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Central-Verein-Zeitung · 1934-08-30 · 35 (30.8.1934) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
35 (30.8.1934)
Date
1934-08-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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GGM ® fl £ ff nfj In herzlicher und dankbarer Gesinnung cedenken die Leitung des Centralvereins;Dd die Schriitleitung der C.-V.-Zeitung Isniar Eibogens an seinem 60. Geburtsam 1. September. Seine Persönlichst braucht keine Bestätigung mehr. Aber, jjS freundschaftlich . nahestehen zu Tonnen, bedeutet viel für seinen Xreis. Von diesem Gelehrten und jüdischen Lebenskenner gilt nicht wie von manchem schriftstellernden Historiker, dass die Dichter ihn einen grossen Forscher und die Forscher ihn einen grossen Dichter nennen. Kr ist Wissenschaftler und Praktiker in innigster Verknüpfung, voll Tiefe der Gedanken und Nützlichkeit ihrer Gestaltung. Das deutsche Judentum verdankt ihm unendlich viel: seine auch heute noch kaum erschütterte Weltgeltung als Mittelpunkt der Wissenschaft des Judentums, und eine grosse Reihe jüdischer Persönlichkeiten, ehemalige Schüler, die in Schule und Synagoge zum Wohie 'des Ganzen wirken. Die Schriftleitung der C.-V.-Zeitung ehrt ihren uneigennützigen Berater und Mitarbeiter, und sich selbst, durch die Herausgabe einer Sonderbeilage der C.-V.-Zeitung: „Die Wissenschaft des Judentums. Stand und Forderungen“, mit Beiträgen hervorragender Mitarbeiter und Schüler Eibogens in der Rosch haschana-Nummer unseres Blattes. Diese Beilage wird auch eine zusammenfassende Würdigung des Menschen, des Lehrers, des Forschers Ismar Elbogen enthalten. Von Professor Dr. Eugen Wölbe Mrie von Bimsen leitet einen Aussah über die rumänische Tichterkönigin mit den Worten ein: „Wenn inan von (v armen Sylva spricht, kommt man unwillfürlich ins Schwärmen." sehnlich ergeht cs dem deutschen Juden — linäi dom gereiften, nüchtern denkenden —, der J-mar Elbogen seit Jahrzehnten kennt und zwanglos von ihm erzählt. Wenn auch Elbogen eine durchaus unkomplizierte Natur ist — sein Wesen liegt vor uns wie ein anfgeschlageros Buch —, so läßt sich doch viel über ihn sagen, dcnn er ist kein einseitiger Stubengelehrter, sonk:n er steht mitten im Leben und macht die fcobfeme der deutschen Juden von heute zu den scirigen, ohne freilich parteilich zu ihnen Steltoj zu nehnien; ein bekanntes Wort abwandcknd, konnte Elbogen wohl von sich, sagen: „Ich kenne keine Parteien in Israel; ich kenne nur Juden." lamm ist Mildern, Ausgleichen, Versöhnen ihm ebenso wie Beraten, Ermutigen und Helsen zur zweiten Natur geworden. Wie oft haben wir, seine freunde, diesen Zug seines Wesens an ihm bewundert! Vermöge seiner glücklichen Naturanlage brauchte Elbogen niemals schwere Seelenkonslikte wälzen. Verankert in. kindljch.schl'ichter üwmnngkeit, meistert er das Leben und freut der Gaben, welche ein gütig Schicksal' ihm verlreh: Gaben des Geistes, die er in den Dienst der Wissenschaft des Judentums stellt; Gaben des Gemüts, die sich in der Hingabe für die Seinen wie in der Anteilnahme am Ergehen seiner p-reunde auswrrken. Eine wahrhaft erdrückende Fülle von?5rbeit§- lasten ruhen auf Elbogens Schultern. Und doch hat dieser gütige Mann immer Zeit für einen freundschaftlichen