Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 27 (5.7.1934)
- Date
- 1934-07-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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} 3u ihrer Tätigkeit an öffentlichen jüdischen BvlkZschnlen einer durchgreifenden Einfühnmg in jüdische Wissensstoffe bedürfen. Darüber hinaus wird diese Woche gemeinsamer Arbeit in der ruhigen Schönheit der Natur sicher vielen zu einem starken inneren Erlebnis werden, das der neuen Lcrufsrichtung das neue, jüdische Ziel setzt. . vlm Namen der NeichsverLretung begrüßte zunächst Landgerichtsrat a. D. Tr. Lilienthal die Er-, fchienenen und dankte den Mitarbeitern an dieser Fortbildungs-woche. Sodann sprach Ltudienrat Tr. Leschnitzer für das Schulreferat der Reichs- Vertretung. Er führte unter anderem aus, daß die für viele sicher nicht leicht wiegende Notwendigkeit. sich in der Mitte des Lebens noch einmal auf andere Wissensgebiete nmzustellen.' anch das große Glück in sich berge, nicht nur immer in gleichmäßigem Flusse geben zu müssen, sondern auch wieder einmal ’,u empfangen M.0 sich dadurch für neues Geben durch Rückkehr zu den Ursprüngen wieder bereitznmachen. Ter Vorsitzende des Rcichsvcrbandcs der-jüdischen Lehrervcreine. Rektor Tr. Stern, brachte in einer Ansprache, in der er besonders ans die neuen Aufgaben der Pädagogil hinwies, den Tan! der Lehrerschaft an die Rcichsvertretung znm Ausdruek. Nachdem noch Fanny Ellan namens des jüdischen Frauenbundes die Kursteilnehmer herzlich begrüßt hatte, fprack) Proscüor Bnber zur Einführnng über Lehren und Lernen in der gegenwärtigen Situation. Gr unterschied drei Arten von jüdischen Schulen: die formal-jüdische, die mir jüdisch genannt werde, iveil in ihr jüdische .Minder unterrichtet würden, die inhaltlich.jndische, in der lediglich gewisse jüdische Wissensstoffe gepflegt würden, und die »vesens-jüdische. die den eigentlich erstrebenswerten Tnp darstelle, weil sie ganz und gar vom Geiste des Judentums erfüllt sei. Das brauche keineslvegs zu bedeuten, daß in ihr immerfort vom Judentum die Rede fei, aber die jüdische Mitte müsse in allem Lehren und Lernen fühlbar bleiben. Tie jüdische Schule müsse die minder zugleich elastisch und standhast machen. Sic müsse ihnen Unbefangenheit und Vertrauen geben. Nur so wird sie sic fähig machen, das Leben zu bestehen. i Dr. Eva Reichmann-Juiigmann. §as EllemMssMk für dir jüdische Fügend Am 28. Juni hielt das Glternhilsswerk für die indische Jugend c. V. seine erste ordentliche Mitgliedervcrsammlung ab, die es zu einer wirksamen Werbcvcranstaltnng für den Gedanken seiner Organisation auszugestalten wußte. Tie Versammlung genehmigte den Tätigteilsbericht des Vorstandes. der einen Uebcrblirt über das weitfchichrigc Aufgabengebiet des Glternhilfswerls vermittelte. sowie den .Kassenbericht. Bisher hat das Glternhilsswerk im wesentlichen cineUnterstützungspolitit treiben müssen; seinem Grundgedanken nach soll es aber, in Zusammenarbeit mit den Bünden und in unbedingter Uebcrparteilichleit. anch kulturelle Belange ans Pädagogischem Gebiet zur Geltung bringen. An Stelle des um den Aufbau der Organisation sehr verdienten Tr. Helft, der sein Amt wegen Ueberlasnmg niedcrlegte. wurde Rechtsanwalt Schwa r z zum Borsitzenden gewählt: dein neuen Vorstand werden u. a. Rabbiner Tr. S w a r s e n s t y, Margarete Fried und Studienassessor Heinz Cohn angehörcn. Nach Schluß der Mitgliederversammlung hielt Tr. Schäfer von der Schulverwaltung der Berliner Gemeinde ein Referat über das im Ausbau befindliche jüdische Schulwesen und über die Aufgaben des Elternhilsswerks. das feine wuchtige soziale