenigstens in der Buchsassung) vor. Die Kinder Lautenschlag, um die sich alles in dem Roman dreht, steigen von Tegernsee nachts auf eine Almhütte und warten dort bei Sturm und Gewitter den frühen Morgen ab. Die Baronin James hatte die Partie fürsorglich mit Proviant versorgt, bei denen Vertilgung in der nächtlichen gewittersturmumpeitschten Berghütte über Kreuth (Symposion im Heuschober) die folgende Szene abläust: Tie lustige Gesellschaft kommt auch aus ihre freigebige Gastgeberin zu sprechen: „Außer dem Nied-Necours mag sie, glaub' id], vur noch uns", eröffnete Mathias ein Tischgespräch von vollendet bayerischer Prägung, „Sie hat uns viel lieber als ihre eigenen Leut'." .Kunststück", sagte Hespera. „Tie feineren Juden sind fast alle woanders." „Wir haben den ersten Aufguß", sagte Otto. „Aber schon der Kontrast mit ihrem Vetter?, und wie der noch nachträglich ein Menü durchgeht", sagte Eervaise. - „Tos,Nebenklangerl", sagte Otto. .. „Diese prima Beziehung zmn Kalbsbraten", rief Mathias. „Diese direttissimo Einfahrt in den Bol an Beut nnd den Zwetschgendatschi." „Einsteigen, bitte!"- kam es von Hespera, aber dann setzte sie hinzu: „Und die,Jamesin selber, die sich beim Sterben kaum noch umschauen macht' nach allem. Wie viele kennen wir, die deshalb so christlich sind wie sie." „Und sieht so jüdisch aus dabei", sagte Gervaise. „Warum sie sich nicht bekehrt?", sagte Mathias. „T'Nasen", sagte Otto. „Zwar die Nasenwurzel hat sie von der Lespinasse", sagte Hespera. „Also mir ist cs ja völlig klar", philosophierte der Mathias, „daß gerad aus dein Juden heraus der krasse Gegensatz zu ihnen hat entstehen müssen. Es hat sich da was von ihnen losgemacht, und die anderen sind geblieben, wie sie waren." „Herrschaft, nsic sie aber ansschanen, diese anderen, am Freitag abend, wenn sic sich in der Kapellenstraße verlausen." „Sie hätten's nicht nötig." „Sie müßten was tun", sagte Mathias besorgt. „Ob sie unglüctlich sind?" „Uije, mit dem Geld", sagte Otto. „Sollten's arm sein auch noch?", sagte Hespera. — soweit die Szene! Es wäre nicht stilgerecht und spielverderberisch, dieses Gespräch zu analysieren, daraus mit schweren Worten abzulerten, wie wir uns ehemals (und bei der älteren Generation auch jetzt noch) in den Köpfen unserer wohlgesinnten nnd befreundeten Umwelt ausmalten, und was uns lieber wäre (ivenn wir die Wahl hätten), diese lockere Art gntmütig-wegwerfend von uns zu sprechen oder ein verbissener programmatischer Judenhaß, gegen den wir uns zu bewähren haben. Annette Kolb läßt indes nicht nur heitere lose Gespräche über Juden und Judennasen führen. Sie spricht in ihrem Roman auch selbst ein ernstes Wort über den Anteil aus, den die deutschen Juden am geistigen Leben Deutschlands nahmen. Hören wir sie selbst: „Vorn Tage an, da die Inden im geistigen Leben zu Einfluß gelangten, machten sich in der gefährdeten Existenz des Künstlers gewisse Chancen fühlbar, daß er nicht mit einer Mühsal wie bisher, die subjektiv gesehen nur zu oft einem Anf-der-Strecke-Bleiben gleichkam, sich dnrchzubrrngen hatte; mit anderen Worten und retrospektiv gesehen: daß ein Hölderlin vielleicht davor bewahrt geblieben wäre, den armen . Hauslehrer zu spielen, Franz.,Schubert vielleicht nicht so jung und als ein derart armer Teufel gestorben wäre. Wie dem auch sei: wir sind heute in'Deutschland eine kleine Schar von Christen, die sich ihrer Dankesschuld dem Juden-, tum gegenüber bewußt bleibt." So steht es in einer mehr zu einem wissenschaftlichen Essay als zu einem Nomon Passenden längeren klein gedruckten Fußnote auf Seite 176. Eine ehrende