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Central-Verein-Zeitung · 1934-09-21 · 38 (21.9.1934) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
38 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Die Wischen Studenten im SvrMuljahr 1M/Z4 Tie Ergebnisse der deutschen Hochschulstatlstik für das Studienjahr 1933/34 liegen jetzt vor. Tie Tagespresse beschäftigt sich eingehend mit der zahlen» mäßigen Entwicklung des Hochschulstudiums. Tie „Frankfurter Zeitung- (Nr. 271/72) vorn 16. September) veröffentlicht in einem Artikel „Hochschlrlstatistik Sommer 1933- Zahlen, die auch die Auswirkurrg der Kontingentiernngsbestimmnugen auf die Nichtaricr behandeln. Tas Ergebnis ist, das; 1859 n i ch t a r i s ch e n Abiturienten 154 Studie, rende des ersten Semesters. also 8.5 v. ■?>., gegenüber, stehen. Bei den Abiturienten jüdischer Konfession ist der Prozentsatz <5,6 v. H.) geringer. Tie Gesamtzahl der nichtarischen und nicht vollarischen Studenten an der, preußischen Hochschulen beträgt 1635; von ihnen entfallen auf die nicht» arischen nicht ganz drei Viertel, auf die nicht vollarischen etwas inehr olä ein Viertel. Von der Gesamtzahl (1635) sind rein jüdischer Abstammung 90.32 v. H. und teilweise jüdischer Abstammung 5.15 V. H.; 67.04 v. H. gehören der jüdischen Religion an. Tie Gesamtzahl der reichsdeutschen Studierenden jüdischer Konfession betrug laut „Frankfurter Zeitung" im Sommer 1952 3950 rmd ist im Sommer 1933 auf 1908 zurüctgegangerr. T ic Gesamtzahl der Studierenden ist gegenüber dem Somrner 1932 von 129 606 auf 115 722 zurückgegangen. Interessant ist der Vergleich der Gesamtzahl der ausländischen St'.wierenden in den Sommersemestern 1952 und 1955. Ihre Eesanrtzahl ist um 1074, d. h. 16,38 v. £\, zurückgegangen. Von dieser Tisferenz fallen 632, also etwa sechs Zehntel, auf. Juden im konfessionellen Sinne. Im Winter semester 1935/34 lvaren 106 764 Studenten an deutschen Hochschulen immatrikuliert, d. h. 13,09 v. H. weniger als im vorangegangenen Winterhalbjahr. Tiefer bemerkenswerte Rückgang ist weniger auf die Verringerung der Neuzugänge zurückzusühren als auf die Zunahme der Abgänge. Vei näherer Betrachtung lassen sich aufschlußreiche Feststellungen über die Beziehung dieser rückläufigen Bewegung zur Wandlung in der sozialen Schichtung der Studierenden machen. Tie „Kölnische Zeitung" bemerkt dazu in ihrer Nr. 468 vom 15. September, daß die Zahl der Studierenden, deren Väter Arbeiter sind, ungefähr gleichblieb, während bei den anderen Berufen ein erhcblichter Rückgang festzustellcn ist. Tie zwölf Berufe m i t der relativ ft driften Abna h m e an Nenzugängen decken sich f a st genau mit den Berufen, an denen N i ch t a r i e r den größten Anteil hatten. Zu den Berufen mit dem stärksten Rückgang gehören nach dem „Deutschen- (Nr. 215 vom 15. September) die Tirektoren von Gesellschaften, die Inhaber von Großhandels- und Bankgeschäften, die Agenten. Rechtsanwälte und Aerzte und die freien Berufe ohne akademische Bildung. Ter größte Teil der Neuzugänge kommt nach wie vor aus den Reihen der mittleren und unteren Beamtenschaft. Für Einheit des dMlfchM WLenlMs Tagung des Verbandes der jüdischen Jugcndvereirre Deutschlands. Am 26. August hielt der Verband der jüdischen Ingendvereine Deutschlands in Halle eine Sitzung der Verbandsleitung in Form einer Rcichsführertagung ab. zu der aus allen Teilen deS Reiches Vertreter der Landesverbände