Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1934-07-19 · 29 (19.7.1934) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
29 (19.7.1934)
Date
1934-07-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2277379-2278044-2278073--08706-2289748
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

- er die Leier des RhapsÄien Zur Hand', und Bibelkundige wissen immer wieder Rühmliches über das Tyrosbild im 27. Kapitel deS Buches Ezechiel zu sagen. Allein, der schimmernd bunte Teppich, den Ezechiel kundig und kunstreich vom vielfältigen Kanfsahrteileben der Stadt ausbreitet, ist doch nur das Leichentuch, mit dem er in seherischer Wendung -ihr Sterben bedeckt. Tas Stadtbild von Tyros bezieht das Meer durch vorgelagerte Inseln ein; und nun löst Ezechiel die Stadt immer mehr von ihrer gütergescgncten Küste, führt sie hinaus aus die hohe See, um sie schließlich in gewaltig bewegtem Bild zu versenken. Das Seherauge offenbart das Gericht in den Wogen, wie cs den Anblick der- Eottesmajestät in umwölkten Flammenspiegeümgen ofsenbnrlich werden ließ. Laut und Zeichen, Wort und Bedeutung setzt das magische Weltbewußtsein des Ostens in eins. Darum kann über die Art inneren Sehens des Ezechiel nichts ausgesagt werden, ohne daß es sinngemäß zugleich von seinem Bernehmen durch das innere Ohr gelte. Tas hat die Eestaltenschau des den Figuren des Alten Bundes erleuchtet nahen Michelangelo einprägsam dargelegt. Aus der bildhaucrischen Deckenmalerei der Sirtina tritt Ezechiel in erregter Angenblicksgebärde hervor. Tas Gesicht seiner Berufung braust heran. Sitzend N'cndet sich seine kraftvolle Gestalt urplötzlich der Erscheinung zu; wir sehen den scharf gezeichneten Seitenschnitt seines Antlitzes. Aber Ezechiel blickt nicht nur; seine rechte Hand öffnet sich über dem kühn ansfchreitenden Bein in tiefer Wölbung nach oben, jeder Finger zeigt Bereitschaft an. Ezechiel hört. Wie ans dem Rauschen gewaltiger Gewässer dringen Tvnnerlante zu ihm, während himmlischer Glanz auf ihn eindringt, — „Welch Getöse bringt das Licht!" Tie Gemeinschaft von Aug und Ohr, die Fam'ts Erwachen unter Ariels .Harfengesang umspielt, weitet sich hier zu künderischer Erleuchtung.' Aber was hört Ezechiel? „Als ich das sah, siel ich auf mein Angesicht und hörte eine Stimme reden .... Ta kam über mich ein, als er zu mir redete, der mich auf meine Fuße stellte; ich hörte, was man zu mir sprach." So ist cs also nicht mehr die Stimme Jhwh's. wie Jcsaias, der Künder seiner Majestät und Heiligkeit sie vernahm, sondern „es" spricht zu Ezechiel und ans ihm in jener Bcrdännnernng, die anzeigt, daß der llnmittelbarleit des Göttlichen ein Ende wurde. Wer wollte in dem bei aller Bestimmtheit doch umrißlosen Erhören der zu Ezechiel gewendeten Stimme nicht den Grund für die um so ausführlichere Darlegung des von ihm dabei Erschauten verkennen? Zn also eigener Brechung kommt der Geist, die Ruach, über den Künder, lind somit muß der Geist auch in den Verkündungen das Wesentliche seiner Wandlung offenbaren. Zn der Tat hastet in spürbarem Gegensatz zu den Vorgängern des Ezechiel dem Geist, dem er das Wort redet, das Geheimnisvolle der göttlichen Kraft in der Art an, die ersichtlich werden läßt, daß ihr Träger in unnah. bare Räume entstiegen ist. Dem Künder ist die Gottosmajestät zwar loohlvertraut, nicht aber vermag er mehr ihre Rahe unvermittelt wirkenzu lassen auf jene, an die er sich wendet. Er legt das Geheimnis dazwischen. Leben sie doch, seine Brüder im' Leid, nicht mehr auf dem angestammten Boden mit seiner heimatlichen Gottverbundenheit, sondern in unsäglich qualvoller Verbannung von der nur die Tauer allmählich die Härte nimmt. Bei den Erleuchtungen des Ezechiel wird