Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 28 (12.7.1934)
- Date
- 1934-07-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2278044-2278072--08689-2289730- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Klapptür, die den Sprechenden nur knapp bis .zur Lüfte hinunter deckt und feine Beine frei 'auf die Straße hinausragen läßt. Aber der Schwede ist gewohnt, sich ganz von den Geräuschen da draußen zu absorbieren und in fein Inneres zu verdenken. Gr hört das Brausen der Welt, aber er folgt ihm nicht immer. So macht er auch seinen Antifemitisnnrs auf eigene Art. Bisher haben nur wenige von ihm etwas verspürt. Sein Lauptkamps ' geht nicht immer gegen die Anden insgesamt, sondern oft nur gegen die „Einheitspreis- und die L-Verlagsjuden". Tic, zum Teil jüdischen, Einheitspreisgeschäfte erregen Unwillen wegen ihrer ganzen Struktur, der „T-Derlag", der schwedische „Ullstein", wegen seiner beherrschenden Stellung. Man verwehrt dem Juden keineswegs die Mitarbeit, auch nicht in kulturellen Tingen, doch fühlt das Volksempfinden gewisse am Ausstieg zur Spitze gelegene Grenzen, bis zu denen die jüdische Mitwirkung begrüßt wird. * Ter Nationalcharakter ist dem Prinzip der Mischungen durchaus nicht abhold, wie man schon aus den Mahlzeiten schließen kann. Dieser Vergleich ist nicht etwa banal, denn „in Deutschland ißt man, um zu leben, in Schweden aber lebt man. um zu essen", so daß die Speiseregcln beinahe zu Lebensrogeln werden. Man ißt alles durcheinander. Knäckebrot mit Butter vor der Suppe, zur Suppe, zum Fisch, das Kompott schwimmt in der Bralensvße, und der Käse begleitet uns vom ersten bis zum letzten Gang. Tie Einleitung aber, die berühmte Schwedenplatte (im Auslände nur sehr dürftig kopiert'), ist ein Uebersall unzähliger buntest gewürfelter Delikatessen aus unseren Magen. Eine Batterie blinkender Schälchen mit aller Art Eiern, Wurst, Mayonnaise, Hering, Lachs, Sardine. Pastete, kaltem Braten, Salat. Gurke, Käse baut sich aus den Tisch, — oder auch ein ganzes Gestell, „Appetit- Turm" genannt, von s dessen höchster - Etage man sich langsam nach unten hindurchißt wie durch den Eingang zum Schlaraffenland. Danach beginnt der.Hauptgansi. was der Neuling, während des viertelstündigen Vorspiels oft buchstäblich vergißt. Bei den häuslichen Mahlzeiten gibt es gewisse unantastbare Regeln, die für den Fremden beinahe Fallstricke sind. Bei jedem Mittag steht Branntwein-ans dem Tisch; das Fehlen dieser Gewohnheit läßt fast den Verdacht der Kreditunwürdigkeit auf» kommen. Niemals darf der Gast auf das Wohl der Hausfrau trinken! Die schöne Sitte, „der Blume die Blume" zu bringen, gilt in Schweden als höchste Taktlosigkeit, die Hausfrau bestimmt selbständig, ob s i e den Gästen zutrinken will. Tic Höflichkeit der Schweden ift manchmal nahezu erschreckend. Ich habe einmal einen harten Kampf mit einer Matrone ansgcfochten, die, weil sie mich als Ausländer erkannte, nicht zu bewegen war. vor mir den Fahrstuhl zu verlassen. Ich bin besiegt , als erster ausgestiegen. Vieles im schwedischen Charakter mutet wundersam, im Grunde äußerst sympathisch an. Aber es liegt etwas Zwiespältiges über dem ganzen Land, das, von ■ unserer Mittelzone ausgehend, sich in die geheimnisvollen Regionen des Nordens streckt. Tic Menschen des Nordens sind wie der Norden selber, frisch und klar, aber