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Central-Verein-Zeitung · 1934-08-02 · 31 (2.8.1934) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
31 (2.8.1934)
Date
1934-08-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Unsere tage nnd unsere Ausgabe Das Auguskheft des Morgen- ' Das neue Heft des „Morgen" beginnt mit 'einer Bemerkung von A. H. über die „Grenzen Le< Normalisierung", die aktuell und notwendig ist: Normalisierung, Derufsumschichtung, Rückkehr der Juden zu den „normalen" Berufen und Lebensformen heißt das Signal der Stunde, und hier wird ein Einwand erhoben, zur Bedachtsamkeit geraten, die Grenze aufgezeigt, an der die Normalisierung aufhören muß, von Nutzen zu sein. An diesem Wegzeichen mag man erkennen, wie und wo wir jetzt stehen; es ist ein Wort der Besinnung, wir sangen tatsächlich an, uns zu finden und uns nuf uns zu besinnen. Bei einem Aufsatz „Tie geschichtliche Ausgabe des deutschen Judentums" von Ignaz M a y b a u m wird cs, von' einer anderen Richtung her, noch deutlicher. Maybaum bejaht -Palästina als Epoche jüdischer Renaissance und besaht die Zukunft des deutschen Judentums in Teutschland als die cntwicklungsmäßig nächste Stufe: „Europa erlebt das Ende der Renaissance. Tic apokalyptischen Reiter dieser Endzeit heißen 'Nietzsche und Marx... In wenige Jahrzehnte hineingezwängt durchlebt Palästina, was in Europa Jahrhunderte währte. Wenn Palästina das Ende der Renaissance erlebt, ohne je die Renaissance erlebt zn haben, so kann hier eines hinzugefügt werden: das deutsche Judentum hat eine Renaissance erlebt . . . Wir sind älter. In Teutschland . . . sind die Träume der Renaissance ansgcträmnt, und die beiten Köpfe denken schon die Gedanken der neuen Zeit. Gelingt es dem deutschen Judentum, diesen Knltnrnmbrnch . . . zu verstehen, so gehört dem deutschen Judentum die Führung im Gesamtjndentnm". Was uns obliegt, ist wirklich ein Kultnrniiibrnch. Unser Nachwuchs gerät in die Gefahr der Fetlachisicrnng. Aber an die Stelle der bisherigen wissenschaftlich und künstlerisch orientierten Erziehung wird eine religiöser orientierte treten müssen, und so wenig über unsere historische Aufgabe in der Zukunft zu prophezeien ist, so gewiß ist es unsere jüdische Bildungsaufgabe hinfort, unsere Kinder zu ,^ehre, Ehestand und guten Werken" zu führen. Wieder von einer anderen Besis her beleuchtet Alfred Wolfenstein unsere Art, Aufgabe und Lage. „Von der Dichtung des Juden" sagt er in seinem schönen, gedankenreichen Essay, daß sie auf Gemeinschaft abzielt und von der Gemeinschaft bedingt ist. Schicksal und Wesen des Dichters und des Juden ähneln einander, doppelt tief also ist der Zug des Juden zur Dichtung, und aus dem alten Bibelwort sollte man das Künstlermotto machen: Forme deinen Nächsten wie dich selbst! Elias H u r w i c z zeigt an einigen Beispielen und' mit knappen, klugen Erläuterungen den „Geist der jüdischen Legende"; am Geist der jüdischen Legende, auch an ihrer Form und an der Sprache der Märchen aus der deutschen Romantik geschult erweist sich Manfred Sturmann in einer Erzählung „Tie Sendung des Heils". Emcmuel bin Gorion entwirft mit wenigen Strichen ein gewinnendes Bild des verstorbenen großen hebräischen Dichters Eh. N. Bialik. Hilde Ottenheimer stellt die „Struktur und Bedeutung der jüdischen Erziehungsfürsorge" ihrer Entstehung, geschichtlichen Entwicklung und jetzigen Wirksamkeit und Notwendigkeit nach in höchst instruktiver Weise dar. Ein Vorabdruck aus einem demnächst erscheinenden Büchlein alter jüdisch-deutscher Sprichwörter, ein nicht minder unterhaltsames und überaus aufschlußreiches Zitat über die deutschen Juden in Tel-Aviv, Buchkritiken und eine Anekdote