Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1934-06-14 · 24 (14.6.1934) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
24 (14.6.1934)
Date
1934-06-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2277379-2278044-2278068--08641-2289673
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

der Welt, die immer nur Wahn und nichts als Wahn ist. Dorthin, wo Hamlets-Eivigkeitsfräge-- „To de, or not to de" aufgeworfen wirb; dorth'n wo Kerkhoven seinen Gottglauben entwickelt, den Glauben an einen „schicksalverhafteten" Gott, einen Glauben nahe der Antike, die über dem Olymp noch eine höhere Macht, stark auch über die Götter selbst, zu ahnen gemeint hat. Nicht nur ein mannigfach gewendeter Eheroman, aber auch mehr als Disputation. Kunvgebung einer großen Persönlichkeit, das ist es. Auch wenn Wassermann über dieses Buch hinaus gelebt hätte, wäre allen, die ihn in seinem Wert und in seinem Wesen gekannt haben, die Bermutung gekommen: hier spricht einer, der den Tod nahen fühlt! Das ist ein Abschied. Diese Todes- Philosophie ist Todesgewißheit und auch Todesangst, ivie sie sich ja so oft in den Uusterblichkeitsgedanlen verliebt. Wassermann und Kerkhoven sind Brüder. Niemals in der gesamten Rvmanserie war Kerkhvfen so sehr das Spiegelbild Wassermanns wie hier, ein Traumbild, ein Wunschbild, dem gleich zu werden des Dichters heißestes Bemühen war. In einer eingeschalteten Kapitelsolge, aus persönlichstem Erleben geschöpft' und mit fast strindbergischer Bitterkeit abwchrscharf, mag diese Linie verlassen sein. Aber Wassermann findet sich wieder zu seinem Ideal zurück. So zu sein wie Kerkhoven, so überlegen, von so empfindlichem Gewissen, so milde im Urteil, so fanatisch hilfsbereit und, wie das letzte Kapitel zeigt, doch nicht ganz' hoffnungslos, ja und auch so stark. im Sterben, so wollte auch Wassermann sein. Losgelöst von dieser Erde, die ihm, dem Kerkhoven. die ihm, dem Wassermann, die Erschütterungen der am „Seelentctanus" kranken Zeit bis in daS Jahr 1931 gebracht hat. den Blick schon in das von der Phantasie freudig erhellte Dunkel der Drübenzvne gerichtet: genau so zu sein wie jener von ihm Ersonnene und Gehegte, das war in dem Dichter der große Trieb, war während bcS' Schaffens Sehnsucht und Genuß. Und ivar Vorbereitung auf da8 Lehte. Dann ist es ja gekommen, das Ende. Wer darf wagen, in das Gewebe des irdischen Seins und Vergehens täppisch hineinzugreiscn? Dennoch sei gesagt: der Schmerz um das, an den Jahren gemessen, zu frühe Verbleichen, verliert seine' Schwere. Tenn der Roman „Jospeh Kerkhovens dritte Existenz" ist das denkbar stärkste Bildnis Wassermanns in seiner geistigen und seelischen Hvchrcife an einein Endpunkt de3 Wirkens. Auch wenn er noch weiter geschrieben hätte, es ist ein Ausklang und Abklang. Er enthält über ihn Unwiderrufliches. Er hätte es nicht steigern können, vielleicht aber abgcschwächt. Fritz Engel. Der Roman ist in der Jüdischen Buchvereinigung, W 15, Pariser Straße 7, erschienen. UlSWMs öZN MßWN Das ÄiiOts! ..Der Msrgrn" / Aon Dr. Mnnired EwmlmSky Die Juni-Nummer des „Morgen", die in diesen Tagen erscheint, ist als Sonderheft dein Thema: „Diaspora, Sinn und Ausgabe der jüdischen Zerstreu, imfi" gewidmet. Damit wird ein Problem zur Diskussion gestellt, das. so alt wie das Judentum selber ist, aber seit den Erschüttcrungcu des letzten Jahres mit aller