Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 26 (28.6.1934)
- Date
- 1934-06-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2278044-2278070--08668-2289704- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
u OU^a ts ÄUrrt .Ten ~ Tuici, o- Ul'.b;>« Do. 'wnal-'i *) qmvUn‘cri -) dies. )>Jfinrr . iCJL i'tUfyy •'önntw fern 20 da nur wmi'ni- : man n. 4; lJ) n nb imh bftrav.f min'jtf. nitbcr- T co ’ibimpi 'V brn n Ter fei fiepte jol cf'.ft $ : inmal n mit Wann- (i : 12. nn::» er [ja 10 um ,o bieten Feld iv lim te sich 'icber- -dient. irüirf) ompm c bn-3 C’. Ibeil. lernte icqcn* >Iji)fi-3 t _ brr ln* Co. re; K$ Ml S5<3 IC mini n *b | 6 Sl Mxwjß mnci ^->0 UQ L—J Lj \~j v—J Li UV_ Nr. 26' 2. BosfaSatt •■ierMäm i % l JL Jüdisches Schicks® in ißeatscmmti m IL Ms 13. Von Professor Dr. Ismar Elbog, Om Jahre 1084 erweiterte Bischof Hnozman von Speyer die Altstadt Speyer durch dos Torf Neuspeyer. Als neue Siedler berief er auch Juden und war, wie er sich ansdrnckte, davon überzeugt, den Glanz des Ortes tausendfach zu erhöhen, wenn er auch Juden ausnähiue; er verhieß ihnen ..ein Recht, das besser ist. als sie es in irgendeiner Stadt des Deutschen Reiches genießen". Wenige Jahre später besuchte Kaiser Heinrich IV. Speyer — der greise Bischof führte die Juden bei ihm ein, der Kaiser nahm sie in seinen Schuß und bestätigte ihre Rechte, (sine ganz ähnliche Urkunde erhielten zur gleichen Zeit die Juden von Worms, die dem Kaiser in seinem Kampfe gegen den Bischof mit den Bürgern zusannncn znr Seite gestanden hatten. Auch die Juden von Mainz müssen ähnliche Rechte besessen haben; der Führer ihrer Gemeinde war es, der im Augenblick der Gefahr die Hilfe des Kaisers angerufen hat. (Küste, haben die Juden von Regensburg durch Heinrich IV. ihr Grundrecht erhalten, und von den Juden der anderen großen Städte ist es anzunehinen. Tiefes Privileg Heinrich IV. ist die Magna Charta der Juden in Tentfchland durch das ganze Mittelalter gewesen, in der Theorie ist sie in Gel- Hmg geblieben, so lange das Heilige Römische Reich Deutscher Ration bestand. Sie ist die Grundlage jenes Berhältnisses getvorden. das Kaiser Friedrich II. später als Zugehörigkeit der Juden znr kaiserlichen Kammer') bezeichnet hat. Er meinte damit, daß die Juden unmittelbar dem Kaiser unterstehen und keiner anderen Gewalt — wo sie einem Bischof oder einem weltlichen -Herrn verliehen waren, war das nur kraft der kaiserlichen Atachtvollkommenheit geschehen — das; der Kaiser also ihr Schutzherr und ihr oberster Richter ist und daß sie dafür der kaiserlichen Kammer Tienste in Gestalt von Geldzahlungen zu leisten haben. Tiese unmittelbare Unterstellung unter des Kaisers Schutz hatte für die Juden einen ganz besondern Wert, sie verlieh ihnen Freizügigkeit im ganzen Reiche, sie konnten ihre Waren unbehelligt zu allen Märkten befördern, ohne Zoll zu zahlen, ohne Gefahr zu laufen, daß man Pferde oder Schisse für Heereszwecke von ihnen requirierte. Sie hatten einheitliches Recht, ihr Eigentum an „Ländereien. Gebäuden, Gärten, Weinbergen Aeckern, Sklaven oder andern beweglichen und unbeweglichen Tingen" durfte ihnen niemand wegnehmen sie hatten auch das Recht, ihr Eigentum durch jede redliche Transaktion zu vertauschen oder zu verkaufen. Eie waren in ihrem Glauben geschützt, niemand durfte ihre Kinder mit Gewalt zur Taufe zwingen; wer es tat. machte sich strafbar. Auch wer heidnische Sklaven, die im Besitz von Juden waren, gegen den Willen ihrer Herren taufte, verfiel der Strafe, und wenn es geschehen war, gewann der Sklave nicht, wie früher nach römischem Recht, die Freiheit. Ehristliche Sklaven durfte ein *) Ägl. „E.-D.