Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 23 (7.6.1934)
- Date
- 1934-06-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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C-V.-Ztg. Beiblatt Nr. 23 Juni 1934 O 1 Hi Is Ist wert/ @h Täuschen wir 11118 nicht darüber hinweg: Ter deutsche jüdische Ätensch ist durch die Ereignisse der lebten Zeit in vielen lieber« Zeugungen wankend geworden. Wie oft hören nur gerade von überzeugten Menschen unserer Bewegung die schicksnlssehiveren Worte: Wir selbst bleiben selbstverständlich das, was wir waren: gute Deutsche und E.-Ber. Unser Schicksal ist unlöslich mit Deutschland verbunden: nur bleiben! Aber unfcrc minder...! llnd dabei handelt es sich keineswegs um eine Wandlung zuin Nationaljudentum. Nein, vit ivehrt man sich leidenschaftlich gegen die Palästinaivanderung, denkt an die Üebersecländer nsw. Wir verstehen das aus oerzweifeltem -verzen kommende Streben, wenigstens den mindern schweren Herzens in der fremde eine Eristenz anszubnuen. Aber, so fragen nur uns ernst, hat cs einen Sinn, sich selbst und gar die Jugend seelisch zu entwurzeln, ohne ihnen — und das muh einmal gejagt iverden auch nur in einein Lande die geringste Aussicht bieten zu können Wir *” müssen erkennen, das; das deutsche Judentum sein Leben in Deutschland neu aufbauen mim, und wir müssen verstehen, das; dictz kein Aufall, kein Betriebsunfall, sondern jüdisches Schicksal iit, oft erwiesen im Laus der beschichte der Juden, lange vergessen im Herzen des emanzipierten deutschen Judentums. Welche Aufgaben und Pflichten ergeben sich aus dieser schweren (Erkenntnis für die Znkunstser,Ziehung der jüdischen Äugend in Deutschlands Es wäre unverantwortlich falsch, die Jugend mit dem Appell „Würde" abzuspeisen. Würde seht Lebenswillen voraus, und dieser Lebenswille muh der Jugend als elementarstes Gut vermittelt werden. „Es ist wert, alS Jude zu leben!" sei der erste Grundsatz, der der Jugend eingcimpft iverden must. Wer oft mit Jugend spricht, wird immer wieder die Beobachtung machen: Für diese jungen Menschen kann das Judentum niemals' eine Frage der Wissensvermittlung sein, immer wird cs eine Gewissens, und Gesinuungsfrage sein. Deshalb must der weitere Grundsatz, den ivir der jüdischen Jugend vermitteln müssen, heistcn: „Es ist wert, als deutscher Jude zu leben!" Wir haben in unserer Tagesarbeit häufig auf die Großtaten deutscher Inden für die Allgemeinheit aus allen Lebensgebieten hingewiesen. Jetzt ist es an der Zeit, die Jugend in dem Bewußtsein zu erziehen, was die deutschen Juden für das Judentum geleistet haben. Wir wollen nicht Rasehi erwähnen, nicht das jüdische Schrifttum des Mittelalters, das im Grunde ebenso europäischen wie deutschen Stempel trägt. Aber, das; die große Wissenschaft des Judentums eine Leistung des deutschen Judentums darstellt, daß die Eiuhcitsgemciude unsere Leistung ist, daß das deutsche Judentum auch heute das geistige Zentrum der Judeuhciten der ganzen Welt darstcllt, in dem der religiöse Liberalismus, die Reformbeweguug, aber auch die moderne Drthodorie und gar die heutige Form des Zionismus entstanden ist, dies sollen nur unserer Jugend sagen und sie mit Stolz erfüllen auf die Gemeinschaft, der sie augehöreu, und mit dem Willen, diese Gemeinschaft und ihren Geist zu erhalten und durch neue Taten zu erheben. Das deutsche Judentum, das dem Judentum der Welt so viel gegeben hat und heute gibt, hat niemals davon viel Aufhebens gemacht. Jetzt ist die Feit