Funktion in Zukunft ohne Subventionierung durch öffentliche Mittel ansüben wird. Gs wird sich aus diese Weise mancher Ausgaben, wie etwa der Fahrgeld-, Wohnnnd Schnlgeldbeihilsen, der Sorge sür die Schul- Für das MM Mirrkiud Tie Beitragskartenoktion für „Hilfe und Ausbau" hat einen außerordentlich starken Widerhall 'im deutsche!: Judentum gefunden. Ter Gedanke, für das Hilfsrverk die eigenen Kräfte bis zum wirtschaftlich Schwächeren hinab zu mobilisieren, ist überall ans Verständnis gestoßen. Die Frauen- und Jngendbünde haben sich bereitwilligst in den Dienst der Aktion gestellt, aber noch lange ist das Ziel nicht erreicht. Jeder deutsche Jude muß im Besitz der Beitragskarte sein. Tie Sammlung des Monats Juli steht unter dem Motto „Für d a s j ü d i sch e Kleinkind". Alle Aufgaben, die ans diesem Gebiete schon immer zu lösen tvaren, sind durch die wirtsä)astliche Krise des deutschen Judentums ins Riesige gestiegen. In unzählige jüdische Eltern- Häuser, die früher ihren Kindern ein sorgloses Heim bieten konnten, sind Knnuncr und Not eingezogen. Rachitis und Tuberkulose, die großen Feinde des Kindes, sind gerade in den Häusern zu Gast, in denen Kinder ohne ausreichende Ernährung, ohne Lust und Sonne und ohne liebevolle Pflege ausgewachsen. Durch ein Netz von Fürbischer minderbemittelter Kinder nsw. annehmen können, die der Fürsorge der öffentlichen Stellen ans finanziellen Gründen entzogen sind. Ter Beitritt vieler neuer Mitglieder aus der amvescndcu Versammlung schloß den aufschlußreichen Abend. Dr. R. Ter Shnagogerrvercirr Prinzregentenstrasic e. B. veranstaltete einen Gcmeindeabend, der den Zweck verfolgte, die Gemeinde geistig enger zusammenzuschließen. Rabbiner Tr. Manfred Swarsensky beschäftigte sich in einem anregenden Vortrag mit dem Problem, die äußere Hinneigung zmn Judentum, wie sich etwa in dem verstärkten Synagogenbesuch ausdrückt, nach innen hin zu verstärken: den Mittelpunkt des jüdischen Gottesdienstes bildet, wie vielfach vergessen wvrden ist, das Gebet und nicht die Predigt, und kann: etwas wäre wesentlicher für die Nenbelebnng jüdischer Religiosität, als das. Gefühl für diese Verhältnismäßigkeit zwischen den einzelnen Teilen des Gottesdienstes wieder zu erwecken; Tr. Swarfenskh trat dann lebhaft dafür ein, daß das Hebräische die Gebetssprache bleiben müsse. Rabbinntskandidat Graf sprach für die Jugend, die sich in ihrer Kluft und unter ihrem Wimpel in der Svmrgvge versammelt hatte, ein Bekenntnis religiöser Verbundenheit ans. Rechtsanwalt Dr. Fritz L a m m machte schließlich mit genauen Angaben ansgestattete Darlegungen über die Wohlsahrtspflege und ihre Institutionen und unterstrich namentlich die Bedeutung der blauen Beitragskarte des Zentralausschusscs der deutschen Inden sür Hilfe und Aufbau. Zwischen den einzelnen Vorträgen brachten' Alice H a n n e s und Julius P c i f f a ch o w i t s ch religiöse Gesänge zu Gehör. Namentlich Peissachowitsch verstand es. seine klangvolle stimme in seiner Abtönung Raum und Gelegenheit anzupassen. Sprechchöre der anwesenden Jugendgrnppc umrahmten das Programm. X. J. R. Tie Bezirkögruppe Westen des Jüdischen Frauenbundes, Berlin, veranstaltete am 2. Juli, im Hause von Frau Gertrud Masse, eine gesellige Zusammenkunft, bei der, nach Bcgrüßungsworten von Margarete Iacoby. Professor Dr. S e l i g m a n n über „Tägliche Sünden wider die Hygiene" sprach. Professor «seligmam: ermahnte zur Nachdenklichkeit über die vielen „läßlicher: Sünden" in: Alltag und führte mit ernsten Lorten, die ein liebensrvürdiger Humor versöhnlich rvürzte, die Zuhörer durch die Stunden, die inan in und außer .den: Hanse