Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 26 (28.6.1934)
- Date
- 1934-06-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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■22.75 ü U U L eil & r-1 Ü *? gelassen.) rlo | c. w. \ w t •t ■ ■'S Hummer 26 3. Beiblatt der C.-V.-Zeitung das erste JÜDISCHE Gemälde von Lesser Ury, Verse von Thekla Skorra Mt um Brentano (Bettina von Arnim), die mich dem frühen Tode ihrer Eltern bei der Großmutter in Offenbach lebte, korrespondierte als fünfzehn- bis achtzehnjähriges Mädchen lim das 3nl)r 1800 mit ihrem Bruder Clemens. Unter hm vielen anmutigen Episoden, die sie in diesen Briefen schifdert, eine der menschlich-liebensivnrdigsten und zugleich die Zeitgcdcmken erhellender ist der Brief über ihre junge jüdische Sticklehrerin Beilchen. Bettina schreibt ihrem Bruder: Das junge Mädchen, was uns sticken lehrt, ist eine 3 ft d i tt. Sic heißt Veilchen; es ist ein recht liebkosender Name; und ich fand lcht das erste Sträußchen ihrer Namensvettern zn° faminciu da ging ich ganz früh zu ihr, um sie damit zu überraschen. Ich fand sie aus der Treppe mit dem Lesen in der Hand; sie war beschämt: ich aber gleich nahm ihr den Besen ans der Hand und sagte: „Ach, lassen Sie mich auch ein bißchen kehren." Ta kam so früh schon — denn cs war noch nicht sieben Uhr — der Hofmeister von Eduard Bethmann, der spätere Schauspieler aus der bekannten Frankfurter Familie Bethmann, vorbei; der muhte es der Tante gesagt haben, daß er mich vor der Hanstür eines Juden aus offener Straße kehrend fand. — Ich muß jetzt lachen; denn es ist auch recht lächerlich — ich will Tir die derbsten Atisdrücke von der Tante ihrer Mercnriake ersparen; sie meinte nur, ich sei verloren, für ein besseres Tasein verloren; ich habe nach gänzlich weggeworfen. ,,Vous ave/, point de pudeur, point de respect humain; on vous trouve balayer la rue main en mam avec une juive!“ Ich mußte lachen! Nein, ich sonnte nicht anders. Tu weißt, ich fürchte die Tante und mag sie nicht gern beleidigen oder reizen! ,,Eae.be/. vou/. devant 1e irrende, mfon ne lise point sur votre front les deshonorants sign es de votre ei'fronterie.“ Ach. ich mußte'noch einmal lachen, die Tante ging hinaus . . . Ach, rtnd wenn Du wüßtest, wie hübsch es bei dem lieben Veilchen war! Da war alles schon so sauber im Stübchen, ein kleinerKaminherd, auf dem brannte ein Ieucrchen; dabei kochte das Frühstück für den Großvater^ der saß dabei und strich [einen langen weißen Bart durch die Finger. Veilchen stickte ein Goldmnster sehr schön in einen rosinfarbenerr Lammet, so nennt sie ein sarrstes Braunrot in ihrer Iudensprache. Ti'e Arbeit ist bestellt, rind sie bekommt dann viel Geld, ivenn es fertig sein wird. Sie ernährt ihren Großvater und zwei seiner Urenkel, die Waisen t'vn dem gestorbenen Bruder; denen ist die Beilchen ganz wie eine Mutter. Ich half ihr sticken; es ward recht gut: deim ich habe Augenlnaß und mache die Stiche sehr egal. Alles, wa» mit dem Geld angefangcn werden soll! — Wnisd'or! — Ta ist soviel zu bestreiten in der Haushaltung, vom Hemd bis aus die schuhe und Schüsselchen und Töpfchen, und her Herd, der eingefallen ist, rmd die Ofenblatte geplatzt. Das muß geflickt werden rind das Wohnzimmer frisch geweißt, wo die Leute cintreten, um die Arbeit zu bestellen. Veilchen ilt von der