Gedankenaustausch. Wir haben so manche schöne Anregung von ihm enipfangen. Manche literarische und karitative Arbeit verdankt einer Besprechung mit Elbogen ihr Entstehen. Nicht leicht ist's, sein Vertrauen zu gewinnen; wer es erwirbt, ist wohlwollender Förderung sicher. Bereitwillig belehrt er die Freunde, wenn sie über Tinge seiner histörisclM und talmudischen Wissenschaft Auskunft heischen. Bereichert verlassen wir seine Schwelle. Es' müssen nicht immer gelehrte Tinge sein, in denen sein Rat erbeten wird: der Weitgereiste — dessen Name auch jenseits des Ozeans einen guten Klang hat — plaudert unterhaltend auch über die Länder, in denen er jüdische Wissenschaft gelehrt hat, plaudert über die Florentiner Madonna des Cimabutz wie über den — Weißwein in Orvieto. Welche glückliche, harmonische, abgeklärte Natur! Ta ich Elbogen hier nur insoweit kennzeichne, wie ich ihn als Freund erlebte, so bleibt seine Hilfsbereitschaft gegenüber anderen seiner Freunde, die sich in ernsten Lebensfragen an ihn wandten, nnerörtert. Ich weiß aber, daß er sich ihrer brüderlich annahm und ihnen zu wirtschaftlichein Wiederaufbau behilflich war. Tie Not unserer Zeit, die alle Kräfte zur Mitarbeit heranzieht, stellt den Gelehrten vor schwierige Aufgaben; nimmermehr wird er sich ihnen entziehen, wenn es sich um die Ehre, das Wohl und ine kulturelle Höherentwicklung Israels handelt. Tie jüdischen Bereinigungen schätzen es sich zur Ehre, ihn zu ihren Mitarbeitern zählen zu dürfen. 'Allenthalben erwirbt er sich Freunde. Wie? Tas verraten ein paar Zeilen, mit denen er sich nach der Heimkehr von seiner amerikanischen Vorlesungsreise in meinem Freundschaftsalbum verewigte CI. März 1923): „Ich lehre von einer weiten Reise zurück und darf als Erfahrung, die ich in einer fernen Welt bestätigt gesunden, anssprechen: „Gradheit und Pflichttreue, Hingebung und Begeisterung für eine edle Aufgabe öffnen den Weg zu den Herzen der Menschen". Anläßlich des 60. Geburtstages von Professor Dr. JSmar Elbogen widmet die „Zeitschrift für die Geschichte der Iudcn in Deutschland" (Philo Verlag, Berlin \V. 15) ihrem leitenden Herausgeber ein besondere? Heft. Fachkollcgcn, Schuler und Freunde des Jubilars, jüdische Wissenschaftler in Deutschland wie Gelehrte im Ausland haben, beachtliche historische Arbeiten zur Verfügung gestellt. Tie Autoren sind Selma Stern-Täubler (London), Max Freudenthal «Nürnberg), Aron Frcimann (Frankfurt a. Ä!.'), Guido Kirsch (Halle), Adolf Kober (Köln), Ilinberto Cassuto (Nom), Immanuel Löw (Szcgedin), Jacob Mann (Cincinnati), Hermann Vvgelstcin (Breslau). Friß Pinkuß (Heidelberg). Isaak Marken (Hamburg). Luitpold Wallach (Lauphcim, Württemberg), Fritz Aronstcin (Berlin). SWAMik w»»> zu THMHMeVS 56. In diesen Tagen feiert Felix A. Theilhaber seinen 50. Geburtstag. Als Arzt und Schriftsteller i't Theilhaber, wie sein Vater, der ausgezeichnete Münchener Gynäkologe Hofrat Adolf Theilhaber, nt weitesten Kreisen der deutschen Iudenheit und. darüber hinaus bekannt und geschätzt. In seinem äußeren Leben fällt besonders die Teilnahme tm verschiedenen Feldzügen auf: Er ging 1911 mit den Türken als Feldarzt nach Tripolis, nahm 1914 am Valkankriege teil und eilte 1914 zu den deutschen Fahnen. Eine erstaunliche Produktivität und Vielseitigkit charakterisiert sein