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Central-Verein-Zeitung · 1934-06-28 · 26 (28.6.1934) · page 14

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
26 (28.6.1934)
Date
1934-06-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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C-V.-Ztg. r Beiblatt | Nr. 26 L \ \ B BETS33 C28. Juni 1934 Das Verhältnis der Menschen der jüngeren Generation zur Kunst wird hier in drei Beiträgen von Menschen der Uebergangsgeneration behandelt. Wir hoffen, dass „die Betroffenen", d. h. die Angehörigen der jüngeren Generation, zu dem gleichen Thema von ihrem Blickpunkte her Stellung nehmen werden. Schule ©sis ECunsfr-Erzioher Tie ihinft ist die Stätte der Zuflucht vor dem Alltag, wie die Religion die Stätte der Zuflucht vor der Not. Tie Kunst lehrt das scheinbar graue Einerlei des Lebens mit neuen Augen in neuer Farbigkeit sehen, wie die Religion in der Tiefe des Leidens und Bangens die Nahe der gött- Iid)CH Allmacht aufspüren lehrt. Uns deutschen Inden sagt heute die Religion mehr als die Kunst. Denn uns bedrängt die Not stärker als der Alltag. Wir müssen mit jener wissenden Liebe vom Göttlichen. die allein uns zu tragen vermag, durch ein schweres Schicksal hindurchschrcitcn; wir dürfen dies Schicksal nicht übersehen, ein Wunschbild künstlerischer Illusion vor Augen. Dennoch halt niemand es aus, zu jeder Stunde in der Spannung zwischen erlebter Wirtlichkeit und Gottvertrauen zu stehen. Es kommen Zeiten, wo sich der Geist von aller Wirklichkeit sortsehnt und von ihr einmal nichts inehr wissen will. Wohl ihm, >venn ihm dann die Welt der künstlerischen Wahrheit ofsensteht, die Welt dessen, ivas nie veraltet. weil es lief] nie und nirgends begeben hat. die Well des schonen Scheins, in der sich Auge und Sinn für das Geschehen ans der Bühne des Lebens verjüngt. In Entrücktsein künstlerischen Erlebens gewinnt der Mensch eine Freiheit, eine lleberlegenheit. die ihn stark macht für die Rückkehr in die Wirklichkeit. Eine Szene aus dein Weltkrieg. Französische Offensive am Chemiu des Tames. Zn der Abenddämmerung konzentrierter Feuerüberfall unzähliger Batterien aus einen kleinen Lagerplatz. Tie Erde bebt. Zwischen spritzendem Feuer, Rauch, Steinen, Erdmassen, einer unvorstellbaren Wut verschworener Gewalten steht winzig der Mensch, dem jeder Nerv einzeln zu zerspringen droht. Ta flammen über dem dunklen Kamm des Höhenzuges in bunter Pracht Leuchtsignale auf, die das Feuer dirigieren sollen, und über der Schönheit dieses unvermuteten Feuerwerks sammelt sich der Geist sieghaft zu dem Unterfangen, das brutale Geschehen als ein grandioses Schauspiel zu deuten. Härteste Wirklichkeit ist gebändigt, in diesem Falle nicht durch religiöse Bertiefung. die durch das Wirkliche hindurch das Göttliche ahnt, sondern durch das Ausweichen in eine Welt des Traums, der schönen Illusion: Franzmann veranstaltet eine Augenweide. Wenn es uns gelingt, unsere Jugend für Erlcbnisvorgänge dieser Art aufnahmefähig zu machen, so ivird diese Jugend glücklicher, freier, l^rmonischer sich entfallen. Sie wird einen starken Trumpf mehr im Lebenskampf auszuspielen haben. Sie wird gegenüber den Dingen Abstand, Unbefangenheit, Haltung, Stil gewinnen. Ter Mensch, der in künst» lerischer Schau erlöst, beseligt ist, entflammt in einer Liebe zu den Dingen, die der religiösen Liebe verwandt ist und zu ihr, diesmal nicht von der Seite der Not her. einen