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Central-Verein-Zeitung · 1934-09-06 · 36 (6.9.1934) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
36 (6.9.1934)
Date
1934-09-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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unter dem Gesichtspunkt wahr oder falsch, richtig oder unrichtig erlebte oder vielleicht besser gesagt — sich für das eigene Derslündnis zurechtlegte. Seine Ur-Aussage, daß der allein existierende Gott mit einer Fülle von Wahrheiten über sein Wesen und seine Wege, über seine Haltung zu Welt und Mensch, über seinen vom Gläubigen zu erfüllenden Willen sich Israel enthüllt habe, schien gar keine andere Stellung zu solcher „Religion" zuzulassen als eben diejenige der erkenntnismäßigen Aneignung'und vernunftniäßigen Durchdringung ihrer „Lehren". Der religiöse Nationalismus ist der legitime Sproß des Glaubens an eine ursprünglich und ein für allemal gesellte Wahrheit. Wie aber, wenn diese Position keineswegs den Urbestand jüdischer Wirklichkeit erschöpft, ii'cmt sie nur die Folge der Heiligsprechung, der Kanvnisieruiig eines nationalen Schrifttums ist, die selber wohl ein sehr wichtiges Moment,. aber durchaus nicht den Gesamtsinn der jüdischen Existenz bedeutet? Wirft man nch aber in den Strom dieser Eristenz nütlcbend und mitschassend hinein, dann erfährt man, daß wohl die religiösen Produktionen iveienbestiinmend für seinen Eharakter sind, das; sic aber anders als irgendwie sonst unabtrennbar in der Wirklichkeit und im Geschick des jüdischen Volkes verankert sind. Es ist nicht so. daß Israel eine religiöse Weltansicht erzeugt hätte, wie andere Völker ihre Ideen, die dann, ablösbar von ihren Stiftern, freizügig die Wanderung durch die Welt antretcn, anznnehmcn oder zn verwerfen, von wem immer, der sich um sie bemüht. Sondern das Volk Israel und seine Geschichte gehört in seine religiöse Lehre mit hinein. Ter einzig dastehende Ursprungsgedanke, daß Gott nicht eine Offenbarung für alle gekündet, sondern daß er — unbeschadet seiner Fürsorge für alle 'Geschöpfe — mit diesem einen Volke seinen Vnnd geschlossen, ist für diele Religion nicht ntinder entscheidend als für dieses Volk. Tiefer Tatsache ist die rationalistische Philosophie kaum se gerecht geworden. In der Antike wie im Mittelalter und der Moderne s.rierte sie ihren Blick allzu starr ans das als L ehre zu Formulierende, wobei noch völlig davon abgesehen werden mag, wieviel Fremdes, faktisch nicht zn Amalgamierendes in das Judentum hineiugedeutet wurde. Man lebte das Leben des Volles, indem inan mit «l-iier das das national-religiöse Tascinssystem unterbauende Religionsgesell beobachtete. Plan widmete wie Maimuni der theologischen Metaphpsik so der theologischen Gcsetzesiutcrprelation die inbrünstigste Mühewaltung. Aber gerade bei diesem Manne, dem Meister aller derer, die philosophische Spekulation wie Geietzesforschrmg trieben, verbinden mir schwache Fäden die univcrsalrationa Mische Metaphysik mit dem für keine Vernunft auflösbaren Block der gottgewollten Leberissatzung. Und wenn in der Emanzipationszeit philosophiert ivurde, da ward itrtb wird das irrationale Gesell, dieler unaufschmclzbare -lern alles sich als jüdisch und jüdisch-religiös erupfiiideiiden Lebens, einfach in die Ecke gestellt, vergessen; seine harte Wirklichkeit verdampfte im Feuer einer „religiös-ethischen Weltanschauung", zri der man das Judentum von einst zusammenpreßte. Tie Frage geht nicht darum, wenigstens nicht bex dieser theoretischen Erörterung, ob - das Gesetz und wieviel von ihm in unserer Zeit haltbar ist; sondern der Philosoph des Judentums muß das Problem sehen, daß sein historischer Gegenstand ein einzigartiges Zusammen von