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Central-Verein-Zeitung · 1934-08-16 · 33 (16.8.1934) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
33 (16.8.1934)
Date
1934-08-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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S33P- \ 33 ÜÜ'C ] 2.Beübüaw CJ M ^rr VA s« IM bÄ ZMWWHU HZWÄ WZ ArrsKAEWSA Es? m o*LZZ At-OHM«,. Ende 1922 wurde nach siebenjährigen flrabungcu das Grab des jugendlichen nV-icraoncii entdeckt. Tas ungeheure Auf-?.^n. das diese Funde hervorciefen, be- Urschte nicht nur die kreise der zünftigen Äienschaitler. es bemächtigte sich auch'aller Hch'e der Gebildeten aller Länder. Tas Gevon diesem einzigartigen Fund drang ’ in die lebte Arbeiter- und Bauernhütte, tortf der Organisation des bebilderten Pressefr^ßes, des Rundfunks ufw. Erst zwei Jahre jrßicr erschien das wissenschaftliche Wert über freien Fund. In überaus gründlicher und ziehender Weise berichtet hier der Leiter der Üesgmbuuqcn, Howard Carter, unterstützt r.^2"einem Stabe erster Wissenschaftler, über frc rnärchenhast anmutende Auffindung des Gretes und dessen Beraubung vor fast -r/,n fahren: er versetzt mit seinen stellen- -nfrü romanhaften Schilderungen den Leser, nndi den Laien, in größte Spannung. Und freie steigert sich am Schlüsse des ersten Banfram'-? äußerste, als Earter nun vor der ^e^eunnisvollen Sargkammer haltmacht und i'-n einer Art „Fortsetzung folgt" aus den reinen Band verweist, der erst drei Jahre iratcr erscheint. Aber auch dieser zweite Band, fr: die unerhörte Pracht im eigentlichen ifrabe mit seinen fünf ineinaudergeschachtel- Mi Bärgen schildert, die endlich die goldenen?'linnicnbehältnisie bergen, endet mit dem eriinösen „Schluß folgt". Er gewährt dem gespannten Leser nur einen flüchtigen Blick ni die „Schatzkammer". Es war naheliegend, daß angesichts der Schätze, die manbereits aus den „Vorkammern" zum Grabe kannte, man hier das Wertvollste, Einzigartigste vermuten mußte. Und nach weiteren sieben Zähren liegt nun dieser dritte und letzte Band vor: Howard Earter und A. C. Mace: Ench Amun. Ein ägyptisches Kvmgsgrab". Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig. Band I: 11,70 RM, Band II: 12,60 NM, Band III: 9,50 NM. Tiefer Band erfüllt nicht Erwartungen vollauf, sondern übcrtrifft sie. Wiederum steht die Nachwelt geblendet vor dieser Pracht, vor den Aeußerungen einer Kultur, deren Kunstgcwerbe alles übertrisst, was uns von den Völkern des Altertums überkommen ist. Nicht minder müssen wir aber die Art der Bergung und Konservierung dieser Kunstschätze bewundern, dieses sichere, ruhige, und gründliche Sichten, Auscinandernehmen und Wiederzusammensetzen der unzähligen Fund- Tiefe überwältigende Zurückhaltung und Selbstbeherrschung der Entdecker ist ein Nuhmesblatt für sich. Tas; Carter in diesem letzten Bande den ch e m i s ch e n Prozessen im Grabe zwei besondereKapitel widmet, ebenso wie er in den früheren Bänden die Frage der Mumifizierung behandelt, ergänzt den' Wert des Werkes, dessen wissenschaftliches Gepräge nicht zuletzt durch einen Einblick in die Geschichte Aegyptens erhöht wird, den Professor Tr. S t e i n d o r f s beigetragcn hat. Aber auch für die Frage des uns nur in kurzen Beschreibungen überlieferten figürlichen S ch m u ck e s i m Tempel Salom o s geben uns die Schätze im Grabe des Tut-Ench-Amuu einige wertvolle Fingerzeige; vor allem über das vielumstrittene Problem der Cherubim auf dem Teckel der heiligen Lade im Allerhciligsten des Tempels. lieber diese berichtet II. Chron. 