neuen Zugang öffnet. Insoweit nun für die Kunsterziehung die Schule in Frage kommt, ist zu bedenken, das; die überwiegende Zahl unserer Kinder in Zukunst die Volksschule besucht und in einem Alter zur Entlassung kommen wird, in dem sich die Empfänglichkeit für ästhetische Werte im engeren Sinn wahrscheinlich eben erst öffnet. Vor Eintritt der Pubertät ist das 'Verständnis für ästhetische Wirkung als solche nach begründeter Ansicht der Pädagogen zumindest stark in andersgerichtete Interessen am künstlerischen Gegenstand eingebettet und davon nicht zu isolieren. Noch ohne rechtes Unterschcidungsvermögen für dos künstlerisch Unechte, erliegt das Kind der aufdring, lichen Wirkung des Kitsches ohne Widerstand bis zur Ermüdung. Ter Lehrer hat also die Aufgabe, dem Kinde das Schöne nahezubringen, ohne vom „Schönen" zu reden. Er muß es für Gegenstände, die künstlerisch wertvoll sind, auf jedwede Weise interessieren; nur von kuiislwissenschnfllicl)en Kategorien darf er ihm nicht sprechen, denn die versteht es noch nicht. Es besitzt noch nicht die Sicherheit künstlerischen Geschmacks. Dennoch ist es bereits bildsam und willig, sich führen zu lassen. Man kann ihm klarmachen, was Schlichtheit. Natürlichkeit, Zweckmäßigkeit, Symmetrie bedeuten, und es so der Ahnung näher bringen, was Schönheit, was Ausdruck sei. Man kann es in die Technik des Zeichnens, des Neimens einsühren und mit dem Geheimnis des Rhythmus bekanntmachen und so darauf vorbcreiten, daß es langsam zu merken beginnt, was Kunst im höheren Sinn bedeutet. Man kann cs anloiten, sich in Zeichnung und Rede mit der ungebrochenen Ganzheit seiner kindlichen Vollnatur zum Ausdruck zu bringen, ohne daß ihm bewußt wird, wie nahe diese Betätigung mit einer echten künstlerischen Neigung verwandt ist. Tas Mosaik, aus knallig bunten Steinen eigenhändig zusammengesetzt, der Zicrsisch des Aquariums, mit Wasserfarben scstgchalten, der Stimmungsgchalt eines einfachen Liedes, das im Chor gesungen wird, das Märchen, das im improvisierten Theaterspiel lebendig wird, vermitteln dem Kinde der Grundschule eine Welt, in der sich seine Wunschträume vergnüglich ausleben dürfen, immerhin durch die Gesetze des Tnrstellens weise beschränkt. Kunst ist hier wirklich ein Können. Gestalten-Können in seinem ursprünglichen, handwerklichen Sinn und mit seinem heilsamen Zwang zu Geduld. Sauberkeit, Exaktheit. Zucht, Bescheidenheit. Tas Kerlchen ist ganz bei der Sache, ein Bündel Nerven und Muskeln, die darauf versessen sind, eine Leistung zustandeznbringen. Es scheint zu glauben, es könne sich auf diesem Wege sein Leben selbst machen, seine Welt selbst aufbanen. Tie Kunst ist ihm die Magie, durch die es die Bedrohungen eines vorläufig noch unklar durchschauten Lebens meistert. Sie ist das Geheimnis, mit den Tingen fertig zu werden. Ost ist sie vom Spiel nicht zu unterscheiden, dessen tieferer Sinn belauutlich darin liegt, den Ernstfall des Lebens im Eventualfall gestellter Bedingungen vorzutäuschen. Gelingt es min, mit dem natürlichen Streben des Kindes nach magischer Meisterschaft über die Tinge die Neigung einer verläßlichen Aiismerksamleit und Beobachtungsgabe für die anschaulich sich darbietendc Umwelt zu wecken, so ist das Kind in aller Unschuld wirklich so etwas wie ein tleiiier Künstler. Leider verliert sich spater zumeist wie die Unschiild so der Künstler. Im späteren Kindesalter, also in de» letzten Jahren der Volksschule, verwirft