Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 23 (7.6.1934)
- Date
- 1934-06-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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te? . $ aUr;n^ XXZ. jtTT'' iland!1' B.-.vom L- V'X «NV.lö. k odor urlXX Fehr-;. V.-Znj. i> NN .15. «■-Ii.iftii JshiMs- 53 D;d, SO io! h rf läge;tiich tung hat. 1 frn | * | H7 | fd K2- DLs §SisT VSM 3. IrmL ^-z dZ§-. ZZ 1. Bofifeüaflt j®|C® WGClWsST 'erntete „La serva padrona“ Pandolfo (Gerhard Pechner), Scrpina (Fritzi Jokl), Scapin (Julius Kuthan) Zeichnung von Dodo tyDie Schiessbude“ Budenbesitzer (Rolph Ray), Nigger (Wern Herrmann), Kru-Kru, das Affenweibchen (Ruth Anselm) Zeichnung von Dodo (?.i niodjtc manchem für Augenblicke zweifelhaft erscheinen, ob es in unseren Tagen geziemend sei, die m'ilnbundertste Wiederkehr des Jahres festlich zu begehen, in dem der älteste Teil der LZormier Synagoge einst vollendet worden war. lind doch hat gerade unsere Generation begründeten -'Inkan, auf die Entwicklung des Judentums ans deutschem Loden zurückzublicken. Kein.; Stätte jüdischer Tradition darf es mit größeren; Anspruch als fra.> Gotteshaus der israelitischen NcligionSgcmcinde Worms. Wan hatte davon abgesehen, diesen Tag der Besinnung nicht nur einer jüdischen Gemeinde, sondern di'-> rheinischen, ja beinahe des gesamten deutschen Zndcnluins durch äußeren Aufwand ansznzeichncn. b-ne 'Weihe stunde bot den Nahmen für die iiiedcn und Wünsche, die Ehrungen imd Anerkennunqen. die der Gemeinde aus ihrer Mitte und auS Kreis der Ehrengäste übermittelt wurden. Unzählige Male mag die Synagoge im Laufe ihrer ireschirle ähnlich stark besucht gewesen sein; in solcher Erfülltheit mit gehaltener, ernster Feicrsiinnuuug wird sie in langen Jahrzehnten nicht erichieireu sein. Es war ein glücklicher Gedanke, den gestalt im Gottcshause vorzunehmen. Ungeachtet der sommerlichen Helle im Freien, erstrahlte der romanische Jnnenraum im Lichte der kostbaren .buiter. Rabbiner Tr. H o l z c r und Gcmeindcporsteher Tr. Nicke lsbur g geleiteten die Gäste und Vertreter der jüdischen Organisationen ins Gotteshaus. Ter sonst so knapp proportionierte Tpuagogenraum schien geweitet zu sein; Kops an (wps standen Alt und Jung, die Männer und Knaben, die Frauen und Mädchen. Tie Fe st r e d e von Nabbiner Tr. Holzer zeichnete die Synagoge in ihrer Bedeutung für die jüdische Religion und das religiöse lieben. das so sehr zum Borbild in der jüdischen Welt geworden;var, das; die Wormser Juden als „Ehaside Aschlenasch als die „Frommen von Teulschlaud" weithin gerühmt wurden. Tas zweite Verdienst, das sich die Gründer und Erhalter dieses Goitcsh.ruscs erworben haben und für das ihnen ans diesem Ban Kraft und Bereitschaft erwuchs, ist die Pflege und Förderung der j ü d i s ch c n Wissenschaft (Naschi). Diese Wissenschaft war von besonderer Art: sie war nicht um der Wissenschaft, sondern um der Religion. der Sittlichkeit, des Menschen willen. Des Rabbi Elieser von Worms ethisches Werk „Orchvth Ehaiin" Nt. Jahrhundert) ist ein bezeichnendes Beispiel dafür. Als dritten Wescnszug der Starke mimte Tr. Holzer die Tatsache, das; die Ahnen und Väter der Gemeinde Aloister u n d K ü n st - ler des Lebens waren. Hier hat wohl, wie in Tpeher und Acainz, der E i n f l u s; der Umwelt am intenstvsten gewirkt. Tas; die einzige jüdische Liedersammlumg aus mittelhochdeutscher Feit, in der jüdische und deutsche Volkslieder vereinigt sind, einen Vorsteher der Wormser (Gemeinde de? 15. Jahrhunderts zum Verfasser hat, ist bezeichnend. „SSHc sehr auch unsere Däter und Vorfahren im. Schoße ihrer altjüdischen