Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 34 (23.8.1934)
- Date
- 1934-08-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Rümmer 34 2. Beiblatt der C.-V.-Zeifung 23. August 1934 %f der Tribüne eines -portplatzes. Unter den Knirpsen, die so Unn sind, man es rmt Worten nicht schildern kann,; ändern dazu immer die i braucht, um mit der '' kannten Bewegung den i ^ftonD ihres Kopses vom! festPN'tellen, fühlt J sich als blutiger Laie, si vh Finessen eines Sportes bemerken nur sie, v u'nr fic sind sachlich in der? ^eirrrcüimn der Chancen j JjJj, Leistungen der einst ^Incri -Kämpfer, nur sie ' Jcpcii fiel} zur rechten Zeit : t1IIf und mir sie wissen, . ,^un cs daraus ankommt, s ‘:n schreien, um den Endinirt in ihrem Sinne i iss fördern. Dann aber freien sie, daß es sich : hören lassen kann. „Ring, iimj" der eine, „Makkabi" ' der andere, und gcgens.'ititZ versichern sie sich mit -■ bavimdernr'werter Ossenjifit und Kaltblütigkeit, dich der feindliche Lauser ja nicht nach vorwärts, icndern nach rückwärts lause, wahrscheinlich habe er einen Krebs zn Äcittag rerschlnckt. Der Laie aber mitcr ihnen wird schon ciunlos, wenn er nur den raschen Füßen znsieht, die Äcr die graue Bahn fliegen. Seine Gedanken, ifi’it an sportliche Tiszigewöhnt, starren in ganz andere Richtung und nn'nisen sich aus gev/udenen Bahnen, deren i-chst philosophisches Ziel sich zn einem gordischen Knoten verwirrt: Welches ' Äädchen wohl den Ehren- Preis gewinnen werde, jene schlanke Bronze, die aus dein Podium mit den Preisen steht, auch ein Mädchen mit langen, steilen Beinen, schmalhüftig und gestreckt, eine elastische, trotz tcr bronzenen Ruhe, vibrierende Birkengerte. Tie Laiengedanken müssen eine hohe Hürde überspringen, die ihnen der Schreck ausgebaut Iiat, daß vielleicht auch breite, untersetzte, massige und allzu üppige Körper rasch lausen föimlcn, mit verzerrten Mundwinkeln, und buchender Brust als erste das Ziel erreichten. Ter Mädchenpreis und das Prcismädchen loärcn ein schmerzlicher Kontrast. Laien sind unverbesserliche Aestheten, und es ist gut, daß fce brüllenden Knirpse sie nicht zu Wort 'mninen lasten. Jetzt feuern sie einen Wirbel- 'mmd mit braunem Pagenkopf an. Tie eine .Mirpspartei ist sichtlich kleinlaut geworden, -er braune Pagenkopf spannt seine zugespitzten stAine, setzt die' Füße parallel und engspurig Kn den Boden, federt sie wieder empor, es ist rin herrlicher Anblick und es ist ein herrlicher, 's'.chtcr und beschwingter Rhythmus.^ Das ^sticht ist fest, unbeweglich und ernst, die Achngeinnuskeln sind deutlich unter der Haut wdetlicrt, der Mund verrät Entschlossenheit, Augen Zuversicht, jeder Nerv Vertrauen Die Bildhauerin Elisabeth Wolff, an der Figur arbeitend, die der Central-Verein und die . „C.-Y.-Zeitung“ als Wanderpreis für die beste Mädchenstaffel auf dem ersten Sportfest des Reichsausschusses gestiftet haben Fot.: Herbert Sonnenfeld, Berlin aus die eigene Kraft. Nur wessen Willen die eigenen Möglichkeiten, die eigenen Fähigkeiten in den Maßen richtig erkennen kann, wessen Ehrgeiz sie nicht überschätzt, kann so ruhig das Ziel erreichen wie dieses braune Pagenmädchen. Höre, Mädchen, du wirst in deinem Leben noch viele Bahnen entlang und mit mancherlei um die Wette laufen müssen. Es wird eine Jagd werden, und die Partner werden einen langen Atem haben. Alles wird neben dir laufen, die Arbeit, die Freude, die Liebe, es werden Sorgen und Wehmut lausen und du immer mit. Sieh zu, daß du immer, tute heute, genau die Länge der Strecke kennst, die zu durchmessen ist, und daß du weißt, ob sie deinen Kräften entspricht. Dann wirst du stets als erste am Ziel sein und hier nicht erschöpft zusammenbrechen, sondern frisch den neuen Lauf beginnen können. Und zwischen den Läufen wirst du ebenso strahlend wie jetzt deinen Ehrenpreis