gekommen, sich einmal an der eigenen Leistung auszurichtcn, sich liebevoll in die jüdischen Leistungen der Väter zu versenken und daraus neue Kraft für ein jüdisches Leben im deutschen Raum in der Zukunft zu schöpfen. Es gilt, der Jugend zu zeigen, was ihre Väter wert waren, um ihr das Bewußtsein zu geben, das sie ellvas wert sein können: ivenu sie nur wollen! Ilcico Erziehungsfragen im Glien Schrifttum Von Gemetnderabbiner Dr. ftosenthaf-Köln ..'Hl* Hauptinhalt her (fv’,ic()nnn flüt in bibfifdjt'r Zeit bic Ausaestaltniisi ber fitUidjen Persünlichleii des i)tivn mtimlifonhiMi .flinbeo.“ fSncyHopjuMli.'t Jml.’iirn. „Erstehung". Wer sich diesen Satz zu eigen macht und ihn als den Tatsachen entsprechend anerkennt, wird damit zu gleicher Zeit eine große und innere llebereinstimmnug zwischen dein ältesten und jüngsten Erziehuiigsideal anerkennen: und was dazwischen liegt, dürfte, soweit es Anspruch ans allgemeine und dauernde Bedeutung erhebt, sich gleichfalls in diesen Nahmen lückenlos einfiigen, nnd das in ihn einbezogene Gebiet zu allen ^citett als das Stammfeld der Erziehung durch.hlügr und beackert worden sein. „Erziehung": wir wollen zunächst an dem ans diesem Worte anssteigenden Bild, das dem Bereiche des organischen Wachstums entnommen, den das junge Bäumchen an sich . gehenden", gerade richtenden und im Boden verfestigenden Gärtner zum Gleichnis des Menschen-Ziehers und -Erziehers macht, die entsprechenden Ausdruckssvrn'.en der biblischen Sprache bewerten. Die entstammen demselben natürlichen Umkreis. Nur daß die betrefscnden Bildungen, zunächst giddel «von godal — groß werden) und ribbob (von cabob — mehr iverden) sich rivch enger an das treatnrliche llllachstinn anschließen nnd in der Erziehung das menschlich.geistige Analogon zur Entfaltung der Laste und .graste der übrigen Gottesschöpfung erkennen lassen. Wenn das, besonders bei Jesaja in dieser Beziehung bevorzugte, *iiddi*l in einem bekannten Psalmvers (144,1-2) erscheint mit dem Zusatz: „Unsere Lohne, wie Bilanzen großgezogen in ihrer Jugend"; wenn es einmal bei Ezechiel, härter und herber, heißt: „Was ist mit deiner Muttert In junger Lenen Mitte zog sie groß (ribbsoh) ihre Jungen" (19,2) — so kommt die Natnrverbundenheit in allem Wesen der Erziehung deutlich zum Borschein. — Daneben haben sich andere biblische Bezeichnungen für „Erziehung" von dieser urwüchsigen Ansgangs- und primitiven Borstellnngsform bereits losgelöst. Bon Esther wird berichtet, daß sie auch als Königin „dieWeisung Mordechai's" erfüllte wie damals, als sie noch in Erziehung bei ihm war", wobei „Erziehung" im Wvrtstamme onicn (Amen) erscheint (2/20); damit ist „Erziehung" der' „Betrenung" gleichgesetzt, mit allen Attributen der Wahrheit, Festigkeit und Gewißheit, die im unübersetzbaren hebräischen omen enthalten sind. Noch höher steht das an einer Stelle der Sprüche Salomos, die uns noch weiter beschäftigen wird, im Sinne von „erziehen" angewandte chonurb. Das Wort bedeutet weihen, einweihen. Wenn cS metaphorisch für die Einführung in die Leben?