verbringt. Tie verschiedensten Gebiete für die kleinen Sünden, die teils ans Unwissenheit, teils ans Mangel an genügender Vorsicht begangen werden, wurden in bunter Folge znsammengestel.lt: vom Großreinemachen der Wohnung bis zur täglichen Reinigung und Kleidung sorge stellen wird durch Rat und Hilfe vorbeugende Arbeit geleistet, dw wichtiger alö andere Therapie ist. Erkrankte Kmder werden ärztlich beraten ihre Ernährung ausgcbesiert, Kinderheime rnit Sonnengärten und Luftbädern. Kinderlager in gesunder Umgegend — die . Vorbedingung für wirtliche Heilung — werden gcschassen. Unzählige Eltern sind im Kampf um daS taglicftc Brot nicht mehr imstande, sich lim ihre Kinder betreuend und erziehend zu l'ünnnern. In. fiuxd e rta g esh e i m e n verwandeln ftd^ id)Icd)t gekleidete. vernachlässigte .Kinder in . Ttofj td)u Geschöpfe, die in Hellen Ranmen fröhlich spielen. Wer die blaue Beitragstarte für Hilfe und Aufbau erwirbt, hilft durch Erhaltung aller duster lebenswichtigen Einrichtungen «;nc Generation limncr deutscher Inden heranznzrehei:. die den Ansgaben, die die Zeit an sie stellen wird, körperlich und mr ««{' mib «uftou ist ein Ausdruck des jüdischen Lebens- und Gemeinschiftswillens. der Verantwortung und des Opferst über die Blntbcstchnldignng eine legung der Blutlüge, 'die einen der ersten'' C Hanger Luthers zum Verfasser hat. gehört m h ü stärksten und schlagkräftigsten Aeußernngen dieb-r Frage und ist heute wieder von besondeur Aktualität. Ter Jubilar besitzt noch zahlreiche gehobene Schätze zur Geschichte der Mdeu ' s Deutschland und ihrer Kultur: wir u>mücl)c» ve Herzen, daß er die Kraft und die Äöglichtfinde, sic zu veröffentlichen. '[ des Menschen, vom falschen Prinzip eines absoluten Vegetarismus bis zum entnervenden Glauben an Horoskop und Chiromantie, vom unvernünftigen Sonnenfanatismus bis zur übertriebenen Schönheitspflege. Gin selir lehrreidicr und ansimmtern. der Abend, der sichtlich zu eifriger Beschäftigung mit seinen Problemen anregte. 3Ü. K. .HtzstsgrsMert jüdische KMröeskMöler!" Der P r e n ß i s ch e L a u d e s v e r b a n d j ü d is ch e x Gemeinden, der _ seit feinem Bestehen neben der materiellen Unterstützung der leistungssd)wad)en Gemeinden auch nichtige kulturelle Ausgaben übernommen hat und n. n. seit Jahren regelmäßig in seinem Etat einen Posten für die Erhaltung jüdischer Kulturdenkmäler führt, wendet ud) an die jüdische Oefsentlichteit mit einem Aufruf, der gedanklich den: Inhalt des Preisausschreibens für Amatenrphotographen entspricht, das die „EV- Zeitnng" kürzlich erlassen hatte. „Angesiclils der großen Bedeutung" — heißt Zs in dem Aufruf — „die innerhalb der jübifdjci: Gesamt geschichte gerade dem deutschen Jndentmn znkvmnit, ist jedes noch so gering scheinende Kulturdotmnent wichtig iind sür eine zukünftige Gesd)id)tsschreibniig von Belang. Gs besteht gerade jetzt die große Gefahr, daß ni absehbarer Zeit eine Reihe jüdischer alter Kiiltnrdenlmüler durch die Auflösung von Gemeinden der Vernachlässigung und der Vernichtung anheimsällt. Gs gilt dcherP rechtzeitig Vorsorge zi: treffen, um diese Denkmäler jüdischen Seins ans bcutfdjcr Erde zu bergen. Wir rufen alle Gemeinden und jedes einzelne Gemeindeniitglied ans, zur Errettung dieser Kulturdenkmäler beizntragen. Wir bitten, Photographien von allen Synagogen, bemerkenswerten Kultusgeräten, Friedhöfen und ähnlichem herzustellcn Mid möglidist in mehrcren Abzügen an das von uns mit der Durchführung der Arbeiten bcanstragte „Gesamtarchiv der dcntschen Juden". Berlin N2-1, Oranienburger Straße 29. einzusendcn. Ebenso bitten wir, diese stelle auf alle geschichtlich