der junge Mensch die Wunschwelt der Märchen und Träume. Er hat nun den Mut, die Wirtlichkeit zu erfahren, wie sie ist. um sie zu bestehen. Tie Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit wird zur Kraftprobe, bei der es auf heldisches Verhalten, aber auch aus eine Beherrschung der technischen Griffe und Kniffe ankommt. Tic forcierte Lebenshaltung ist weichen künstlerischen Stimmungen, wenigstens zeittveise, wenig zugänglich, ein pathetisch deklamiertes Ge» AlfredLichtwarck, der großeKunstpadagoge. warnte einmal davor, Kindern durch trockene Uebermittlung künstlerischer Eindrücke die Freude und den Genuß am Sehen zu „verekeln", wie er es wörtlich ausdrückte. Tas Elternhaus, das im Gegensatz zur Schule einen näheren Kontakt zum Kinde hat, da hier Pädagogische Ziele von vornherein etwas gemildert erscheinen, kann weit individueller Vorgehen. Voraussetzung dafür muß aber die Tatsache sein, daß die Eltern selbst lunstliebend sind und die rechte Art wissen, sich dem Kinde künstlerisch mitzntcilen! Tie ganz instinktiven Beziehungen zwischen Mutter und Kind erleichtern ja dieses Bemühen und führen fast unbewußt beide Teile dazu, an den Schönheiten der Kunst nicht vorüberzugehen, ohne die Sinne zum Sehen zu stärken und zu schulen. Was wäre da zunächst notwendiger als die richtige Ausnutzung der Sehkraft! Blut zum Sehen heißt es dein Kinde geben, es muß genau beobachten lernen. Das Auge wird schließlich ganz von selbst empfänglich werden für die Lichtwirknngen ans einem Gemälde, oder die mannigfachen Bcrändernngen. denen Farben und Tinge im Raum ausgesctzt sind. Tas Kind muß seine Sinne brauchen lernen, ohne besonderen Nachdruck auf das Wissen um die küustlerischen Fragen. Es gilt nicht, Kindern die Knust aufzudrängen, sondern rein instilcktiv sollen die Fäden gesponnen oder verstärkt werden, die die meisten Kinder mit dem verknüpfen, was wir Kunst heißen. Eine wesentliche Rolle im Leben des Kleinkindes schon spielt die Innenkunst. Und sie beginnt im Kinderzimmer, mit seiner richtigen Ausstattung, die der kindlichen Eigenart angepnßt sein muß. Eine solche Forderung liegt weit ab von Kinderzimmer- Luxus! Wo ein Kinderzimmer ist, soll es einfach sein und schlicht. Gerade unsere moderne Innenfünft ist aus einfach, billig und doch geschmackvoll eingestellt. Einfache Tapeten in einer Farbe, Muster ohne jene Blümchen und Streifen, richtig abgetönt dazu die Vorhänge am Fenster, all dies ist wohl dazu imstande, den Farbensinn des Kindes anzuregen und auszubilden. Nur ein oder zwei Bilder an der Wand und zweckmäßige Möbel im Raum. Maß und Ruhe heißt cs dem Kinde einzuflößen, vor einem „Zuviel" kann nicht genug gewarnt werden. Und nun zum Thema Kinder im Museum! Das Verhältnis unserer Kinder zur bildenden Kunst ist gerade in der Gegenwart ein vielbesprochenes Thema. Kunstgeschichte erweist sich im Verkehr mit Kindern nicht mehr als reine Kunsthistorie, sondern im weitesten Sinne als Kulturgeschichte. Durch den Schulunterricht ergeben sich, wenn Eltern an den Sonntagen ihre Kinder durch ein Museum führen, naturgemäß zeitlick)e und örtliche Anhaltspunkte. Ein lehrreiches Beispiel bildet die Ausstellung, die die Staatlichen Museen in der Vorderasiatischen dicht kann Lachsalven Hervorrufen. Der Zwölfjährige befindet sich eigentlich in einem recht amufischen Lebensalter. Doch wächst um diese Zeit bereits Per Sinn für das Echte und öffnet, richtig angeleitet, das Verständnis