literarisches Schassem Trei große Gebiete umfaßt sein bisheriges geistiges Wirken. Schon früh beschäftigt er sich mit jüdischeu Problemen, insbesondere mit der Volkswirt» schaftlich.statistischen Erforschung der jüdischen Bevöltenmgsentwicklnng. Er veröffentlicht medizi- Nische Arbeiten, insbesondere über Sexualprobleme, und versucht sich erfolgreich auch auf schöngeistigem Gebiet. Tics ist die lange Liste seiner größeren Arbeiten: 1907 bis 1910: Herausgabe der Zeitschrift „Palästina . - mi: „Ter Untergang der deutsche^ Inders — 10l9: „Beim roten Halbmond von TripollS. 1-*13: Eine volkswirtschaitliche Studie ,.^-as stertle Perlin". — 1914- .Tie Schädigung der Nahe durch stüalcs und wirtschaftliches Anfsteigen." — l?lb: "Tie Juden im Weltkrieg." — 1917: „Schlichte Ariegserlcbnisse, Skizzen aus dem „eldc. . — 131.». .-Jüdische Flieger im Kriege." — 1920: „Das Wcnb , ew Frauen- und Mutterbnch. — 1921: „Ern Brevier mit Herzl-Worten." — 1925: „Stärkung vun Kerper^ sin jiddischer Sprache). — 1927: „Tie Beschnetdung. 7- 1929: „Goethe. Serus und Eros." -1931: Tat und Leistung. Juden in der deutschen ,wrschung und Technik."' _ Herausgabe der „Vertrage zunr ^erualprvlücm." .. .... , * mp, ■ Eine Fülle von einschlägigen Artikeln und Ab» Handlungen in Zeitungen und Zeitschriften runden das Bild seiner ungewöhnlichen Scha,» knslrast ab. Hier interessieren vor allem seine Arbeiten auf jüdischem Gebiet. Seine Schriften atmen den Teist einer heißen Liebe für das Judentum. Er verkörpert den Typ des mutigen und tapferen jüdischen Menschen, der sich für die Ehre und -Dürde seines Judentums einsetzt und Gerechtigkeit fordert in der jahrhundertelangen Kette der Streiter für Achtung und Anerkennung des Inden» tums. Er wehrt sich nie ermüdend mit zäher Beharrlichkeit für die jüdische Gemeinschaft und kämpft innerhalb der Judenheit für ihren Be» stand, ihre Sicherung und Fortentwicklung. Ohne Scheu und Zagen enthüllt er gewonnene und von ihm als richtig erkannte Wahrheiten ans einem tiefen Pflichtgefühl gegenüber der jüdischen Ge» meinschaft. Die Leistung jüdischer Menschen in Forschung und Technik für den deutschen Kultur» und Wirtschaftskreis finden durch ihn ihre besondere Würdigung. Mit seinen volkswirtschaftlich-statistischen Un» tersuchungen des jüdischen Bevölkerungsproblems hat er die Aufmerksamkeit der gesamten jüdischen Oesfentlichkeit auf sich gelenkt. In seinem Kampf um das Judentum und seiner Vorliebe für volkswirtschaftlich-statistische Forschungen hat Theilhaber gegen alle Anzweiflungen mit einem wah- ' len Fanatismus seine Arbeitsergebnisse verteidigt und mit jedem neu auftauchenden Tatbestand zu untermauern versucht. Durch die von ihm be» sottders bevorzugte, allerdings nie zuvor» lässige Methode, Erkenntnisse aus statisti» scheu Beweisführungen zu gewinnen, gibt er seinen Arbeiten wissenschaftliches Gepräge. Taszeigt vor allem seine von der Gesellschaft für Nassenhygiene preisgekrönte Arbeit über die „Schädigung der Rasse durch soziales und Wirt» s'chastlichcs Aussteigen, bewiesen an den Berliner Juden", noch stärker aber seine „Volkswirtschaftliche Studie über den Unter» gang der deutschen Juden". An Hand umfangreicher statistischer Ermittlungen und Be» rcchnungen versucht Theilhaber den Nachweis, daß das deutsche' Judentum hauptsächlich