Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 36 (6.9.1934)
- Date
- 1934-09-06
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2277379-2278044-2278080--08817-2289874- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
MMMlllg In Frankfurt am Main hat am Sonntag eine „Wissenschaftliche Woche" begonnen, zu der auch fünfzig Gäste aus dem Ausland erschienen sind. Diese Tatsache wurde in der feierlichen Erössnungssihung von allen Rednern begrüßt und mit hoffnungsvollen Kommentaren begleitet. Man will, so wurde gesagt, Brücken schlagen von Land zu Land und den Hemmungen des wissenschaftlichen Austausches entgegenwirken. Die treibende Kraft des bemerkenswerten Versuchs, wenigstens auf einem Teilgebiet an die Tradition internationaler Zusammenarbeit wiederanzuknüpfen. ist Geheimrat Professor K o l l e, der als Leiter des Georg- Speyer-Hauses der Nachfolger Paul Ehrlichs ist, dessen Namen mit besonderer Ehrfurcht genannt wurde. Tie Arbeit des Kongresses gilt dem Gebiet der Chemotherapie und der biologischen Forschung, das mit besonderem Erfolg gerade in Frankfurt beackert wurde, wo nach einem Worte Othmar Spanns („Ter wahre Staat") „um die Jahrhundertwende das Zusammenwirken einer Hand voll reicher Leute (Merton, Hallgarten und anderer) genügte, ein erstaunlich reges, ganz Teutschland berührendes sozialpolitisches und wissenschaftliches Leben zu schaffen". In der Tat, was hier in den Jahren vor dem Krieg von Kaufleuten und Fabrikanten für allgemeine Zwecke gespendet wurde, hat die reichsten Früchte getragen, und auch die jetzige Generation kann froh darüber sein, was damals diese Merton. Hallgarten, Weinberg, Gans, Speyer an gemeinnütziger Tat geleistet haben. Tas Georg-Speyer- Haus, die Forschnngsstätte, der es die Welt verdankt, wenn die Syphilis, gestern noch ein Fluch für Kinder und Kindeskinder, heute ausstirbt, ist eine Stiftung der Familie Speyer, deren Bankfirma vor einigen Monaten endgültig liquidierte. Frankfurt am Main, der Stammsitz der Rothschilds, das seinen Weltruf einst seinen internationalen Handels- und Börsenbeziehungen verdankte, hat rechtzeitig Ersatz für den schwindenden Glanz in der Entwicklung einer Industrie gefunden, die ihren Erfolg der Verbindung von Geistesarbeit mit technischer Leistung verdankte. Auch hier wurde nur nach der Leistung gefragt. Turch den Krieg und seine Folgen sind altererbte Besitztümer, wertvolle Traditionen, weltweite Verbindungen zerstört worden. Besonders getroffen wurde der jüdische Besitz, und zwar wie festgestellt werden muß. nicht erst in der letzten Zeit. Immerhin hat jüngst der Stadtkämmerer Tr. Lehmann erklärt, daß. die durch die Belebung der Wirtschaft vorhandene Tendenz zur Steigerung der Steuereinnahmen in Frankfurt gehemmt sei durch den auch jetzt noch anhaltenden Schrumpfungsprozeß an jüdischen Firmen, von denen monatlich eine ganze Reihe liquidieren, und durch die Abwanderung jüdischer Einzelpersönlichkeiten. Diese Feststellnng wurde im Ansland dahin mißverstanden, daß sich die Finanzlage der Stadt absolut verschlechtert habe. Tas war, wie der Oberbürgermeister erklären lässt, nicht der Fall, vielmehr steht Frankfurt trotz der jüdischen Abwanderung