doch irgendwie verschleiert. Wenn auch die Stockholmer Mitternachtssonne eine Fabel ist, die Sommernächte werden nie ganz dunkel, schon um 1 Uhr kommt der Morgen und beständig steht ein leises Leuchten über der ganzen Nacht. Vielleicht werden in einem Lande, in dessen nördlichem Teile die Zeiten sich begegnen, auch die Menschen und ihre Temperamente näher aneinanderrücken. So darf man hoffen, daß die schwedischen Juden ihren engen Kontakt mit dem schwedischen Volke nicht verlieren werden. Sie klammern sich dabei an eine -Vorbedingung: ihren kleinen Kreitz nicht zu erweitern ... vr. Rudolf H. Heimansohn. Am 4. Juli kam aus Konstantinopel die Nachricht. daß einige hundert jüdische Familien, die in den Vororten Konstantinopels an den Tardanellcn wohnten, von den Behörden zum Verlassen ihrer Wohnstätten gezwungen worden seien. Tiefe jüdischen Familien könnten nichts von ihrer Habe mit sich nehmen: sie seien materiell ruiniert. Ihre Austreibung sei auf Grund eines überraschend publizierten Gesetzes erfolgt, das eine Einteilung der Türkei in drei Zonen vorsieht. Tie eine soll der türkischen Nasse Vorbehalten bleiben, die zweite ist für die Einwohner vorgesehen, die nach offizieller Version sich der türkischen Kultur assimilieren dürften, die dritte soll von allen Einwohnern nicht rein türkischer Kultur geräumt werden. Tiefe Maßnahmen hatten starkes Aufsehen erregt. Ter türkische Ministerpräsident hat jedoch die Vertreibung als einen ungesetzlichen Mißgriff bezeichnet, den der türkische Staat wieder gutmachen werde, und hat strenge Bestrafung jener Beamten nngetündigt, die die Vertreibung veranlaßt haben. In einem offiziellen Eonununique der türkischen Negierung wird diese Tarstellung ausgenommen und hinzugefügt. daß es sich um eine irrtümliche Auslegung gesetzlicher Bestimmungen handele. Tie türtn'che Gesandtschaft in London hat ebenfalls mitgeteilt. daß eine Anzahl jüdischer Bürger in gen'isien Brovinzen durch vollkommen falsche Maßnahinen der lokalen Behörden gezwungen tvurden, ihre Wohnstätten zu verlassen. Bei ihrer Ankunft in Stambul sei sofort ungeordnet worden, daß die Veranbvvrtlichen Behörden zur Rechenschaft gezogen würden, und die Regierung habe es den Juden freigestellt. in ihre .Heimatsorte zurückziikehren. Tie Iahl der Betroffenen übersteige nicht 100, und durch das Eingreifen der Regierung sei der Fall nunmehr erledigt. Zu welchen Folgen die Mißverständnisse geführt haben, zeigen Meldungen aus Griechenland. Tic Flüchtlinge, so erfährt die Jüdische Telegraphenagentur, sind aus dem Wege nach Konstantinopel in der griechischen Station Orestadia angekommen. Sie erzählen, daß sie Befehl erhalten. Habens binnen wenigen Stunden nach Konstantinopel abzureisen. Sie befinden sich in einer verzweifelten Lage. Die Männer wandern zu Fuß, für Frauen und Kinder stehen wenige Eisenbahnwagen zur Verfügung. Biele Flüchtlinge sind krank, drei Kinder sind unterwegs gestorben. Es wird befürchtet, daß die Vertreibung noch mehr Opfer gefordert hat. Tie täglich aus Adrianopel eintresfenden Züge, so meldet die JTa am 6. Juli, sind voll von jüdischen Frauen und Kindern, die mit unbestimmtem Reiseizel weitertransportiert werden. Sie berichten, daß die Männer in der Ortschaft Ouzoinkiiprn konzentriert wurden. Ihr Schicksal ist unbekannt. Eine Anzahl von Kindern wird vermißt. Alle Inden