Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 23 (7.6.1934)
- Date
- 1934-06-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2277379-2278044-2278067--08624-2289655- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Judentum verteidigt, als stolzer Jude kämpfen; muß, weit mehr der Kritik der Umwelt ausgesetzt i ist al8 der Großstädter. Schon seit einem Jahr hat der Jude in der kleinen Stadt die vor kurzem gesprochenen Worte: „Sie sollen sich in die vier Wände zurückziehen", wahr gemacht. Wie dankbar ist nun solch eine kleine Gemeinde für ein paar aus- . rechte Worte eines Redners, für ein paar schöne Gesänge, für einige Stunden anschließenden Zu- 'smnmenseins mit den Gästen. Tagelang bildet der Tag den Gesprächsstoff. Nun, ihr Großstädter, begreift ihr .unsere Freude? Bielleicht ist so mancher von euch in einer kleinen Gemeinde erzogen worden. Erinnert euch daran, tretet für eure Brüder und Glaubensfchwestern in der kleinen Stadt ein. Nur im Zusammenhalt werden wir uns selbst erhalten. Soll ich nun die kleine Stadt schildern, das würde zu w'enig Interesse abgewinnen. Aber sagen muß ich doch noch etwas, und dazu liegt neben mir das Gräberverzeichnis unseres alten Friedhofes in Kraskan bei Kreuzbnrg. Unser verdienter vcrstorbeuer Kantor Rawitscher hat es nngesertigt. Welche Namen stoßen einem hier auf! Namen, die in Deutschland eine Atolle gespielt haben, deren . Träger Wirtschaftspioniere gewesen sind. Alt ist der Tvtenplatz, der älteste Stein aus dem Jahre 1705. Er sagt, daß hier Zimiuermaim Isaak Eisek rulst. Wandel und Handwerk Ijat bei den jüdischen Eiinvohnerii geblüht. Bedeutend ivar einstmals die Geineiilde. Tie große Synagoge, etioa 050 Personen fassend, rvar in meiner Jugend an den Feiertagen voll beseht. 90 Seelen sind hier znrückgeblieben. Wo sind die Inhaber der Geschäfte geblieben? Berzogen nach der Großstadt. Einstmals hatte das Gynmasium etwa'40 jüdische Schüler, heute eine einzige Gymnasiastin. Tempora imitantur, aber unverzagt blicken nur in die Ziilnnft und arbeiten für unsere minder, wie cs auch unsere Vorfahren getan haben. Xpatheker Prenlki, Repräsent-mteli-Vor.-ckeher, . Kreurluirg, 0.-8. * Dir Geschäftsstelle deS Landesverbandes Lber» schlrsien befindet sich seht in Beuthen Cö.-Z.), .Biräjvwstraße li, 11. (Telephon: 3527). Anschrist: Postamt t, Schliesstach 57. Rücksprache nach vorheriger telephvilischer oder schriftlicher Amneldung. Tie Bczirksgrttppe Westen des Jüdischen Frauenbundes hatte ani *20. Ätai zu einem Zusammensein in das neueröffnete Klubheim in der Lntzowstraße geladen, desseit Räume von der Ber- ' liner Jüdischen Gemeinde dein Frauenbund zur Verfügung gestellt wurden: er schuf daraus ein .freundliches irird gemütliches Heim, das jedem Mitglied ofsensteht. Tas Klubheim, des erste, das 'der Fraltellbtind crötfnotc, soll hallptsächlich den Angehörigen der Gruppe der berufstätigen Frauen als Anienthaltsstälte dienen; diese Gruppe ist dem Frauenbund allgeschlossen. Auch Nichtmitglieder haben zu den Bäumen, die von 11 Uhr morgens bis 10 Uhr abends durchgehend geöffnet siild, gegen Entrichttmg einer Gebühr von 10 Pfennigen Zutritt. In einem Lesesaal stehen Zeitungen, Zeitschriften liuö eine Bibliothek den Gästelt ztir Bersügnilg: die Bestände des Lesesaales fallen mit der Zeit in weitgehendem Maße vervollständigt werdeil. Tie selbstlose Arbeit des ■ Frauenbundes hat hier eine Stätte geschaffen, die den heutigen Bedürfnissen der