Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 28 (12.7.1934)
- Date
- 1934-07-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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gegenüber, den sie auch den Juden angede'chen ließ. Die Stellung der Juden war durchaus nicht in allen Stödten gleich. Schon die unklaren Rechtsverhält, nisse gaben dauernden Anlaß zu Reibereien: wem sie nun eigentlich untertänig waren, der Stadt oder dem Stadtherren, ob das nun der Bischof, der Fürst oder der Kaiser war. Immer mehr allerdings gerieten sie in die Abhängigkeit der Stadt, oft auf eigenen Wunsch, weil ein naher Rat besseren Schutz gewähren konnte als ein ferner Herr. Eine schwierige Frage war die Zugehörigkeit zur städtischen Gerichtsbarkeit. Tie Juden hatten mit ihrer autonamen Gemcindeverfassung auch die Autonomie in Gerichtssachen, zum mindesten von Juden untereinander. Für Streitigkeiten zwischen Juden und Christen war ein besonderer Jndenrichtcr vom Kaiser. Bischof usw. eingesetzt worden der auf dem Schulhof mit Schöffen — Christen und Juden in gleicher Zahl — Recht svrach. Rur in den Fragen der höheren Gerichtsbarkeit unterstanden sie ' den christlichen Gerichten. So war die Lage im allgemeinen, aber auch sie schwankt zwischen der wirklich autonomen Gerichtsveisassung bis zur fast völligen Unterwerfung durch die Ttadt. die natürlich das Bcstreben hatte, ihre juristische Kompetenz möglichst zu erweitern. Je ficijcrcr die Stellung der Städte wird, desto freier und selbständiger können sie den Juden gegenüber anstretcn. Wo eigene autonome Gerichtsstände ausgebildct werden, werden die Juden einfach vorgeladen. Ter städtische Richter zugleich als Jndenrichtcr belvrnrut das Recht der Entscheidung. War der Schutz, den der Rat den Juden erteilte, zunächst ohne besondere Urkunde erfolgt wie jedem seiner Bürger gegenüber, so änderte sich das jetzl. Sicher auch auf das Betreiben der Juden, die bei der allgemein herrschenden Unsicherheit, unter der sic inehr als andere zu leiden hatten, einem Schutz ohne besonderes Versprechen nicht trauten, darum oft aiisdrücklich um Benrlnndung baten. Tazn kamen eigene Interessen der Stadt. Als um 3 -',;,«> ans fast allen Städten die Inden vertrieben ivorden waren und dann häufig aus eigenen Wunsch oder ans ausdrückliche Aufforderung von seilen der Stadt zurückkehlten, da war es vorbei mit der selbstverständlichen Ausnahme, da wurden die Urkunden aus bestiinint befristete Zeit unter bcstimmteu Bedingungen abgeschlossen. Seit den Kreuzzügen hatte sich auch die wirtschaftliche Stellwig der Juden stark verändert. Tas hing init der wirtschaitlichen Entwicklung der Umwell zusaiiimen. Tie stärlere Initiative zum Handel. die die Kreuzzüge «gebracht hatten, führte zu. engerem Zusammenschluß der Handwerker und Kausleute. zu Jnniuigen. Gilden und Zünften. Zll den Zünften und dergleichen litten die Juden keinen Zulritt: dies erklärt sich schon aus dem teilweise religiösen Charakter der Innungen. So verschwanden sie immer mehr von Märkten und Messen, während früher ihretwegen eine Messe vom Sabbat cuif emcn anderen Tag verlegt worden war. Auch von den größeren Kausinannsgilden, die