Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 22 (31.5.1934)
- Date
- 1934-05-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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];<:! Umzügen oder vor Reisen muss fiir die Naohsenilung der „C.-V,-Zeitung ein besonderer Antrag bei dem sr.nMÄnrJigen Postamt gestellt werden, da die Post Zeitungen nur auf Antrag naelisondet. Der >':iehsendungsantrag fiir gcwohnliiho Postsendungen genügt nicht. Die Post erbebt, soweit der Umzug nicht innerhalb desselben Postbezirks erfolgt, fiir derartige Anträge eine Uobühr von oO Pfennig. Vom Verlag der „C.-V,-Zeitung“ Minnen die Nach» Sendungen in diesen Füllen nicht beantragt werden, : Wir bitten unser» Mitglieder aber, auch den Verlag der „C.-V.-Zeitung“, Berlin W. Jo, Kmser Ftrasse -12. bei Adresseniindenmgen zu verständigen, damit wir unsere Mitgllodervmoirhnlsso in Ordnung halten und unseren Mitgliedern unsere Mitteilungen prompt zuslellen können. Teimi iit der Nasiensrage feilte grundsätzlichen Zugeständnisse. Wenn sie aber nicht wiederlehrt, bleiben wir sür immer ansgeschlvssen von dem Ball, das nur mit unsagbarer Eingebung als unser eigenes empfunden haben und unter Sehmerzen auch heute empfinden. ^it dieser inneren Entwurzelung. ztt der die wirtschaftliche O'rtftcnyiot noch einen schweren nutzeren ,Mampf hrnzusiigt, bleibt uns ein innerer Halt: unser Judentum. Wir haben in der Zeit unseres äntzeren Aufstiegs unser Judentum allzusehr vernachlässigt. Wer van ntts wutzte mul) etwas tum unfern heiligen Büchern, wer lannte die jüdische Geschichte, wer hielt nach unsere schänen. innigen, alten Brauchet! Wer trug sein Judentum, selbst trenn er nach darum wutzte, anders denn als unabänderliches, ntüdeS Schicksal, laer erlebte es nach als eine liebend zu gestaltende schöpferische straft? An diesem Weg der inneren (rinkehr und Sammlung, an diesem Weg der Rückkehr z n in I n d e it 111 m , b i c w t r b e jähe n und .in der ivir eine der gr atzen Segnungen d i e s e r Z e i t sehen, steht an einer Wegkreuzung lackend und verführerisch der Gedanke des Zionismus. Tie Anziehimgskrast, die van ihm ansgeht, mutz nach einem Erlebnis ivie dem des Wahres NGll gras; sein. Wir sahen saeben, wie die Menschen schmerzhaft erwachten; wie das Land, das sie bisher als Heimat liebten, ihnen das Recht zur Liebe bestritt; wie sie plötzlich anfingen, ihr Iude-sein neu zu erleben. Bach einer solchen Aufrüttelung der Seelen kann eine feste Fachrnng, eine konkrete'Znkttttstshossnnng Wunder wirten. Beides bietet der Zionismus. Tagt lammt, das; seine Führung und seine Hoffnung. in eine Richtung gehen, die der Richtung'der Umwelt entspric!;t. Was die politischen Führer des deutschen Balles, ivas viele seiner besten Denker heute fordern, wenn sie die deutschen Linden aus dem deütschen Balt, aus der dentjchen Heimat hinaus in das jüdische Balt und in die jüdische Heimat weisen, das tun, im gratzeu betrachtet und van unzähligen Einzelheiten abgesehen, auch die Zionisten. Sie weiten die frische Erfahrung der Heranslösnng der Juden ans der deutschen Umwelt zum jüdischen Atlgemeinschtcksal der „Gallith" aus, sie zeigen die parallelen Entwicklungen in anderen Ländern. Sie weisen daraus hin/wie überall und immer in der jüdischen Geschichte Epochen van Aufstieg und Sturz einander abgelöst haben, und sie setzen alte Epochen in Beziehung zu der Rückkehr nach Zion. Sie versuchen die jüdischen Menschen über die erlittene Ehokwirknng hinüberznretten, indem sie ihnen das Berlorene entwerten: so kommt es zu der fast einhelligen Tiffamiernng der Emanzipalionsepoche, die die zionistischen