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Central-Verein-Zeitung · 1934-08-09 · 32 (9.8.1934) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
32 (9.8.1934)
Date
1934-08-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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f\\ i r?,r~] 22 LiliCj 2,BoSbSa«? mmum iLPmummm Von Dr» A. Coken, München *) | EL bedarf keiner Rechtfertigung, diese beiden I ^hrhimderte zusammenzufasscn. Eingeschloffen zw> scheu Reformation und Gegenreformation einerß fcit§, Revolution und Restauration anderseits, ist % 3cit der Kämpfe um das europäische Gleichsj Mvicht in sich Ziemlich homogen. Für die deut- H scheu Juden ist sie bedeutungsvoll als die Zeit dcS Abschieds vom Ghetto, der Vorbereitung auf das / ^hrhundert der Emanzipation. Zwar dauern die -1 glichen Grundlagen der Feudalzeit fort, und so # s^en wir auch die deutschen Juden im Zustande fcr Unfreiheit: nur ist an die Stelle der ..Kammer- 1 lucchtschait' zu Füßen des Kaisers die „Schutzherr- ' der Territorialherren getreten. Noch immer -s cifci sh der Jude rechtlos — wenn man das Recht, : an die Gnade des Schuhherrn zu appellieren, nicht; n[ä ioldic-j zu bezeichnen wagt —, ein Gegenstand 2 (!ft ‘«iOffir und fiskalischer Ausbeutung. Nur die i -^dhede hat sich verfeinert, dafür sind die Mittel ' ^reicher und raffinierter geworden: Deri.-r trcil".mgcn werden zur Ausnahme, Lösegeld bei 4.: gehender Vertreibung zur Regel. Tie Zersplitterung Deutschlands in unzählige Irrritoricn hatte für die Inden Nachteile und Urteile. Lie trug die Hauptschuld an der PolitilÄu und sozialen Stagnation, die Deutschland -so iiinühmlich hinter die unitarischen Staaten G'.repas zurücktrcien ließ, sie gestattete aber, der iv.nnc eines Fürsten entsprungenes Unrecht einige teilen entfernt wieder grrtzumachen. Das „Ge-!ci!e,eld" ersetzte oft den fehlenden Schutzbrief und vnlieh dem jüdischen Handel jene raumwirtschaftliche llngebundenhcit, die man spater als Wurzellesigkeit auslegte. Nicht in die ständische Ordnung ■ cmgcflochten. konnten sich die Juden freier berjcgcu, günstige wirtschaftliche Chancen ausnutzen, i:nö dabei gerieten sie nicht einmal in Gegensatz zur Wllichcn Bürokratie, die sich nicht genug tun leimte, die mit Dünkel verbundene Indolenz des Mischen Bürgertums, besonders der Zünfte, zu geißeln. Las 17. und 18. Jahrhundert ist die Zeit gevaltiger Zusammenfassung der staatlichen Kräfte, (rin elementarer Expansionsdrang sucht die staatlichen Grenzen zu sprengen, verkrampft die kriegerischen Unternehmungen zu titanischem Ringen, euch die Fürstenhöfe Europas zu Spielbanken, wo unter bem Einsatz von Ländern und Völkern um die Macht gerungen wurde. Diese Politik fetzte ein ebenbürtiges finanzielles System voraus, das doch nirgends bestand. Während politisch alles auf Äaatsraison und - Absolutismus zugespitzt war. herrschte im Finanziellen Anarchie. Die hehrsten staatlichen Hoheitsrechte wurden mißbraucht, um aus der durch die Patrimonialverfassung gybrückten, durch merkantilistische Experimente nur bescheiden gehobenen Bevölkerung die Mittel zu den ständigen Kriegen heranzuholen. Die Staatsngalien und das Besteuerungsrecht,'Justizhoheit ») Dergl. C.-V.-Zeitung Nr. 20, 24. 26. 28. 