durch mangelnde Fruchtbarkeit zum Untergang verurteilt ist. Während er in der ersten Auflage seiner Arbeit (1911) einer praktischen Devölkerungspoli» tik in Deutschland das Wort redet, die diesen nach seiner Meinung unabwendbaren Verlauf des Schicksals der deutschen Juden aufhalten und umbiegen könnte, findet er sich in der zweiten Auf» , läge dieser Untersuchung (1921) mit der von ihnt berechneten Entwicklung der jüdischen Bevölkerung auf deutschem Boden ab und fordert in großer Besorgnis um die Erhaltung des Judentums und deS 'ht feinet Produktivität wertvollen deutsch» jüdischen Anteils zum völkischen Zusammenschluß in Palästina auf. Ernst zu nehmende jüdische Statistiker haben sich vielfach mit den Ergebnissen der Theilhaber» scheu Arbeiten'auseinandergesetzt und seine Feststellungen aus ihrer berufsstatistischen Praxis heraus ab ge lehnt. Theilhaber hat mit ihnen einen erbitterten Kampf geführt. Tief durchdrun-. gen von der Nichtigkeit seiner Ermittlungen und geradezu besessen von der objektiven Wahrheit der Schlußfolgerungen seiner Erkenntnisse hat er wie» der und wieder Beweise für seine Thesen beizubringen sich bemüht. Die Entwicklung der letzten anderthalb Jahre hat ihm äußerlich sicher recht gegeben. Wenn wir seine Arbeiten, soweit sie sich auf das jüdische Devölkcrungsproblcm beziehen, aus dem festlichen Anlaß gerecht zu würdigen uns bemühen, so dürfen wir dabei in ehrlicher Ueberzeugung uns nicht versagen, zum Problem der Bevölkerungsstatistik und zu allen Anseinandersetznngen. die zwischen Theilhaber und der großen Zahl seiner Gegner stattgefunden haben, kurz Stellung zu nehmen. Wenn Theilhaber einmal sagt, daß die Juden für die nationalökonomische Forschung, soweit diese sich für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung interessiert, immer ein dankbares Orientierungsvbjekt seien — und dies mag für frühere Zeiträume vielleicht richtig gewesen sein —, weil sie in der allgemeinen Ent» Wicklung immer die Spitze hielten, so kann man diese Ansicht keinesfalls für die ^bevölkerungsstatistischen Berechnungen gelten lassen. Statistisch ist der Umfang des jüdischen Bevölkernngskomplexcs von jeher besonders schwer meßbar — zudem kann man bei der relativ geringen Anzahl der Juden in Deutschland bei kleinen Schwankungen rasch zu schiefen Schlüssen kommen, so daß man von der Entwicklung der jüdischen Bevölkerungsgrnppe ans kaum Gesetzmäßigkeiten ableiten kann, die von den Bernssstatistikern nicht einmal einwandfrei für große Bolksgebilde sestgestellt werden können. Die statistischen Unterlagen sind Überdies für den jüdischen Bevölkerungsteil auch heute noch, 23 Jahre nach dem ersten Erscheinen der Theilhaberschen Untersuchung, trotz aller Verbesserungen nicht viel exakter gelvorden. Die Berufsstatistiker sind den Forschungsergebnissen Theilhabers hauptsächlich damit entgegengetreten, daß sie. besorgt um die einwandfreie An» Wendung der statistischen Methoden, seine Berech» mmgen durch Aufdeckung von Mängeln und Feh» lern zu entkräften suchten. Beide Teile führten aber Reise zurück V^nJ1 iu. .