erschienen waren. Im Mittelpunkt, der Tagung stand ein grundsätzliches Referat von Dr. Paul E p p st e i n, Berlin, über die gegenwärtige Lage der deutschen Juden und die sich aus ihr ergebenden besonderen Ausgaben deS Verbandes. Die Sitzung stand ganz im Zeichen der Fragen; die sich aus dem Bekenntnis des Verbandes zur gcsarntjüdischen Einheitsbewegung ergeben haben. Damit hat der Verband seine alte „Neutralitätendgültig arlsgegeben tind an ihre Stelle die gesamtjüdische Idee als eine echte Entscheidung gesetzt. Die Anssprache war, obwohl sie äußerlich einen bewegten Verlaus nahm, besonders durch ihre außerordentliche Disziplin gekennzeichnet. Auf die schwerwiegende Existenzfrage des Verbandes erfolgte eine einmütige und starke WillenSkimdgebung zur Fortsetzung und Vertiefung der Vcrbandsarbeit im gesamtjüdischen Sinnes mit dem klaren Ziel der Schaffung einer Einheitsorganisation der deutschen Juden. Ter Jugendverband hat damit ein eindeutiges Bekenntnis zur Idee der ReichSvertrctung und zur derzeitigen Führung des deutschen Judentums abgelegt. Die gesamtjndische Bewegung tritt ein für die Erhaltung des Lebensrechtes der Inden in Deutschland. Ihre Arbeit gilt der Zukunft der deutschen Inden in Deutschland. "Gleichzeitig erklärt sie sich mitverantwortlich für das Gelingen des Anfbanwerkes in Erez Israel, an dem sic in jeder Weise aktivsten Anteil nimmt. Entsprechende Grundsätze für die Vorbandsarbeit im Rahmen ausführlicher Theseit wurden mit überwältigender Mehrheit angenom- Tic Berbandsleitung. die ihr Amt zur Verfügung gestellt hatte, wurde einstimmig wiedergewählt. Zur Aktivierung, der Sportarbeit wurde ein eigenes Sportdezernat bei der Berbandsleitung eingerichtet. Ferner wurde der Ausbau der Iunggruppen einstimmig beschlossen. In 'Anbetracht der außerordentlichen Wichtigkeit der Kleingcmc-indearbeit wurden Richtlinien für eine systematische Durchführung der Arbeit in den Kleingemeinden ausgestellt. Tie Verbandsleitung wurde mit der Ausarbeitung des Planes einer Einheitsorganisativn der deutschen Inden ans der Grundlage der gesamtjüdischen Idee beauftragt und ermächtigt, mit in gleicher Richtung arbeitenden Bünden Fühlung zu nehmen tind die Möglichkeit einer Zusammenarbeit zu prüfen. Der Verband ist gewElt, im Bewußtsein der Stärke seiner umfassenden Entscheidung mit allen heute noch außerhalb seiner Reihen Stehenden, die gleichen Willens find, zusammenzugehen, darüber hinaus iin Geiste der Idee der Reichsvertretung Wege 311 befchrcitcn, die zu einer tvahrhaften Einheit — auch in organisatorischer Hinsicht — eines neuen deutschen Judentums führen. - Am 2. Sltvber: m Mm FW " Die jüdische Gemeinde in Floß bei Weiden ln der Obcrpfalz < Bayern) begeht am 2. Oktober ihr 250jährigeS Bestehen. 16S4 erhielten vier Juden die Genehmigung zur Niederlassung im Markte Floß. Ter LiedlungSplatz war eine Anhöhe dicht neben dem Orte, die heute noch den ' Namen „Ter Indenbergführt. Dieser Judenberg bildete später eine selbständige politische GLmeinde mit eigenem Lürgermeister und eigener Feuerwehr, . besonderem Nachtwächter und eigenen Hausnummern. Erst um 1850 wurde dieses letzte bayerische Ghetto aufgehoben. Um der gegenseitigen Konkurrenz der Juden ein Ende zu machen, wies die Regierunß in Sulzbach jedem einzelnen einen Hcmdelsdistrut zu. Niemand durfte von nun an in den Bezirk des andern cindringen. Als sich die Gemeinde später stark vermehrte. wurde diese Einrichtung wieder aufgehoben. Tie meisten Juden ernährten sich vom Wvll- und Tuchhandel. Sie heirateten sehrjung. und die Familien waren kinderreich, so daß Wohlstand bei ihttcit nicht anskvmmen konnte. Das Thvrastndinm fand eifrige -Pflege. Durch- Prioatlehrer tvar für den Religionsunterricht einigermaßen gesorgt. 