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Central-Verein-Zeitung · 1934-08-09 · 32 (9.8.1934) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
32 (9.8.1934)
Date
1934-08-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Der Baalschem von Michelstadt Worms 1768-1847 Pliotodir.nst Arrw Kikoler stellt, so erklären sich die vielen folkloristischen Beziehungen zwischen hausierenden Juden und sonstigem fahrenden Volk, deren Einfluß auf die unteren Schichten kulturellen Lebens man neuerdings nachzuspüren sucht. Das jüdische Schrifttum hätte auch allein den deutschen Juden genügen dürfen: aber wie in der höfischen und bürgerlichen Kunst, so war auch im bürgerlichen Leben, auch bei den Juden, vieles barok. Zu dem Enten der Bergangenheit - konnte man nicht zurückfinden, für grundlegendes Neues war die Zeit noch nicht reif, so schwankt man zwischen Pedanterie und Formelkram einerseits und systematischer Schwärmerei anderseits hin und her. Mangels großer geistiger Umwälzungen hielten inhaltlich belanglose Kontroversen in einer uns unbegreiflich erscheinenden Weise fahre, und jahrzehntelang die deutsche Judenhcit in maßloser Erregung (Streit: Emden— Eidei'chützl. Aber wie sich nach langer Zeit gleichmäßigen Brütens oft ein orkanartiger Sturm erhebt, so riß in der zweiten Hälfte des IS. Jahrhunderts die von Frankreich cindringende „Aufklärung" die deutsche Judenfchaft aus ihrem geistigen -valbschlas empor, sie sammelt sich um einen neuen würdigen Mittelpunkt: Moses Mendelssohn. Schon im frühen Mittelalter hatten die in Deutschland wohnenden Inden die deutsche Sprache als ihre tägliche Umgangssprache angenommen, wenn sie auch das hebräische als Gebets- und heiiige Sprache nicht vernachlässigten. Aber sehr tiefgehend ist die Kenntnis des Hebräischen schon damals bei den Juden nicht mehr gewesen. Man mußte, besonders für grauen. Gebete in deutscher Sprache abfaffen. und einer der berühmtesten Nabbiner des 14. bis Io. Jahrhunderts, der „Maharil" von Mainz, beklagt, daß viele Juden, zumal Frauen. sich damit begnügten, einige deutsche Gebete zu lernen, und glaubten, damit ihrer religiösen Pflicht genügt zu haben. Bekannt ist ferner, daß im 1b. Jahrhundert der jüdische Minnesänger Süßkind von Trimberg in deutscher Sprache seine Lieder sang, und daß seine Dichtungen in die berühmteste Sammlung des Minnesang'?', in die Manessische Handschrift, ausgenommen wurden. Er war v»rmutlich nur einer von vielen. Auch jüdische Stoffe wurden in mittelalterlichdeutscher Sprache von Juden behandelt" So ist vor einigen Jahren ein mittelalterliches jüdischdeutsches Esther-Spiel aus dem vierzehnten Jahrhundert in einer amerikanischen germanistischen Zeitschrift aus einer Oxforder Handschrift dervffentlicht worden. Eharakteristischerweise ist diescs Purimspiel in der volkstümlichsten Strophe des Mittelalters, der Nibelungenst-rophe, abgefaßt und weist den Stil der mittelalterlichen volkstümlichen epischen Dichtung auf. Das bedeutet also: die Juden kannten und liebten die mittelalterlichen dichterischen Erzeugnisse volkstümlicher Art in deutscher Sprache. Ja noch mehr; sie gehörten zu ihrer täglichen Lektüre. Als ein großer Teil der Juden infolge der Bedrückungen