folgen. Insgesamt erhält man ein vortreffliches Bild von den großen Problemen und den kleinen Beziehungen unserer komplizierten Gegenwart und freut sich der Tatsache, daß „Der Morgen" da ist. — eo—- Angelo Ferrchwariger 80 Fahre r Ter Seniorchcf der bekannten Münchener Bank I. L. F e u ch t w a n g e r , Angelo Feuchtwanger, begeht am 9. Augm't 1934 seinen 80. Geburtstag. §ein Vater, Jakob Löb Feuchtwanger, hat 1857 das Haus begründet, das heute wohl eines der ältesten Privatbanken in München und. wohl auch im Reich ist. Seit seinem 19. Lebensjahr arbeitet der Jubilar im Bankfach. Seiner fechzigjährigen Arbeit verdankt fein Haus, daß seine Bedeutung und sein Ansehen stetig wuchsen. Tie Schlichtheit und freundliche Ge- * stimmig, die Angelo Feuchtwanger jedermann gegenüber äußert, entspringt seiner tiefen Frömmigkeit: als Sproß der Familie, die zu den ältesten der Münchener Kultusgemeinde zählt, hat er jüdisches Wissen sorgsam gepflegt. Auch der Achtzigjährige arbeitet noch an der Vertiefung seiner reichen Kenntnisse, nimmermüd im Helsen und Spenden. Voll Stolz darf er seinen Ehrentag im Kreis der Kinder und Enkel feiern. Bon seinen Söhnen gehört Tr. Siegbert Feuchtwanger als stellvertretender Vorsitzender der Führung der Knltusgemein.de München an. Eindrucksvoll zeigt das Haus I. L. Feuchtwanger, wie die-wahre Stellung des aufrechten Juden im Gebäude der deutschen Wirtschaft ist: vier Generationen wirken in vorbildlicher Weise an einem Werke, das mitdiesem Namen und dieser Bedeutung in eindrucksvoller, stolzer Weise von deutschem Kausmannsgeist und jüdischer Gesinnung kündet. II. L. Sally Stern 75 Jahre In geistiger und körperlicher Frische beging am 1. August Sally Stern (Essen-Steele) seinen 75. Geburtstag. Stern ist eine über seine .Heimatgemeinde hinaus bekannte und in allen Kreisen beliebte Persönlichkeit. Jahrelang war er Vorsteher der jüdischen Gemeinde, und Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums, außerdem bekleidete er eine Reihe anderer öffentlicher Ehrenämter. Tie Deutsche Turnerfchaft, der der Jubilar jahrzehntelcmg als Vorstandsmitglied angehörte, verlieh ihm wegen besonderer Verdienste die Ehrennadel der TT. Galt es, Fragen zu lösen, die sowohl die jüdische Gemeinschaft wie mich das Wohl seiner Heimatstadt betrafen, immer war Sally Stern hilfsbereit und jederzeit zur Stelle. Er war Mitbegründer der Ortsgruppe des E.°V. in Steele, der er noch heute in Treue anhängt. meisters Erich Erck, der sich auch als Dirigent wiederum durch die sichere Erfassung der Tempi wie in der sinngemäß beherrschten und ausdrucksvoll gestalteten Gliederung des Satzgefüges hervortat, eröffnet hoffnungsvolle Perspektiven auf den weiteren Ausbau des jungen Jnftrumentalkörpers. Das Programm brachte die Sinfonien Nr. 85 in 8-Tur (La Reines von Haydn, Nr. 5 in 8-Tur von Schubert lind Mozarts Konzert ^.-Tur für Violine und Orchester. Tie Geigerin A n n i e Steiger-Betzak verbindet mit souveräner Beherrschung alles Technischen Stil und echte Gestaltungskraft. spielte sie Mozart in edler wundersamer Gelöstheit und enthüllte den Reichtum des herrlichen Werkes in kristallener Klarheit. Kurz darauf konzertierte im Museum das Münchener Jüdische V o k a l g u a r t e t t, bestehend aus den ehemaligen Mitgliedern der Münchener Staatsvper Tr. Paul K u h n . dessen markanter Tenor, wenn auch der Einfluß der wandelnden Zeit zutage tritt, immer noch seine Qualitäten besitzt, Emma Färber-Straffer mit ihrem noblen kultivierten Mezzo und dem stiinmgmvaltigen Bassisten Walter Ries. Zu ihnen gesellte sich der wohlgepflegte, weiche Sopran Sonja Zieglers. Neben einer Reihe solistischer Darbietungen hörte man Brahmssche