Geschichte, ihrer religiösen Ueberlieferung ruhten, wie stark und unerschütterlich sie iin Boden ihrer Stammes- und Eigenart wurzelten, so nahmen sie dock; am Leben ihrer llinwelt. ihrer Mitwelt lebhaften Anteils waren sie im Laufe der Jahrhunderte nach Sprache und Kultur, nach seelischer Einstellung und Geinütshaltnng Tcutsche, rheinisckze Teutsche geworden." Rabbiner Holzer schloß seine Rede mit Worten deS Gedenkens an die um die Gemeinde verdienten Männer aller Jahrhunderte und gedachte auch derer unter unseren deutschen Mitbürgern in Tankbarkeit, die. obgleich nicht unserer Glaubensgemein, schaft zugehörig, in den Zeiten der Not aus cdlein Herzen, aus Menschlichkeit und Gerechtigkeit uns beigestanden, unseren Däter und Vorfahren Helfer, Retter und B-cschntzcr geworden sind. Den Höhepunkt der W e i h e st u n d c bildete die Ansprache des Vorsitzenden der Reichs- Vertretung der deutschen Juden, Nabbiner Tr. D a e ck. Wenn eine Stätte, die nenn Jahrhunderte besteht, zu uns spricht dann hört sie auf. ein bloßes Bild, ein bloßer Anblick zu sein, dein sich das Auge zmvendet. Sie wirdt vielmehr ein Symbol, ein Sinnbild. Sie kündet von dem. was ein Bleibendes im Wandel der Geschichte ist. N e u u Jahrhunderte, das bedeutet Adel. Wenn es uns in diesen Tagen Bedürfnis wird, von dem Bild des Tages zum Sinnbild d e s B l e i - b enden uns hiuzuweuden, uns über den Tag zu erheben, iveuu in solchen Tagen ein Verlangen in uns lebendig wird, so ist es das Verlangen nach Adel, nach Noblesse. Einst rief inan' „Ist lein Talberg da?" und dachte an Worms. Und wer hat nicht an so manchen Tagen so rufen mögen! Tiefe Erinnerung an senen Ruf. der die deutschen .Kaiserkrönungen durcheilte und der einen Wormser Namen birgt, der in der Geschichte der Emanzipation der Juden ein edles Blatt füllt, hob die Veranstaltung zu der Höhe geschichtlicher Besinnung, von der aus der Augenblick vor den ewigen Gesetzen des gesckiichtlicheu Werdens sich abhebt. So entstand in den Worten Tr. Baecks das durch die Jahrhunderte Gültige dieser Stätte und ihrer Menschen. Bon deutschem Adel, dem deutsche;; jüdischen Adel vor allem, spricht diese Stätte. Adel ist kein Aeußcrlichcs, Adel ist iinmer ein Geistiges. In jedem Land und in jeder Zeit und Geschichte hat es zwischen Menschen verschiedener Art und verschiedenen Gepräges Auseinandersetzungen gegeben. Jede Auseinandersetzung ist schließlich zun; Segen geworden, wenn sie erfüllt war von Adel, von Noblesse, >vem; Adelsiville und Adelsfähigleit aus ihr sprachen. Wir deutschen Juden füllten cö u n s in diesen Tagen gesagt sein lassen: Bleiben wir Adlige, bleiben wir voller Noblesse, vergessen wir nicht, was das bedeutet, Adel aus neun Jahrhunderten. Nein; Jahrhunderte des Gotteshauses bedeuten He im a t. Heiuiat ist der gemeiusainc Boden, der diese Tausende von Menschen trägt und nährt, Geist ist das Mannigfache und verschieden Gesonnte. die besondere Weise der Menschen. Aus dem Bund z;v i s ch e n Hei m a t und Gei st ist alles Große und Bleibende hervorgegaugeu. Tas ist cs, was auch uns deutschen Juden als Eigenes gegeben ist und uns bleiben wird, wohin iuuuer ein Schicksalswcg uns führe;; möge: diese Verbindung von deutschem Boden und jüdischen; Geist: bleiben wird, so Gott es fügt, zuin Segei; des deutschen Landes. WoriuS, j ü d i s ch e s W v r m s , hat die Bedeutung erlangt, Sinn für bie iScmcinschuft, für Ordn n n g. Ordnung bedeutet immer Einordnung und U n t e r o r d u n n g. Tas ist das Gebot für uns. das an? dem Symbolischen dieser Stunde zu uns spricht: Einheit, Gemeinschaft. die Kraft sich einzuvrdnen, das