im 14. Jahrhundert gezwungen waren, den Zug nach dem Osten anzutreten, um sich in slawischen Ländern anzusiedeln. da nahmen sie als kostbaren Schatz neben ihrer deutschen Sprache auch ihre deutschen Bolkssagen mit: das Lied von d«r schönen Mageloue. vom Hörner, nen Siegfried und andere, und lasen diese Bücl)er . fast bis in die Gegenwart. Auch in Deutschland selbst wurden immer wieder unterhaltsame Lektüre aus jüdischen Stoffen in deutscher Sprache gedruckst Wir erinnern nur an das aus der Neformationszeit stammende Manasse-Buch. das von reisenden jüdischdeutschen Verlegern vertrieben wurde und jüdische, aber auch volkstümliche Stoffe zur Belehrung und Unterhaltung enthielt. Die Bindung jüdischer und deutscher Kultur ist trotz" der Bersolgungen bis ins 1ü. Jahrhundert niemals abgeschuittcn. Später in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, unter denen die sparliche jüdische"Bevölkerung Deutschlands ebenso wie die christliche zu leiden hatte, treten die Belege für die Verflechtung beider Kulturen in den Hintergrund. Aber mit dem Wiedererstarken des deutscheu Lebens tritt auch die Teilnahme der Juden an ihm wieder zutage, um zur Zeit Moses Mendelssohns (Ende des 18. Jahrhunderts) einen schnellen, niemals mehr abgebrochenen Aufschwung zu nehmen. 8. F. London, im Sommer 1934. Ja. es gab eine Zeit, wo wir abends ins ... gingen. Aas ist vorbei. Aber in ganz anderer Form ist beispielsweise für die. die nun in London leben, die Frage gestellt: wohin am Abend? Tie Frage entspringt nun nicht Vergnügungssucht und Uebermut. sondern im Gegenteil einer Notlage. Bessere Räume sind teurer, dazu im Winter das übliche Münz- (1 Schilling.) Gas für Heizung — das drängt einen, den Abend außer, halb des so häufig ungemütlichen sogenannten Heimes zu verbringen. Lokale, Kaffees und Kinos haben aber Preise, die für die übergroße Mehrzahl unerschwinglich sind. Ein anderer Ausweg war nötig — und da setzte eine Hilfe ein, die auf dem englischen Klubgedanken basiert: Es wurden jüdische Klubs gegründet, wobei es an Rivalitäten und Quertreibereien natürlich nicht fehlte. Als erster war der London .Tewish Club 1933 auf dem Platze. Ort der Handlung war ein von der 8st .1obn5 Wood Synagoge zur Verfügung gestelltes Schulhaus, das an verschiedenen Abenden jedem offen stand. Später kamen Borträge in englischer und deutscher Sprache über jüdische, sprachliche und andere Fragen wie z. B. die Struktur Südafrikas. Gelegentlich der jüdischen Feste fanden einfache und würdige Feiern statt. Auch eine Klubzeitung erblickte das Licht der Welt. Sie enthielt u. a. Schilderungen des Lebens im skelter, dem vom Hilfskomitee Mittellosen zur Verfügung gestellten Wohngebäude, und Schilderungen des Lebens in St. Albans, wo junge deutsche Juden praktisch und theoretisch in Landwirtschaft ausgebildet werden. Der „Klub" litt und leidet aber am Mangel wirklich geeigneter Räume. Schulräume sind eben keine Klubräume. Bon dem Gedanken der Mischung mit Engländern ging die Tätigkeit der Liberal Jewish Synagogue aus. Einmal wöchentlich empfängt die Jugendgruppe in ihrem Heim bei Tee und Kuchen.. Tort fehlt es auch nicht an dem natürlich unbedingt erforderlichen Ping-Pong. Biele Frcundschaslen