Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1934-09-06 · 36 (6.9.1934) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
36 (6.9.1934)
Date
1934-09-06
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2277379-2278044-2278080--08811-2289866
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Ter alternde Mose will von seinem Volk nicht scheiden, ohne ihm noch einmal von feinem Leben und Werke zu reden. Ein letzter -Rechenschaftsbericht, bevor er in die Ewigkeit eingeht. Man vermag die Szene, die die Tora mit wenigen Strichen nachzcichnet, mit» ziwrllebe.n:. da-stchen. sie, die Stanunessürstey. die Aeltesten, die Beamten und dann der große Hause des Volkes hinter ihnen, Weiber, Kinder. die Fremdlinge. Niemand fehlt in dieser riesigen Volksmenge; die Tora weist ausdrüellich daraus hin, weder die Holzfäller, noch die Wasserschöpfer.. Und wie er sie so alle vor sich sieht, die Tora sagt „nizowim": fest dastehend, da ist cs allen ein Erlebnis von historischer Größe: Gott schließt sein Bündnis „nicht allein mit euch", sondern mit allen künftigen Geschlechtern. Das ist das unvergänglich Große der Sendung Mosis: daß er seinem Volke bis zuletzt den Sinn für den Geschichtszusammenhang aller chciten schärst. Gott wird mit all denen sein, die fest dastehen werden, in welcher Zeit sic auch leben. Gott hat nicht zu den Menschen in dunkler Vorzeit nur gesprochen, er ist noch im Menschen der letzten' Generation gegenwärtig,. ivenn er nur das Benmßtseiu des Verknüpstseius aller Geschlechter in sich trägt. Tie den Glauben au die'Zukunft nicht mehr in sich tragen, worden am Ende sein. Aber die anderen, sie mögen noch so wenige sein, die nicht wanken und nicht weichen, werden bestehen. Sie sind die Garanten jüdischer Zutunst. Tie Geschichte des Judentums ist die. Geschichte des Glaubens an die Zukunft und der Treue gegen die Vergangenheit. In der Festigkeit des Glaubens liegt die Zukumtsgenußheit des Judentums beschlossen. Tie „.Nizowim" inmitten der Wankenden, die feststehenden unter den Taumelnden werden ihrem Judentum den Weg in die kommende Zeit bereiten. vr. I'. P. Don Ddrrkonlvr Magnus Javtdishir, Lcrlin Weit öffnen sich die Pforten der Synagogen und Betvämnc in diesen Tagen. Tic 'Auslosung des jüdischen Gemeinsamkeitsgefühls tritt innerhalb des Gottesdienstes der hohen fest tage stärker denn je zutage. Im Gebet einen sich die Menschen. Im flehen zu Gott uin ein glücklicheres Jahr, um cm ruhigeres Schicksal. Seit undeutlichen Zeiten bildet die wertvollste Illustrierung bc2 Gebctwortes der Gesang. Alte, sehr alle Melodien, moderne Kompositionen in musikalisch kultivierten Gotteshäusern — all das trägt mit zu der Weihe dieser Tage bei. ' 'Und was singen und sagen nur?' '' ' '. - "Teuerste Rasch Haschana-Äbend bricht an. Schon' tönt die gewohnte, bekannte Melodie, die fidj wie ein roter faden durch die gottesdienstliche Liturgie der gesamten Hohen Festtage zieht. Wir vernehmen sie zum erstenmal bei der Anssordernng des „Borch»", zur Lobpreisung Gottes. - wlan mag nicht Illusionen zerstören. Aber der Kenntnis halber sei es gesagt, daß merkwürdigerweise gerade diese Melodie einem