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Central-Verein-Zeitung · 1934-06-07 · 23 (7.6.1934) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
23 (7.6.1934)
Date
1934-06-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Tenn sein Leben hat begonnen im Aufgeheu des letzten Jahrhunderts, kurz naehdem sie nach den zwanzig schlachten fahren zu seinem Beginn die Dinge wieder richtiggestellt und Ruhe geschaffen halten für die nächsten Jahrzehnte,' für ein halbes Jahrhundert, währenddem die Juden iricMirf) in das Leben des deutschen Nolles hineingewachsen und von ihm ausgenommen worden sind, an dessen heiliger Sprache und an dessen Geschick sie teilhatten. Das hat mich immer ergriffen, zu wissen, daß ich durch ihn verbunden war mit jener Zeit, die uns Knaben stets irgendwie heroisch erschienen war und den Grund gelegt hat für einen Traum und eine Wirtlichkeit, trotz allem, ivas heute geschieht. Ja, eine Wirtlichkeit war es, wenigstens in unserer Heimat. lieber ein Jahrhundert hinweg reichten wir io, seine Geburt und die meine und die meines Vaters, seligen Gedenkens, der früh Irs düesesi T<sa^©ffa wird der Briefträger die Quittung über die Postzustellgebühr in Höhe von 48 Pfennig für die Lieferung der C.-V.-Zeitung für das 111. Quartal 11)84 vorlegen. Nichtmitglieder- Abonnenten zahlen 3,18 RM. Wir bitten unsere Leser, diese Quittung einzulösen, da nur dann die prompte Zustellung der C.-V.-Zeitung ab 1. Juli 1934 gewährleistet ist. Diese Postgebühr ist unabhängig vomMitgliedsbeitrag; siekann nicht an den Verein oder den Verlag gezahlt werden. Für jede nichteingelöste Quittung muss 'der Verlag der C.-V.-Zeitung eine Strafgebiihr von 30 Pfennig zahlen. hat sterben müssen. Und dieses war eines der erschütterndsten Erlebnisse meiner Jugend, ja meines ganzen Lebens, das doch den Krieg und die Schlachten mit überstanden hat, zu sehen, wie der alte, mehr als achtzigjährige Greis ankam aus dem -Heimatdorf, um feinen noch jungen Sohn, meinen Vater, begraben >n Helsen. Denn wir lebten damals schon in der Stadt. Er ging aufrecht mit seiner großen Gestalt, im weißen, am Kinn ausrasierten Bart, und als wir um ihn standen, wir Binder, und uns an ihn schmiegten, da jam- 'werte er halblaut hebräische Worte vor sich hin, legte uns die alten Hände segnend aus die jungen Köpfe und sprach die Gebete in der anderen heiligen Sprache. Aber davon wollte ich ja nicht erzählen, davon und von vielem anderen sott ein andermal berichtet )verdeu, es würde sür heute zuviel sein. Doch werdet ihr jetzt schon erkannt haben, was das für ein Manu war, über den das folgende mir als wahr berichtet worden ist. Er war so fromm, daß sie ihm in der Gemeinde, unter den Juden sowohl als auch unter unseren guten Freunden, den Bauern, einen Namen gegeben hatten, der Höchstes bedeutet, den ich aber hier nicht anszusprecheu Zage, und sie taten das mm durchaus nicht ß'öttisch, sondern in einem Gefühl hoher 'tztziimg, weil sie alle spürten, daß c*_ wahrer Cdaiibe und wahre Gottesfurcht gewesen sind, me ihn sein Leben also führen ließen. Ann, eines Tages, da siel ihm, als er den A'hochct der Gemeinde, den Salme, ein halb- Ghriges Stierkalb schlachten sah, etwas auf, das ihn bedenklich machte ivcgeu der religiösen Dichtigkeit der Handlung. Ich vermag nicht Gehr zu sagen, 'was cs war, es wurde auch mir nicht ins einzelne berichtet. Möglich, daß dein Salme die Handlung durch die Gcwvhuüeit nicht mehr so wichtig war, um jede Einzelheit so deutlich erscheinen zu lassen, die vor.