berufstätigen Frauen in schöner Weise eistgegenkvmnst, da sie iijnon die Möglichkeit bietet im angemessenen Nahmen gesellige Ziisanuneiikünfte, Sit.mngen und Bvrträge zu veranstalten. Auch für guten und preiswerten Jinbiß lvird Sorge getragen. Es hatten sich fast hundert Gäste zum Tee eingefimden. Nach den Begrüßnngsworten, in bcncn Frau Horwitz der Gemeinde und allen Helfern und Gönilern bcn Tank des Franeilbnudes für dieses erste eigene Klubheim aussprach, wurde über die neuen Arbeitsgebiete des Aerbandes berichtet. h. m. Ich war preusslscher Schatzpolizeibeamter und bin als Jude nach § 3 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in den Ruhestand versetzt worden. Welche Rechtsvorschriften gelten für meine Versorgungsbezüge? . ' Nach dem „Preußischen Gesetz über die Ber- , sorgung der Schutzpolizeibeamten bei Zurruhesetzung, Entlassung und Entziehung oder Nell- . sestsetzung der Bersorguugsbezüge nach dem ' Neichsgesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentnms vom 17. Noveinber 1903" (Preußische -Gesetzsammlung G. 404) unterliegen die Ihnen Zllstehcndcn Bcrsorgnnysbezüye den folgenden Einschränkungen: Kapttalabsmdnng nach den. §8 40, 50 des Schntzpvlizeibeamteugest'tzcs oder - den §§ -32, 42 des Polizeibeamtengcsetzes dürfen nicht gewährt werden; dasselbe gilt von den Vorschüssen auf die Uebergnngsgebühruisse und die Zulage hierzu nach 8 l" des Polizeischiitzbeaintengesetzes (8 2). Polizeibersorgungsscheine nach 8 84 des Polizeischutzbeamtengesetzes nild nach 8 33 des Reichsversorgungsgesetzes vom 12. Mai 1920 dürfen nicht erteilt werden. An die Stelle des Polizeiversorgungsscheiues tritt die Zulage zu den Ncbergaugsgebührnissen gemäß 8 09 des Polizeischutzbeamtengcsetzes (8 0). Ter Anspruch ails Gewährung der einmaligen Ilmzugscutschädigung wird ausgeschlossen. Jedoch kann — spätestens bis zum 01. Tezember 1904 — im Einzelfall auf Antrag eine Umzugsentschädigung bis zur Hohe des nach den genannten Vorschriften zulässigen Betrags gewährt werden, wenn und soweit besondere Umstände dies angemessen erscheinen lassen (8 4). Soweit den Cchützpvlizeibcamten Kapitambsindmigen, Vorschüsse aus die Uebergangsgobühruisse und auf Zulagen dazu vder Umzugdentschädignngen schon gewährt worden sind, werden ihnen diese Bersvrgungsbezüge belassen, es fei denn, daß die Beamten unter die 8ß 2 oder 2a des Berussbcamtengesetzes fallen. Ein etwa erteilter Beamtenscheiu vder Polizeiversorgungsschein ist in allen Fällen zu entziehen. An die Stelle des Polizeiverforgnngsscheines tritt die ('Zulage zu den Uebergangsgebührnissen. Diese wird, wenn die Entscheidung des Ministers des Innern ain Ersten eines Monats belanntgegebcu ist, von diesem Tag ab gewährt, im übrigen vom Ersten des Monats ab, der auf den Mount folgt, in dem die Eutscheidüng des Blinifters des Innern belanntgegebcu ist. Kann die Anordnung des Treuhänders der Arbeit, einen Angestellten zu entlassen, einen wichtigen Grund zur fristlosen Kündigung bilden? Tas Landesarbeitgoricht Frankfurt a. M. hat in einer Entscheidung vom 11. Januar 1904 — 61— »S 78/00 — („Deutsche Justiz", Nr. 18 vom 4. Mal 1904, S. 584 ff.) diese Frage bejaht. Er führt ans, daß die Forderung der Angestelltenschaft auf Entlassung der Klägerin nach anerkannter Rechtsprechung diese Entlassung nicht rechtfertigen könne. Tenn es sei Sache des Betriebsinhabers, die Belange jedes einzelnen seiner Angestellten wahrznnehmen und unter Umstünden unberechtigten