mittelalterlichen Ehorat entno'.nmen ist: „Singet fröhlich allezeit dem mächtigen König der Erde." Sion NMll Brasch Am Neujahrsfest ist es in Jerusalem. ■ Tas Volk ist im Tempel versammelt. Tie Brandopfer rauchen, das Blut der Schlachtopser fließt. Gin neuer König herrscht über Inda. Zeiten der Wirrnis sind im Lande. Ter alte König ist in der Schlacht gefallen, der danach ernannte nach Aegypten verbannt. Testen' tinbeliebter Bruder ist nun zur Herrschaft gekommen: stolz. Pracht- und eigenliebend. Das eben noch freie Land ist in die Abhängigkeit von Aegypten geraten. So klammert sich das Volk an das, was ihm noch verblieben zu sein scheint: an seinen Tempel, das Haus Gottes. Tenn dort, so wenigstens rufen ihm die Führer zu, sind sie geborgen. So vergessen sie Gefahr und Unterjochung. Im Tempel sehen sie den Bürger für sich,'im Opfer die Zusicherung für ihr Leben. Ta tritt Plötzlich ein Alaun in das Gedränge, ein Vierzigjähriger. Er sieht dieses Volk. Wie es betört ist. Wie es glaubt, daß der Tempel allein cs schütze. Er sieht wie alles zum nur scheinenden, zum nur äußerlichen Werk geworden. Da erhebt er seine Stimme. Klagend und anklagend, wider die Führer und die Verführten: Schutz gibt nicht dieses Hans: Tenn auch es kann zerstört werden wie einst das esraimitische Gotteshaus zu Silo. Schutz gibt allein das sittliche Handeln des Menschen. Kein Heiligtum schützt ein unheiliges Volk. „Der Storch am Himmel kennt seine Zeit, Turteltaube, Schwalbe und Kranich merken die Zeit ihrer Heimkehr, aber mein Volk kennt nicht die Weise des Herrn/ Zur Räuberhöhle ist der Tempel geworden. Man folgt den Eingebungen und dem Ucbermut des bösen Herzen, aber nicht den Worten des Ewigen. Ihm wendet man den Rücken zu unb nicht daS Angesicht. Tenn nicht Opfer will Gott, sondern Liebe. Ter Mann, der diese Worte sprach, dieser O k. T<mn,chittcnd^usdIbeteud,-Zene "tativischen ' Weisen, die' ein eigerlartiges Eharakteristikum in sich bergen und so eng verknüpft mit 'der ganzen Geschichte des Judentums sind: sie wechseln nämlich fortwährend in Dur und Moll. Schon die schwermütige Melodie dcS Sch'ma Jisrod flogt das Leid Israels. Befreiend hingegen wieder die FesttagSmelodie zu Michomauchoh - „Haschkiwenu": „Laß uns niederlegcn zum Frieden 'und -anfstehen zum Leben." Dieses Gebet, das doch an jedem Abend gesprochen wird, welch besondere Bedeutung erhält cs durch die gesangliche Jllustration an den Abenden der Hohen Festtage! Jeder Komponist, der hierzu die Musik schrieb, hat für den Anfang immer nur die schwermütigste Weise gefunden. Und dennoch — verheißend und zuversichtlich in T»r ist der zweite Teil dieses Gebetes gestaltet — als ob unsere Seele sich von allem schveren Bann lösen würde. Ter Friedensgcdanke Sukaß scholaum, daß er ausbreite die Hütte des Friedens über diese Gemeinde und ganz Israel, ist das Leitmotiv. Wie gemütvoll und voller Tradition die Melodie zum Kiddusch, zur Verkündigung der Weihe deS Tages, die wir vom Eotteshans in das eigene -Haus mit hinübcrnehmen. Es ist die einzige Melodie, die wir — im Gegensatz 31t der Fülle häuslicher Gesänge am Freitag-Abond — am Nosch Haschana- Abend neben dem 126. Psalm vor dem Tischgebet im Familienkreise vernehmen. . Innig verbunden mit der Poesie des Neujahr. Morgens ist die Iigdalwcise. die uns au die Vergäuglichkeit des Lebens .gemahnt. Darum hören wir sie auch von den frommen Männern murmeln, wenn sic an einem müden Wanderer den letzten Liebesdienst verrichten. Tann aber werden wir an den Iaum hadin, an den Tag des Gerichtes, gemahnt, wenn der Vorbcter in Anlehnung an die' Kolnidrc.