Kleinliche überwiudei; und sich eiusügeu in das Große. Ties aber bedeutet Verwirklichung des Geistes des j ii d i s ck; o n W o r in s. Ans solcher T-eutuug überbraclste Rabbiner Tr. Baeck die Glückwünsche der Reichsoertrctung. Koimuerzienrat Mayer, Mainz, entbot die Glückwünsche des Landesverbandes der Israelitischen Rcligionsgeinciuden Hessens und der Schwestergemeindc Mainz. Rabbiner Tr. Freu >• denthal, Nürnberg, verband mit den Glück- . wünschen, die er naincus des Bayerischen Landesberbaudes übermittelte, persönliche Bekenntnisse und Erinnerungen an Morins. In kurzer geschichtlicher Betrachtung entwickelte er den unzerstörbaren ■ Hossmmgswillen, das nüchterne Tente;,, das doch alter schwärinerischeu Begeisterimg iinmer unterlag und das unerschütterliche Gottvcrtrauei; als die Wurzeln der Wornstcr indische;; Geschichte. Professor Dr. Stein, Karlsruhe, sprach für den Oberrat der Israelitischen Geiueiudeu Badens. Er, der Sohn des großen Wormser Rabbiners Alerander Stein, durfte die Gewißheit fortwirteuder Verehrung seines Vater erfahren. Sauitätsrat T r. N i ck e l s b u r g danlte den Rednern als Vorsitzender der Gemeinde mit Worten starker Znknnstshofs' Musikalische Tarbietnngen. Orgelchoräle, Ehor- und solistische Gesänge innrahinten die Feierstunde und die Reden. I)r. 1l. 6uuckvrslieii;wr. Co-Vo-Ktzüezndetf1 Landesverband Hessen-Nassau nnd Hessen 10. Juni: Höchst i. Odenwald. Tr. <3. Ehrmarm (Franks»rt n. B!.n ..Ter 3inn unserer Zeit." — Tr. Wolchang S. Rtahdnrss (Franliurt a. MI; „Weg und Arbeit des Eentral-Bereins." Landesverband Obcrschlesien 10. Juni, Uhr: Kreuzdurg <O.-S.). Synagoge. Kundgebung. Rabbiner Tr. Cd)* (i^lein'itu: „Wirktichkeit und E,laude." — Oberlantvr Evyu ((Kkeiwih): Gesang.!IIII!IIIIIIIIII!III!!IIIIIIIIII!IIIlIIII!IIIIIIIIlIIIIIII!I!IIIIIIIIIIIIIIIII!I!IIIII!IIi WMAi An; lck. Juni d. I. veranstaltet der E.-B. eine Syuagogenseier in .Kreuzburg OS. Wieviele wer^ den achtlos diese Zeilen slreiseu, aber wieviel liegt in der Ami'indiguug'. Gilt denn aber diese Aiisage nur dem kleinen Kreis Kreuzbiirg der Juden in Tentscksiand? Mi''d nur diesen; eine Freude bereitet, oder ist dies mir eine Rellaiueiverbiing des E.-V.? Nein, hier soll mau aus den Zeilen ganz etwas anderes heran-^- leseu. Ihr Juden, die il;r in den großen Städten Teutschlands wohnt, ihr sollt darüber uachdcnkeiu warum sich die tlcine Geiueindc im kleine;; Kreuzburg auf de>; Tag so freut. Habt ihr eimnal nachgedacht, welcher Unterschied es ist, in der großen Stadp als Jude zu leben oder in der Tiaspora der Kleinstadt? Könnt ihr euch den Unterscksied denken, wenn!)(> Seelen für geistige R'ahrung sorge;; sollen, oder;vei;n den Großstädter;; diese in uubegreuzteiu Ntaße geboten iverdeu lau;;? Aber auch nur in der kleinen Genuiude sind geistig hungrig, zn sehr sind U'ir in die deutstche .Kultur hineingeivackiseu, anders ist unser tultiirelles Begehren als das unserer Vorfahren in; Ghetto. Ter einsackiste Nl'enscki null nael; getaner "Arbeit ansspannen, er begel;rt einen Feierabend. kann ihm dafür der einsaclic SchN'ah von Vtonsch zu Vien sch genügen? R'ein, unmöglich! Genügt denn allein die Zeitung oder das Buch? Nein, nur nnvolllvminen. '.