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Central-Verein-Zeitung · 1934-09-14 · 37 (14.9.1934) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
37 (14.9.1934)
Date
1934-09-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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die Worte gefaßt: „Im Men Testament ist das Neue verborgen, im Neuen das Alte offenbar geworden/ Aus solchem Gesichtspunktheraus ist es verständlich, wenn man alt- und neutestamentliche Themen in sogenannten ,Huxla- Kompositionen" nebeneinanderstellt: den Sündensall neben die Erlösung von der Erbsünde durch Christus, die Opferung Isaaks neben das Kreuzopfer des Gottessohnes. So hat man auf Bronzetüren, etwa im Hildesheimer Tom, den einen Flügel mit alt-, den anderen mit neutestamentlichen Szenen geschmückt, oder, um noch ein Beispiel zu nennen, das dem Noinfahrer besonders vertraut ist: man hat an den Wänden der Sirtinischen Kapelle unterhalb der Decke Michelangelos auf der einen Längswand die Geschichte Moses, auf der anderen das Leben Christi gemalt. Zu keinem 85. Eeburisiag um 17. Eeviember Karl Wolfskehls 65. Geburtstag, der in diese Tage fällt, wird wohl nicht so gefeiert werden, wie cs unter anderen Umständen der Fall wäre und wie der Jubilar es verdient. Um so mehr ist es unsere Sache, ihn zu würdigen. Wolfskehl ist einer von uns. Er ist eS in seiner ganzen Biel, scitigleit und mit seiner ganzen Eindringlichkeit. Er ist seinen Weg als Deutscher und als Jude auf seine Weise gegangen, mit Bedacht und Inbrunst, mit Wissen und Willen, und wenn überhaupt in einem Reich des geistigen LebenS durch Leistung und Hingabe ein Heimatrecht zu erwerben ist, so bat es Wolfskehl in der deutschen Kultur und im deutschen Judentum erivorben. Bon Stefan Georges Anhängern und Gefährten ist er einer der frühesten und treuesten. Das ist um so höher zu schätzen, als Wolfskehl nie ein blinder Gefolgsmann war. (Vielleicht darf mau hier darauf Hinweisen, wie bedeutend die Rolle gerade der Juden und Halbjuden im George-KreiS war; die Gundolf, Hofmaimsthal, Simmel, Wolfslehl waren gewiß nicht die kleinsten Geister in diesem Bezirk.) Ter „Sache" diente Wolfskehl besonders gut, indem er sich weniger exklusiv gab als die anderen Gefährten Georges. Wolfskehl ist Publizist, nicht „nur" Dichter. Er hat viele Aufsätze in Zeitungen und Zeitschriften geschrieben. Erbat sich nicht auf ein Gebiet, sondern gewissermaßen aus das ganze geistige Leben spezialisiert. Er hat dazu noch Muße, Sinn und schöpferischen Ueberschuß gefunden, sich in fremde Gestaltungen einzuleben; seine Uebertragungen, besonders de Costers, sind eigene Meisterwerke. Wolfskehls Wesen und Schaffen sind selten gewürdigt worden, und seine Dichtungen kamen meist zu kurz dabei. Man suchte ihn selbst nicht mehr genug, weil schon das. was er von anderen und für andere vermittelt hatte, reichlich viel und reichlich schön für einen Menschen erscheinen mußte. Dazu kommt, daß Wolfskehls Dichtungen nicht leicht zugänglich sind. ' Er ist kein naiver Dichter, ' sondcrn höchst bewußt, ja, gelehrt. Vielleicht lebt kein deutscher Autor, der einen ähnlich großen Wortschatz hat wie er und der deutschen Sprache fomächtig ist. Aber gerade weil es so ist. drängt es ihn von den Oberflächen des Lprachlebens hinweg in die Zwischenreiche des Bewußtseins, in die Unterwelt der Begriffe. Borstellungen und