Berössentlichnugen erfüllt. Indem man der vergangenen Zeit alles anznhesten. versucht, was sich an Lüge, Heuchelei. innerer Berbogenheit nur schildern lätzt, indem mau auch den einzelnen der Emanzipation dienenden Menschen als dumm oder als charakterlos zu eriveifen unternimmt, leitet mau den Haltlosen, Schwankenden sicher dorthin, ivo man ihm den einzigen noch vorhandenen Halt anbietet: nach Palästina als körperlicher oder znm mindesten als seelischer Heimat. Es gibt Menschen, die sich so entscheiden werden. Wir schmähen sie nicht, wenn sie im Bewntztiein ihrer jüdischen Verantwortung dielen Weg gehen. Wie wir in heutiger Zeit alles znrückzustelleu bemüht sind, was dazu dienen könnte, jüdisckze Airafte 311 zersplittern, deren gemeinsame Wirksamkeit heute not. wendiger ist als je,.wünschen wir auch diese Darlegung in erster Linie als einen positiven Beitrag zur Gestaltung unserer Zukunft, nicht aber als einen Angriff ansgesatzt zu wissen. Wir wünschen diese Haltung freimütiger Anerkennung und Würdigung des ztt anderer jüdischer Entscheidung Gelangten, die uns vvn unserer Ansfassung jüdischer Verpflichtung vorgeschrieben ist, tmgeschmälert durch alle noch notwendig werdenden Auseinandersetzungen hindurch ansrechtzuerhalten. Wir wollen diesen Wunsch bis zu jeder möglichen Grenze der Selbst, achtung erfüllen, ohne Rücksicht ans die Alls;, dentungcn mancher Freunde, die unbedingte Ritterlichkeit tmd gesamtjüdischoS Berantwortnngsgesühl als Schwäche anslegen. Es erfüllt uns gerade deshalb mit Bedauern, menn. ituä die Einhaltung dieser Linie durch die Angriffe und Totalitätsansprüche unserer Gegner oft in antzerordentlichem Matze erschwert wird. ». DcutiÄ-jüdiickc Sutimfl - 55a öfter Nein? Dies vorausgeschickt, ist es unsere Ausgabe, dem zionistischen. Lösni.gsversnch den nnsereu, also den d e u t f ch - jüdische n W e g gegenüberznstellen. Wir stellten oben fest, das; bie Wahrung nnseres Rechts. die wir in unserer Arbeit zu verwirtlichen suchen, den gesuchten Weg allein noch nicht zu bestimmen in der Lage ist, weil auch sie noch einer höheren Idee, einer eigentlichen Sinngebung bedürftig ist- Wir müssen vielmehr unterscheiden zwischen dem, was ist, und dem, was sein soll. Selbstverständlich tutb unbestritten ist. das; deutsch-jüdisc!>e Menschen heute sind, das; sie in n ä ch st e r Z nlunst sein müssen tmd werden, und das; daher die ihrer Eristenz oeüenbe Aechtswahrnngsarbett nnnmgehöare Pflicht, lebensnotwendige Aufgabe der Gegen, wart bedeutet. lieber die praktischen Aussichten dieser Arbeit ist hier nicht zu sprechen. Wir verfügen nicht über prophetischen Geist, der es tms ermöglichen würde, zu sagen, ob in aller Ziiklinit jüdischen Atenschen deutscher LebenSranm zu erhalten sein wird. Aber wir haben ganz geivis; leinenAnlas;, schwarzfeherisch darüber 'zu klagen, das; er ihnen bestimmt 11 i ch t ztt erhalten sein wird. Diese Praktische Frage bleibt offen, wie auch die andere Frage.'wieviel Menschen in Palästina werden Ausnahme finden tonnen, zurzeit notwendigerweise unbeantwortet bleibt. Für Entscheidungen in geistiger Ebene, tun die es sich hier sür uns handelt, genügt das sehr berechtigte „Als ob", genügt die überwiegende Wahrscheinlichkeit, das; es sür eine nennenswerte Zahl deutscher Juden möglich sein wird, in Deutschland zu leben. Haben 'wir so die praktische Möglichkeit" jüdischen Fortbestandes ans deutschem Boden als vorhanden angenommen. so ergibt fiel)' die weitere Frage, ob dieser Fortbestand, der demnach s e t n f a n n, n n ch sein soll, mit ander,! Worten: 0 lue s w Ü n sch e n s - und erstrebenswert ist, das; weiter