ausivühlenden Gewalt wieder in die Unmittelbarkeit unseres Denkens und TaseinD getreten ist. In der geistigen Auseinandersetzung des neuzeitlichen Judentums hatte der Begriff „Diaspora" kaum eine Rolle gespielt, weil die Gesichcrtheit des politischen und sozialen Lebens das Schmerzvolle und Quälende, von dem dieser Begriff durchtränkt ist, im Bewußtsein des westeuropäischen Juden nicht aufkommen ließ. Diaspora. Zerstreuung, oder — wie das zwar nicht sprachlich, aber inhaltlich entsprechende hebräische Wort lautet — „Galuth" In?-- deutet in der jüdischen Ueberlieserung die Verbannung des jüdischen Volles aus seiner Heimat als Strafe für begangene Sünden. Spricht der Jude vom „Golns", so ziehen an seinem Geiste all die Generationen vorüber, die den Stab in der Hand und ihr Leid im.Herzen, heimatlos, getrieben und gehetzt wandern und wandern. Für den religiösen Juden, der in Feiner Rot zu Gott flüchtet und ihn bittet: „Führe uns zurück von den vier Enden der Erde", ist erst „da? Ende der Tage" zugleich das Ende des Golns. Tie messianißhe Zeit erst hebt die Zeit des Golus aus. Gott allein, der sein Volk ins Golns geschickt hat, um es zu prüfen und zu läutern, kann und wird dieses Schicksal rvenden. Der Mensch kann und darf nur dieser Stunde harren, aber sie selbst durch politischen Aktivismus herbeiflihren, wurde frevelhafte Anmaßung und Zeichen man- ' gelnden Evttoertranens sein. In der verschiedenen Bedeutung der Diaspora haben sich die Richtungen grundsätzlich geschieden. Im Gegensatz zur religiöstraditionellen Auffassung erblickt das religiös liberale Judentum gerade in der Zerstreuung die gottgewollte Mission Israels unter den Böllern. In Widerspruch zur nationalen jüdischen Auschammg erschien deutsch-südischer oder richtiger national, deutscher Auffassung die „Emanzipation" als lieber- Windung der Galuth, ja, manche glaubten in der Emanzipation geradezu „die realpolitische Seite des Messianismus" zu erlerureu. Seit den Erlebnissen des letzten Jahres haben alle Richtungen ihre Ideologien neu zu überprüfen gelernt, da die Wirllichteit der Golus-Existeuz uumittelbar zum leidvoUcn Erlebnis geworden ist. ' n Jj" i-chMchM > >- tii5 l% K4 \'A i\*2 \\* U11 Dem frommen Juden ist die neuerliche Leidenssituntion nur eine Bestätigung, daß Gott sein Volk,- das sich sehr weit von den Forderungen der Religivn entfernt hatte, zur „Teschmvv", zur Umkehr,: * ausrust; er ist stärker in seinem Glauben und glühender in seiner Sehnsucht nach dem Moschiach geworden. Auch der religiös Liberale kann, wenn ihm bei der verhängnisvollen Affinität religiös liberaler an politisch liberale Ideen „Religion" nicht nur ein Wort ist, das manches Unreligiöse verdeckt/ nur in der Gewißheit gestärkt worden sein, daß seine Missivn noch nicht ihr Ziel erreicht hat. Dem National-' jnden vollends hat 1933 die volle Bestätigung feiner- Ausfasstmg von der jüdischen Galuthexisteuz gebracht, während die Erschütterung am stärksten für denlediglich deutsch.politischen orientierten Juden gewesen ist, dem mit der Aushebung der Emanzipation der Sinn des Diasporadascins fragwürdig gcivorden sein muß. An dieser Stelle setzt die überaus fruchtbare und wichtige Diskussion des „Morgen" ein und gibt diesem Sonderheft, das Eva Reichmaim-Junginaim mit einem Aufsatz „Diaspora als Aufgabe" cinleitct, aktuellste Bedeutung. lieber „Räum, und Grenze der