- geschrieben war; vielleicht schien cs auch cin- Gah als habe er das Gebet zu sprechen verfilm. Es ist nicht wichtig, das zu wissen, für die kleine Geschichte au sich. Ter Großvater Guß das, was er gesehen hatte, länger mit ßch herumgetragen haben, bis er schließlich Gewissensbisse bekam, ob er es sich und der Gemeinde gegenüber, ganz zu sd)wcigeu von dem göttlichen Wesen, verantworten könne, sich und die Kehila dauernd der Gefahr einer Versetzung des religiösen Gesetzes zu überlassen, Gdem etwa sogar trefcncs Fleisch gegessen wurde. Eines Tages jedenfalls schrieb er dem •Jtabbinct des Sprengel?, der im Nachbardors amtete, einen Brief und legte in ihm seine i .... ... h 1 . 1 i I v : 4 1 i’ä | v>;, j - v! ' Paul Meyerheim: Zärtliches Verhältnis Israels: Durch Nacht zum Lich§ Vor einem .zahlreichen Publikum fand die Berstergernng der Kunstsammlung Blosse statt. Das Schvergewicht dieses alten Berliner Besitzes lag in der großen Zahl der Gemälde, die Rudolf Moste vornehmlich von deutschen Meistern des 19. Jahrhunderts ziisammenaebracht hatte. Aber mich die Niederländer und Italiener bildeten wertvotte Anziehungspunkte im Hause Leipziger Platz 15, das AGtte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts durch den Architekten Ihne erbaut wurde. Für den Leipziger Platz bedeutete der schöne zweistockige Barockpal>stt mit dem beachtenswerten Giebelrelief vv>r Max Klein eine Bereicherung, wenn auch die Front nach der Boßstraße mit dem Barock-' tor für einen Ehrenhvf nicht ohne Kritik blieb. Bei den Erwerbungen der kostbaren Bilder, Möbel, Gobelins und Porzellane wurde der Besitzer des Hauses zumeist von Friß Stahl beraten, viele glückliche Käufe gingen jedenfalls ans seine Jnitiative zurück. Sv der Erwerb des Leibl-Bildinsses, des Porträts des Appellationsrates Stenglein. das für 16 000 Mark in der Bersteigerung fvrtging. Es erweist sich durch die Signatur als eigenhändiges Werk des Meisters wie die schönen Bilder von Fenerbach, Böctlin. Spitzweg, llhde und Thvma. Böcklins „Hehre Bluse" war mit 10 000 Mark taxiert worden und wurde für 6600 Mark durch das Knustauktivnshaus Leple verkauft, F-enerbachs „Nanna" erzielte 1700 Mark, die beiden Thvmn zusammen 3500 Mark, darunter das Bild der Gattin des Malers als Italienerin, ein seines kleineres Bild; - Spitzwegs „Eremit" konnte für 8800 Mark von einem süddeutschen Sammler ersteigert werden. -- Und an diese Neihe deutscher Meister von allbekannten! Klang schließt sich die Zahl der Werke ausgesprochen Berliner Eharalters. Adolph von Menzels „Werber", in Nembrandtsches Dunkel getaucht, konnte nach hartem Kampf für 4600 Mark von einem Berliner Kunstfreunde erworben werden, die vier übrigen Meisterwerke Menzelscher Kunst gingen insgesamt für 7000 Mark in.den Handel, für Liebermanns „Lesendes Mädchen" wurden $20 Mark bezahlt. sür seinen „Lchweim'stall" 1600 Mark, für ein Werk des F-renndes Liebermanns und Menzels, für Pani Meyerheims „Zärtliches Verhältnis", der Tarstellnng eines Löwen, der ein kleines schwarzweißes .Hündchen liebkost, zahlte ein Museum 060 Marl. Heiß ging der Kampf um ein Hauptwerk der Sammlung Masse, Josef Israels „Durch Nacht zum Licht", das zugleich ein Hauptwerk des Lehrers von Max Liebermann ist. Es ging sür 4000 Mark in seine holländische Heimat zurück. Ter jetzige Besitzer bot einen überaus hohen Preis für dieses Bild, um es auch ivirtlich erwerben zu können, und der Verkauf dieses Bildes aus dem Mosse^Besitz gestaltete sich in der Versteigerung sehr spannend. Für den „Bnchenivald" von Leytitow wurden 1200 Mark bezahlt, sür Fechners Birchow- Porträt und für sein Bildnis Theodor Fontanes 1000 Mark, Lenbachs Bismarck, Mvltke und das Porträt der Königin Margherita von Italien gingen für 5000 Mark in deutschen Privatbesitz über. Die Taxen für diese kostbaren Knnstschätze waren