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Central-Verein-Zeitung · 1934-09-14 · 37 (14.9.1934) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
37 (14.9.1934)
Date
1934-09-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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"2L c:l2,?fcire, \m. k> d — qm ta, er. i'ircw fundis c?r an iS und io frei id daß Treue eß Hai Thilogrucks Mmi A. m 'V-S- :i Anqrci'C wird aü.'hal a u f :in d 5 nt* I c c" II?«$;i;anu 'luder r.r.io-i foi'oit c e £ - }pf i i:it VUn'- r fit er lillylr/.tf sechs •v'tcu jrl'f» :ciä>' £•-* r'r-ir ober nd-c ct'vn fjtc:. M sevremder/SktobrrM des.NrrgLn" Sfclijjion heute?' Liefe Aeberfchrist des rffcj; Aufsatzes fann als Motto für das neue ^ppeihest des „Morgen" gelten. Alle Aufsätze 7-upviercn sich um diese eine Frage, und sie sind ^inüht, von den verschiedensten Standorten Antxoitp finden. Wenn auch vielleicht noch keine selche Antwort gesunden werden kann, so schadet >-cZ nickst-, denn es ist schon verdienstvoll, die Fraüui aufzuzcigen und die Zweisel deutlich Ai sagen, a'if'e Fragen und Zweisel werden immer lauter, große^Teile des deutschen Judentums, die vor dem Jahre 1933 kaum einen Zugang zu all dem siatteu, was hier gesagt wird (sie suchten diesen ZnMg auch nicht!), werden heute in dieser für sie renen und doch alten jüdischen Welt umhergeworf-n, ohne Richtschnur und Wegzeichen, sie schweben fischen Trug und Wahrheit, und die Kraft der Unterscheidung fehlt. Sie meint Leo Hirsch in feiner Skizze „Ter Treitagsjude. Kritik eines Uebergaugs", worin er den Juden, der sich nur mi drei Tagen des Jahres seines Judcseius eriiincrte. schildert. Vielleicht ist die Macht der Um- 'lelm die -grast des Zerbrechens doch stärker, als veo Hirsch in den Schlußsätzen seines geistsprühcuden Aussatzes annimmt, aber nur: vielleicht! Wie steht cs nun um „Tie religiöse Bereitschast des modernen deutschen Juden" '? Kann er ütechmip: von Religion sprechen und über sie urteilen? Bis heute ist in weiten Kreisen westeuropäismer Judeuheii nur Phraseologie zu finden; mm. bat nichts'Jüdisches mehr. Tie Mystik, in die uian sich vielfach flüchtet, ist weit entfernt von reitet Äyßik, sie ist „eine Art ästhetischer Kulturuiystik". Ueber diese Fragen spricht Ludwig Fe u ch t w a n g c r in einem Aufsatz „Religion heute?" Er weist einen Aus:veg, zeigt die Männer, dic heute um eine wahre Lösung ringen, und stellt ol- Forderung auf: „Lernen — Lernen — Lernen. Ans allen Wegen, mit allen Methoden! Hebräisch. Hubel . . . Geschichte, Gegenwartskunde ..." Tann erst, wenn wir wieder unsere jüdischen Geistesschütze kenne::, kann ein neues Synhedrion wirken. „Gedanken über ein zentrales Synhedrion" bring: Max Diene mann. Er knüpft an Aussührimgen von Rabbiner Lauer (Mannheim) an und zeigt die großen Schwierigkeiten der Errichüing fiurr solchen Instanz. Ter Wunsch nach einem einheitlichen Gesicht jüdischer Lebensformung ist stark, aber die so verschiedene Situation der Juden in den Ländern der Tiaspora macht die Arbeit eines in Palästina tagenden Synhedrious — das auch keine reale Macht hinter sich hat — zweiselhast. Vorschläge für eine Erneuerung im deutschen Judentum macht Oskar Wolfsberg („Geist- Iche und geistige Führung"). Er fordert wirkliche ..r-ltliche geistige" Führer. Er glaubt, daß zum Ichoiel im traditionstreuen Judentum ein guter ^nner der jüdischen Literatur und Ueberlieferung,- der gleichzeitig durch seine Person eine Führerstellung einnehmen kann, zum Rabbiner geeignet ist, und schlägt die Berufung eines solchen Mannes in eine Großgemeinde vor. Bon tieferen religiösen Fragen spricht MargareteSusntann („Trost"). Heute, wo alles einzustürzen droht, zeigt sich wirkliche, sich nicht im Menschen erschöpfende Geschichte. Tie Propheten offenbarten geschichtliche Wahrheit, die Befehl, Gebot ist. Tie ungeheure Forderung stellte Israel in das Leid, aus dem dem Juden aber Trost ausbricht, Trost als Bestätigung' des Leides, nicht 'als Verklemm rung. Und aus dem Trost kommt Freude an der Welt, deren Grundlage das Gesetz. Gottes ist und die auch der Gerechtigkeit unterworfen ist. Unsere Neuzeit zerstört viel, aber doch: die große Gesetzlichkeit der Schöpfung bleibt, der Anruf an uns tönt fort. Der Sinn unserer Geschichte wird gerade heute deutlich, und durch das Leiden wächst uns wieder Trost. Günter Friedländer spricht von der Jugend („Jugend auf der Suche"), die nach neuen Gesetzen suchen muß — und die alten Gesetze wiedersindet. Die Schrift erschließt sich, aber überall auf dem Wege sind Fragen und Probleme. Doch gerade dieses Jnsragestellen des gesamten jüdischen Lebens kann zu einem neuen Wege führen, wenn im tiefsten Ernste gesucht und gefragt wird. Aus dem Nachlaß von Rudolf Hallo wird-ein Teil einer 1924 gehaltenen Vorlesung „Die christliche Wissenschaft vom Judentum" veröffentlicht. Die Geschichte dieser christlichen Wissenschaft ist so wichtig, da sie seit Jahrhunderten die Bibel als ihr eigenstes Forschungsgebiet ansieht, und erst seit kurzem besinnt sich die jüdische Wissenschaft auf ihre eigentliehsten Ausgaben. Hallo führt die Grundmotive der christlichen Wissenschaftler auf und zeigt ihre Haupt- Vertreter von Justinus über Reuchlin, Burtors, Eisenmenger bis zu der Verweltlichung der Bibelkritik bei Michaelis und de Wette. (Die neueste Zeit wird in einer nächsten Nummer behandelt werden.) Ter jüdischen Wissenschaft vom Judentum ist der Eins Rückantwort an Wilhelm Etavel In dem Beitrag „Jüdische Moral" (Nr. 24 der „G.-B.-Zeitung") hatten wir uns mit Wilhelm Stapel auseinandergesetzt, in dem illusiousfreien Bewußtsein, daß die Aerstäudigung mit einem Gegner, der.von vornherein uns den guten Glauben an die Aufrichtigkeit unserer Motive abspricht, ein schwieriges Unterfangen ist. Soeben hat Stapel jedoch, etwas verspätet, auf unsere Ausführungeu geantwortet („Deutsches Volkstum", 16. Jahrg., 17. Heft). Immerhin hebt er in seiner Erwiderung hervor, daß die polemisehe Auseinandersetzung zwischen ihm und uns einen „Fortschritt" zu verzeichnen habe. Erfreulicherweise bedient auch Stapel sich einer gemäßigten Tonart. Wenn er aber unserer Polemischen "Methode, die er.„advokatorisch" nennt, unter anderem vorwirst, sie habe das Bestreben, „die Atmosphäre der Tiskussion zu verdunkeln", so wird er eS uns nicht verübeln, wenn wir iyn, der sich zum Richter über die vermeintlichen Splitter in unseren Augen aufwirft, auf den Balken im eigenen Auge Hinweisen. 1. Fürs erste lassen wir uns gern von Stapel belehren, daß der Begriff einer „Heinc-Schule" nicht, wie wir nnschuldigerweise annahmen, „neu", sondern von Karl Kraus dzw. Siegfried I a - cobsohn herrührt, was wir um so weniger vermuten konnten, als der Umstand, daß Stapel sich diesen Begriff von jüdischen Schriftstellern vermitteln ließ, ziemlich unwahrscheinlich war. 2. Während der Begriff einer „Heine-Schule" für Stapel durch das Zeugnis von Karl Kraus und Siegfried Jacobsohn autoritäre Sanktion erhält, lehnt er anderseits die von uns zitierten „Autoritäten der Heine-Forschung" — Elster, Walzel, Hirth — als nichtautoritär ab, un- EeburtsLagsariikel für Jsma'r Elbogen von Emanuel bin Gorion gewidmet, der die Leistung und Wirksamkeit Elbogens in unsere Zeit zu stellen sucht. — Ein Ausschnitt aus Franz Rosenzweigs „Stern der