empfangen. Tie Laien des Sports und die Fachleute des Lebens aber werden gemeinsam mit den kleinen Knirpsen in die knappe und allessagende Beisallsäußerung cinstimmen: „Tie war aber heute gut in Form." 0.11. Von Heti Horwitz-Schiller iäieiik ahFmmmhervJ Bei aller Berufsübersüllung. die auch für 'Nauen allgemein besteht, tauck)en döch gelegentlichivu-der Berufe auf. die ein neues Arbeitsfeld er-. ilü'cn. hierzu gehört die Tätigkeit der Tiät- Eißentm. Tas C^etnet der Ernährung und der . Er- - lulmmgskranlheiten nimmt einen immer größeren ''"""u ein. und seine Bedeutung bricht sich immer!1!(% Bahn. Tie sorgfältig ansgewählte und berechnete Tiät für alle Stoffwechselkrankheiten jff so» großer Bedeutung: andererseits sind die Geüchl-Nninkte der Tiät heute völlig anders als vor äiugen Jahren. Gewöhnlich fehlt es dem Arzt an >>eit, einer einfachen Küchenkraft mangelt es an 'A'iintnisien, um diesen Erfordernissen Rechnung j! tragen und dem Kranken die nötige sachgemäße g't^ge zulommen zu lasten. Tie Tiätastiftentin £!1>t und soll deshalb nicht den Arzt ersehen, sonan neben und mit ihm arbeiten. -i-ttref) die seit dein Boykott entstandenen Bei> -ültnisse habe ich viele Frauen zu diesem Beruf ^'geschichtet. die früher eine andersartige Tätigtci‘ hatten. Oftmals ergaben sich dabei erhebliche Schwierigkeiten für die einzelnen, sich in die neuen Gegebenheiten und Anforderungen zu finden. Ta aber allgeniein mit viel Freude und durchaus qualifiziert gearbeitet wird, waren die Nesnlhitc der Ausbildungsehr befriedigend. Es scheint sich dabei der psychische Auftrieb geltend zu machen — das Prinzip der Arbeitstherapie —, daß nach niederdrückenden Erlebnissen durch die Beschäftigung mit einer gänzlich neuen, das Interesse fesselnden DJfateric sich wieder leise Hoffnung einstellt. Oft wurde mir gesagt — und das war mir jedesina! sehr beglückend: „Ich war fnonatelang so verzweifelt und niedergeschlagen, sah gar leine Lebens- Möglichkeit mehr: das Bewußtsein, für die Zukunft wieder etwas anfznbauen und jetzt beschäftigt zu sein, hat mich ans dem Aergsten seelisch herausgerissen." In ganz besonderem Maße ist das Aufzeigen eines neuen Bernssweges für junge Mädchen von Bedeutung, die seht oder in nächster Zeit mit der gdjulc fertig sind, und die bei den augenblicklichen ^erbältnissen ratlos sind, was sie beginnen sollen. Ich höre gelegentlich den Einwand. daß der Znzng zu diesem Beruf auf die Dauer vielleicht übermäßig groß wird und dadurch die Arbeitsmöglichkeit für die einzelnen sich erschöpft. Ernährungslehre ist aber keine Modebcschäftigung; je mehr Stofswechselleiden sich durch die Ungunst der Großstadtverhültnisse ansbreiten, um so dringender ist die Forderung, sich so umfassende Kenntnisse über dieses Gebiet anzueignen, daß die Gesundheit der neuen Generationen gewährleistet ist. Diätetische Ausbildung sollte deshalb, auch für alle Frauen und Mütter gefordert werden. Einzelne Schulen und Hausfranenscminare haben dies auch bereits erkannt. Diese Tätigkeit ist zudem ausgesprochen weiblich. Die Eignung der Frau ist der des Mannes hierbei überlegen, und die Francnkräste werden nicht überanstrengt, wie es bei vielen anderen Berufen leider oft der Fall ist. .Die Art der Arbeit ist von derjenigen einer medizinischen Laborantin nicht allzu verschieden. Auch hier muß berechnet und genau dosiert werden; Kenntnisse der Nahrnngsmittelchemic, der Biologie und Stoffwechselpathologie sind erforderlich. Ta die Strahlencinwirknngen immer mehr in die Ernührnngsforschnng einbezogen werden, gehört auch physikalisches Denken hierzu. Ein großes und riesig interessantes Gebiet! Praktisch handelt es sich darum, nach bestimmten Methoden und ver» schiedener Technik eine gerade für diesen Patienten genau berechnete Ernährung znsannncnzustellcn, die seine Stosfwechsellage