für die Unterscheidung von Kunst und Kitsch. Es wächst der Sinn für die Gemeinschaft, wodurch die Einübung kunstvoller Sprechchöre ermöglicht wird. Es Ivächst die Liebe zur Natur, der hier und dort bereits ein verschwiegenes Glück künstlerischen Genicßens abgewonnen wird. Es wächst endlich das Verständnis für die Technik, das für eine künstlerische Betrachtungsweise auf mancherlei Art fruchtbar gemacht werden kann. Ich kenne keinen beglückcndcrcn Unterricht als den. Dreizehnjährige ein bißchen in die Architektur, die ursprünglichste aller Künste, einzuiührcn. Tic Schönheit eines Toms begreift sich leichter als die eines Wohnhauses. Also beginnt man mit dom romanischen und gotischen Mmslil. Lange verharrt man bei dem rein technischen Problem, eine weitläufige Halle zu überdackM. Ter Gcwölbebau. das Tonnengewölbe, das Kreuzgewölbe, die Vierung Hierbei! nach der technischen Seite hin eingehend erörtert. die konstruktive lleberlegenheit des Spitzbogens über den Rundbogen wird gezeigt. Je lauder man über der technischen Betrachtung die ästhetische unterdrückt, um so stärker bricht sie euus Tages hervor. Tas raumgreifeude Treppenhaus eines Barockschlosses läßt sich sa nur noch durch dcn Triumph künstlerischer Gestaltungsfreude über den Zü'aug des technisch Zweckmäßigen erklären. Von hier zur Wohnkultur des Privatmannes, zu den Problemen der Siedlung, der Gartenarchitektur weitergeführt, ersaß! der junge Mensch wohl wenigstens ahnend die Kunst als den Ausdruck eme-5 Formwillens, dessen ctjaraktcristische Merkmale zeitbedingt und auch in anderen Kunstgattungen der gleichen Zeit anzntrcfsen sind. Er begreift, das; der Pirk von Sanssouci und Mozartsche Musil irgendwie gut zueinander pissen. bol; man dem Major von Tellheim auf der Schlvßicrasse begegnen könnte. Damit ist ihm wenigstens die Anregung gegeben, das Verständnis für Künstlerisches später selbstäudig zu vertiefen. Daß zu diesem Ziele unter der Führung des Deutschunterrichtes viele Fack)er zufammenwirkcn müssen, bedarf keiner Erwähnung. Möchte das Ziel gerade auf unseren jüdischen Schnlen immer erreicht werden! Abteilung jetzt veranstalten. In einem Raum in der Nahe der babylonischen Bauten des Königs Nebnladnezar — jenes Nebukadnvzar II., der die Juden in die Eefangenschrst führte, uns Heutigen bekannter Begriff durch die Bezeichnung DabylonrsckHs Exil — hat die Museumsleitung das hölzerne Modell des Babelturmes ausgestellt, das farbig abgetönt ist und die Grundmaße des Bauwerks mrd die Hauptmotive seiner Gestaltung klarlegt. Ter seltsame Turm, der von jeher den Geist der Men- {dien beschäftigte, ist von deutschen Gelehrten im babylonischen Lande ausgegraben worden, mit der Deutschen Orient-Gesellschaft bereiste der Forsckjer Robert Koldcwey das Gebiet, und das Modell des von ihm wiedergesundenen Weltwunders beschäftigt die Phantasie der kindlichen Betrachter naturgemäß in besonderem Maße. Führt es doch in eine ganz andere Welt als die seiner deutschen Umgebung^ Hier vermengt sich die Sphäre des Märchenhaften, die nach der Legende den Babeltnrm ein Riesenwerk sein lässt, hier spricht zu gleicher Zeit die mit Geheimnissen brechende Forschung, die aus allem Dunkel einen Kolossalbau mit riesenhaften Treppenra.mpen von vielen hundert Stufen vor dem geistigen Auge des Kindes entstehen läßt. Gleichsam um das Wunder zu verstärken, sind im Museum auch ein reiches Material von Darstellungen des biblischen Themas