Erlösung" („Die Feste der Erlösung"), dem eine kurze Einführung von Ignaz Maybaum beigegeben ist, bietet von diesem tiefen Denker eine Deutung der Feiertage, die wir gerade begehen. Ernst Simon spricht über Bubcrs Buch „Zwiesprache", ein Buch, das von weittragender Bedeutung für uns Heutige ist und wo Buber von dem Eigentlichsten spricht, was er uns zu sagen hat. Ludwig Strauß gibt eine Auswahl tiefgehender „Sätze", in die er, der die deutsche Sprache gewaltig meistert, viele feine Gedanken gegossen hat. Bon Manfred S t u r mann ist der Schluß der in der vorigen Nummer begonnenen Novelle „Die Sendung des Heils"' . enthalten. Herta fianncr hat schöne Nachdichtungen von zwei Psalmen geschaffen. Zu erwähnen sind noch die Prcsseschciu über „Religiöse Bewegung um uns" und die Glossen, ferner neben Buchbesprechungen Glückwünsche an Arnold Schönberg, Ernst Gassircr und Karl Wolsskehl. Dieses Heft legt Zeugnis ab von dem Ringen um das Judentum und seine religiöse Existenz. Ter „"Morgen", der einen Ileberblick über seine Veröffentlichungen im vergangenen Jahre gibt und uns viel interessante Arbeiten für das kommende Jahr verspricht, hat in diesem Heft eine der zentralsten Fragen heutigen Judentums zur Diskussion gestellt. . Fritz Aronstexn. geachtet des Umstandes, daß er. der „Heines Wesen zu kennen" behauptet, nicht einmal einen kritischen Text der Werke und Briefe HeiucS zu lesen imstande gewesen wäre, wenn nicht jene drei (übrigens nichtjüdischen) Gelehrten in hingebungsvoller Arbeit dafür gesorgt hätten. 3. Was mm den „üblen" Geruch einer bestimmten Stelle in Heines „Deutschland, ein Wintermärchen" anbelangt, so kann sich jeder unbefangene Leser von der harmlosen Scherzhaftigkeit jener Verse, die jeder sexuellen Symbolik entbehren, überzeugen. 4. Was die öffentliche Aufführung von Schnitzlers „Reigen" angeht, so dürfen nur Stapel vielleicht daran erinnern, daß der jüdische Literarhistoriker Richard Nt. Meyer, von dem Stapel bekannt hat, daß er aus seiner Eoethe-Bivgraphie Treffliches gelernt habe, dic Meinung vertreten hat. Schnitzler „hätte den .Reigen' niemals der Oeffeutlichkeit übergeben dürfen" („Deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts", Seite 616). Wir führen dies absichtlich au. um zu zeigen, daß die moralischen Skrupel, die Stapel hegt, bereits von einem jüdischen Kritiker vorweg empfunden worden sind. Im übrigen halten wir daran fest, daß der „Reigen" im Gesamtwerk Schnitzlers eine Nebenrolle spielt; Schnitzlers hohes sittliches Niveau — seine Verteidigung altgeheiligter Moralbegrisse — tritt etwa in der "Meisternvvelle „Fräulein Else" (auch in der Novelle „Tie Toten schweigen") für denjenigen, der es fassen will, in die Erscheinung., Unbeweisbar dürfte ferner Stapels Behauptung. Schnitzler habe mit der öfsentlick)en Aufführung des „Reigen" ein „verächtliches Geldgeschäft" gemacht, sein; jener Vorwurf läßt sich schließlich gegen jeden Autor, der Stücke mnführen läßt, erheben. (Wenn Stapel an Goethe rühmt, daß er „wirklich bedenkliche Gedichte nicht veröffentlicht" habe, so hat Heine ein gleiches getan; ein diesbezügliches Gedicht ist erst neuerdings (und sonst nirgends) in der Jnselausgabe veröffentlicht. Die Klagemauer Ein verwitterter Fels des salomonischen Tempels, von tausendjährigen Himmels- und Menschenzähren zerfurcht, starrt sie vor sich hin. Gesandte aller Geschlechter und-Lebensalter, die ihre Harfen längst an die Weiden der weinenden Wasser Babels aufgehängt, suchten ihre regungslose Kälte und Härte durch ihre Tränen zu erwärmen und zu erweichen; sie aber bleibt kühl und unbewegt wie ihr Weltbauherr: Adonai. Millionen schmerzdurchschütterter