Gedenktafel, errichtet A. D. 1904 dem deutschen Juden, der einst die deutsche Kpltnr mitfördcrte! Nur diese Fußnote und das Symposion im Heuschober wollten wir hier der Vergessenheit entreißen. L. F. vvO>// wUr ^y'wly >1)* Jly Johann von Leers, „Der kardinal und die Germanen, eine Äuseinanderfekzung rnik Kardinal Faulhaber". Hamburg, Hanseatische Derlagsanstatt. Dr. ß. Romeis, „Das alte Testament im Lichte seiner geschichtlichen Wahrheit", Berlin 193-1, Buchvcrlag Germania. Man erinnert sich des großen' Aussehens, das cm Ende des vergangenen Jahres die „Lldventsprcdigken" des Kardinals Fanlhaber erregt haben. .Für die Beachtung, die sie gefunden haben, spricht D a. die Tatsache, daß sie in mehrere Sprachen übersetzt sind oder werden sollen. Es lonnte nicht .Ausbleiben, daß zu den zahlreichen Aeußerungcn der Zustimmung auch solche der Ablehnung sich dervebmen ließen, vor allem zu der letzten Predigt ..Christentum und Germanentum", die, fast durchaus das Zeugnis der „Germania" des Tacitus Rh stützend, dartat, welch' ungeheuren, veredelnden Einfluß das Christentum aus die Sitten nnd die Eharatrercigenschaften der Germanen ausgeübr hat. Gerade hiergegen aber wendet sich die oben an erster Stelle genannte Schrift. Kritisch beleuchtet Leers die Argumente des Kardinals und seine Quelle; der Darstellung Faul- Habers von Religion, Kultur, Lebensgewohnheiten ^r alten Deutschen und ihrer Christianisierung ß"llt er eine wesentlich anders gefärbte entgegen. Aber hier handelt cs sich letztlich, nicht um historische Einzel-Auseinandersetzungen, cs geht vielmehr ’• — und darum darf und muß auch an dieser Stelle davon gesprochen werden — um letzte Entscheidun- 9«*- um Dinge des Glaubens. Es geht wieder um eine Frage, die in ihrer, allgemeinen Form über 9000 Jahre alt ist und die in ihrer besonderen Ausprägung seit fast eineinhalb Jahrtausenden besteht, wiederholt gelöst schien nnd heute brennender ist denn je: soll . in Deutschland Christentum oder Germanentum die .Gemüter erfüllen? Soll hier das letzte Wort ein, wenn auch edles, geläutertes Heidentum behalten - oder eine Offenbarungsreligion, die den Weltengott verkündet und darum den Anspruch, Weltrekigion zu sein, nicht aufgeben darf und kann. Daß hier, von höherer Warte aus gesehen, Christentum und Judentum aus einer Seite stehen, das ist offenbar nicht so sehr der weltanschauliche als der psychologische Grund für die Festigkeit, mit der der deutschvölkische Standpunkt vertreten wird; so spricht denn auch von Leers bezeichnenderweise von der .„Gefahr der Seelenverjudung". und anschließend an manches in der Bibel „Abstoßende" schreibt er: „Abstoßend und unerträglich sind für den nordisch gerichteten Deutschen derartig, viele Dinge der christlichen- Lehre und ihrer Bücher, daß er — auch abgesehen von der Art, wie das Christentum bei uns eingcführt wurde, auch abgesehen von der Kulturvernichtung, die mit seiner Einführung ver- Lunden war — das Recht hat, für sich und seine Kinder es abzulehnen." . '. Es geht, sagten wir. um eine tiefe geistige Auseinandersetzung. Wie diemeisten Kämpfe- Europas in Deutschland ausgesochten zu werden pflegen, so scheint auch dieser weltanschauliche Kampf., dessen Zeugen wir sind, für das kulturelle Bild Europas entscheidend zu sein- . Dafür ist die Schrift von - Leers' bezeichnend' und damit erhebt sie sich über den Charakter einer im Tagcskampf geschriebenen Broschüre. Man kann den Juden nicht bekämpfen, ohne, das Judentum zu treffen; man kann das Judentum nicht bekämpfen, ohne da8 Christentum zu treffen. Das ist ja der innere Grund für die ersten' vier