d e 11 t s eh c Jude n iit Deutsch l a n d lebe n. Die Frage ist deshalb vvn grundlegender Wichtigkeit, weil dieses deutschjüdische Sein, das als Tatsache wie als Wunschziel früher eine Selbstverstündliehkeit und . selbst von Zionisten nicht ernsthaft bestritten war. heute in der Tat jur- Entscheidung gestellt ist. Wir hören von Zeit zu Zeit vom Untergang des deutschen Judentums. Aber für diesen Untergang ist nicht in erster Linie der natürliche Ablauf entscheidend, ausgelöst durch Rückgang der Eheschließungen und Geburten, sowie durch die ans Eristenznot herrührende Aus- Wanderung; denn so bedrohlich die Sprache der Zahlen auch sein mag: sie allein hat niemals Endgültiges über jüdisches Schicksal ansznsagen vermocht. Aber dieser Untergang könnte gegebenenfalls in einer Reihe von Jahren oder Jahrzehnten planmätzig herbei, geführt werden, indem die Massenaussiedlung nach Palästina und andern Ländern bis zur Grenze des wirtschaftlich Möglichen betrieben wird. Es ist hier wiederum nicht unsere Ausgabe, zu prüfen, ans welche Weise und in welchem Zeitraum ein derartiger Plan zu verwirklichen sein würde. Es genügt, das; seine Durchführung deutbar ist, und das; sich für ihn von Zeit zu Zeit werbende Stimmen erheben. Damit wächst die Frage nach dem Sinn dentscl)-jüdischen Seins über das hinaus, was sie vor dem Jahre )!');!:; bedeutete. Erfüllte sie damals die relativ leichte und fast völlig unpraktische Ausgabe, ein als Tatsache Nubezweifeltes gegen Zweifel im Geistigen zu verteidigen, wobei das stärkste Argument eben immer die Tatsache selbst blieb, so steht heute eben diese Tatsache zur Frage. Und nur wenn es gelingt, sie in einem Sinn zu verankern, der seines Wertes gewiß ist, wird cs gelingen, dentsch.jüdischcn Fortbestand zu sichern. Erst dann wird seststehen, das; d o u t s ch - j ü d i sch c 3 u C tt n f t n i ch t n u r fein f an it, sondern auch sein soll, sa sein mutz. Erst dann wird ans dem Willen zu ihr wieder Begeisterung und Tatsreude erwachsen. Wir köminen vielleicht der Frage nach dem Sinn des dentsch-jüdischen FvUbe- . standes am nächsten, wenn wir ftc negativ so allen (wobei man uns die scheinbare Ucberheblichkeit der Fragestellung, die aber nur dem Willen zu letzter Deutlichleit entspring, verleihen möge): was tvürde tu der Welt fehlen, wenn es kein deutsches Judentum . nt ehr gäbe? (fine Einschaltung Mwr: der Skeptiker könnte vielleicht durch die stühnheit des Gedankenganges verleitet, auf den Gedanken kommen, in der Art eines imhemmbar Erkenntnis suchenden .llindes weiter zn fragen, was der Welt sehien würde,, wenn es überhaupt keine Juden mehr, mcd weiter: wenn es keine Mohammedaner. keine Franzosen, keine Vegetarier und keine Tennisspieler mehr gälv. Vom Unernst solcher Gedankenspielerei abgesehen, enthebt nnS der Antwort ans die Frage nach dem Sinn des Judentum.? unser tiefer, heiliger und durch nichts .',n erschütternder jüdischer Wille. Es gibt letzte GlmiGnstnllacheu. über die man nicht rechtet. ' Und ivenn wir im Dienste der Klarheit' »nd der gedniiliiehen Sicherung unserer Position über [iilrffic innere Widerslände hinweg es unternommen haben, unser d e n t s ch. jüdisches Gefühl einer gedanklichen lleberprüfnng zn unterziehen, so.bedeutet da? das weiteste Zugeständnis, das wir gegnerischen Standpunkten zn machen gewitlt sind. I». SaS fflftifsbc 3a Gehen mir so an die oben gestellte Frage mit dem letzten und nicht näher zu beg r ü n b e n b c n W Illen jüdischer Erhalt n n g heran, so würde sich als Ausgleich sür den Verlust des Tentsch.Iudentnms neben den mit eigener schwerer und ungewisser Problematik