1915 wurde die jüdische staatliche Volksschule gegründet. Der Ortsleyrer für katholische Mädchen unterrichtete zugleich die jüdischen Künder. Für die im Jahre 1813 niedergebrannte Synagoge tvurde nach eiitigen Jahren eine tiene errichtet. Der Ban wurde wie ein offizielles StaatSgebäude von den Behörden kontrolliert. Sie ist heute noch sehenswert. Durch Abwanderung gegen Ende dcö 19. Jahrhunderts verminderte sich die Seelenzahl "der Geineinde so stark, das; sie fiel) nach dem Tode ihres letzten Rabbiners (189«)) zuerst dem Rabbinat Bayreuth und im Jahre .1911 dem BezirkSrabbinat Rcgensburg anschlvß. an dessen Spitze zurzeit Bezirtsrabbincr Tr. M. Weinberg lRegensburg) steht. AnS seiner Feder stammt die „Geschichte der Inden in der Oberpfalz-, deren 5. Band lKommissionSverlag der Etver Buchhandlung, München 1927) dieser Darstellung als Grmidlagc diente. MchAö gteogerstun EeMMis Wir deutschen Inden dürfen stolz daraus sein, iiltd der Ecntral-Verein insbesondere, daß Beruh a r d P rage r unser war. Tenn an seiner Bahre wurde'ans berufenstem Munde bezeugt, daß er die deutsche Weltgeltung gemehrt habe. Nahezu vier Jahrzehnte stand er au der Spitze eines Werkes, das im Ausland so bekannt ist wie in Tentschland. Professor Prager war Redakteur deS „B 0 i I ft e t n", der als „B e i l st e i n - P r a g e r - I a c 0 b s v n" auch s e i n e n Namen über die ganze Erde getragen hat. Wo organische Chemie, d. i. die Chemie des Kohlenstoffes, also der Stoffe, die wie Zucker, Fett und Eiweiß das Leben der Pflanzen und der Tiere bedingen, tvie auch die der Anilinfarben und Heilmittel erforscht und gelehrt wird. da ist dieses Handbuch das wichtigste Nachschlagewerks Und durch das Labyrinth dieser Unzahl von Stoffen hat der Systematiker Prager den Wegweiser geschaffen und damit Aehnliches getan, was Linnö für die Pflanzenwelt geleistet hat. Will sich der Nichtsachmann einen Begriff seiner Lebensarbeit machen, so betrachte er ein großes Lexikon tind denke sich, daß c i n Mann ein solch zwanstghändiges Werk selbst geschrieben oder doch als Redakteur prüfend und wägend gelesen hat. Er denke sich ferner, daß sich Prager als O r g a n i s a t 0 r einen Stab von Mitarbeitern heranziehen mußte, mit denen er nicht nur reibungslos, sondern ntehr alS ihr Freund denn als ihr Vorgesetzter zusammengearbeitet hat. Als in Lüttich im Septcntber 1930 ein Kongreß für Reform der Nomenklatur der organischen Chemie stattsand, den eine von der Internationalen Union für Chemie eingesetzte Kommission abhielt, war cs Prager, den die deutsche chemische Wissenschaft als ihren Vertreter cutfonMe, und dessen Bedeutung von den ausländischen Gelehrten neidlos anerkannt wurde. Unnötig zu sagen, daß er die Verhandlungen in fließendem Französisch .führte; denn er, dem daS Deutsche leicht zum Gedicht sich formte, rvie er cs zum Ausdruck schwierigster Tinge seiner exakten Wissenschaft künstlerisch beherrschte, er trieb fremde Spraä-en, wie Russisch und, zumal zuletzt. Hebräisch als Spiel seiner Mußestunden, deren Rest er etwa bei Mauthners .Lritik der Sprache" oder bei