Äeise den König, „Hamclech", anrnft, der ■ hocherhabcu thronet. Tiefe Weise geleitet nun sämtliche Gebete des SchackMith.Gottcsdicnstcs. '.»toll und Dur stehen iuuner nahe nebeneinander. Tas Moll des GebcttoneS, das Dur des unvergänglichcn jüdischen Optimismus; auch bei der T'filah dasselbe Gharakteristikum. Und haben wir die Torah auögehoben. verkünden wir das große Wunder, das sich bei Isaak und ISmael, bei Hagar und Abraham ereignete, dann wird dieser Torah. tert mit einer ganz anderen Kantilation vorgetra^ gen. als die sonst gewohnte ~ breiter, hymnischer, festlicher. Ter Schosarbläscr tritt in die Erscheinung. Seinen Segensspruch singt er in Anlehnung an die Schvfar'Intervalle. Auch dieses Natuvinstrupient hat mit seinen scheinbar erschütternden, zufälligen. Naturtöncn. ganz bestimmte Abstufungen (Inter-- balle), die beachtet werden müssen. Ta ist zunächst der tang>zezogcne Ton. vom Grundton zur Oktave:. T'kioh. Mau soll ihn im Altertum schon vernommen l^alxm.-als mau im Heiligen Lande Pen Neumond// verkündete. Tann kurz auseinander folgende Inter-..' volle in der Abstufung der Onarte: Schwvrim. Dasklingt bewegter. War in grauer Vorzeit Tagen ' der Ruf zur Versammlung. Und noch einmal dgS erste Intervall, aber mit kurz obgcstostencn Trillern: T'ruoh. Lärmblasen. Zur Zeit bcr.llr-* Väter der Nnf zum Kriege. . Tie Schofartäue sind mit das stärkste Gharakteristitum des Neujahrs-EvttesdieustcS. Wir wissen, bei welch bedeutsamsten Gelegenheiten die Heilige ^christ vom Schofarto» spricht. Iu gcsetzeS. treuen Diitcn hat. es nicht nur an dieser Stelle sein ^sondern. 'Sch'lauschini kau la uß werden noch einmal am Schluß des ^Gottesdienstes gehört. Tie Torah ist in die Heilige Lade wieder eingestellt. Die Predigt hak uns erhoben» Tort, wo die Orgel Verwendung findet, hören wir tiefdnnkle Töne als Vorspiel zum Mußaf Kaddisch. Auch diese Melodie ist heiliges jüdisches Vermächtnis. Sie wird überall mit gleicher Weise gesungen, gleichviel, ob cs der schlichteste Gottesdienst, ohne geglichen musikalischen Aufwand ist. oder ob die Stimme des Vorbetcrs in dem riesigen Gebctraum einer Großgemcinde erklingt. Aufwühlend, uns emporreißcnd, ausfordernd zum Gebet — das ist das Sigmun der Weise. Ter Beter hört sie ergriffen. Er kennt sic aus seiner Kindheit. Er summt sie leise mit. Ten Vorbcter stört das.nicht. Im Gegenteil: er weiß sich eins mit der Gemeinde, wenn er dieses Mußaf Kaddisch singt, der-hochdramatisch bleibt bis zum letzten Amen. Lange, lange Stille. Alan hat oft im liberalen Ritus darüber beraten, ob man die stille Mußaf T'filah bcibehalten soll. Es äst gut, ' daß dies geschehen'ist. Diese Stelle ist zur -Sammlung des Beters geradezu vor- < bestimmt: denn eine Fülle gewaltiger gottesdienstlicher Eindrücke harren noch seiner. — Ganz leise, wie ans weiter Ferne schwebt die Weise des..Bornch attoh" heran/ gleichsam als sollte der Beter in „Jeremiau von Donatello ,-.seiner- AndaHh.nicht..gestörk r-werd'cn.. .3^. "stehen 'Vorbeter' und seine treuen Hcksrr. de: 6hör, H vor einer gigantischen Aufgabe: ein Gebet nach den! H andern mit tiefgründigstem Inhalt, teils' be. ri trachtend, teils flehend, folgt unmittelbar. F;w ru all diese Gebete gilt nur zum Teil die traditionelle t Alelodie. In der 'Hauptsache aber haben die & Synagogen-Kvmponisten der letzten hundert Jahre £: hier Unvergängliches Qcfdjaffcn. Ties muß in-. -besondere vom Mittelpunkt des Alußas-Gottc^. s! dienstcs, der in drei Teile zerfällt, gesagt werden. [' dem Alittelpunkt der trotzdem am Anfang stch/ T Un'ßaneh tankef. Für diesen erschütternden Tert st gibt cs eine große Anzahl frei erfundener Kompo. ['= fittonen, die-in den einzelnen Gemeinden heute schon l' - als Tradition empfunden werden. Lewandanstki und!'! Sulzcr haben hier Großes gesci-affen. besonders in - ' dem betrachtenden B'raufch stischonoh. Ter Vorbeter ist sich seiner größten Aufgabe des Jahres be'.vußt und wird seine ganze Seele in diese Komposition legen. Hier gilt. es. die stärkste Aue. druckssähigkcit zu offenbaren, um der Gemeinde / - den Tert so nahe wie möglich zu bringen. Ter Bann t löst sich erst, wenn die Gemeinde mit voller In- '/ brunst dns dreimalige Kodausrh singt. Tann tritt das rein chasonisck)e Rezitativ in den Vordergrund. Ter Vorbeter bat hier bestimmte Skalen, die ad- -! wechseln: im ersten Teil (Malchiijauß), im zweiten - (Sichraunauß) und im dritten (Schauforausy. Bach ch einmal wird die traditiomlle Weise unterbrochen, ' locini von der Erhabenheit Gottes die Bede nt und i mir das Knie vor den: König aller Könige langen. I. Auch bi er ein unerhörter dramatischer Anfschnning. P Unsterblich hat fiol) der Berliner Synagogen^ M Kvinvonist Letvandowstki durch die Vertonung 'des m ProphetemoorteS „Sochartbi loch" gemacht. 'Tiefe i/i lyrische, unendlich melodiöse Weise fehlt auch j» i\ feinem Gollesdienst. Sie ist gleichsaiit der klingende. [1 trostvolle Abschluß einer gütigen Gottcsverlieißung'. sti „Erhebt. Ihr Tore. Elire Häupter" und der uuvergängliche l.'.O. Psalm Halleluja bedeuten das '- grandiose Postludium des Roschhaschana-Gottes- I dicustes, der mit dem innigen Flehen schließt, daß „Gott uns einzeichnon möge in das Buet,' drs Lebens — B’sefer Chajim b’rochob, w’scholaum ufarnossoh tauroh/* EM §M) §MMg Auch für den härtesten Menschen kommen Zeiteir. in denen seine Gedanken sehnsüchtig im Glück von Kindheit und Geborgensein verweilen. Ein Tag tut sich auf, da gleitet alles kämpferische Muß an der Seele ab, die einsam und suie von nngeweinten Tränen erfüllt sich nach liebes fernen.Händen sehnt. Ich bin noch ein junger Atensch und stchs allein mitten im Leben, das ich mir Tag um Tag. Schritt für Schritt, zu erringen suche. Ich weißi cSdarf kein-Nachlassen geben, kein Ermatten. stAk strömt die Zeit -erbarmungslos über ein lleim; Dasein hinweg. Aber da kommen die hohen Feier, tage. Ein