beladenen Ost- und Westjudenheiten zunächst Palästina darstellen. Auch wir anerkennen und bejahen Palästina, nicht nur als Nothilse in schwerer Zeit, sondern als eine Ehanee jüdischen straftziiwachses und jüdischer Erhaltung. Wogegen wir nnS jedoch wenden, ist der Totalitätsansprnch. mit dem der Zionismns jede andere jüdische Anschauung als nnjüdiscl), minderwertig und charakterlos nbtut. Dieser Anspruch wird durch die jüdische Geschichte in keiner Weise gerechtfertigt. Seit B'st. Jahrtausenden gibt es jüdische Diaspora. Aus ihr sind höchste geistige Güter hervorgegangen, deren Entstehung in einem nationalen Gc'meimvesc'N nicht denkbar gewesen wate. Wem je in einer Stunde innerer Erschütterung der Weg des Judentums durch die Jahrtausende als das große Wunder der Menschheitsgeschichte anfgegangen ist, der wird gerade den in der Zerstreuung wirksam gewordenen Brüsten für dieses'Wunder Tank wissen. Dem babhlonischeu Erik, als der ersten geschichtlichen Daseinsform der Diaspora, kommt das Verdienst zu. dem Judentum nach dem Verlust der politischen Heimat durch For- " nmttg seines religiösen Inhalts die geistige Heimat geschaffen zu haben. Es schuf die Voraussetzungen für die Entwicklung des Prophetismns, es forderte ans den Notwendigkeiten seines Daseins heraus die Kodifizierung des überlieferten Gesetzes tm Talmud; es organisierte so den Geist als den inneren Crt, da die Organisation der Politik als des äntzeren Ortes genommen war. Damit erhob es das Judentum ans der Zeit mtb ihren zeitlichen Gesellen von Macht und Recht, Entstehung und Untergang in die Einigkeit. Aber die babhkonische Zerstreuung erfüllte diese Aufgabe nicht nur wäh- , rend der Epoche, da jüdisches Leben in Palästina völlig erstorben war. Im Gegenteil; nachdem der ersten begeisterten Rückkehr (M7 v. Ehr.) die große Enttäuschung über die Schwierigkeit des Renausbans des Landes gefolgt nun-, und als ein völliger Zusammenbruch drohte, war es die jüdische Gemeinschaft BabhlonS. die in Esra einen Führer entsandte (-t/,8 v. Ehr.), der mit seiner durch die geistige Schulung des Enks gesteigerten Kraft die schwere Attsgabe vollbrachtes der palästinensischen Iudeuheit durch straffe Organisation den inneren Halt zurückzugcben. Und als sieh auch dieser Aufschwung als nicht nachhaltig genug erwies und nochmals gemeiuschastszerstörende Mächte in Palästina Boden gewannen, da kam wiederum die Alraft bei- Erhaltung ans der Diaspora; da war es Rehemia, der (-1 *15 v. Ehr.) das Werk Esras vollendete und damit nicht nur das palästinenfische Gemeinwesen auf längere Tauer konsolidierte, sondern auch den jüdischen Bestand über die Zeit politischer Eristenz hinaus durch Mauern gesellschaftlicher und sozialer Organisation vor dem Verfall schützte. . Diese historischen^ Gegebenheiten, in denen die st r a s t d e r D i st a n z. die n u r a u ßer - halb der nativnalen Eristenz erwachsen konnte, sich unmittelbar in die st rast j ü d i s ch e r E r 1) a 11 u n g und Befrnchtnng nmsetzte. sind keine Znsallütatsacheu. Viele analoge Vorgänge aus dem weiteren Verlause der jüdischen Geschichte könnten ihnen an die Seite gestellt werden. Aber da es uns hier nicht aus Einzelvorgänge, sondern ans ihre geschtchtliche Bedcntnng ankoimnt, sollen die angeführten genügen. Niemand wird, auch wenn seine zionistische Sicherheit noch so unbedingt ist, behaupten, M der gegenwärtige Pälästinaausban geringeren Gefahren unterliegt als je ein früheres W. sches- Gemeinwesen in diesem Lande. Dabei bleibe die Frage der Aufnahmefähigkeit des Landes, die — in praktischer Beziehung und damit sür das. was man „Lösung der