niedrig bemessen, sie wurden in zahlreichen Fällen um das Doppelte und Dreifache überschritten. Lester llrps „Belgisches Dorf", eines der eindrucksvollsten Pastelle des Meisters ans seiner besten Zeit, erreickste 620 Mark und das „Blonde Baiierinnädck)eii am Fenster" von Anders Zorn wurde schließlich sür 4200 Mart versteigert. Unter den alten Gemälden der Sammlung Moste waren die Ostades und der berühmte Nuisdael besonders umworben. Willig wurden 7800 Mark für die „Nuine am Walde", die übrigens in vielem dem „Jndenkirehhos" von Nuisdael ähnelt, bezahlt. 16 000 Mark erzielte Ostades „Dorsliistbarkeit", die sieh früher in der bekannten SammlungWesendvnck befand und im Berliner Kaiier-Friedrich-Miisemn ausgestellt ivar, 2200 Blark des holländischen Meisters „Porträt einer alten Frau". Jan Steens „Hochzeit zu Kana" wurde für 2600 Mark fortgegeben und der ./Meister aus dem Kreise des Nubens" mit 6100 Mark. Der zweite Bersteigernngstag brachte den Berkans der Möbel und Bildteppiche/der ostasiatischen Knustwerse, der Porzellane und Bronzen. Vieles, was hierbei zur'Auktion kam. befand sich früher im Schloß Schenteiidvrf'nud im Hanse in der Maaßenstraße. Ter Erfolg der Blosse-Bersteigerung mir ein Max Liebermann: Lesendes Mädchen Erfolg für das Hans Lepke und zugleich ein Beweis dafür, mehl, guten liinstlerisdjen Rufes sich die Sammlung erfreute, die jetzt in alle Winde zerstreu! nmrde. Mnseumsdirektoren und Kunsthändler, ausländische »nd inländische Sammler und .Umntfreunde fallen sie mit Bedauern von der ilteidi-v Hauptstadt scheiden, in der sie jahrzehntelang einen wichtigen saminlerischen Wert darstellte. Sie ick vor fünf Jahren in dem großen Werk „Berlins Aufstieg zur Weltstadt", das anläßlich des Jnlü. läums der Berliner Kaufmannschaft heransgegebcn wurde, von Adolph Donath im Nahmen der bekannten Berliner Kunstsammlungen noch eingehender gewürdigt worden. Dr. 0. B. Bedenken in aller Ehrfurcht dar. Der Nav war ja viel jünger als er, vielleicht auch in Wirklichkeit nicht so fromm wie er selbst; allein für ihn lvar er geweiht nnd war der Rabbi und maßgebend in allen heiligen Dingen. Also schrieb er, ,was ihn bedrückte, nm feinetnnd der anderen willen nnd wartete ans Antwort. Aber die fiel anders ans, als er erwartet hatte. Als sie kam nnd er sie gelesen hatte, wurde er einesteils beruhigt, znm anderen aber kam eine neue Bedrückung über ihn. Der Rav nämlich gab den Bescheid, daß alles in Ordnung sei, so wie der Schvchet es zu handhaben pflege, nnd nicht nur dieses, sondern darüber hinaus, daß der Saline lvohl der beste Schvchet im Umkreis sei, nnd die Gemeinde, wie er selbst, froh sein könne darüber, einen solchen tüchtigen Kultnsdioner zu haben. Und selbstverständlich erhob sich im Großvater kein Zweifel über das, was der Priester ihm kundgctan hatte. Aber im gleichen, da er so beruhigt nmrde, gab cs nun eine neue Beschwernis: er hatte dem Saline arges Unrecht getan, er hatte so durch die falsche Anschuldigung eine neue Sünde auf sich geladen. Und als er am nächsten Schabbos nach Mnssas ans der Synagoge ging, hielt er den Schvchet an, der immer von seinen Sorgen etwas nach vorne gebeugt war, lind bat ihn nm seinen Besuch sür den nächsten Morgen. Als er am anderen Tag erschien, nichts ahnend von dem, waS geschehen war, hieß ihn der Großvater sehr höflich Platz nehmen und ließ eine Flasche Weines, von dem roten Seewein des eigenen Weinbergs, der heute noch so erfrischt wie damals, ans den Tisch stellen. Dann setzte er sich vor den kleinen Warnt, bot ihm aus der silbernen Cchnnpstabakdose eine Prise und sagte'. „Höre, Salme, ich Hab' dir unrecht getan und "ich will dich um Verzeihung bitten, darum