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Central-Verein-Zeitung · 1934-08-09 · 32 (9.8.1934) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
32 (9.8.1934)
Date
1934-08-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Berlin, Z. August 1934/ XIII. Jahrj / Nr. 32 \_/ w i Aas dem Inhalt: Haupthlctt: Wirlschaftsablauf und Bevölkerungsstruktur — Blick in die Zeitschriften- 2. Beiblatt: Lobitten ... ein jüdisches Lchtgut, von Lise Lervinncck (Königsberg) — V/irlschaft der Woche. 2. Beiblatt: Die Juden in Deutschland ini J7. und IS. Jahrhundert, von Dr. A. Cohen (München) — Transjordänische Reise, von Lotte Bacrxocld. r AA \j\)l ii II!l M iX11! II l\i!!H!ili UOcy j Anläßlich des Ablebens des Reichspräsidenten j von Hindenburg hat der Central-Verein deutscher l Staatsbürger jüdischen Glaubens am 2. August an [ i den Herrn Obersten von Hindenburg folgendes Telei gramm gerichtet: „Fn tiefem Schmerz rrnD unauslöschlicher Dankbarkeit gedenken die inr EerrLval-Verein Deutscher Staatsbürger jüDischerr Glaubens vereinigten Deutschen InDen Des vcrehrungswürDigen Herrn NeichöpräsiVcnLen von Hin- Dcuburg. In rrusercm Herzen lebt er als Sym- SoL Der Einigkeit Des Deutschen Volkes. In Krieg uuD V^ieDen war cs sein höchstes Ziel, alle Deutschen, Die bereit find, ihrem Vatcr- - i lande selbstlos Zu Dienen, Znnr festen Bunv zu j I einen» SSic ß«t 2. August 15)14- Die Deutschen j Inden sich einig fühlten mit Der Gesamtheit! s - aller Deutschen, so steht Die Deutsche IuDcnj i heit auch heute in tiefer ErschüLLeruug mit-! l ' trauernd an Ser Vahre Des Vaters aller s s Deutschen!" j ]••••• Central-Verein Deutscher Staatsbürger! jüdischen Glaubens ] IustizraL Dr. Julius VroDnih. - \ Um dem tiefen Empfinden der deutschen Juden s Ausdruck zu geben, hat die Reichsvertretung folgende- Depesche an das Büro des Herrn Reichspräsidenten - gerichtet: „Tiefe innige Trauer um Den Heimgang Des ReichsprästDenten erfüllt Die Deutschen IuDeu. Als ein Manu, Dessen Persönlichkeit Dem GeDanten Der tapferen Pflicht seine Wirklichkeit gab, als ein Mann, Der Dem 'Alter, Das Die Bewährung eines Lebens erwarb, seine Gröste verlieh, als ein Mann, Der Das gemeinsame Ganze immer sah, immer ans Vas Vaterlanv, Das alle umschlicht. Den Blick richtete, als ein Mann Der Geschichte, stanv Hrnverrbnrg vor Der Welt. In Der Treue Der Deutschen InDen wird sein Bilv allezeit bleiben." Die Reichsvertretung Der Deutschen InDen « gez.: Baeck Hirsch. Die Jüdischen Gemeinden, an der Spitze der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden und die Jüdische Gemeinde Berlin haben gleichfalls Beileidskundgebnngen erlassen. Die jüdische Presse nahm in dankbarer Würdigung von dem großen Toten Ab- -schied. Der Neiehsbund jüdischer Frontsoldaten hielt einen Tranergvttesdienst in der Synagoge Prinzregentenstraße ab, bei dem Rabbiner Dr. Baeck, Feldrabbiner des Weltkrieges, und — als Vertreter des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten — Dr. Fraenkel sprachen. Die Berliner Jüdische Resvrmgeineinde vcr- .einigte eine Gedenk- und Tranerstnude. bei der Rabbiner Dr. Nosenthal predigte. Am Sonntag, dem 32. August, vormittags 10 Uhr 30 Min., veranstaltet der Vorstand der Indischen Gemeinde zu Berlin sol- ' gende Trauergottesdienste im Gedenken an den verstorbenen Herrn Reichspräsidenten: Rene Synagoge Rabbiner Dr. Salomo'nski, Synagoge Rykestraße Rabbiner Dr. Emil Cohn und Synagoge Fasanenstraße Rabbiner Dr. Baeck.. * Eine Woche voll Trauer und Gedenken liegt hinter uns. Der Wunsch, den wir vor Wochenfrist an dieser Stelle äußerten, daß Reichspräsident von Hindenburg die schwere Erkrankung