hebt und bessert. Die ein. zelnen Nährstoffe werden kalorisch berechnet, die Bedeutung der Bitamine, des MineralstofsivechselS und anderer grundlegender Probleme muß praktisch beachtet werden. Die Ausbildung umfaßt ein halbes Jahr: dies ist keine lange Zeit für ein so großes Gebiet. Aber cs wird sehr intensiv und in kleinem Kreis gearbeitet, auch wird mindestens Lyzcuinsbildnng verlangt. Tie ersten Monate umfassen den eigentliehen Lehrplan mit Borträgen und praktischen Hebungen, daraus folgt dann noch eine gewisse Zeit praktischen Hospitierens in der Diätküche. Wenn man sich darüber klar werden will, ob man sich zu einem solchen Berns eignet, muß man dessen spezielle Anforderungen genau kennen. Körpcrlich ist diätischcs Arbeiten eigentlich nicht als anstrengend zu bezeichnen, allerdings muß man längeres Stehen ertragen; aber die meisten Arbeiten werden nach Möglichkeit im Sitzen ansgcführt, um nicht sinnlos Kräfte zn vergeuden. Die geistigen Fähigkeiten müssen mindestens einen guten Durchschnitt haben; denn Intelligenz und Sorgfalt, vor allem auch selbständiges Denken sind für diesen Beruf notwendiges Rüstzeug, da die Kvstzettel nach den Diätgegebenheitcn ständig umgestaltet und berechnet werden müssen. Mit Kritik muß auch die individuelle Bekömmlichkeit und die Reaktion des Patienten überwacht werden. Gut entwickelter Geschmacks- und Farbensinn gehören auch dazu. Besonders sorgfältig geprüft werden muß also die menschliche Eignung. Stoffwechsel- Patienten sind nicht leicht zu behandeln. Das Wort Geduld nuis; im Uingang mit ihnen groß geschrieben werden! Denn sie können oft ungemütlich werden, wenn ihnen die vorgeschriebene Diät nicht zusagt, oder sie in Krisenzustande geraten, die sich bei Diätkuren in bestimmtem Stadium fast immer einstellen. Wer sich zn diesem Beruf entschließt, muß sich immer wieder vor Augen halten, daß er es mit kranken Menschen zu tun hat, denen Rücksicht und Güte entgegcngebramt werden muß. Eine gewisse menschliche Reise ist deshalb unentbehrlich. Wie steht es mit den Aussichten und Praktik scheu Arbeitsmöglichkeiten? Stellungen bieten in erster Linie Krankenhäuser, Sanatorien und Pensionen für Etofswechsetlranke, wo neben freier Station ein je nach der praktischen Erfahrung steigendes Gehalt bezahlt wird. Rene Möglichkeiten ergeben sich auch in freier Berufsansübung. In Innggesellenhanshaltungen oder bei sehr beschäftigten Hanssrauen zieht der Arzt die Diätassistentin heran, die während des Krankheitsfalles die Ausführung der Diät oder die Anlernling der Hausfrau übernimmt. Diätetik soll vor allem im Ausland (Holland, Italien, Serbien, Tschechvslotvakci, Palästina, Südafrika) gute Möglichkciten haben. Gerade in Palästina, wo schwierige Grnährungsverhältnissc sind, werden gut geschulte Kräfte sehr gesucht. Innerhalb Deutschlands sind die Plätze beschränkter. 'Künstlersöhne jüdischer Mütter Die viekmnstrittene Mischehe hat oft begabte, sogar besonders begabte Menschen hervor gebracht. Iüdisck)e Frauen wurden Künstlermütter. Wieweit chr Blut, das jüdische, für das Künstlertiiin ausschlaggebend war, iß ja nicht abznmessen. Aber voir wissen von der Mutter des Hans von Piaröes, ciricm Fräulein Snsinann aus -Hitberstadt, daß sic -eine ungewöhnlich gebildete Frau >var, die Latein niid Griechisch beherrschte. Biellcicht von diesen Einslüsseii her zieht es den Sohn zur gebundenen Strenge antiker Forua. Aiis den Tageblichblättern seines Freundes imd Schülers Adolf Hildebrand spricht der große Einfluß. den die Mutter, diesmal auf die ethische Entwicklung ihrer Kinder genommen hat. Sie ivar von großer Güte imt» lehrte, das Gute des Guten wegen zu tun. „Sie ersetzte uns die Religion." Haus von Rlaröes bringt die alte Kuiist der Frcsko-Railerer zu neuer Bolllommenheit. _ Seine empfindliche, schwierige Ratnr — bei