Gattung Mädchen, die einen Nclkenkusi vor ihrem Fenster Pflegen und Absenker machen und endlich einen ganzen Flor daraus tzehen: die auch wohl ein Mhrchenbäumchcn ,Z"r Blüte bringen, aber kein Kränzen daraus >umden. „Es wäre auch schade." meinte sie heute morgen und lächelte. — Wir waren so ^FMügt zusammen beim Sticken; ich fädelte me Füttern und Goldbouillon ans einen langen Fadens da ging die Arbeit viel geschwinder. Wenn fte solche Hilfe hätte, meinte sie, dann würden die Sorgen ihr nicht so leicht über den JtojPf wachsen. Ich bat sie, daß sie mich alle cUühmorgen mit soll sticken lassen, daun wird's gewiß acht Tage früher fertig. Früh um vier geht schon die Sonne auf; da kann ich sticken As acht Uhr; dann mnß ich zur Großmama Zl.nn Frühstück. Jetzt wirdA aber die Tante mcht erlauben: denn weil ich die Gasse gekehrt AVu Und soll iclss heimlich tun? Das wirst mir nicht erlauben: und soll ich's ganz unterlassen? Das will ich nicht. Mein Wort brechen, einem Mädchen, was seinen Großvater ernährt und seine Geschwisterkinder? — Jtub sie weiß nichts davon, zum Tanz zu gehen oder schön geputzt in Kleidern ans den Freier warten. Und ich wollte da ein kleines un- I^ViAges Fädchen anspinnen im Gewebe der >wlt, ein einzig klein Fädchen, nnb — nein, tcl) soll s abreißen, weil sich's nicht schickt! Ach. wo soll ich jn der ereignisvollen Welt meinen daden anknüpscn, wenn das Einfachste gegen ucn Anstand ist? Nun will ich Dir noch vom Veilchen er- Agwst. Dn sagst von ihr: „Sie mag ein gutes Geschöpf sein, zu der ich herabsteige mit meiner Vertraulichkeit!" — Wer bin ich denn, das; ich wich herablasse, wenn ich mich zu einem guten Fwschöps vertraulich wende? Bin ich ein Mgel? Nun, die fliegen sa den guten Menwjrn nach und bewachen sie aus Schritt und Auf ferne,, Bergen leuchtet das Morgenrot, iWild lodert die Brandung zum Fels. Auf starren Steinen, vom Widerschein rot, Hockt stumm und versunken: Der erste [Mensch. Und neben ihm, auf die Knie gebückt, ln ihren Schoss blickt zärtlich und still. Mit Augen so tief, wie der Erd’ entrückt, Die erste Mutter — auf das erste Kind! Tritt; aber ich glaube nicht, daß ich ein Engel bin; ich glaub' vielmehr, daß ich zu ihr hinansterge statt herab! — Sic ist diesen ganzen Sommer in Wiesbaden mit ihrem Großvater; sie weiß, der alte Mann muß sterben mit seiner Krankheit; er ist schon zwischen siebzig nnd achtzig Jahr; aber sie hat ihn hingeführt: seine Enkel hat sie ansgctan bei befreundeten Juden für ein Moslgcld, so hoch sie es zu erschwingen vermag. Tie Hoffnung, daß die Bäder ihm nutzen, macht den alten Mann geduldig in seinen Schmerzen; so denkt sie, ihn leise den Lebcnspfad sortzngeleiten, so pflegt sie ihn! „Er ist mein Großvater", sagt sie, „mein Vater war sein Liebling; er hat gar sehr viel an ihm getan!" — Also da las ich ihr als vor ans den Büchern, die ick; von Dir hatte; manches schöne Lied von Goethe hat sie auswendig gelernt während dem Sticken, nnd ich fädelte ihr die Nadeln ein. Es waren die liebsten Feiten mir. Als sie wegging, habe ich ihr versprochen, noch den Kindern zu sehen, nnd ich bin deswegen mit ihr im Briefwechsel. So lasse ich ihr Stickrnnstcr bei dein Goldarbeitcr Fink machen, Mit den Wandlungen des äußeren Lebens, mit den Problemen, die uns heute jeder Tag neu stellt, mit der Umschichtung und Veränderung, die