den überseeischen -Handel vor allem an der Nord, und Ostseelüste in der Hand hakten, waren sie ausgeschlossen, danül von dieiein Handel überhaupt. So wurden sie auf die Geldleihe, den Wucher gedrängt, um so mehr als jetzt auch die kanonischen Zinsverbote für Christen verschärf! wurden. Zahlreiche Privilegien üchcrn ihnen hohen Zins und obrigkeitliche Hilfe für das Durchsetzen ihrer Ansprüche. Allgemein '.var es die Pfandleihe, die die Juden betrieben. Aus dem Gefühl ihrer besonderen Unsicherheit und Rechtlosigkeit heraus folgte das Bedürfnis nach besonderer Sicherstellung. Man lieh ans Grundstücke oder laufende Einkünfte. Tie kleinen Leute auf'ihre kicunen Veutzüücke. Konnten die Pfänder nicht eingclost werden, so gingen sie in den Besitz der Juden üoer. Turans entwickelte sich wiederum eine Art Warenhandel, eher Trödelhandel, der für die späte» reu Jahrhunderte charakteristisch werden sollte. Gegen den Warenhandel wandten sich vor allem die Handwerker der Zünfte als gegen ein Uebergreifen in ihr Gebiet. Diese Klagen treten im 15. Jahrhundert in fast allen Beschwerden gegen die Juden auf, die in gewissem Sinne durch die Freiheit vou Zunstregeln im Vorteil waren. Sic konnten sich leichter umstellen, konnten, wie es u. a. von Regensburg gegen Ende des 15. Jahrhunderts bezeugt ist. zu den Käufern gehen, wenn diese nicht zu ihnen kamen, konnten auch billiger verkaufen, da sie nicht au die nornnerteu Preise der Zünfte gebunden waren. Dafür fehlte ihnen der sichere Rückhalt. In dem Maße, in dem sie hier mit den Kleinbürgern in Kollision gerieten, kamen sie auch den großen Geldunteruehmern, die gerade jetzt in Italien und Tentschland aufkamen, ins Gehege. Das Zinsverbot wurde von christlichen Kauflenten. wie den Lombarden, immer mehr umgangen und auf. gelöst, um die Wende des 14. und 15. Jahrhunderts kaum mehr beachtet. Auch hier wurden die Juden zu unerwünschten Konkurrenten, wo sie einst als unentbehrliche Vermittler Heraugerusen worden waren. Bemerkenswert war, daß man ihnen weder den Warenhandel noch das Tarlehnsgefchäft ganz verbot, „sondern mit einem Minimum sreigab". ^arum folgte „die Zwitterstellung zwischen Warentrödel und Geldhandel", die die wirtschaftliche Situation der Juden für die nächsten Jahrhunderte kelinzeichnen. Selten hat man im Verlauf der jüdischen Ge» schichte den Eindruck so verzweifelter Ohnmacht wie in diesen drei Jahrhunderten. Tiefer Zustand drückt sich auch im geistigen Leben ans. Don den großen Fragen, die in diesen Jahrhunderten die südfranzösische und spanische Judcnheit bewegen, fehlt in Tentschland jeder Widerhall. Hier durfte nur Gott und das Gesetz lebendig sein/als letzter Sinn, als letzte Begründung. Hatte das Elend der Krenzzugszeit Riederschlag in Traucrlicderu und Gesängen gesunden, so verstummte auch diese, starres Festhalten an dev Tradition, Ziisammenfassnng und Wiederzusaminensassung der Vorschrif. ten früherer Zeiten füllten das geistige Leben vvllig ans.