Büsserhände umkrampften sie schon wie eine übergrosse weisse Totentafel, wie ihre eigenen aneinandergereihten künftigen Gräbersteine. Die Sklaven der Jahrhunderte, Tage und Nächte, uinknien sie inbrunstvoll, und Hiobs krähenumkrächzter Geist umflackert sie allabendlich gespenstisch. Ihre Runenschönheit suchen viele wandernde Menschenruinen. Wie eine steinerne Wehr schliesst sie in steilem Trotz die Welt der Wehmut Israels gegen die Hochfluten heidnischer Wonnen ab, bis sie von Judas Tränenströmen zu einer Zisterne ausgehöhlt einmal niedersinkt.« Arthur Silbergleit.!ini!!ll!!!!l[!lll!!llllll!!l!!ll!lll!!l!li[llll!lll!llli!!ini!l!llllll!l!llll!l!!l!!l!! 5. Wir haben weder behauptet, daß „Lessing die sittliche Bedeutung der Kunst bestritten" habe, noch „daß die Kunst außerhalb aller sittlichen Bindungen schasse und wirke"; hier liegt eine Verwechslung von Wirkung und Wertung vor. Selbstverständlich gehen von jeder hohen Kunst sittliche Wirkungen aus; aber gerade in Ileberwindung des moralischen Zweckrationalismus haben Lessing und Herder gelehrt, die Kunst nicht nur als Verlünderiu moralischer Tendenz, sondern als Gestalterin der Totalität des Daseins zu begreifen. Wenn Stapel zum Schlüsse seine Leser ansfordert, unsere Ausführungen in der „E. V.- Zeitung" nachzulesen, so wünschen auch wir dies aus dem Grunde, weil die Leser des „Dentsck-eu Volkstums" dann nachprüfen könnten, ob die Art unserer Beweisführung tatsächlich — wie Stapel behauptet — ein Beispiel „advokatorischer Poleniik" bildet. Aus TslmuÄ umü Midrasch Racherzählt von Rabbiner Dr. Manfred Srvarsensky Tie Waffe Israels ist das Gebet. Es hat sie von seinen Vätern ererbt. Nie hat sie Israel verlassen. Von den größten Gefahren umtobt, nahmen die Stammväter und Mose, unser Lehrer, ihre Zuflucht zum Gebet. Auch den Propheten war das Gebet die einzige Waffe. Als David dem Niesen Goliath entgegentrat, der mit Helm. Panzer und Lanze gerüstet war, war er nur mit dem Namen Gottes bewaffnet. Die von Esau abstammenden Völker rühmten sich Israel gegenüber mit der von ihren Vorfahren ererbten Kraft des Schwertes. Israel allein tritt der Welt mit einer Waffe entgegen: dem Gebet. Und Gott erhört es immer und verläßt es nie. Es heißt in der Schrift: „Gedenket des Ersteren nicht und über das Frühere sinnet nicht nach." „Gedenket des Ersteren nicht." Dies ist die HWM Mö tu iä WZ m MG Slcnslä EüMberg-Zeier in Sotün Zur Nachsommerzeit setzt das Koruertleben stets ein ivenig zögernd ein; es schien deshaw nur jahreszeitlich bedingt, wenn die Schönberg-Feier im Berliner Logensaal noch etwas spärlich besucht ivar. Tabei hatte sie eins der besten Musikorgane einzusetzen. das Neue Streichquartett, das sich m kurzer Zeit in die vorderste Reihe unserer Kon- Pertgeder gespielt hat. Sein Primarius Willy vrey besitzt ein starkes geigerisches Temperament, und er dräng: damit seine Spielgenossen in einen höchst lebendigen musikalischen Ablauf. Es fragt sich nur. ob dieser Antrieb auch bei einem Werk wie dem I)-moll-Quartett von Arnold rschöuberg berechtigt ist, das den Meud krönte. Au der Bertießiug in die Eigenart dieses Werks, in dem nicht nur ein Quartett, sondern eine ganze Welt von Mm'ik beschlossen liegt, ließ es das Quartett iiicht telsien. Tie instrumental? Magie. die darin lebt, km überzeugend zur Wirkung. Besondere Anerlennung gebührt dem Bratschisten Rudolf Meyer, der Klänge edelster Art zu bilden weiß. Mit dem Seknndarius Hans Prager und dem bellisten Hermann Weil gelaugt? der ständige thematische uns rhythmische Wechsel im überreichen Aben dieses Werkes bis zu dem ganz ms Mystische ^lanchien Schluß zu einer