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Central-Verein-Zeitung · 1934-08-09 · 32 (9.8.1934) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
32 (9.8.1934)
Date
1934-08-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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NNW M MWWE NMWLZMUI / Bon Zt.ZWgz MOsM-ZmiilW/grec 1 fi n / As fcS mt Z8GMM dass eine Famlllen-Anzelge nur dann Wert hat, •wenn sie Ihre Verwandten und Bekannten in ganz Deutschland erreicht. Eh kann Ihnen nicht genügen, dass nur Ihre Bekannten, die in dem gleichen Orte wie Sie selbst wohnen und mit. denen Sie ohnehin ln Verbindung stehen, davon erfahren. Wenn Sie ein Familien-Ereienis anzukilndijren haben, bedienen Sie sich am hasten der C.-V.-Zeitung, da sie von allen jüdischen Zeitungen und Zeitschriften die grösste Auflage hat und über ganz Deutschland verbreitet ist. Die C.-Y.-Zeitung hat für Famtlien- Anzcigcn einen ennüssigten Zeilcnprels von 1(5 Pf. tilr die zwülfgespaltene MlllimeterzeUe eingerichtet. Anzeigenschluss ist immer Dienstag nachmittag. In eiligen Füllen werden Familien-Anzeigen bis Mittwoch mittag — auch telefonisch Oliva £141 — angenommen, damit sie in der am Donnerstag erscheinenden Numtuer noch veröffentlicht worden können. (Fortsetzung aus feem HauMatL)?!. W MEmEMMN Deutschland zu verlassen, ist das Schicksal dieser deutscher Juden geworden. Dieses Schicksal erfüllt sich mit der Kraft eines Naturereignisses. Propaganda für Palästina, die jüdische üiieiüchen werben müßte, ist unnötig geworden, (vn ist das einzige Answandenmgstand. das in gröberem Maße in Frage kommt, und in das" wir den Teil des deutschen Judentums, der in Deutschland keine Existenz findet, zu lenken den Herzenswunsch haben. Aöex das Exil z u ü b e r w i n d e n ist die große Auf. e,abe des Judentums, da? in Deutschland Neiden kann. Das Exil zu überwinden ist die grobe jüdische Aufgabe. Hier wird vom Juden, mm, das m Deutschland bleibt, eine Bewährung verlangt, wie sie zu den höchsten Entscheidungs',eiten der jüdischen Geschichte gesordert war. Wenn das deutsche Judentum sich dewährt. wird es echtestes Judentum. Tie hrage nach. dem Zentrum des Judentums ist in jeder Zeit eine Frage, die der jüdischen Generation am Herzen liegt. Dieses Zentrum war im Altertum Palästina, war das babch ionische Exil, bildete im Mittelalter das sephardische Judentum und dann das Ostjudentum. Ecit Mendelssohn ist es Deutschland. Ist das wrbei? Wer diese Frage heute stellt, muß inisseu. daß er eine Frage an die Vorsehung IrcUr. Hier ziemt uns Demut, die jeden menschlichen Eigenwillen zurückstcstt. Was ist der A-iüe Gottes? Was w i r wollen, ist oft etwas anderes. Jeder von im?,, der fasziniert auf '/aläßina blickt und alle seine Hoffnungen und Wünsche dorthin richtet,mußsich dasAergernis tic'nllcn lassen, daß Gott vielleicht etwas andres will. Vielleicht ist gerade das deutsche stuöentinn erwählt. Glaubenszentrum zu sein, im? Palästina wird in der glücklichen Luft kubischer Freiheit Schauplatz eines hebräischen i'iiriiisationsjudentums, eines neuzeitlichen jiiüischcn Hellenismus, in dem die zivilisatoii'cheii Aufgaben der Kolonisation die eigentlich jüdischen zurückdrängen. Anderseits muß jeder non uns, der fasziniert auf das deutsche Judentum blickt und alle seine Wünsche und Hoffr-mgen mit diesem Teil der jüdischen Gemeinsvlist verbindet, sich sagen: vielleicht ist es vortö. Jeder, der sein Her; an die Arbeit geiüU hat, die dem deutschen Judentum "in fckn Gemeinden, in seinen Schicken und Volilsahrtsinstitutionen gewidmet war, — eine echte Mutter in Israel war bis setzt das