^ In Litten uild Mvralschriften erschöpfte sich die Schaffenskraft. Als eine der stärksten Persönlichkeiten um das Ende des 13. Jahrhunderts erscheint Rabbi Meir Don Rothenburg. Don seiner^ Schule aus gingen Responsen in die gailze jüdische Welt, sein Sitz war eine Jeitlang die höchste Gerichtsinstanz für die Inden Teutschlands. Er hatte in seiner Jugend die Talnuidberbrennnng in Paris <1241) mitcrlebt. Tic näcfjftc Seit brachte wohl hervorragende Gesetzeslehrcr. große Rabbiner wie Joseph Taku. Mordcchai b. Hillel, Israel Jsscrlin und andere. Aber irgendeine schöpferische Bedeutung fällt diesen Jahrhunderten nicht zu. Tie Kraft war ausgezehrt in der „passiven Resistenz", sic langte nicht mehr zu produktiver Gestaltung des Elends. Lief so das geistige Schaffen nur in den alten Dahnen, ohne eigeile Initiative weiter, so versucht^ man wenigstens die Gemeiildeorganisationen als Lchntz gegen das Entsetzen von außen weiter zll gestalten. Im Mittelpunkt der Selbstverwaltung stand das geistliche und gerichtliche Organ, dev Rabbiner, dev auch häufig die Gemeinde nach außen vertrat. Ihm zur Seite stand der Gemeinderat mit feinen Vorstehern, die von allen steuerpflichtigen Mitgliedern der Gemeinde gewählt wurden. Versaminlung und Räte hatten die Aeltesten, Kantoren und Verwaltnngsbeamte (Gabbaim) zu ernennen, Wohltätigkeitskassen zrr gründen u. ä. m. Ta die Steuerlast aus dev Gemeinde als Ganzem lastete, kam es vor, daß der Kaiser mehrere Gemeinden einer Propinz zu Tagungen zufammenrief, damit sie über die Steuerverteilnng berieten. Alif diesen zli rein steuerlichen Zwecken zusammengerirfencu Tagungen wurden dann auch eigene Angelegenheiten besprochen. Auf diesen wie auf den Landeskoufevenzeu der Rabbiner und Gemerndevertreter (u. a. 12^3 in Mainz) wurde der Versuch cmcr Zufan^ inen fa sinn g der Gemeinden Tcutschlaiids zu einem einheitlichen Verbände gemacht, prägen bin. religiösen Praxis, Geineindeangclegenheit i, «Mhing zur Umwelt standen;«m Alnttclpinut. -ah der Kaiser von sich aus eine Regelung^versuchte, zeigt der Versuch Rnpprechts, 1407 nach ipamlchem Neuster einen Oberrabbiner einznsühren. dcsten Autorität sämtliche Gemeinden müerworsen |cw sollten. Hier war wohl das slslahiege Jnteresie vorherrschend, einen Steuereinnehmer mit der Autorität des Rabbiners einzusetzen, eine Der- Mischung, gegen die die Inden e:nstlnunlg piotestierten. Keine Gemeinde befolgte dw .Anweisungen Rabbi Israels, er nui'zte zinucktreten. Zlvar war die Gemeinde eine in gewissem Linm. freiwillige Institution, stand dem. Rabbiner nur die moralische Strafe der Chcrem zur Verfügung, aber die Juden wußten, das; ihr einziger Halt da» gemeinsame Studium und ihr enger Zusammenhalt waren. Tic Jahrhunderte von 1200 bis 1500 hatten eine Katastrophe nach der andern gebracht, lim 1000 wurden die Juden ans England, »in 1lo0 ans Frankreich. um 1500 ans Spanien vertrieben, die Inden Deutschlands in den Verfolgungen zur Bedeutungslosigkeit verurteil!. Das Zentrum jüdischen Lebens und jüdischer Kultur beginnt sich um das Ende unseres Zeitabschnittes nach dem m N. BsMM EdsWM Vor wenigen Wochen ist in Budapest Tr. Berthold Edelstein, Oberrabbiner der Budapester- Ofener jüdischen Gemeinde zu Grabe ^getragen worden, innigst betrauert von zahlreichen Schülern. Getreuen und den durch seine großzügige Wohltätigkeit Bedachten. Tr. Edelstein wurde 1S76 