des türkischen Teils von Thrazien, so erzählen die Flüchtlinge, hätten ihre Wohnorte verlassen, nachdem sie ihre Habe zu Spottpreisen verkauft oder im Stiche gelassen hätten. Tie Eisenbahnstationen auf. dem Wege nach Konstantinopel seien von Tausenden von Juden überfüllt. MRMWZ Tagung der Weltoeceinigung für religiös-liberales Judentum in London London, den 10. Juli 1934 Tie dritte Konferenz der V/orlcl Union kor progressive ckudsi 8 m, die vom 0. bis )0. Juli 1934 wiederum in London stattfand, war dem Thema „.lullnism and Human I) e s l i n v“ gewidmet. Man wird der Behandlung des Themas gerecht, mcmt man es übersetzt: ..Tie Ansicht des Judentums über die Ausgabe der Menschen." Bezeichnend war, daß in heutiger Zeit Juden aus allen Ländern zusammenkamen. ohne auch nur ein einziges Wort über aktuelle politische Fragen zu sprechen: lediglich rein religiöse Probleme des einzelnen und der Welt wurden behandelt. In der ersten Sitzung war von dem Judentum und seiner Ansfassung von der Bestimmung des Menschengeschlechtes die Rede. Tas Hauptthema der zweiten Sitzung war die Ausgabe Israels als religiöser Gemeinschaft, während in der dritten Sitzung die Stellung des Judentums zu der Aufgabe des einzelnen Menschen erörtert wurde. Auf einem Iugendmeeting wurde darüber gesprochen, was die Jugend zum liberalen Judentum beitragen will. Alle Referate und Diskussionsreden waren getragen von einem Liefen religiösen Ringen und von einem hohen sittlichen Ernst, und es war interessant, wie jeder Redner die ihm gestellte Aufgabe anders anpackte und doch ein einziger gleichgestimmter Chor entstand. Besonders charakteristisch aber war die andere Sprache, die von den Vertretern der deutschen jüdischen Jugend, vor allem -Heinz Kellermann, auf dieser Tagung — gehämmert und gestählt durch ihre Erlebnisse und dadurch vertieft in der Art, die Tinge auszusassen und die Probleme zu stellen — zum Ausdruck gebracht wurde. Es mag vielleicht sein, daß ihre Worte von vielen Delegierten anderer Länder nicht vollauf verstauden und gewürdigt wurden; und doch brachten sie mit ihrem stürmischen Verlangen nach Autorität im liberalen Judentum und mit. ihrer Abkehr von der Willkür des Individuums eine besonders bemerkenswerte Note in. die Diskussion. Hier zeigten sich Ansatzpunkte zu einer neuen Entwicklung und zu Antworten, an die man weder im neunzehnten Jahrhundert noch zu .Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gedacht hätte ... Auch diese Zusammenkunft, lute die vorangehende, wurde ermöglicht durch die unermüdlichen Vorarbeiten von Miß Lily Montagu, deren Schaffenskraft und Idealismus der World Union ein wesentliches Gepräge gibt. Der Präsident der World Union, der ehrwürdige Claude <S. sJJiontcfiore, gab auch diesmal wieder in einer Begrüßungsansprache den Versammelten inhaltsreiche Geleitworte. p ErfteMs WWÜMMN. zu ckmr ZMWWrlöMg Im „Westfälischen Volksblatt" vom 80. Juni lesen wir unter der Uebersch'rift „Ein gemeiner Bubenstreich" folgenden Polizeibericht: In der Nacht vom 28. zum 29. Juni 1934 sind aus dem Friedhof der israelischen Gemeinde an der Warburger Landstraße msgesamt 54 Grabsteine gewaltsam umgestürzt und teilweise zerstört worden. Tie Kriminalpolizei hat sich sofort nach Bekanntwerden des abschenlichen Verbrechens an Ort und Stelle begeben ■ und die Tatspuren gesichert. Tie