Wahrnehmungen. ~ Auf diese Weise erhält vle äAestaMnkliche Darstellung freilich eine nur noch dienende Rolle. Aber war nicht auch die neutestamentliche nur im dienenden Sinne gemeint? Diese ganze christliche Kunst des Mittelalters war doch niemals Selbstzweck, niemals nur aus ästhetischer Lust geboren, sondern sie stand in Unterordnung unter der Kirche, unter dem Glauben. Ihr Zweck war didaktisch; denen, die nicht lesen konnten, sollte sie in einer Art Bildersprache die neue Lehre vermitteln. Wie das Christentum als solches das - irdische Dasein nur als Vorbereitungsstadium für ein besseres Jenseits ansah, so sollte auch die Kunst den Beschauer nicht am Irdischen festhalten, sondern ihn von der Erde loslösen: dem Himmel zu. (Weitere Aufsätze folgen.) Tie beiden großen Ströme des Judentums, Rationalismus und Mystizismus, speisen ihn zugleich, der Zwiespalt des Judentums, der Widerstreit der beiden Ströme, geht dnrch ihn hindurch.. Fast alle Gedichte Wolfskehls, zumal die dramatischen, sagt Gundolf, schwingen „von einem unterirdischen Dröhnen. Raunen, Summen, Murren oder einem arielischen Schwirren, Wimmern, flattern, das rings um die eigentlichen Menschengrenzen bald den eleinentarischen Lauten, bald einem übergeistigen. nur den Menschen vernehmlichen, aber nicht deutbaren Sinn entgegenlöst. . . Wolfskehl belädt feine Rhythmik mit solcher Wucht selbständiger Bcdeutnngsiuhalte, daß man bei ihnen verweilen, sie herausholen möchte, bevor sie fortgestrudelt werden. Bloßen Stiinmungslesern kommt er daher leicht verquollen vor, weil ihnen die Worte seiner Töne widerstehen. Sinnleser begreifen schwer, warum ihnen seine Weisheiten oder Fragen vorüberklingen, -rollen oder -tanzen müssen. Beide verkennen, wie sehr gerade Wolfskehls Dichtertum, sofern es Sinn ist, der ungestümen oder gelassenen Wallung entstammt, die i n seinen Tönen Stimme wird." Ter seltsamen Eeistesspur, die Gundolf hier entdeckt hat, ist er leider nicht weiter gefolgt. Er Hütte sonst vielleicht finden können, daß dieses merkwürdige Richtganzaufgehen im Wort, dieser Kontrast zwischen Ton und Sinn. Wort und Unterton, Vers und EedanlenrhythmuS nicht bloß für Wolfskehl, sondern für viele jüdische Gestaltungen bezeichnend ist. Bon Wolfskehls Dichtungen sind zwei Kreise besonders hervorzuheben, ein germanischer und ein jüdischer. Sein Mysterium „Sanctus", seine Zyklen ' „Fimbul Winter" und „Ur-Ldin" suchen aber nicht das Historische des Germanentums zu rekonstruieren, sondern mit den Sprachmitteln der mittel- ' hochdeutschen, altgcrmanischen, nordischen Märe, Sage und Legende den seelischen Urgrund dichterisch nachzuleben: Mythos um der Erkenntnis, Vergangenheit um der Ewigkeit willen. Bon den literarischen Tributen, die Wolfskehl dem Judentum, der anderen Macht in seinem Wesen, gezollt hat, ist die Tragödie „Saul" wohl die wichtigste. Ihre Monumentalverse vom „Kampf des großmütigen Herzens, das seines Menschtums, Heldentums, Königtums hienieden sich wehrt wider den Träger der Gottesgnade", bilden ein einzigartiges Gegenstück zu Beer-Hosmauus David. . Hier hat Wolfskehl sein Judentum bekannt, durchgekämpft, durchlitten und geläutert, wie er vordem in seinen germanischen Versen sein Deutschtum, in seinem „Orpheus" sein Hellas, in seinem „Schiwä* sein (selbst durchreistes) Indien lmd Irt kleineren Gedichten seine Umwelt und Zeit erkannt, für sich geklärt