deutsche Judentum —, der muß sich ” selbst das Üergernis bereiten, sich weh tun und sagen: dielleicht ist es vorbei. Noch ist es nicht so weit, ^loer wird das deutsche Judentum seine geistige tzche behalten können, seine theologischen Lehranstalten, in denen sich das alte Rabbinat cchi jüdisch regenerierte, seine jüdische Wissen- 'chast, die bisher führend war, sein jüdisches Much- und Zeitungswesen, ■ das bis seht noch hi höchststehendste ist? Wird für Franz ^oi'erizweig, Martin Buber, Julius Guttmann und Lacck ein Nachwuchs da sein? Wird das möglich sein nach diesem schweren materiellen Schlag, den das deutsche Judentum aushalten In aller Gelassenheit, die weiß, daß vpoit Gott ist und es daher immer anders;?n™!.crnr kann, als politische Erwägungen, ‘“JfW Berechnungen und soziologische Betrachtungen es Vorhersagen, sei auf' folgendes loziologisches Gesetz hingewiesen: die vollen d eteG e st a l t ei n er g e sch i ch tl i ch e n (h HI ch e 1 n u n g wird gerade dort W r r k l i chk e i t, wo sie sich gegen vorhandenen Wider stand durchsetzen muß. Auf Grund dieses Gesetzes hätten'wir ui der Frage, ob im deutschen Judentum jenes Judentum, zu dem nichts hinzugetommen ist, und von dem nichts weggenommen ist, Existenz werden kann, viel zu hoffen. In Demut, die die Zukunft nicht vorwegnimmt, und in Ehrfurcht, die Gott überläßt, was Gottes ist, und weiß, daß wir aus seiner Hand unser Schicksal empfangen, fragen wir nach der Roste, die das deutsche Judentum im Eesamtjudentum spielen kann. Wir fragen das. weil wir denen, von denen wir Opfer zur Errettung des deutschen Judentums verlangen, denen, von denen wir die Anspannung aller Energien zu diesem Ziel fordern, sagen müssen, worum es geht. Die Gemeinschaft des deutschen Judentums ist die religiöse Gemeinde. Weder daß übrige Westjudentum. noch das Ostjndenkum hat diesen Besitz. Tie Gemeinschaft, die das -Ostjudentum bildet, ist nicht Volksgemeinschaft im modernen Sinne. Volksgemeinschaft gibt es nur in der Helle geschichtlichen Lebens. Im Ostjudentum herrscht der starke Kreislauf des Blutes im Takt eines starken, durch die Tradition gesicherten Geistes. Beides ist garantiert: die Bindung des Blutes und die Herrschaft des Geistes. Aber eines ist nicht vorhanden: die Wachheit. In aller Tiefe bleibt der Geist stumm. Person ist der einelne hier nie direkt, sondern nur aus dem Imweg über einen Stand in der Familie oder über eine religiöse Funktion. Tic prophetischen Teile der Bibel sind im Ostjudentum nie lebendig gewesen. Die Person ist nicht da. Es fehlt die Wachheit. Gehen wir vom Ostjudentum zum nichtdeutschen Westjudentum, so ist dort der einzelne so sehr freies Ich, daß aste historische Bindungeü den einzelnen nicht mehr so sesthalten können, daß durch sie Gemeinschaft entsteht. Die religiöse Gemeinschaft des englischen und amerikanischen Judentums ist die Sekte. Bon Scktenbildung muß die Rede sein, wo das persönliche Gutdünken in Sachen des Bekenntnisses die letzte, die Gemeinschaft betreffende Entscheidung sein darf. Die Sekte ist in Wirklichkeit Partei, also politisches Gebilde unter religiösem Deckmantel. Nach diesen Betrachtungen über die Gemeinschaftsform des Ost- und Westjudentums wird klar, was das deutsche Judentum besitzt, weil seine Gemeinschaft wirklich Kehista, Gemeinde ist, Gemeinde, die den Freisinnigen nicht losläßt und mit pen Gläubigen verbindet, Gemeinde, die religiöse Gemeinschaft und nicht Parteibildung ist. Gemeinde, in der das Ich in Predigt, Bekennttiisforniel und' Gebet als Gott selbst gegenüberstehend berücksichtigt, aber zugleich gebunden ist. Das besitzt das