30. und Münzhoheit mußten herhalten, 'um durch. Monopole, Steuerpacht, Münzverschlechterung. Geldstrafen und Bermögenskonsiskation den gelbbedürftigen Fürsten die nötigen Mittel in die Staatskasse zu leiten. Mit diesen Praktiken sind auch die Namen von jüdischen Hofsaktorcn und Hosagenten verknüpft, deren jedes deutsche Territorium wohl einen oder Handel der- Juden historisch an den Geldhandel anknüpst. Der Kreis der Waren, mit denen die Juden zu handeln pflegten, ist ein ziemlich eng umgrenzter: Gold- und Silberwaren, Juwelen, überhaupt LuxuSwarcn, aber auch Kleider. Dies waren ■ nämlich die Gegenstände, die bei Gelddarlehen ' als Pfand dienten; ein verfallenes Pfand kann nicht 'anders verwertet werden als durch Verkauf. Im Dreißigjährigen 1 Krieg waren es auch Beutegegenstünde, die so in den Handel gelangten. Auch die eigentümliche Betriebsform des Warenhandels bei den Juden, der Hausierhandel, wird historisch erklärt: aus dem Verbot, außerhalb des „Ghettos" Lüden zu halten. Eine andere Wurzel des Warenhandels der Juden, namentlich Trotz dieser Vielgeschäftigkeit der Juden, die .zu ihrem ruhelosen Dasein paßte, darf man sich ihre wirtschaftliche und soziale Lage nicht allzu rosig, keinesfalls behaglich vorstellen. Ter tatsächliche Zustand war verschieden, in gewissen Städten (Wien. Prag, Frankfurt a. M., Worms, Hamburg, Berlin) günstiger als im Durchschnitt des Reichs. In Hamburg lvareu die Juden an der Gründung der Hamburger Bank (1610) maßgebend beteiligt. Daß es in Wien, Prag, Frankfurt a. M., Berlin jüdische Häuser von großem Ansehen und von nicht wegzudenkender wirtschaftlicher Bedeutung gab, ist bekannt. Aber int ganzen ist doch die Bemerkung Mar Webers richtig, daß der Kapitalismus der Juden Mtieresouü3 lu, Mainz Radierungen von Henriette Mannheimer mehrere hatte. Aber. sie unterschieden sich darin nicht essentiell, sondern nur in. der Nuance von. anderen, nichtjüdischen Abenteurern und Industrierittern: sie spannten die finanziellen. Kräfte, die dem absoluten Fürsten zu Gebote stehen, übermäßig an und entfesselten dadurch die. Elemente, die sie unter dem Unwillen des Volkes oder der Bürokratie begruben: erdrückt von den Anforderungen, die der Staat oder der Fürst an ihre finanzielle Hilfsbereitschaft stellte — in Bayern 1723 ein Fünftel der Staatsschulden —, suchten sie vergebens die Folgen des unvermeidlichen Staats» bankerottes von sich abzuwenden; selbst bankerott geworden, endeten sie unrühmlich, so stolz sie begonnen. Dauerhafter, weil langsamer waren die Fortschritte und Erfolge der deutschen Juden im Warenhandcl. Für den Zusammenhang wirtschaftlicher Vorgänge ist bczeichnend, daß - der Warenin Norddeutschland, bietet größeres allgemeines Interesse: deutsche Juden führten die Agrarerzeugnisse des Ostens, vor allem Polens, Wolle, Felle und Häute, Leder usw. in Deutschland ein und vermittelten sie den westlichen Ländern. Dieser Handel ist zum großen Teil Mesthandel; denn die Juden waren starke Besucher der deutschen Messen, besonders der Leipziger Messe. Agrargüter (Getreide. Heu, Pferde) bilden auch den Hauptgegenständ der Aruwclieferungen. und die vielen jüdischen Namen von Heereslieferanten zeigen, das; sie auf diesem Gebiet den Wettbewerb mit ihren christlichen Konkurrenten nicht zu scheuen brauchten, zum Teil vielleicht wegen des Zusammenhangs zwischen Hecreslieferungen und der vorhin erwähnten Finanzierung. Denselben Znsnmmenhang zeigt ferner der Handel mit Artikeln, deren Herstellung staatlich monopolisiert war. z. B. Salz. Ansbach Aus dem Jüdischen Lexikon nicht „rationaler" Kapitalismus, wie der der großen Kausleute in den aufstrebenden protestan-. tischen Ländern wie in England und Holland gewesen sei, sondern ,.P a r i a kapitalisinus". Dem entsprach auch das Spiegelbild jüdischen Wesens, die Gesinnung der christlichen Bevölkerung gegenüber den Juden. Ter Jude wird als fremdartig (heterogen) empfunden. als vielleicht unentbehrlich, wenn man selbst reine Hände behalten will, und so ist Duldung das Höchste, was ihm zugebilligt wird. Tie Inden waren daher sozial im wesentlichen auf sich selbst angewiesen. Tie Erhebung besonderer Judensteucrn (Judenschntzgeld usw.) förderte das Zusammenhalten in der