und sich dazu bekannt hat. indem er die Erscheinungsformen durchsichtig machte und den Sinn auf die Höhe des Allmenschlichen und der reinen Kirnst hob. Nicht alle seine Verse sind voll- „kommen, einige oder sind es auf die schönste Weise, alle aber sind höchst eigen, tief, voll menschheitlicher Verantwortung und solcherart die große Suche ' nach einem Weg zu Gott. — ch. in GM Vorige Woche tagte der 8. Internationale Philosophen-Kongreß in Prag. Schon der äußere Eindruck war ungewöhnlich. Nahezu siebenhundert Gelehrte uahinen teil. Die Regierung förderte den Kongreß sichtlich, der Arrßcnininister eröffnete, der Unterrichtsmiuister schloß ihn. Die Arbeit, die geleistet wurde, ist erstaunlich. Hundertundzwanzig Referate waren angcmeldet. und wenn man nur die wichtigen Tiskussiousreden mitrechncl, wurden weit mehr als fünfhundert Vorträge gehalten. Acht Fachgruppen teilten sich in die Bewältigung der gestellten Themata: die Bedeutung der logischen Analyse für die Erkenntnis: Mcthodenproblcine der Raturuud Geisteswisfenschastcn; die Beziehungen zwischen Religion und Philosophie; die Sendung der Philosophie in der Gegenwart; die Krise der Demokratie; psychologische, ästhetische Probleme u. a. Soweit man sich jetzt schon ein Bild machen kann, scheint die Debatte über die Rolle der neuen Naturwissenschaft im System der philosophischen Wissenschaftslehre eine der wesentlichsten gewesen zu sein. Die Erkenntnisse der neuen Physik besonders seit Einstein erfordern nach der Meinung der Naturwissenschaftler eine Umgestaltung der philosophischen Raum- und Zeitlehre, des Kanfplitäts- und Wahrhcitsbegriffes. Hier war es,vor allem der deutsche Philosoph Hans Driesch, der die Philosophie gurwi gegen den Einbruch der Natnrnüssenschasten verteidigte. - Ueber die Sendung der Philosophie in der Gegenwart sprach zuerst der Außenminister Dr. Benesch, der dann auch zum Haupt- und Sensations-Thcrna der Tagung, zur „Krise der Demokratie" das Wort ergriff; an dieser Diskussion nahmen die deutschen Delegierten nicht teil. Tr. Benesch machte den Gelehrten zunächst das platonische Kompliment, das; die Führung - im Staat und Leben der Philosophie zukomme. Tann führte er aus, es handle sich um eine Krise der Demokraten, nicht der Demokratie. Die Franzosen Guy-Grand und Barthölemy konstatierten uns eine Krise des Parlamentarismus, der Amerikaner Moutague nur Kinderkrankheiten der Demokratie, deren „Sendung" Professor Basch (Paris) proklamierte. Tie Italiener Tel Vecchio und Bodrero erklärten die Demokratie für „erledigt", Orestomo lehnte sie wenigstens für Italien -ab, und Rodano definierte den Faschismus als „qualitative Demokratie". Am heftigsten diskutiert wurde, zumal man darin „die offizielle deutsche Philosophie" vermutete, ein Vortrag von Professor Hellpach über „Volk als Natnrtatsache, geistige Gestalt und Willensschöpfung", mit der Forderung, das „Volk" müsse der Grundbegriff aller Soziologie sein. — Auf Vorschlag von Montague (New-Zork) wurde folgende Entschließung gefaßt: „Es wird beschlossen, daß die Philosophen, die zweitenmal nach oben, ergriff das Mädchen und trug auch sie in das Boot. Kräftig fiel das Ruder nieder, und der Kahn trieb ins Freie. Das alles mar schnell geschehen, und der Alte und seine Tochter hatten sich willenlos ergeben. „Wohin soll ich euch bringen?" Ter Greis antwortete nicht, beugte sich in väterlicher