Cesangsquartette, darunter die „Zigeunerlieder" in lebensvollem Bortrage, wobei durchweg viel des Schönen geboten wurde. Leider gingen manche Feinheiten dadurch verloren, daß man — und dies gilt auch von der durch musikalische Sicherheit getragenen Klavierbegleitung des Kapellmeisters Josef Ziegler — allzusehr in den Stärkegraden des Forte und Fortissimo schwelgte. Es fehlte an reicherer Differenzierung und Schattierung im Dynamischen. M. Frankfurt a.M. Kann es etwas geben. Wa8 mehr für den 'Knlturwillcn und für die Kunstfreude der deutscheu Juden spricht, als die Tatsache, daß noch Ende Juli bei erschlaffender Hitze der dritte Orchesterabend des Kulturbundes Rhein-Main eilten überfüllten Saal fand? Allerdings hatte man der Veranstaltung ein lockendes Etikett gegeben: „Heitere Musik". Eine bis ins letzte ausgefeilte Aufführung der gesamten Musik zum „Sommernachtstraum" von Mendelssohn verbreitete im Saal schnell frohe, gelöste Stimmung. Die zauberhafte Ouvertüre, der geniale Wurf eines siebzehnjährigen Jünglings, und die viele Jahre später als op. 61 nachkomponierten Einlagen: sie bedürfen gewiß nicht der Szenik, um voll zu wirken. Hans Wilhelm Steinberg bewies gerade mit dem Vorspiel und dem Scherzo, welche erstaunlichen Fortschritte seine erzieherische Arbeit an dem Klangkörper bereits gemacht hat. Das im Prestotempo vorbeihuschende Filigran gelang selbst den technisch aufs höchste beanspruchten Holzbläsern so eimvandfrei, wie es in den wenigen Monaten der Existenz des Orchesters nur denkbar ist. Durch schön klingende, gut zusammengesaßte Frauenstimmen aus den Chören Dr. Ehrenr e i ch s . unter denen der angenehme Sopran Gerda Oppenheims solistisch erfreulich hervortrat, wurde der Gesamteindruck vorteilhaft abgerundet. Zwei Klassiker der heiteren Musik, Jacques Osfenbach und Johann Strauß, bestritten den zweiten Teil. Mit scharfen dynamischen Akzenten und mit elastischer Rhythmik unterstrich der Dirigent die bkirlesken Gehalte der Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt". Der Zweck des Abends, seelische Entspannung zu verschaffen, wurde in gleichem Maße noch durch den wirkungssicher pointierten Walzer „Rosen aus dem Süden" und die „Fledermaus"-Ouvertüre erfüllt. A. 8-s. Karlsruhe Das Orchester des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Main gab unter Leitung von Hans Wilhelm S t e i n b e r g ein Konzert, in dem vor allem die meisterhafte Wiedergabe der „Verklärten Nacht" von Schönberg in der Bearbeitung für Streichorchester einen gewaltigen Erfolg brachte. Umrahmt war diese Aufführung von der L-äur-Sinsouie von Schubert und Beethovens Erster. Dirigent und -Orchester (mit Ausnahme von Kleinigkeiten in den Bläsern) zeigten ein beachtliches künstlerisches Niveau. Meill'Mr Eine große Kunst, in einem Kleinkunstabend mit Alltäglichkeiten abzulenken: Alfons Fink vom Kulturbund-Theater Rhein-Ruhr, der geborene Conferencier, ein humorvoller und geistreicher Plauderer, beherrscht eben diese Kunst in vollendeter Form. Ein feiner, scharfer Beobachter, der mit seiner quecksilbrigen Laune das Stimmungsbarometer schnell aus den Höhepunkt trieb. Im ersten Teil der Veranstaltung „Jüdische Kleinkunst" saug Emmy Joseph, eine scharmante, muln-SbersHWtn und Im Mlnland ' Die Schließfachnummer des Büro» de» Landesverbandes Oberschlesten hat sich geändert. Die Briefanschrift lautet rctzt: Beuthen OS, Postamt 1, SchließfachE , Die Geschäftsstelle und luristrsch-wrrtschaftlrche Beratungsstelle des Landsvcrbandcs Rheinland (linksrhein) und der Ortsgruppe Köln befindet sich jetzt: Köln. Agrippinahaus, Breite Straße 92—98, III, Zimmer 70—78. Telephon 227 303. Die Beratung findet Montags bis Freitags, vormittags von 10 bis 13 Uhr, statt. Eine Nebenstelle der Juristisch-Wirtschaftlichen Beratungsstelle des Landesverbandes Rheinland (linksrhem.) des C.