Judentum. Das Judentum in Deutschland hat in seinen. Gemeinden eine jüdisch lebendige und jüdisch Liese Ordnung, um die das Judentum in Palästina noch zu ringen haben wird. Die Orthodoxen haben dort ihre geschlossenen " Gruppen gebildet, nicht anders, wie die freisinnigen Juden in Amerika sich zusammenschließen. Konservative ivie liberale Juden, die aus Deutschland nach Palästina kommen, vermissen den Geist der deutschen Synagoge, in der beides ist: spirituelle Andacht, die sich an den einzelnen wendet, und Konkretheit der Gebetsatmosphäre, die der einzelne nicht schassen kann, die ihm nur von der Gemeinde gegeben wird. Die Gemeinschaft des deutschen Judentums bedeutet: feine Gemeinden. Dieser Besitz betrisst echtes jüdisches Gut, dessen Pflege und Erhaltung dem deutschen Judentum im Namen des gesamten Judentums und für das Eesamtjudentum obliegt. Hier ist das Dogma des jüdischen Nationalismus, daß Palästina, nie ober das Exil, echtes Judentum schassen kann, widerlegt. Das deutsche Judentum besitzt seine jüdischen Gemeinden. In Palästina besitzt das Judentum kräftig pulsierendes politisches und kulturelles Leben. Aber Gemeindeleben gibt es dort noch nicht. Der Beantwortung der Frage nach dem Zentrum des Judentums sind wir damit nähergerückt. . Aber zur Beantwortung dieser Frage ist noch mehr vorzuüringen, wenn der durch das Dogma des jüdischen Nationalismus ungetrübte Blick sich aus das deutsche Judentuin richtet. Das deutsche Judentum hat ein jüdisches Schicksal, das in der Gnade einer Berufungsmöglichkeit steht. Das russische Judentum hat das Schicksal der verlorenen zehn Stämme. Bor dem Schicksal des russischen Judentums hat das deutsche Judentum ' mehr Glstck voraus. Bor dem Schicksal des Westsudentums hat das deiitsche Judentum etwas sehr Großes voraus: das Leid. Das Leid macht tief. Das Leid, das uns nicht niederzwingt und dessen wir Herr werden, macht hungrig nach jener Wahrheit, die nicht an der Oberfläche ruht. Solcher Erwählung reist das Schicksal des deutschen Judentums entgegen. An moralische Gesichtspunkte, von denen aus das deutsche Judentum über das übrige hinausgehoben werden sollte, ist natürlich nicht gedacht. Das deutsche Judentum ist nicht besser als das unglücklichere russische Judentum und nickst schlechter als das glücklichere übrige Westjudentum. Das deutsche Judentum steht dort, wo der Blitz der Erwählung einschlägt, und so kann unser Aushalten mehr bedeuten als ein bloß vitales Verharren, zu dem nicht ausgerufen zu werden braucht, weil! es durch die Schwerkraft des Lebens schon herbeigesührt wird. In Deutschland bleiben bedeutet an sich selbstverständlich noch nichts, das jüdisch wertvoll wäre. Aber mit diesem Jn-Deistschland-Leben jüdisch fertig werden, ist etwas anderes. Damit wird nur fertig, wer im tiefsten Sinn der jüdischen Existenz Jude ist. Tenn wer kann Leid ertragen, ohne Schaden zu nehmen an seiner Seele? Diese Frage ist für uns keine theologische Betrachtung, sondern sie ist die Frage unserer täglichen Existenz. Schon wegen unserer Kinder fragen wir so. Für die Beantwortung dieser Frage müssen wir die religiöse Position beziehen. Die PsNchologie des Materialismus kennt als Subjekt, um das sich für sie alles dreht, npr den von ihr als maßgebend angesehenen natürlichen Menschen. Ter natür- „Tn konntest dich mit ihm unterhalten?" Jagte ich bewundernd, als wir rasch davonfuhren. .Natürlich, Scheich Terwisch spricht Rutsch." „Soooo?" „Ja. drei Worte — aber fließend: Hindenbmg. Kaiser Wilhelm, Zeppelin", lachte der große Mann. Tas war vorläufig unser letztes ZusamiNLntreffen mit Menschen. Von nun 'an