3, 11,12 wie folgt: „Er machte auch im Haus des Allerhciligsten zwei Cherubim nach der Bildner Kunst und überzog sie mit Gold." Die vier Flügel der beiden Cherubim waren 20 Ellen lang; sie berührten einander sowie die Außenwände des ebenfalls 20 Ellen breiten Allerheiligsten. — Und in Kön. 1,6,23 wird berichtet, daß die Cherubim 10 Ellen hoch und aus Oelbaumholz geschnitzt waren. Endlich erzählt I. Chron. 28,18 von ihnen, .daß sie sich ausbreitetcn und bedeckten oben die Lade des Herrn." Tiefes figürliche Schmuckmotiv über der heiligen Lade hat von jeher die Kunsthistoriker aller Bekenntnisse in Erstaunen setzen in?: r: müssen. Wie sollte man sich erklären, daß die Darstellung der im _ zweiten Gebote Mosi's so streng verbotenen plastischen Menschengestalt gerade im hei- - ligsten Raum des Tempels und just über ° jenem nationalen Symbol, der Bundeslade, Anwendung finden konnte, die dieses Verbot verewigen sollte? Es bleibt nur so zu erklären, daß man dieses Ladeuheiligtum sinnfällig unter den Schutz der Cherubim stellen wollte. * Wie aber sollte man diesen Gedanken - künstlerisch zum Ausdruck bringen, wie sollte das Volk der Hirten und Bauern, jeder Kunstbetätigung entfremdet, das Motiv hierzu bilden? Schon der Bau des Tempels, phöuizischcu Künstlern anvertraut, zeigt in Grundriß. Form, Ausstattung und Einrichtung die 'Formen und das künstlerische Nüstzeug dieses Nachbarvolkes. So war es auch naheliegend, daß man, um die großen Flächen des Gvldbclagcs der Wände zu zieren, eine Leihgabe bei demjenigen Volke des Altertums machte, das im Dekor großer Flächen vorbildlich war, den Aegyptern. „ . .. Und ließ Cherubim schnitzen au die Wände (II. Chron.). Auch das Buch Kön. I., 6,29 berichtet hierüber: „ . . . au allen Wänden des Hauses a u s g e h ö h l t e Cyerubim imveudig und auswendig." Gerade das „AnShöhleu" aber deutet direkt ans die typisch-ägyptische Art hin, große Flächen an Pylonen und Tempelwänden sigural zu beleben. Und von da an bis zur unerklärlichen Vollplastik der Lade ist nur ein Schritt. Tenn auch hier finden wir die Vorbilder, wenn auch in ab- ' weichender Form, in der ägyptischen Formen spräche. Darauf haben schon Pcrrot und Chipicr. die Verfasser des bedeutcudsteu Tempclrckoustruktionswerkes verwiesen, indem sie zum Vergleich ein Motiv hcranzogcn, das de Voguö veröffentlicht hatte: einen auseiner Barke schwimmenden ägyptischen Naos, der den heiligen Skarabäus enthält, beiderseits von Schntzgöttcrn mit ausgebreiteten, aber Hangenden Flügeln beschirmt. (..0'est prodadlemont ainsi quetaient disposes les keroubs du sanctuaire ...“). Dieser Gedanke des symbolischen Schutzes ist nun nirgends konsequenter und künstlerischer durchgcsührt als im Grabe des Tut- Cnch-Amuu, in dessen Särgen und Knnstbeigaben wir diesem Motiv immer wieder begegnen: zum Teil noch in der überlieferten, flächenhasten Form, aber auch in Halb- und endlich sogar in Vollrelics. Ta sehen wir (Band I, Tafel 50) einen Thronsessel, dessen Armlehnen durch die waagerechten Flügel schlangcnartiger Schntzgotthcitcn gebildet / ' U ' Aus „Howard Carter und A. C. Mace, Tut-Ench-Amun. II. Band.“ Mit Genehmigung des Verlags F. A. Brockhaus, Leipzig. sind; im Verein mit dem gesenkten Flügel be^ schirmen sie das Sieget des Königsnamens. -Oder es beschirmen diesen Namen mit ihren gesenkten Flügeln zwei Sonnensalken (Band II, Tafel 48). Ein ähnliches Schutzmotiv wird ans dem Mumieusarg des Pharaonen verwendet, den Leichnam aus diese Weise unter: den Schutz der Gottheiten stellend (Band II, Tafel 72). Von besonderem Interesse abev^ weil dem Chcriibcnmotiv des jüdischen Nationalheiligtnms vergleichbar, ist das Schutzmvtiv an den Türflügeln zum vierten, innersten Sarge. Hier schirnien die gesenkten Flügel den verknoteten und versiegelten Ebenholzriegel, durch dessen Aufschieben erst ein Sefsnen der Tür und Vordringen zu den Mumiensärgen ermöglicht war. Noch bedeutsamer für die Frage der Cheruben über der Lade ist das Schutzmotiv des steinernen Sarkophags. Tie vier Ecken werden hier durch weibliche Gottheiten gebildet, die aufrechtstehend in Halbrelies erscheinen und mit ihren Von Lotte Waervald (Fortsetzung und Schluß.) Ter Ausstieg ging ziemlich leicht. Natürliche und künstliche Felsstusen führten ständig Gher.