weit besser da. als vor zwei Jahren, da die Bemühungen der Stadtverwaltung zu einer Hcrabdrückung des Defizits von 12 auf st Millionen geführt haben. Sie werden sich ohne Zweifel im Rahmen der kommunalen Zuständigkeit weiter auswirken. Ihr endgültiger Erfolg wird aber wesentlich davon abhängen, ob der Brückenschlag gelingt, von dem bei der Eröffnung der „Wissenschaftlichen Woche" gesprochen wurde. Und das ist wieder eng verknüpft dw braune Scholle und zersprang. Ticke Wolkenmassen kamen von Westen geflogen, die letzte -Heiterkeit des Sommers war vertont, die Sonne schied grollend, und graue Schwere überspannte die Erde. (Fortsetzung folgt.) Boclrögc!m Berliner Kullurdund Bor einem überfüllten Auditorium tin dem leider für die Presse keine Plätze reserviert waren) sprach Edith Herrnst adt- Ö e ttingen „Besinnliches und Heiteres aus jüdischer Welt". Tie jüdische Welt war im lvcfentlidjcn eine ostjüdische; es dominierten in ihr die drei markanten Erzähler I. L. Perez, Schalom Asch und rrcholem Alechem. Perez kam mit einer seiner wundervollen jüdischen Geschichten, „Bonze Schweig". zu Wort, die sich wie eine ins Orientalische gewendete Legende von Gottfried Keller anhört: Schalvm Asch steuerte seine Erzählung „Ter Zaddik vom Torf" bei. ein knappes, episches Stück Naturbeseelung durch Gott, eine Heiligung des Profanen, deren tieferer religiöser Sinn sich zwischen manchem genrcbildlichen Detail erst am Schluß enthüllt; und 'Scholem Alechem gab den heiteren Grundton an nstt einer amüsanten, leider pointenlosen kleinen Novelle „Tie Durchsuchung". Aus dem übrigen ernsten Teil des Programm? hoben sich einige nachdenkliche Berte von Hilde Marx und Fritz Engel sowie die Erzählung „Mein stärkstes jüdisches Erlebnis" von Eilly Neuhaus heraus; bemerkenswert, wie die begabte Erzählerin dem Konflikt zwischen persönlichem Schicksal und Verpflichtung gegenüber dem Judentum und seinen Gebräuchen einen menschlich überzeugenden. novellistisch anschaulichen und in der lehrhaften Tendenz keineswegs aufdringlichen Ausdruck zu geben vermag. Für besinnliche Heiterkeit^ sorgte weiterhin der witzige und einfallsreiche. Lannny Gronemann mit einer Humoreske „Ter himmlische Lohn". Edith Herrnstadt-Oettingeu erwies sich auch au diesem Abend wieder als eine Sprecherin von starkem künstlerischen Format. Ihre Vortragsweise wurzelt im Bereich einer natürlichen Klarheit. an der es nichts zu betiteln, nichts zu verdunkeln und nichts zu überspitzen gibt; mit einer ßftf «tf AHMögischerl Faktoren ve§ Der« trauen? und des Verstehens, die darüber entscheiden, ob Worte guten Willens herüber und hinüber wirken oder zwischen den Ufern :m Winde verwehen. ei. Zehn FordemnsM zur SattmM Der Reichsausschuß für Volksgesundheitsdienst hat als neustes Heft einer Serie eine Schrift „Zehn Gebote für die Gattenwahl" herausgegeben, die von Dr. Heinsius (Berlin) in Zusammenarbeit mit dem Reichsministerium des Innern, dem Reichsgesundheitsamt, dem Reichsausschuß für Dolksgesundheitsdienst und dem Rassenpolitischen Amt der NSDAP aufgestellt sind. Diese zehn Forderungen lauten: Gedenke, daß du ein Deutscher bist — Du sollst, wenn du erbgesund brst, nicht ehelos bleiben — Halte deinen