der Sprachverwirrung zusammengestellt, zumeist sind es Abbildungen von Gemälden, Holzschnitten oder Kupferstichen, aus denen Meister, den verschiedensten Zeiten angehörcnd. über dcn wunderbaren Vorgang berichten. Es ist, wie gesagt, ein Zeichen der Gegenwart, das; oftmals die Verträumtheit, mit der Kinder früher über diese Dinge zu sprechen pflegten, gänzlich in den Hintergrund verdrängt wird, das; die Realität unseres technische» Zeitalters an die Stelle tritt! Wie eine Ricsengarage im Zeitalter der Maschine empfand z. B. ein neunjähriger Knabe die Architektur des Turmes zu Babel auf einer Darstellun-g des 17. Jahrhunderts, die gerade den Augenblick des Einsturzes des Kolossalbanes festgehalten, lind diese Rekonstruktion des legendenhaften Baues versucht die Phantasie des Kindes zu vervollständigen, wenn es von der Garage spricht, mit einer sie schrnnbcnartig umwindenden Straße, ans der die Fuhrwerke kühn und langsamen Weges in den Himmel fahren. Das biblische Wunder tritt verhältnismäßig weit in den Hintergrund des kindlichen Interesses, weit mehr fesselt das Auge der Kinder die Verbundenheit mit der Zeit und ihren Erscheinungen. Und deshalb ist ein Besuch dieser Schm, in Begleitung von Kindern für Eltern unb ^'äwher mtcrcfjant, weil sie mit Staunen bemerken locrben, daß Kinder ihre eigene Methode oftmals zeigen, wenn sie selbständig sich mit den Fragen auseinandersetzen, die frühere Generationen als Gegebenhcitcn Hinnahmen. Zwar geht man' ins Museum mit durch den Schulunterricht gegebenen Anhaltspunkten, aber weit über diese Anhaltspunkte : i hinaus gestaltet sich das Schulkind seine eigene Welt;! tu unseren Tagen, indem es die Realitäten des .Lebens mit dem Ausdruck seiner Phantasie zu i,ct,; binden weiß. Dies darf natürlich nicht dazu führen. Kindern nur kulturhistorische Denkmäler vertraut zu »Indien. Im Bereich der Malerei hat man fcftjtetloii können, daß ein Kind mehr Begeisterung für reine Stimmungsbilder aufbringt, ein anderes nieder mehr Freude hat an fadjlicij interessanten Blättern. Immer aber hat das Abbild von der Kiiusttec eigenstem Schicksal, sei es nun Lesser Ury, Lieber, manu oder einer nuferer anderen Meister. Kinder s aufs höchste zu beeindrucken gewußt. Dr. 0. B. } Musik-Erziehung I Musik ist die Kunst der Gemeinschaft, und du wir; \ im Ausbau einer neuen Gxmieinschast des Schictßüs i boßtincii sind, ist es an der Zeit, uns auf die ergebe-- rischen Grundlagen des Musikalische» zu briinue». Drei Wege wollen wir dabei beschreiten. d,e nnu verschiedenen Seilen au die 'Musik heransühren. De zu gehen, liegt in unserer Macht; das; aber 'JJiiuif wird und ist. bleibt eine Gnade, und mit der Ehrfurcht vor dem Heiligtum der Kunst wollen nur nn» auf unser trivium nuisicmn, den Treiweg muß,. t erzieherischen Werdens, begeben.; Zum ersten fragen wir nach der Erziehung in Musik, sagen wir lwsser Unterweisung; denn wir i meinen damit den musikalisch» Unterricht, wie er herkömmlich war, und wie er es. nicht immer zum musikalisd)eii Segen, wohl auch geblieben ist. Des i j Kind muß ein Instrument lernen, meist Klavier, im i - Abstand Geige. Bon den Plackereien des fugendi liehen Musikadepten wollen wir nicht viel reden.. - i Hart war der Preis, irgendein Liedlein spielen zu j können, durch endloses Uebeu erkauft; und solche ' Harte uurtt nach. Ging das Leben dann leineu eigenen Weg. streckte der junge Geigcrliiig oder! : Klaviertraktant die Füße