Diaspora" schreibt I. M a y b a u in.. Tie Diaspora zwingt dem Judentum ein geistiges Schicksal auf, eine immer erneute Auseinandersetzung mit der Umwelt und seinem eigenen Schicksal. Tiaspora-Schielstil k’UU'ift die Möglichkeit, Misch zu bleiben allein durch Glauben. Die religiöse Einsicht von der Diaspora, daß Gott Israel überall nahe ist, wo es ihn anruft, bedarf der soziologischen Ergänzung. Sie zeigt die Grenze der Tiasporafähigkeit. Voraussetzung der jüdischen Diaspora ist die geistige Grundlage des Abendlandes, das mit dem Christentum in innigster Relation steht. Christentum ist verbunden mit Macht; weil sein Anliegen die Verbreitung der Qsfenbarung ist, erhält die Macht einen Auftrag. Solange die Grundlage des Abendlandes christlich bleibt, ermöglicht diese die Existenz einer jüdischen Diaspora, wird sie heidnisch, so schließt sie ihre Möglichleit aus. Palästina teilt dieses Diasporaschicksal, von einer weltlichen Macht garantiert zu sein, während es selbst, fern jeder Politisierung, frei von aller Mnehtintcutiou bleiben muß. Staatlicher Verband als nationale Minderheit zu sein, liegt weder innerhalb, noch außerhalb Palästinas in der Linie des historischen Judentums. G. Landau suchp.in seinem Aufsatz „Tie Ge- Walt der Geschichte" die rettende und schöpferische Kraft der Diaspora auszuzeigen. Seine lange Lebensdauer verdankt das Judentum gerade seiner Zerstreuung; als kleines palästinensisches Völkchen wäre es in den politischen Kämpfen der vorderasiatischen Geschichte untergegangen. Das Zentrum des Judentums verlagerte sich von einem Ende der Diaspora zum anderen. Das „Auch" war Tiaspora-Gesäß. Durch die Diaspora ging ein bleibender Einfluß auf die Umwelt aus.. Die Zer- - streuung nach dem staatlichen Untergang war kein grundsätzlich Neues, sondern wuchs organisch aus dem Leben und dem Geist des Judentums selber, das nicht in Palästina, sondern in der Diaspora geboren ist. Einen anschaulichen Beitrag zum Thema Diaspora liefert Ernst Simon in der Schilderung seiner jüdischen Eindrücke auf einer Reise „Don Palästina nach Deutschland", von dem Lande der jüdischen Geschichte in das Land des jüdischen Schicksals. Sein Weg führt ihn über Italien, in dem sich neues jüdisches Leben zu regen beginnt. Stark ist für ihn die Polarität P a l ä st i n a—D e u t s ch. l a n d. In beiden Ländern neues starkes jüdisches Leben. Noch fehlt allerdings ein Reagieren aus der Glaubenswirllichkeit. Gegenüber manchen extremen Erscheinungeneiner neuen Assimilation stellt er fest: „Wir tznd weder Kanaaniter, jipdj Deutzen, sondern die Enkel der Propheten und der Phari. -süer und doch auch Schüler des Humanismus und.,. , der Aufklärung." Palästina und Deutschland bilden beide in ihrer Besonderheit ein Stück der wahren Geschichte Israels. " Die Möglichkeit einer fruchtbaren Ausstrahlung . religiöser Werte vom neuen Palästina auf die Dia-, spora erwägt L. Landau. Bleibt wirklich das jüdische Lebern in der Galuth mir fragmentarisch, unsere Religion nur eine Art „koloniale Religion, während'allein, in Palästina die Voraussetzung für . eine Totalität jüdischen Lebens gegeben ist? Landau verneint diese Frage, nicht nur. weil sonst das jüdische Dasein von zweitausend Jahren fragmentarisch gewesen wäre, während zugleich die Gemeinschaften der Diaspora religiös höchst schöpferisch ivaren, sondern auch deshalb, weil