ivertvollen und erhaltnngswerten Altertümer wie Gemcindeaktcn, Thoraschmuck, Thvravorhänge, Thorawimpel nsw. aufmerksam zu machen." Moritz Stern 78 Fahre alt Moritz Stern, der am 0. Juki sein siebzigstes Lebensjahr volleiidet, ist einer der Stillen in: Lande, die selbstlos, unverdrossen wertvolle wissenschaftliche Arbeit leisten, ohne viel von fid) reden zn machen. Er war der erste archivarisch geschulte fntnfdjc Historiker, der Archive des In- Livvmaim MKMeslau gejlorbcn Am 27. Juni verstarb in Johannisbad im Alter von 87, Jahren der große, weit über die Grenzen seiner Breslauer Heimatgemeilidc be. kannte Wohltäter Lippmann Bloch. Wer den Verstorbenen kannte, feine Liebenswürdigteit. feine Frische, seinen Humor und vor allein die bezwingende Güte seines liebenden Herzens, der weiß, daß ein Großer in Israel dahingegangei: ist. Lippmann Bloch, der Begründer und Leiter einer bedeutenden Breslauer Erzfirma, hat fein Leben in einem Sinne erfüllt, in dem Erfüllung mir wenigen Menschen beschieden ist. Aenßerer Erfolg vereinte sich mit dem Glück, an der Seite seiner in Liebestätigkeit mit ihm wetteifernden Lebensgefährtiu, znm Mittelpunkt eines großen Kreise; von Menschen zu werden, die in beispielloser Verehrnng an ihm hingen. Seine Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit gaben dem Heim des Ehe- Paares Bloch in der Hösschenstraße in Breslau den innigen Reiz einer ganz eigenen Schlichtheit; feine tiefe Verwurzelung in jüdischer Tradition und seine ivarme und tätige Anteilnahme an jeden: jüdischen Werk, wo immer in der Welt cs anch unternommen wurde, verliehen ihm den Ing von Größe, der über das nur Philantrvpischc znr Gestaltung des Lüertes hinansiveist. Lippmann Bloch, der 'JJimui der gütigen Weisbeit und der liebenden Tat ist nicchi mehr. Tas Gedenken aller, die ihn tannten. ist Tank und Segen. E. R.-J. <5rich Bayer-Brcslau zum Gedächtnis. Ter Religiös-Liberale Verein der Synagogen, gemeinde lBreslan veranstaltete am 2'!. Juni in der Lessingloge eine sctstictite Gedentseier sür seinen in: Atter von -!2 Jahren Heimgegangenen 33m sitzenden G r i ch B a y e r. Ans der Jugendbewegung kommend — vor in ehr als zwanzig Ja!>- rci: war Bayer Mitbegründer des jüdisch-tiberalcit Jngendvereins Abraham Geiger in Breslau -* konnte er später als Hauptvorstandsmitglied de! religiös-liberalen Vereinigung seine trastvelle Persölilidst'eit dem ganzen deutschen Jiidentuni nutzbar machen. Bon 192-1 bis 1927 war er Mw glied des Vorstandes der Synagogengemeinde Breslau, seit 19-stl Gemeindevertreter. In der Gedenkstunde würdigte sür den Liberalen Verein Philipp Lachs die Persönlichkeit und die Verdienste des so jung Verstorbenen. Lehrer David sohn hielt eine zweite in ein Gebet ausltingende Anspradje. Die sdstid)te Feier war von miisikalisdien Darbietungen umrahmt. Vertreter aller Organisationen der Gemeinde und viele Gemeindemitglieder nahmen an der Gedenkfeier teil. 8elw. Heinrich Hiller (Veilstadt a. d. £0, der Vcgründer und Seniorchef der Weindrennerei Hcimict) Hilter, feiert am 2. Jiiti seinen 8b. Geburtstag. — glaiiir der Ming-Zeit, eine besonders kostbare chinesisd)e Porzellanschale. iind jeiie and) a::f der großen Ehina-Ausstellung 1929 der Llkademie gezeigte Schale aus Gierschalenporzellan mit außen Mid innen eingravierten Lvtosranten unter zartbrännlicher Glasur. Diese dlrbeit ans dem Besitz Bacrwald entstammt der berühmten Epod)e des Eh'ien Lnng (17:tt> bis 179*3), während eine tiefe, sogenannte Kumme, ein Gefäß ans rötlichem Steinzeng mit dicker lavendelblaiter Glasur der Zeit des Sung angehört und von Dr. Herbert Ginsberg mit großem Kennerblick erworben wurde. Vieles ans dein Besitz dieser beiden Berliner Privatsammlcr bildete große Anziehungspunkte der Londoner Ehina-Ansstcllnng wie überhaupt mancher deutsd^en Odjau aus berühmtem Privatbesitz. Dr. 0. 