Schopenhauers Philosophie verbrachte. Wenn du solcher Mann feine Lebensarbeit unter das hohe Gesetz restloser Pflichterfüllung stellte, wenn er. wie cs Prager tat, hilfreich, edel und gut durch sein Leben ging, was Wunder dann, daß ihn kennen hieß: -iTjii lieben und ihn verehren. vr. Gustav Haas. tüs1CIO! . Tchacharrfgabo Nr. 18 von Dr. M. Lewitt (Berlin) Weiß am Zuge gewinnt (Endspiclstndie) "W>i5s: Kf3. Sa5. Bb7 <3) Schwarz: Kc7, Bd6, hG (,3j * Lösung der Aufgabe 'Ar. 17: 1. Dh7- -dl. TclXM: 2. Sa2—e.Vmntt. 1. . . . . Tel—hlf; PhlXhl matt. 1. » . i , o4—c3; 2. Dhl—d3 matt. 1. , . . . LaS—b7; 2. DblXh” matt. 1. , - 2. LeS—f7 matt. 1. s s *2. Sa2—b4 matt. 1. I» , . Tel—c2; 2. Dbl—hl matt. * Schwarz antwortet ans: 1. Le$—Rli, c4—c3! 1. S.MX'-I. $at5—cö! 1. Lf2— e3. Tel—c2! 1. LcS—cl7, La8-b7! * Richtige Lösungen gingen ein von: Arthur Jacob (Siegburg a. Siegst Erich Rnbensvyn (Hildesheimst Rechtsanwalt Dr. Ernst Boehm (Brieg), Dr. med. Lob (Bochum). A. Löwenstein (Grevenbroich), Jacob Banmann (Köln), Tierarzt M. Koschminski (Landsberg). Gottfried Gnmdel (Stuttgart), Rabbiner Tr. A. Tänzer (Göppingen). Lothar Schönthal (Nürnberg), dl. Baronowitz, Willy Michaelis, Gustav Lewi. ^anitätSrat Tr. M. Tornke (Berlin), Michael Levy (Kreieldst Karl.Bechhöfer (Aürubergst Dr. :Riu dolf Neu mann (Leipzigs Berta Malsä, (Ers»rt>. Simon Macnnlein (Atünchcn), Leopold Mehrländer (Konstadt). Weitere richtige Lösungen von Nr. 16 gingen noch ein von: Julius Gottheimer. Siinvn ' Maennleiil (München), 'Michael Levy (Krefeldst 'Arthur Jacob (Siegburg a. Siegst Willy Michaelis (Berlins A. Löwcnstcin (Grevenbroichs Tr. Ernst Poebm (Brieg). S ch a ch b r i e f k a st e n. '(?. R. (Hilde4hc!m). Besten Tank für freundliche Mitteilung." :;:ass rrx . Der Verein Synagoge Lützotvstratze, Berlin, Nlmmt wie in früheren Jahren noch den tfeteu tagen bie Jugendseier nach dem Frcitagadmdgottesdrenst wieder aus; sie wird vom amtierenden Rabbiner und Oberkantor unter Assisten, dci SynagogenvorsteherS geleitet. Die Feier findet im Trausaal der Synagoge statt. Au§ dt» §Miltm Gustav Pommer (Rostock), langjähriges Vorstands« Mitglied des (5.-V. und Vorsitzender der Chewra-Kadifchs in Rostock, feiert am 29. September feinen 60. Geburt',. tag. — Salln Luft (Roßwein i. 6a.), der dem feit feiner Gründung angchört, wird am 1. Oktadci: 70 Jahre alt. Ehemann, der ihr die Welt eröffnen sollte, anders gesehen; aber Jan hatte von ihr den höchsten Preis zu fordern, mtd da mußte sie sich ergeben^ lieber ihr Rein würde er taumeln, vielleicht die Welt und die Juden anklagen, mit schrecklicher Anklage vor den Richter treten. Wer weiß, wo ihn seine Verzweiflung hintreibeu lvürde, ihn, den Retter ihres Lebens. „Ich weiß, was du begehrst, Jan, und ich sage nicht nein. Tn hast das Recht, zu fordern, und ich muß bervilligen. aber ohne meines Vaters Jawort habe ich kein Recht dazu. Er ist gut und liebt mich und wird feinem Äinde das Glück nicht verweigern. Hellte abend, wenn cs dlmkeL wird, komme zu uns und sprich mit ihm. Heute ist Freitag, nach dem Essen ist er in guter Stimmung und wird deine Bitte nicht abschlagen." (Schluß folgt.) Für und tviöer MrnLelssvhns .SommernochlSiroM- Im „Theater des Volkesin Berlin, dem früheren Großen Schauspielhaus, ist der „Sommernachtstraumneu inszeniert worden. Die Mendelssohnsche Musik wurde durch eine neue Komposition von Edmund Nick ersetzt. Ter „Völkische Beobachtergeht