>Rensck;en bra'vcht ci, Nlenschen. die zu ihm koininen. ihm erzählen, was in der übrigen Welt geschieht.;oas inan für ihn tut, für ihn. der ans vorgeschobenem Posten sein & v wÜv Vv&iy „Die Wichbuöe" — »Ls ssm padrona“ Das erste Meisterwerk'der Opera buffa, daraus eine Pantomime aus unseren Tagen; diese beiden Welten der Luhne vereinigt der Kulturbund zn einem reizvollen Abends Die ^iusik schlingt die Bande der Gemeinschaft um Werte und Publikum, das die Entführung in die anmutige Stilwelt des Bnsfonischen und m die traumhafte Sphäre einer nächtlichen Pupponrhcrpsodie mit dankbarer Aufnahmesreude begleitet. Tas pantvinimische Noctnrno, das unter dem Namen „Die Schießbude" in fünf Bildern sidlnnft, hat der Komponist Jaap Kool einer szenischen Phantasie des vielgewandten Wort- und Sinnbildners Karl Vollmöller enb vonunen. In der abenteuerlichen Welt des Pariser Jahrmarktes erscheint als absonderlicher Pygmalion der Besister einer Schießbude, der die Liebe zu den Geschöpfen seiner Zwlp.uppen bis zu deren Erweckung zn immer leiblicherem Leben steigert, um schließlich nnt seiner vom nächtlichen Spuk erlegten Licblings- Pnppe zu zerbrechen. Ter Komponist hat dieses Nachtstück, der Diclsältigkeit seiner motivischm Verzahnung entsprechend, durch die Berührung mit den verschiedensten musikalischen Stilen erweckt Der Grundcharakter seines Mnsizierens bleibt cine gedrängte Saüweise. die das melodischchemcUische Teilstück des klanglichen Mosaiks °us. einen kurzen Atem setzt und auf drefe -Vcise unvermittelt in die einzelnen Ausdrucks- Weisen hinüberwandelt. Die vom Pantomimischen geforderte Bewegung bringt er durch rhythmische Spannungen hervor, staut sie in der Sammlung zu starken Akzenten und siberläßt sich dann dem Dauergeleit ^emer Minier wicderkehrenden Phrase nach.Ostmaw-. Zuweilen blüht sein Orchester in instrumentalen Farbeii auf, die an Strauß gcmahneii, dann ivieder setzt er den Milsikaüschen Ablanf auf einen gehämmerten Rhythmus, wie ihn Straviusky liebt, und verdichtet dabei das Klangbild durch das schlagzengnrtig be- Niltzte Klavier in der Art Prokofielvs. Aber auf den Saiten des Flügels weiß er auch in verdärnmerlider Rvinantik zn arpeggieren, die harmonischen Lichter werden in Schleicrii gesaiigen, das Holz klagt ilnd die Geigen weirien — aber schon wieder wenden sich die abrvegigen Klänge dem Diesseits eines graziösen Walzers zu oder reißen im Takt eines zeitbürtigen Tanzes in ungebändigter Schlagzeugfreude den Hörer mit. Das Orchester unter der von gesammelter Energie getragenen Leitung Kurl Havellands entsprach' den schwierigen Aufgaben der Wiedergabe dieser vielfarbigen Musik mit geradezu svlistischer Kunst in den einzelnen, stets ungewöhnlich stark belichteten Instrumenten. Tie Bühne sing das Kaleidoskop der Musik in den glühenden Bildern von Heinz Eondell ein, der das Traumhafte der Szene mit dem Gefühl für die Lust der pariserischen Nachtwelt verband. Der Tanzregisseur Rolph Nay rief seine Kräfte erfolgreich zn einem starken Pantomimischen Ausdruck auf, gab den Einzelleistungen ein scharfes tänzerisches Profil und verband sie zum eindrucksvollen Gesamtbild. Er selbst mimte den Bndenbesitzer, der gleich einem Medizinmann seine Puppen beschwört, um dann aus leidvollem Weg durch die nächtliche Odyssee ihrer Versuchungen, seinem Schicksal entgegenzuschreiten. Als sonderbarer Geleiter dient ihm dabei eme Aefsin, zugleich sein weiblicher Zauberlehrling, der die Geister in der Ablvesenheit des Meisters aufrnft imb damit das Unheil ihrer Erweckung zur geisterhaften Irrfahrt anrichtet. Ruth Anselm gibt diesem äffischen Spukwcsen mit großer Kirnst die gelockerte Beivegung des Tieres unb 311° ■glctd) die Melancholie der leidenden Kreatur. Diesem Gesellen iind dem Meister mitsamt ihrer Liebe zu den Pnppengcschöpsen tritt die böse Budenfrau gegenüber, mit deren Gestalt die Schauspielerin Lilly Kann ein Ateisterstück pantomirnischer Ansdrncksknnst gibt. Für schnödes Geld und nichtigen Tand verschachert dieses Weib die Lieblinge des Ateisters an