neues Jahr wird dem jüdischen Men< scheu verkündet. Ta fühle-ich plötzlich eine groß« Einsamkeit: denn cs sind die ersten Feiertage in der Fremde. Und keine noch so lieben Freunde können die Weihe des festtäglichen Elternhauscs ersetzen. Ich versuche in Briefen all das Gute auszu« drücken, das ich den fernen Lieben wünsche, und siihlc im gleichen Augenblick die Ohnmacht und Farblosigkeit von Worten an einem Tag, an dein Vierzigjährige, war der Sohn des Priester Ehilkija: der Prophet Jeremia. Arm tot. jenes benjnminitische Städtchen, zwei Stunden nördlich von Jerusalem, war sein Geburtsort. Zu den ältesten und geachtetften Priesterfamilien gehörend, schwebte einycrhäuguisvolles Schicksal über seinem. Haus. Sein Ahn war jener Priester Eli von Silo. 400 Jahre zuvor, der Lehrer des Propheten Samuel, des Nachkomme des Mose. Als Israel von den Philistern geschlagcrt. starben auch Eli und seine beiden Söhne. Nur ein Enkel konnte sich retten. Als er ausgewachsen, gründet er ein Heiligtum in Nob. Aber schon wieder seinen Sohn ereilt ein neues Verhängnis: Saul läßt ihn mit all den Seinen, als er dem verfolgten David Zuflucht getvährt. töten. Und tvieder entkommt ein Einziger nur: des Priesters Cohn Ebjatar. NUi ihm erhebt sich wieder das Glück dieser Familie. Not und Elend scheinen gelvichen. Znin obersten PEiester wird er von David ernannt. Aber als David stirbt, verbannt ihn Salvmv aus seinen Besitz in Anatot. Seitdem waren drei Jahrhunderte vergangen. Das Schicksal hatte sich noch immer nicht von diesem Hanse gcumndt. Ta wird dem Chilkija der Jeremia geboren. Wie Jeremia aufwächst, da sieht er mit seinen jungen Augen die Menschen. Da merkt er plötzlich ein Furchtbares. Ahnungen einer Katastrophe erfüllen ihn: Dieses Volk vergißt ' des Eivigen um des Vergänglichen willen. - Um des Scheittenden willen vergißt cs das Seiende! Bosheit, Zuchtlosigkeit nnd Unrecht werden schamlos geübt. Aberglauben, aber , kein Glauben. Wie diese Gedanken alle in diesem jungen Menschen kämpfen, wie er mit ihnen ringt, da stürmen Feinde vom Norden wider das Land. In ihnen sieht er das Strafgericht Gottes. Plötzlich geschieht .ein Bruch in seinem -Leben. Er fühlt in sich den Befehl Gottes, " seinem Volke zn künden, warnend nnd mahnend. Er aber sträubt sich dagegen. .. Ich verstehe nicht zu sprechen, ich bin doch noch zu jung." Aberer muß. „Sprich uicht, du bist llvci) zu jung, sondern gehe überall hin, wohin ich dich sende, rede alles, was ich dir gebiete." Denn bevor er gebildet, ist er daiür' envühlt, bevor er den Ntuttcrschoß'verlassen, dazu geweiht: ein Prophet zu sein für die Völker. Prophet sein aber heißt, wie es Jeremia selber einmal ausdrückt: „Ntund Gottes" fein, sich als Werkzeug eines Höheren fühlen. So wie cs das hebräische Wort für Prophet auch besagt: Nabi (vom arabischen naba'a her verständlich), Sprecher sein für einen anderen, nämlich für Gott. Das eben ist Jeremias. Ucberall findet er-Verfall und Trotz. I,c Stadt und Land, bei den -Kleinen, den Vornehmen, den Führern. Trotz all seinem Mühen aber kann er „kein edles Ätetall ans den Schlacken lösen". Plötzlich aber schlveigt er: Ter fromme König