irrationaler Lebenshaltung — vertreten durch das Religionsgesetz — und universaler Glaubenslehre ist. Seine Aufgabe ist cs, den Sinn dieses „Zusammen" anfzuweisen. Er darf sich nicht mit einem Teil begnügen, am allerwenigsten, aus Bruchstücken biblischer und rabbinischer Gedanken und Forderungen ein unanstößiges System von Ethik und Gottes- .lehre ins Blaue hinein zu uuivcrsalisiercn. Sondern er muß zuerst klar die beiden Hauptkvmponenten jüdischer Realität ins Auge fasscn. Tie aber sind die Eigenständigkeit jüdi°' scheu Gruppenlebens, durch das Religionsgeietz über die nationale, auch anderwärts anzutreffende Besonderheit hcrausgchobeu und die im engeren Sinne religiöse allgcmeiugültige Lehre. Offenbarung, Erwählung, Mcssiasgedanke, jüdisches Schicksal, alle diese historischen Momente, die das Volk Israel in seiner Einmaligkeit a»gehen, sind nicht minder Gegenstand retigionsphilosophischcr Durchleuchtung, wie Gottes- und Scclenlehre, Unsterblichkeitsgedanke und Ethik. Es heißt die unerhörte Paradorie sehen, ansnehmen, nicht aber wegretuschieren, die in der Verknüpfung eines starren Partikularismus, vertreten durch Gesell und spezifisch jüdisches Selbstbewnßtsein, und der universalen Gottesidee samt den in ihrem Gefolge auftretenden Gedanken besteht. Mit anderen Worten und formelhaft gesprochen: Philosophie des Judentums muß eine Synthese von Philosophie der jüdischen Geschichte und der der Religion sein. Denn . nie hat sich das Judentum etwa nur als das Gefäß der ihm zuteilgewordenen Wahrheit empfunden, das sie zu bewahren hätte, in eigener Eristenz überflüssig geworden, sobald der Bestand dieser Wahrheit in der Welt gesichert ist, auch nicht als Missionar seines Glaubens, um andere zu beglücken; sondern seine eigene Geschichte in ihrem Auf und Ab gehörte' ihm als die Realisierung der göttlichen Wahrheit mit in diese hinein. Tie Haggada läßt Gott um den Sturz der heiligen Stadt und des Volkes trauern. Man kann in solcher Dichtung den überkühnen Ausdruck religiös-nationalen Selbjtöcwußtf'cins einer ungeheuerlichen Selbstüberschätzung erblicken. Man kann aber auch — und man muß es offenbar, wenn man in der jüdischen Religionsgeschichte überhaupt einen Sinn sehen null — hierin das Symbol eines religiösen Geschichtsglaubens erkennen, für den das Leben des Gottesvvlkes, im spärlichen Licht wie im Meer des Tuntels, das göttliche Teilten erfüllt. Tenn schließlich bleibt es bei allem Individualismus der Propheten wie unserer. Rcligionsphilvsophen eine unzerstörbare Tat-' sache, daß im Judentum das Volk, die organische Einheit der einzelnen, Subjekt des religiösen Daseins ist. Und schon darum ist dieses und sein einzigartiges Geschick selber Bestand der religiösen Wirklichkeit. Sollte es gerade in unseren Tagen der leidensvollcn und anscheinend nur erlittenen Geschichte schwer sein, den Weg Gottes zu erkennen, so mögen wir uns daran erinnern, daß bei uns jedes Neuwerden nur jenseits einer Wanderung durch Leere erstand. Bibel und jüdische Theologie von Ignaz Maybaum-Frankfurt a. &. Die Bibel w i s s e n s ch a s t ist im Rahmen der Wissenschaft Herausarbeitung des Teiles, eine Arbeit, die ebenso jüdische nuc christliche Historiker und Philologen leisten. Hier ist eine Wissenschaftsgemeinschaft möglich, bei der die Glaubenszugehörigkeit des einzelnen Gelehrten zunächst nicht ins (Gewicht fällt. Ties hört in dem Augenblick aui, in dem der Bibeltext nicht mehr bloß als Dokument wie irgendeine andere historische Urkunde, nicht mehr bloß als Text wie irgend ein anderes Literaturdenkmal angesehen wird, sondern als Anrede, die den in jüdischer Glaubcnseristenz Stehenden meint. Hier beginnt die jüdische Theologie. Tie siidische .