-Ztg." Nr. 20 vom 17. Mai und Ar. 24 vom 14. Juni dieses Jahres. ft Tie verbreitete Uebersehung „KammerknechtschastJ ist irreführend; sehr treffend hat Insel von Rußheim im IN. Jahrhundert in einer Eingabe an die Behörden die Juden als „Eammerleut" bezeichnet. Jude nicht kaufen, aber christliche Lohnarbeiter ,2*® cc ~ "nßer an Sonm und Feiertagen — beschäftigen,^ er durste sogar christliche- Tienstboten m seinem Hause halten. Rechtsstreitigkeiten untereinander . sährten die Juden noch jüdischem Recht durch, bei einem Rechtsstreit zwischen Ehristeii und Juden waren beide Pstnsteien einniider gleichgestellt. Dieses Recht wurde, wie die gesainte kaiserliche Macht, im Laufe der Zeit stark ausgehöhlt, es verlor viel von seiner Geltung, aber iioeh in der Zeit des Tiefstandes der kaiserlichen Gewalt, im Dreißigjährigen Kriege, verlangten die Judeii danach, unter des Kaisers Aar zu stehen, weil sie von dem weit umfassenden Reiche viel mehr Schutz zu erwarten hatten, als von den kleinen und kleinsten Landesherren. Sie lernten zeitig genug erkennen, ivie problematisch der „Schutz" der kleinen Herren war, der sich immer mehr zu cnwr Frage des Gewinns und der Ausbeutung für die Herrscher gestaltete. Eine jener großen Peripetien der Weltgeschichte hat es gefügt, daß tvenige Jahre nach der Erteilung der erwähnten Privilegien die erste große Katastrophe über die Inden Deutschlands hereinbraeh, das schreckliche Morden, welches dem ersten Kreuzzug vorangiug Kprühjahr 1096). Als die ersten erschreckenden Zeichen einer gehäsfigeu Haltung der Kreuzfahrer' aus Frankreich nach Mainz gemeldet wurden, antwortete die dortige Judengemeiude voller Mitgefühl, daß sie für das Wohl der auswärtigen Brüder beten und fasten wollte, sich selbst aber . völlig sicher fühlte und nicht die geringsten Vorboten einer drohenden Gefahr bemerken könnte. Tatsächlich haben auch vielfach Christen, selbst Geistliche, den ihnen befreundeten Juden in ihren Häusern Schutz geivährt; die besseren Bürger in Mainz haben sogar gegen die Kreuzfahrer gedämpft. als diese das Stadttor stürmten. Aber das half^alles nichts, der Fanatismus gegen die Andersgläubigen, gegen „die 'Mörder Christi", peitschte die Leidenschaften mächtig auf. Tausende von Juden an der Linie von der Mosel zum Rhein und zur Donau wurden seine Opfer. In nicht genug zu bewundernder Einmütigkeit und Standhaftigkeit haben die Inden ihr Leben und das ihrer Kinder hingegeben, um nicht ihrem Glauben untren zu werden; so cinsaeh ihr Denken, so fest war ihre Ueberzenguug. Rur wenige gaben dem Zwang nach und ließen sich taufen, aber die meisten von diesen kehrten wieder zu ihrem Glauben zurück, der Kaiser hat das gebilligt und auch die deutschen Bischöfe sind nicht dagegen eingeschritten, obwohl der Papst ihnen sein Entsetzen über die ihm gewordene Nachricht zn verstehen gab. Die Metzeleien des ersten KreuzzugS haben sich beim ziveiten nicht wiederholt, die Zahl der Opfer war verhältnismäßig niedrig, weil der Heilige ' Bernhard von Clairvaux sich energisch gegen die Abschlachtnng der Inden wehrte, weil Kaiser und Ritter Juden in die schützenden Mauern ihrer Burgen ausnnhmen. Aber das böse Beispiel war gegeben; bei jeder neuen Krenzzngsbewegnng, bei jeder sonstigen religiösen, politischen oder wirk» schaftlichen Erregung loderte der Haß von neuem aus, mußten die Juden von neuem fürchten. Ter Jude wurde der Feind, für jedes, außergewöhnliche Ereignis, für jedes Verbrechen wurde dem Juden die Schuld zngesehoben, ohne Untersuchung wurde an den Juden insgesamt Rache genommen. Ende 12Nö wurde zum erstenmal in Deutschland die Blul'befchuldignng gegen die Juden vorgebracht, die ein Jahrhundert vorher in England