denn auch der Verbannten stets mitgedacht; einmal geradezu hinweisend deutlich: „. . . ich saß in meinem Hause, und die vornehmen Iudäer saßen vor mir; da kam über mich dort der Geist Gottes . . ." Sein Werk ist Sorge für die Seele der wurzellos Gewordenen, denen er ans den Erleuchtungen heraus einen Halt geben null. Zweinndzwanzig Jahre hindurch wirkt er in der Gefangenschaft, und was verlorengegangen im Land der Väter, das sucht er in den Herzen der Vertriebenen Für NM KüMMrmuU Prograrnmfragcn im Kulturbund Tiefen Monat spielt das Rose-Trio im Kulturbund H a y d u s Zigeunertrio, M e n - delssohns 1) - nro!l und D v o r L k s Dumkytrio, drei der allerbekanntesten und meistgespielten Stücke des üblichen Konzertbetriebs. Hier sei eine Frage grundsätzlich behandelt. Es ist von mir bisher mit voller Absicht vermieden worden, den Anteil der jüdischen Musik im Kulturbund zu untersuchen, weil es zunächst wichtig war, daß der Kulturbund als Organisation seststehe, daß das Haus gezimmert würde, bevor Forderungen im einzelnen zu stellen waren; der Ruf nach jüdischer Musik wird ans dem Gebiet der Oper von vornherein zu schweigen haben, da wir keine Werke besitzen, die den Namen jüdische Oper „mit innerem Recht" tragen dürsten; im Programm der Sinfoniekonzerte konnte die jüdische Forderung nur in beschränktem Maße erhoben werden, weil bei einem jungen Orchester die Probleme des Zusammenspiels zunächst wichtiger sind als die Fragen des Programms; außerdem sind hier — das sei ausdrücklich anerkannt — zwei größere neue Werke gespielt worden. In der Kammermusik aber fallen alle diese Schwierigkeiten von vornherein weg. Hier stehen technisch und musikalisch vollendete Künstler und gut eingespielte Ensembles zur Verfügung. Es kann nicht unmöglich sein, in diesen Konzerten fortlaufend jüdischer Musik einen Platz einzuräilmen. Das ist bisher nur in den Chorkonzerten im Januar und im Juni geschehen. Damit darf die jüdische Forderung iöieder aufzurichten,.ja,-es geht. ihm', darum,, an,, die Stelle des' entrissenen Bodens und deS zer-' trümmerten Reiches die Hochziele Israels als noch erstrebenswertere himmlische Denkbilder zu setzen. In priesterlicher Haltung hat er sie einst wie Kleinodien aus der Heilsstätte des Tempels zu Jerusalem mit in die Verbannung genommen. Da erlebt und erleidet er im fremden Land die Zerstörung deS heimatlichen Heiligtums. Jetzt scheint alles vernichtet. Aber wie ein erfahrener Steuermann mit kühner Kraft das Ruder herumwirft, wenn der vernichtende Sturm mit einem Mal aus anderer Richtung heranbraust, so wendet Ezechiel seine Verkündung in jene Sphären, die keiner irdischen Knechtung und Vernichtung unterliegen. Man hat von ihm gesagt, vor der Zerstörung des Tempels sei er ein Künder des Unheils gewesen, nachher ein Künder des Heils. Sicherlich wurde seine Stimme ehrfürchtiger vernommen, als das Heiligtum, wie er vorausgesagt, niedergebrochen war. Allein, uns wird die Einheit dieser Erscheinung gerade durch solchen Einschnitt ihrer geistigen Inhalte um so einprägsamer. Wer länger als zwei Jahrzehnte das Wort des göttlichen Gerichts verkündet, bald in furchtbaren Verdammungen die von Gott abtrünnigen Reiche Israel und Juda züchtigt, bald wie ein Barde des Großkönigs von Babel die Vernichtung der Völker ringsum ansagt, und dabei doch nur Gott verherrlicht, gerade weil er sein eigen Volk in schmachvolle Knechtung stürzt, — dessen Kraft ist wahrlich nicht allein an seinen rednerischen Wandlungen zu bemessen. Sie zeigt sich uns in der innerhalb des künderischen Ablaufs der hohen Sendung kurz und darum ticfinnerlich ergreifend verzeichneten Erinnerung an das Sterben seines geliebten Weibes, das ihm eine Seuche von