Forderungen der Angestelltenschaft — notfalls unter Anwendung schärfster Maßnahmen und Inanspruchnahme polizeilicher Hilfe — entgegeuzutreten. Tie Forderung der Angestelltenschaft habe daher die Beklagte nicht von der Verpflichtung enthoben, die gegen die Klägerin erhobenen Vorwürfe nachzuprttsen und, falls sie unberechtigt wären, sie zurückzuweisen. Das Gleiche gelte von der Entscheidung der N2BO. lvelche gleichfalls die Entlassnng der Klägerin forderte; auch diese habe die Beklagte noch nicht eigener Nachprüfung des Falles enthoben. Aus Grund der Mitteilung des Treuhänders der Arbeit aber, welcher die fristlose Entlassung der Klägerin empfohlen habe, habe die Beklagte annehmen müssen, daß eine behördliche Nachprüfung der-gegen die Klägerin erhobenen Vorwürfe stattgesunden chabe, welche die Vorwürfe geklärt und die Entlassung der Klägerin notivendig gemacht habe. Aus - diesein Grunde sei bei. der besonderen Lage des Falles die Bellagte der Nachprüfung der Vorwürfe enthoben gewesen. In der Anmerkung der „Deutschen Justiz" zu diesem. Urteil stinunt Dr. G r u sseudo r f der Entscheidnng zu. Er bemerkt aber, daß der Treuhänder Per Arbeit nicht über die Entlassung eines einzelnen 'Angestellten euischeideu könne, da seine im 8 19 AOG. aufgezählten Befugnisse ihn nicht zu einem solchen Einschreiten in einem Einzelsall ermächtigten. Auch auf dem Wege über den Vertrauensrat lömste eine solche Frage nicht vor den Treuhänder gebracht werden: denn die Anrufung des Treuhänders durch die Mehrheit des Vertrauens, rats gegenüber einer Entscheidung des Führers des Betriebes (8 10 AOG.) sei nur möglich, uvitn sich die angegriffene Entscheidung ans die Gestaltung der allgemeinen Arbeitsbedingungen beziehe. In den ersten Monaten nach dem Inkrafttreten des Treuhändergesetzes vom 19. Mai 1900 sei die Rechtsstellung des Treuhänders noch nicht so geklärt gewesen, daß der Unternehmer dessen Unznstäiidigteit für die fragliche Verfügung erkennen tonnte. Nachdem aber inzwischen die Rechtsfragen geklärt seien und insbesondere das ALE). eine genaue Abgrenzung seiner Befugnisse bringe, lverde für die Zukunft in einem solchen Falle der Unternehmer das Risiko tragen müssen, daß seine Entschließung ans einwandireien rechtlichen Grundlagen beruhe. ' Erforderlichenfalls müßte er das Mittel der Tienstanssichtsbeschwerde an den NeichsarbeitSminister ergreifen (818 AOG.), um sich die Gewißheit zn verschaffen, daß eine bindende Anweisung im Rahmen der gesetzlichen Znständigleit des Treuhänders vorliege. Gleich dem Fragesteller in der „CV-Zeitungft Nummer 5 vom 1. Februar 1934 habe auch ich ein Filmmanushript verfasst und sollte vertragsgemäss am Drehbuch mit erb eiten und Regie führen. Mein Vertrag ist fristlos wegen meiner jüdischen Abstammung gekündigt worden. Sind neue gerichtliche Entscheidungen in dieser Frage bekannt geworden? Nein! Es kann aber darauf hingewiesen werden, daß das Kcnnmergericht im Urteil vom 17. November 1900 <21'kl 4598/00, „Juristische Wochenschrift" 1900, S. 2918), durch das es die Kündigung für berechtigt erklärt hat, aus 8 ‘4 Abs. 4 der Kontingenliernngsberordining ' des Reichsministers für BollSnnsklärnng und Propagnnda vom 28. Juni 1900 nicht cingegcingen ist. Danach kann im Einzelfall auf Antrag des Filmschcmspielcrs die Beschäftigung von Autoren gestattet werden, meU'he nicht als Deutsche bzw. Deukschstämrnige im Sinne der Kontingentiernngsverordnnng gelten. Solche Ausnahmen sind bei Frontkämpfern und auch dann bewilligt worden, wenn die Verträge vor dem 1. Juli 1900 geschlossen waren. Juni 1934 Ssiwan 5694 Sonnabendi 9. 