ansgetaucht war. In Fulda war eine Mühle in Brand geraten, in Abwesenheit des Mnllerpacwes waren seine Kinder Opfer des Feuers geworden. Man beschuldigte die Juden des Mordes, fiel über sie her und vernichtete die ganze Gemeinde. Obendrein aber brachte man vor den Kaiser Friedriehls. die Anklage gegen die Inden des ganzen Deutschen Reiches, daß sie ehristlicye Kinder nach einem Gebot ihrer Religion ums Leben brächten. Der Kaiser veranstaltete eine eingehende Untersuehnug, befragte viele Fürsten und Geistliche, auch getaufte Inden, und sprach schließlich die Juden von dieser Anklage frei. Er stellte der Gesamtheit der Inden Deutschlands im Juli 12,'16 die schriftliche Bestätigung ans, daß die gegen sie vorgebrachte Anklage haltlos war. und verbot allen seinen Beamten und Untertanen dieselbe zu wiederholen. Ein Jahrzehnt später hat Papst InnocenzlV. ans die „flehentliche Bitte der Inden in Deutschland" die Erzbischöfe mW Bisehöfe Deutschlands dringend ausgefordert, nieist zn dulden, das; wie bisher geistliehe wie weltliche Fürsten und andere edle und mächtige Große ihrer Städte und Sprengel, um die Güter der Inden nngerechteriveise zu plündern und sich anzueign-eu. falsche Beschuldigungen, insbesondere die Anklage des Ehristenuwrds, gegen sie vorbrächten und dom Recht und dem kirchlichen Willen zuwider sie ihrer Güter berauben, mit Hunger, Gefängnis und vielen andern Druckmitteln bestraften (Juli 1247). Für den Augenblick haben diese Mahnungen genutzt, für die Tauer haben sie uieht geholfen. Die l)änfigen Haßansbrüche der Bevöllernug haben nicht verhindert, baß die Inden sieh weiter in Deutsel)lanb ansbreiteien. Das Zunehmen und das Wachstum der Städte brachten eine entsprechende Bermehrung der Jndensiedlungen. Es ist eine Stenerliste aus dem Jahre 1241 erhalten, die 25 Jndenschasten als steuerpflichtig nennt und lehrt, das; die Inden 12X« Prozent alter Reichseinnahmen mit ihren Stenern deckten. Aber diese Liste ist keinesivegs vollständig, sie enthält nur die Siedlungen am Rhein und seinen Nebenflüssen sonne an der Donau, ivährend bekannte und wichtige Gemeinden fehlen. Tie Juden wohnten, wie im Mittelalter alle gesehlvssenen Gruppen, in besonderen Vierteln, die meist in der Nähe des wichtigsten Verkehrsmittelpunttes lagen und den für den Kaufmann notwendigen Warenumschlag erleichterten. Mitunter war das Judenviertel von einer Mauer umschlossen, die von den Juden verteidigt werden musste; wo das uieht der Fall war. mussten sie die Verteidigung eines Teiles der Stadtmauer übernehmen — ein hebräisches Gedicht erzählt, wie die Stadt Worms 1201 vom König Otto belagert und die jüdische Besatzung auf der 'Mauer vom Rabbiuat die Erlaubnis erhielt, auch am Sabbat mit ihren Waffen zu kämpfen. Zwischen Bürgern und Juden herrschte im allgemeinen lein schlechtes Verhältnis, es bildete sich eine Gemeinbürgsciiaft der Städter heraus, von der auch die Juden nicht ausgeschlossen waren. Sehließlich waren die Interessen beider Gruppen, soiveit sie Handel und Wandel. Sicherheit und Blüte der Stadt betrasen, identisch. Tie KY M Am Dienstag mittag stürzte ein Flugzeug in der Nähe von Karlsbad ab und verbrannte. Ter Pilot und die beiden Passagiere, der Brüuner Fabrikant 'Moritz Skurnik und der berühmte Schauspieler Max Palleuberg. wurden tot ansgesunden; die Leichen waren bis zur Unkenntlick)- keit verkohlt. Palleuberg sollte in der nächsten Woche in Karlsbad gastieren. Der Vertrag, die Bühne, W AV W' das Ensemble, alles war in Ordnung, nur noch ein paar Proben waren nötig; die erste Vorstellung war sicherlich längst ausverkauft. Vielleicht hatten die Meisten, die ihn da als Zawadil oder als „Geizigen" bewundern