« Praxis durch Uebung und Unterweisung gebraucht wird, so prägt es die Erziehung zum reinen, sittlichen Postulat. Gehen wir den ursprünglichen Formen der Er- Ziehung nach, wie sie das Bibelwort überliefert, so liegt dieses Aull in den Händen des Vater» und der Mutter: „Höre, mein Kind, auf die Zucht deines Vaters und verschmähe nicht die Weisung deiner Mntter" (Spr. Sal. I, di) — mit diesem Wvrle ist die große Sprnchsammluug der Bibel eingeleitet, die man als eines der wichtigsten Dokumente von Erziehungsweisheit und -erfahrung aus den ältesten Zeiten der menschlichen Kultur zu betrachten hat. Ist also muh die Miitter am Erzichungewerk beteiligt und in gewissen schweren Fällen (beim „widerspenstigen Lohn") als die für das Zeugnis verantwortliche ausdrücklich mitgenmmt B. M. 21, 19/20), ju ist die im angeführten Mifchle-Lpriich gerade bei der Mutter genannte „Weisung" (thörsth) eben doch in der Hauptsache die Pflicht des Baters, der seinem Lohn in eindringlicher Form Belehrung und Ex-sittmig beizubringeii hat. Ter Anlaß dazu ergibt sich ans dem täglicheii Leber: selber, mit seinem gewöhnlichen nnd arrßergcwöhnlichen Ab« laiis. „Wenn nun dein Kind dich künftig fragt: Was hat das zu bedeuten?" — so ist schon bei der ersten Pflicht des jüdischen Bolkes, bei der Passah. Vorschrift, das Gebot und sein Weitcrlehren ciig miteinander verbunden und Ausübung zur psychologischen Grundlage der Erziehung gemacht. — Üeber das eigentliche Was? und Wie? der Erziehung, über Stofs, Methode nnd .Handhabung bo. Ntzen wir naturgemäß inir gaiiz vereinzelte Angaben. Im Vordergrund steht immer ganz allgemein die Lehre und das Gebot, die Gesetze imb Vorschriften, als das dem Jtinbc durch Erziehung 3« vermittelnde Wissen. Ans Erlernung der praktischen Kenntnisse des AckcrEnis läßt eine Stelle in Jesaja schließen (2ch 20-29).- auf die Uebung im Gebrauch der Kriegsgeräte die Berichte aus Davids Jugend und von .Uampfspieleu der Knaben vor Abner und Joab (l. Sam. 17; 2. Sam. 2). In den „Prophetenjüngern" (b’ne hanebiim), die uns besonders in den Königsbüchern begegnen, lsabeu wir jedenfalls die Schüler der Propheten zn erblicken, die sie bedienen („Wasser ans ihre -Hände gießen") und-ihre Lehren in sich aufzuuehmen,' vielleicht auch znsammenfassen (Jef. 50, 4: „Gott gab mit bic Zunge der Lehrlinge — ain Morgen weckt er mir das Ohr, zu hören wie die Lehrlinge"). Daß divbei eine Verbindung des Sprechens nnd Schreibens, des Hörens und Lesens schon in den ältesten Zeiten vor sich ging, diese Fertigkeiten also von je bei der Erziehung vorausgesetzt wurden, erhellt klar ans Mosis letztem Willen, nach dem er sein Abschiedslied anfschreiben heißt und es die Kinder Israel lehren und legen in ihren Mund (5. B. a». 31, 19). - Oft und entschieden wird Klont. daß beim ganzen Erziehungswerk mit Ernst und Nachdruck zu verfahren ist. und „die Nute" spielt, zumal in den Sprüchen, eine Nolle die uns etwas — veraltet erscheinen n,ag. Sicher aber ist mit dieser Strenge in der Hauptsache zur straffen Konsequenz ermuntert nnd vor weichlicher Verhätschelung geivarnt - „halte vom Knaben die Zucht nicht zurück; und schlägst du mal mit dein Stock — davon stirbt man nicht!" (Spr. 23 13), das klingt wieder ganz vertraut und hat ' seine innere Wahrheit und Berechtigung durch die Jahr« tailsende behalten. Will man die biblische Erziehimgslehre tu ihrem eigentlichen Sinn und Ethos erkennen, die Ausgabe nnd Ziel. Weg nnd Richtung in einem mn« schließen, so kann man vielleicht an zwei recht bekannte Aussprüche anknüpfen, von denen einer bereits heraiigezogen ivorden ist. Im «chema, ans dem 6. nnd 11.. Kapitel des 5. Buches, heißt es zweimal: „Schärfe deinen Kindern ein und sprich davon (Lehre deine Kinder, davon zu reden), bei deinem Weilen in deinem Hause, und bei deinem Schreiten ouf dem Wege, und bei deinen! Niederlegen, iind bei deinem Aufstehen". Das ist niefjt nur der äußere ltnb poetische ParallelismnS. der ans diesen Worten heraiisklmg!: das ist der innere nnd sittliche Mn-allelisinns. der Gleichklang alles Menschlichen, das Znsamnienstimmen jeglicher Lebensregimg, die in der Erziehung der Kinder zur Auswirkung kvmmeii sollen. Tein 'Werden nnd deili Sein, dein Morgen. 