zu Obnda-Alloseu geboren. Seine Ausbildung erhielt er in der vorzüglichen ungarischen Landcsrabbin'erschnle. Von: Jahre 1001 an bis zur letzten Stunde seines Lebens war er im Dienste dev Budapester Gemeinde, als Professor. Rabbiner, Leiter der . Talmud Tora, Schulausseher hingebungsvoll tätig. Als Schulaufsehcr eignete ihm eine wunderbare Kenntnis dev Personen und Anstalten der idealen Forderungen und der realen -Möglichkeiten. Sein scharfer Vlict. sein klares Urteil, vorzüglich aber sein nngewölnilich reicher Geist und sein Humor halfen ihm über die oft schier erdrückenden Schwierigkeiten hinweg, mit denen das Judentum und seine Gemeinde in dev jüngsten Vergangenheit zu Pämpsen hatte. Edelstein bewährte'' sich auch als Schriftsteller des Gemeindeblattes der Budapester Gemeinde. Seit 1921 wirkte er als Professor an der Landesrabbiner, schule, die ihn erzogen hatte: er unterrichtete Bibel. Talmud. Tezisoreu. jüdische Geschichte, hebräisclie uud aramäische Grammatik. Glaubenslehre, Methodik des Religionsunterrichts. Im Jahre 1927 besuchte Edclsteiu das Heilige Land. Seitdem waren seine Vorträge, Reden und Schriften von den tiefen Eindrücken dieser Reise durchdrungen. Tr. Edelstein war Mitarbeiter zahlreicher ungarischer und einiger deutscher Zeitschriften sowie der Enchclopaedia Judaira. Auch die „E.-V.-Zeitimg" verliert in dem Heimgegangenen einen zuverlässigen Freund und Berichterstatter. B. H. Dr. mcd. Willi Michaelis (Leipzig), der bis zum Jahre 1933 Vorützender des Tenlschen Aerzte-Bundes zur Förderung der Leibesübungen rvar. ist von dem Italienischen Sportärztevund. der „Federa/ione italia no mediei doch! spovtivi", 311111 Ehrenmitglied ernannt worden. Schachtrufgabe Nr. 13 von S. Notcnstcin (Berlin) Mott in zwei Züge, Wd.-M I.'I7. Tdl. LliO, si,;( . Sei. BW 17) Schwarz: Kf'1 1, T08.!. Shl, SfS . Ba7, <10 . r«, f2 G) Tie Lösung und die '.Uomen der Löser brr Ausgabe Rr. 12 werden wir in der nächsten Sch.wjsvatte bringen. Ans Wunsch des Autors dieser Ausgadr ist in der Diagramm-Stellung ein schwarzer Sl>z hun zu zu fügen. Weitere richtige Lösungen von Rr. N sandlen ein: Julius Ealm ipKeuwiedh Helwig Kahn i.flohO. Susanne Ea sporn. Rechtsanwalt Ludwig '.Bayer. Willy 'Michaelis «Berlin 1. Haus Tavid ,Ha,»tulrg>. H. Lindner «Burgliinstadl 1. Tr. med. Hermann Löl> «Bochum). Sanitätsrat Tr. Ritterband fLstervde». Tr. med. Witlielur Rosenberg «'Pforzheim). Tr. ineb. Hans Schlesinger «.Mannheim). S chachbriesk 0 st c n. Justi.zrat Al. H. «Bamberg i. 'Besten Tank für leiste Aiitieiluug. Wir werden die 'Ausgabe bringen. — Rechtsanwalt L. 'Hi. >-Berlin''. Besten Tank hiv die stufend,ing. Leider ist die 'Ausgabe nicln verwendbar Bei einein .Seist!- matt" sind die stüge von Schwarz erzwungen-, Schwarz hat keine Wahl, andere stüge .zu machen, sondern wird -- gegen seinen Willen — gezwungen, den weißen König matt zu sehen. Ter schivarzc Tl,s in der 'Ausgabe 'Ar. lt verhindert die 'Aebenlösung I. S*:f*>—l'S, 2. l.gd- 1,7 matt, indem er nach!