wollten, ihn schon mehr als einmal in den gleichen Rollen gesehen und freuten sich umso mehr auf das Wiedersehen, das nun ein tragisch-grauenvoller Tod verhindert. Pallenberg war ja einer der seltenen Schauspieler, die ihre Rollen nicht schematisieren noch von ihren Rollen schematisiert werden. So paradox, es klingt, Palleuberg konnte eine Rolle hundertmal spielen, ohne sich zn wiederholen. Es gibt wohl kaum eine Rolle, die er nur hundertmal gespielt hätte, und doch schuf er sie jedesmal neu. Tatsächlich schuf er sie, indem er zur Dichtung so viel ans Eigenem hinzntat, daß eine neue, vertiefte Gestalt entstand, wie bei feinem „Geizigen". Und wo es sich nicht um eine Dichtung handelt, wie bei der „Familie Schiemet" oder bei der Dramatisierung vvnHascks großer epischer Burleske, da konnte man die ursprüngliche Rolle fast für nichts außer einem Anlaß, und da mußte man. was Palleuberg daraus machte, für alles halten. Es war wie bei einer Operette, zu der nur die Fabel der Handlung gegeben und alles sonst von ihm allein geschaffen werden mußte. Und er „schaffte" es, er machte diese Rollen und diese Rollen machten ihn weltbekannt, er galt seit Jahrzehnten als einer der originellsten und geistreichsten und trotzdem PopulärstenKomiker, und wie eigenartig er war, erkennt man selbst noch daran, daß Dutzende von Kabarettisten von Pallenberg-Karikatnren „gelebt" haben. Sie pflegten allerdings nur Pallenbergs Wortloitz, sein Diminnieren und Zerpflücken von Worten, zu parodieren. Die Spannweite von Pallenbergs Können reichte in Wirklichkeit viel weiter. Er hatte nicht bloß Witz, er hatte Humor, und er hatte „Musik im Leibe". Er spielte seine erste Rolle in einer Operette. Als Zickel ihn nach Berlin geholt und Reinhardt ihn entdeckt hatte, glänzte er in einer Operette von Offcnbach. Und später wurde der Jupiter im „Orpheus in der Unterwelt" von Ofsenbach einer seiner schönsten Triumphe. Aber schon im „Geizigen" von Moliöre zeigte auch Palleuberg, daß ein großer Komiker immer ein großer Traglker ist, und fern Rappelkops war vcstlends ein Dämon voller Galle. Laune und Skurrilität, sein Schneider im „Wcibstenfel" der bedauernswürdigste und gespenstischste aller.Kobolde. Unmöglich, alle seine Glanzrollen anfznzählcn, unmöglich aber auch, sie zu vergessen. Pallenbcrep war kein Filmstar, sondern, dem Typ, dem'Erfolg und dem Charakter nach, einer der Letzten von der großen Garde des vorfilmischen° Theaters, aber in einer Filmrolle, in Kortners Tcsraudantenfilm, gab er doch eine ebenfalls unvergeßliche Leistung, die an Chaplin grenzte. . Palleuberg ist 56 Jahre alt geworden. . Er stammte ans einer Prager jüdischen Familie. Er hat seine Herkunft nicht nur nie verleugnet, sondern auch ans sein nicht unbeträchtliches jüdisches Wissen immer einen gewissen Wert gelegt. Außerdem darf man sagen, daß seine Art des Humors, seine Dragikomik wie sein Wortjonglieren, etwas Indisches hatten. Er war noch nicht berühmt, als er Fritzi Atassary heiratete. Rach dem Umschwung - verließ er Deutschland, das Land seiner großen Karriere und größten Erfolge, und lebte aus Gastspielreisen im deutschsprachigen Ausland. . Bor nicht allzu langer Zeit wurde sehr viel über und gegen ihn geschrieben und gesprochen, als er beim Zusammenbruch der Amstelbank sein und seiner Frau Vermögen verloren hatte und mit Enthüllungen drohte, falls er es nicht tviederbekäme. Es wurde gegen ihn eingcwcndet, daß er auch in seinem Eharaltcr in'gewisser Hinsicht einigen seiner besten Rollen entspräche. Einem Toten Uebles noch als Grabrede nachzusagen, ist nicht unsere Sache. Mar Palleuberg hat vielen, vielen Tausenden die Wohltat des Humors erwiesen, ein Menschenalter hindurch haben 'Menschen durch ihn lachen können, durch diesen großen Komiker, an dem der Tod sich plötzlich als außergewöhnlichen Tragiker zu erweisen für gut fand. rscü. 1!!!