Kardinalpredigtcn. geivcscn, die nicht uns zu Liebe, vielleicht mich nicht nur „um der Gerechtigkeit willen" gehalten wurden sind, sondern vor allem aus der Erkenntnis, daß der Kampf um Juden. Judentum und Alles Testament sich aus dem Vorfeld abspielt, hinter dem das wichtige Gelände des Christentums sich ansbrcitet. In einer geistesgeschichtlich so bedeutsamen Situation, wie der oben geschilderten, wird das gegenseitige Verständnis gerade unter den Gläubigen der monotheistischen Religionen .sich mehren. Ein sympathisches Zeugnis hierfür ist die oben an zweiter Stelle genannte Schrift, die in populärer Form, sic erschien als Sonderdruck der „Märkischen Volkszciiuug", die Bibel als das klassische Lehrbuch der Religion darstcllt, das „die Fülle der Wahrheit" enthalte. Blau wird sich von neuem der tiefen geistigen Zerklüftung bewußt. von der soeben die Rede war, ivenn man bei Romeis liest: „Auf dem Wege der getreuen, gottgeweihten Ueberlieferung von Jahrhunderten und Jahrtausenden wird der Gott der Patriarchen und Propheten u n s e r Gott, der Herr und Gebieter Israels zum Herrgott auch der Inder nnd Germanen, in alter und neuer Zeit." So spricht der Verfasser, der, Frauziskanerpater und Doktor der Theologie, seine christliche Grundhaltung nie verleugnet, über den religiösen nnd geschiclitlichen Wert der biblischen Urkunden, über die „einzigartige Erscheinung" des Prophctcntums, über die Welt des Sittlichen in der Bibel. Er berichtet von der Arbeit der modernen Wissenschaften, den Ausgrabungen, der Sprachforscher und der Historiter. die „im ganzen genommen dem überlieferten Bibclglauben unberechenbaren Nutzen gebracht" und zahlreiche Angaben und Voraussetzungen der Bibel überraschend bestätigt haben. Es wird gezeigt, wie glaubivürdig sich die Patriarchen. Moses und andere biblische Gestalten vom weltgeschichtlichen Hintergründe ihrer Zeit abhcbcn, ivelchc Rolle das Alte Testament, „der 1000jährige Ziehbrunnen" im deutschen Geistesleben cinnimmt. Wir wollen im Lärm der Tagesereignisse nicht überhören, cs vielmehr mit Genugtuung und Dankbarkeit verzeichnen, ivenn von angesehener christlicher Seite ausgesprochen wird: „Eine Ehrensache, eine vaterländische Pflicht aller Christen in deutschen Landen wird es sein und bleiben, diesen gottgepslanzten Baum der Erkenntnis und des ewigen Lebens gegenwärtigen und künftigen Geschlechtern zu erhalten." ' b. Baerwald (München). Willy Hoppe. Führerpersönlichkellen in der deutschen Geschichte» Innrer und Dünnhaupt. Berlin Der Berliner Universitütsprofessor Dr. Willy Hoppe veröffentlichte (im Verlag Junker und .Dünnhaupt, Berlin) als zweites Heft der Schrif- . ' tcn der Deutschen Hochschule für Politik eine kurze. ' Betrachtung über die „F ü h r e r p e r s ö n l i ch - keit in der deutschen Geschichte". Richtunggebend für diesen Rückblick in die Geschichte ist der Führer der deutschen Gegenwart. „Führer sein", schreibt Hoppe, „das heißt, sein eigenes Gesetz der Zeit diktieren". — „Immer ist die Masse der Rohstoff. Form gibt ihr nur der einzelne, der Führer." Hoppe schildert eine Reihe der Politischen Persönlichkeiten, die die deutsche Gescisichte mit bestimmt haben, so Arminius, Widnkind, Heinrich I., Otto I., Kaiser Lothar und Heinrich den Löwen, den Großen Kurfürst und Friedrich den Großen, sowie Bismarck. Ter einzige nichtpolitische Führer, den er schildert, ist Luther. Hoppe läßt außer Betracht die übrigen Persönlichkeiten, die der Geistesgeschichte des deutschen Volkes ihren Stempel ansgedrückt haben, wenn er auch einleitend das Goethe- Wort von dem höchsten Glück der Erdcnkinder, der