Körper rein! — Du sollst Geist und Seele rein erhalten — Wähle als Deutscher nur einen Gatten gleichen oder nordischen Blutes — Bei der Wahl deines Gatten frage nach seinen Vor-, fahren — Gesundheit ist Voraussetzung auch für äußere Schönheit — Heirate nur aus Liebe — Suche dir keinen Gespielen, sondern einen Gefährten für die Ehe — Der Sinn der Ehe liegt in gesunder Nachkommenschaft'. Diese Forderungen sind im einzelnen ausführlich begründet. In der Begründung des Satzes: Wähle als Deutscher nur einen Gatten des gleichen oder nordischen Blutes heißt es unter anderem: „Wo Anlage paßt, herrscht Gleichklang. Wo ungleiche Nassen sich mischen, gibt es einen Mißklang. Mischung nicht zu einander passender Nassen (Bastardierung) führt im Leben der Menschen und Völker häufig zu Entartung und Untergang; um so schneller, je weniger die Rasseneigenschaft'en zueinander passen. Hüte dich vorm Niedergang, halte dich von Fremdstämmigen außereuropäischer Nassenherkunft fern! . . . Wer sein Blut mit Fremdstämmigen außereuropäischer Nassenherkunft mischt, arbeitet der Ausartung seines Volkes entgegen." Ein arisches ReuiWbst Die „Deutsche Glaubensbewcgung". hat em arisches Neungebot versaßt; es ist, wie die „Christliche Welt" mitteilt, in den von Professor Hauer herausgegebcnen „Grundlinien einer deutschen Glaubensunterweisimg" zu lesen: „I.EHrc die Gottheit (den Weltgrund). 2. Chre die Ahnen und Enkel. 3. Ehre die Großen deines Volkes. 4. Ehre die Eltern, 5. Halte dich rein. (Schände nicht.) 6. Sei treu deinem Volke. 7. Stiehl nicht. 8. Sei wahrhaftig. st. Sei hilfreich dem Edlen." Reform öes AeMralreÄis Tas preußische Staatsministerium hat ein „Gesetz zur Aeuderung des Tienststrasrechts" vom 18. August 1934 «Pr.'Ges. S. S. 353) beschlossen. Dieses Gesetz beendigt die Amtszeit aller bisherigen Mitglieder der Dienststrasgerichte krast Gesetzes und überträgt die Ernennung der neuen Richter, die bisher dem Staatsministerium zustand, den: preußischeu Ministerpräsidenten. Die Geschäfte des Dienst, strafhofs gehen auf das preußische Oberverwaltungsgericht über. Gegen einen Ruhegehaltsempfänger kann wegen solcher Handlungen, die er vor dem Eintritt in den Ruhestand begangen hat, ein Dienststrafverfahren eingelcitet oder fortgesetzt werden. In diesem Falle kann, wenn nicht wegen Schuldlosigkeit oder mangelnden Beweises Freispruch erfolgt, auf Einstellung des Verfahrens oder Verlust des Ruhegehalts erkannt werden. Auf Einstellung ist auch zu erkennen, wenn seit dem Eintritt in den Ruhestand mehr als fünf Jahre verstrichen sind: bei Berechnung dieser Frist zählt die Zeit, in der das Dienststrafverfahren tiach 'gesetzlicher Vorschrift mchi emgeleriel rSet tnchk fortaeführt werden kann, nicht mit. Ter zu Ruhegehaltsverlust Verurteilte verliert auch den Anspruch auf Hinterbliebenenversorgung und die Befugnis, seine frühere Amtsbezeichnung und seine Titel zu führen und frühere Dienstkleidung und Dienstabzeichen zu tragen._ AMtlörosliÄt für ErSwuMraMer Der Präsident der Reichskammer der bildenden Künste hat mit Wirkung vom 24. August eine amtliche Bekanntmachung über den Schutz des Berufes und über die Berussausübung der Gebrauchsgraph ik er erlassen. (Gebranchsgraphiker sind nicht zu verwechseln mit Gebrauchswerbern, die, wie in Nr. 31 der „E.