der Seite reißt, und dessen Abscheiden ihn nach stiller Totenklage ohne Weinen und Wchgeschrei nicht einen Tag von der Erfüllung seiner Pflicht zurückhält. Ezechiel ruft auf zur Sammlung. Wer von uns allen vernimmt nicht seine Stimme, wenn Gott durch ihn verheißt: „Obwohl ich sie entfernt habe unter die Völker, und obwohl ich sie zerstreut habe in die Länder, so werde ich ihnen doch ein wenig Schutz gewähren in den Ländern, in die sie gekommen sind." Und also lautet es weiter in den Wahrworten dieses elften ' Kapitels: „Ich werde ihnen geben ein einiges Herz, und einen neuen Sinn werde ich setzen in ihre BrusE ich werde sortschasfen das Herz von Stein ans ihrem Leibe und ihnen wieder ein Herz von Fleisch geben." Nichts, kein -anderer Anhalt war dem Künder Ezechiel gegeben als die Erneuerung aus sich selbst, und darum wollen uns heute seine Aufrufungen säst noch stärker' erscheinen als die Trost- . rede, die im vierzigsten Kapitel des IesaiaS überliefert ist und deren' unbekannter Künder bereits weiß, daß der Perserkvnig naht, der Babylon erobern und. die Verbannten befreien wird. Noch eine lange Zeit mußte dis dahin, dergehen, und Ezechiels Wort war cs, daS sie überdauern hals. Wohl barg es furchtbare Drohungen, aber es nahm vorn einzelnen den Druck des düsteren Verhängnisses. Wirksameres als Trost spendete es: Aufrichtung. Von allen Vornahmen des Ezechiel gilt uns darum heute jeue Prüfung und Zurückweisung als die bedeutsamste, durch die er das damals geflissentlich in Umlauf gesetzte Sprichwort vernichtigte: „Die Väter haben Herlirrge gegessen, riud die Zähne der Söhne sind stumpf geworden." Der dumpfen Hinnahme des für alle Unabwendbaren, die aus diesen Worten spricht, setzt Ezechiel das überzeugende Fortschreiten auf das der eigenen Entscheidung anheimgegebene, von keiner andern als der eignen Last beschwerte Ich entgegen. Eine Weltenwende liegt darin. Tie einzelne Seele sündigt, nicht die Erbreihe, und nicht stirbt der rechtschaffene Sohn für die Verfehlungen des sündhaften Vaters; denn „alle Seelen, mein sind sie." So verstehen „wkr feie, Jbfc. to.egm "°n 8w UmLHr. Me uns zur Ausrichtung werden kann wie kein anderes - Wort der Schrift. In uns selbst, jeder ay fernem Ort und in seinem Maß, suchen nur den Weg der Läuterung, um neuen Herzens und neuen Gerste-, in alle Bedrängnisse des Daseins gestärkt zurückzukehren. Welche Befreiung birgt dies gewchheitliche Lossprechen von den Belastungen überkomme. - ner 'Schuld! Dem einzelnen soll seinem Wandel gemäß vergeben werden: so heißt die Botschaft des Ezechiel von der Selbstbesinnung. '• Der zu solcher Einkehr führt, muß. uns in der Gegenwärtigkeit deS Geistes Zuwachsen. Sprachen wir früher nicht von seinesgleichen wie ehedem jene, die um ihn waren: „Tu bist uns wie das liebliche Lied eines trefflichen Sängers und schönen Spielers." Aber wir hörten nicht einmal mehr seine Worte. Ern Narr galt Ezechiel anfangs den Verbannten. Aber ihr Sinn rvendete sich, und mit der Tauer des Leides öffnete sich ihr Herz immer mehr seiner Rede. Doch auch Ezechiel wuchs. Ter von seinen Gesichten Verzückte widmete sich dem neuen Aufbau des Gottgefälligen und seiner Stätte. Tie Verkündungen des Ezechiel enden in dem breit ausgemalten Bild von Stadt und Land und Heiligtum. Ta die Folgezeit an den Wiederaufbau nach andern Planungen schritt, so dürften jene im Unrecht sein, die in den letzten Verkündungen des Ezechiel spätere, priesterliche Zutaten erblicken möchten. Es entspricht in jeder Art dem 'Wesen dieses Sehers, daß er seine Hoffnung in die abgeklärte Zukuustschau des kommenden Gottesreiches und seines Tempels emporläutert. Bei aller Darlegung im ciirzelneu bleibt -dieses Bild ein frommer