Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 36 (6.9.1934)
- Date
- 1934-09-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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■(C.-¥.-Z8feii | I ,^r. 36 * 1. BeibSatt | A\l?(ß)©QÖ §Wff dJsjS ■ cÄ<D -ML-GLÄ J>ü Li Ü? Keine programmatischen Artikel, keine tiefschürfenden Analysen haben aufunsereBittedie Vorsitzenden der Landesverbände des Central-. Vereins der „C.-V.-Zeiknng" als Aenßerung für die Rosch-Haschanah-Nummer Zur Verfügung gestellt. Eie bieten das deutsche Judentum in seiner Vielfalt und Einheitlichlichkeit, in seinen Sorgen und seinen.Hosfmm- §en, in seiner Arbeit und seiner Zielsetzung. Eie zeigen den C.-D., wie ihn Tradition und Gegenwart geformt haben: zum Dienst am deutschen Judentum, zum Dienst am deutschen Juden, wobei das deutsche Judentum, wobei der deutsche Jude alles, die Organisation als Selbstzweck oder Prestigeträger nichts bedeutet. Eine Reihe von Männern, deren Namen das deutsche Judentum kennt und mit Achtung nennt, behandelt das gleiche Thema, unterschieden durch die Verschiedenartigkeit der Temperamente, unterschieden durch die formende Kraft von Landschaft- und Wirtschaft ssttuktup,, einig in ihrer Hingabe an das --rerk, das ihnen anvertraut ist, einheitlich in rhrem Willen zu einer jüdischen Zukunft, gefangen von der Liebe zur jüdischen Jugend. Das sind die Praktiker unserer Bewegung. Sie kennen die ideologischen Probleme sehr genau, sie wissen um die seelischen und geistigen Auseinandersetzungen im deutschen Judentum. Aber ihre Nähe zur Wirklichkeit des deutschen Judentums macht das, was bei Unverantwortlichen so oft in überspitzte geistige Spielerei ausartet, zur sittlichen Grundlage ihres Handelns. Denn was sie sagen, wird von ihnen als Tun verlangt. Was sie versprechen, wird von ihnen als Ers ü l l u n g gefordert. Verantwortung und Bewährung stehen unsichtbar über ihrem Wirken. Das ist Hemmung und Ansporn zugleich. Tie verantwortlichen Träger des C.-B. in allen Teilen Deutschlands geben dem deutschen Judentum zu Nosch Haschanah das Versprechen, zum Werk, zu den Menschen, Z u r I d e e zu stehen. A. H. Hörndl Von Hugo Stein (Karlsruhe), bedurften. In einer Reihe von Bezirkstagungen, die fast alle Gemeinden vom Taubergrund bis zum Bodensee erfaßten, Versammlungen, an denen eine gewisse Uebersättigung unverkennbar festzustellen ist. Unter diesen Mitarbeitern gilt unser ganz besonderes Jntercsfe, aber auch unser herzlicher Dank der in unserem Landesverband neu erstarkten deutsch-jüdischen Jugend, die nicht nur in den Großstädten Karlsruhe und Mannheim vorbildlich arbeitet^ sondern, gerade in letzter Zeit durch verschiedene Neugründuugen in mehreren badischen Städten (z. B. Frciburg und Pforzheim) an Bedeutung und Wirkungsmöglichkcit erheblich gewonnen hat. Diese Jugend, die mit einem bewundernswerten Eifer und einem für die ,,Alten" vorbildlichen Opfermut um ihr jüdisches Sein tut deutschen L» bcnsraum kämpft, ist uns Lichtblick und Hoffnung: ihre Arbeit, ihre Organisation "und ihre Entwicklung mit ollen zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen und 31t fördern, muß auch im neuen Jahre eine unserer wichtigsten, aber auch dankbarsten Aufgaben sein. Zu diesen Aufgaben wird cs gaben sein. Zn diesen Aufgaben gehört aber auch die dringend notwendige Verjüngung a l l e r jüdischen G r c m i e n und nicht zuletzt unserer eigenen Vercinsorgane. Uebcrall hat der C.-V. und haben die in ihm führenden Persönlichkeiten jüdische Arbeit an vorderster Stelle mitgeleistct, wo und wie immer sie zu tun war; sie werden auch in Zukunft immer dort zu finden sein, wo cs gilt, ■ wertvolle Aufbauarbeit dyrchzuführcri. 1P®? „C.-V.