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Central-Verein-Zeitung · 1934-08-02 · 31 (2.8.1934) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
31 (2.8.1934)
Date
1934-08-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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WW MN Zweihundert Kinder — eine sittsame kleine Ge. incinde. wenn sie artig die Schulbank drücken müssen. Aber eine gewaltige, vergnügt tobende Horde, wenn sie sich aus einen Fleck im Grünen zur Erholung ^useinmeufinden! Tenn Erholung, das heißt bei stch-. bis vierzehnjährigen Jungens und Mädels: spielen, rennen, turnen, singen, tanzen — daß dem Besucher solch eines Platzes -er Kops schwindlig wird . . . Tie „T a g e se r h o I u n g s st ä t t c n" der Iüdischeu Gemeinde — gedacht und organisiert für Kinder. denen die Eltern in den großen Ferien keine ll-eise zu gönnen vermögen — sind eine segensreiche Einrichtung, die vor fast anderthalb Jahrzehnten in g.wz tlcincm Umfang ihre Tätigkeit begann. Tamell waren es knapp hundert Kinder, denen man dcn sommerliä)en Weg zu Luft und Sonne weisen kennte — heute sind cs bereits fünfzehnhundert! 2ie Ausgaben sind ja in den letzten Jahren un. geheuer gewachsen. Immer geringer wird die Zahl derjenigen Eltern, die mit ihren Jungens und Mädels an die Sec oder ins Gebirge, in den Kurvet oder ans das flache Land fahren können. Und die Kleinen haben es doch so nötig! Tas ganze siche über sind sie in der schlcchtgelüfteten Groß, siadt. im Häusermcer Berlins eingespcrrt, sind ihre Spielplätze staubige Straßen oder kärgliche Gärtchen. Amge und Herz sehnen sich nach Wald und Wiese. Tie Geiueindc nimmt sich dieser Kinder zusammen mit einer Reihe von Vereinen an und schickt sie auf Triclplätzc. die ihr teils gehören, teils von ihr gemietet wurden. Nicht weniger als siebzehn solcher Tage?, crholnngssiätten sind in diesem Sommer in „Betrieb", um fünfzehnhundert Kinder mn.zunehmen. Und was für ein Betrieb ist das! Bis zu zweihundertdreißig Kinder bevölkern einen solchen T'letz. In Köpenick, Wuhlheide, Erunewald. Oberschöneweide sind die größten dieser Erholungsstätten: aber auch für kleinere, noch volksschulpflichtige minder ist gesorgt: sie werden in einer Reihe von Eärtcn untergcbracht, die nicht allzuweit vom Zentrum der Stadt entfernt liegen. Natürlich ist gerade für dieses Jahr ganz besondere Vorsorge getroffen worden, um so viele Kinder wie möglich von denen, die cs am nötigsten haben, unterzubringen. In den jüdischen Schulen, von den jüdischen Wohl, schrtsbczirkcn werden die kleinen Kandidaten für dicke alltägliche Ferienreisc in Berlins schöne Umaebimg ausgesucht. Aerzte verordnen die Tagesecholunq alS Rciseersatz — und nicht selten mag dieser ..Ersatz" besser wirken als eine „echte" Ferienfchrt' Tie Mediziner, die nach solch einem in TageserholungShcimen verbrachten Sommer die kckndcr untersuchten, waren jedenalls außerordentlief) befriedigt vom Gesundheitszustand der Jungen und Mädel. Eine kleine Vergütung muß allerdings von den silteru verlangt tverdcn — die Gemeinde selbst hat vro Kind etwa eine Mark Unkosten im Tag. Zumindest einen Teil davon sollen die Eltern nach Möglichkeit tragen — und sei es auch in diesem rdor jenem Fall nur das Fahrgeld. . Morgens um halb neun -Uhr fahren die Kinder feon etwa zwei Dutzend Jungen oder -Aaöels von Berlin ob; jede Gruppe wird von einem aelfer^oder einer Helferin betreut — vielfach sind mes Fürsorger oder Kindergärtnerinnen, die sich ^!"nders zu dieser Aufgabe eignen. Gegen halb zehn Uhr Greffen die Kinder im Lager ein. Sofort w:rd gcsrühstückt; zu den Stullen, die jeder mitgebracht hat, gibt es Obst oder Milch. Dann beginnt jede Gruppe mit irgendeiner Beschäftigung, die den Kindern gerade Spaß macht: Spaziergang. Spiel, Baden oder Umhertollen im Wold. Die mannigfachsten Unterhaltungen kann man zu gleicher Zeit auf dem Spielplatz sehen: hier sitzen Mädel im Kreis und singen.