-V.-Zcitung" vom 2. August mitgeteilt wurde, durch die Reichsfachschaft deutscher Werbefachleute e. V. gleichfalls in die Reichskanuner der bildenden Künste eingegliedert sind.) Voraussetzung für die Berufsausübung ist die Eingliederung in die Reichskammer der bildenden Künste durch den Verband deutscher Eebrauchsgraphiker e. V. (als Fachverband für Gebranchskimst). Mitglied des Bundes deutscher Gebrauchsgraphiker e. V. kann nur werden, wer bei der Erzeugung und Erhaltung von Kulturgut mitwirkt und die für die Ausübung der Tätigkeit erforderliche Zuverlässigkeit und Eignung besitzt. Als Kulturgut gilt jede Leistung und Schöpfung der Gebrauchskunst. wenn sie der -Oeffentlichkeit übermittelt wird. Als Leistung oder Schöpfung der Gebrauchskunst ist jede entwerfende oder sonstige gestaltende, künstlerisch anordnende, betreuende und leitende Tätigkeit auf dem Gebiete der angewandten Graphik. Malerei und Werbegestaltnng anzusehen, die cigenschöpserische Gestaltungskraft des Gebrauchsgraphikers zeigt und nicht lediglich die Anwendung erlernter, rein technischer Kenntnisse ist. Die Mitglieder des Bundes deutscher Gebrauchsgraphiker führen die Berufsbezeichnung „Gebrauchsgraphiker" mit dem Zusatz „Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste". —th—. Reue Bedingungen für öte Erteilung MtLLlSN ÄÄÖ5 Der Präsident der Reichsmusikkammer hat unterm 27. August eine Anordnung über die Unterrichtsbedingungen für den Privatunterricht in der Musik erlassen. Unterrichtsvertrüge zwischen den der „Reichsmusikerschaft" innerhalb der Reichsmusikerkammer angehörigen Musikerziehern und Privatmusikschülern bzw. deren gesetzlichen Vertretern dürfen mit Wirkung vom i. Oktober nur unter Zugrundelegung eines Vertragsformulars abgeschlossen werden. In der Bekanntmachung sind die Einzelheiten der Unterrichtsbedingungen näher angegeben. Das Mindesthonorar für die Erteilung von Privatunterricht in der Musik darf bei einer wöchentlichen Unterrichtsstunde nicht weniger als 8 RM monatlich betragen. Verboten ist das öffentliche Bekanntgeben von Honorarsätzen in Zeitungen und Zeitschriften, aus Plakaten, die Ausgabe anonymer oder nur mit Telephonangabe versehener oder marktschreierischer Anzeigen sowie das öffentliche Anbieten von kostenlosem Unterricht in jedweder Form. Die Nichtbeachtung dieser Anordnung kann als Mangel an Zuverlässigkeit im Sinne des § 10 der 1. Durchführungsverordnung zum Neichskulturkammergesctz vom 1. November 1933 angesehen werden und zum Ausschluß aus der Reichskulturkammer führen. Der Ausgeschlossene verliert das Recht zur weiteren Berussausübnng. Der „Völkische Beobachter" bemerkt zu dieser Neuregelung in einem Artikel..Privatunterricht in der Musik" in Nr. 243 vom 31. August u. a. folgendes: „Indem die Reichsmusikkammer an ihre ÄUtglieder zur Einhaltung dieser Unterrichts- Ktadtbdf.LSrle o.Lharwa.,Sllmersdorjer Etr.SZ. am SurftirK bedingungen verpflichtet, Nichtmitglieder nbe* Privatmustkunterricht überhaupt nicht erteilen dürfen, ist ein wirksamer Berussschuh von grund« legender Bedeutung nunmehr gegeben." Auslandsnachrichten