8. zur Erllautführiing im Berliner Kuliurbunb Tas Stück des Engländers Noöl Coward. dcutsd) von Louise Ma.ria Mayer, vor vielen Jahren bereits in Berlin.gespielt, erhebt keinen Anspruch aus literarische Wertung. In seiner heiteren, unproblematischen Grundstimmung dient es dem sommerlichen Unterhaltnngsbedürsnis des Publikums, ohne Verstand oder Phantasie besonders ,pr bemühen. Ter Autor, auch sonst auf deutschen Bühnen bekam,t, hat von Oscar Wilde gelernt, wie man englische Gesellschaststypen in satyrische Belenchtnng rückt; aber sein Spott hat keine Krallen. nid)t die beißende Sd)ärfe eines Bernard Shaw, ans dessen funkelnden Geistesblitzen sein forfefjer und gewandter, wenn auch von Banalitäten nid)t freier Dialog immerhin eine intensivere Leud)tkrast hätte beziehen können. Was dem Stück zugute kommt, ist nicht ein Reichtum au Einfällen oder vriginetten Situationen, die sich zu einer lustspielmäßigen Handlung verdichten, sondern die Komik der Figuren, die fid) au{ die eine oder andere 2£etjc in der „verrückten Familie" Bliß als typische Besonderheit, als salsdses Pathos oder Empfindnngshenchelei, als Zanksucht oder eitle Sclbstspicgeluug amüsant auswirkt. In der Aufführung des Kulturbundes wurden diese komisdien Züge ohne burleske Uebertrcibimg heransgearbeitet. Jin ersten Akt hatte die Regie nod) einigermaßen Älühe, das Zustündliche der Ntilieusdsilderung in Bewegung zu setzen und merkbare Intervalle des Spiels zu verdecken; dann aber griffen die Räder immer fester ineinander, und gerade der zweite Akt. der in der Gescllsd-aftsszcnc den eigentlid) dramatischen Ablauf am meisten gefährdet, bekam von innen heraus Sdstvnng und Für die Tarstellnnb hatte der Kulturbund zum ersten Rtale dcis Prinzip des eigenen, aus sich selbst gestellten Ensembles durchbrochen und die weil'-. liche Hauptrolle einem Star, der m Berlin rühmlichst belannten Rosa B a l e t t i übertragen,' die, gemeiusam mit den: bewährten Fritz Jeßner, die Aussührnng auch selbst leitete. Bei ihrem Erscheinen ans der Bühne stürmisch begrüßt, ließ Frau Baletti im Lailfe des Abends alle AUnen ihres starken, unverbrauchten vis comica springen, gab der bunt schillernden Rolle der Judith Bliß den verblichenen Glanz und die hohle Gefühlsseligkeit der alternden Komödiantin und ließ dabei den Wunsch rege tverden, daß fid> ihr robustes, sprühendes Temperament recht bald an einer noch bedeutsameren Ausgabe erproben möchte. Als besonderes Verdienst darf es Frau Hkiletti an ge rechnet werden, daß sie nickst mit der rücksichtslosen Ueberlegenheit des Stars die Herrsdpft auf der Bühne an sich riß. sondern sich mit kluger Zurückhaltung in das bestellende Ensemble einzuordnen wußte. Sv kamen auch alle übrigen Mitwirkenden bestens zrir Geltung. Fritz W i st e n . einer der Wandlungsfähigsten unter den Darstellern des Kulturbundtheatcrs. war als Vater Bliß halb kindliches Gemüt, Halb zerstreuter Prahlhans, der für seine Romane immer ans der Jagd nach Modellen ist und niemals an.sich selbst irre wird. Ernst L e n n r t durftediesmal^ die sentimentale Maste ablegen und zeigte als Sohn des -Hauses die gejchmeidige.Frische des MPbewußten.Jünglings. Kaete Foerder war eine beweglick)e. temperamentvolle Hanstoditer; Nt i r a N o s o w s k y ein reizend d persdstichtertcr, englischer Backfisd); Ntartin Brandt der steife Gentleman von nnnahbarer Kühle. In anderen Rollen bewährten sid) Gerda K l e i n - W