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Central-Verein-Zeitung · 1934-08-30 · 35 (30.8.1934) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
35 (30.8.1934)
Date
1934-08-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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/ i! U!!L H;; n l o Np. 35 ü'C 1 2. Beiblatt CJ f *ai8cn aon uter Von Dr. Fritz Friedlaender *) Jeder geschichtliche Moment ist an sich tragisch. Rudolf Borchardt. i Ranke, der größte Historiker aller Völker und ) Zeiten, hat in einer tiefsinnigen Wendung einmal gesagt, daß jede Epoche unmittelbar zu Gott J jei. -Xamit wollte er andeuten, daß jedes ge- 1 sichtliche Zeitalter beanspruchen dürfe, als ein '' scl'ständiges und abgeschlossenes Ganzes betrachtet s zu werden. Tiefe Erkenntnis bildet den Kern '' der Ranke scheu Geschichtsauffassung: sie lehrt uns, den Geist einer Zeit aus seinen eigenen Inhalten zu begreifen und nicht — wie es zumeist geschicht — das Vergangene mit dem Wertmaßstab rer Gegenwart zu messen. Rieht anders verhält es sich mit dem Zeitalter > der Emanzipation der Juden in Teutschland. Es ift nidjt angängig, ja es ist geradezu unwissen- - gastlich, wenn man unter tagcspolitischen Ein- '7 jlüssen an die Wertung jenes. Zeitalters herangeht. Das mag zu den Aufgaben des Publizisten gehören, dem Amte des Geschichtsschreibers widerspricht es. Leine Pflicht schreibt ihm vor, dem ■ Erdete des Meisters entsprechend einfach festzustellen, „wie es eigentlich gewesen ist". Ob die Ccdankenwelt der Emanzipation dem Sturm der Seiten zu trotzen vermochte: das zu entscheiden, ist des Politikers, aber nicht des Historikers Recht. ks entsprach dem Brauche einer naiv Volkstiimlid;cn Geschichtsschreibung, die Anfänge der biiianzipation der Juden in Teutschland an die ehrwürdige Persönlichkeit Moses Mendelssohns onzirkniipscn, wohl aus dem naheliegenden Grunde, weil feine geistige und geschichtliche Gestatt sich erstmals in der neueren Geschichte scharf lcutnriert vom Hintergrund der Zeit abhebt. Jetech dieses vereinfachende Verfahren ist ein brauch, von dem der Bruch mehr ehrt als die Bielgung. chr Wirklichkeit-ist die Emanzipation die Folge einer lang andauernden tiefeingreifenden UmtJiu&sn m£Js wälzung gewesen, die sowohl auf wirtschaftlichem wie auf geistigem Gebiete in die Erscheinung trat. Als Teilnehmer an dem modernen Freihandel und der modernen freien Wirtschaft haben Sie Juden ihren Einzug in die neuere deutsche Geschichte gehalten. Es ist jedoch abwegig und irreführend, die Juden als Bahnbrecher des modernen Wirtschaftsdenkens hinzustellen, sie sind, wie gesagt,^ nur Teilhaber gewesen, Teilhaber an einer wirtschaftlichen Entwicklung, die sich wahrscheinlich auch ohne ihre Mitwirkung zwangsläufig vollzogen hätte. Vielleicht dürfen wir von der neuen Wissenschaft der Vvlkstheoric und Volkstumssoziologie, als deren Vertreter, wie man sich erinnert, Max Hildebcrt Böhm an die Universität Jena berufen wurde, Ausschlüsse über das Problem der Einvrdnung der Juden in den deutschen Volkskörper erwarten, vorausgesetzt, daß jene Wisscnscl)ast auch den jüdischen Belangen und dem jüdischen Stand- Punkt Gerechtigkeit widerfahren läßt. Eine solche gruppensoziologische Betrachtungsweise, die, wie gesagt, voraussetzungslvs und wertfrei gehalten sein muß, könnte auch das heißnmstrittene und unendlich komplizierte Problem der