Traum: gegenüber dem erregten Gesicht der Berufung das die Verkündung in wohlgeordnetem Einklang beschließende Gesicht der Abberufung. Tie Umkehr, die er brachte, hat er somit selbst in seinein Wort und durch sein Wort gegeben. Daß er zugleich der Priester unter den Kündern war, verweist in die zeitlichen und gläubigen Bereiche der Umbildung von Lehre und Volk nach der Berb,nmung. Hier wollten wir den Rnser zur selbstbesinnlichen, selbstbestimmlicheu Umkehr erkennen in seiner übermenschlichen Menschlichkeit. s.k. Theodor: Herzl Anläßlich der Wiederkehr seines 30. Todestages veranstaltete die Berliner Zionistische Bereinigung eine Feier, mit der sie das Andenken Theodor Herz l s beging und deren geistiges Herzstück die Rede-von Rabbiner Tr. Joachim Prinz bildete. Sie bot einen emphatisch vorgetragenen Ausriß und gab zu innerer Auseinandersetzung vielfachen Anlaß. Tas Leben des mit 44 Jahren verstorbenen Herz! war 35 Jahre hindurch das Leben eines Menschen, der keine innere Beziehung zu seinem Judentum hatte. Aber die nenn Jahre, die ihm blieben,' waren erfüllt von dem Ringen um die Lösung der Jndeufrage. Hcrzl sah diese -Lösung auf pölitischeru Gebiet . und die Konzeption. die - er ihr gab, entsprang der Judennvt seiner Zeit, war eine geschichtliche Synopse des Judenschicksals in zwei Jahrtausenden.' Tie Einseitigkeit, in der er die Idee des politischen Zionismus schuf, ist Größe und Grenze dieses Mannes zugleich. Tie Ablehnung, die ihm das Judentum Westeuropas bereitete, "war geistig notwendig, weil Herzls Argumentationen aus einer Ebene sich beU'c'gten, auf die das emanzipierte und — in nur noch höchst subliiuierter Form — religiöskulturell gerichtete Judentum ihm nicht folgen konnte. Wir. deren Arbeit heute unter einem anderen Bilde von jüdischer Zukunft geschieht, sehen in der in ihrer Geschlossenheit grandiosen These Theodor Herzls nicht die Lösung der Judenfrage, die uns eine Jndeutnmssrage ist: wie wir unserem Leben in dem allgemeinen geistigen Bezirk Deutschlands und Europas eine schöpferisch-jüdische Begründung zu geben vermöchten. Im letzten Grunde ist es die Unterschiedlichkeit in der Deutung der indischen Geschichte, die uns von Herz-l trennt. Tie Teutuug Herzls ist, das UHJU Ult UIMW» .muiUlCS, NM Ohl der Fülle jüdischer Substanz heraus cefAnS? Darum hat schon früh Achad Haam fehl & mit der Idee des kulturellen Zionismus weiter führen müssen. Unzweifelhaft enthält das skr!! einseitige Bekenntnis zu Herz! die gcsamtjüdiscko nicht allem - zwmstische Gefahr, daß die iW,™ nach der seelischen Existenz des Juden in dcr Gcgemvart des 20. Jahrhunderts auch weiterlüi« ungelöst bleibt und hinter der Diskussion üb*c realpolitische Möglichkeiten znrücttritt. Hier lM für' uns die eigentliche Polarität. Prinz W«. sie in seinem Vortrage nur eben angedeutet und die längst von der Wirklichkeit der Tinge über, holte Antithese zwischen einem westleri'sch ^r. ' fallencn und einem wesensdewußtcu Judeniuur ausgestellt. Ludwig Hardt las meisterhaft aus Herzls „Jndcnstaat". K.J.R.' Tie Herzl-Feier wurde durch musikalische Vor. träge eingeleitet und ausgestaltet. Tas Orä>'ster des Kulturbundes spielte unter Miclpel Taube Eluü-z Ouvertüre zur .Iphigenie in Autis", ein schlich'.er und würdiger Auftakt; Taube nahm das Allegro derart gehalten, daß der Gegensatz langsam, schall, langsam, der für diesen Ouvertürentnpns so teinü zeichnend ist, verlorenging. Beim Andante ans Beethovens Sinfonie hätte man sich das Zeitmaße:,', heitlichcr gedacht. Tagegen holte der Dirigent die große, breite Kantilene mit Erfolg heraus. Er. griffen und darum ergreifend sang Oberkantor xeo Gvllanin „ei mole rachamim“ und sagte Kaddisch. Unter klug disponierender