Wiedergabe, die sich numcr mehr in die Wunder dieser "Partitur hineinbewerte. Ter Cellist darf seine schönen "Mittel noch wrhr zur Geltung bringen. Tiefes Quartett gab echten Feierklang: als Werk ist es längst „ancrwimt". als Leistung bleibt es durch den Wert- Zmvachs. den es bei erneutem Erklingen erhält, 'Miner mehr zu bewundern. Ter Feier in Klänj>n Gintj eine andere durch das Wort voraus, die ^eicr G r a d e n w i tz zu danken war. Er verachte mit großer Hingabe in einer durch Liedvorwäge unterbrochenen Tarlegung die Stellung ^-chönbergs in der Musi! des letzten Atcuschenchters zu erklären und für die unbedingte Folge- ^chiigkeit seines Schaffens zu xverben. Als dazwischen. von Peter Eradenwitz begleitet, die frühen ^reder Schünbergs ausklangen. verspürte nun: den 'hfm der romantischen Melodie, aus der sich die ersten Werke des Komponisten losrangen. Es war wie'ein Blick in dic Albumblättcr einer frühen Liebe. Daß sie uns die Treue nicht hielt, sondern sich allein selber treu blieb und zu ihrem eigenen Gesetz weiterschritt — wer möchte an einem Jubiläum darüber rechten! Alice Hannes-Cass i r e r trug die Gesänge mit all der Inbrunst vor, die diese durchglühte Lyrik verlangt. Alle Tarbietungen ernteten verdienten Beifall. k. JlnfsEE Feiertage" Ten jüdischen Festtagen der Besinnung, in deren Mitte wir stehen, war eine Sondervcranstaltung des Kulturbundes gewidmet, die sein Publikum in Geist, Wort und Ntusik der Jomim Nauroim einführen sollte. Leider war der große Saal der Philharmonie nur etwa zu einem Drittel besetzt, und so siel das mit Sorgfalt und Liebe zusammengestellte Programm ein wenig ins Leere. Ncit knappen Worten suchte Rabbiner Dr. Joachim Prinz den Sinn der Feiertage nach ihrer religiösen Bedeutung und in ihrer Stimmung lebendig zu machen und die Brücke zu schlagen zwischeri einer in ihren Begriffen noch verwirrten, und um Ausdruck ringenden Zeit und einer Epoche, in der der Geist des Judentums wirkliches Leber: führte. Diese Feiertage, mit dmen das jüdische Jahr anhcbt, uehmen den Menschen nicht oder nur zum geringsten Teile als Glied seiner, jüdischen Gemeinschaft. Sie stellen ihn. als Einzelnen in seelischer Nacktheit hin vor Gott und unterwerfen ihn dem Richterspruch mach seinem Gesetz. Leben und Sterben sind in diesen Tagen miteinander Venvirkt, und die Symbolik des jüdischen Brauchtums saßt im Gedenken an die Vergänglichkeit des Seins alle Jxrden zu einer Gemeinschaft der Eläubigkest zu- fammen. In die Dumpfheit menschlicher Ungewißhc-it tragen die Feiertage ihr jüdisches Wort. So reicht hier das Nlenschliche in das Jüdische hinein .und das Jüdische ins Aleixschliche. Tie Frage nach dem Schicksal wird in diesem Lebensraum die Frage nach der Gestaltung. Rabbiner Tr. Prinz erklärte sodann die Xvichtigsten Festbräuche und suchte sie aus ihrer Entstehungsgeschichte begreiflich zir machen. Die Veranstaltung wurde vom Orgelspiel Errvin Io sp es umrahmt. Lotte Noscnbaum sprach 'ausdrucksvoll die „Predigt des xwuen Jahres" von Alartin Bube und andere religiöse Literatur, Den 90. Psalm verstandsie ihren Zuhörern zu einem echten Erlebnis zu machen, doch im übrigen hätte man sich ihre Kunst etwas abgetönter und sparsamer denken können. Julius P e i s s a ch o w i t s ch . der eben in diesen Tagen zum Obcrkantvr der Jüdischen Gemeinde ernannt worden ist, saug einige xvesentliche Stücke der Festtagsliturgie und vermochte die Zuhörerschaft auf Augenblicke zu einer „Gemeinde" zu xnachen, während selbst die Worte von Dr. Prinz in dem weiten Saal mitunter ohne Resonanz geblieben waren. K. J. R. .LHein-Wör Als letzte Theaterveraustaltnng der Sommermonate brachte die