^ Es war ein einzigartiges Vergnügen. In dieses in allen Farben leuchtende Gestein -'ineinzuklettern, das belebt wurde durch herrliche Tempelfassaden, die den Eingang zu wmer neuen Grabhöhlen bildeten. Unser Beduine, kurzweg „das Kind der Wüste" begannt, schritt barfuß flink voran, und uw wir Ichen längst keinen Ausweg mehr sahen, fand - immer neue Anstiege. Er blickte sich kaum -ach uns inn und überließ es dem Tragvman, luiem höflichen Griechen und dem englischen ch-lar (Soldat), uns bei den halsbrecherischsten Miellen zu Helsen. Plötzlich hgrteu wir über uns ein furchtbares Geschrei und sahen unseren Beduinen -Fe einen Rasenden vor sich auf den Loden l^lagen. Als wir angekommcn waren, zertrat gerade einer dünnen, meterlangen Schlange Hn Kops. Der Körper wand sich noch in -Zuckungen. „Reflexbewegungen", erklärte der Aeste Mann, als er^mein entsetztes Gesicht sah. Ter Askar aber sagte: „Sie stirbt erst, ^enn der erste Stern am Himmel glänzt." ' __ , Wieder nahmen wir unsere Klettertour ans, ^er sinuner langsamer folgten wir unserem Msiüßigen Führer, immer größer wurde der Holland. Endlich blieb er stehen und ließ uns ^cher kommen. „Hier machen wir Mittagrast , Klärte der Dragoman und deutete aus den Umgang einer großen Grotte, aus der es uns 'Uhl entgegenschlug. r r.jöort Decken und Wänden tropfte es, unabusstg herab, und in einem großen Bassin, das u? dem Fels gehauen war, hatte sich das. lu-mlte Wasser bis zum Ueberlauscn an- Fuuuelt. Es war leichtsinnig, aber zu ver- , end. sich über den moosbewachsenen Rand su beugen und Kops und nackte Arme tief einpl-anchen. Ter Askar und das Kind der Wüste hielten nach eingenommenem Mahl, das wir redlich unter uns fünf geteilt hatten, den Augenblick für gekommen, um dein großen Alaun eine kleine römische Plastik aus rotem Sandstein anznbieten. Es war ein Reiter auf einem naiven Pferdchen und die Fälschung ziemlich plump. Aber dafür war unser Beduine ein reizender Bursche mit einem schönen, kühnen Gesicht und langen, schwarzen Zöpfen, die ihm fast bis 311 dem bunten Patronengürtcl herunterhingen. An prächtigen Schnüren trug er krcnzweis über der Brust Dolch und Flinte, die sich als ursprünglich deutsches Reichscigentum entpuppten. Da lachten wir ein bißchen melancholisch über den Wandel der Zeiten und Tinge und fanden es unerheblich, ob der kleine Reitersmann nun aus der Edomiterzcit oder dem letzten Weltkrieg stamme. Ter große Mann vergaß sogar, den Preis um . 95 Prozent herunterzuhandeln. Frisch gestärkt und um eine Kleinplastik reicher, kletterten wir weiter in die Berge. Aber unsere Kräfte waren jetzt doch verausgabt. Die Sonne brannte aus dem kahlen Gestein. Aleine Füße.taten weh. Endlich bogen wir um einen großen Vorsprung und standen verblüfft aus einem mächtigen, von Bergen eingeschlossenen Plateau, und in dieser weltverlorenen Einsamkeit prunkte wieder eine grandiose Tempelsassade „EbDer", das Kloster" Es übertras alles, was wir bisher aesehen hatten. Ausnahmsweise sollen Zahlen sprechen also: die Höhe von El-Der beträgt 140 Fuß seine Breite 150, Westminster Abtei dagegen'mißt an seiner Westfront ungefähr 100 in der Breite und die Höhe des Schiffs 102 Fuß. Ich sah empor. Welcher Reichtum an Säulen und Giebeln, welche Pracht der Pilaster und des Architravs wuchs da ans^ d-'M Felsen empor, und das Ganze wiederum eine Maske für eine Höhle mit Totengebein. Und diese Einsamkeit! Es war, als wäre man am Ende der