Liebe und Angst über sem Kind, das ohnmächtig im Boote lag. „Wohin wollt ihr?" — „Zu meinem Schwager nach Calcar." — „Ueber den Rhein. Ent, ich fürchte mich nicht." Ans der Straße jagte das Boot in den Rhein. Ein Schiss ans dem weiten Meere. Sterne blinzelten, der Mond strahlte hell im Logen. Jan ruderte tapfer, er kannte den Fluß genau und wußte die beste Uebersahrtsstelle. Ter Greis lallte unverständliche Worte — wohl aus einem hebräischen Gebet. Langsam und sicher ließ Jan das Boot gleiten, als habe er einen König mit seinem Schatz über den Rhein zu tragen. Wo die Hügel ans dem rechten Ufer sich erhoben, landete er. Sprang aus dem Boote, lief nach dem nahen Bauerngehöft und weckte die Schläfer: „Herr, leiht mir einen Wagen nnd ein Pferd." — „Was störst du uns um Mitternacht!" — „Ich will zwei Menschen retten." — „Wer ist es?" — „Was geht's dich an," Jan lief in den Stall, zog das Pferd heraus, schirrte es. spannte es vor den Wagen und eilte nach-dem Boot. Vorsichtig und zart lud er das Mädchen ans. der Greis folgte schnell — dann hieb er ans das Pferd ein nnd der Wagen rollte rasselnd auf der Landstraße. Eine tolle Jagd durchrannte die Nacht. Immer ferner erklang das Rauschen des Wassers, die Häuser und Bäume wurden größer, der Weg härter. Tie Nacht hatte sich klar geformt, der Mond schien in reiner Güte und Selbstlosigkeit. Starr und furchtlos überschaute Jan die Straße und wich geschickt dunklen Gestalten aus. Durchs Hanselaer Tor trabte er in rasender Eile, spät nach Mitternacht. daß die schlafenden Bürger angsterfüllt an die Fenster sprangen. Ruths Ohm wohnte in der Hanselaer Straße. Dorthin fuhr er, übergab Ruth und ihren Vater sicherer Obhut und trabte langsam mit seinem Gefährt zurück. Schon erhob sich im fernen Osten das Frührot. Weiße Wolken begannen zu wandern. Ein neues Lied stimmte der Tag an. Reine Töne der Versöhnung, allmächtigen Friedens, ewiger Menschenliebe, um das Wunderwerk der großen Schöpfung zu preisen,' und flüsterte der Aethcr nicht, daß der grausame Kampf der Menschen mit dem Wasser nur Schein nnd Traum sei? Jan fetzte sich in das Boot und träumte von einem wundersamen Glück. In einem weißen Mantel durchwanderte er Dörfer, die Bauern, Händler und Handwerker jubelten ihm. und an seinem Arm schritt, wie ein Mädchen aus dem Morgenland . . . Ruth. Er umfaßte ihre Gestalt und schlief mit der schönen Phantasie eines neu-' erwachten Lebens ein. l^^rtsetzung folgt.) VortM im Mng Kulturbund Tie Persönlichkeit Benjamin Disraelis, des späteren Lord Beaconsfield, ist uns vor einigen. Jahren durch das ungemein lebendig, weil völlig unakademisch geschriebene Buch von Andre Maurois besonders nahe gebracht worden. In einem die Hörer von Anfang bis zum Schluß fesselnden Vortrage unternahm es Tr. Arthur Eloesser im Berliner Kuturbund, das Andenken des-ebenso merkwürdigen wie erfolgreichen Staatsmannes zu erneuern, der ganz Engländer, aber auch — trotz seiner Taufe — ganz Jude war und der, vielbewundert und mannigfach gescholten, in England noch heute als eine Art Nationalheld sortlebt. Ter Vortragende ging auf die Ursprünge der .'Disraelis zurück, die zuerst in Spanien ansässig waren, dann, zur Zeit der Inquisition, nach Venedig flüchteten und um die Mitte des 18. Jahrhunderts von Italien nach England auswanderten. Hier entfaltete Benjamins Vater Jsaac eine stille Sammler- und Literatentätigkeit, die