-B. ist in Koblenz eingerichtet worden. Die Sprechstunde siridct am zweiten Dienstag eines jeden Monats, nachmittags von 15.30 bis 18.30 Uhr, in der Wohnung des ersten Vorsitzenden der Ortsgruppe Koblenz des C.-B., Rinn 31. statt. Zwei 2ubilcwe Sanitätsrat Tr. Reumann (Potsdam) kann am 4. August Tein ' goldenes Doltorjubiläum degehen. Dr. Nenmann, der in Greifswald promoviert hat, ist seit seiner Approbation in Potsdam tätig, wo er zn den ältesten iind angesehensten Aerzten der Stadt gehört. Den Weltkrieg hat er vom ersten Tage ab als Oberstabsarzt der Reserve mitgemacht: an der Westfront wurde er zum Generalvberarzt befördert. Er ist Inhaber des E. K. I iind II. Dem E. B. ist er durch Gesiuuung und Ehrenamt auf das herzlichste verbunden; dem Borstand der Ortsgruppe Potsdam hat er seit ihrem Bestehen angehört. Er ist heute ihr ziveiter Vorsitzender. Wir beglückivünschen unseren treuen Freund, der vor kurzem auch seinen 75. Geburtstag bcgehen konnte, auf das herzlichste. * Am 1. August konnte Lehrer Jäckel ans eine 25jährige Tätigkeit als Lehrer und Kantor in Kassel zurückblicken. Als Schüler des Lehrerseminars in Berlin erfreute er sich der besonderen Wertschätzung des hervorragenden Pädagogen Dr. Holzmann. 'Nach einer Tätigkeit in Westerbürg und Lüdenscheid wurde Jäckel im August 1909 nach Kassel berufen und konnte hier seine ganze Kraft als ^Lehrer an der Neligivns- und Volksschule, am Seminar und Glnnncisinm entfalten. Und gerade hier zeigt sich seine Vielseitigkeit. Durch äußerste Gewissenhaftigkeit und strengste Pflichterfüllung erwarb er sich die Wertschätzung der ganzen Gemeinde, die in ihm einen vorbildlichen Erzieher und Pädagogen sicht. Möge dem Jubilar, der ein treuer Freund und Mitarbeiter des Eentral-Vercins ist, nvch viele Jahre hindurch diese Arbeitssreudigkeit erhalten bleiben! Aus Sen Familien Der langjährige Vorstand der israelitischen Kultus-?' emcinbe, Sigmund 1111 m n u n (Kempten i. Allgäu), eierte seinen 80. Geburtstag. — Adotf Rat h e (Leipzig) wird am 2. August 70 Jahre alt — Theodor N a ch m a n n (Berlin) feiert am 2. August seinen 60. Geburtstag. — Leopold L a u d s h o f f (Schwerin a. d. Warthe) begeht am 3. August seinen 80. Geburtstag. — Leo Laser (Wilmersdorf) wird am 5. August 60 Jahre alt. — Leo Pngel (Berlin), der lange Jahre im Dienste des G.-V. stand, feiert am 6. August seinen 70. Geburtstag. — Karl Johndorf (Zwickau) starb im 42. Lebensjahr. Sulzbach. Die durch die Abwanderung aller jüdischen Einwohner ans Sulzbach (Franken) überflüssig gewordene Synagoge, die von der Stadt crnwrben wurde, soll in ein Heimatmuseum umgewandclt iverden. ÄWeWW W WWtztz Dsn SrinriS Mn> . Auf Grund eingehender Beobachtungen m gestellt worden daß vom 40. Lebensjahre abdn^ den Kräfteverbrauch eine Leistungsabnahme in d? handarbeitenden Berufen eintritt. so das, in Alter eine Umstellung auf nur Hand, oder KöE? arbeit reiflich zu erwägen ist; zwischenberusst^ Einstellung ist aber auch in di-ftm U§'1'Z möglich, und entscheidend bleibt die körperlich lische Spannkraft des Betreffenden. q ,cc' Jeder Beruf hat seine bestimmten Wahren Während aber der Handarbeiter über diese A fahren meist unterrichtet ist, sind es die bisherigen Geistesarbeiter nicht, sofern sie nidit beruflich?? mit zu tun hatten (z. B. Aerzte). Besonders sind es die sogcrialiiiten Gewerbekrankheiten: z tz l-, kältungs- und Infektionskrankheiten in überfüllte'» und überhitzten Räumen. Daneben gibt es si«, fektionen an: Arbeitsmaterial, Ehst-. Otanb- Rch? und Geräuschwirknngen, die natürlich zunächst