Leitung von Tr. Hnis 'Nathan kam ein Sprechchor mit Orchester zur Aui. führnng. Tic benutzten Kunstmittel (Worte ven Joachim Prinz, Musik von Berthold Goldschm-'dy dienen ansschtießlich der Unterstreichung der poh. tischen Pirole des Zionismus, auf dessen Freunde die ungemein essettvvlle Arbeit suggestiv wirkte. L. A. CH. N. Bialik Die Bialik-Gedenkseier der Berliner Zionistischen Vereinigung gestaltete in Wort. Lied und Rezitation ein 'außerordentlich eindrucksvolles Bild des verstorbenen Dichters. Lehrers und Mahners. Nach einer von Tr. Haus Nathan in wnrlsamer Weise zu Gehör gebrachten muntae lischen Einleitung sprach Frau Edith Herrnsta d t - O e t t i n ge n Bialiks dichterisches Vermächtnis:- „N a ch m einem Tod c" in deutscher und hebräischer Sprache. Die Gedenkrede hielt Dr. Ernst Simon. Nach einer hebräischen Einleitung, die des Dichters Verhältnis zur hebräischen Sprache behandelte, stellte der Redner das äußere und das innere Schicksal eines großen Menschen vor seine Zuhörer hin. der Zeit seines Lebens kein Beweger roar, sondern ein Betrachters Sein Leben erfüllte sich „ans der Schwelle des Lehrhauses". weil sein frühes Streben aus der Enge des Cheder in die Weite des Lebens und weil sein späteres Sehnen zurück in das Lehrhaus gerichtet war. ohne daß er in beiden Phasen der Entwicklung das Ziel in seiner Ganzheit gewann^ Tom heutigen Palästina sei, so führte Dr. Simon weiter aus, in Bialik ein großer, von innen sprechender Mahner und Warner gestorben, eine der wenigen, so dringend notwendigen großen moralischen Kräfte dieser Epoche seines Ausbau-:. Paula Lind borg sang sodann mit inniger Wärme und herrlicher Klaugschvuheit Lieder zu Bialilschen Gedichten. Zwei gesprochene Gedichte und der Vortrag von „HI male raebamm" durch Oberkantor Karl N e u m a n n schlossen die starte und würdige Feierstunde. E. R.-J. WS 5cr Gemeinde Sambuca Isaak MoseS, Hamburg, das langjährige Vor. standsmitglied der deutsch - israelitischen Ec- „winde, starb im Alter von 73 Jahren. Er war Vorsteher der bekannten Kohlhvfen-Synagoge in Hainburg. Seine schlvere Pflicht als Abteilungleiter der Beerdigungsgefell schuft der den! ichisraelitischen Geineinde hat er' stets mit bewum dcrnswerter Anfopsernng erfüllt. Otto Joshua beging kürzlich seinen 70. Ec. bnrtstag. Ter Jubilar, der jahrelang im Vorstand des deutsch-israelitifchcu Synagogen« Verbandes tätig war, ist feit über 20 Jahre Verwalter des Altcnhanses der Hamburger deutsch« israelitischen Geineinde. " II. ij nicht abgegolten sein. Denn der Kulturbund wird seine jüdische Mission nur dann erfüllen und den jüdischen Musikern wird auch oder gerade wirtschaftlich nur dann geholfen sein, wenn jüdische Musik nicht nur gelegentlich auch gebracht wird, sondern wenn hier eine systematische Pflege einsetzt. Den Willen dazu hat der Kulturbund bekundet, als er vpr einiger Zeit für Matineen mit nur jüdischer Musik an die Anteilnahme der Mitglieder appellierte. Die alte Erfahrung, daß das Publikum für Konzerte mit ausschließlich unbekannten Stücken nicht zu gewinnen ist, scheint sich auch diesmal — wie vvrauszusehen — bestätigt zu haben. Um so eindringlicher muß der Wunsch geäußert werden, daß neue jüdische Musik in den regelmäßigen Konzerten den gebührenden Raum erhält. Das Programm, das vom Rosö-Trio diesen Monat gespielt wird, regt dazu an, in früheren Heften zu blättern, in denen ähnliche Ensembles angezeigt sind. Das Eisner-, das Goldbcrg-, das Wittenberg-Trio, der Brahms- Abend im April: immer dasselbe Programm, das Stück Musikgeschichte, das bei Haydn anfüngt und bei Brahms aushört. Ich brauche nicht hinzuzufügen, daß das mit meiner ehrfürchtigen Liebe für die Werke selber nichts