I'chrcn wir in beschleunigtem Tempo durch die ^ebe. Ten einzigen Halt fand das Auge an beii Telegraphenstangen, die bald näher/ bald lUner die Spur der Hedschasbahn bezeichneten. We Stationsgebäude sind als Ruinen liegenp.cMicben, denn die Gleise, die vor dem Kriege b's nach Mekka führten, wurden nur bis Maan wiederhergestellt. Ein einziges Mal in ftr Woche fährt ein Zug und kehrt am nächs-m Tage nach Amman zurück. Wir sahen ober auch eine Draisine mit Touristen vorbeiftusen. die diese Beförderung der Autofahrt berzegen. Geschmacksache! Ich kann mir Techaus nicht vorstellen, daß eine .Reife auf ck^ücnen so schön sein kann wie unsere Fahrt über die leise gewellte unendliche Ebene in Wstrem lieben, flinken Koko. Ilebrigens ist jckie Landschaft, sei's Gebirge, Täler oder das --^er, leichter zu beschreiben als gerade dies P^aubiofe Schweigen der Wüste. Sie gibt die Mahnung von einem beglückenden schmerz- ^sen Nirwana. . Und doch — nach siebenstündiger Fahrt ichnt man sich nach irdischen Behausungen, wenschlichen Freuden zurück. Der große Mann •ontrollierte schon besorgt den bedenklich niedrigem Stand unseres Benzinmessers, als uch die Silhouette am Horizont änderte. Beinr -^Herkommen wurden hohe Dattelpalmen gütlich. (ftne sonnenslimmernde Mauer. Tai!Wer weiße Häuserkuben mit lila Schatten. ^tnc zirmengekrönte Burg. Wir fuhren über einen starkströmenden -ttach. Fein Rauschen, welche Musik nach der ^ngen Stille des Tages! Niemals sah ich grüner leuchtende, saftigere Nußbäume als an seinem Ufer, und in chrem Schatten sprangen nackte Kinder von Stein zu Stein und bespritzten sich unter Lachen und Schreien, wie aste'Kinder in aller Welt, und die Kleinsten suchten Schutz vor den Großen bei ihren Müttern, diesthre Lumpen wuschen und neugierig unseren bestaubten Koko betrachteten. Hinter der Brücke begann mit Betonäusern und breiten Straßen, mit Speicher, oft und einem leibhaftigen Lastauto das ioderne Maan. Wir hielten uns aber nicht us, spndern suhren noch drei bis vier Kilowter weiter bis zur Station. Ihr gegenüber iegt das Hotel. 'Müde, hungrig, schmutzig betraten wir das )aus und vergaßen im Augenblick Müdigkeit, schmutz und 'Hunger: in der Eingangshalle »uchtete uns ein Bild entgegen, 2 Meter hoch md 3 Meter breit mindestens, und daraus iatte ein Mensch Tizians irdische und himmische Liebe gemalt. Wir wußten nicht, sollten oir lachen oder weinen. Als Vorbild hatte .ielleicht eine Ansichtskarte gedient! Ach. diese Farben, diese Verzeichnungen, dieses unmöglche nackte Frauenzimmer! Wen konnte man ür solches Verbrechen verantwortlich machen, ven sprich, wen? Das Bild gab Antwort. >m'Hintergründe (bitte sehr, bescheiden rm Untergründe) sieht man als eigenmächtige ^gänzuna des Bildes eine Stasselei und dawben einen kleiiien Mann im Bratenrock und ^tatternden Schlips, der grüßend seinen ^cbGvvbut schwingt, wahrend eine Künstlerwälme sein kugelrundes Mondgesicht kühn umwallt So sieht der Maler der himmlischen und irdischen Liebe aus - iu Maan. ' Cook hat die Küche des Hotels gepachtet. T>aa ^incr war wohlschmeckend und so reich- E daß sich Barak sicher noch dgnn und wann der üppigen Abfälle erinnert. Unser Schlafzimmer dagegen bestand cm* klaffenden Nolzwänden und Tielen. Und wenn auch die Zimmertür notdürftig schloß, so war allerlei anderen ungebetenen -verrschasten der Gnutritt unbenoniincii. Im Kampf mit dem Gesindel von Sandslregen und Moskiten, von Flöhen und Wanzen verbrachten wir bei flackerndem Kerzenschein die Nacht. Ich muß oerraten. daß der große Mann als zweiter Sieger gegen diese Uebermacht hervoraing. Zerstochen, verschwollen und