“ im dlmälsdkesu Jmdetßimm — ist eine Idee: Er ist die Zusammenfassung aller jüdischen Kräfte, die im Bewußtsein ihres geschichtlichen Gewordenseins lebendiges jüdisches Leben in Deutschland sichern und gestalten wollen. — ist eine Wirklichkeit: Er bekennt sich freudig zu deutsch-jüdischem Sein in all seiner Vielfalt, die durch keine zwcckbetontcn einseitigen Theorien völlig zu erfassen ist. Er ist aufgeschlossen für die geistigen Auseinandersetzungen der Gegenwart und formt aus ihnen das Weltbild des deutsch-jüdischen Menschen. —- ist ein Wille: . Er bejaht deutsch-jüdisches Sein nicht nur, weil es den deutschen Inden schicksalsmäßig gegeben ist,sondern weil er eine deutsch-jüdischoZukunsk will. Vorsitzendem des Badischen L am des Verbands im C.-V. Tie badischen Juden, seit Jahrhunderten schicksalhaft mit ihrer schönen Heimat verwurzelt, hatten teil an dem politischen und wirtschaftlichen Aufschwung des Landes, in dem sie sich als treue Bürger des Staates geborgen fühlten. Die Bestimmungen eines Friedensvertragcs, dessen Härte und Ungerechtigkeit gerade hier in besonderem Maße zutage trat, machten Baden zum Grenzland und hatten wirtschaftliche Schwierigkeiten im Gefolge. Für die badischen Juden hat die politische Entwicklung der letzten Zeit diese materiellen Schwierigkeiten erhöht, sie brachte ihnen auch eine seelische Not von einem Ausmaße. das die Last oft als untragbar empfinden ließ und manchen Lebenswillen brechen M.'ßte. Biele jüdische Geschäfte, die zum Teil feit Generationen im Besitze der gleichen Familie gewesen waren, hörten ans. Weite Schichten des jüdischen Mittelstandes, darunter der in Baden besonders stark vertretene Vithhandel, ging sehr zurück und mußte teilweise neuen Bernsen zugesührt werden, und so mancher Träger akademischer Grade senkte seinen Standart sehr erheblich. Und doch — trotz all des Schweren, das dieses Jahr brachte, und trotz der Not, die einen nicht imerheblichen Teil auch der badischen Juden zwang, in der Fremde eine neue wirtschaftliche Eristenz zu suchen, der überwiegend große Teil der badischen Jndenheit hat sich durch alles bittere Erleben und Erdulden weder in der Liebe zur Heimat, noch in der Verbundenheit jüdischen Daseins beirren lassen. Der C.-V. darf cs sich auch hier zum bescheidenen Verdienst anrcchnen, an der Kräftigung dieses neuerstarkten Lebenswillens mitgearbeitet und damit seine Existenzberechtigung erwiesen zu haben. Gerade die wirtschaftlich Schwachen und vor allem die oft besonderen Nöten ausgesetzten Glaubeusbrüder in den Klcingemeinden und ans dem flachen Land konnten in persönlicher Betreuung und Beratung die seelische und wirtschaftliche Stärkung finden, deren sie so sehr wurden gemeinsame Fragen und neue Wege deutsch-jüdischen Lebens erörtert. Es wird in kommenden Jahren unsere Aufgabe sein, gerade diese persönliche Fühlungnahme, deren Wert gar nicht überschätzt werden kann, noch weiter auszubancn und damit auch dem letzten Glaubensgenossen im Lande das Bewußtsein der Verbundenheit und der Schicksalsgemcinschaft zu stärken. Wie dankbar solche Beratung und Betreuung in den weitesten Kreisen empfunden wird, zeigt die starke Inanspruchnahme der in diesem Jahr bei der Landesverbandsleitung errichteten rechtlich - wirtschaftlichen Beratungsstelle. Es gibt kaum ein Gebiet des durch die zahlreichen neuen Gesetze stark erweiterten Rechts- und Wirtschaftslebens, in dem nicht unsere Hilfe und unser Rat erbeten und erteilt wurde. Auch im neuen Jahr soll diese Tätigkeit sortgesührt und verstärkt werden; denn diese stille Arbeit, von der der Außenstehende freilich wenig merkt, die aber zur Schaffung, Sicherung und Erhaltung so mancher jüdischen Existenz ihr gut Teil beiträgt, trägt ihren Lohn in sich selbst und übertrisst an Bedeutung zumeist große rauschende Gffenzmzan’h Von Ludwig Rosenthal (Schneidemühl) Vorsitzenden! d c s Landesverbandes Grenzmark. Tie Grenzmark, die ans dein Rest