Wie wir seinerzeit berichteten, hatten der %xänt dent des Israelitischen Gemeindebundes der Schweiz und der Präsident des Schweizer Zionistenverbandes eine Strafklage gegen den Redakteur der nicht mehr erscheinenden antisemitischen Zeitschrift „Ter eiserne Besten". Dr. A. Zander, in Basel, angestrengt, weil dieser in einem Artikel behauptet hatte, die „Proto. kolle der Weisen von Zion" seien echt. Ein Vergleich, wonach der 'Angeklagte anerkennen sellte. daß er die Echtheit der Protokolle nicht beweisen tönnte. ist nicht znstandegckommen, da Zander die Zustimmung verweigerte. Nunmehr muß das Gericht in die Prüfung des Prozeßgegenstandes eintreten. Es ist dies das erste Mal, daß ein Gericht zu entscheiden hat, ob die „Protokolle der Wellen von Zion" eine Fälschung sind oder nicht. Bisher ist es bekanntlich aus formaljuristischen Gründen zu einem Gerichtsurteil über die Frage nicht gekommen. Auf Ersuchen des Basler Strafgerichts hat der Theologieprosessor der Zürcher Universität Ludwig Köhler als Zeuge und Sachverständiger dem Richter in Zürich über die „Protokolle" ausgesagt und sie als „eiufälnge. aber auch rös. willige Fälschungen" bezeichnet. Wir werden über den weiteren Verlaus des Prozesses berichten, v Der Stadtrat von La Marsa in Tunis hat ans Antrag des mohammedanischen Stadtverordneten Saouchc beschlossen, dem Hilfsfonds für die Opfer der jndenfcindlichen Ausschreitungen in Ccwstantine einett Beitrag non 500 Francs zu widmen. Ferner hat der Polizeipräsckt von Cowtantine an die jüdische Presse Frankreichs ein Schreiben gerichtet, in dem er sein verspätetes Eingreifen anläßlich der Unruhen in Constantine damit entschuldigt, daß er damals gerade seinen jährlichen!1rlaub in Frankreich verbrachte. Als er von den Vorfällen in Constantine erfuhr, habe er sich sofort im Flugzeug hinbegebcn. Der Chefarzt der dermatologischen Abteilung am Wiener Franz-Josefs-Spital. Dozent Dr. Alfred Perutz. ein Vetter des Schriftstellers Leo Perus:, ist infolge einer Blinddarm-Operation im Älter von 49 Jahren gestorben. Er zählte zu den fähigsten Dermatologen der Wiener 'schule und hat mehr als hundert zum Teil bahnbrechende wissenschaftliche Arbeiten geschrieben. * Vom 30. August ab darf kein holländischer Arbeitgeber einen Ausländer «nehr beschäftigen, der nicht eine schriftliche Arbciiserlaubnis dc-i, Vllr. schaftsministers vorzeigen kann. Diese Arbeite« erlanbnis. die erst nach genauer Prüfung dr Personalien ausgestellt wird, gilt nur für begrcn-A Zeit. Eine Verlängerung ist mir dann niäglich, wenn sie vom Wirtschaitsminisler befürwortet wird. Cinsichtnahiric in Staatobürgerlistcu. In: Zusammenhang mit dem Artikel „Zehn Jahre Breslauer Gemeiitdearchiv" in Ar. der „E.-V.