Hab'-ich dich herbestellt. Sei mir's mochell" Er erzählte ihm alles und reichte ihm znm Schluß die Hand, in die der andere ein ivenig betreten die seine legte, denn der Isaak, mein Großvater seligen Gedenkens, war, wie schon gesagt, als sehr stolz bekannt, eigentlich war er mit niemandem befreundet als mit seinen beiden Brüdern. Aber dann ineinte der Salme, das habe nichts zu bedeuten, so etwas könne Vorkommen, nnd es sei ja für ihn selbst doppelt gut geworden, da er nun überdies ans diese Weise die Genugtuung einer besonderen Bestätigung durch den Rabbiner erhalten habe. Aber Großvater fuhr fort: „Doch, ich habe gesündigt nnd ich lvilt es gntmachen. Schick', bitte, jeden Sonntag morgen einen von deinen Jungen her, ein Viertel Jahr lang, nnd ich lvill ihm jedesmal einen Taler geben. Tn wirst es schon brauchen können." Nun inns; ich wohl bemerken, daß nur da- .rnals zu den Wohlhabenden des Dorfes gehörten. Biele Jahrzehnte, über ein Jahrhundert lang hatten die Väter fleißig nnd sparsam ihren Handel^ getrieben nnd von den Aeckern, Wiesen und Obstbälnnen und dem Vieh gelebt; nnd schon der Vater meines Großvaters war sür die damalige Zeit ein Mann gewesen, der ruhig schlafen konnte. Daß dieses jetzt anders getvorden ist, darüber könnt ihr beruhigt sein; auch uns hat die Zeit nicht verschont — darum kann ich das jetzt berichten. Aber der kleine Schvchet mit den immer geröteten Augen nnd dem dünnen Spitzbärtchen hatte sechs Kinder, ein wenig viel sür den spärlichen Ziegen- und Hühnerhandel, den er nebenbei betrieb. Doch erwiderte er: Das sei gciviß nicht nötig, lvas Großvater da sich vvrgcnvmwen habe; wie es sich eben gehörte, sagte er das. Aber erfreut verließ er bald unser Haus, nachdem er den ersten Taler gleich erhalten hatte. Und wie es ihm versprochen worden war, so geschah es, zwölf Wochen lang jeden Sonntag morgen erhielt einer von den Söhnen des Schochet das blanke Geldstück, das damals mehr bedeutete als heute, es war eincWvnibolische Rtünze, nnd sie erhielt in diesem Falle noch eine doppelte Bedeutung über ihren wirtschaftlichen Wert hinaus, das werdet ihr zugeben. Und einer von diesen Söhnen, die ineine Kameraden nrnren, hat mir das viele Jahre später erzählt: also muß cs wohl wahr sein. Und diese Geschichte durfte von mir wohl weitererzähtt tverden, weil es heute vielleicht unmöglich ist, daß einer unter uns sich so verhält, nne der Großvater es getan hat zu seiner Zeit, und wie es manche noch getan haben würden, damals in seinem Falle. Denn solcher Art Leute finb heute überheblich und bringen es nicht über sich, Unrecht gut zu machen am Kleinen, lvenn sie nicht dazu gezwungen werden, weil sie nicht mehr die Demut vor Gott haben. Sie lasten ihre Zigarre schief an? dem Btundwinkel hängen nnd sprechen laut zn dem vermeintlich Abhängigen in ihrer großen Leerheit. — Und so ist das also eine Geschichte von der Schcchita und auch von der Zedaka, der Wohltätigkeit, die Gerechtigkeit sein ünll. ZK §ZM 2lus „Wi!A Uacaöeln“ eüh Mcü SiaettsQ Als Elieser, der Kluge, seinen Weg ins Leben nahm, höhnten die Nenumabveisen: . „Oh seht, er hat einen Buckel mit ins Leben bekommen, das null bedeuten, daß er geeignet ist. einen Packen darauf zu tragen znm Handeltreiben." Elieser antwortete: „Das denke ich nicht, daß ich dazu bestimmt bin,.mit dem zu handeln, was man auf dem Buckel trägt, sondern mit dem, was man im Kopfe hat und, was den meisten fehlt." „Was wäre denn das?" spotteten sie. „Ter Verstand!" sagte Elieser. „Oh wozu hättest du dann den Buckel?" „Um die Mühsal durchs Leben zu schleppen, die die Dummheit der Toren den Weisen anslädt."

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