sind an diesen Abenden entstanden. Gelegentlich findet Sonntags auch eine Wanderung statt, um die Schönheiten der Londoner Umgebung kennenzulernen. hS MS..." Auf anderer Basis sind die etwa alle drei Mpchen von der West London Lynagogus in der Berkeley Street veranstalteten Empfangsabende. „Members ok the Synagogue will be at home . . . Morning Dress . . .". was aber nicht etwa Schlafairzug. soudern einfacher Anzug bedeutet. Da das neue Heim noch nicht sertiggestellt ist. so sind sie im qlten Raum. Hier ist das Durchschnittsalter der Anwesenden höher. Die zwanglose Unterhaltung wird von „lukullischen" und musikalischen Genüssen unterbrochen. Ein Abend mar ausgezeichneter Musik in einem ersten Hause des „alten Westens" gewidmet, wo ein Mitglied dieser Synagoge ,,at honie“ war. Schon mancher hat dankbar die starke persönliche Initiative von englischer Seite empfunden. Das alles ist nun natürlich nicht eigentlich als Klub zu bezeichnen und zum Teil auch nicht so gemeint. Diese Lücke soll vom Phoenir-Klub ansgefüllt werden. Hier wird ein, wenn auch geringer. Beitrag erhoben. Einfache und geschmackvolle Räume ili guter Lage. Radio. - Zeitungen, Ping-Pong lislv. sind der äußere Nahmen. Denen, die hier permanent bleiben wollen, soll die Brücke zur Akklimatisierung geschlagen werden. Nur einen bestimm teil und beschränkten Kreis also meint der Phoenir-Klub. Ter Klubgcdanke ist aber in all den erwähnten Fällen nicht etwa strikt durchgesührt; denn im Gegensatz zu den alten englischen Klubs ist auch das zarte Geschlecht vertreten. Außer diesen ad hoc geformten Institutionen arbeitet selbstverständlich auch eine bestehende Orgauisotion wie die Loge weiter. Sie sieht in ihren gemütlichen Räumen ein- bis ziveimal wöchentlich ihre Freunde bei einfacher Bewirtung bei sich. Auch Vorträge, z. B. über Kunstthemen, fanden statt. Man würde nun sehr sehlgehen. das alles etwa unter dem Gesichtspunkt der Vereinsmeierei betrachten zu wollen. Ganz abgesehen von einer gewissen materiellen Hilfe, die unmittelbar in alledem liegt, bedeutet die seelische Ausnmntcrnng viel mehr: Heimisch werden in der Fremde, Erwecken neuer Impulse dlrrch Freundschaftsbeweise. Verhinderung des Ab'gleiteus. vr. Max. Mittwoch, den 12. Mai 1830. notierte (?* mann: tr‘ -Vor Goethes Fenster stand ein kleiner broir,„ Moses, eine Nachbildung des berühmten Lrininll von Michel Angelo. Die Anne erschienen mir; Verhältnis 511m übrigen Körper zu lang nnd » stark, welche meine Meinung ich gcqcu Q «u offen anssprach. ' .Iber die beiden schivcren Tafeln mit den Geboten!" rief er lebhaft: „glaubt Ihr dem, cs eine Kleinigkeit war. die zu tragen? Hnt)WZ ■ Ihr denn ferner, daß Moses, der eine Armee! den zu komniaudieren und zu bändigen halle V mit ganz ordinären A rillen hätte ben"',-,^!; können?" J; Goethe lachte, als er dies sagte, und Gkermaim wußte nicht recht, oh Goethe es ernst gemeint batte! oder sich nur eineu Spaß machen wollte. '^,r meinen, daß Goethe es immer ernst meinte, „jemt er sich einen Spaß machte, und daß er goethjich genug war. um sich auch npch eitlen -paß "1 machen, wenn er es ernst meinte. Kurzum. er hatte recht und wußte Bescheid ... In den Tagen des beginnenden Jahres \Ki] da