-Zeitung" vom 30. August ist darauf hinzmveisen, daz Groß-Berliner Interessenten die Staatsbüraerlinen aller in Betracht kommenden Orte einschließlich der polnischgewordenen, auch im Gesamtarchiv ver deutschen Inden. Berlin X 24. Oranienburger Ztraue 28. jeden Montag und Donnerstag von 11 bis 13 llhr einsehen können. musterhaften Technik des Sprechens, die nirgends überflüssige Akzente setzt, die aber jedem Wort die notwendige Melodie gibt, verbindet sie eine geistige Beherrschung des Stoffes, der offenbar ein ausgezeichnetes Gedächtnis zugute kommt. Tie immer etwas spröde, dauernd von der Gefahr der Isolierung bedrohte Kunst der Rezitation hat jedenfalls in Edith Herrnstodt-Oettingen eine ihrer besten Vertreterinnen gesunden. Dr. H. L. Im Kulturbund sprach Tr. -Hans Nathan in klaren, durchdachten Worten zu Schönbergs 60. Geburtstag. Er gab mehr Darstellung. Erklärung, weniger Kritik, und so bekam man keine der üblichen unsachlichen Geburtstagsapotheosen zu hören. Atich die negativen Seiten wurden berührt. Nathan zeigte moderne Bilder, in denen sich eine ähnliche künstlerische Gesinnung ausspricht wie in ^chönbergs Muük. Dadurch wurde der Bortrag lebendig tind das Verständnis der Musik augebahnt, was an sich natürlich wertvoll ist. Es ist aber in der Musik nicht entscheidend, daß man etwas „versteht", woratis man durch außermusikalische Dinge gestoßen wird, sondern daß die Musik selber eine unmittelbare Wirkung auslöse. Wenn Nathan als Charakteristikum des späten Schönbergstils Abstraktion von: Klanglichen ansieht, so ist das keine Nebensächlichkeit, wie er meinte, sondern damit ist tatsächlich das letzte Wort über die Mtisil gesagt. Musik kann — nach Ansicht mancher Aesthetcn — Abstraktes „darstellen", aber selbst nicht abstrakt sein: sie ist durchaus an sinnliche Fülle, an klangliche Tiesseitigkcit gebunden. Hier dürfte der Angelpunkt für jegliche Schönberg- Bervertung liegen. Derselbe Grund macht aber auch die Musik'für beu ausübenden Künstler, der in gewisser -Hinsicht Virtuose ist und auch sein soll, unergiebig. Um so höher ist die Leistung des Sängers Tr. Leo Barczinski, seine Treffsicherheit zu bewerten. Auch dem Geiger Boris Schwarz gebührt Dank für die mühevolle Erarbeitung eines Violinsatzes. Ten pianistischen Teil besorgte der Vortragende selbst mit farbigem Anschlag. L. A. KlMMt-WriH drs Berliner KrrllurbMeS Das Wort Kleinkunst erweckt Hoffnungen. Man glaubt, der Kulturbund ftiche nach einem neuen Stil, um wertvolle kleine Ktuist zum Vortrag zn bringen. Man denkt an den „Blauen Vogel", den wir nach dem Krieg erlebten, und man erinnert sich der Erzählungen der Aeltcren, die „Tie Scharfrichter" kannten. Aber inan findet nur Kabarett, wie man es schon oft und oft gehört hat. Allerdings. tind das sei besonders hcrvorgehoücn, Kabarett ohne den häßlichen Beigeschmack von Eindeutigkeiten und Mauscheleien, wie mir es seit Jahren in diesen Blättern bekmnpft haben. Es bleibt also eine Reihe mehr oder weniger lünstlerischer Vorträge, verbunden durch den üblichen Conferencier, der meinte, dos Publikum durch vorweggenommene Strafreden lachwillig machen Zti müssen. Dabei waren diese Strasredcn ganz unnötig, denn es gab selten ein so lachbereites Publikum als am Sonnabend im Bach-Saal. Das Publikum lachte, daß die Bankreihen zitterten. Es lachte über Willy Prager, durch dessen Humor so viel Ernst durchblickie, daß einem die Tränen fast näher waren als das Lachen. Es lachte über Annemarie H a s e. die ebenso unbezügliche Suchen vortrug wie Camilla Spiro, deren Scharme mit Recht bejubelt wurde. Es quittierte mit Lächeln die sehr feinen Lantenlieder von Fritz Eisenberg, die wirkliche