wir alle in beruflichen und geistigen Dingen, erleben, ändern und wandeln sich auch die Formen unserer Geselligkeit. . Wir haben alle die. Unbeschwertheit verloren, die fähig macht, sich ohne bestimmten Zweck und Ziel zu Manschen zu'finden. Einladungen ,aus Gründen sogenannter „Gesellschaftlicher Berpflich. tungen" oder gar der Repräsentation haben so gut wie ausgehört. Auch nach dem „Ausgehen" sieht den wenigsten Menschen mehr der Ä-inn..Dagegen aber haben wir alle den Wunsch, uns miteinander ansznsprechen. So unendlich viele ungelöste Fragen liegen uns ans der Seele. Man findet zueinander einfach ans dem Gefühl heran?, das; vielleicht der andere irgendeine Antwort wüßte ans Fragen, die allein zu durchdenken man nicht die Kraft und oft auch nicht genügend „Substanz" hat. - Roch ist die große Wandlung, vor die Zeit nnd Umstellung uns'so Plötzlich gestellt haben, zu frisch, als daß wir uns schon hätten wiedersinden können. Alle suchen wir nach einer sicheren nnd bewußten Haltung. Ans diesem Tasten nnd Suchen der Menschen haben sich gewisse Formen deS. geselligen Beisammenseins entwickelt, die an eine Blütezeit gesellschaftlicher Zusammenkünfte erinnern: an die Zeiten der „Salons". (5Z wäre unrichtig nnd gäbe dem was heute vorgeht einen entstellenden Sinn, wollte man die abendlichen Beranstaltnngen im jüdischen Leben als „Salons" bezeichnen. Aber doch muß man manchmal an diese Art de§ Zusammenstehens nnd Findens geistig gleichgerichteter nnd künstlerisch interessierter Menschen denken, wie es sie zur Zeit einer Rahel gab. wenn man sich einmal etwas näher mit unserer heutigen jüdischen Geselligkeit beschäftigt. Und als das Kleine zur Mutterbrust, /.um riuneudeu Liebessafte sie hob: Da floss ein Strom von siegender Erdenlust Weit über die durstende Welt. Ob auch dort drüben ein CJott zerbrach, Was sei ne Sehnsucht, sich stillend, gegeben: Hier unten, empfangen in Fluch und [Schmach — — Hier sprach zum erstenmal: Das Leben! wenn sie nette Aufträge hat. Ich schicke ihr die Seide itttb das Geld nnd ged' ihr meine Ansicht: es ist iminer das größte Pläsir, wenn ein Auftrag bei ihr einlättst, wobei meine Er° sindung von ihr in Anspruch genommen wird; ntein liebstes ist Stahlslitter und Perlen: nnb letzt habet; wir eine grüne Sammetrobe in solchen Ctahlgirlanden angeordnet mit einem: Netz von goldnen Raupen darüber, nnd das soll so wunderschön gewesen sein, schreibt sic, daß man nicht glaubt, in Paris könne es besser gemacht seit;. — Meinst Tn, so was hätte keinen Reiz für mich? Wohl freue ich tnich über einett solchen Brief. Und wie mattche Stunde, in der Nacht habe ich in solchen Erfindungen geschwelgt! . Tu siehst, lieber Elemens, die Gegend ist anders, als Tn sic gedacht hast:, da ist kein Steg, der Hittab in die Gemeinheit führt. Wir befinden uns innerhalb der Grenzen des einfachsteit Verkehres. Elcntens, was wäre es. toenn ich mich abhalteit ließe, der Veilchen die kleinen Gefälligkeiten zu erzeigen. toci[ Offenbacher Inden von mir sprechen? . Diese jüdischen Menschen, die sich. in solchen Kreisen znsarnmeitsinden, kommen zum Teil ans ganz verschiedenen Interessensphären. Aber man hat etwas gemeinsames. Das Suchen. Man wünscht mit ganzer Seele eine „Anssprache", ja man sehnt sicl> sogar nach „Diskussion". Fast alle Vorträge, die Probleute des heutigen