^ dort übt eine Gruppe hübsche, alte Volkstänze; in einer Ecke spielt sich vor einem Zelt ein richtiges, indianerartiges Lagerleben der Jungen ab. andere turnen on einem Zaun. Im Wald starten Wettläufer, während zwei Elfer-Mannschaften einen erbitterten Fußballkampf aussechten, zu dem eine Gruppe auf Besuch aus einem benachbarten Lager gekommen ist: etwa Wuhlheide gegen Oberschönctveide. Besonders häusliche Mädchen losten cs sich nicht nehmen, den Helferinnen beim Kochen ein wenig unter die Arme zu greisen — indem sic Kartoffel schälen oder Gemüse putzen. Um halb ein Uhr trifft sich alles auf dem Platz. T a s M i t t a g e s se n beginnt. Es gibt nur milchige Speisen, meist ein kräftiges Gemüse-Eintopfgericht und eine süße Nachspeise. Man muß die Kleinen futtern sehen — cs ist ein Genuß, zuzuschauen, wie sie einen Teller nach dem anderen hinnnterschlingen in ihrem Luft-, Licht- und Spiel- Heißhunger. Natürlich bekommen sie, sooft sie wollen und solange etwas im Topf ist — manche tun es nicht unter fünfmal . . . Voller Magen macht faul. Nach dem Mittagessen gehen alle Kinder in den Wald und schlafen auf mitgcbrachten Decken. Bis halb vier Uhr herrscht Ruhe. Tann wird wieder eine Stunde lang gespielt, und um halb fünf Uhr beginnt die immer recht notwendige Säuberung. Anschließend gibt es Vesper — die Gemeinde stiftet Brot oder Brötchen — und um etwa fünf Uhr sammelt man sich zur Heimfahrt. Braungebrannt wie die Neger — denn sie waren den ganzen Tag in der Badehose in Luft und Sonne — kommen die kleinen „Ferienrcisenden" heim. Es sind glückliche Stunden, die sie Tag für Tag in den großen Ferien draußen rings um Der- Im verbringen, und -zur körperlichen Erholung kommt die seelische: das Gefühl und Erlebnis der Kameradschaft umfaßt sie alle, stärkt sie neu für das kommende Schuljahr in den Häusermauern der großen Stadt. Und wenn solch ein Ferienkind'dann einen Kameraden trifft, der eine wirkliche Urlaubsreife gemacht hat, so kann es schon Vorkommen, daß aus vollster Ueberzeugung der Satz zu hören ist: „Was, du warst nur on der Ostsee? — Mensch, laß dich nicht auslachen. Ich, ich war in Wuhlheide . . .!" L—r. helft reifen! Tie Ungunst der Zeit hat es mit sich gebracht, daß viel weniger Familien sich wie früher einen Sommeraufenthalt gönnen können, daß die Gemeinden und Organisationen viel N'enigcr Kindern und erwachsenen erschöpften Menschen zu einer Sommererholung verhelfen können. Ter I n dischc F r a u e n b u n d hat schon seit Jachren von seinen Mitgliedern und Freunden eine sogenannte Reisesiener erhoben. d. h. diejenigen, die verreisen konnten.;>wen in einen Fonds für Er-, holnngssnrsorge einen Beitrag. In diesem Jahre sucht er an alle jüdischen Gäste in Erholungsorten hcranzniretcn, mit von ihnen Beihilfen für ihre schlechter gestellten Mitmenschen zu erlangen. Tie Reisestcucrkasse laust daneben selbstverständlich weiter. Es muß leider gesagt werden, das; die Gebefreudigkeit recht viel zu wünschen übrigläßt. Gewiß müssen heute auch diejenigen, die verreisen tonnen, mit ihren Mitteln Haushalten. Aber wcnnnllc nur ein wenig getwn. nurd ans einzelnen kleinen Beträgen schließlich eine Summe, die Helsen In den meisten größeren Orten hat der Frarien- Hund Bcrtrauenspcrsonen. die Spenden gern n» Empfang nehmen. Außerdem können Zahlungen auch an den Jüdischen Frauenbund E. B.. Berlin. Kantstraße 