erst kritisch aus diese neue Vertonung ein und schließt mit den Lätzen: „Man kann beim besten Willen nicht vermeiden, den sich ausdrängendcn Vergleich mit der Al e n d e l s s 0 h n s ch e n Orginulmusik zu unterdrücken. Alan mag gegen Nlendelssohn auch berechtigte Bedenken vorznbringen haben, so läßt sich nicht leugnen, daß Btcndelssohn den Zauber des Waldes in einer Weise eingesangen bat, die im StimmungSgehalt einmalig bleibt. Von Mendelssohn hätte Nick lernen können, wie man dem Wesen der dramatischen Vorlage gereäü zu werden vermagohne fiel) ans die Abwege musikalischer Geistreichcleien oder trivialer Saionmnsik zu begeben. Ich möclite es dahmgestellt lein lassen, wen von beiden der Vorwurf der Sentimentalität mit größerer Berechtigung trifft." „Der Deutschedagegen lehnt die frühere NlendelSsolntsche Vertonung mit folgender Begründung ab: „llm all die buntschimmernden Märchenstimmungen des Lhakespearschen Werkes mif der Bühne ganz lebendig und zwingend zu machen, bedarf es der magischen Kraft der Tonkunst. In der bisher meistens gespielten Vtendelssohnsck)en Musik empfinden wir — trotz mancher Feinheiten — heute viele art- und rassesremde Züge, die der germanischen Atärchenpoesie allzu entgegengesetzt sind. . .* Franziska Gaal und Gitta Alvar bieibrn Züdinnen Im Zusammenhang mit der Vermählung der Filmkünstlcrin Franziska Gaal mit dem katholischen Rechtsanwalt Dr. Franz D a j k 0 v r ch ging durch die Presse die Mitteilung, daß die Künstlerin den Glauben ihres Gatten annchmen wolle. Demgegenüber stellt die ungarische jüdische Zeitung „^zoml^at- (Sabbat) fest, daß Franziska Gaal sich gegenüber einer angesehenen Dame der Budapester iüdischen Gesellschaft verpflichtet habe. Jüdin zu bleiben. Gitta Alpar dementiert die Nachricht, die offenbar durch die ausländische Presse gegangen ist, daß sie den Glauben ihrer Väter verlassen wolle, um in Tentschland auftrctcn zu können. Gitta Alpar erklärt, sie wolle auch weiter Jüdin bleiben; ihr Gatte, der Filmlchauspieler Gtcstav Fröhlich, halte in diesem Punkte ganz zu ihr. Tas Gerücht von ihrem Glaubenstvechsel sei um so sinnloser, als^ ja die Arierbcstimmnngen in Deutschland auf die Religionszugehörigkeit keine Rücksicht nehmen. M einen toten Sichter Tie Akiba-Eger-Loge veranstaltet eine Trauerfcier für Bialik. Das ist gewiß zu rühmen. Im Kuppelraum des Logenhauses, der eine Orgel, drei Pulte, einige als Kerzen verkleidete elektrische Lampen und eine Akustik hat, die als Echo in einen Naturschutzpark gehörte. Das erschwert die Feierlichkeit. Aber die Stinuuung ist trotzdem echt und gut. Dr. Baeck spricht, und sie wird Tr. Emil Bernhard Cohn. Er spricht zunächst hebräisch — dann deutsch. Warum hebräisch? noch besser. Tie Orgel spielt. Und dann spricht Weil, sagt er, wenigstens einige hebräische S?outc voran gehen müssen, um die Stimmung zu schassen, in der man überhaupt von Bialik sprechen kann. Und dann spricht er von Bialik, von Goethe, gegen die Bnber-Bibel, vom Zionismus, von Bialiks Berlegertnm . . . Endlich kommen die Rezitationen mi die Reihe. Meinhart Manr schlendert Gedichte von Bialik in die Akustik, die ivieder die Gedichte aus Ntcinhart Ntaur zurückschleudert. er versucht andere Gedichte vor der Atustik zu retten, er tut. waS er kann, ja, er tut noch ein UebrigeS, er rezitiert auch hebräisch, ein Gedicht erst in aschkenasischer. dann in sephardischer Aussprache . . . Und das ist vielleicht