-.hcvlvgie ist selbständige Disziplin. Sie hat iIs jüdische Theologie nicht darin ihr Berufung. die Ergebnisse der jüdischen Wissenschuft'zu popularisieren, wie wichtig dieses Ziel auch fein mag. Sie ist auch nicht als praktische Theologie, die sachtechnische Kenntnisse zu vermitteln hätte, erschöpfend marakterisiert. Tie Ausgaben der praktischen Theologie sind mir im Nahmen einer Theologie zu behandeln. Gerade, weil es praktische jüdische Theologie geben muß. muß es jüdische Theologie geben. Tie jüdische Theologie ist sowohl der jüdischen Wissenschaft als auch der praktischen Theologie gegenüber eigener L e h r b e r e i ch. Wo die Bibel Gegenstand der jüdischen Theologie ist, wird der Gehalt des Textes nicht mehr allein für den erkennenden Geist, sondern speziell für den in jüdischer Glaubensbercitschaft Hörenden herausgcarbeitet. Was fleht geschrieben? Die Antwort kann im Judentum nicht dahin verschieden abgestuft '.vcrden, ob sie von der Kanzel oder vom Katheder gegeben wird. Tie Idee des Lehrhauses macht solche Unterscheidung unmöglich. . Ter Vortrag im Lchrhaus gestattet nicht, zwischen der erbaulichen Form der Predigt und der Methode der Gelehrsamkeit zu unterscheiden. Ter Vortrag im Lehrhaus hat mit der christlichen Predigt gemeinsam, daß er Anruf an den Gläubigen ist, lmd mit der weltlichen Wissenschaft hat er gemeinsam, daß er strenge Forschung ift._ Tenn was bedeutet Hag. gada? Tiefes Wort ist gründlich mißverstanden worden. Es bedeutet nicht Sage, nicht Legende. Es muß dies endlich einmal in aller Nachdrücklichkeit unterstrichen werden, obwohl es sich um etwas Selbstverständliches handelt. Higgid hakatuw, die Schrift sagt, heißt die in den ältesten Midraschim sich findende Formel. Von diesem Zeitwort higgid stammt das Hauptwort Haggada. das mit der Sage, mit der Legende, also mit irgendeiner Literatnrsorm des Mythos nichts zu tun hat. So wenig tuic bicjöibcl Mythos ist, so wenig ist die Haggada Sage. Es ist der ungeheuerste Fall der Literarisierung des Religiösen, der von jüdischer Seite dem 10. Jahrhundert znm Vorwurf gemacht werden kann. Die Haggada ist die das Schristwort betreffende Erklärung, für die die Form der Predigt und die Exaktheit der forschenden Lehre gleichermaßen das Eharakteristische ist. Das ist die Haggada. Sie — wie auch das Wort Midrasch — bedeutet Schristerklärung. Die Definition einer mit der Bibel beschäftigten jüdischen Theologie ergibt sich daraus hinreichend. Die Bibel stellt die jüdische Theologie vor die Ausgabe, den Hörer des Textes iu eine jüdische Verpflichtung zu nehmen. Der Text darf nicht gehört werden wie ein Kunstwerk, dessen Schönheit oder dessen Sinngehalt wir genießen. Es handelt sich um verpflichtendes Hören und nicht um ästhetisches Aufnehmen. Aber ebenso ist die Ausgabe der jüdischeu Theologie, dort, wo die Bereitschaft zum verpflichtenden Hören da ist, zu wachen, daß die Verpflichtung auch tatsächlich jüdische Derpflichtung ist. Äo der Zeitgeist den Schristsinn eigenmächtig deutet, entsteht der ideologische Abweg, auf dem der Gehorsam nicht mehr dem Ruf des Schriftwortes gilt. Die ästhetische Passivität ist der Forderung dcS Schriftwortes gegenüber taub. Die ideologische Bereitschaft dagegen Hort wohl die Forderung, doch irrt sie'von dem. der allein als Fordernder hinter dem Schristwort steht, ab und knüpft ihren blinden Gcborsam an den der Zeit entscheidend scheinenden Inhalt. Vor ästhetischer Taubheit und ideologischer Blindheit zu bewahren, ist die Aufgabe, die die Schrift' der jüdischen Theologie stellt. Aesthetische Taubheit herrscht nicht nur in dem Zirkel, in dem der Deklamator die Bibel rezitiert. Tic Gefahr ist viel allgemeiner. Eine ganz besondere Verlockung ist cs, das uns überlieferte Material der