Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 36 (6.9.1934)
- Date
- 1934-09-06
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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<p\\!WL&L.„r w-\ '-fzirj . r, -j i! Wr.- 36 'S iL-/’OuwJv_J Liüv. ] 5.Boib8aW CJ ilffilll ..M WÄ SW! In pietätvoller Erinnerung an Arthur Z Schnitzler, den repräsentativsten deutsch-jüdi- % scheu Tramatiker, hat die Bühne des Kultur- 4 bundcs zum Schluß der Spielzeit sein in Scrltn bisher noch nicht gespieltes Altcrswerk ß ,.Im Spiel der Sommerlüste" zur Ausführung J Macht. Noch einmal klingen die sausten ß Melancholien einer Welt auf, in der unser ge- [t härtetcs Lcbensgefühl sich nur schwer noch P z'.ircchtsindet: noch einmal blicken wir in diese ff Lchnißler-Welt mit ihrem müden Glanz. (:• ihren ’ verhangenen Schleiern und ihrem p leisen Dämmerlicht. Auf „einsamem Wege" p begegnen wir Menschen, für bic' wie für den P elegisäieu Lcbensbctrnchter Stefan von Sala,!i das Wort, das eben verklang, schon Erinneß rnini geworden ist: der „Ruf des Lebens" iß klingt noch einmal von draußen in diese fß scheinbar still umfriedete Welt, und das „süße d Mädel" blickt uns wieder an mit ihren lockend [• verführerischen Augen und ihrer wehmütigen kl Grazie. Das Ganze aber nur ein Spiel, ein leichtes, nur vorübergehend von Gewitterstwellen getrübtes Spiel mit Schicksalen und st Menschen und wieder fragt der Herenmeister st Paracelsus: „Was ist nicht Spiel, das wir auf ß Ifrbcn treibend" jl Alle Erdenschwcre verweht in diesem j-, ,Sviel der Sommerlüfte", die doch schon den w nahenden Herbst ankündigen. Alles Scelens leid löst sich auf in eine still gefaßte, schmerzst lose Resignation, in der man „ganz versteht, i was man erlebt, und ahnt, was man ver- : säumt hat". Und wie die kluge Bekennerin - solcher Lebensphilvsophie, die alternde Frau! des ganz dem freudigen Diesseits zugewandten st Bildhauers, selbst auf ein Glück verzichtet, das 1 sie über den engen häuslichen Kreis als jl Gattin und Mutter hinaustragen und einem f seelenverwandten Geistlichen in die Arme st sichren könnte, so muß auch der Geistliche, als st Äann höherer Pflichten, dem sündhaften Gce ducken entsagen, daß ihm bei ihr „heimatlicher, geborgener zumute war als auf den Danen des Altars". Entsagen muß aber auch die singend, die dem flüchtigen Augenblick so ' um Dauer verleihen möchte, und mit um- \ störten Auge sicht der junge Arzt, mit dem er- s.'umtcn Troß des Siebzehnjährigen sieht der Ähn des Bildhauers die junge Gusti wie einen Schmetterling in die Welt hinauss ilatiern, in der es auch für sie noch manchen st Verzicht unter Tränen geben wird. st So wird alles in diesem melancholischspätsommerlichen Spiel nur von innen best^ wegt, und die Konflikte, die fast von jeder s einzelnen Figur des Stückes nach außen gest kragen werden und sich in eine dramatische Handlung umseßen könnten, bleiben seelische c Spannungen, ohne daß cs zu einer gcwaltsamen Entladung, zu einer vernichtenden Kntastrophe kommt. Ein echter Schnitzler, der alles Harte, alles Laute, alles Explosive meidet; der alle anschwellenden Wogen der Leidenschaft behutsam beschwichtigt;' ein müder Seelenkünder von eigenstem Gepräge, dessen -individuelle Physiognomie sich auch mcht verleugnet, wenn etwa von Ibsen her cm sanft anklägerischerTon gegen dieLcbensluge in sein sein abgestimmtes Orchester hincmklmgt. . . Die