$ Inden waren in der Hanptsuche Kaufleute und hatten, wie der grösste Teil der Bürger, auch ihr Stück Garten- und Ackerland. Handwerke betrieben verhältnismäßig wenige, und diese arbeiteten in der Süsskind von Trimberg vor einem mit Krummslab und Mütze versehenen Slijtshcrrn. Nach einer Miniatur der Manessischen Handschrift Hauptsache für Inden. Ter Handel pflegte in den großen Zentren die Ein- und Ausfuhr ans dein Ausland. in 'INainz und Regensburg vertrieb mau Waren »ach dein Süden und Oste» Europas oder dem Orient, rüstete inan ganze Karaivanen für sogenannte Rnssengänger aus. die bis nach dem alten Kiew zogen. N'ach England wurde vom Rliein her Wein erportiert, ivahrscheinlich-' brachte man von dort Tuche. Tie Hauptmasse der Juden aber lebte vom Binnenhandel und versuchte, den wachsenden Bedarf der Städte zn befriedigen. Juden verliehen auch Geld gegen Pfand und Zins, aber sie um reu nicht die einzigen Kapitalisten, oft mussten sie selbst bei Christen Geld entleihen. Tennoeh galten sie früh als die Wucherer schlechthin, ll-l>'> hat Bernhard von Clairvaur zu ihrer Verteidigung geschrieben, daß dort, wo es keine Inden gäbe, christliche Wucherer es weit schlimmer trieben. Tas Odium des Geldhandels ist an den Juden hasten geblieben, um so mehr als die Kirctje durch immer , strengere Maßnahmen die Christen vom Geldgesrliask abznbringen suchte. Bekanntlich mit wenig Erfolg. Ter allgewaltige Papst Jmiorenz III. meinte, men» er alle christlichen Wucherer von der Kirche ansschließen ivollte, müsste er bald die Kirchen schließen. Terselhe Papst verbot 1215 im 'IV. Lateralloiizil den Juden, unangemessene, übermäßige Zinsen zn nehmen. Das war ein sehr dehnbarer Begriff, denn der Zinsfuß richtete sich immer nad) Angebot und Nachfrage, und der gesetzliche Zinsfuß nmrde 1255 auf 4MProzent jährlich normiert. Aber diese Krise des Kapitalmarlts und die damit verbundene Anrnfimg der Gesetzgebung envies sieh zunächst noch nicht als Vvn-Aüce SSem-LcZndesmmM Jetzt sitzen sie schon eine Weile stumm nebeneinnnder, die beiden so ungleichen Frauen. Bor ihnen, ivie ans dem bemoosten Felsen heransivachsend. thront das alte 'Muttergottesbild, umrahmt von blühenden Pflanzen. Der primitive Altar ist mit brennenden Kerzen cmgefüllt. In diesem geschützten Waldnnnlel, im Schatten alter Tannen, brennen die Lichter so ruhig wie in einem Gotteshaus. Es ist sehr still hier. Vorübergehende Sva- .ziergänger unterbrechen ihre Gespräche, bleiben stehen, treten heran und erliegen sofort der Weihe des Ortes. Tas mütterlich zarte Antlitz des 'tRaricnbildes atmet die gleiche feierliche Sammlung ivie diese kleine Umfriedung, die nur so ivenige Schritte von dem belebten Wege entfernt liegt. Es kommt kaum jemand vorüber, der nicht ergriffen von diesem Frieden, innehält . . . „Sind's net von hier'!" fragt endlich die jüngere, derbe Frau in dem einfachen Kleid und sieht mit guten Augen in das leidende Gesicht der Fremden. Die schüttelt den Kopf; „Znr Kur. Bin krank. Muß hier Bäder nehmen. 'Mein Sohn hat mich hergeschickt. 'Mein Sohn ist Arzt-" Die Stimme wird schwankend. „Ja —^hier möchten alle g'sund werden.'" sagt die erste Frau. „Und die IMutter Gottes hilft auch dazu. Rur fein geduldig muß man sein-" Die Aeltere schüttelt den Kopf: „Nein, ich bin nicht-" Sie stockt: „Ich bin Jüdin!" sagt sie dann. Ihre tranervollcn Augen spiegeln eine heimliche Erwartung wider. Tie Antwort klingt unpathetisch: „Das macht ja nix. Vor Gott sind wir alle gleich-"■