jüdischen Gemeinde, der Kehilla; denn der Gemeindevorstaud war haftbar für den richtigen Eingang. Am deutschen Kulturleben hatten die deutschen Juden wenig Anteil; wenn man sich aber die Bedeutung der Straße für Berkehr und Geselligkeit in der damaligen Zeit vor- Bon Lotto f 1030. Die Wahabitenkämpfe waren zwar 1 ‘ sendet; aber die Araberunruhen in Palä- [ Ma hatten auch über den Jordan gegriffen, | “ und beutelustige Beduinen riskierten hier und l ba noch immer Ueberfälle auf Touristen-! uutos. Man warnte uns also eindringlich [. tor unserer geplanten Reife, und ich muß s" ^stehen — ich kriegte Angst. Ter große Mann ( aber, dessen Weib ich seit etlichen Jahren [ — der kennt keine Furcht. : »Was kann dir geschehen, wenn ich beidir [ dm?" fragte er mit großartiger Geste, f .. »Unb wenn mich nun König Abdullah für; stincn Harem anfordert?" . ..Er wird es nicht", sagte der große Mann uiit einer Sicherheit, die ungalant auf mich f wirkte. - : Kind wenn Räuber-* [ große Mann ließ mich nicht enden. Umr wollen also nach Edorn reisen", sagte - kr schlicht „Transjordanien — das ist das - dlblische Edom und die Heimat jener Ruth. \ bFen Zitat „Wo du hingchst, da geh' auch ich [ J!n“ in die meisten Traureden und auch -in s unsere seinerzeit übergcgangeu ist." Was blieb mir übrig? Demütig packte s D unsere Suitcases und half dein großen : --Zun, den braven Koko mit Benzin, Oel und i basier zu füllen. ' ,...?wkv ist unser Auto, altgedient, zuvers und klapprig. Wir sind mit ihm im bcr Jahre durch ganz Palästina von . öQjn bis Safet und durch Syrien bis hoch in; Libanon hinaufgezogen über Stock und /Mi und ohne Weg irnd Steg in des Wortes ^Ullschstcr Bedeutung. Da 'muß man ihm Jß5 ^ßchen Klappern verzeihen. Es gehört i ^>n Handwerk. nächsten Morgen in aller. Frühe Merle der große Öltann diesen unseren Koko K schönen Kurven von Jerusalern hinaus ins des Toten Meeres. Ich saß an seiner Seite, und im Fonds des Wagens lag vornehm wie eine Sphinx Barak, der persische Windhund. Ihm war nicht wohl zumute. Gerade wie mir. Aus Jerusalems Höhe von 900 Metern in einer kleinen Stunde bis 300 Meter unter den Meeresspiegel hinabzusinken, ist nicht für jedes Menschen- bzw. .Hundeherz eine reine Freude. Nur der große Manu chauffierte unangefochten durch Jericho hindurch zum Jordan. An der stabilen Holzbrücke (General Allenby lies; sie im Kriege bauen) wurden wir auf beiden Seiten von Grenzwachen empfangen, unsere sowie Kokos Papiere und Personalien geprüft'und in eine Liste eingetragen; dann zogen wir ungekränkt in Transjordanien ein. Ter Weg hielt sich an der Seite des Flusses, verfallene arabische Wassermühlen ragten von Zeit zu Zeit zwischen Wäldern von knospenden Oleandern hervor.' Dann ging es höher in die Berge, und die erste größere Stadt, Es-Salt, lag bei einer Biegung plötzlich ■ weiß und strahlend voruns 'in , bet. Morgcnsoune. Priesterseminare und Missionsschulen krönen die Berghohen, an deren Abhang sich stattliche Häuser zwischen Kirchen und' Btoscheen ausbauen' Alle Erdbebenschäden des Jahres 1927 sind getilgt. Es ist eine reiche Stadt. Der große Mann stieg aus und machte eine photographische Ausnahme. Inzwischen - bemüchtigte-ich mich des Steuers, um cs nicht wieder abzugcbcn, bis wir kurz vor Dscherasch unter einer großen Steineiche ein Picknick tnszemerten.. Gin historischer Platz! Hier mochte Absaloms Kampf gegen das Heer seines ' Vaters des König David, stattgefnnden haben, und vielleicht stammte unsere schattenspcndende Eiche aus dem Samen zene^ {«fllimc3 in dessen Zweigen sich die gelben Zocken' des rebellischen Sohnes verfangen hatten. Es schmeckte trotzdem herrlich, lind ich reralle Anas!. Dabei war weit nnd breit keine Seele, kcinc menschlichc