Regie Fritz Jeßners hatte mit Bedacht einen meist gedeckten, meist’ gedämpften Kammerspielton ' angeschlagen. Manchmal wurde, in zerdehnten Intervallen, vielleicht zu viel Stimmung gegeben; aber wenn irgendein Dramatiker, so verträgt Schnitzler solche vcrschwebenden Lyrismen, die sich dann in den weichen Konturen seiner Gestalten wie von selbst wieder auslösen. Sehr fein und charakteristisch auch btc Kostümierung, die sich in Schnitt und Farbe dem t'in-cko-.chcwIe-Kolorit des alten Oesterreich geschickt anpaßte. Um das wie immer ungemein saubere Bühnenbild HeinzEond c l l s wehte die spätsommerliche Atmosphäre eines österreichischen Landhauses. Auch die Schauspieler hatten sich offenbar mit Liebe und Eifer des Schnihlerschen Alterswerkes angenommen. In dem Ensemble durfte man als eine neue Kraft — wir sahen sie nur vor einem Jahre als Sittah in Lessings „Nathan" — I e n n y S ch a f f e r begrüßen, die früher am Staatstheater in Dresden wirkte, und die für die Bühne des Kulturbundes einen außerordentlichen Gewinn bedeutet. Eine Schauspielerin von durchaus persönlichem Gesicht, ernst, intelligent, mit einem in allen Tonlagen klingenden Organ, überaus sicher in Bewegung und Spiel, gab sie der Gattin des Bildhauers Haltung und Beseeltheit der gereisten Frau, die ihr Schicksal in der Ehe und als Mutter im ruhigen Bewußtsein. der ihr auserlegtcn Pflichten trägt — mit einem liebevollen und gütigen Verständnis für die Nöte und Schwächen der . anderen. Ebenfalls neu war in dieser Auffüyrung Heinz Fricdeberg (aus der Schule von Jlka Grüning), der den jugendlichen Eduard zwar mimisch noch zu stark betont, aber mit einer jungenhast-charakteristi- ' scheu Schlacksigkeit spielte und im plötzlichen Ausbruch der Pubertätskrise ein natürliches, echtes Empfinden verriet; ferner Walter H e r t n e r, dessen sprödes Naturell mit dem lyrisch-sentimentalen jungen Arzt und entlassenen Liebhaber offenbar in Widerstreit lag, und von dem man weitere Proben seines Könnens wird abwartcn müssen. Von den bereits vielfach bewährten Kräften spielte Fritz Von Unb nach rochlsi Martin Brandt, Mira Roaowaky, Jenny .Schaff er und Walter Hertner Tot.’ Ecrbert Sonnenfeht, .Fotodienst' Kikoler Wiste n den Professor und Bildhauer in-der Schnitzler-Maske eines leichtsinnigen, genießerischen Melancholikers, der behaglich seine Virginia raucht und seine kleinen Se-itensprünge offenbar für eine durchaus erlaubte Lebensform hält. Martin Brandt hatte als Kaplan endlich einmal Gelegenheit, sich in einer „sympathischen" Rolle zu zeigen; er gab sich einfach, stark, überzeugend in den Gewissensnöten und Zweifeln, die diesen moderneren Nachfahren von Anzengrubers „Pfarrer von Kirchseld" aus dem seelischen Gleichgewicht zu werfen drohen. Scharmant und verführerisch, wenn auch zu farblos in der spezifisch österreichischen Note, der Leutnant Holl von E r n st L e n a r t. Als echtes Talent., von graziöser Ursprünglichkeit und unverbildeter Frische, wie wir cs zuletzt wieder in Shakespeares „Was Ihr wollt", kennengelernt haben, erwies sich auch diesmal Mira Ro - s o w s k i in der Rolle der Gusti. Das Publikum gab durch lebhafte Bcisallsäußcrungcn zu erkennen, daß es auch für seelische Delikatessen aus der Bühne vollauf empfänglich ist. Dr. Hugo Lachmanski. Veranstaltung der Jüdischen Künstlcrhilfe. Wie kann man liebenKvürdiger empfangen werden, als mit einem