Fahndung nach den Tätern ist in vollem Gange. Die Bevölkcrung wird hiermit zur Mitarbeit au der Ermittlung der Täter anfgerufcn und dringend gebeten, zweckdienliche Angaben zur Sache unvcrzüglich der Kriminalpolizei. Städtisches Berwaltunqsgebüude. Zimmer 16, Fernruf 3151. ziikvmmeü zu lasten. Eine streng vertrauliche Behandlung der Angaben wird ausdrücklich zugesichert." Hierzu bemerkte das „Westfälische Volksblatt": „Tie Behörden, die nationalsozialistische Bewegung und die gesamte Bevölkerung rücken mit Abscheu von einer so gemeinen Tat ab. AmtlicherseitS wird alles geschehen, um die Vorgänge ansznklären. und die Täter können einer strengen und rücksichtslosen Bestrafung l sicher sein. Wer die Pietät gegenüber den , Toten verletzt, den trifft ohne Rücksicht der Arm des Staates mit)' die Verachtung aller gutgesinnten Kreise der Bevölkerung. Tarüber , mögen sich auch diejenigen deutschfeindlichen Kreise im Ausland im klaren sein, die vielleicht meinen, aus einer so verwerflichen Tat billiges Kapital gegen unser Land schlagen zu können. Sowohl die zuständigen Stellen wie auch der Herr .Landrat werden im Verein mit der Po- . lizei alles da ran setzen, die ruchlosen Täter sestzustellen und ihrer verdienten strafe entgegen- Anfuhren." Dieselbe Stellungnahme enthält auch das „Filter-Kampsblatt für den nationalsozialistischen Staat": „Wir wissen uns mit allen Rationalsoz'mlistcn einig in der Verurtcilrmg dieser Freveltat. Ter Kamps unserer Bewegung gilt mir Lebenden, nie der Ruhe Toter. Wir hoffen, daß die Täter bald gefaßt werden. Tie ganze Strenge des Gesetzes wird und nmß sie treffen'." . Schon nach wenigen Tagen konnte das „Westfälische Aolksblatt" in Nr. 150 vom 4. Iulr das folgende Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen berichten: „Im engsten Zusammenwirlen mit der Staatspolizeistelle Bielefeld und dem Führer der SA-Standarte 153 ist es nunmehr endlich gelungen, die Täter der Scliandung des israelitischen Friedhofs in Paderborn iestzustellen. Es . handelt sich um einen Friseur Johann. Schmidt ans Trenchtlingen im Unter-franken, der im März 1934 von Nürnberg nach Paderborn zugezogen ist. '-' Schmidt behauptet'glaubhaft, die fraglichen Grab- ■: steine allein' mngcstürzt zu haben.- Als Mittäter bei Dem Versuch der Entfernung des Tavid- , sterncs an der Vorderfront der neuerbauten Leichenhalle auf dem Friedhof kommen in Frage der Verkäufer Franz Neherinann und der Schlosser Hermann Wüllner, beide wohnl)aft in Paderborn. Tie Genannten sind in vollem Umfange geständig. Die Beschuldigten sind sämtlich polizeilicherseits festgcnommen: das Amtsgericht hat gegen sie inzwischen Haftbefehl erlassen. Ich lege ganz besonderen Wert ans die Feststellung, daß die umfangreichen Verhandlungen einwandfrei ergeben haben, daß der gegen einen Sturmbannführer und Zwei mir der Führung von Stürmen beauftragte SA-Obertruppführer geäußerte . Verdacht sich in jeder Weise als unbegründet ■ erwiesen hat. Ich warne mit aller. Entschieden- - heit vor einer Verbreitung dahingehender völlig haltloser Gerüchte. Es steht zu erwarten, daß der ruchlose Frevel in Kürze die verdiente ge- . _ richtliche Sühne erfährt." Tas „Westfälische Volksblatt" schrieb hierzu: „Es wird in der gesamten Oeffcntlichkeit mit lebhaftester Genugtuung ausgenommen und begrüßt werden, daß die ebenso unermüdlichen