-»*«<•(£ <ifr£ , 'T damit einen überflüssigen Kampf. Denn die exakte Ableitung von Gesetzmäßigkeiten aus statistischen Ermittlungen zurückliegender Zeiträume und deren Schlußfolgerungen für die zukünftige Entwicklung sind auf dem Gebiet des Bevölkerungswesens in noch geringerem Maß möglich, als dies für die langfristige Prognostik der WirtschaftSentwicklung der Fall fein kann. Wir haben zii oft in der tausendjährigen Geschichte der deutschen Inden eine Levöl» kerungsvermehrung und einen Bevölkerungsrückgang erlebt. Alle Betrachtungen dieser Art sind deshalb, auch wenn sic ans einzelnen, geschlossenen Zahlenreihen aufgebaut sind, spekulativer bezw. politischer Natur. Sie können, bevölkernngs politisch gesehen, einen Zweckerfolg bewirken. Wenn man die Theilhabersche Forschungsarbeit in diesem Sinne würdigt, dann hat sein Kassandraruf einen Wert: er hat die jüdische Gemeinschaft aufgescheucht. Tie Ereignisse der letzten anderthalb Jahre haben die jüdische Führung vor neue verantwortungsvolle Aufgaben gestellt und damit den Weg frei gemacht zur Erfüllung der Forderungen, die Theil- Haber bereits vor dem Krieg anfgestellt hat. Die neugegründeten Wirtschaftshilfen arbeiten an einer wirtschaftlichen Kräftigung der jüdischen Gemeinschaft. Damit schaffen sie zugleich das Fundament für bevölkerungspolitische Maßnahmen, die eine verstärkte Fruchtbarkeit der deutschen Inden nach einer allgemeinen Umschichtung der Berufs- und Wirtschaftsstruktur ermöglichen können. Werden sie systematisch ausgebaut, auch im Sinne einer Erleichterung der BevölkerungSvermehrnng, einte durch großzügige Ehefinanzierung (jüdische Ehestandsdarlehen. Existenzgründungen u. dergl.), dann wird der von Theilhaber mit seiner Hauptlebensarbeit verfolgte Zweck erreicht. Sein Nt a h n r u f ist gehört! Keinen schöneren Erfolg könnte seine Arbeit im dentschbewußten Judentum erzielen, das sich auf Gedeih und Verderb mit deutschem Boden verbunden fühlt. Dr. Herbert Kahn. In Karl Löwenstein ist eine Persönlichkeit von besonderer Prägung an die Spitze der bedeutenden Jüdischen Gemeinde in Aachen berufen worden. Ihn nennt der Central - Verein seit Jahrzehnten einen führenden und treuen Freund und Ntitarbeiter, der die Ortsgruppe Aachen des E.-V. führt und auch den leitenden Gremien des Gesamtvereins angehört. Die C.-V.-Zeitnng kann ihn als ihren Dtitarbciter herzlich beglückwünschen. Ms SZW-MWZA M Der Reichsminister des Innern weist in einem Erlaß darauf hin. daß solche Beamte, die nach ihrer früheren Betätigung oder Parteizugehörigkeit, insbesondere zur Sozialdemokratischen oder Staatspartei nicht die unbedingte Gewähr dafür bieten, daß sie jederzeit für den nationalen Staat cintreten würden, vorläufig von einer Beförderrmg ausgeschlossen bleiben müssen. Ebenso sind Beamte außer Betracht zn lassen, die sich gegen die nationale Erhebung gestellt haben und solche, die nicht rein-arischer Abstammung oder mit einer Frau nichtarischer Abstammung verheiratet sind. Ter Reichsminister macht für dre Berücksichtigung in Einzelfällen einen Vorbehalt. Unter Befördernng ist nicht nur der Aufstieg von einer Besoldungsgruppe in eine höhere, sondern auch jede Heraushebung eines Beamten ans seiner Gruppe zu verstehen. Nach der Anweisung des Reichsinnenministcrs erhalten diese Grundsätze nicht nur für die Reichsbcamten, sondern auch für die Länderbeamten und Lehrer und für die Gemeindebeamten und Beamten der Körperschaften des öffentlichen Rechts Geltung. Im „Zentralblatt" für die gesamte llnterrichtsverwalinng in Preußen vom 20. August 1944 wird eine Verfügung des Ministers unter Nr. 268 veröffentlicht, nach der die staatliche Anerkennung für VolkSpfleger (Wohlsahrkspfkeger) „künftig Personen nichtarischer Abstamrnung nicht mehr zn erteilen" ist. * Der braunschweigische Finanzminister empfiehlt in einem Erlaß die Anschaffung eines sogenannten Ahnenpasses. Er solle die verschiedenen Dokumente znsannnensassen. die für den Nachweis der arischen Abstammung notwendig seien, wie er für bestimmte BernsSzweige vorgeschrieben werde. Acker Md KWacker in der Frriinrr AerErikt In Nr. 11 der „C.-V.-Zeitung" vom IN NUirz 1944 hatten wir einen Bericht des Vorsitzenden der Aerztekammer für Berlin. Tr. Löllke, über die „Rassische Zusammensetzung der Berliner Acrzkeschast" wiedergcgelvn („Acrzteblatt für Berlin". Heft 10 vom 10. Aiärz 1944. L. 75). Nunmehr schildert Dr. Löllke die „Veränderungen im Bestand m,d in der rassischen Zusammensetzung der Berliner Aerzteschaft" („Aerzieblatt für Berlin". Heft 44 vom 25. August 1944. 2. 244). Ter Stichtag des früheren Berichts war der 14. April 1941; der Stichtag des neuen ist der 41. Juli 1944. An diesem Tage betrug die Gesamtzahl der im Acr.ztekammerbezirk der Stadt Berlin vorhandenen Aerzte 6188 (Verminderung der Zahl während WA Monaten um 15). Tr. Löllke rechnet in die Zahl der nichtarisrlxn Aerzte 98 Aerzte mit nichtarischen Ehegatten ein und kommt jo zu 4649 (58,8 Prozent) arischen und 2549 (41.2 Prozent) nichtarischen Aerztcn in Berlin. 197 Arier (4,2 Prozent) sind nach Berlin zngezogen. 212 Nichtarier (4.4 Prozent) sind ausgeschieden. Ter Zugang der Arier errechnet sich aus einem Zuzug von 448 und einem Abgang von 151 Aerzten; der Gefamiabgang der Nichtarier fetzt sich aus einem Abgang von 256 und einem Zugang von 44 Aerzten zusammen. Tie Zahl der in Berlin zngelassewn Kassenärzte betrug im Februar 1944: 4144 und am 41. Juli 1944: 4041 (Verminderung um 104). Zu den nichtarischen Kassenärzten rechnet Dr. Löllke wieder 49 mit Nichtariern verheiratete Arier. Er kommt danach zu 1640 (54.95 Prozent) arischen und 1401 (46.05 Prozeni) nichtarischen Kassenärzten. Tr. Löllke hebt hervor, daß die Zahl der nichtarischen Kassenärzte verhältnismäßig höher ist als der Hundertsatz der überhaupt in Berlin vorhandenen nichtarisckxm Aerzte. II. E. dürfte dies darauf zurückzuführen sein, daß auf Grm,d Jvr gesetzlichen Bestimmungen ältere Aerzte als Kassenärzte verblieben sind, während der junge jüdische ärztliche Nachwuchs verschwindend gering ist. Unsere Berliner Leser finden in der heutigen Ausgabe eine Beilage der Firma Sieg^ bert Levy, Berlin W9, Potsdamer Straße 6. 8Lupt§edr!snelter: Dr. Alfred Hirsch- » b e r g; Stellvertreter Dr. Margarete Edel- | heim. Beide in Berlin. Für Rücksendung unver- | Iangter Manuskripte Ist Frciumschlag beirufügen. | Leiter der Anzeigen-Abtellung und verantwortlich | für den Inhalt der Anzeigen: Priodrich , Nathan, Berlin. DA. II. Vj. 50 000 Verlas: Ccntralverein deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens e. V., Berlin W 15. Einser Str. 42. Tel.» Adr.: „Centralglauben Berlin.“ Fcrnspr. J. 2 Oliva 8141—45. Postscheck: Berlin 30472. Druck der Buch- und Tiefdruck-Gesellschaft m. b. H.. Berlin SW. 19. J u..*

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