Assimilation enträseln, jenes Problem, das sich von dem hier zu erörtenden Problem der Emanzipation nicht abtrennen läßt. Was bedeutet Assimilation? Die Versuchung liegt nahe, den gesäurten Ablauf der Weltgeschichte als einen sich stets erncuernderr, abwechselnden und einander kreuzenden Prozeß der Assimilation zu deuten. Die Umsetzung rassereiner Aölkereinheiten in gemischtrassige, die Ueberlagerung und Ueberfrcmdung eigenständiger Urkulturcn durch propagierende Fremdknlturen — vor: Spengler geistreich als „Pseudomorphoscn" gedeutet —, die oft gewaltsame Anglcichung der Urbevölkerurrg — *) Dergl. C.-D.-Zeitung, Nr. 20, 24, 26, 23, 30,32. Johann Jacoby Moses Mendelssohn Gabriel Riesser r.„ ---* f ' >; yM .. | I - . ’’;; : * j f vx.~:.—1 : ' i \i; ... Paul Nathan Eduard Lasker Ludwig Bamberger Autochthoucn genannt—, an die fremde Erobererschicht — der Pelasger an die Griechen, oder Kanaaniten an die Israeliten usw. — das alles und vieles andere noch gehört in das Kapitel der Assimilation. . Assimilation bedeutet soweit die Anpassung der vcrschicdenrassigen und geistig getrennten Grundstosfe an einen gemeinsamen und übergeordneten Lebensstil, der einem Bolks- oder Kulturverband zugrundeliegt. Assimilation ist sozusagen der Generalnenner, der die Teilbeträge eines Volksnud Kulturaufbaues zu einer Endsumme verbucht. Jede Assimilation umgreift eine tragische Notwendigkeit, tragisch im Sinnejenes Ausspruchs, den wir unseren Ausführungen voranstclltcu. Edles und Wertvolles verschwindet oder geht in einer höheren Einheit aus: so beruht — um nur ein Beispiel Herauszugreisen — auf der Assiunlution der Kelten an das Rvmcrtnm sowie auf der Assilnilation der germanischen Franken an die keltoromanische Mischung das moderne Frankreich. Nicht anders verhält es sich mit der Assimilation der Juden in Deutschland, obwohl hier — das haben Hr. von Keller und Ernst Niger ganz richtig empfunden — eine Erscheinung sui «jeneris vorliegt. Sicherlich hat hier die religiöse Bindüng der Nasicnmischnng einen Niegel vorgeschoben, aber eine kulturelle Mischung und Assiinilation hat in Sprache, Brauchtum. Sitte und Gesittung zwischen Deutschtum und Judentum allenthalben stattgesunden. Man mag das Dasein dieses assimilierten deutschen Judentums beklagen oder begrüßen,-verwerfen oder anerkennen, cs ist nun einmal eine geschichtliche Tatsache, mit der man rechnen muß. Die Assimilation hat für die Emanzipation die Voraussetzung geschaffen. Tenn eine Menschengruppe kann nur dann emanzipiert werden, wenn sie die Ausgleichung an ihre Umwelt zu einem gewissen Mindestmaß vollzogen hat. Nur auf diese Weise vermag sie in die Stellung des Staatsbürgers hineinzuwachscn, sonst verharrt sie im Stande des Periöken, d. h. des Anwohners. In den Kreislauf der Wirtschaft einbezogen, haben zunächst die sogenannten Hofjuden als Wegbereiter der bürgerlichen Gleichstellung gewirkt. Denn die Anfänge der Emanzipation weisen m das Helldunkel des Barock zurück. Das absolutistische Staatssystem bediente sich der Juden, um die Umstellung des Handels und Verkehrs von der mittelalterlichen Naturalzur modernen Gcldwirtschaft rascher und reibungsloser zu bewerkstelligen. Den Hofjuden insbesondere fiel eine Ausgabe zu, die ebenso heikel wie unpopulär war. Ter fürstliche Absolutismus ging darauf aus. die parlamentarische Mitregierungssorm der Stände auszuschalten, indem