158. Gth-5.. Postscheckkonto Berlin Nr. 26 802. unmittelbar gesandt werden. Photo Arno IiiUoler Ans dem Gcdenkwort von Goetz Otto Ct o s s r e g e n in „Tie Unvergessenen", hcraus» gegeben von Ernst Jünger. Wilhelm Andermann Aerlag. Berlin-Leipzig 1928. .Dieser Mann also, der immer ein Tichter werden wollte und, noch nicht dreiunddreißig Jahre alt, vor Soissons den tödlichen Schuß erhielt, wurde am 19. Mai 1882 in Königsberg i. Pr. geboren. Er entstammte einer durch vier Generationen in Ostpreußen ansässigen jüdischen Kaufmannsfamilie, die Poßes^ Ansehen genoß. Seine Großmutter, eine geborene Simon, hatte den Nuf einer geistvollen Frau. Sein Vater, Richard Hey- Mann. handelte Saatgut und widmete seine -Mußestunden den schonen Künsten. Walther Heymann bezeichnet seinen Vater als „heiteren Idylliker". Und doch muß in ihm das Aut der Makkabäer lebendig gewesen sein; ^enn er hat als -Oberleutnant der Landwehr den siebziger Krieg mitgemacht.. Beides, die Pust am Fabulieren und der Sinn für das Kriegerische, hat sich vom Vater auf den ^ohn vererbt . . . . -. Sein zweites Buch, die 1999 erschienenen „Nehrungsbilder", wurde ein großer Er- Mg. Diese Landschaft-fand in Hey" wann ihren Tichter. Im Berliner Nathans llängt ein Gemälde des ostpreußischeu, 1917 gefallenen Malers Ernst Bischofs-Kulm: -Walter Heymann auf der Düne"; ein Beweis dafür, wie sehr die Sahara Ostpreußens und die Gestalt ihres begeisterten Sängers der den zeitgenössischen Künstlern als «anunengehörig empfunden wurden. Das ..Aehrnngsbuch" ist das Schönste, was er gemiasfen hat.-Auch später, in feinen swgsgedichten, zeigte es sich, daß der Ouell semer Verse am klarsten und klingendsten sprudelt, wenn er die ostpreußische Heimat belegt . . . - . . Tann kam der Krieg und damit neue ^-Enntnis. „Walther Heymann war Jude, aber er war auch Ostpreuße, und er war vor allem anderen jetzt Deutscher", sagt sein Freund Siegfried von der Trenck von ihm in seinem Nachruf. Das ist unbedingt richtig. Er. der körperlich zarte Jude mit der hohen Stirn und den klugen braunen Augen, dessen Militärpapiere auf „Ersatzreserve" lauteten, meldete sich als Kriegsfreiwilliger, obgleich er in glücklichster junger Ehe lebte, obgleich ihm seine Frau, die Malerin Maria Perk, wenige Monate vor Kriegsausbruch ein Mädchen geboren hatte, dem seine zärtlichste Liebe gehörte. Tas alles hielt ihn nicht. Mit der Kraft, die wahren Männern eignet, riß er sich los und erfüllte damit ein Versprechen, das er in seinem Gedicht „Ostpreußischer Landsturm" zu einer Zeit gegeben hatte, als an Krieg noch nicht zu denken war . .. . . . Als die Frage gestellt wurde, wer freiwillig ins Feld wolle, meldete er sich. Was ihn dazu bewog, sagt er in einem Brief vom 12. Septenrber: „Wie ich dazu kam, beim .„Freiwillige vor" dock) vorzutreten, trotz Deiner und Evacheu? Ich muß versuchen, das zu erklären. Man steht ganz unterm Gefühl. Aber ich hatte doch innere Klarheit dabei. Man ist — sagen viele — töricht, wenn man sein Leben nicht so lange als irgend möglich schont. Das ist kaum im Frieden richtig. Es ist praktisch, aber nicht bestimmend, lieber dem Selbsterhaltungstrieb steht der Lebens- Wille der doch den Tod einschließt und innerlich überwunden hat. Nun — ich bin nicht herangekommen und war dessen überwiegend Wnh Aber fest stand und steht mir, daß wir wenigsten? im Kriege allgleich sind Es ist keine Phrase, wer fällt, ist ein Opfer sur alle, besonder? für die Ueberiebenden. Mit seinem Leben bezahle» ist sicher schwer. Aber im Tode ime durch ein volle? Leben noch sür andere Nustea stiften - da? tut man, auq als Kanonenfutter, glclchguttm. wre der §°ll