Persönlichkeit, zitiert. Bemerkenswert ist, welche Persönlichkeiten der deutschen Geschichte er - u n e r w ä h n t läßt, nämlich Karl den (Großen. Friedrich Barbarossa und. Friedrich II. von Hohenstaufen. Persönlichfetten, die erst jüngst Professor Hermann Oncken in seinem Dortrag über „die nationalen Werte der 'Geschichte" mit einem Hinweis auf Rankes „Welt-' geschichtliche Betrachtungen" wieder mehr in den Blickpunkt der deutschen Oesfentlichlert gerückt hat. Hoppe schließt seine kurze Betrachtung mit den Worten: Solche Persönlichkeiten (wie er sie schil- ' dertc) „lassen sich nicht im Augenblick züchten, vor allem'nicht jene Führcranslese, wie sie der nationalsozialistische Staat fordert. Aber sie wird ... reifen!" E. B—r. Professor Haushofer: Der «attonslsoziaKstifche Gedanke in der WeU, Verlag der Deutschen Akademie, Berlin In der Sammlung „Das Nene Reich", hercrus- . gegeben von der Deutschen Ikadernie, zu.deren Ver- ■ f aff cm auch NeichswirtschnstSministcr Schmitt („Die Wirtschaft im neuen Reich") nnd andere gehören, erschien Professor Haushofers Betrachtung „Ter nationalsozialistische Gedanke in der Welt". Tie Deutsche Akademie, das Institut zur nsissenschastlichcn Erforschung und zur Pflege des Deutschtums, will in dieser Schriftenreihe die eigenen Volksgenossen mit den Grundgedanken des neuen Staates in knappen, gemeinverständlichen Einzeldarstellungen vertraut machen und zugleich dem Ausland daZ geistige Gerüst des deutschen völkischen Neubaus in klaren Linien aufzeigcn.. Professor Haushofer, .bekannt als Vertreter der gcopolitischcn Betrachtungsweise, stellt den nationalsozialistischen Gedanken in der Welt im Lichte der Erdkunde dar. Man kann ihm nur beipslichten in bezug auf die Notwendigkeit, daß die ganze Wissenschaft eines so tief bewegten Volkes den Führern . . . .beim Berständlichmachcu ihrer vollspolitischen und übervölkischcn Ziele . . . mit ihrer vollen politisch-nsisienschaftliclien Sachkenntnis ihrer ganzen Auslands- und Weltkunde diene. Professor Haushofer selbst aber bcschcidet die Möglichkeit dessen, indem er das Toppelgesicht des iiationalsozialistischen Gedankens in der Welt hcrausarbeitet: eines („das Sakrale des Bodens"), das weithin erdumspannend Weltfernen überschaut, und eines („die Rassenmystik"), das nur im eigensten Bolksboden jeder Raffe vollkommen verstanden werden kann. . . „Iüvische (beschichte" von Joachim Prinz. I!. Anklage. BranDnösche 2$crlagöbuchhanvlrrng, Berlin. In großartiger Ausstattung mit 61 Tcxlbildcrn und Dasein von bemerkensivcrter Qualität präsentiert sich die ziveite illustrierte Auslage der „Jüdischen Geschichte" von Joachim Prinz, über die wir bei ihrem Erscheinen aussnhrlich berichtet haben. Sie ist bis zum Jahre 1066 fortgeführt worden. Trotz vieler Veränderungen im .Kleinen ist der Gang der Handlung — wie man versucht ist. bei dieser die dramatische Wucht der Ereignisse meisterlici, hervorhebenden Darstellungsart zu sagen — nn> verändert geblieben. Er ist eingeteilt in die drei Kapitel: Antike, Draditivnsjndentum seit Esrn. Ghettvdämmerung. In einem neu hinzngefügten Abschnitt: „Der Jude im modernen Staat" versucht der Verfasser, sich mit den neuesten Geschehuisscn nuseiiianderznsctzen. In diesem Zusammen. Hang offenbart sich ebenso wie in der Emanzipationsgcschichtc und in einigen anderen Teilen der Gegensatz, der die eindeutig zionistische, da- Jndentum allzu stark politisierende Blickrichtung des Buches von der unseren trennt. Aber weder richtungsmäßige Einwendungen noch Bedeuten gegen allzu starke Znsamniensassnngen nnd mangeinde wissenschaftliche Genauigkeit vermögen die Freude zu schmälern, die das von Begeisterung ">R Spannung getragene Buch beim Leser immer von neuem anslöst. Es wird freilich nur dann seine Ausgabe richtig erfüllen, wenn es über sich hinanzu einer Vertiefung dessen hinweist, was es allein weder geben kann noch will. Aber gerade diei-u- Aufgabe. Anreger zu sein, wird es in vielen F-ällen gerecht werden. — nn. (NniDo.