Kleinkunst sind. Es lachte auch über Stella H a y, die ebenso wie der Conferencier Alfons Fink am mciftcix an altes Kabarett erinnerten — so gänzlich unberührt wirkte sie vom Zeitgeschehen. Fink amüsierte in seinen Berliner Straßenbildern, aber als Conferencier war er viel zu breit. Zu den vielen Spriehlvorten. die er im Laufe des Abend zitierte, sollte er für sich selbst noch das hinzufügcn: „In der Kürze liegt die Würze!" Am Flügel begleiteten Wilhelm A l t - mann und Erna Stein. Ter Kulturbund wird sich trotz des großen Lacherfolges mit dieser Art der Kunstabende nicht begnügen dürfen, wenn er den Ehrgeiz hat, wirkliche Kleinkunstabende zu gestalten. Er wird vor allem *u...ka§ Programm etwas Typisches ausnehmen müssen: schöne ostjüdische Eesangskunst — damit man wenigstens irgendwo spürt, daß man nicht in einem der früheren Kursürstendammhäuser, sondern in einem „Kultur"-Bund ist. Dr. M. E. SklMtele fn FreEM Kraft und Geist im Ringen miteinander zeigen nns den Weg zn den Feiertagen — dies Marder Grundgedanke einer Ansprache, die Rabbiner Dr. Heinrich Lemke bei der Weihestunde der Gesellschaft für jüdische Volksbildung, Frankfurt am Main, zur Vorbereitung auf die hohen ,'yr;cv* tage zum Ausdruck brachte. Worte der Ausruüclung zu jedem einzelnen gesprochen, vermach-u eine Stimmung zu erzeugen, die uns cste Bcbcutung des Schofartones und die göttliche Forderung der Tefchuwo in dieser Zeit fühlen ließ. Durch die Gesänge des unter der Leitung von Dr. Ehrenreich stehenden jüdischen Kauimerchores uwDe der Wille gestärkt, die jüdistcheu Festtage als den besonderen Mittelpunkt jüdischen Gemeinschaft?- lebens neu zu gestalten. Thora-Gesänge de? Mannheimer Kantors und Schülers von Erm't Doch erlebten ,;u den hohen Festen an diesem Abend in Anwesenheit des Komponisten ihre Uraufführung. Es ist erstaunlich, welche farbige Klangfülle aus dieser noch jungen Chorgemeinschaft durch die Führung des Dirigenten herausgeholt wurde, die sich nicht nur bei dem Adlcrsäjen Werk, sondern auch bei den Psalmen von Salomone Rosst tind den S'lichanMnesäugen von Boruch-Leib Rosowsky zeigte. Ans dem Syimgvgew chor dieses Komponisten ging neben Joses Schwär; und Jadlotvkcr auch der in Frankfurt am Main wirkende Kantor Nanmow-Fleischmann hervor, der neben dem Tenor Markus Gerlich als Solist an diesem Abend mitwirkte. Die Begleitung lag in den Händen von F-ran Aenne Nenberger und Herbert Fromm. WnHg.-mg 8. Malztlorff. Luach, „Jüdischer Kalender der Gescllschaft für jüdische Volksbildung c. SB.", Frankfurt a. M., für daö Jahr 569.'>. Druck und Verlag M. Lchr-t berger u. Co. Nach vierjähriger Unterbrechung erscheint dieser Kalender wieder zu Beginn des jüdischen Jahres. Er war immer und ist auch wiederum eine wülkommene Gabe, für die man der Gesellschaft s"r jüdische Volksbildung und den Herausgebern, Rabbiner Dr. G. Salzberger und Professor Fr- Nt. Werner, danken muß. Der Kalender steht Zeichen des in diesem jüdischen Jahr .7 Male wiederkchrendcn Geburtstages von, Mol^-' Maimonides. Ihm gilt ein geistvolle-? Essay von Professor Dr. M. Werner. Das Büchlein freier u. a. eine lückenlose Erklärung sämtlicher Daten und Bräuche des jüdischen Jahres. Dö. I-> 4