e i 8 m a n n, Werner H cuiimti n und Lilly K a n n (die freilich, sonst überaus treffsicher inder Eharakteristik, der Wirtschafterin im .Hause Bliß ein mehr berlinisches als engliscksts Gepräge gab). Das Bühnenbild, von Heinz Eondell gestellt, fand sid) mit den räumlichen "Perspektiven 'der Bühne aiisgezeichnet ab; in der unruhigen, überladenen Buntheit schien es dem Charakter der Bewohner deS Hauses durchaus angepaßt. Der Beifall steigerte sich am Sckstuß zu lebhaften Ovationen für Rosa Baletti. Dr. Eugo Lachmanski, In einem Mnsikabend des Synagogenvereins Levetzowstraße trat das neugegründete Kammerorä)ester des dortigen Chordirigenten Janot S. R o s k i n zmn ersten Male vor die Oeffentlid)keit. Ter^ Abend begann mit Alozarts „Kleine Nachtmusik", einem der schwierigsten Werke der Litera» tnr, es ist unserem Ohr durck) unzählige Aufführungen so vertraut, daß es hier doppelt ansprnchsvoll ist. Bei dem jungen Orchester ist der Beginn eines Enscmblegesüyls bei den einzelnen Spielern feststellbar, auch Ansätze der Gestaltung sind da, aber es wird nod) eiserner Arbeit bedürfen, um die Klarheit des Klangbildes, die vielfaltige Schattierung im Dynamischei: sick)erznstellen. Nvslins instinktische Ntusikalität trat auch diesmal zn Tage, wenn anch manches in seiner Anssassung nicht überzeugen konnte, znm Beispiel das Ritardando in der Coda des ersten Satzes, das Tempo des dritten, das vom Tänzerischen zum Agressiven herüberweä)selte. Die Wirkung einer außerdem gespielten V-Vnr-Serenade wurde durch das Fehlen der von Mozart solistisch behandelten Pauken beeinträchtigt. Der. Noskinsche Gemischte Chor verschönte das Konzert durch Wiedergabe von. Werken Mendelssohns und Reeses das Solo in Ntendelssohns Hymne „Hör mein Bitten", einem der zartesten Gebilde des Komponisten, sang mit überaus korrekter Aussprache Ton: Türt. A. Else Seligmanu gab einen Liederabend mit romantischen Gesängen; wer einen ganzen Abend lang mit eigenen Darbietungen interessieren will, muß nicht nur technisch Vollendetes leisten, sondern auch eine starke künstlerische Potenz cinzuü'tzen haben. Beides liegt hier noch nieijt vor; nuui bat zn sehr den Eindruck des Eim'tudierten. Mllamierken. zi: wenig Den einer selbständigen Eesiall tnng. Rein stimmlich ist die Mittellage gar mm übel, aber der Ilebergaug zur Höhe geht nic.jt brnchlvs vor sid), die hohen Töne fallen ans der gesanglichen Linie heraus, die Tiefe wird stellentveise forciert, an der Aussprache ist die DenlllMe keit der Sd)lnßtonsonannten zu bessern, die langen Bvkate (a, ei) werden zn offen angesetzt. Waller Hirschberg begleitete mit Geschick, die mW' mifefjon Formen aber gingen infolge nberniasugen Pedalgebranchs verloren. Ans dem Pregrannn standen einige seiner Lieder, klangvolle Blllsik nn gemäßigten Hugv-Wolf-Stil. A- VCI.teräliilfc bei ihren Beranstaltnngen ktassige künstlerische Leistungen bietet. Kvnzertabend im Berliner Brüdernereinsh an dein Alexander K ipnis und Dr. B. I Wolf znsammernvirtten, übertraf die sonn rvohntc'u Genüsse. Alerander Kipnis sang ans bekannten Opern, Lieder von Ätnssorgsüi, russische und jüdische Volkslieder, von V. E Wolf vollendet begleitet. Der tiefe, warmedes großen Opernsängers, seine weichen Kz'PIkamen besonders in' den Arien und >n Volksliederl: herrlich zur Geltung. Ter M stnette Haydn und Ncnssorg'ky mit blciuu Ehtlik und großer Anmut. Das ausperla Hans zwang' durch seinen Beifall beide Kn» tinmer wieder zu Zugaben. - RUa Atlafz, eine Sdiülerin von Olga E - .' sang :,n Berliner Theater in mehreren ' ttingen die Hauptrolle in der Oper „U )*. u padrona" (Die Vtagd als Herrin) »nt Erfolg.