Plmncnsträußchen! Oben, auf dem letzten Treppenabsatz stehen zwei mächtige Blumenkörbe, davor zwei frische Jungen, und die überreichen den ankvinmenden Dainen den Gruß von einem jüdischen Landgut. Es sind stark duftende Retten und bunte Astern, sicherlich ist es ihr Verdienst, das; man schon vor den Eingangstüren zu den Talen lantcr vergnügte Gesichter sicht. Bruno Woydn hält die Eröffnungsansprache der Ausstellung und weist auf die Leistungsfähigkeit der jüdischen Firmen hin, die hier ansgestellt haben, auf den Zweck der Ausstellung, daß sie die Verbindung der jüdischen Frau als Käuferin mit der jüdischen Geschäftswelt fester knüpfen soll. An die fünfzig Firmen zeigen nun an ihren Ttänden die bunte Mannigfaltigkeit der Waren. Hier sei gleich ein Lob für die Ansstellnngsleitnng eingeschaltet. die es fertig brachte, ans diesem Vielerlei ein einheitliches Ganze zu gestalten, so daß Möbel und Tchuhe, Parfümerien und Rähnmschinen. Lampenschirme und Radio, Kunstgen'erve und Bücher, Damenkonfektion und Porzellan. kurz alles, was man sich denken kann. nebeneinander klar und übersichtlich zur Geltung konnnt und ein reizvolles und ungeheuer lebendiges Bild ergibt. Die Aussteller sahen alle so zufrieden ans. Zeder versichert, daß er nicht im entferntesten mit so einem starken Interesse der Besucher gerechnet hätte. Rein, es sind nicht die üblich gelangweilten Gelegenheitspassanten. Tie sind angeregt, und es scheint, alS fühlten sic sich hier so gut. so geborgen und vertraut. wie in der kleinen Heimatstadt. wohin man nach Jahren wieder eiinnal zu Besuch konnnt. Die Geschäftsleute sind feine fremden Menschen, die an einem Geld verdienen wollen, es sind herzliche Freunde, denen man einen Besuch abstattet. Die Damen stopfen in ihre Handtäschchen die Prospekte, und ihr Wille und ihre Absicht ist fest und ehrlich, von nun ab. n;ehr als früher, das jüdische Handwerk. die jüdischen Geschäfte und Firmen zu unterstützen. Ebenso gelungen wie die Ausstellung ist das von der K ü n st l e r h i ls e dargcbotenc Programm. Um die Modensehan herum, die von der bewährten Frau Elsa Herzog lebendig und amüsant. und modisch so vorbildlich, wie man cs an ihr gewöhnt ist. geleitet wird, gruppieren sich das gute Orchester der Künstler!) ilsc, b'hansons, Deklamation. Kinderlieber, und zwei Vorführungen der Kinderbühnc des Kulturbundes. Die Szenen die Lucy Gelber geschrieben hat. die Kinder, die sic anffnhrcn. sind wohl das Entzückendste an Unbefangenheit und an Natürlichkeit. Als Marion Koegel das Lied von der jüdischen Mamme singt, lausen fast allen die Tränen hinunter. Bedarf es eines weiteren Lobes für Clarion Koegel? 6. H. .V Skiflö «fsfsA SleMfe esn VW Emmer Flammen hatten die katholische Pfarrkirche in Rees zerstört. Ten Brandstifter suchte man nicht. „Tie Juden hatten es getan." Der verdacht wurde nicht ausgesprochen; aber Wischen den beiden Religionen keimte Entfremdung. Aus den Straßen wich man ihnen aus, und ihre Läden wurden gemieden. Es finbertc nichts, daß einige Bürger die Juden in Schutz nahmen. Ter Jude hat's getan, und dabei blieb es. Einer hätte die Wahrheit sagen können; **ct schwieg. Ter Fährmann von Rees, Jan A'ecu. In der schrecklichen Nacht hatte er zwei vermummte llNäuner über den Rhein lZesetzt, und wenige Stunden später war der Vrand ausgebrochen. Als ein Flammenmeer uberchcn Dörfern glühte, der Himmel purpur- Kck strahlte, lachte er vor