'Mittag unb Abend sollen beispieliiiid richtiinggebend für die deiner Erziehung Ziigeieillcn sich gesialleii iwd das in die Tat nmgesetzte Gollesivort nmmterbrochen vor sie hinstellen. — Ist es so dein Weg imb dein WK'seii, dein ganzer Weg und bein gaiizes Weseii. aus denen die Onellen deines Lebens und ErziehenS unablässig fließen: so nuiß doch noch ein iveiterer Ursprung hinzilkomilieli, ilm das Werl zu seine»! wirklich gedeihlichen Ende zu sühre». „Führe, loeihe zum Leben" (chanoch — vgl. oben) „den Knaben in Enisprechnng seines Weges!" heißt es im 0. Vers des 22. Kapitels der Sprüche Salomos. Erziehe nicht nur ans dir. sondern auch, und mehr noch, aus deine»! Kind: ans seiner Art nud seinen Anlagen, ans seinein Bau und seine,» Eharalter. Passe dich und deine Lehre ihin an. finde den Weg zu seinenr Eigenen. Nur so kann es gelingen, daß die Erziehung zur .Weihe" wird: nicht zum äußeren Znrechtziehen und -biegen, sondern zur inneren Ausrichtung »nd Erhebung. zuin geraden Wachslmn in die Bejlimuinug und in den Ertrag des Lebens. Damit haben nur uns wieder ganz modernen Erziehungsproblelnen reichlich genähert. In den eigentlichsten und tiefsten menschlichen Tingen herrscht eben das Ueberzei Arche. gültig für Bergangenheit, Gegenwart. Zukunft. Nirgendwo ist das stärker, eiudrncksvoller für daS uns hier lu'« schästigende Problein znin Ausdruck gebracht, als gerade in der Bibel. Tenn ihr letztes Prophetenwort (Maleachi, 3, 24) verheißt, in engster Bcrbindnng mit dein biblischen Erziehnngnvrm katervchen „Tenlt an die Thora ineines Tieners Aioses!", als den .Heilsplan des in der Ferne der Tage wiedererstandenen Propheten Elijatin nicht mehr nud nicht weniger als „znrückzubringen das .Hc^rz der Eltern zu den Kindern nnd das Herz der Kinder zu ihren Eltern". Probleme bei der Erziehung des jüdischen Kindes Im neuen Klubhaus des Jüdischen Franc bnndrs (Verband Berlin) sprach die Leiterin d jüdischen Landschiilheiines in Eapnth. Gcrtrr Feiertag, vor der Gruppe berufstätiger Fran über Probleme bei der Erziehung des jüdisch Kindes. Die frühere Erziehung ivar eine Aufgabe d älteren Generation. Sie glaubte sie richtig erfüllen, wenn sie daS Kind in ihre Bildnngsw! hnieinsiihrte, it>in mit alten ihr zur Berfügu stehendeii Mitteln ideell und materiell einen Pl iin Leben verschaffte. Geleitet war sie in dies Beiiiühnngei, durch den Gedanken der Sicherur gesichert sollte das Dasein des Kindes sein, darr waren die Eltern selbst ängstlich, hastig, nnrnh Im vergangenen Jahr zerrissen die Itliisiom viele Ellern reagierten auf das Schicksal »iit R< losigkcit und Groll, mid ans dieser Stimmung < tönte der Ruf nach der jüdischen Schule. 5 Kinder nahmen int wesentlichen ihr Schicksal sel in die Hand: sie waren nicht mehr das Objekt t Erziehliug, sondern sie sind mitbanend nud n> schaffend in die neue Zeit gekommen. Im Grni fand die Nedneriu diese Situation für die Kind beneidensivert. denn das ivar ja noch iminer t Wnnlch jeder Iugendreihe, ihre Welt selbst zurec znzmiliierii. Das Kind reagiert auf die absoll Illisicherheit der Zilluiift inerkivürdigeriveise in mit Lebensangst; die neurotischen ErscheiniMs siild im Lchiviiiden begriffen; die Zeit stellt