>7 zieht. Ter andere Turm würde dies Blatt zwar auch ve> bindern können, aber dann st. I-vN-.h; mal! zulasten. — Bl. L. «Krefetdu Besten Tank für weitere ^Zusendung. Sie erhalten noch Besclieid. Schachnachrichten E r sl e B c r t i u e r s ü d i s ch e S ch a ö, - m c i Ü e r s cli a s l . veranstaltet von der Schlich, «ststeitnng des JTSE Bar-stoc!,ba-Hakoah. Ja der zwölften Runde .gewannen Benkö gegen Scheyer. Krcisbera gegen Tr. Le-Finith. Wimhkch gegen Lerandrowitsch und Rosenbauin gegen Epstein. Ter gegenwärtige Stand ist demnach in der ersten Almje. Winihki l l'G. Braun 9'-lst). Benkö Kreisberg (st: in der zweiten K'asse: 'Alster ll. Tr. Albert s'. und Schwalb 8 Blinkte. Spielabende Blmrtag und Sonnabend ab Sst llyr im jüdischen Restaurant Hermann, Jägerstraße IS, t'ste Friedrichstraßc. W M FllDAcg Jda Dppenhei m geb. Goldjcliinidt «Rahden x. Wch begelst ain lst. Juli ihren Geburtslag. - Willy Lehmann «.Berlin! wird cim K>. Jul« 70 Jahre alt. — Biar Lieb m a n n t'Berlin> feiert am 5. Juli seinen 70. Geburtstag. — Tberste T a n n e n b a 11 m «ifriurtk feiert am 8. In!« «inen 80. Geburtstag. — Bloriy H «' p P e i.Berlin-H.stensee' wird am 14. Jnti 70 Jayre alt. - Bertha B! ü t b geb. Buhet «'Eisenach) wird am st7. Juli 8«' Ja!!re alt. — Ludwig L i 1 i e n t lz a l und Iran Trrilie geb. Frankenftein (Tvrtmund) feiern am >5. Juli tzire goldene Hochzeil. — Blar Lind a »er «Btannh'.'ii'O feierte sein äojähriges Gesrliäilsjubiläuin bei der Firma Blech. Weberei ..Süßen". Süßen-Würiibg- — Julius R eisend e r g «Jserlolin'« ivurde na.st seiner .'Bsährigen Zugehörigkeit zum Iserlohner Bürger- Schühenverein zu dessen Ehrenmitglied ernannt. -- Adolf Eoyen (Eastrop-Ranre! > langjähriges Borstandsinitglied der dvrligen Gemeinde, ist ge'ü'rorn. Ren mm g seines Namens — viel für Björnscm übersetzt: er wurde auch Mitarbeiter an der im Verlags S. Fischer erschienenen Björnson - Ausstobc. ^„Mein lieber, mein innerlichst lieber s'.rcund", fäzrcibt Björnson an Mar Bamberger nach dem Tode von dessen Frau, „ich war nie in einem herzensivärinercn Heim, in einer selbstloseren Freundschaft." Und er fügt hinzu: „Ich rate Ihnen zu einer Nundreisc zu Ihren -Freunden. Ans Ihrer Reise müssen «ie Aulestad nicht bergessen. Wir werden uns alle Blühe geben. Ihnen ctioas von der Güte zu vergelten, die Sie ' und Ihre Frau uns erwiesen haben." In den obengenannten Eriiiuerungen wird das Ehepaar Björnson u. n. folgendermaßen charakterisiert: „Sein Hauptgebot für sich war: liebe deinen Nächsten wie dich selbst; sein Motto: i«ch kämpfe ohne jeden Haß! Taß ein Eeisteslämpser wie Björnson. der sich unbedingt selbst jedes auch nur unterdrückt Scheinenden anuahm. keine Vorurteile hatte, ist wohl natürlich. Von den vielen Zeitungsartikeln, die ich für ihn übertrug, möchte ich die in der Zeitschrift „März" erschienenen über Ungarn und „Trehfuß der Jude" ihrer Wucht und Plastik wegen hervorhcben. Ter Empsangsabcnd, den er für Trehfuß veranstaltete, war der interessanteste, den ich in großer Gesellschaft in seinem Hause verlebte. Seine Haiiplcharakterzüge waren eine unendliche Güte und eine bei seiner machtvollen Figur fast rührende Kindlichkeit im Glauben an die Mcns«hcn. Tazn kam das ungemein impulsive Temperament. und aus all diesem ist auch wohl lein köstlich unpraktischer «sinn für das direkt Real -?clltägliche verständlich. Er ließ sich nach jeder Richtung pekuniär und literarisch mißbramzen. Seiner überaus tüchtigen Frau hat er es zu verdanken, das; er wirklich oft nicht ganz ansgc'beutet wurde. So wird erzählt, daß wieder einmal ein Bettelbrief an ihn kam und sie ihm fnate: „Aber Björnstjerne. du darfst doch nicht immer und immer geben; bedenke doch, wir haben Kinder!" „Ja. Caroline, du hast ganz recht. Aber lies nur mal. was der Mann schreibt: diesmal müssen wir ihm doch geben." Und so wird es wohl später immer bei dem „Ticsmal" geblieben fein. „Frau Caroline war in äußerer Erscheinung eine mittelgroße, etwas breite, bildschöne alte Frau. Ihre sehr starke Schwerhörigkeit verhinderte jede längere, eingehendere Unterhaltung, zumal eine Unterhaltung in einer ihr fremderen Sprache. Aus lleinbürgerlicher Familie hervorgegangen, hatte sie die 'Muren einer wirklich vornehmen Lame. Ihr Lächeln war geradezu reizend. Ab und zu begleitete sie ihren Alaun bei den Besuchen zu uns. Es heißt, Björnson hätte sie auf der Natronalbühne in Bergen, deren Regisseur und Tramaturg er war, kennen gelernt. Sie wollte Schauspielerin werden. Man erzählt, daß sie nach einem Fiasko weinend von der Szene abgetreten wäre und daß Björnson in den Kulissen gestanden und die Arme ausaebreitct hätte: „Komm her, Caroline!" Die Wahl war eine vortreffliche, wohl die einzig möglich glücklillze. Ganz leicht war die Stellung als Björnsons Gattin kaum, auch abgesehen davon, daß sie, wie schon früher angedeuiet, die Finanzangelegenherten des Hauses in die resolute Hand nahm. Tas war um so mehr nötig, als die königliche Freigebigkeit des Gatten Summen verschlang. Ich. kann mir gut vorstellen, daß die Zeit, in der das Ehepaar noch in bescheidenen Vermögensverhältnissen lebte, bei dem sanguinischen Tempera- - ment Björnsons durchaus nicht die schlimmste war. Schon etwas später mag die Besitzung Aulestad mehr ideale Freuden als praktischen Nutzen gebracht haben, zumal bei der dort erwiesenen schrankenlosen Gastfreiheit. Jedenfalls war ihre ll'eberwachung seiner Ausgaben sehr nötig. Aber auch in seiner?lrbeit stand sie ihm öfter treu zur Seite. Er muß ihr viel diktiert haben: denn so manchen Artikel, den ich zu übersehen bekam, hat sie geschrieben. Sein Verhältnis zu ihr war ein denkbar inniges. Und sic war tatsächlich sein energischer guter Engel, ihr Bund ein wirklich gesegneter!" Hettn Bamborxer. Professor Jsfor 2ttkilo Momigliano, der einer in Italien hochangesehenen rabbrnifchen Familie angehört, wurde zum Professor für italienische Literatur an der Universität in Florenz, der Stadt Dantes, ernannt. Er ist der Nachfolger des großen Literarhistorikers Senator Manzoni, der die Altersgrenze erreicht hat. MMS« M m MMN Dieser Tage feil'rt E. S i r r> t a das Jubiläum seiner 30jührigen 'Tätigkeit als Kantor. . Jyin zu Ehren — Sirvta ist als hervorragender Künstler seiner Art weltberühmt geworden — fand im Warschauer Kolosseum ein Konzert statt, in dem die Dberkantoren der Londoner, 'Manchesterer, Wilnaer Synagogen, Tvernsänger der polnischen und russischen Operntheater, 'der berühmte jüdische Bolksliedersänger Äc. Kivuls u. a. mitwirkten. Dieses