(risch: „NrnvcrsiLätögcsch'rchle unv jnvische F-amilienforsch:m<z." Lorr- Derarrck'^abe aus ver „Zeitschrift für jüdische Familienforschrrug", Heft;;7>. Ter Titel der Abhandlung könnte befremden. Denn sie enthält einen — außerordentlich inertvollen — Beitrag zur Geschichte des medizinischen llniversitätsstudimns durch Inden. Besonders interessant ist die Rtittcilung, daß vom 10. bis 18. Jahrhundert, als die deutschen Universitäten den jüdischen Studenten ihre Tore noch ganz oder fast ganz verschlossen hatten, jüdische Studenten schon in großer Zahl in Italien und Holland studierten.' Ntit großem Fleiße hat der Verfasser db Quellen und die Literatur für das Medizinstndimn durch Inden zusammengetragen und dadurch süe eine künftige (beschichte des Nledizinstudiums Cum)) Juden die Wege geebnet. Was aber die Arbeit ganz besonders wertvoll macht, nnd zivar vornehmlich für die Familjenforschniig, das ist die rictjiigc methodologische E>- lenntnis, daß jede Forschung von einem sehr nur fangreichen aktenmästigen Studium in den Archir-'n ansgehen muß. Die indische Famitiensorschnng muß dnrcinveg die von Kisch empfohlene Rcethode anwenden und nicht, wie cs leider vielsac!) nofditdi!. aus halbwahren mündlichen Familieunberlieic ruiigen kühne Schlnßsolgerungen ziehen. Dr. Ernst Ilollfm'Ior Dr. B. Weinryb rr::d M. TeitcKbettm: „Praktischer Schucktkursus für Leouhebrciisch — für Kurse, Gin zellrrrrd Sclb'tunterrrcht., Teil 22. Verlag Jakob B. Branders, Breslau. - Die vorliegenden Hefte, denen noch zwei weitere folgen sollen, bestärken uns im positiven wie nn negativen Sinne in der Ansicht, die hier bei Bc- ' sprechnng des ersten Teiles in der „G.-B.-Zcitung" Nr. 1Ü vom 29. Ncärz 1001 geäußert wurde. Die dargeüotenen Ter Ich verdienen Anertemmng in bestimmter Hinsicht. 'Sie sind in der Diktion schlicht, in ihrem Inhalt aktuell, in ihrer Form vielfach recht anschaulich. Rur ein Teil von ihnen ist von den Bcrsassern selbst geschaffen, zum andern erheblichen Teil stellen sie die Wiedergaben von Zeitungsnotizen, geschäftlichen Anzeigen," amtliche-: Bekanntmachungen usw: 'dar und führen nsitteu ins Leben hinein. Bezüglich der Methode s-edoch, welche d'e "Verfasser anwenden, nnd die sie als eine ..leiure Me- - thode ans natürlicher Grundlage" bezeichnen.' bön'!-"' wir'uns starker Zweifel nicht envehren. Die (w'-'mmatik ist mit Absichr zurückgedrängt, nach ir.rcv,: Meinung weit über Gebühr. Vorzeitig" und oü ' treten, von andern Formen abgesehen, insbesondere Verbformen ans, die sich der 'Lernende olme"A'i' lcitnng nicht erklären kann nnd darum eben nur hrimehmen must.. Die Erarbeitung des Stufst ' vw» Sprachschatzes muß den Schüler,'der nur 'auf sich selbst angewiesen ist, immer'wieder vor mna Nötsal stellen. Ganz nnd gar fehlen Anleituno-n nnd Hebungen zum Uebersenen ins Hebräische bziv. zmn Ausdruck eiaer^r Gedanken. Trotz dieser Bedenken möchten wir glauben, daü "sich der „Schnsllkursus"- in -der K-and eine ' lübrgcn und gewandten Lehrers, der den Qtv'" zw—s Fruchtbarmachung vielfach nmsurml nuo' arbeitet. ' als brauchbares und m'itzlst' u) u(n knüpsungsmaterial erweisen dürste.?-I. Ak':;;"'U

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