deutschen Iudenttnns behandelten, toaren in diesem Winter nnd Frühjahr bis ans den letzten Platz gefüllt, nnd ganz sclbstverständtich knüpften sich an diese Borträge rege Diskussionen an. Auch nachher noch, beim nach Hause gehen, hatten chch die yjicnfdjen. untereinander unendlich viel zu sagen, nnd ganz ungezwungen trnd ohne Vorbereitung ergab sich, daß man in der einen oder anderen Wohnung noch weiter sprach nnd sich bis in die späten Nachtsttmden unterhielt. Aus diesem Zusallstrefsen von geistig nnb künstlerisch lebendigen nnd itttercssierten Menschen wurde langsam etwas Ständiges. Es lmtrben daraus „Abende", an denen rnait sieh wiedersah nnb diejenigen Fragen, an denen Verstand, Herz nnd Gefühl hingen, weiter besprach/ So hat sich unsere Geselligkeit verinnerlicht und beseelt. Oft denkt man, das; diese Wandlung znm Besseren vielleicht zn teuer erkauft wurde, aber doch inöchtc man sic keinesfalls misscit. Es ist gut so. daß tvir nbcitds ttnd bis in die Nacht hineitl tviedcr reden, sinnen, denken nnd lcrneit. .Es ist gut so. daß wir tms versenken in unsere Geschichte, daß wir die Bibel neu entdecken, daß wir grübeln nnd suchen nach neuem Inhalt dieses im materiellen oft so tmbefriedigend getvordenen Lebens. Es ist keittcstvegs schade darnin, daß weniger Bridge gespielt wird nnd weniger Kabarettknnst nns über die Spannungen hiwvegtättscht, in die das Leben nnd die Zeit nnS stellen. Man hat früher oft biitcr beklagt, das; cs keine geistigen Zirkel mehr gäbe. Jetzt sind tvir ans dem besten Wege dazu. sic nns in ttatürlichcm Wachstum zn schassen. Ruth. 'FRAUENGESTALTEN Jephthas Tochter spricht: Keine Schwester hatte ich nnd leinen Bruder. Tie Btntter war . früh weggestvrben: da war der Vater mein alles. Zog er ins Feld, so schaute ich ihm nach von; obersten Söller, bis Staubwollen den Alaun nnb das Roß verhüllten. Sprael, er Reätt unter den Alänncrn, so kauerte ich zu seinen Füßen und Horchte, während die Aeste der Tamariske im leisen Winde schwankten. Und nto die böse Zeit Ihm, da die sivlzen Oheime den Vater vertrieben von Hans nnd Hof und sprachen: „Du Sohtt der Fremden sollst nicht erben mit unseren Kindern!" — da floh id, mit chm ins feritc Land nnd harrte bei ilpn ans in den finstcrit N'ääiten des Elends. Dann kamen sic zu chm, die Fürsten des Volkes: „Sei unser Retter vor Anmrons Heer!" pap sah Hut schwanken, ich sah ihn zögern: „Was lonnnt Zhr zn wir. den läitgst Zhr vertriebet?!" — Sic ließen nicht und) mit Bitten nnd Flehen. Der Vater wandte sie!) ktiicend zn Gott. Ans stand er — nnd Blibe schossen ihm ans den Angen: „Fe!) tritt es hm - so helfe mir Gott!" — Zn mir aber bengl er sic!) mit zärtlillteni Blicke: ./Mein Mäddien. dn bleibe mir nicht im einsamen Hans: geh zu den Ge> svielinnen nach Schomron, dort harre iuihüdt, bis ich heim kehre!" Gehorsam folgt ich. Aber die Wochen sdiivanden zu ZAlonden. der Sommer tmu — nnd immer noch keine Bolseltaft vom Vater! — Ta litt >'s mich nicht länger im frentidlichen Hanse, bei frohen Gespielinneit, bei Reigen nnd Tan,;. A'achts macht ich mich ans; Irirtit fand ich den Weg über mondhelle Holten nnd) Gitead. Jovi lag unser Hans, einsan: nnd verlassen . . . Wer sprewgte dort l)evai; von; Waldrand!! — Rach traute ich den Augen nid)t: dort kennen sie heim, die siegreidtcn Truppen, grüne Blätter nnnvander die