alle diejenigen befallen, die schon zu derartigen (vr, krankilngen disponiert sind. Man verwechsle aber eine Disposition nicht mit einer nvch verborgenen aber schon vorhandenen Erkrankung. Tiefe er. fordert auf alle Fälle erst Ausheilung und dann Umschichtung. Unter Disposition ist hier nur die Bereitschaft eines Organs oder einer Lrgan. gruppe iislv. gemeint, zu erkranken, sofern die Be. dingungen der Krankheit anstreten. Tust fa. stimmte Berufe derartige Bedingungen darstellcn dürfte bekannt fein. ' Während die Gewerbekranlheiteir znm grvstei, Teil erkannt unb erforscht sind, ist die Feststelin,in der Dispositionen, der individuellen und der er. erbten. Sache des Arztes. Ter Ratsuchende kann aber dem Arzt die Arbeit erleichtern, wenn er de. reits die notwendigen Anfzeichnnngen über Er. tranknngen in seiner Familie zur Sprechstunde mitbringt. Dafür konunen in Frage Notizen über Ecschivister, Eltern und Großeltern und deren Ecschivisier und die absteigenden Linien. Voraussetzungen für den Nutzen solcher Beratungen ist natürlich, daß der Umschichter oder die Eltern des Jugendlichen, der vor einer Berufswahl steht, diese Fragen vorher genau klären und den Arzt wahrhcitsgemäß informieren. Berschweigen, um eine gerade freie Lehrstelle zu erlangen, wäre ein miverzeihliches Vergehen, das sich später siirchtbar rächen wird. Ebenso wichtig wie Klarheit über den Gesund, hcitsznstand ist auch das Wissen von der Erhaltung der Gesundheit im neuen Beruf. Ter völlige Wechsel in der garrzen Lebenshaltung erfordert gewisse hygienische Rücksichten und itzcas;- nahmcu in bezug nuf Kleidung, Ernährung und Allgemeinhaltung, die im bisherigen Leben nicht beachtet zri werden brauchten. Gerade manches Scheitern und gesundheitliche Versagen noch drei bis vier Monate nach der Aufnahme eines neuen Berufes sind auf Nichtbeachtung dieser Probleme znrückzrlsühren. Das; Frauen und Mädchen, die eine überwiegend stehende Tätigkeit nnsüben. Schuhe mit flachen Absätzen tragen müssen, des, in gewerblichen und landwirtschaftlichen Berufen wegen der Gift- und Verschmutzungsgefahr, die z. V. im Bürvdienst nicht so groß ist, selbst klein'? Wunden sofort sorgfältig zu behandeln sind, me sie zu behandeln sind, das alles sind Fragen, mit denen inan sich bestens vorher beschäftigt als nachher, wenn es zu spät ist. Hier setzt die theoretische aber unerläßliche Vorbereitung zur Umschichtung ein, das Vertrantmachen mit dem Wesen und Wissen des neuen Lebenskreises, seinem Tenken und Wirken. Während der dem Arbeiterstanke entstannnende neue Verufsanwärter ans Anschaumig der Unnvelt und Erfahrung in der Familie mit diesen Dingen schon bekannt geworden ist. sind sie den jüdischen Kreisen völlig fremd, wie mau bei fast jeder Beratung seststellen kann. (Fortsetzung folgt.) ') Vgl. „C-V-Ztg" Nr. 27. 20, 20. sikalische Sopranistin. Mar L i p m a n n s sympathischer Tenor spendete Kompositionen von Felix und Fanny Mendelssohn (Gehören aber Mahler und Mendelssohn unter die Bezeichnung „Jüdische Kleinkunst", kabarettistisch ansgezogenk!) Die begabte Susanne L e v i n g e r tanzte nach jüdischen Motiven. Der ziveite Teil des Abends war Offenbach gewidmet. Emmy Joseph und Mar Lipinann wetteiferten im Vortrag zauberischer "Melodien. Susanne Levinger deutete sie tänzerisch aus, und Alfons Fink machte ein Kabinettstück aus der Parodie vom Prinzen von „Fantasien". Engen Streußlcr ist als Mitwirkcnder in einem Sketch zu nennen. In die Leitung der Veranstaltung teilten sich Alfons Fink und Kurt H e inemann, der allen Vortragenden ein geschmeidiger, temperamentvoller Begleiter war. Der Kleinkunstabend fand in alten Anschluß-Städten des Kulturbnndes Rhein-Ruhr statt. - —vo— Summ Margarete L ö w e n st e i n (vormals Oper Dortnnrnd) zeigte bei einem Tanzabend hohes künstlerisches Können. Die . musikalische Begleitung lag bei Emmy Mathias (Dortmund) in guten Händen. Breslau Im Vereinshaus Kürassierstraße wurde ernste und heitere Kanunerkunst in einer Form geboten, die den Ansprüchen nur teilweise genügen konnte. Zunächst war im Programm der ernste Teil selbst für eine „Bunte Bühne" etivas zu bunt geraten. Bei der Würdigung aller Nepertoircschwierigleiten erwartet man für Jehuda Havely und Hugo Zuckermann doch eine andere Nachbarschaft als kitschige Chansons. Tie mitwirkenden Künstler, die — abgesehen von Lotte N o j o n b a u m - S ch w a r z — bisher nur selten ausgetreten sind, gaben sich alle Mühe, ein befriedigendes Niveau zu halten. Der gute Wille allein verbürgt aber nicht die Reife der Leistung. Herta Lern: e r verfügt über ein ansprechendes Organ und hat Temperament: in der Darstellung vermochten allenfalls die beiden letzten heiteren Chansons zu überzeugen. Herbert C e l k i n i hat in seinen Rezitationen noch nicht den Stil gefunden. der das Gesprochene plastisch gestaltet und die Hörer fesselt. Tea S u k i n und Manfred B i a l waren in ihren kleinen Szenen gewandt, frisch und fesch. Lotte Noscnbanm-Schwarz überragte die anderen durch künstlerische Reife und inneres Erleben, das sich dem Publikum eindrucksvoll vermittelte. Werner Schön wald begleitete mit viel Verständnis am Flügel. Der Indische Mnsikvcrein Breslau e. B.. der, dem Jüdischen Knltnrkreis Breslau korporativ angeschlossen, die Znsammensassnng aller musikalischen Interessen unter den Inden Breslaus m,d Schlesiens erstrebt, hat Kapellmeister Kure Havelland vom Kulturbund deutscher Juden in Berlin als Tirigenreu für sein Orchester verpflichtet. Kurt Havelland studierte an der Staatlichen Hochschule für Musik in Berlin ». cbei Leonid Kreutzer und Arthur. Schnabel Bon 1927 bis 1933 war er Kapellmeister am Staarsthcater Wiesbaden. Seit dem Frühjahr 19o4 wirkte er als Kapellmeister am Berliner Kulturbund. Havelland hat die Ausgabe, ans dem bereits bestehenden Orchester des Breslauer J>wlsichen Musitvcrins durch Hinznnahme von Bläsern einen großen Tvnkörper zu schassen. ^Ter uocr 100 Sänger zählende Chor wird wie bisher un.cr der bavährten Leitung von Kapellmeister Werner Sander stehen. __ ^cInv* Kurt Sonnemann (Mannheim) begeht a 2. August seine silberne Hochzeit. Ter >>"dilar. aus einer im Fränkischen alteingesessenen ludslo' Familie stammt, hat zahlreiche Fachkritrken., «j r geschichten und Skizzen geschrieben und die Gemch ' bände „Ringen, Träume und Leben" und „J , Lese" herausgegeben. Wir gratulieren unjerem -- arbeiter herzlich. __ An der Philosophischen Fakultät der llnivcrsltät Dorpat ist ein ordentlicher Lehrstuhl und ei Seminar für jüdische Wissenschaft eingerichtet wo den, dessen Leitung in den Händen von 'l.woG'G Dr. Lazar G u l k o w i t s ch liegt. In deuch 4-1 * gramm, das von der Torpater Universität loco veröffentlicht wird, wird es als Ziel der 11CI{ Forschnngsstätte bezeichnet, daß Sinn und ~-c! des Judentums in ihrer Ganzheit durch OTf schung seines Wirkens und seiner Werke erMr werden sollen. Tie Abschlnßmöglichkeiten sind n folgt geregelt: Jndaica können als Hauptn Nebenfach gewühlt iverden. Tie Ausbildung Hebungen cmd Seminarien bjs zur ZulaMNg o Prüfung dauert acht Semester. Ter Jnrpa - Doktorgrad wird nach erfolgreichen! Vorlegung einer wissenschaftlichen Arbeit erw >■ - Nähere Auskünfte über das Programm * Seminars und die Voraussetzungen der J"'n'!.. knlation erteilt das Seminar für jüdische -r u 'schast, Dorpat (Tartu), Postfach 50,

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