er das wichtigste Recht der Stände, die Steuerbewilligung, durchlöcherte. Bei diesem zähen und verbitternden Ringen haben die Hofjuden auf seiten der Landes- Herren gestanden, und sie haben dafür Haß und Mißgunst der Menge zu spüren bekommen. Nicht der Mensch jener seelenverkaufenden Zeit, in deren sittliche Fäule Schillers „Kabale und Liebe" hineinleuchtet, war gemein, sondern die Politik machte ihn gemein. So hat die Volkslegende die neuerdings aktualisierte Figur des Jud Süß in den Farben eines selbstsüchtigen Ausbeuters geinalt, während er sich in Wirklichkeit — wie Selma Sterns grundlegende Lebensbeschreibung aufwics — für seinen württembergischen Herzog aufgeopsert hat. Denn der Jude mußte Fürstendiener sein, weil nur der Fürst die Macht besaß, ihn zu emanzipieren. Im Dienste der Hohenzollern haben jüdische Finanzmänner das staatliche Geldwesen organisiert. Jost Liebmann alö Münzmeistcr des Großen Kurfürsten, Veitel Ephraim als der sprichwörtlich gewordene Finanzier der Kriegführung Friedrichs des Großen. Unter wirtschaftSgeschichtlichem Gesichtspunkt läßt sich vielleicht für das Auf und Ab der Indenemanzipation eine wesentliche Feststellung treffen. Im Gefüge der sogenannten geschlossenen oder ganzheitlichen Wirtschaft, in einer Zunftordnung, die bedarfdeckungswirtschaftlich-autarktische Grundsähe verfolgt, sind die Bedingungen für eine Gleichstellung der Juden von vornherein ungünstig. Dagegen ist in dem weiträumigen Wirtschafts' gesüge der Freizügigkeit und der Eewerbefreiheit die Neigung vorhanden, die Juden in den Wirtschaftsprozeß miteinzuschalten. So hat zur Zeit MrÄ SÄ Zum 28. August 1934 Rudolf Knolls schöner Aufsatz „Besuch bei Eocthe" (in Nr. 16 der C.-V.-Zeitung) weckt in uns bie Erinnerung an zwei andere junge Menschen jüdischer Mkunst, denen Zelter den Zutritt zum Haus am Frauenplan und damit den höchsten Eindruck ihres Lebens vermittelte. Das Bild des einen Gastes ist allen denen vertraut, die Hensels eltberühmtes. heute mit besonderem Gewinn zu lesendes Werk über die Familie Mendelssohn kennen; sie s^ßen vor ihrem geistigen Auge Felix Amdelssohn-Bartholdy, wie er am Streicherschen ul'.igel sitzt und, immer wieder von dem Olympier ernnnüert, stundenlang musiziert. Jeden Morgen, schreibt der Zwölfjährige nach Hause, erhalte ich den dem Antor des Faust und des Werther einen ^-uß. und jeden Nachmittag vom Vater und Freund b'rcihe zwei Küsse. Und der Dichter dankt dem Knaben mit den ergreifenden Worten: „Ich bin Caul und du bist mein David; wenn ich traurig r:nd trübe bin, so komm du zu mir und erheitere ^'-ch durch dein Saitenspicl!" Weniger bekannt ist die Tatsache, daß Zelter bei Goethe noch einen anderen Jüngling eingeführt hat. dessen Name später in Teutschland verehrungsdoll genannt wurde: Martin Eduard Simson ans Königsberg. Seiner darf hier gedacht werden, ob- '^vhl er schon früh zum Protestantismus übertrat. Senn er hat seine Herkunft nie verleugnet, ja, sich lincr bei einer Auseinandersetzung mit dem jungen Bismarck gerühmt: als dieser bei einem Presse- Konflikt im Erfurter Unionsparlament Simson, dem Präsidenten des Hauses, malizros erklärte, seine 2age könne wohl nur ein Edelmann würdigen, widerlegte er ihn mit dem Argument, daß er ja au^ eine viertausendjährige Geschichte fernes Stammes (Zrückfehe . . . Doch darüber hinaus nwchten wrr setzen: Eduard von Simson ist