der ehemaligen Provinzen Posen und Wcstpreußen zusammengesetzt ist, hat in jüdisch-kultureller Beziehung eine ganz bcstiunnte Tradition. Das deutsche Judentum in der früheren Provinz Posen unterschied sich von dem größten Teil des übrigen deutschen Judentums dadurch, daß hier die Pflege jüdischen R cli - g i 0 n s b e w n ß t s e i n s und jüdischen Gemeinschaftsgeistes eine besonders feste Stätte hatte. Dazu kam eine durch die nationalpolitischen Verhältnisse verstärkte Verwurzelung i m deutschen K u l t u r k r e i s. - Tic beiden größten Gemeinden der Grenzmark. Schneid emühl und Schönlanke, gehörten früher zur Provinz Posen und haben daher auch heute noch diese besondere Prägung. Hinzu kommt, daß ein nicht unerheblicher Teil der posenschen Juden in dip Grenzmark übergesiedclt ist, als er infolge seiner Option für Deutschland gezwungen war, das polnisch gewordene Land zu verblassen. Diese Zuwanderung hat naturgemäß auch gerade diese Tradition verstärkt. Ter stärkste äußere Beweis für all dieses ist offensichtlich der. daß in allen Gemeinden, auch den zahlreichen Klein- und Zwerggcmcinden. der C e n t r a l - B e r e i n, der Bund Deutsch-Jüdischer Jugend und viele andere Vereinigungen mit, den verschiedensten Ausgabenkreiscn in den meisten Fällen den größten-Teil der Gemeinde bzw. der Jugend umfassen. C e u t r a l - V e r e i n nn d B un d De u tsch -I übischer Inge n d können dabei an er st e r Stelle genannt werden, da gerade sie diesen jüdischen Menschen in der Grenzmark mit ihrer starken jüdisch-religiösen und deutschen Tradition gemäß sind. Auf wirtschaftlichem Gebiet sind gewisse Unterschiede zwischen den einzelnen Gemeinden sestznstellen. In großzügiger Weise fait gerade die Grenzmark im letzten Jahr di« wirtschaftliche Beratung und Stützung der dortigen Juden dnrchgesührt. Eine Zentra l - Tarlehnskaff'c und eine Wirtschaftshilsssielle sind im Sommer vorigen Jahres in Schneidemühl gegründet worden und haben eine nmfangreiche Tätigkeit entfaltet. Insbesondere durch die Gewährung von Krediten seitens der Darlehnskasse konnte eine ansehnlich Zahl von bedrohten Eristenzen gesichert und auch manchem Anfänger der Weg geebnet werden. Auch hier hat der Eentral-Verein mittelbar dadnrcki in stärkstem Maße mitgewirkt. daß die Leitung der Kasse in die -Hände zweier führender C. - V. - Mitglieder gelegt ist. Osippetzssean Von Dr, Leo Pollnow (Königsberg) Vorsitzende m des Landesverbandes Ostpreußen Tic ojtprcnßische Jndenheit ist, abgesehen von Königsberg und vier mittleren Städten, in zahlreiche kleine und kleinste Gruppen zersprengt. In 87 ostprenßischcn Orten außerhalb Königsbergs gibt es Mitglieder de? C.-V. Diese Zerstreuung unserer Menschen und ihre berufliche Schichtung ergeben die besonderen Ausgaben, die der E.-V. in Ostpreußen zur Erhaltung des jüdischen Menschen in Ostpreußen leisten muß. Tie berufliche Kernschicht bilden die mittleren und kleinen Einzelhändler, die aitf den Umgang mit breitesten Bevölkernngsschichteu angewiesen sind. Hier wurden gerade im letzten Jahre Lebensfragen berührt, mag es sich nun um das Verhalten der Käufer-- kreise, um innere Fragen des Betriebes oder um Möglichkeiten und Grenzen der Werbung handeln. Die Beratung auf diesen Gebieten bildet daher einen großen Teil der Tätigkeit des C.-V. In Ostpreußen, dem klassischen Lande der Pferdezucht, ist eine nicht unerhebliche Anzahl von Juden im Pscrdehandel tätig. Dagegen widmen sich dem sogenannten Landhandel im übrigen kaum nennenswerte Kreise des ostprenßischcn Judentum?. Entsprechend dem Agrarcharaktcr Ostpreußens, tritt der Anteil der Industrie innerhalb der beruflichen Schichtung der Inden stark in den Hintergrund. Es finden sich einige Säge- und Mühlcnwcrke sowie Spiritnosensabrikcn in j Zur Sdiuhpflege die g-> . Jxjvährten C TI -Präparate