selbst in Palästina die Metamorphose övm „Civis palaeslinensis“ zum ,tliomo judniciis“ noch lauge nicht vollzogen ist. .Wir können nicht warten, bis Palästina in das Emanativnssladium getreten ist. Ohne religiöses Eigenleben wird das deutsche Judenturn dein Untergang geweiht sein. Diaspora-Judentum ist ein geschichtliches Faktum, das sich nach eigenen Gesetzen formt rmd bejaht loerdcu muß, weil es zur Totalität jüdischen Lebens gehört. Die Erziehung zu religiöser Erlebrnsfähigkeit muß intensiviert werderr. Das Schicksal, daS uns jenseits aller religiösen Benmßtheit jüdisches G e m c t n s ch a f t 8gefühl erweckt hat, kann die Möglichkeit zu neuer religiöser Erlebnissähigleit bieten auch innerhalb der Diaspora. Reben diesen grundsätzlichen Aufsätzen zum Thema „Diaspora", zu dem in weiterem Sinne urich die Auseinaiidcrsetzuug Fr. Heilers und Ab Bubers mit der Kittelscheu Broschüre gehört, die die „Freurdlingschaft Israels" fordert, bietet das überaus reichhaltige Heft noch eine reiche Fülle des Wertvollen, aus dem der Abdruck des in Th. Manns „Joseph und seine Brüder" fortgelasseneu Kapitels „Ter Knabe Heuvch" und die Fortsetzung von Ab N- Ben-Gabriels „Ter Garten des Sergeanten Tardar" genannt seien. Das vorliegende Sonderheft des „Morgen", das, wie nur dies von dieser Zeitschrift gewohnt sind, im Gegensatz zu vielen anderen jüdischen Publikativnen ein erfrischendes geistiges Niveau hat, hat eine wertvolle Aussprache eiugeleitet. Das Wichtigste ist, daß hier der Versuch unternommen wird, ivie dies allein zulässig ist, mit jüdischen Kategorien das jüdische Schicksal zu erfassen. Nur auf diesem Wege ist eine sinnvolle Aussprache im eigenen Kreise und vielleicht auch mit der Umwelt möglich; nur so ist der heutigen Situation das rechte geschichtliche Verständnis abzugeivinnen, das sieh fernhält von einer Abwertung der Tiasporn-Existen.; und einer Ueberwertung Palästinas, sondern in Erkenntnis der Grenzen und der Möglichkeiten Palästina und die Diaspora hineinstcllt in die sinnvolle Totalität des jüdischen Geschichtsalllaufs.; \ ' MM WM Eine Antnwr! nn Wilhelm Angel Polemik kann eine fruchtbare Form geistiger Auseinandersetzung sein, wenn sie von beiden Parteien mit dem Willen zur sachlichen Klärung einer strittigen Frage geführt wird. Bon dem Willen zu einer solchen fruchtbringenden Polemik waren wir beseelt, als wir in der Glosse „Moral nud Zeitgeist" („E.-V.-Jeitnng" Nr. 10) ■ gegen die Behauptung W i l h e l m St n pel 8 („Deutsches Volkstum", 16. Jahrgang, 7. Heft), die Bewitzeluug der weiblichen Unberührtheit sei gerade von jüdischen Lite- . raten verschuldet worden, einen loohlüberlegteu Einspruch erhoben. Gegen diesen Einspruch wendet sich nunmehr Stapel („Deutsches Volkstum", 10. Heft) in einer Weise, aus der leider ersichtlich wird, daß er nicht von dem Willen zn einer Polemik in oben bezeichnetem Sinne geleitet wird. Deshalb beschränken wir uns ans wenige sachliche Klarstellungen. 1. Wir stellen zunächst fest, daß Stapel unsere Behauptung, daß die moralische Beioertung der Virginität sich allgemein gewandelt habe, nur zu bestreiten, aber nicht zu widerlegen gewußt hat. -2. Wir vertreten die Ehre des Judentum?. Diese Ehre ist für uns in dem Kodex der jüdischen Sittenlehre enthalten; und nicht in den Zumllsprodukten (zunächst anonym belassener) jüdischer Literaten. 