Schristauslegung, wie es uns in den Midraschsammlungen vorlicgt, einfach als Literatur zu behandeln und einzelnes daraus jeweils in die Predigt der Gegenwart einznfügen. Hier wird der Prediger znm Märchenerzähler. Jüdisch ist die Predigt nicht durch einen Stil, durch ein Zitat, womit man ans Bibel und Midrasch die eigene Rede cinkteidct, sondern die Predigt ist in Wahrheit jüdisch als Schrifterklärung. Rur wer in den Haggadvt, in den Midraschim die an das Schristwort sich anlchnende Treue entdecken kann, wird die Schristerklärung der jüdischen Vergangenheit für die eigene Stunde neu beleben können. Tie Schristerklärung darf den konkreten, den bestimmten Menschen in seiner bestimmten Situation meinenden Anruf des Bibclworts nicht überhören. Sie will das Wort der Bibel in dem Jetzt und Hier des jüdischen Menschen der E r s ü l l u n g und nicht der Betrachtung znführen. Und uw nicht das Tun. sondern das Warten gefordert ist, will die jüdische Methode, die des rabbjnischen Judentums, das gläubige Warten und nicht die Bereitschaft zum Staunen wecken. Von ideologischer Blindheit muß dort die Rede sein, wo eine Gehorsamsbercitschast zwar da ist, aber sich ganz der Lenkung durch die Zeitideeu überläßt. Tiefe Zcitideen sind im. abendländischen Raum von der auf die Bibel zurückgchcnden Idee der Weltgeschichte bestimmt. Seit von Zion die Lehre ansging, ihren Weg gegen Westen nahm, ist alle Politik nicht mehr zäsaristisch, sondern messianisch. Nicht nur das Mittelalter, auch das 10. Jahrhundert ist voll von religiöser Politik. Liberalismus, Nationalismus und Sozialismus sind die religiösen Ideen dieser Zeit. Von der . religiösen Idee zu Gott, von der Ideologie zum Glauben, das ist der uns ausqegebene Weg. Ter der religiösen Idee hingegcbene Gottlose ist nicht mehr der unschuldige Heide iu der Zeit vor der Offenbarung. Im "Umkreis der religiösen Idee, im Umkreis der politisierten Lehre der Schrift entsteht das fanatische Heidentum. Auch die jüdische Predigt des l0. Jahrhunderts hat allzu oft nicht zu Gott, sondern zu Liberalismus. Nationalismus und Sozialismus aufgeruseu. Tie Identität mit Lehren, die von der Bibel her iu die abendländische Welt strömten, wurde begeistert bemerkt. Es wurde aber vergessen, daß das Wort Gottes den ei neu Menschen in einer Situation meint, und keine politische Formel, keine Weltanseifammg. keine Institution dauerndes Nuttel sein kann. Gotr gegenüber in Gehorsam zn bleiben. Durch diese idcologisicrte Predigt ist die Kanzel miß-, braucht worden. Nur, wo sich unsere Predigt wieder der strengen Sehule einer Theologie unterstellt, wird es gelingen, diese homiletische Demagogie zu überwinden. Ter echte Gehör-- sam ist nicht einfach ein Tun. sondern ein immer hörendes Tun. Tic jüdische Eristenz in der Zeit zu leben, führt zur Ausgabe, die Schrift in der konkrete:: Situation der Zeit zu verkünden. Wir müssen i n dem einmaligen Augenblick der Geschichte die Schrift lebendig machen; denn nur so wird sie in Wahrheit gehört werden. Und wir müssen uns gegen den Augenblick der Geschichte stemmen, sonst hören wir die Schrift nicht. Tic jüdische Theologie hat die Schrift dem im Zeitgeist denkenden Menschen mitzuteilen. Wo sic den Bibeltert nur im Sinne der allgemeinen Wissenschaft als historisch-literarisches Dokument behandelt, räumt sie dem Ideologen das Feld, der entweder überhaupt nur die Gedanken des Zeitgeistes denkt oder von diesen Gedanken her die Schrift nmdentet. Es geht um die Verwirklichung. Hier darf die jüdische Theologie nicht schweigen. Nur wo sie es wagt, — es ist ein ähnliches Wagnis, wie es die Propheten ans sich na Innen — von dem. was geschrieben steht, ans das hinzudeutcn, um das wir uns tätig zu bemühen haben, so daß unser