wie unerbittlichen Nachforschungen und Fahndungen - der berufenen -Organisationen und Behörden in - so erfolgreicher Weise zur völligen Aufhellung . der Frevel tat führten. Das ist um so erfreu. licher, als damit auch allen böswilligen Tendenzgerüchteir der Boden entzogen wird. Die Tatkraft und Entschlossenheit, mit der auch hier zugefaßt wurde, mag auch dem Ausland wieder em sinnfälliger Beweis dafür sein, daß der nationalsozialistische Staat nichts duldet, was der Würde und der Ehre des deutschen Naincns Abbruch zu tun geeignet ist, sondern die Schuldigen mit'unnachsichtiger Strenge zur Recheuschaft zieht. Und die Giftmischer der. Emigrantenpresse sehen sich jetzt schmählich in - ihrer etwaigen gehässigen Erwartung betrogen, einen „Paderborner Fall" konstrnieren und zu verlogener Greuelpropaganda ausschlachten zu können." Felskksse EMMAW Mf§sWss In der „F. Z." vom 8. Juli 1934 lesen wir: In einem Mannheimer Betrieb wurde ein 54jähriger Expedient fristlos entlassen, weil er einem Arbeitskollegen gegenüber die Wahrheit eines Artikels im „Srü-rmer" 'über die Juden bezweifelt hatte., ' - . - 3 1 Die Firma wurde verurteilt, den Kläger weiter zu beschäftigen. Das Gericht trat der Auffassung der Firma, der Kläger habe die nationalsozialistische Presse als Lügcnpresse hingestellst nicht bei. Der Kläger habe lediglich die Nichtigkeit des, Artikels einer nationalsozialistischeu Zeitung in Zweifel gezogen. Zugunsten des Klägers falle noch ins Gewicht, daß die betreffende Nummer dec Zeitung beschlagnahmt worden Aus dieser Kritik au einem einzigen Artikel m«*; Zeitung könne nicht der Schluß gezogen werd-a ■ »«& der «täflet natwn°>,oMlijtiiche Lugenpresse bezeichnet habe. Man könne den ger deswegen auch nicht etwa als ..Kritiker S Rörgler" bezeichnen und die fristlose Enttassu n Mit dem Hinweis begründen, daß die Ncaicninä und die überwiegende 'Mehrheit des Volkes ,ur"i! gegen diese Kritiker und Nörgler einen erbitterte Kamps führen. Tiefer Kamps gelte nur jenen Kntifern, die an Maßnahmen amtlicher Stellen der Regierung und der ihr Nachgeordneten Stellen Kritik übten. Daß jeder Staatsbürger unbesehen jeden Artikel einer nationalsozialistlichen Zeit-ina hinnehmen müsse, werde von der Regierung'n ich t verlangst auch gar nicht gewünscht. Dem Kläger wird im Urteil nur der Vorwurf gemacht, daß er als Vorgesetzter w ä h r e n d d e t Arbeitszeit sich ü berhaupt a u s solche Gespräche e i ii g e l a s s e n habe. Aber bicicv Grund reiche zur fristlosen Entlassnng nicht mt* Tie Firma muß daher den Angestellten wieder einstellen, wozu sic sich vorher, wenn eine Gericht--' cntscheidung ergehen würde, auch bereit ertl,m hatte. WM ZW AMM Wir folgten dem ausdrücktichen Wunsche u», sereS allverehrten Hamburger, als wir Freunde mid Mitarbeiter ihn auf seinen letzten Weg nicht geleiteten und ihm nicht die letzte Ehre erwiesen. Ria,: verivehren lonnicer uns aber, daß wir in diesen Blättern seiner in Liebe und Ehrfurcht gedenken. Diese Blätter bedeute, ton für ihn das Lebensprograunn. Was sie ansdrücken, das ivar seine Grnndanschannng. für die er acht Jahrzehnte kämpfte. Er verkörperte in sic!) die Swithcse von Tentschtii'.n und Judentum, so wie die Gründenunserer Organisation, so wie unsere Väter sie ausgefaßt und gelebt haben. Geboren in Posen, der ansblühendeii östlichen Hauptstadt der