den reichen Alaun. Dabei üehinen die Piippen iriilner mehr die Züge der Wirklichkeit an, bis sie in einem Bacchanal die Atahnung nicht unterdrücken lassen, daß inan mit Zielscheiben, zumal aus dem Theater, ein lvenig vorsichtig sein soll. Das Trio der Puppen wird von der Tänzerin geführt, deren Tragik die Erinnerung an die Puppensee trotz des Reifröckchens verhindert. Fürwahr, man kann den Ateist^r Derstehen, der es nicht duldet, das; auf dieses süße Wesen geschossen wird. Nelly Hirth erweckt es ans der Budensigur zum "grazilen Leben, das sich in; Walzer den tänzerischen- Bezirlcn des Diesseits ebenso annähcrt, wie es immer wieder kunstreich in bic Starrheit des Unbelebten absinkt. Mit dieser Olympia ohne Stinnne teilen der N'igger in der behenden Verkörperung durch" Werner Herrmann und der Harlekin im federleichten Gltederspiel von Lo Lange die Geschicke des Puppenkabinetts, denen ein loser, rotschimniernder Nachtvogel in der biegsamen Gestalt von Jlla Felicia i:n weiten Bogen nachstreicht. — Die technische Zurichtung des gespenstischen Jahrmarkts und seines Budenzaubers war Hans Sondheimer zu danken. Don diesem tänzerischen Nachtrag zu „Hoffmanns Erzählungen" bis zn dem lichten, spielerischen Reich der'Buffooper scheint keine Brücke zu führen, und doch bildet das Kennzeichen beider Werke die Atusik als Bclvcgung; dort als mimischer, hier als stimmlicher Ablanf. Ans zwei Kehlen ruht die Oper des jung Fierstorbenen Meisters Pergolesi „Ta serva padrona", deren zweihnndertsten Geburtstag die musikalische Welt im vergangenen Jahr zu feiern versäumte. K. M. von Weber hat cinmial gesagt, daß das erste Stück einer Gattung immer das schwerste sei; wie hoch ist demnach die Kunst des LZjäyrigen Pergolesi zn bemessen, der dieses Vorbild aller bufsonischen Opern schuf! Ihr ergötzliches Spiel von der Acagd, die es bis zur Herrin bringt, kündigt der Heranfkilnft des dritten Standes im IT Jal;rhnudert an und bedeutet nichts weniger als die erste große Brescl;e, die in die nneinnehinbar scheinende Festung der auch von Pergolesi gepflegten Opera seria geschlagen wurde. Durch sie schlüpften dann alle jene vertranten Figuren ans die Opernvühne, deren schönste Gestalten Atvzarts Genius geschaffen bat. Das Orchester der Pergvlesi-Oper beansprucht nicht mehr als den Ctreicherklang. gestützt vom Eembalopart, den der Leiter der Vorstellung. Hugo Strelitzer. nnt feiner Anschlagskunst vom Flügel aus vertrat, während die Geiger ihm mit köstlichem Mnsizierklang folgten. Die Regie Kurt Naumanns hatte in dem spielerisch erhellten Bühnenbild Eondells die listige Handlung mit ihren schalkhaften Menschlichkeiten zu wirksamem szeniscl;en Leben erweckt. Fri tzi Jokl in der Titel Partie sang sich wahrhaft zur Herrin über den Ziergesäng wie vor allem auch über den gesangsdarstellerischen Stil dieser ersten Soubrettenrolle empor, die ein einziges Perpetuum mobile der Stimme und Geste bedeutet und eine außerordentliche Bühnengewandtheit in den dahinplätschernden Rezitativen voraus-- setzt. Diese gelangen auch dem stimmbegab-- teu Daßbuffv Gerhard Pechner ausgezeichnet, der als Hagestolz Pandolfo mit hnmorigev Wirkung den Vorläufer der Figurenreihe von Doktor Bartolo bis zum Grafen von Lerchenair vertrat. Die Nolle des stummen Diener? erhöhte der außerordentlich begabte. Mtme Julius Kuthan zu phantastischer Komik. Der Abend sollte ursprünglich durch Tschechows Bühnenspaß „Der Heiratsantrag" 'eiugeleitet werden; allein, dem Antragsteller 'kann erst zu einem späteren Zeitpunkt das Wort erteilt werden, und so trug das Streich- - orchester die wortlose Werbung der D-dur-