Behausung. Da? Flntztal wand sich tief unter uns zwischen den kahlen, gestuften Bergen hindurch, deren Kämme einen fast geschlossenen Hochsattel bildeten. Barak jagte umher. Er fühlte sich wohl in dieser reinen Lust. Dann machte er bei uns reinen Tisch und bestieg neugestärkt das Auto. Die Ebene wurde fruchtbar und der Boden gut bestellt. Olus bervegtem Aehrenseld stieg mit einem Dtale ein prachtvoller römischer Triumphbogen empor, das Nordtor von Dscherasch. Es gibt keine römische Niederlassung im Orient/die in ihrer Ganzheit so gut erhalten ist, wo man ein so lückenloses Bild römischen Lebens in der fernen Provinz erhält, wie in Dscherasch. Genau wie heute die kleinste englische Garnison in Indien oder Australien ihren Fußballplatz ■ anlegt, genau so ging es bei den Römern nicht ohne Zirkus. Dscherasch hat gleich hiuter dem Eingangstor eine Naumachie und ein Amphitheater. Unverwischt zeichnen sich tiefe Wagenspuren in dem. antiken - Pflaster ab und führen zum Forum mit seinem majestätischen Säulenrund.' Säulen! Säulen! Eine Prachtstraße mit reichprofilierten Basen und korinthischen Kapitalen weist in gerader Richtung nach Süden, eine Querstraße -schafft eine großartige. Platzbildung, und die höchste Steigerung ist dort, wo die Straße sich zur Linken . nach einer Treppenanlage öffnet, auf deren Höhe, in reichen römischen Formen, die Ruine des großen Tempels thront.; Durch den Niveauunterschied ergibt sich — 'wie eine Krypta — ein unterer Tempel. Von dem oberen, ziemlich zerstörten, Haupttempel hat man zwischen Säulcnresten. Voluten und Arkaden einen bezaubernden Durchblick auf den tiefer gelegenen Stadtteil mit Rcymphäum. Diadukteiw Thermeubnuteu und neben dieser halbversunkenen Herrlichkeit ans ein in Enka- 'lypten, Nuß- und Feigenbäume gebettetes Araberdvrs. Südlich vom Haupttempel liegt noch ein zweites Amphitheater. Wir faßen lauge Zeit auf seiner obersten Steinreihe und überblickten müde Ulid verträumt das Ende der Prachtstraße mit einem ähnlichen Triumphtor, wie das, was uns empfangen hatte. Dahinter begann die Nekropole mit vielen verfallenen börabstätten. Ein schönes sentimentales Bild. Der große Mann wurde erst wieder heiter, als ein Schafhirt mit seiner kleinen Herde sich heranpirschte und nns,^ während seine Schützlinge zwischen den Stufen das Unkraut abweideten, eine Handvoll antiker Münzen anbot. Es waren natürlich Fälschungen, aber der große Mann kaufte sie. Warum auch nicht? Erstens hielt er sie für echt und ziveitens-die Schafe waren prächtige Tiere. Fettschwanzschafe.. Sie wackelten stolz mit dem Hintern, aber sie gehörten ja nicht dem armen Hirten, der schließlich darauf angewiesen ist? seinen Lebensunterhalt durch Verkauf gefaschter Nkünzen etivas zu erhöhen. Barak, der am Eingang unfern Koko samt Gepäck treu bewacht hatte, empfing uns mit beleidigtem Gebell und war zufrieden, als wir die Fahrt sortsetzten. Wir fuhren utzeder durch das schöne Flußtal bis zur Hauptstraße und gelangten ohne Aufenthalt nach Amman, der Residenz des Königs Abdullah. Amman war unzweifelhaft schon die Hauptstadt der Ammoniten. Sie wurde unter König David belagert und erobert, und später, als Ptolemäns ll. Philadelphus von Aegypten sie neu aufbauen ließ, erhielt sie den Noamen Philadelphia. Aber merkwürdigenveise kam unter den Arabern der alte Name Amman wieder in Uebung und ist jetzt die alleinige Lczeichnung für die Metropole des Ost-Jordanlandes. Bevor wir die Stadt betraten, fuhren wir hügelaustvärts zur Zitadelle und kletterten zwischen den Tempelresten und gestürzten Säulen herum, ohne daß sich nach den mächtigen Eindrücken in Dscherasch eine große Begeisterung einstellen wollte. Erst als wir

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