Welt. Seit dem Ankauf, des Reüerlems waren.. wir „sawa sawa" d. h. intim befreundet mit unscrm Beduinen. Ta aber der Gesprächsstoff nach nochmaliger Bewunderung der Flinte erschöpft war, begann der große Mann seinen neuen Freunden die letzte „Berliner Illustrierte" zu demvustrieren. Er fand wenig Gegenliebe: Askar und Dragoman kannten sie schon längst, und das Kind der Wüste grinste verständnislos und mahnte zum Wcitergehen. „Hat denn der Weg noch immer kein Ende?", fragte ich mutlos. Das Wüstenkind deutete aus den Berggipfel über uns. Wir brauchten nicht mehr lange zu klettern, dann waren wir oben auf dem Grat. Wir sahen in ein ungeheures weit ausgebreitetes Land; unter uns noch ausgctürmte Felsen, die in zwei Kulissen zu einer grün verdämmernden Ebene absiclen: Wadi Arab. Von dem südlichen Ende des Toten Meeres bis zur Halbinsel Sinai bricht es sich durch die Berge seinen Weg, hohe, geivaltige Berge, uns zur Linken der höchste^ von allen, höher sogar als der Platz, auf dem wir standen. „Da oben steht ja ein Hans, eine Moschee?" fragte der große Mann und visierte mit seinen Artilleristenaugen in die Ferne. - „Das ist Aarons Grab, ein großes Heilig-' tum", erklärte der Dragoman, „aber die Mohammedaner. nehmen es ganz für sich in An-, spruch. Kein Ungläubiger darf die Stätte betreten". Vor uns lag das Land wie in ewigem, himmlischem Frieden. Ein wenig müde des roten glühenden Gesteins, empfanden wir beglückt das sanfte Grün der Ebene unter uns und die Kühle des Llbendwrndes. Wir wären gern noch länger geblieben, aber die Schatten stiegen unheimlich schnell. höher. Barak kam uns entgegen. Er sprang und tanzte vor seinem geliebten Herrchen, als ob er um Verzeihung bitten wollte, daß er nicht mitgekonnncn sei. aber es schien ihm nicht . leid zu..tun.. Ich.glaube. sogar, als ex mich müde ins Zelt humpeln sah, hat er mokant gelacht, der Filou. Wir genossen gar nicht gebührend das fürstliche Tiner, das uns Air. Cook wiederum servieren ließ. Wir sehnten uns nach unserm Höhlenschlasgemach und waren froh, als wir in unseren Betten lagen. Am nächsten Morgen erschienen wir so spät zum Frühstück, das; wir allseitig von mißbilligenden Blicken empfangen' wurden. Ter Askar zog ostentativ die Uhr. Auf dem Marsch, als ich ihn nach der Zeit fragte, stellte es sich heraus, das; es nur eine Blechnhr ohue Werk, ein Kiuderspielzeug war. Sie sind alle miteinander Kinder, gute und sehr böse, wie man's trifft. Wir hattcn's aber gut getroffen, und dickere Freunde als uns fünf, Dragoman, Askar, den Beduinen und uns beide, konnte man so leicht nicht antresfen. Wieder ging es die Berge hinauf, in den Schoß dieser wunderbar leuchtenden, roten Felsen, an Höhlen und Tempclmaskcn^ vorüber, die so ^märchenhaft, so kostbar wirkten durch die bunte Schichtung der Steine. Die Phantasie eines Europäers - kann sich nicht vorstellen, in was für breiten, schwungvollen Schichten, wie von einem genialen Ataler mit dem Niesenpinsel angestrichen, sich die hellen, grauen, weißen, gelven, türkisblauen Töne durch das blutrote Massiv ziehen. Es sind immer neue, immer wieder überraschende Kombinationen der gleichen Farbenelemente. Ter große Alaun ging mit einem kindlich traumhaften Lächeln durch diese Herrlichkeit. Sicherlich bildete er sich ein, er wäre Aladdin mit der Wunderlampe. Unsere Kletterpartie endete dieses Mal aus einem über einem Abgrund hängenden, mächtigen Felsenblock, unverkennbar eine alte Dpserstätte. Eine große, von Menschenhand geglättete Steinplatte hatte als Spseraltar gedient. Alan sieht die Rinne, wo das Blut der Geschlachteten herabgelausen und die Vertiefung im Boden, wo es ausgesangen worden ist. .Oberhalb des Altars ist ein Rund mit

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