Gescltvsse, die Pfeile feierten müßig im Köcher. Alikten tnüer ilptcn — der Vater: Ta nahm id) Pauke und Flöte zur Hand nnd eilte voll Zmbek dein Sieger entgegen. — Der aber, kaum sah er mich, verhüllte das Antlitz. „Was tritt dn. Tochter?! Wie beugst dn mein Herz! — Dn warst nieine größte Freude, jetzt schaffst dn mir bitterstes Leid. Meinen Mund tat ich ans vor kok und kann's nicht znrückmchmen . .. . Opfern nwllt ich, was zuerst mir enigegentäme, wenn id) sieg reich kehrte nns seindlicher Schlacht! „Tu >vie dn gelobtest, mein Vater!" sprael, id, und faßte mein Herz mit beiden Händen, daß es nieltt berste vor plötzlicher Onat. — Dann aber wallt es in mir ans vor Abschiedstvel,: tvir leben gerne, wir Töchter Judas — wie schön tvar die Heimat, ihr Wald und ihr Feld! Wie fröhlidr spielten dort die Freundinnen alle! — Run sollt ich niinwer den Brantltimmel schauen, die Hoc!, zeitstrone ninnnermehr tragen; die settönen Kleider. die Priinlgctvänder. die sorglich die Mutter mir in der Lade bewahrte, daß ich sie trüge am Tage des Festes. — Wurm und Motten nwrdeir sie fressen . . . Umsonst, umsonst hat mich die Mutter geboren! Und nochmals ging ich. z»m verdüsterten Vater: „Ist's wirklich Gottes Wille, Vater? hat Gott Per Herr nicht dein Menschen verboten, daß er auf dem Altar bringe dar: sein Fleisch und Blut?!" — Und ich ging zti den Richtern. Aber stumm standen sie und ehern; sie sahen nichts als Gesetzesmauern; der Herr hatte ihnen Erlenelttung versagt. — Ta kehrte ich mich zum Vater zurück: „So laß mich weinen um meine Fugend, um meine Inugfrauschaft laß mich trauern! Ten Bäumen des Waldes will ichö klagen, die Tiere des Feldes sollen mich betveinen!" So ging ich in die Berge mit all meinen Gespielinnen nnd klagte den Bäumen des Waldes mein Leid: das; ich scheiden müßte von aller Freude, daß mir statt der Hochzeit das Totenkleid zugedacht fei . . . Dann tat der Vater nach seinem Gelübdes Aber nod) heute klagen die Töchter Judas um Jephthas Tochter, die schuldlos starb. Und eine Stimme scholl ans der Höhe: Verlangte ich jemals Menschenopfer? niemals gebot ich's, nie kam es mir ein, nicht findet Zhr's in den heiligen Büchern. — Weh dem Geschlecht, das mein Wort nicht verstand! Jparon. Walter Bauer: „Das Herz der Erde." kin Mutterroman. Bruno-Cassirer-Aerlag, Berlin. Dieser Roman, von einem Mann geschrieben, singt das bade Lieb der „unbekannten Atutter", der Frau ans dem Volke, die als natürliche Kette zwischen den Geschlechtern, ans instinktiver gliickhaster Vlutterliebe Alittelpunkt der Familie, Gebärerin und Erzieberin ihrer Kinder ist. Das Leben dieser Alma von ihrem dreizehnten bis etwa fünfzigsten Lebensjahr spiegelt das Leben des Alädchens ans kleinbürgerlichem Alilieu, das zuerst als ältere Schwester die jüngeren Geschwistern betreut und dann eigene Alntterschast mit allen Leiden und allen Freuden erlebt. Wie sich durch die Generationen hindurch Eigenschaften fvrterben, wie elterlicher Einfluß schließlich doch am starlei: Schicksal des einzelnen scheitert, >vic die Alutteck>H'e wohl durch die glückhafte Entwicklung des Kinde» belohnt wirb, aber ainch in Atachtlosigkelt vor boten Verstrickungen der Kinder scheitert, das alles wirb in diesem V,lch schlicht nnd durch die erschütternd geschildert. Es ist ein Roman ohne Sensationen, 'aber von starker Jnnerlichleit.