das Deutsche Reich geboren wurde, schrieb einer der deutschesten Publizisten und Verantwortung-, vollsten Virtuosen unserer Sprache den Barte!; verseheiltlich für einen Juden erklärte (er war fein Jude, und wir könnten dennoch stolz, ans ihn itm< wenn er einer gewesen wäre), schrieb also, von N „Schauern des Werdens deutscher Einheit" erschustert, Ferdinand Kürnbergcr: 1 „Herr, ich stottere mit der Zunge. Herr, ilh bin der Rede nicht mächtig. Herr, schicke meinen s Lrilder Aaron.! So wehrte sich Moses gegen Gott — im Lchmii-r des Menschen vor seiner eigenen Größe, -chjencr rätselhaft nngehenre Mau,, den Gedanken faßte, ein Botk von Sklaven ans der Milte eine; größeren, geordneten Kriegerstaates heraus in die Freiheit zu führen, da schwellte nicht Ehrgeiz sein- Brifst. da begeisterte nicht Heldenrnhw seine Seele, nichts von alledem. So franBüch theatralisch ging es nicht zu; es ging wahrer und menschlicher zu. Die Knie schlotterten ihm. der Angstschweiß trat ihm ans die Stirne und t4c Zähne klapperten ihm . . . In tausend Auttlny. : teil widerspricht er feimm Gott: — aber ans alle;: Ausflüchten hören wir heraus- Du bist der Mm: Ulld keilt anderer, der die Tat hm wird. Aich wer zil der Größe sich drängt, sondern wer vor der Größe schaudert, ist ein Welthcld." Im Grunde ähnlich ist die Art. wie drei en. dere „Weltheldeu" midors! reden. die Kürnbcrger dann in ähnlicher Weise vorstellt. nämlich Eyrißtt. Lllther und Gromwell, und die Erkenntnis ihre: Bewunderers lautet: „Daß uns die Schriftsprache diese vier Zeugnisse ausbewahrt hat. gehört zu beit glnetlichsten Ereignissen der Menschengeschichte. Ich wüßte nich. wie groß und zahlreich die Bibliothek sein mußte. \ welche mehr und Tieferes sagen wollte, als dch'e \ vier Worte sagen. Und ist es ein Zufall, wer sie j sagt? Zwei dieser Stimmen gehören den Jude!' s- und zwei den Germanen. Also den seeleuyanc'Mi | Völkern der Erde! Jenen ztvei Völkern, welche re: s. allen übrigen die Mission hatten, den Loittruttüj. 11111-5 und den Idealismus durch diese Wett Materie zu tragen . . ." L. II—!i. auf ein weit jüngeres Gebäude stießen, waren wir aufs neue entzückt. Arabischen Ursprungs, wunderbar erhalten, symmetrisch mit Kuppelgewölben und Rischenbauten, waren seine inneren Mauern mit bewundernswerter ganz reicher. ganz zarter und phantastischer Steinarbeit bedeckt. Jetzt hinunter in die Stadt Amman. Mehrere breite Bazarstraßen lauten kreuz und quer und treffen sich an einem Knotenpunkt, .wo ein leibhattiger Verkehrspolizist steht und zirka alle halbe Stunde einem Auto, resp. einem Reiter, einem Eselstreiber oder einer langsant heranschaukelnden Kamelkarawane den Weg sreigibt. Beduinen, von Waffen strotzend, gehen langsam von Magazin zu Magazin. Was es doch 7ür Verführungen gibt! Mit Muscheln bestickte Reitsättel und Jaumzüge für Kamele, die ollein schon durch die reichen Gehänge blauer Glasperlen vor Krankheit und bösem Blick 'bewahrt bleiben werden, lind dann die knallsbunten Kattune aus Manchester oder Neichenberg. Die Haremsdamen der Wüste müssen ja darüber in Entzücken geraten! Ist das chicht bei weitem kleidsamer und eleganter als ihre schönsten handgeivebten Leinengewänder, wögen auch Brustlatz. Aermel und Säume noch so kunstvoll bestickt sein!'