sich bei dem rrnglcich ehrgeizigeren Sohne, in die Weite und auch in die Tiefe ausdehnte und nicht bloß die Form menschlich-dichterischer Bekenntnisse annahm. sondern auch seinem politischen Wirken einen weithin sichtbaren Ausdruck verleihen sollte. Tie inspiratorischc Kraft, die in dem dichterischen und politischen Wirken Disraelis nach Entfaltung drängte, stammt, wie der Redner besonders her-- vorhob. aus der Tatsache, daß Tisraeli Jude war, und zwar Jude, -der als Haupt der konservativen Partei Englands seine jüdische Abstammung niemals verleugnete und der sich trotzdem unbedenklich zur anglikanischen Kirche rechnen konnte, weil er im Christentum stets eine Fortentwicklung des Judentums erbl'stt hat. Diese Erkenntnis war für Tisraeli nicht bloß ein lebendiger Ouell des Denkens, das bei dein Bibelgläubigen stets mit einer betonten Skepsis gegen alle wissenschaftliches Neuerungen verbunden rvar. sondern auch der politischen Tatkrast. . Wie Tisraeli viele Jahre als eine mysteriöse Persönlichkeit, um: die das Besondere seiner Abstammung einen.: geheimnisvollen Schleier zu breiten schien, die Phantasie der Engländer beherrschte, so hat er auch das unbegrenzte Vertrauen seines Volkes gesunden, und mit Recht konnte der Redner am Ende seiner Ausführungen betonen, daß dies. Vertrauen sowohl für den bedeutenden Staatsmann spreche wie für das englische Volk, vor allem aber für den Juden Tisraeli. H. L. Jacques Ofsenbach. dem Spötter voll Geist und Esprit, galt ein Vortrag von Dr. Anneliese Laubau im Kulturbund. Ter übervolle Saal erwies die Anziehungskraft von Thema und Vortragender. Nicht zeder'wird es wagen dürfen, einem Laicnpnblikum einen fast zweistündigen Vortrag über Musik zu kürten, der nur gelegentlich dnrch Gesang unterbrochen wird. Es erscheint mir als eine wesentliche.Aufgabe der jüdischen Kultnroereinigungen, gerade heute Namen und Werk Offenbachs dem künstlerischen Weltbild zu erhallen; nicht etwa weil er ^„jüdische" Musik schrieb oder hätte schreibcn wollen, sondern weil er ans seinem Gebzet Zeugnis ablegt von der so oft bestrittenen urschöpserischen unmittelbaren Erfindungskraft des Juden. Wir sind nicht so einsichtslos, unseren Anteil überzubewerten; aber cS wäre cm Verlust, wenn die vielen Ouvertüren, VRüzcr. Kuplets nicht mehr erklingen sollten, von denen sich manche unsterbliche Melodie auch in die Herzen der Deutschen gesungen hat. Arn Abend von Anneliese Landau suchten die bekannten Operettensünger Frida Wcbor - FIeßburg und Max Kuttner durch starkes Unter¬ JOM KIPPUR / Von teo Birgst Kol Nidr« Unter dem herbstlichen Bogen ' - gehn unsre Tage schon leise zur Neige, '!>■ unter dem herbstlichen Bogen beugen sich srüchtebeladcn die Zweige.; Unter dem herbstlichen Bogen zittert das Wild und verhasst eine Weile unter dem herbstlichen Bogen zittert die Sehne vom schnellenden Pfeile. Unter dem herbstlichen Bogen zitternd und betend die Stirnen wir neigen, Unter den: herbstlichen Bogen werden wir'Saiten auf Gottes Geigen. Auf dem Weg zum Frühgebet?Der Morgen ist schon nebelkühl. Die Füße rascheln dilrch Blattgewühl. '• In jeder Stunde todeSmatt tz. von jedem Baume fällt ein Blatt. Tie Blätter leuchten gelb und rot am Baum und sind am Boden tot. Tie Sonne kommt mit zartem Wind > und wärmt und leuchtet frühlingslind — So leucht' auch du uns, Gott, in unsrer Rot. Au der Neige des Tages Und von der