26. Wochenabsch.: Sch’lach Tch« 4. B. M, I3~i? Haftara: Josua, 21—24 Neumondweihe. Pirke Owaus III Dienstag, 12. 29. Jaum Kipur Koton Mittwoch, 13. 30. 1. Tag Rausch Chaudesch Tammus 5694 Donnerstag, 14. 1. 2. Tag Rausch Chaudesch Sonnabend, 16. 3. Wochenabschnitt: Kaurach 4. B. M., 16-18 Haftara: 1. Sam., 11,14-12,^ Pirke Owauss IV Sonnabend, 23. 10. Wochenabschnitt: Chukass 4. B. M., 19-22,i Haftara: Richter ll,i_33 Pirke Owauss V Sonnabend, 30. 17. Wochenabschnitt: Bolok 4. B. M., 22,‘j—25,9 I Haftara: Micha 5,u_ö,s | Pirke Owauss VI Am 10. Juni feiert Gmnpel Bernstein in voller geistiger Frische seinen lOO.Gebnrtstag. Bis vor etwa zehn Jahren ging er in Schlünelburg an der Weser und der dortigen Umgebung noch seinem Beruf nach. Und wenn der „Dlle GumpeE,; wie er im Volksmunde der weiteren Umgebung genannt wird, später nach Stolzenau zog. so behielt er doch in seinem Sctilüfselbnrger Hause eine kUllümnng, um im Sommer des öfteren darin zll „biwatieren". Vor fast achtzig Jahren, im f Jahre 1856. wurde Bernstein in Nlinden znin - Jlttauterieregimeut 15 eingczvgcn und im ersten l Jm;r zmn Gefreiten befördert. Im Jahre 1*58 | wurde er als „alter Manu" zum Jufantericv regiment 55 in Telmötd überschriebeu. Der „Olle Gumpel" hat die siegreiehen Feldzüge von 1804, 1806 und 1870/71 mit Auszeichnung mit gemacht und ist als alter Veteran Ehrenmitglied des Kriegcrvereins lind Ehrenmitglied des Gesangvereins in Schlüsselburg. Bernstein l)vt sich in Schlüsselbnrgs näherer und <veiterer Uncgebung stets des besten Rufes erfreut; er nimmt noch heute regen Anteil an allen Geschehnissen der Zeit. Solange »och in Echlüsselburg Gottesdienste al'gehalten wurden, hat Gnmpel Bernjlein als Vorbeter gewirkt. Noch heute ist er als M:nfam Alaun in Stolzenau stets pünktlich zur Stelle. Wir Nülnscheu dem Jubilar einen gesegneten Lebensabend. fand rcicip noc'.R w'gan Sklin innl)!' die b Arbei einig' fcit. als r HP l; ü'.d ' der» c o I, Tel.: S Ü U:!R T-4.: SV."«.-!-, MObrln . Serenade Alvzarts^ unter der Leitung Kurt Havellands als klingende Trostspende vor. Alle Darbietungen fanden überaus reichen Beifall und zeigten erncnt, wie fcl)r sich die Arbeit des Knlturbnndes in Alnsik und Theater dank des außerordentlichen Fleißes dnrchgesetzt hat, mit dem alle Kräfte am Werke sind. s. k. DorlragSabtnd Ludwig ßardl Spät in der vorgcrüclten Saison, aber immer noch nicht zn spät, um mit dem Lockruf „Theater! Theater! Theater!" vergeblich an seine Getreuen zu appellieren, trat L u d io i g Hardt in einer Sondcrvcranstnltung des Kulturbundes vor ein bcisallsreudiges Publikum, das trotz einem wunderschönen Junisonntag die weiten Räume des Berliner Theaters bis ans den letzten Platz füllte. Alan kennt die Art des Künstlers, der wie ein moderner Nachfahre aus der Zunft der alten lllhapsvdcn in unsere Zeit hiueiuragt: die Dämonie einer Leidenschaft, die wie von einem ß gcheimnisvollen Nrtrieb besessen ist; das vibrierende. Sensible, Zuckende eines beweglichen Geistes, der leicht und grazil über den Dingen zu schweben scheint; die ungewöhnliche Stoßkraft und Vehemenz eines Naturells, das aus den Quellen eines untergründigen Humors gespeist wird und ,, sich in einer bis aufs Feinste abgestuften Dyna- ' mi! frei und ohne Zwang entfaltet. Alle diese Wesenszüge kamen einem Programm