so fi h-ctc Forderliiigen. daß es zu Augst und Neur gar nicht mehr kommt. Wir könnei! das Kind nicht mehr zn vorgezei neten Wegeii führen. Aber nur müssen es in eii tieferen Schicht Bindiiiigen geivinnen lassen. B allein iiiüssen nur seine Entschlossenheit stärken, sich selbst treu imb nnbestechlicl) zu stehen; das wichtiger als alle Ilnischiclitniigsbrstrebiiirgen. In diesem von der N'ediierin gezeichneten ulk meinen Nahnie» entfaltete sich eine eingehende T knssivii, in ivclcher tatsächlich fast alle gegemvär aktuellen Prvbleine des deutschen Judentums Sprache kamen, denn es gibt ja nichts voii qcistic nnd kulturellen Beivegnngen, das sich lfüTit Erziehnngswesen spiegeln würde. Mail fragte n der lriswirlniig der jüdischen Nicht,ingen in 1 '""Bergeniemschaft. nach dein Verhalten! jüdischen unb nichtjüdischeu Kinder im Torfe nder Gestaltung des Lehrplans, besonders der ü handlilngsiveise von „Deutsch" und „Geschichte" Unterricht, nach der Pflege religiöser Gesnhlswe lim immer wieder die beruhigende Berncheri. ^c,b daß dies alles unter Kindern gar ke äcwiü n'ickH ^mc iDnbvn ^^lvchen. die sich ans 1 rV rf)t vlcf)tni ^!)ebcn und prakti bewältigt werden, aq Von Dr. med. Srich Nassau (Berlin) Aiilaß zu diesen Ausführungen gibt solgendcS Erlebnis: der neunjährige Knabe eines sehr ge- - scheiten Elternpaares ist seit einigen Monaten in! einem Kinderheim. In dein neuesten Bericht der Anstalt findet sich ein Satz, in dein von dem „ivenig begabter," Kinde die Nede ist. Das Entsetzen der Eltern ist recht groß. Ter Arzt, der das Kind seit Jahren kennt, soll raten, helseii, trösten. Was ist zur - Frage „begabt" und „nicht begabt" im Knrdesaiter .1 vom Standpunkt des Arztes z,l sagen? : | Eltern neigen dazu — und jüdisclie Eltern viel. ll leicht sog'ar recht häufig —, bei ihren Kiiidern bei ( sondere Begabirngen zn sehen. Wenn Eller,, es H nicht aussprechen, ja vielleicht sogar betonen, sie Hi fänden ihre Kinder teinesivegs „besonders begabt". H so glauben Bäter rmd Mütter irnd die Großeltern. H viel seltener schon Onlel nnd Tante nnd loeitere Bernmndte es doch int stillen, im iimersten Perzen. 4 Solcher Glciiibe ist verständlich und berechtigt als 4 fördernder Antrieb beim Erziehnngswerke. Pede f\ Ho'sriiing und Erwartiiiig. die nur in die Enbviä. lll liing imserer Kinder setzen, ist wertvoll mid ist 4 Pflegen. H Sieht mau sich bei den zünftigen 'Psychologen p! um. ivas sie unter Begab irrig verstcyen, so begegnet!! man recht verschiedenen Aiislegiingen. Tie vß H gegebene Identifiziernng von Begabimg mit Klug- H yeit lFntelligenz) nnd Von Nicl,tbegabnng nut U Tnumiyeit erscyeiiit uns niiht berechtigt. Wenn st nur bei einem Erivaclisenen von ..Begabung' jll sprechen, so meinen >vir feine Fähigkeit zur Voll- (s bringilng besonderer Leistruigen ans ein.ern bestimm-? teu Gebiete, oder die Fähigkeit zrir besonders raschen; unb leichten Bewältigung einer bestimmten gestellten Aufgabe. All ei st handelt es fiel) um ein ganz , -s scharf iiliigrenztes Gebiet, auf dem die übcrdnrci!