letzten Rose pflückt nun der Herbstwind Blatt um Blatt. Allein die Herbstzeitlose erblüht noch matt. Wie ist der Wald verschwiegen — im Laub verstummt der letzte Ton. Tie ersten Schwalben fliegen gen Süden schon. Unsre Gebete ziehen wie junge Schwalben zag empor und flattern, flehen, fliehen zu Gottes Ohr. Neila. Auf dem herbstlichen Bogen kommen die Abendrot-Engel wieder, steuern durch brennende Wolken-Wogen unsere seufzenden, schluchzenden Lieder, unsere Reue zum Himmel empor, Gottes Vergebung zur Erde hernieder. »MHU'.,».!'.SiBSgfSBffiBSfTi V*i" V.V.'■■■'"" .'V'.»'- '!—flCUiaJM» sich aus vielen Ländern der Welt zu ihrem 8. Internationalen Kongreß zusammengefund« haben, den Glauben ihrer großen Vorgänger an die Freiheit des Geistes und der Erkenntnis und an das Recht aller Menschen, ihre Meinung frei auszusprechen, feierlich wieder bestätigen und daß sie aufrichtig beschließen wollen, ihm die Treue zu halten." Für den nächsten internationalen Kongreß hat man den berühmten französisch-jüdischen Philosophen Henri Bergson zum Ehrenpräsidenten gewählt. streichen des mimischen und gesanglichen Ausdrucks den einzelnen Auftritten einen dramatischen Sinn auch auf dem Konzcrtpodium zu geben. L. A. §!s neue EvirWt des KullMbundts Es ist dem Kulturbund deutscher Inden gelungen. Stefan Zweigs „I e r e m i n s" zur Entaufführung zu erwerben. Die Premiere findet Anfang Oktober statt. Ter Kulturbund wird damit zum erstenmal vor die Ausgabe gestellt, große Massenszenen zu bringen. Im November wird Beethovens „F i d e t i o" zur Aufführung gelangen. Später gehen Caldcrons Komödie „Dame C o b o l d" in der Bearbeitung von Hofmannsthal in Szene. Es folgen „T r e v eF k a u f t e Braut" von Smetana und Shakespeares „Romeo und Juli a". Im März bringt der Kulturbund als Uraufführung in Deutschland die Oper „R a b u c c o" (Rebukaduezar) von Verdi. Für den Beginn des Sommers plant inan eine Operette von Johann Strauß oder Offenbach nnd ein heiteres Gesellschaft-:' stück. Orchester l v n z c r t e, Kammerninsikveranstaltnngen und Vorträge werden in alivcchselndec Folge gebracht. -Der Opernchor bereitet ein neues Programm vor. Zum Abschluß der Konzertsaisvn ist die Aufführung derb. Sinfonie von Beethoven und eine Ehor-Orchester-Beranstaltnng zuni 250. Geburtstag von B a ch und Hände! geplant. Das Vortragswesen wird in enger Zusammenarbeit ni i t dem jüdischen Lohrhaus ausgelernt. Tie K l c i n k n n st abcndc werden im Lause des Winters durch Engagements lasier Vortragskünstler rmter Einbeziehung des Balletts weiter ausgebaut. Der Plan, auch Filmvorführungen in das Arbeitsgebiet des Kulturbundes einzuglicdcrn. steht vor dem Abschluß. Der Kulturbund deutscher Juden, Bezirk Rhein—Main, Frankfurt a. M.. gÄ in einem Werbeprospekt u. a. einen Ueberbllck über ^5 Wrnter progr amm 1934/05. Außer den feaj* flrofjcn Orck)csterkonzerten mit Solisten ersten Ranges. werden fünf Karmnermnstkabende^vorbcreitet, in denen auch das neugeschisfcne Streich quartett des Kulturbundes minvirkt. Gastspiele des Berliner und des Kölner Kulturbundes sind vorgesehen. Mit Frankfurter Kräften kommt Stefan Ziveigs „Jeremias" zur Ausführung. J»n Noveinber findet eine Ausstellung für bildende und anaewandte Kunst statt. Für die Ausbildung junger Aleiychen werden in allen Kunstziveigen Studios cingcrichter.

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