Freude wild aus, '^stug seinen Haken stärker in das Wasser und ipB die eiserne Kette schneller rasseln. Mag -uees niederbrennen, alle Alenschen krepieren F - lvas ging ihn das an! Zu ihm würde ^as Feuer nicht kommen. Wasser ringsum, und^er würde die Flammen besiegen. Seit über zwanzig Jahren tat Jan seinen dienst fter F^hre; schon sein Vater hatte kesührt und ob auch sein Großvater, das wußte er nicht. Tie Bewohner des Ortes Pnnte er fast alle, wußte ihren Namen und!Fen Beruf: nie sprach er mit den^ Fahrllästen, sammelte schweigend die Pfennige, I^and am Rad und steuerte das Schiss. . , Aus der Fähre war er ausgewachsen, Pvi- [beu dem Wasser und den Weiden, zwischen M Mühlen. Tabakscldern und dem blauen stnnniel. und er liebte seine Heimat, das Blau und das Grün. An Sonn- und Feiertagen llchr die Ponte weniger, jeder Bürger blieb seiner Familie: da saß Jan an dem Hjcr, ^nlnüe seine Pfeife und starrte in die 2.rese \Cr. Ostndschast Ein weites Wiesen!and. durch lasich der Strom schlängelte, die Flügel der Mühlen kreisten, die buntfarbigen Kühe rannten und blökten, und am Horizont, wo der Rhein in den Himmel floß, sprangen einige Kirchtürme empor, bog sich ein Tors. Er trug keine Sehnsucht im Herzen; nie hatte er Wanderlust gespürt, beim Anblick seiner Landschaft ward er still und zufrieden. Tie Spazierer und Ätüßiggänger beneidete er nicht, nicht die Kanfleute und die Viehhändler. auch nicht die vornehmen Stadtdamen. Er betrachtete die Schöngeputzten und tat, stark und widerspruchslos, seinen Dienst, wie ein pslichtgetreuer Soldat. Jedes Kind kannte ihn, wer am Ufer des Rheines auf dem Tamm spazierte, mußte ihn sehen, und seine Stimme war oft ein Warnungsruf, seine Faust ein Haltzeichen. Sein Leben war in großer Eintönigkeit verflossen, nur die wechselnden Farben der Landschaft, das saftige Grün, das dürre Gelb, die triumphierenden Blüten, die trauernden Zweige, der blaue Aether oder der dicke Nebel gaben seinem Kreis frohen Klang. Von Kind ans folgte er dem Werden und Sterben seiner Erde: o, er wußte um ihr tiefes Geheimnis, um ihren Odem, ihre Liebe und Ewigkeit. Man hatte ihm oft von ferner Städte Wnnderherrlichkeit erzählt, von Marmorpalästcn, goldenen Kronleuchtern, seidenen Betten, von den Bergen mit ewigem Schnee hatte er seltsame Mären gehört: aber er schrie laut: Es ist alles nichts gegen mein Land. Ihr Wandernde seid uferlose Gesellen, Heimatlose, Schiffbrüchige: ich bin mit meiner Scholle eins und möchte lieber sterben, als sie verlassen. Mit welcher Freude und mit welchem Stolz ftlhr er an sonnenhellen Tagen über den breiten Strom und grüßte dankbar den Himmel. Seine Kette schlug die Flut, er peitschte sein Roß, und seine Augen überstreifen die Weiden, das Vieh und die Bauernhütten. Er lauschte. . . Seinen Blick nannten Ucberkluge irrsinnig, roh, geistesabwesend, und er hörte das Gelächter der Wellen und der Scholle Sang und Jubel. Ta war er zufrieden und landete sicher am anderen User. Sein Vater und seine Mutter waren schon lange tot. Einen Freund hatte er nie gehabt. Auch eine Geliebte nicht. Warum sollte er heiraten? Sein Vater und seine Ntuttcr hatten sich nie vertragen können, und da war es besser, ledig zu bleiben. Es gab auch im Torf kein Mädchen, das er zum Weib begehrte, das waren alles so eitle, überkluge, hochhinauswollende Persönchen. Wie hätten die einen armen Fährmann genommen! Ausgelacht — . verhöhnt hätten sie ihn. Ta blieb er besser allein. Nur eine Begegnung hatte ihn aus seinem Gleichgewicht gerissen; aber das ist Jahre her. Um einen Kragen zu kaufen, war er in den Laden Ehaim Süßkinds in der Altgasse eingetreten. Tie Tochter des Juden hatte ihn bedient. Ganz heiß mar es ihm beim Anblick dieses Alädchens geworden; er hatte wie ein Schuljunge gestottert und nicht gewußt, was er sagen wollte. Lieb und gütig war ihre Erscheinung, so zart war ihie Stimme in ihn geflüstert. Und als er ging, hatte sie ihm freundlich „Ans Wiedersehen" zirgelächclt. Er war ans dem Laden gerannt, so hatte er sich geschämt. Ost hatte er sich nach ihr gesehnt, den Laden hatte er nie wieder betreten. Er sah auch das Mädchen, wenn er das Steuer drehte, nachts, wenn er nicht schlafen konnte. Da machte er sich über sich selbst lustig,, nannte sich „verrückt" und lachte wie ein Betrunkener über seine Phantasiegebilde . . . Ter dunkle Laden, die farbigen Stoffe, die Hosen und Röcke, die braune Theke und die weißen Hemden . . . lang und nachdächtig hatte er die Kragen durckpvühlt. sorgfältig gewählt, ohne cstvas zu fragen, ohne anszublicken. Das barmherzige Gcsichtchen rein und fleckenlos. große braune Augen, die immer etwas fragten, in jedes Herz drangen, das schwarze Haar, dicke schwere Wellen und schneeweiße Zähne lugten aus den roten Lippen. Ruth .. . In einer Tezembernacht. bitter-kalter 2Vind dnrchschnob die Gassen, vor Frost konnte Jan in seiner Hütte nicht sitzen, rannte er. um sich zu crrvärmcn, kreuz und quer durch die ■ Straßen. Tie Häuser lagen stockdunkel, längst schliefen die Bürger. Plötzlich stand er vordem Haus des Juden, ein kleines, schiefwinkliges Gebäude. Aus einem Fenster strahlte noch Licht, und er hörte Gesang. 'Verkündend und feierlich klang die Stimme, jagte zu dem Land ihrer Väter und pries seine Schönheit. Trotz Nacht und Kälte blieb er stehen und lauschte: Steige auf Tage meiner Liebe. Laß Rosen erblühn, meinen Glauben stärke. Mache mich stark. Juble mein Herz. Tas Tor der Liebe strahlt und mein Freier naht . . . Bald, ach bald sind wir in der Heimat, in ewigschönen Tälern... Töne^voni Himmel. Tas war die große Nacht seines Lebens, die Verheißung feines armseligen BLerltagS. Nur wenige Tage währte der Rausch, dann hatte er sich zurechtgesunden und mied von nun-an ängstlich und scheu die Altgasse. Nach Monaten hatte er das Erlebnis vergessen und führte mit der alten Sicherheit seine Ponte. Jeder Begegnung mit einem Mädchen wich er aus, eine geheimnisvolle Furcht brannte in ihm. er ward stiller und nachdenklicher. Zuweilen trieb er seine Fähre rvie ein müder Bauer seinen abgearbeiteten Klepper, hockte auf vcrrittenem Sattel und freute sich, daß die Karre lief. Gleichgültigkeit, stumme Ergebenheit. Er achtete nicht mehr aus das Gewisper des Grases, aus das Geläut der Wiesenblumen, was die lllleiden rannten und das Wasser murmelte, der Himiuel war grau — Herbstlecre, kahle Gipfel, schlafende Acckev, schweigende Erde. Wie der Zeiger einer Uhr tickte die Fähre zwischen den Usern. Ter Sommer war verzogen, die Bauern waren mit der Roggen- und Hafercrnte sehr zufrieden, die Aepfel- und Birn.bäume beugten sich von den schwerbcladenen Arsten. ^Letzter leuchtender Saft stieg ans den: Grün der ALiesen, Sch'.valben flogen irrend über die Dächer. Türme und -Zäche und spähten nach Süden. Müde und zerarbeitet dehnte sich