Iosia hat eine Reform dnrchgesnbrt: den Kult zentralisiert und befreit von allem Fremden^ Aller Opserdienst außerhalb Jerusalems lvird dem Götzendienst gleich gestellt nnd verboten. So verläßt auch Jeremia das Heiligtum in Anatot. Er begibt sich nach Jerusalem. Vielleicht, so denkt er, bringt Iosia mm das Volk zurück zur Reinheit und Frommheit. So fühlt er nicht mehr den Zivaug irr sich, zrr reden. Er schweigt — schweigt. Dreizehn Jahre laug. 608 stellt Iosia sich dem vordriugcnden Pharao Necho entgegerr. Er fällt in der Schlacht bei Ätegiddo. Mit ihm fällt aber sein Werk. Tie Zentralisierung des Gottesdienstes nach Jcrusalenr wird mm zu einer bloßen Machtstcigeruug der Priester. Tie erhöhte Heiligkeit des Tempels zrr einer bloßen Selbstbctäubnng des schuldigen Volkes. So ist Jeremias CchiveigeUd gebrochen. Er muß zuur Volke reden. Wieder ist er zum „Munde Gottes" geworden. So hält er, der nun Vierzigjährige, jene Tcrupelrede. - Karnn aber ist er zu Ende, so stürmen auf ihn die.-Priester, die falschen Prophetell, das Volk. Sie rvollen ihn töten. Mau hält über ihn Gericht. Er. der Gottesmanu, gilt als Gotteslästerer. „Ter Tod gebührt diesem Plannc", so ruft man. Aber die Fürsten befreien ihn: denn im Namen Gottes hat er gesprvcchen. Der König aber verbietet ihm das Betreten "des Tempels. Tie Priester sind ihm zu Feinden getvordcn. Aber auch Freunde hat er durch sein mutiges Auftreten gesunden, wenn auch nur tvenige. Unter ihnen ist Baruch bcn Nerija, der Schreiber des Königs. Dieser verläßt ihn nie mehr. Aber nichts hält Jeremia zurück. Noch einmal, trotz des Verbotes, betritt er den Tempel. Noch einmal null er zum Voile sprechen. Aber der aufsichtsührende Priester ergreift ihn, läßt ihn mit Ruten schlagen unk iu_ den Block sperren, Hände und Füße gesesselll Erst am folgenden Morgen befreit man ihn. Ein ziveites Mal lvird er so des Tempels verwiesen. Die schiversten St rasen erwarten seiner, sollte er es wagen, dieses Heilchtum noch einmal zn betreten. Nun aber ist Jeremia am Rande seiner Kraft, ^cin Mühen imd Sorgen, sein Hoffen und Harren: alles umsonst!!! Lllie ganz anders iiätie er cs geliabt, wäre er nicht dem Ruse Gottes gefolgt. Sein Lebert glailbt er umsonst gelebt, verfehlt und verloren. So verwünscht er cs denn: „Verflucht sei der Tag. an dem ich geboren, an dem Tage, an dem meine Mutter mich gebar, sei kein Segen! Warum nur mußte icii aus dem Mutterschoß hervorgeheu. Mühsal ' und Herzleid zu scheu und meirie Tage,;u enden in Schmach!" Aber diese Not. diese Prüfung überwindet er. Wieder spricht durch ihn Gott. Wieder wird er zur „ehernen Mauer, zur eisernen Säule und zur festen Stadt" wider alle und alles. Eine neue Großmacht hat sich gebildet: Babylon. Ninive, die Hauptstadt Assyriens, ist schon gefallen, Aegypten geschlagen. Nun nähert sich Juda das Verhängnis. In Jerusalem ruft man zu einem Bet- und Fasttag. Das Volk strömt in den Tempel. Auch Jeremia will dorthin. Er muß dem Volke das Wort Gottes künden. Aber crI darf den Tempel ja nicht betreten! So spricht er vor Baruch all seine Worte. Dieser verzeichnet |ic

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.