ju tun hat. Sie sollen und müssen weiter gespielt werden, aber jüdische Musik auch und mehr als bisher. Man setze an Stelle eines klassischen oder romantischen Stückes jedesmal ein neues Trio oder ein Quartett oder ein paar Lieder. Denn sicher bin ich darin mit der Kulturbnndleitung einig: Für jüdische Musiker einzutreten und ihnen zu helfen ist nicht nur die Pflicht, sondern zugleich das schönste Recht des'Kulturbundes. Vielleicht wird hier eingewandt werden, daß man im Sommer dem Publikum nichts Problematisches habe bieten wollen. Darauf wäre zu antworten, daß beim Kulturbund (Ut[ dem Gebiete der Kammermusik ein Unterschied zwischen Sommer- und Winter- Programm nicht feststellbar ist. Auch warne ich vor einer Gleichsetzung: populär und bekannt ist noch nicht gleich entspannend oder gar unterhaltend. Musik des 19. Jahrhunderts ist durchaus Erlebnismusik. Sie ermöglicht daher nicht Entspannung beim Hörer, sondern fordert geradezu — stärker als jede andere Zeit — das Erlebnis, die angespannte^ Intensität beim Publikum, sonst geht die eigentliche Wirkung verloren. Bon diesen Fragen bleibt die Bewertung der reprodilktiven Leistung des Ros6-Trios — Wolfganh RosH (Klavier), Alexander Jntrator (Violine), Leo Nostal (Cello) — unberührt. Es musizierten drei musikalische Menschen sauber und richtig in Ausdruck und Auffassung. Der Geiger sollte gelegentliches Herüberziehen der Töne vermeiden. Ludwig Altmann Kulturarbeit in CüdmVMGland Auf Anregung der Mannheimer, Karlsruher und Psvrzheimer Kulturorganisationen fand jüngst m Karlsruhe unter dem Vorsitz von Emil L e v i n g e r (Pforzheim) eine Tagung der Vertreter südwestdeutscher Kulturorganisationen statt. Auf dieser Tagung wurden u. a. folgende Be chlüsse gefaßt:; " Die jüdischen Kulturorganisationen der südwest. jüdischen Gemeinden bilden eine . Tie Aufgaben der Arbeitsen in der Förderung der den deutschen größeren Arbeitsgemeinschaft gemeinschaft beffeft einzelnen jüdischen Organisationen obliegenden fulturcllcn Ausgaben, in der Arbeitsbeschaffung st'w i die kulturell tätigen jüdischen Kräfte und in ber l Betreuung kleinerer Gemeinden. An der Arbeit---; gemeinschaft können sich die südwestdeuticheu Eer meindeu durch Beitritt beteiligen. Tie au-.? geschlossenen Gemeinden bzw. Organisationen j wahren im Nahmen der Arbeitsgemeinschaft ihre , volle Selbständigkeit. Mannheim wurde zum; Borort bestimmt. Ter Arbeitsgemeinschaft sind t bisher die Gemeinden bzw. Organisationen von Bruchsal. Freiburg i. B., Heilbronu, Karlsruhe. j Konstanz, Mannheim, Pforzheim und Stuttgart beigetreten; außerdem sind Kaiserslautern und Wvrws; der Arbeitsgemeinschaft augeschlosseu. ,; In den Hauptausschuß der Arbeitsgeiiieinschist t wurden delegiert: Rlustkdirektvr Adler (5tuttflört), Tr.-Ing. Richard Fuch s lKarlsruheJ Emu; Levinger (Pforzheims. Tr. B. Stein sManii- ■ heim) und H. Wols (Heilbronu). Dem Fachausschuß gehören bisher an: Kapell» meister S i n z h e i m e r J.R'annheiins und Professor Dr. B i l l i g h e i m e r (füiannljeim). * Als geschäftsführender Ausschuß figuriert der Arbeitsausschuß der Arbeitsgemeinschaft, der jüdischen Bereinigungen Nüumheims, bestehend aus Fritz D! a y. Tr. L u ß h e i m e r und Bankotreftor Rudi Kuhn. Tie Eeschäst-ssielle wird von Kurt ta o n n e m a n n (Mannheim, Heiurich°Ln»Z' Straße 34) geleitet. an die University of Chicago für das Fach oc medizinftchen Röntgenologie "berufen, zugleich^.^ rektor der Röntgenabteilung am Mount smc Hospital geworden. Dr. Eohn stand 33 Jahre »r Dienste der Stadt Berlin, seit 1900 als ding. Acder Röntgenabteilung am Krankenhaus Moabit, vo- 1923 an am Horst-Wessel-Kraukenhaus.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.