absoluter Reinheit iiiid Größe des Eharakters — eine genusst Zwiespältigkeit seines Lebens, könnte mou gewu: auch der geiiiischtcii Abstanrinung zuschreiben. Der Bater war Politiker, Kammerpräsident niid — Liederdichter, ivar also vielleicht auch iiicht ganz unschuldig am Künstlertum des Sohnes, gab aber nur fchiver Mid iiur auf eiiergifctics Betreiben feiner Frau Pein Sohn die Küiistlcrlaufbahn frei. In Laans von Rlaräcs erreichte zeichiierisches iiiid farbiges Könneii eine sich iveit aiiswirkende Shnthcse. Seiiie Reiguug gehört. wieder einer Jüdin, eiiicr früheren Schüleriii, die er zu feiner Frau machen möchte. Sie hat ihn iiicht erhört. Zil Rlaräes komrnt. zwanzigsährig.. Adolf Hildebraud. Er ist frei von jeder Problematik, trojchem auch er Kiiid einer Mischehe ist. Er faun seine Plastik in rillsiger Stetigkeit entivickeln. vieles von Blar^cs profitieren. Er erreicht klassische Form in sei'aein „Schreitendeii Plaiin" (Ratioualgateric), i'.n „Wittelsbacher Bruiriiieii" Alünchens. Tie Söhne Johann ■ Gottfried von Schadows haben zur Acutter eine Wiener Jüdin. Wilhelin, der Maler, schließt sich zuerst den Nazarenern in Nvui an. Er geht lange rein svrinalen Problemen nach bis ihm/in späteren Jahren, die Farbe so ivichtig ist, das; er niit seiner Farbigkeit führend unter den deutschen Alalern wird. Als Nachfolger von Eornelius an der Düsseldorfer Akadeiiiie nimmt er entfcheideilden Eiiifluß ans die Geschichte der Rlalerei des 19. Jahrhunderts, bleibt immer, theoretisierend iiiid schasseiid, mit künstlerischen Ideen beschäftigt. Wir besitzen zivci seiiier großcri Fresken in dcr Natioiialgalcrie, in Tegel, dein Faniilierisitz der Bülows, befiiiden sich die. reizvollen Porträts der Gabriele und Earoline von Büloiv von seiner Hind. Sein Brnder Rudolf schuf Porträtbüsten im Rahmen des klassizistischen Geschiriacks. Diese drei Beispiele von Küiistlersöhneii südischer Plätter aiis der Geschichte der deutschen Kunst zeigen liichts Zersetzeiides, soiidcrn ansbanciide, harmoiiis-ch arbeitende Künstler, denen allen gemeinsiun die Freude am Theoretisieren, der -Haiig zu Grübeln, . zur Aussprache ist. Es ist das große Berdienst Professor Franz La n d s be rg e r 3, daß er dieses sehr fesselnde Thema in seinem Bortrag im Kulturbund anschuitt und in einen interessanten Abriß der Eiitivicktmig einer bedenteiiden Kunstpcriode eiiibettete. Seine Anregiiiigen wurden voller Danlbarkeit aus. geiiommcii. L. B. Sintflut Gott ward zum Schmor/.. Er sah sein herrlich Werk besudelt und beschmutzt. Sah Jenes Samen, des Widersachers Samen, den er schuf, sich selbst zur Einkehr — sah ihn wuchernd spriessen, sali in den zarten Odem seiner Kraft die wilde Schönheit iipp’ger Gifte fliessen — sah, dass die Menschheit ihren Atem fing, die Sonne selbst in ihren Nebeln hing. Gott ward zum Staunen. '.War dies noch sein Werk? Wo blieb der Güte sanfte Melodie? Wo blieb Gesetz, der Seele eingesenkt? Wo blieb das Band, das, wenn es einriss, schrie, das Glied um Glied zu einem Körper wand, der durch sich selbst nur in sich selbst bestand? Gott ward zum Grauen, da das Böse wuchs, ihn selbst beschattend, dass er sich verlor — aus Wirrnis tastend, schlug er sich ein Tor. und dräuend reckte er die Hand empor! Gott ward zum Zorn, und seine Hand ward gross und band die wilden Elemente los und brach die Brunnen aus der Erde Schoss. Gott ward zum Zorn, er, der die Schöpfung mass nach seinem Mass, das kein Geschöpf besass — Er ward zum Zorn, und alles Wasser schwoll, und alles Wasser stieg und wurde toll und stieg und brüllte, brüllte Tag und Nacht, wuchs ohne Grenze, wuchs zu grauer Macht und wurde Herr, da Gott es nicht mehr lenkte und seiner Wut Geschöpf und Schöpfung schenkte. Und das Gewässer auf der Erde stand hundertundfünfzig Tage, eh’ es schwand. Margarete Liebmann.