noch einmal überstehen möge, war durch das Schicksal schon überholt, ehe unser Blatt die Leser erreichte. Wir erleben nun mit geschärftem Bewußtsein den Vorgang, daß ein Mensch, dem Irdischj sein kaum entrückt, zum Mythos eines Volkes wird, j ja darüber hinaus zur mythischen Verkörperung! menschlicher Eigenschaften: Treue, Pflichtgefühl, Gottesfurcht. Ter große Bogen dieses einzigartigen [ Lebens hat auch bic; jüdische Geschichte in Deutschland | in ihren mannigfachen Abschnitten umfaßt. Indische - Männer waren Kameraden des jungen Offiziers in j den Feldzügen der deutschen Reichsgründung, die! waffenfähige Mannschaft des deutschen Judentums hat , müer seinem Kommando gekäinpft lind den Heldentod! gefunden, und Männer jüdischer Abkunft sind dem! Feldmarschall des Weltkrieges unentbehrliche Gehilfen! ans technisch-wissenschaftlichem Gebiete gewesen. t Den Reichspräsidenten von Hindenburg nmsillgen! das Vertrauen und die Verehrung auch der bciitfiljcu j Juden mit schlichter Unbedingtheit. Dieses Leben, das! drei Generationen umfaßte lmd schon deshalb große j Feiträume zu überblicken vermochte, wurde für uns \ deutsche Inden das Symbol eines überzeitlichen dent-! scheu Gedankens, in dem and) für. den deutschen . - Juden in Wert und Würde ein Platz gelvesen ist.; Reichspräsident. von Hindenburg hat mit deni Ende - ■ seines Lebens nicht eine Episode deutscher Geschichte beendet. In ihm ist .der stürmisdje Uebergana zweier/ j Geschichtsabschnitte innerlich menschlich zusammenj gefaßt worden. So verkörperte er den Gedanken von „Stirb und Werde" in einem großen und umfassenden Sinne, und so ist sein Leben und sein Sterben and) uns deutschen Inden ein Sinnbild für die Kraftquelle, die ans der Treue znm imreren Gesetze des eigenen und des Daseins seines größeren Kreises eistfprmgt, und die ans Schmerz nild Leid Menschentum stark erneut. Die deutschen Inden danken dem toten Reichspräsidenten nicht nur für sein nun verklärtes Tun im Leben, sondern and) für das Sinnbild, das er war. i j; L San Dr. Mnaz W6ħ»4ran?furr/SLer . Ter fit die d'e für HZ ZtMOÄM UMW Ignaz Maybaum ist einem kleinen Kreise durch seine Bemühungen um die Grundlegung einer sinnvollen Gestaltung unseres jüdischen Lebens in Deutschland bekannt geworden. Seine Aufsätze, inder '.Monatsschrift „T-er Morgen" haben große Beachtung gesunden. Wenn wir ihm heute mit einer besonders ansprechen, den Untersuchung das Wort geben, so wollen wir damit das tragende Problem der Gliederung und geistigen Bewußtheit des deutschen Judentums in vertiefter und neuer Form zur Diskussion stellen. Tie Aufsätze sind die Wiedergabe eines Referats, das Rcaybaum vor wenigen Freunden vor mehreren Monaten gehalten hatte. Aus technischen Gründen können wir das Manuskript erst heute veröffentlichen. Tie Entwicklung der Aussprache und der Praxis aus dem hier behaudel-- ten Gebiete seitdem haben gezeigt, von welch unverjährbarer Aktualität Maybaums Gedanken geblieben und wie wirkungskräftig sie sind, deutsche Jude lebt in der Stadt. Sie Heimat des Westjuden. Heute aber eine Berussmnschidftungspropaganda, die Existenz aus dem Lande wirbt, mit Aussicht aus Erfolg zu arbeiten. Umgekehrt hat es der, der dem Judentum zuruft, seine Existenz in der Stadt nicht übereilt preiszugeben, schwer. Sehr viel Romantik ist heute lebendig. Diese verhindert, daß wir unser Schicksal so sehen, wie es wirklich ist. Das aber tut not, um echtes sittliches Kämpfen 31t' ermöglichen. Sittliches Kämpfen schließt jede Abenteurerfröhlichkeit, die das Reue und Fremde begeistert sucht, aus. Bor all dem ist die Berussumschichtungsbewegung unserer Generation zu