? Und so sickert die enropäische Zivilisation . mit ihrem Ungeschmack in die Herrunheimlicher Schnelligkeit ihre jahrhundertelichteit der Wüste und korrumpiert mit alle noble Kultur. Zwei Welten: Koko hält vor dem Grand Hotel Philadelphia in Amman. Litte sehr! Grand Hotel! Fließendes Wasser! Elektrisches Licht. Auf der anderen Straßenseite übergossen von roter Abendsonne baut sich am Berghang ein riesengroßes wohlerhaltenes Amphitheater auf. Tie toten Augen der beiden Lvgenreihen glotzen auf die Straße herunter, ans der das blitzneue Auto König Abdullas, vorüberrollt. Ein prachtvolles Theater! Viele Tausende kann es fassen. Eine reiche Giebelarchitektur überschneidet die Lergtüppe. Und doch-r wir haben viel kleinere Amphitheater auf unseren Neisen gesehen, sogar das kleine Provinztheater in den einsamen Rinnen von Dscherasch hatte uns mehr erschüttert als dieses Niesenhalbrnnd majestätischer Dimension. Die Ehaussee mit ihren Autos und Motorrädern. und die Nachbarschaft des Grand Hotel Philadelphia kürzt die erhabene Wirkung, die sonst von jedem antiken Gebäude ausstrahlt. Aber warum die Nachbarschaft schelten, wenn es sich nach langer Fahrt so gut im Grand Hotel baden, speisen und schlafen läßt! Ter große Mann verlies; noch einmal das Patentfederbett. Aus dem Nebeuhaus, dem königlichen Palast, fiel ein Heller Lichtschein in.unser Zimmer. Ter große Mann schloß die Fensterläden. Dunkel herrschte im Zimmer. „Bis jetzt hat der Wüstenkönig noch keine Ansprüche ans dich geltend gemacht", sagte er nicht ohne Hohn. „Tut dir das leid?" fragte ich zurück. K«ine Antwort. Nur Barak knurrte im Traum. Am nächsten Morgen vor Sonnenaufgang fuhren wir durch das schlafende Amuran. Hinter den letzten Häusern lagen grüne Maisselber. Dann gingen sie in Steppe über. Magere Grasbüschel bedeckten in Abständen die weite, nur durch zahlreiche Kamelherdeu belebte Ebene. Hunderte von majestätischen Tieren weideten ^ruhig das harte stachliche Kraut ab. Nur die Neugeborenen sprangen disziplinlos dazwischen. Sie waren reizend, nicht größer als Pferde und ihr Fell schneeweiß oder schwarz, und weich und wollig wie bei Schafen. Tie nächste Begegnung hatten wir mit einem Wegweiser, korrekter „Nichtungsweiser" (von Weg. konnte wahrhaftig keine Rede sein), aber auch das war etwas illusorisch. Maau, wohin der eine Arm die Richtung wies, war 160 Kilometer. Bagdad andererseits mehr als 1000 Kilometer'entfernt. Nach einer Stunde ereichten wir den ersten Chan, ein festungsartiges Haus, wo früher die Karatvaneu übernachteten. Das Innere, vom Kriege her noch völlig zerstört, hatte nur einen Raum, der einigermaßen als Polizeistation hergerichtet war. Neben dem Chan spiegelt den dunkelblauen Himmel eine sehr große, offene Zisterne, die Menschen und Tiere in weitem Umkreis an ihren steingefaßten quadratischen Rand lockt. Wasser! Größte Kostbarkeit der Wüste! War es vielleicht! nur Zufall, daß die Luftspiegelungen uns fast aus der ganzen Fahrt eine weite schilsbekränzte Wasserfläche vorzanberten, oder war auch hier Wunsch und Sehnsucht der Vater der Luftspiegelung? Wir bogen jetzt von dem ans halb verwischten Autospuren bestehenden