doch ein bißchen viel für eine Trauerseier. Wart stelle sich einen Goethe- Abend in London vor, wobei der Prometheus oder Wanderers Nachtlied erst in englischer Uebertragnng, dann deutsch, und zivar erst in sächsischer und dann in schlesischer Aussprache, vorgetragen wird. Um den Engländern einen Begriff von Goethe zu geben. Wir meinen, daß eine Bialik-Feier auch ohne solchen Gebrauch der hebräischen Sprache (gerade tveil sie ja die herrliche, sublime Sprache des Dichters ist), ohne Seitenhiebe ans Bibelübertragnngen und ohne schiefe Vergleiche mit Goethe möglich ist. Bialik ist ein viel zu lebendiger, wirklichcr Dichter, um vergottet tmd vergötzt und zu gipserner Gigantik hinaufgedeukrnalt zu werden. Er braucht keine Orgelbegleitung. Er war kein Goethe und kein George, er war ein Jude auS dem Osten, ein Mensch für jedermann und ein Dichter für jedermann, voller Pathos, aber ohne Phrasen, gegen Phrasen, gegen Phrasen. den Israel. KMZsets WZ VMW Lübeck Der Opernchor des Kultnrbtmdes Teutsck)er Juden Berlin beendete seine Gastspielreise durch das Gebiet des neugegründeten Kulturbundes deutscher Inden, Bezirk Ätccklenburg-Lübeck, mit einem Konzert in Lübeck. Unter der betvährtcn Leitung von Berthold Sander brndjtc der Chor eine Reihe von Liedern dentsck)er, vstjüdischer und p-alästinensischer .Herkunft zu Gehör. An Stelle deS verhinderten Tr. Kurt Singer (Berlin) sprach Tr. Martin Meyer (Lübeck) Worte der Begrüßung. TäS Liibecker Pnblikmn bewies sein Verständnis für die Darbietungen durch besonders starken Beifall. BreSlou Tor Ktrlturkreis hatte zu seiner ersten eigenen Veranstaltung den Rezitator Otto Bernstein gewonnen.. Er ist mehr als ein Meister des Wortes; er dringt wie kaum einer in die Seele der Dichtung ein, spürt ihren gelieimsten bu'danle». gängetr nach und gestaltet das Knustlverl deutend und nenfchöpfend. So entsteht jene Einmaligstit der Wiedergabe, in der die Dichtung lebendige Wirklichkeit wird. Dieser Eindruck strömte von allen Werken ans, die Otto Bernstein vortrnvon den Geschielsten Rtartiii Vnbers. von Iata» Wassermanns Novelle „Sara Nlalcolm- und ve^. einem Soirett deS jnngeit Nlünehener Lyrike^ Ntanfred Stnrmann. Besonders ergriff Beee- Hofmanns „Schlaslied für Rlirjam- und die ()'£■ Zählung von Rahels Tod (Bcnoni) ans den „beschichten Jäakvbs" von Thomas Warnt. -Eier schilderte Dernstein mit einer Ergriffenheit. wenn er ein selöst gehabtes Erlebnis, in deöck erregendem Bann er lioch stand, hatte wieder» geben tvollen. Tw Zuhörer waren krschütnit und. dankten mit wärmstem Beifall. Vim Beginn des Abends, b>ev zugleich der Werbung dielite. umriß Max L i l b c r b e r g, der Vorsitzende deS KulturkreiseS, dessen ^Ziele. Wie hätten uns. kernen besseren Auftakt für die tnlturelle t'lrbeit des Winters denken können als diesen Abend. Sclnv. K§ M§ Md WM .. Der Berliner Kulturbund bringt al-? nächste^ Premiere Stefan Zlveigs „Iereruias" heraus. Die Erstausführung sinket z^ir Eröffnung der diesjährigen großen Sammelaktion des Zentralaus'schnsses für Hilfe und Ausbau als 7>estvorstc!lttng am Sonntag, dcn 7. Oktober, abends 7 Uhr, nn Berliner Theater, Eharlottenstraßo. statt. Der Reinertrag fließt dem Zentralausschuß zu. Justizrat Dr. Jnlins Vrovnitz, Vorsitzender des (5.-V.. und Dr. Siegfried Moses, Vorsitzender der Zionistischell Vereinigung, werden kurze Allsprachen Hallen.

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