- s t schnittliche Leistling vollbracht wird: z. B. Begabung 4 für Acnsik, für technische Tinge, siir Sprachen n. v. p j Iii der Mtomentansirahme einer kilidlic!)eii Person- Jj liehkeit, d. h. in der Beschreibung der Psyche eines )i Knides in einem bestimmten Lebeirsalter mag irgendeine Begabrnig oder, nüe richtiger gesagt rvird. ein \i besonderes Interesse für irgendein Leistiingsgelnel js mit Nec!)t verzeictinet iverden. Wir kennen Kinder, s? die besoirders friil) und geschickt greifen, stehen nud s: gehen (statische Begabung), es gibt genug Kinder, sc die frühzeitig „richtig" singen (miisifilische Po I gnbnng), schöli zeichnen nsw. Vieles von biejc» j Tingen ist (für den Kritiker) Tressnr, vieles A Z Nachahmung, oft entstanden ans besonderer Lirdi' zu einem Eltcrnteil, einem Erzieher, einem '.Allf! schüler. Das moiftc von diesen Begabnngen sind aber, wie die Rückschau zeigt, nur vorübergehend A im Strome der Entwicklung anstailchende Iiiseln. K die rasch wieder verstiilen, imr anderen Bildern pj Platz zn machen. Sie erscheinen im Lause des ganzen \j späteren Lebens nicht wieder. Tie Jahre vor imb \■■) ivährend der Pubertät sind au solchen Begabnngen Hs vor allem reich. Wer von uns ljnt nicht um dien' [ , Zeiten „sehr nett" gereimt, Erzählungen und s/j Trauien verfaßt, gemalt oder modelliert, sich tue pst Technik oder Kunst besonders begabt gezeigt, um j zum Schluß wie die meiften ein guter tüchtiger | j Bürger zu werden, ohne „Begabangeir". Und am p der anderen Seite (und das mag allen Eltern ein -st Trost sein): >vie oft ivnrde zn irgendeiner Zeit der ist Kindheit ails einem stillen, scheuen und uniuter p cf[ierten Kinde, aus einem slhlechten Schüler plvtzlic!> p ein Nlenschenkind. das auf irgendeinem Gebie:c st nicht mir für krirze Zeit, sondern für das gawc st Lebell bleibend überragende Leistlingen anßvics. Es | soll mit biefen Arissagen keineswegs bei! rille» st werden, daß es ntdjt doct, gelegentlich Begabmigcn st gibt, die frühzeitig erscheinen und die bleiben; schau - st spielerische und nnisikalisehe Begabung zeigen btt)e y Konstanz am ehesten. Nach unserer Erfahrung iß diese Form der Entivickli-ng aber weit seltener als c die. bei der „Begabungen" vorübergeheiid aiiftamhcn st nnd bald wieder verschwinde». ß Wir können also sagen: das Kinderheim, dns | einem nennjährigen Knaben eine llnbegabllieit : attestierte, hatte nirrecht. Mit solchen Urteilen im | negativen aber auch im positiven Sinne soll■ »mit | hu Kindesalter sehr z»rüct!ialtci>d imb vorlictjtig | fein. Tie Kurve der seelischen Entwickln,rg verläiüt st bei jedem Kinde in besoirderer Form: raschenr Aujst stieg kann früher oder später langsamerer Fortschritt oder sogar Stillstand folgen: umgekelirt erst ivächst aris anfänglrchc'm zögernden Aikssihnmng sZ dann überraschend das Erklirnmel! hoher Werte. Zünscheir diesen beiden Extremen gibt es alte Wogu lichkeitcnl. Tazn fommen dann SpitzenloistmuPur (^Begabungen") auf dem einen oder ans dein anderen Gebiete, über deren Erscheinen oder Berhari reu niemand Vorarissagen iriachen kann. Tas au-; lagegeniäß bedingte Eirtsalten der Fähigkeiten, das einem persviilichen Tempo und Nhhthmus untergliegt, das Neifen der Säfte, arißere Lebeiismllstäiide; und manches andere bedingen dieses Erblühen und; dieses Welken von .Begabungen". Dem Arzt er-; scheint es daher nicht berechtigt, von „begabten" und , von „iiicht-begabten" Kindern zu sprechen. Tcr p Arzt ivird allen solchen Aussagen zurückhaltend > gegenüberstehen nnd allzu tveit gehende Erwartunj gen dämpfen, um zu verhüten, den späteren Lebensplan eines Kindes vorzeitig nnd vorschnell aus cs Grund ^otdäer Befunde scjtzulegeni H nioi Lei> r.ni» Grü Arb!;\nt< zclh ton, (rlnr t'liifi bccc ji'.iri der (U'lü Ein $ denll ll rt e U> a r bi Mt, F » t Land Hand b e ■, her Wat Arbe Arbei cil, zu ge PA, Ar bei daß anöov nrbei' Arvei fuhrr, beiis! leia'.c be!>-- paga; Marl ,.Fra 'Nhiei führt bauen Visen au.