damaligen preußischen Monarchie, trat er in dieser Provinz, in welcher das Deutsch-- tum um die Jahrhundertwende so schwer mn seine Existenz rang, aus tiefster innerer tteberzengnng mit Begeisterung stets für die deutsche Sache ein. Ob er als Stadtverordneter, Mitglied der Handelskammer, Handelsrichter, Vorstand mildtätiger Vereine seinen mit Freuden übernvimnenen Pflichten oblag, überall erfüllte er diese mit der Blickrichtung ans den Nutzen seiner Vaterstadt, des Vaterlandes. Was Wunder, daß, als Hamburger, der selbstverständlich für Deutschland optierte. >:n Jahre 1920 infolge des unglücklichen Kriegsausganges seinen ihm so lieben Posten als Direktor der Lstbank für Handel und Gerverbe ansaeben mußte, er in seiner zweiten Heimat seine öffentliche Taugfeit sortsetzte! Zwar zog er sich vom eigentlichen politischen Leben zurück. Um so eifriger war leine Tätigkeit für alles, was mit dem Schicksal seiner Glaubensgenossen zusammenhing. In Berlin pinrif er auch seine segensreiche Arbeit Fr den o'-euiral- Verein fort. Er gewann sofort das Vertrauen unserer Mitglieder, welche ihn zum Vorsitzenden aer großen Charlottenburger Ortsgruppe unitiüen. Als im Jahre 1925 sich die Nvtivendigkeit heransstellte, daß der lockere Verband Berliner -Ortsgruppen unserer Organisation in einen nV gefügten Landesverband umzmoandeln sei. wurde Hamburger zum stellvertretenden Vorsichmden dieses Gremiums einstimmig gewählt: und der Landcsverbandsvorstand seinerseits ehrte ihn dadurch, daß er sich durch ihn im Haiiptvoruand vertreten ließ. Nicht nur die Gesinnuugssestigkeit des Verblichenen. sondern auch die' unendliche Tattra.n. das zielklare Erkennen jeder Sachlage waren c-. welche seine Berernstätigleit zu einer so üt-naus fruchtbaren gestaltete. Bis in seine letzten Jwre blieb er, wie ich ihn in Sitzungen häutig beien!]- ucte, der jugendliche Fenerkvps. der stets da iuar. wenn man ihn rief, der stets das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen wußte. 'Nie verlnöcherte er, nie versteifte er sich ans seine Ansicht, ioievn nicht seine Lebensgrundsätze angetane: waren. Roch im höchsten Alter trat'er besonders für die Notwendigkeit unserer Jugendbewegung ein. mid gab manche wertvolle Anregung für die Gewinnung der deutsch-jüdischen Jugend in unsere Reihen. Run ist er kurz vor Eintritt in das neunte Lcbensjahrzehnt von uns gegangen, nachdem er in kluger Selbsterkennung — als leider seine bis dahin außergewöhnlichen, ungebrochenen Kräfte abzunehmen begannen — 1931 seiner Vereinsllmter entsagt hatte. Unsere Arbeit ist anders geworden als zur Zeit der hingebungsvollen Mitarbcit unseres lieben Hamburgers, nie aber ivird sie sich von der geistigen Linie lösen, die das Lebensideal des Verblichenen waren. Keiner seiner engeren Mitarbeiter wird das kluge Ängr dieses kleinen, gütigen freundlichen Mannes vergessen. Mit Wehmut, dankerfüllt, nehmen tvir Abschied von unserem Freunde! vr. Vruno C.Iaserfvid, Vorsitzender des Landesverbandes Gross-Berlin im Ceotral-Verein. SCH1RASundHOSSUL9(0|SO KÄßADJÄ bis zu bis zu 80 * 130 cm 9Q*140cm 8 8 8! onno ., .WRtM ■ JÜ Li Li LiV, Verkauf nur r Kie 7Ti Jh BeN/n C 2h r BIHaa yt 3 spandauer 100x190cml Üe fl lagen echten 7 ly PZRSEß-Tep piche oller / Provenienzen enthält Stöcke / incüenöröSen von seltener / -7 Schönheit. / -r-, > .v'o-. Aj \ -v .4 f? -!lJ 1 Wi-