unter den Aokömmlmgen des deutschen Judentums, die im 19. JL^,vhjwdert zu Rang und Ansehen gelangten, gewitz ^cht die genialste, vielleicht aber die fymbolisazste ^ialt. Ter Sohn eines kleinen Kaufmannes (der pch um die Jahrhundertwende Lesen und Schrerben ^ch selbständig aneignen ^mußtet wird im Lauf eines langen Lebens Freund und Vertrauter der Edelsten der Nation, darf zweimal als „Chorführer der Deutschen" den Hohenzollern die Kaiserkröne anbieten, erhält als Greis das höchste Richteramt im Reich und wird mit allen Ehren und Würden überschüttet, die das dankbare Vaterland zu vergeben hat. In dem Alter,'in dem andere die Universität zu beziehen pflegen, verläßt Eduard Simson sie bereits; achtzehnjährig erlangt er an seiner heimatlichen Hochschule nicht nur den juristischen Doktorgrad, sondern gleichzeitig auch die venia leZencki. Doch che er die ihm augcbotene akademische Lehrtätigkeit aufnimmt, will er sich ein wenig in der Welt nmsehen. Mit einem Reisestipendium für zwei Jahre ausgerüstet, kommt er im Sommer 1829 zunächst nach Berlin und bewundert die Leuchten am dortigen Gclehrtcnhimmel, Savigny und Hegel, Karl Ritter und Schleiermacher. Tann sucht er Zelter auf und läßt sich von ihm, da er auch in Weimar Station zu machen gedenkt, Empfehlungsbriefe an Goethe und Eckermann mitgeben. Launig schreibt Zelter an seinen großen Freund: „Wenn Du mir auch .nicht zu danken brauchst, daß ich Dir so vielerlei Leute ins Hans sende, so habe ich zu danken, eben durch solche Gelegenheit Dir wieder und wieder 31t 1 sngen, daß ich lebe und Dir lebe. Dr. jur. Edward Simson, ein stattlicher achtzehnjähriger Jüngling von Königsberg in Preußen, ist mir stark empfohlen; er soll von großen Hossnnngen sein und reiset ans königliche Kosten . . Am Nachmittag des 26. August bringt die Thurn und Taxissche Post den jungen Mann nach Jlmathen. Auf Zelters Rat steigt er im „Weißen Schwan" ab. ganz nahe dem Goetheschen Haus. Tags darauf macht er dem kränkelnden Eckernmnn eine Visite; dieser schildert ihn seinem Meister als „sehr angenehm gebildeten., vielversprechenden jungen Mann." 28. August 1829. Es ist Goethes achtzigster Geburtstag, den ganz Weimar mitfeiert. Heute - bedarf es für den Fremdling, der am Frauenplan erscheint, keiner besonderen Anmeldung. So dringt Simson rasch zum Hausherrn vor. der gerade mit ein paar Ausländern plaudert. Der Neuankömmling hat einen Augenblick Zeit, die schlichte Kleidung des Jubilars zu betrachten; dann überreicht er ihm sein Empfehlungsschreiben. „Das ist hübsch, daß von Zelter etwas Freundliches zu diesem Tage eintrifft; ich freue mich sehr", versichert er Simson und zieht sich zurück, um den Brief genauer zu lesen. Inzwischen kommt der junge Doktor mit. Ottilie von Goethe, ihrer Schwester Ulrike Pogwisch. die seine besondere Bewunderung erregt, und dem Hauslehrer der Goetheschen Enkel ins Gespräch. Dann tritt der Dichter wieder zu Simson, stellt ihn dem Landesdircktionsrat Töpfer vor und bittet diesen, er möge ihn zum heutigen Festessen der „Gesellschaft" einladen. Er will seinen Wunsch eben mit dem Satz begründen: „Er (Simson) ist von Zelter sehr empfohlen, und ans allem, was ich aus dem Brief von ihm ersehe . . Doch schon fällt Töpfer ihm ins Wort: „Euer Exzellenz machen mich durch einen Befehl am heutigen Tage glücklich." Goethe erkundigt sich dann noch, wo Simson wohnt; „als ich", heißt