nicht mehr unter Vaters;; Tisch, kamen noch Berns und Heirat dazwischen, i dann waren Uebung und Geübtes gar bald vergehen. i, ' das Klavier wandelte sieh immer mehr zum 'Mnvelj ' stück, auf dcps man Photographien stellte, und die Geige lag verstaubt und mit zerfransten inifru in der Ecke. Nun ist die musikalische Kunst alles andere als eine Spielerei. Alles Lernen und Erlernen bedarf des Schweißes, und cs bedeutet nichts als einen törichten erzieherischen Dilettantismus, wenn man f; meint, mau könne dem Kinde mit allerlei Belusti- ' gungcn die höchst ernste Vorbereitung des Lebens geben. Gewiß soll Freude immer wieder in Ra? Schulstuben jeder Art einziehen, aber wenn das Leben kein Kinderspiel ist. darf es and) die Unterweisung nicht sein, und darum kommt es ans die Gesinnung des Lehrenden an,' — m,dj im Musikalischen. Tic Eltern können cs nirijt beurteilen, ob rin Kind die Voraussetzungen erfüllt, die zum Erlerne,! eines Instruments gehören. Ter Lehrer weiß es nach kurzer Zeit, und er muß sich bei aller Schwere > der Berufsnot dazu entschließen, den Schüler wieder i heimzuschicken. wenn sich die rechte Vertrautheit mit : den handwerklichen Voraussetzungen der Musil gar nicht ciiiftdleu will. Das kann oft an einem Angcn- . j blick hängen. Jeder Klavierlehrer kennt die mehr . t oder weniger große Pein, die das gleichzeitige Spiel mit beiden Händen nach den ersten schlüchternen; Schritten über die Tasten verursacht. Aber bald, mit einem Mal stellt sich die Fertigkeit ein. Tt Bewegungen, die vorher in allen Einzelheiten - Willen unterworfen waren, haben sich durch die An» > Passung der vielfältigen Mnslelletten an die neuen; ■ Erfordernisse gewissermaßen selbständig gemacht. > — der Psychologe sagt, sie sind „transrationa," gcb worden — und damit ist das anjangs unendlich i Schwere erreicht. ] Tas zeigt, daß sich im Erlernen der Instrumeisic |! zugleich rhythmische Körperprobleine einstetlen. die - in. der musikalischen Erziehung eine große Reite spielen und von einem fortfdjritüidjcn Musillehrer in allen Sparten beherrscht iverdeu. Sie nmgresien den ganzen Rlenscheu. nud mie sich nichts von den Ouelleu des Lebens trennen läßt, was zum ivesenti lichen Tun gehört, so wird die rechte mnsilalische ] Ucbnitfl im Spiel eines Instruments nud) entwich-;,j benb das Leben mitgcstalten mirssen. Tas zeigt defeite das Entweder — Oder hinreichend au. Die Be- >d rtifömnl)! wirft Fragen auf. die über diese erziehe- M chscheu Bezirke hinausgehen, wenn aucch nidjt verkannt sei, daß sie von den Anfängen gerade i" der Atusik lnitbestinunt wird, von der wie von keiner zweiten Kunstgattung die alte Wahrheit gilt, daß Hans nimmermehr lernt, was Häuschen nicht gelernt hat. Die Alufte umgreift das Lebe». Tarmn IM 'Ist; auch der erste große Lehrer abendländischer Gehtest gestaltung, Platon, die sittliche Ausgabe zncrtcilt. die Seele harinonisch durchznbilden und nicht geisilastr Belustigung zu dienen. So sprechen wir denn z»," zweiten von der Erziehung durch Musil. Dun» nähern wir uns dem Umkreis der Ge,neinschast. die 'schon in frühester Zeit musikbildnerisch wirken kann. Aller musikalischer Anfang ist der gemeinsame W' sang; er hat die Menschen stets znsammengefnhn? imb zusammengehalten. Wo n n s e r geineinschatt';- licfjcr Gesang zu suchen wäre, muß der Erörterung l)r. Walter Feüchenfeld. Äucli dte Elternhaus soll $©b©n lohren

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