bewahren. Der Bauer ist. ebenso Zivilisationsmitglied' wie der Bürger, und die Rousseansche Verlogenheit, im Bauerntum einen Unschuldsstand zu sehen, der als der moralischere dem Bürgerstand entgegengesetzt wird, ist eine Weltfremdheit. Die die bäuerliche Existenz umgebende Romantik verhüllt gerade das, was unsere Jugend heute wissen muß. Ebenso wie der Bürger, verfügt auch der Bauer über wirtschaftliche Betriebsmittel. Beide haben mehr als ihre Arbeitskraft. Der Dauer hat seinen Grund und Boden. Dadurch ist man Bauer. Hat man Grund und Boden nicht, ist man Landarbeiter. Tie Romantik um die bäuerliche Eristerlz verhüllt unserer Jugend ihr Schicksal, der man sagen muß, daß man in Palästina leicht ein Bauer werden kann, wenn man mit Käpitalistenvisum ankommt. Sonst ist es schnwr. Diese Schwierigkeiten sollen klar sein, weil erst dann die sittliche Große des Palästinaaufbaues ins Helle Licht gerückt wird. In Palästina, und zwar im landwirtschaftlichen Sektor des jüdischen Ausbauwerkes, wird um ein Problem gerungen, das nicht nur uns Juden aufgegeben ist, sondern in der ganzen Welt aktuell ist: Es geht um das Problem der Humanisierung der Handarbeit und um das Problem der Arbeit, die nur Ertrag abwirft, wenn der Einzelne seine. Selbständigkeit ausgibt und fid) einer größeren Gemeinschaft einordnet. Der Arbeiter, der außer seiner Rcuskelkraft kein Betriebsmittel hatte, war bisher Proletarier. Im Palästinaaufbau, besonders in seinem landwirtschaftlichen Teil, geht es um dieses große, jetzt die ganze Welt beschäftigende. Problem: Arbeiter zu sein und doch nidjt ' Proletarier. Gewiß ist es für rms auch wichtig, über die nichtstädtischen Existenzmöglichkeiten euer- ' gisch nachzudenken und ihnen nachzugchen. Wie aber die Dinge liegen, ist die städtische Existenz deshalb das wichtigere Problem, weil man uns durch eine starre Ideologie und durch eine wirklichkeitsfremde Romantik in unserer Existenz als Städter ein schlechtes Gewissen suggerierte. Dieses schlechte Genüssen als unbegründet zu erklären, ist die Aufgabe der Stunde. Unsere Heimat im Exil ist die Stadt. Was wäre der Mensch ohne die Stadt? Zion, von der ausging die Lehre. ' war eine Stadt. Heute ist gewiß eine apoka- . Iyptisd)e Ansid)t über die Stadt vorherrschend. . Tie Heimat des deutsckfen Judentums, das in Städten lebt, wird summarisch in dem ■ Wort „Kursürstendamm" bewertet. Das klingt wie das Wort des Apokalyptikers über Babylon, die Stadt, die als die große Bnh- - lerin bezeichnet wird, die den Völkern den - Becher reid)t: sie trinkeir und taumeln von _ diesem Gift. Babylon ist gewiß auch für den ' Juden das Wort, das ihn an den.Turm ers innert, den die Rlenschen bis in 'den Himmel - bauen wollten, bis die Strafe Gottes sie traf.- Aber Babylon ist für den Inden auch das lrl!!IIIIII!I!irll!lIIlIIII!!!IIIlII!I!I!IIiri!IIlIlIII!l!II!I!II!IIlIIIiir!IIII!II!!III!S Die wirtschaftlich-juristische Beratungsstelle des C.-V. steht jedermann in allen wirtschaftlichen und juristischen Angelegenheiten, die mit der neuen Gesetzgebung (Berufsbeamtengesetz, Aerzterecht, Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit mit seinen besonderen Problemen für die jüdischen Unternehmer, Arbeiter und Angestellten, Gesetz zur Organisation der Wirtschaft, Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen usw.) in Zusammenhang stehen sowie in allen Fragen wirtschaftlicher >S o n d c r b e h a n d 1 u n g mit schriftlichem und mündlichem Rat zur Verfügung. Sprechstunde 3fontags bis Freitags 12 bis 2 Uhr in der Hauptgeschäftsstelle, Berlin W 15, Einser Strasse 42 IV.

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