es in Simsons Tagebuch, „den Weißen Schwan genannt, meinte er, er sei von den kleineren Gasthöfen, aber artig — und wir würden doch gute Nachbarschaft halten". Mit dieser liebcnstvürdigen Wendung endet der erste Besuch. Nun folgen ein paar Tage, an denen sich Fest an Fest, Einladung an Einladung reiht: der junge Königsbergcr Gelehrte ist, nachdem Goethe ihn so freundlich empfangen, überall ein willkommener Gast. Ein Höhepunkt seines Weimarer Aufenthalts ist ein Besuch im Theater; dort wird zum ersten Male der Faust gegeben, und Simson hat später versichert, er habe ihn zeitlebens nie besser gesehen. Am Abend des 31. August, kurz vor seiner Abreise, ist er bei dem Olympier zum Tee eingeladen. Im kleinen Kreis, zu dem Holter, Eckermann, der polnische Dichter Mickicwicz und der französische Bildhauer David d'Angers zählen, sitzt man behaglich beisammen. Goethe — ..für einen Achtziger ist das Gesicht bildschön, das Haar erst grau, noch nicht weiß, herrliche Augen" unterhält sich mm Simson „recht angelegentlich" über Königsberg und Ostpreußen überhaupt und preist ihm danach „mit wahrhast jugendlicher Wärme und hohem Lobe" ein Rossinr-Medaillon Davids. So vergehen anderthalb Stunden in angeregtem Geplauder. Gegen acht Uhr verläßt Goethe still seine Gäste. „Ohne unser Bitten und Gebet" läßt er durch seine Schwiegertochter Eduard Simson noch ein älteres Gedicht mit seiner Unterschrift und dein Datum des achtzigsten Geburtstags überreichen, und Ottilie erteilt ihm die Erlaubnis, sie abermals zu besuchen, wenn er wieder einmal nach Weimar kommt. Beseligt schließt er seine Weimarer Tagebuchauszeichnnngen: „So, deucht mich, könne ich nie mehr ganz unglücklich werde::, seit ich Ihn gesehen und durch diese herrliche Persönlichkeit befestigt habe, ivas in mir von Ehrfurcht und Liebe für Ihn lebte . . ." Alle Biographen Simsons — neben seinem Sohn Bernhard und seinem Enkel Ernst Wolfs auch der sehr kritische Hermann von Petcrsdorsf — sind sich darin, einig, daß die innigen Tage von Weimar in. sein ganzes späteres Leben hineingeleuchtct haben. Seitdem wurde er, sagt selbst Petersdorss, jener in Goethe lebende, feinsinnige Geist, dessen vornehme Ruhe und dessen Adel auf seine Zeitgenossen inuner wieder einen wohltuenden Eindruck hervorriesen. Kein Tag verging seither, an dem Simson nicht in Goethes Werken las, daraus Kraft für sein Tagewerk schöpfend. Die sechzigbändige Ausgabe letzter Hand hat er immer wieder von Anfang bis Ende durchstudiert und mit zahlreichen Verweisungen und Notizen versehen, und ebenso beherrschte er die ganze Goethe-Literatur. Ein geeignetes Zitat deS Meisters stand ihm bei festlichem Anlaß stets mühelos zur Verfügung, als in der Frankfurter Panlskirche Friedrich Wilhelm IV. zum Kaiser gewählt wurde, würdigle der Präsident sogleich das Ereignis mit einem Wort ans „Hermann und Dorothea". In späteren Jahrzehnten ift Simson, desgroßen Jugenderlebnisscs gedenkend, bewegten Herzens noch öfters nach Weimar gekommen. A:S er 1850 dem Erfurter Unions Parlament ^präsidierte, war er mit einigen, anderen Abgeordneten beim Großherzog zu Gast. Der unpolitische Jungling von 1829 erörtert nun im. Park von Be> vedere mit Heinrich von Sägern stundenlang bic vaterländischen Sorgen. DaS Fräulein Ulrnle von Pogwisch aber, dessen Anmut ihn einst bezauberte.

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