3. Zur u n ch t r ä g l i ch e u Begriffsbestimmung des „jüdischen Literaten" führt Stapel „eine ganze literarische Schule, die sogenannte „Heiuc-Schule" au. Dieser literarhistorische Begriff ist neu. Tie bisherige Literaturgeschichte rechnete zu einer „etwaigen" Heine-Schule — den Arier Eduard Grisebach. dessen Tnunhäuser-Dichtuugeu nach dem sittlichen Maßstab Stapels gewiß anstößig sind (vgl. Carl Busse, Geschichte der Weltliteratur, II 709). 4. Zum Beweise der sittlichen Verworfenheit Henies führt Stapel Verse aus „Deutschland, ein Wmtcrmürchen" au, denen er einen sexuellen Zyuismus unterstellt, der in ihnen gar uicht'enthalteu ist. Unseren Dafürhaltens werden die Autoritäten der Heme-Forschnug unserer Ansfnssnng znstimmen: weder bei Elster noch bei Walzel oder Hrrth dürfte , Auslegung Billigung finden. 5-, WK war es, . fragt Stapel, mit Arthur Lchuitzlcr? darauf ist zu erwideru: ebensowenig »v'.e.mcm etiim Goethes Sittlichkeit nach dem „anstößigen Gedicht „Das Tagebuch" beurteilen darf ebensowenig darf man Schnitzlers Sittlichkeit nur nach — wie Stapel es tut — dem „Reigen" bcurteilen. 6. Wenn Stapel an Alfred Töblin und Arthlir Landsberger Anstoß nimmt, so Hütte auf der Gegensei e ein Hunveis aus die sittlich edlen Figuren Jakob Wassermanns und Georg Hermanns nicht fehlen dürfen. Wenn er Bruckners Dramen tadclns- Ivcrt findet, so wäre es ein leichtes, auf das Drama „Pastor Ephraim MagnuS" seines Landsmanns ruÄ ®cun5 ^nI)nn 3» venveisen. in dem die Entsittlichung krankhafte Züge aunimmt. Denn da» ™ l ftnÄ HPne-Schule nennt, ist in Wirklichkeit Wcdekind-Schule, Das zahlreiche Publikum, das zur Ausführung von Neanders „Aladins Wunderlampe" ins Per. liner Logcnhaus gekommen ivar, schien ein wenig an diesem geheimnisvollen Instrument gerieben ui haben, dessen stärkste Wirkling der Verfasser darin steht, daß es die Menschen den Sinn des Lebens m Arbeit und Liebe erkenuen lasse. Mit Arbeit und Liebe war die Veranstaltung nlifgebant, für die die Arbeitsgemeinschaft für Kinder imb Jugend Alijah unter Eva Stern verantwortlich zeichnete. Mit Arbeit und Liebe hatte die mit dem Ehren, uaineu „Dilettanten" zu belegende Schauspielertruppe unter Regie von Dr. Fritz V. Grün seid die Bühne belebt. Arbeit und Liebe widmen die Zuschauer und sonstige» Förderer der Alijah der Ausgabe, junge Bleu scheu in einen für sie netwendigen neuen Lebeuskrei-8 einzugliedern. Eiugeleitet wurde der Festabend durch eine wirkungsvolle Ansprache von Rabbiner Dr. V>aufred Swarseusky, der die UeberparteiUchleit des Palästina.Problem? seststellte, die Berpslich. tuug, für die Zukunft jüdischer Kinder zu sorgen, als tragendes Moment der gesamten jüdischen Arbeit hervorhob, um schließlich grundsätzlich setz, zustellen, daß und ivie fruchtbare Wechselwirkung zivischeu der alten und der neue» Heimat, zwischen Diaspora und Erez crivachsen könne. ah. 7. Stapel hält es nicht für überflüssig, zu ver> sichern: „Es handelt sich uns nicht um Moralismus. Sittlichkeitsschnüffelei usw." — Denn er hat ebenso wie wir von Lessiug gelernt, daß es nicht angängig ist. bei der Bewertung dichterischer Kunßwerlc moralische Wertmaßstäbe auzutegeu. Arthur AEr Wer CbÄ«k lieber die F i g n x Shhl v el s sprach Dr. A rthur Elvesser vor einem zahlreichen, inieressierteu Publikum im Berliner Kulturbund. Lei», dem August Wilhelm Schlegel, der immer noch klassische Uebersetzer Shakespeare?, den Jnden ^Imlock zu den unbegreiflichsten Meisterstücken der Eliara!