Schauspielbühne des Kulturbundes Rhein-Ruhr Aueruheimers graziöses Lustspiel „Die große Leidenschaft". Das auspnichslose Stück, das m seiner wienerischen Atmosphäre uns Ntenschen nahezubringen weiß, die ohne das scharmante Lokalkolorit uns vielleicht nicht so nahe kämen, fand durch die Künstler eine stil- und sinngemäße Wiedergabe. Man hatte den Ton besonders auf die Wirkung der Pointen gelegt, gegen die die zarte Dialogführung etwas in den Hintergrund treten mußte. Diese. Interpretation schien deshalb um so berechtigter, als sich das Publikum der Cchwankwirkung des Stückes nicht entzog. Willibald Fraenkel.- Fr von führte Regie und Schauspieler mit routinierter Hand. Seine Anweisungen verlebendigten in dankenswerter Weise die liebenswürdige Ruth R e i m e r , der man die kapaziöse Frau gern glaubte, und Ätaria Bing, die mit Geschick dem frischen Sportgirl ihr Können lieh. In Alfons H o s f xn a n n, der in vielem an Hermann Thinxig erinnerte, hatten sie den liebenS-' würdig gewandten Partner, der auch durch sein angeborenes Oesterreichertum dem Stück die wirkungsvollste Stütze war. Ernst R o s erfand sich bestens mit allen Verwicklungen seiner Situation, die zwischen Lebemann und Spießer schillert, ab. Das Ensemble wurde ergänzt durch Irma Lt e i nb e r g und Fred L ö h n c n. In einfallsreichen Bühnenbildern von Heinz^ C o n d e l! rollte das ümntere Spiel ergötzlich ab. „Eine Stunde -Kurzweil." Unsichtbares wurde sichtbar. Ter Mann vom Nukrophon . Fritz S o r nt, trat aufs Podium; ein liebensxvürdiger. srenndlicher. älterer Herr bot ' einem dar:kl«reu Publikum eine geschmackvolle Folge wertvoller Literaturexzerpte. unterbrochen von sorgsam auSgewählien Schallplattcu, in einer Stunde voller Gemütlichkeit und besomieuem Frohsinn. Die vielen, die Fritz Worin vom Alilrophon her kannten, dankten dem sympathischen Spender dieses Abends mit lang auhaltcudein Beifall. Mcrklenömg In Schwerin fand vor kurzem das erste Konzert des Kulturbundes deutscher Juden Bezirk Nteckleuburg-Lübeck (Leitung Wilhelm L e v y. Schwerin) statt. Tie Darbietungen des Berliner Opernchores unter seinem Leiter Sander fanden begeisterte Aufnahme. Tr. Kurt Singer, der Leiter des Kulturbundes deutscher Juden, Berlin, umriß Zwecke und Ziele des Kulturbundes und betonte, daß durch den Kxilturbund der Zusammenhalt der mecklenburgischen Juden noch mehr gefestigt werden möge. Künstlerisch war der Abend ein Erlebnis. Ma!nz In einer Feierstunde vor den hohen Feiertagen gab Rabbiner Dr. S. Levi eine feinsinnige Einführung in den Geist der Selichoth und der zum Dortrag gelangten Psalmen und Gesänge. Der bestens geschulte Kammerchor von Dr. E h r e n r e i ch (Frankfurt a. Nt.) trug Selichoth voy Nosolvsky,. Psalmen von Nossi und Thoragesänge für die hohen Festtage von Oderkantor Hugo Adler (Mannheim) vor. Den Orgelpart bestritt der erblindete Organist Joses Levi (Mannheim) in bewuuderswerter Weise. Oberkantor N. N a u m o tu - Fleischman it (Frankfurt a. M.) meisterte mit Kraft und Wohlklang den ihm zugedachten sokistischen Teil. Ntarkus Gerl ich trat solistisch in deuSelichothgesängcn hervor. Dr. Ernst Simon (Frankfurt a. M.) sprach über „Die Botschaft des Propheten Jeremias". Der Redner, ein ausgezeichneter Beherrscher des Wortes, vermittelte tiefe Einblicke in das Wirken Jeremias. m—1. SLkNstLöt Die jüdischen Vereine und Organisationen gründeten eine Bildungsgemeinschaft Darmstädter Juden (Geschäftsstelle: Bismarckstraße 15). Im Lause des Winters wird eine Reihe von Vorträgen musikalischer, literarischer und ivissenschastlicher Art veranstaltet.

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