zugute, das in der Hauptsache ans die bunte Welt des Scheins in ihren verschiedensten Spielarten — als Theater, als Barietä, als Zirkus — grellere vder mildere Reflexe von Dichtung, Anekdote, Kritik fallen ließ und das schon in seinem Auftakt, in Roda Skodas köstlichem „Ausrufer auf der Oktoberwiese", einen vollen Akkord der Heiterkeit anschlug. Zwischen dieser höchst amüsanten Introduktion und den immer wieder durch die verblüffende Sicherheit der Nachzeichnung in belustigendes Erstaunen setzendes Schauspieler-Porträts stand manches Ernste, manches Besinnliche, wie der alte Matthias Claudius, wie der vor gerade zehn Jahren verstorbene Franz Kafka: dem Andenken dieses Dichters, für den alles Vergängliche nur ein schmerzliches Gleichnis bedeutete, widmete Hardt, den Rahmen des Programms pietätvoll überschreitend, einige seiner kurzen Erzählungen, von denen die bekannteste, „Auf der Galerie", die reale Sinnbildlichkeit des Geschehens mit erschütternder Deutlichkeit heranüstellt (ivährend die letzte. „Tie elf Söhne", in ihrer tieferen Symbolik verhüllt bleibt). Und dann, neben Grillparzer und Heinrich von ZUeist. dessen sachlich klare Prosa ohne jede künstlilhe Berschnörkelmig zn Gehör gebracht wurde, neben dem tändelnd - graziösen Ataupassant und dem witzigen Alfred Polgar, neben Wedekind und Christian Atorgenstern einer von Hardts besonderen Lieblingen, Heinrich Heine mit den beiden Romanzen „Pvmare" und „Das goldene Kalb". Wie der tänzerische Vorgang sich in dem einen dieser Gedichte zum individuellen Lebensschiclsal, in dem anderen zur brünstigen Ekstase einer entfesselten Menge weitet, und der stampfende Rhythmus den Vorgang selbst schlagartig begleitet — das illustriert Ludwig Hardt mit einer solchen Kunst der Veranschaulichung, daß eine idealere Verbindung von Dichter und Interpret schlechthin unmöglich ist. vr. Hugo Lachmuntiki. Vortragsabend E!Iv Reicher Elly Reicher konfrontierte (in ihrem Kulturbund-Abend im Logenhaus) den Tod HektorS ans der Ilias und den Tod Absaloms aus der Bibel. Ter Zweck war offenbar, an einem beglaubigt heroischen Kapitel Homers die künstlerische Kraft und die heroische Auffassung des Alten Testaments zu messen, eine schlichte, sinnfällige und großartige Demonstration. Und obwohl in der Zeit, aus der beide Gestaltungen stammen, die Berührung der hellenischen und jüdischen Kulturen nvä) nicht sonderlich aktuell war, neigt der heutige Leser schon dazu, beide mit den gleichen Gefühlen zu betrachten und seine Sympathie wie einem Berwandten nicht nur dem tragischen Vater Absaloms. sondern ebenso dem tragischen Sohne Priams zuzuwenden und die Vereinigung von List und Gewalt bei Joab wie bei Achill abznlehnen. Griechische Hexameter (und auch Voßeuü Homer ist uns griechisch in seinen weithinrollenden Sätzen) zu sprechen, haben unsere späten Abendlaudsprachen nicht den Atem; die Antike, auch die jüdische Borstellnngswelt ganz zu erfassen, hat nur unsere außerordentliche Glanbwilligleit das Herz. Zwischen der Scylla der Sprachscywierigleit und der Gharybdis der Stvfs» fremdheit fand Elly Reichers metallischc', erschütterud pathetische, den primitiven Wandlungen vom Zorn bis zur zärtlichen Trauer leideuschaftlich hingegebene Bortragskunst den Weg zu den Herzen der Hörer. . 