- teristik des englischen Dramatikers gezüljlt Iiai. ist die mitten in ein romantisches Lustspiel Ijineiin gestellte, tragisch umschattete Figur immer »nieder Gegenstand näherer Betrachtung geuwsen. Insbesondere haben sich, ivie der Redner bemerkte, die Juristen mit dem Prozeß Shylock-Antonio. dem Thema des vierten Altes im „Kaufmann von Bene- ■ dig", eingehend beschäftig!, ohne daß vor dem Forum illnstrer Reehtsgelehrler, dein Nlänner »nie Joses Köhler, Rudolf von Jhring, Theodor Niemeper augehörten, eine Einhelligkeit der Ansichten über den zn R'eckst oder Unrecht gefällten Gerichtssprnclj erzielt ivorden wäre. Tie letzte Entscheidung lonnle allerdings nur vom Dickster selbst, der in seinem Reiche eigenmächtig ist, getrofseu iverden. Mit der Psychologischen A.inllise des Eharakiers Shyloels verband der Vortragende eine theakergeschichtlich ungemein anregende Ueber!cl;au über seine schanspjeierischen Ausivirlnngen. Sie führte von dem frühesten Repräsentanten der tHotle, Shakespeare? berühmteu Kotlegen Rirt^rd Bm'bage. zn Friedrich Ludivig Schroeder und Lndnüz Devrient, sodann zu den beiden der älteren Eeneratiou noch bekannten jüdischen Shylock-Spieleru Emanuel Reicher und Rndoti Schildtrant »der in seiner Darstellung den getränkten Vaterstolz de^ > Orientalen am stärksten betont und am farbiftsten illustriert hat) raschen Schrittes hin und loußte auch dem vorläufig letzten aus der Sehmr bedeutender Shylock-Juterpretcu. Werner Kraus, in einer klag abwägeudeu Kritik gerecht zu werden. . Ebenso lehrreich wie die Erörterung des ßhauspielerischen Problems ivaren auch die durch keine theoretischen Details beschwerten Aussührunfteu ük'r die literarische Traditio»», au die Shalespeare für die Motive und die Hauptsiguren seines Stückes anknüpste und die sieh für die Gestalt des Juden m allen erdenklichen Schattierungen bis »veil in das achtzelpite Jahrhundert hinein "fortgesetzt hat. Wenn hierbei die Ansicht geäußert wurde, daß der eng" lische Dramatiker, zum Unterschied etwa von Reinbrandt, Juden seiner Zeit überhaupt nicht gekannt habe, so daß er sich also bei der Gestaltung Ehylvcks im wesentlichen ans die lieberliefernng und auf die Kraft der eigenen dichterischen Phantasie Halle stützen müssen, so hat dieser Ansicht eigentlich schon der genannte Heinrich Heine tvidersprochen als er meinte, Shylvck sei so lebendig individualisiert, daß man darauf schwören möchte, es sei kein PhautaM bild. sondern ein wirklicher, weibgebvrcner Mensch. Aber auch die neuere Shakespeare-Forschung läßt solche Annahme kaum zu. Sowohl der englische Shakespeare-Biograph Siduey Lee wie der Deutsche Max I, Wolfs haben mit höchster Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, daß Shakespeare mit dem berühmten lüdischeu Leibarzt der Königin Elisabeth. Roderiga Lopez, der wegen angeblicher Rtordpläne gegen d»e Königin im Jahre 1594 hingcrichtet wurde, persönlich bekannt ivar, ja, daß Lopez den Auslaß K»" .Kaufmann von Venedig" gegeben und der Fsö^ . Shylocks entscheidende Züge geliehen habe, L. c Nies mi| Hai Ha> das Fr» die pol li' .»lln R» Au die so! uu" IN» In UM Jr „E so ge <ic d c d c ge so E er Ä > »El A B> ri> Gc to ge K R ch sä bc g> In g' R V, d % vc % D C E lc fi sv ö g t i i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.