Gehorsam gegen Gott für die se und je richtige Aufgabe sehend gemacht wird, steht sie in der echten Tradition, die mit den großen Meistern der Haggada. mit denen, die aus den Büchern des Midrasch zu uns spreckzen, den Zusammenhang herstellt. der Ta Von Alexander Gurrmann « Berlin In der „Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Hochschule für die Wisseuschast des Judentums in Berlin" hat Professor Ismar Elbogen „Ein Jahrhundert Wissenschaft des Judentums", nämlich das erste seit ihrer Begründung dargestcllt. Er ließ das Neue und Epochemachende scharf hervortreten, wies aber auch aus .die Aufangsschwierigkeitcn hin, mit denen die geistigen Pioniere der jüdischen Wissenschaft in jener Zeit zu kämpfen hatten. Die talmudische. oder genauer gesagt: die altjüdische Traditionslitcratur, hat es dabei noch weniger gut gehabt, als die müderen Wissenszweige des Judentums. Einerseits wurde sie durch überkommene mittelalterliche Bewertung in Mißkredit gehalten. Die ständigen Angriffe aus den Talmud warfen ihre Schatten auch noch in die neue Zeit hinein. Anderseits fehlte es dem Talmud au einer adäquaten Parallele in den außerjüdischcn Wissensgebieten. Für die Bibelwissenschaft sowohl wie für die jüdische Geschichte und Philosophie oder Sprachwissenschaft fand mau fertige Forschungsmethoden vor; man brauchte keine neuen Wege zu suchen. Der Talmud aber bildete ein Spezialgebiet, das dem modernen Bearbeiter schon nach der methodischen Seite hin große Verlegenheit bereiten mußte. Er war aus sich selber angewiesen. Um so dankbarer haben wir also die ersten rein wissenschaftlichen Versuche aus talmudischem Gebiete entgegenzunehmen. Tie erste und nachhaltigste Arbeit war für die Stvffsondcruug zu leisten. Ter Begründer der Wissenschaft des Judentums, Zuuz, selber ist mit dem besten Beispiel vorangegangen. Seine „Gottesdienstlichen Borträge der Juden", die an sich andere Absichten hatten, legten zugleich den ersten Grundstein für eine wissenschaftliche Gliederung des weitschichtigen talmudischen Materials. Zunz hat uns in diesem Grundwerk nicht nur die wertvollste literargeschichtliche Studie über die haggadischen Elemente der überaus reichen Traditionsliteratur geschenkt, sondern zugleich auch eine wissenschaftliche Methode sachlicher Stofsgliederung nicdergelegt. Seine Arbeit hat im wesentlichen zu der Erforschung der Haggada, das heißt der erzählenden und ethisch-belehrenden Teile des talmudischen Schrifttums, den Anstoß gegeben. Zu Ende des Jahrhunderts folgte Bacher Zunz' Intentionen mit seinem großen Haggadawerk, in unserer Zeit Einzberg^mit seinen „Legends of the Jews“. soviel Sorgfalt wurde der halachischen. der gesetzlichen Disziplin nicht zuteil. Für sich wurde sie kaum behandelt. Doch kam immerhin ihre prinzipielle Eigenart bei der Ausarbeitung von Sonderthemen des öfteren zur Geltung. Aus älterer Zeit ist da besonders Zacharias Frankel, der Begründer des Jüdischtheologischen Seminars in Breslau, mit seinen Arbeiten über den gerichtlichen Beweis und das jüdische Eherecht zn nennen. Die Wissenschaft aber hat sich mit der Auseinanderlegung der verschiedenen Stoffparticn nicht begnügt. An Bemühungen um eine znsammenfasscude Charakteristik des Talmudischcn hat es nicht gefehlt. Gern wurde sie in der Form der Einleitungswisscnschaft versucht. In hebräischer Sprache schrieb so Zacharias Frankel überdie Mischna und den Jerusalemifchen Talmud. Aus späterer Zeit Zeitschrift f ü , die Wissenschaft des Judenthums. Heraltsgegeben oen onu Verein für Cultur und Wissenschaft der Juden. (Redakteur: Zunz De.) Erster Band. ftfJLV Berlin 1823. .2» Cf «»KB#« «» »m C4rtff*scrfe<« 3u&> *>» OTolT fl**11“**- *

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