Jubiläumskoiizert. vor allem aber der Jubilar, ist so außerordentlich, das; cs uns alS Ehrenpflicht erscheint, uns auf unsere Weise den Gratulanten anznschließen. Biographisches Sirota stammt ans einem kleinen Rest in der Ukraine. Sein Vater war Kantor. Trotzdem ließ er den Sohn, dessen Stimme selbst für östliche Derhältnisse ungewöhnlich grüß und schön war (und noch viel schöner und größer wurde) nicht ausbilden. Tcr junge Sirota wurde also auch „nur ein Ehasen". Ein Autodidakt, und zwar einer von unbändiger Leidenschist zu seiner Musik. Er heiratete mit sechzehn Jahren, iveil er nur als verheirateter Mann an den hohen Feiertagen vorbeten durste! Sirota und Caruso Und doch wurde er verhältnismäßig rasllz bekannt. Man berief ihn als Oberkantor nach Wilna (wo noch. viele jüdische und mchtjüdische deutsche Soldaten im Krieg seine Stimme bewunderten), dann nach Warschau, wo er auch heute nocl) wirkt, und schon vor dein Kriege beganneii seine Konzertreisen, die ihn nach Rio wie nach Kapstadt, nach Sidneh wie nach New-Pork führten. Bor seinem ersten Konzert in Nciv-Pork kommt sein Dirigent Liow zu ihm hinter die ^Kulisse und sagt, unter den Zuhörern säßen Caruso und Toscanini. Da bekommt Sirota solches Lampenfieber, daß er zunächst nicht austreton kann. Schließlich sagt Liow. cs sei ihm wenigstens so vorgekommen als wenn irgendein Herr im Parkett eine aewisse Aebnlichkeit mit Caruso hätte. Er könne sich abcr auch geirrt haben. Sirota läßt sich beruhigen und tritt >un. T)^ rasenden Bei fall, nud dann tonimcn n arnin mB Toscaniui zu ihm und maihen ihm ihre Kmnpl!' mente. Es wurde dann eine Aninainne g«".uacist. und die Unterschrift enthielt nur die 'Ranicu itzrcr heften Gesänge: Sichrothi lerlui — La 'Vmn! « mobile. 125 000 Dollars Ein bekannter Warschauer Rechtsanwalt lawint ans Karlsbad, wendet sich an Sirota und trag' Oiiu folgendes vor. Er, der Anwalt, war in Kaitsbad mit dem Direktor der Rew-Porker Bietrop-'lu-in- Oper zusammen, und sie hörten zufällig ein«' Gm»" mophonausnahmL Sirvtas. Ter Direktor u>ar io begeistert von dieser Stimme, daß er Sirota den Antrag machen ließ, drei beliebige Opernrolsin zu studieren und sogleich an die 'iNetropvlitan-Oper zu kommen, für ein Jahresgchalt von 125 000 Tollars- Tas waren damals 525 000 Mark. Als Sirvtas Mutter das Härte, bekam sie beinahe einen Tobsuchjsmifall. „Um Hinnnekswilleu!" schrie sie ununterbrochen, „er nürd tanzen gehen mit fremden Madckjen!" Sirota lehnte das Angebot ab und blieb seinem srömlnercn Beruf treu Tiefe Treue wurde rout belohnt, denn die Warschauer Gemeinde erhöhte sein (nicht sehr hohes) Gehalt um 40 Rubel irwimtlich. Tas waren damals achtzig iUarl. Die Stimme DcS Herrn Nach einem Konzert in London wurde cstrotn bom Rabbi Naphtali Herz Adler cingeladen. Gleicrj AU Beginn ihrer Unterhaltung geriet er in einige Aufregung, als der Rabbiner llyi fragte, ob er Englisch spräche. Er hätte wohl, da er Robbmer ist und ich Ehasen — erzählt Sirota —, Unr uns ganz privatim unterhielten, fragen können, ob ich jiddisch oder hebräisch spreche, aberenglisch? Und ich bemerkte ganz kalt- Ich bm kauR eine Woche hier, und selbst für einen Mruscheu m:t