Hauptweg ab und verfolgten einen kleinen Punkt am Horizont, der sich zu einem halbverfallenen Bauwerk auswuchs. Und dann hielt Koko vor der Ruine des Omajadenschlosses Mschatta. ’ Wer sich von der Köstlichkeit dieses Bade- und Liebesschlößchens einen Begriff machen will, besuche schnell das Kai^er-Friedrich- Museum in Berlin. Es ist sicher für die Mehrzahl der Leser leichter und billiger zu erreichen als die ^transjordanische Wüste. Ter Sultan Abdul Hamid schenkte seinem Freunde Kaiser Wilheltn H. das im Museum ausgestellte Stück der äußeren Umfassungsmauer, von der wir an Ort und Stelle nur noch Reste vorsanden. Wenn man diese wie Spitzengeklöppel hochplastisch in den Stein gemeißelte Ornamentik betrachtet und bedenkt, daß man hier bloß vor den Außenmauern, quasi dem Gitter, steht, so kann maii sich träumen, welche Schätze dieses Märchenschlvß einst im Innern barg, von dem jetzt nur noch einige prunkvolle Pfeiler und elegante Gewölbe ans gebranntem .Ziegel übrigblieben. Sicher war vor noch gar nicht langer Zeit alles mit der gleichen kostbaren Stemornamentik bedeckt wie die Umfassungsmauer. Aber, jedem Raub und Zugriff preisgegeben, liegt das Kleinod ohne Schutz in der Einsamkeit der Wüste. Wir wunderten uns nicht, als wir enuiü Kilometer hinter Mschulta in einem kleinen Fellachendorf über der Tür einer clcnbcu Lclmchütte eine herrliche Steinrwette W'- deckken. Dieie Rosette war vornehmer Hinkunft, upd uns tat das Herz weh. als nur l'.e hier sahen. Sic transit. gloria rau um! Ties Fellachendorf war übrigens die cmzige menschliche Ansiedluna. der nur mn rem langen Weg begegneten, außer den Eyeü-u die in Abständeii von' 40 Kilometern Ltuuuy für ein paar vor Langeweile halb lüödünmgw Polizisten gaben. Kurz vor Rtiltag hieiwn :rir an einem Ehan, um Barak an der ZülePc trinken zu lassen, und auch unser Kulltz'z brauchte Wasser. Zufällig waren gerade b'-sg Zwei^ große Zelte ausgeschlagen. Ein ch-c-K bärtiger Beduine trat ans dem höheren. fU'Lira sich als Scheich Terwisch vor und lud dagroßen Mann in das Männerzett, wahrend er mich mit würdiger Handbewegnng in den Harem verwies. Eine junge, schöne Araber:!! in schwarzer, schleppender Gewandung kam mir entgegen, eine alte Here zog mich ins Zel'. Weiber von niedrigerer ^Stellung deganneil Kaffee zu kochen und brachten Piitasien m5 Sonnenblumenkerne herbei, und die Scbeich^ frauen wollten mich mit liebevoller Gewalt füttern. Ein Haufen von Kindern nmdräng^ mich, aber die Frauen befreiten mich von dea Oualgeistern. nnt dafür selber meine Kleider. Strümpfe, Schuhe, meine Halskette isud d-e Armbaudtihr einer gründlichen UlliersuchMZ zu unterziehen. Ich'kam kaum dazu, im 0^ richtig Umschau zu halten, nur die jnH111’ geflochtene Matte, auf der ich saß, siel m:r chZ und ein prachtvoll geschnitzter Holzmörsei. Barak kam hereingefegt, gefolgt von eure!- rhm aufs Haar gleichenden Slughihund. ut o einen Augenblick gerieten Menschen u»o Kaffeeschalen gleichermaßen in Gefahr, me reu Hatlfen gerannt zu iverden. Ta betrm oe Scheich das Frauengemach, rief seinen, -v"" Zu^ sich und bedeutete mir. daß der irenw „Ehaivadja" das Auto bestiegen habe imd m>vl erwarte.

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