blutig gekratzt machten wir am nächsten Vtorgen neben iinserem fröhlichen Hund und dem blankgeputzten Auto eine recht klägliche Figur. Was ist wahres Heldentum? Ter große Mann zitterte nicht vor Räubern und Mördern: aber der Gedanke an eine zweite Nacht in Maan ließ ihn erblassen. ,,A la guerre comme ä la guerre“, sacste er forciert lustig. Er besann sich rechtzeitig, daß Nns und Stellung eines großen Mannes schon bei der ersten gezeigten Schwäche gefährdet sind. „Aiif nach Petra —" Er überließ mir großmütig den Platz am Volant. Beinahe 50 Kilometer ging es durch steppenartiges Gelände. Allmählich wuchsen rechts und'links Hügel empor, näherten sich, und schließlich legte sich ein Felsen '.ins mitten in den Weg. Hier schlug ernst Moses mit seinem Stab das rettende Wasser aus dem Gestein, und — ob Dichtung, ob Wahrheit — keine Phantasie konnte eine glaribhaftere Szenerie für diese Wundertat erschaffen. Wieviel endlose Zeit hatte das Volk Israels gebrancht, um jene Strecke, die wir soeben mit Koko schnell durchquert hatten, mühsam zrr durchwandern. Verschmachtet, hoffnungslos, an Gott verzweisclnd. war es zusammengebrochen, und da öffnet sich plötzlich das ilnter der Sonne glühende Gestein zu einer Grotte, in deren Schatten sich kühles, klares Wasser breitet und als lebhafter Ouell überslreßt. Zu Tal strömend, verwandelt er die Einöde in ein Paradies voll Blumen, grünenden Stränchern und bebauten Abhängen. Der fahrbare Weg hatte hier ein Ende. Von Eook engagierte Fellachen warteten aus uns mit gesattelten Pferden zur Weiterreise. Koko blieb in ihrer Obhut zurück. Wir ritten einen steilen Weinberg hinunter —, Barak wußte sich vor Freude nicht zu lassen und machte unsere ruhigen Reittiere fast rabiat —kamen durch ein breit gelagertes Dorf und geivannen wieder die Tiefe des Flußbettes, in dem die Ouelle Mosis jetzt ansgeiegter als zuvor zwischen Steinen entlang plätschert. Zuerst schritten unsere Pferde noch ans schmalem Fußsteig, dann durch den Bach selbst, denn die Felsen rückten immer dichter heran, himmelhohe Felsen aus rotem und violettem leuchtenden, von ockergelben, himmelblauen und schneeweißen Schichten durchzogenen Gestein. Gigantische Felsbildungen mit deutlichen Spüren von grandioser Ornamentik, halb verwaschen in dem weichen Sandstein, bereiteten uns auf Ungeheures vor. Die Wände schoben sich jetzt so dicht aneinander, daß ich dachte: Noch einen Schritt — und vor mir der große Mann aus seinem breiten Gaul bleibt eingeklemmt zwischen den Wänden stecken. Ich beeilte mich, ihm nachzukommen. Vielleicht würden wir ihn heraushauen müssen.' Aber da wandte er sich mit einem Hellen entzückten Schrei nach mir um. Ich drängte mich dicht heran und blickteselbst noch'in dem serrchten Schatten der Bergspalte, heraus auf einen hell im Sonnenlicht leuchtenden rosenroten Felsentempel. Wir drängten uns vollends diirch die Oessnung am Ende der Schlucht und befanden uns in einem breiten, sonnendurchglühten Onertal. Helles Grün umsäumte den befreiten Fluß, und vor uns wuchs eine pompöse spätrömische Architektur empor, das großmächtige Pharaonen , Grabdenkmal „OrC Khazneh". Zweigeschossig, sänlenrcich, ist es aus dem roten Sandstein des steilaufragenden Berges als Hochrelief herausgehauen. Fliegende Genien schmücken die Wandflächen, Adler hocken aus den Seitengiebeln und den mittleren krönt eine mächtige Urne, in der man in früheren Zeiten den Schatz des Pharao vermutete. Man hat sich seitdem von dem Gegenteil überzeugt, doch das Grabmal behielt den Namen „El Khazneh", Schatzhaus des Pharao.

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