i'i-gt - ist ungeheuer viel. Nun sage ich mir ganl klar: Wo steht es gefchr.eben daß andere sür mich bezahlen und an meiner Stelle fallen müssen? . Den Hinterbliebenen Mutter, er kommt nicht nach Haus, den du geboren — Frau, von allen Männern ist deiner gefallen — Kinder — ihr habt euren Bater verloren! j Eine große Mutter ' ist unser Land. Heldentod hat eine sanfte Hand. werdet wie er. . macht ihm nicht Schand'l ^'sltber 8e)msno. i!!!I!!H!I!II?II!!HII!!I!AIIIil!l!H!iIIII!!!I!lliI!IIIIIIII!I!IIIllll!I!!!!I!!I!IIII? Tenn so rst's. Ich habe doch viel mehr vom Leben gehabt als viele." Und noch ein Wort, das dem vorigen an Seelenkrast. Opferwilleii. Entschlossenheit und Vaterlandsliebe nicht uachsteht, mag aus einem Brief an seine Gattin hier Platz finden. Er ist am 12. Oktober in Soest aus dem Transport nach Frankreich geschrieben und lautet: „Ich bin glücklich, weil ich mithin kann, mit richtigem Handeln, wie sonst mit Feder und Gedanken — und dem Deutschland, das für mich das Liebste in der Welt bedeutet. Dank abzustatten und ein klein wenig Helsen darf. Du, meine kleine Welt, meine zweite Heimat, mein halbes Ich. bist setzt mein Klein- Deutschland. Du wirst es oft genug fühlen, wenn Dich die Not des großen, immer größeren zwingt, unter Warten und Weinen zu leiden." . . . ... Er fiel bei einem verlustreichen Angriff, der in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar unternommen wurde, um die infolge Flankcufeucrs kauin haltbare Stellung bei Soissons vorzuschieben. Lassen, wir einen Regimentskameraden über Tod und Bedeutung des Dichters sprechen: „Heymann ist mit der Selbstverständlichkeit, die diese heroischen Kämpfe gegen mehrfache Uebermacht uns so groß erscheinen läßt, in jener Mitternacht mit vorgestürmt. Er war einer der wenigen, die heil bis zum ersehnten Graben gelangter!. Tort traf ihn die blöde Kugel in den Kopf. Wie er die schlimme Nacht bis zum leichten Ende verbrachte, war bisher nicht möglich, sestzustellen. Es fand sich noch kein Mann aus seiner Gruppe, der Kunde geben konnte. Nur ein solcher wird dazu imstande sein — bereits die Nachbargruppen waren mit sich beschäftigt. Leute, die rechts von ihm stürmten und überlebten, trafen ihn am-anderen Morgen im endlich genommenen Graben, die tödliche Wrrnde in der Schädeldecke, einen ruhigen, ernsten Ausdruck in den Zügen. Es ist vielleicht schade, daß gerade das Acußerliche dieser letzten Stunden so schwer klarzustellen ist. Dos innere Erleben des Tapferen liegt aber ohne Dunkel in der Linie seines unbändigen Tatendranges. Es war sicher nur Fortklang des hellen, harten Tones, der in den Briefen sr> beherrschend klingt. Ich glaube, nichts, selbst das lleberraschendste nicht, was einmal diesen Zeilen als Nachricht über des Mannes letzte Stunden nachzutragen wäre, wird je die hellseherische Kenntnis^ erweitern können, die er uns in den letzten Blättern seiner Briefe hinterließ." . . . . . . Heymann war noch im Werden, als die Kugel ihm ius Leben fuhr und seiner Entwicklung ein frühes Ziel setzte, die zu den größten Hoffnungen berechtigte. Schmerzbewegt übersehen wir das reiche Werk des Toten, schmerzbewegt denken wir daran, was er uns noch hätte schenken können . . ." Daö jüngste Slnsonickouzert tu der Münchener Houptsynagoge zeigte, daß sich die Gesamtleistung des Kulturbundorchesters in aussteigender Linie bewegt. 'Der Streichkörper hat an rhtsthmischer Schulung gewonnen. An Schliss und Nlangkullur kan.n man nafürltcfi nach so kurzem Bestehen noch nicht die allerhöchsten Anforderungen stellen, aller die musikpädagogische Begabung des Kapell-

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