11—8ch. Frantturl a. M. Auch die dritte Aufführung des Sinsoulekonzerts des Sl n l t u rbunde 8 R h ein — M a i n fand noch einen überfüllten Saal. Das von den gleichen Werken bestrittene Programm hatte insofern eine Aenderung erfahren, als diesmal Konzertmeister Rudolf Berg m a n n als Solist in Ateudelssohns Violinkonzert anstrat. Ein Geiger, der durch seinen vollsastigen, männlichen, aber doch elastischen und nuancenreichen Ton besticht, ein Virtuose.Per dm technischen^ Lklippen der Ecksätze voll gewachsen ist, zugleich ein Atusiker mit gezügeltem Temperament und gepflegtem Stilgefühl. ‘ Bon dem guten Zusanunenklang dieser Eigenschaften ließ sich die Hörerschaft gern gefangennehmen. Der starke Beifall veranlaßte den Solisten noch zur Zugabe der „Chaconne" von Bach, die in klarer, kraftvoller Disposition erstand. Hans Wilhelm S t e i u b e r g hob den Orchestorpart des Violinkonzerts loeit über die Linie der Begleitung. Die Jnstrmncntalisten folgten ihm mit größter Spielsrende. A. H-e. Sannsvcr zweite Konzert ix-r StjuaflOQenfjenicmbe Hannover ließ bereits wosentliche Fortschritte in den Legtimgen von Chor und Orchester erkennen. Nock) exakter war das Zuscv.nmenspiel geworden, noch remer die Tongebung, straffer der Rhythmus, freier der Mekedwnslnß. So konnte das Orchester — mtter der sicheren Stabführung von Julius Paperle — schmierige Werke wie die „llnvoUendete" veil Scliiibert und die Bealettuug zum Violinkonzert von Ateiidelssohn beivälkiaen, so im Verein mit dem gcmischien Chor — unter der anseuervden und z:clbewußten Leitung von Jotyi Ata>nde!brod — den 42. Psalm des gleichen Kompvlnsten in erhabemm Größe erstehen lassen. Ter Geiger Stefan Frenkek lvar der Solist des bekannten Konzertes. Er spielte es mit hinreißendem" Temperament, mit technischer und musikalischer Ileberkegenheit. Als Gesangsfolistin des Abends zeichnete sich Elsa Jülich aus. Schon mit der Wahl der drei in der Stinmmng so ganz wellabgeivandten Lieder von Hugo Wals „Gebet". „Ter Genesene au die Hossmmg" und „Verborgenheit" bewies die Künstlerin, daß es ihr in erster Linie aus tiesverimierlichteu Bortrag ankommt. Mit der herrlichen, vom Ehor-drigentru monumental gestattoteu Fuge fanden das ewig schöne BCerk. der bedeiltiingsvolle^ Abend und unsere d:ckjährigen jüdischen Konzerte ihren Abschluß. Otti Bernstein. -Ä!n—Sluftc Das Boris Kroyt-Quartett (Boris Kroyt. Bictor Atauussewitsch, Haiuz Lbeideu, Jascha Bernstein), das im Jüdischen Kulturbund Rhein-Rluhr einen Kammerimistkabend veranstaltete, brachte Werke von Haydn, Atozart und Debussy. Eine kleine Sensation nxtr der ungemein seelenvollc, auf schattierten Klang und lebendiges Zcisammeuspiel abgestimmte Bortrag von Tebussys Streichgnartett (1-moU Op. B- Nicht ganz so vollendet spielten die Künstler das Streichgnartett (l-äue Op. 77 Nr. 9 von Haydn und das Jagd-Quartett l>-llur von Aivzart. Ter fchiverbtütigen Atentalität der Russen scheint die Beherrscherin des Rokoko, jene Grazie >rnd Beschwingtheit ferner zu liegen. Das Konzert fand in Köln, Aachen, Tnisbürg. Essen, Kresekd, Reckkinghansen und Wnptxu'tak statt. neben der Pflege des a-C:m;>e!!n-Gesanges nächsten Winter die Ausführung größerer CYarv mit Orchester. Zunächst wird „DaS Loste Sakomonis" (Schir haschirrm), ein Ateisler Enrico Aossis, zur Einstudiecliug gelangen. Vergrößerung des bestehenden Chores wolllm musikalisch interessierte und stimnitüchtige ma und Herren beim Dirigenten Alexander Weinoc Berlin W 30, Luitpokdstraße 41 (Tel.: B o - barossa 46561, melden. Mitgliebsbcltrag wird n: erhoben. Sc!il; |}0r8 i r?.’; entüiiU li,,,. Cri Zin:m« n:.j C ö O llQ, ‘lir. an Bartnj