Juden, frage" nennt von ausschlaggebender Wichtig, keit — seine geistige Bedeutung für die jüdische Erhaltung nur gradmäßig berührt, in diesem Zusammenhang außer Betracht. Aber: die. jüdische Siedlung iit Palästina steht nicht nur unter der Abhängigkeit der englischen Man. datspolitik und damit im nndurchsichtigen Zusammenhang imperialistischer Jntcressengegensätz» von weittragendster Ausdehnung, sondern ihre Entwicklung ivird mit Naturnotwendigkeit innere Gefahrenzonen zu durchschreiten haben, die keineswegs leichter zu überwinden sein wer'- beit als die äußeren. Die llmschillstung znm Bauern- und Handwerlerberns, mil der der gesnnde Ausbau steht und fällt und die darum mit Recht als Aufgabe gefordert und als Leistung bewundert wird, lenkt die jüdischen Menschen in berufliche Lahnen, die von den bisher von ihnen bevorzugten grundlegend verschieden sind, lieber der Freude und An. crkemumg der körperlichen und seelischen Schivunglrast, die in diesem Herumwersen des bisherigen Kurses zum Ausdruck kommt, vergißt man mit der jeder Gegenwart eigene» Ungerechtigkeit gegenüber ihrer jüngsten Vergangenheit, das; gerade der a n 0 r m a I ni B e r n f S g l i e d e r 11 n g d e s LÜ e st j u d e n - t n m s s e l) v )v i cl) t i c\ e pvsiti v e F u n I -- t i 0 n e n f 11 r b t c jüdis ch e E r I) alt 11 n g inne w v h n t e n. Sie schuf einmal in den stark besetzten kausinännischen und akademischen Bernsen eine eigenartige „jüdische" Atmosphäre, deren Eristenz, trotz und wegen aller Anomalien, die ihr anhasteten, jüdischsoziologisch einen Wert darstellte. Sie enthielt aber auch in sich die Boranssetznng für eine dauernde von Generation zn Generation gesteigerte geistige Schulung, sür jenen tppischen Ausstieg innerhatb der west jüdischen Gesellschaft, der zu einem bemerkenswerten Bildungsniveau, ja man kann fast sagen: zur Heranbildung einer geistigen Auslese führte. Rtan mns; diese Positive Seite der so schars verfemten anormalen Berufsgliederung so gesehen haben, um sich darüber klar zu werde», das; die Rorinaliliernng neben vielem unzweifelhaft Gesundem auch gewisse Gefahren mit sich bringt. Dann wird sich in die bedingungslose Bewunderung für die Ehalnzim. die z. T. geistige Berufe mit schwerer körperlicher. Arbeit vertauschen und trotzdem am Abend weiter lesen und diskutieren, die Be fürchtnng mischen, wie es um dieses den heutigen Pionieren noch selbstverständliche geistige Ledürsnitz in der zweiten und dritten Generation bestellt sein wird. Unser Zutrauen in die Rtacht jüdischer Geistigkeit ist groß. Aber die Gefahr der Fellachisierung, die zweifellos droht, wird aus dieser Bcacht allein nicht überwunden werden, wenn nicht das westliche und ganz besonders das deutsche Indentnm mit und wogen der auch in Zukunft mwermeidlicchen Anomalie seiner Beriifsschicchlmig als Rcaßstab geistigen Wettstreits erhalten bleibt. Eilt Niedergang des Niveaus ist nicht bin einzige Veränderung, die dem jüdischen Getst bei seinem LÜeg in die palästinensische Wiel' lichkeit auserlegt sein ivird. Daneben' droht ein verhängnisvoller Wandel der Richtung, des Inhalts: der nationale Gedanke, mag er von einem Teil seiner jüdischen Verfechter in noch sv geläuterter Form vertreten iverden. trägt eine Eigengesetzlichkeit in sich, die aus der Sphäre der Idee sehr zielbewusst in die Sphäre des machtpvlitischen Tageskampies lsineintreibt. Ntan begibt sich nicht ungeslraist einer rein gedanklichen Taseiusform zugnnilen einer realen — die Wirtlichkeit entledig! '»!, des lautersten Formnngswillens und drängt zu einer ihr gemäßeren, macht- und schuldbeladenen Erislenz. Diese Anseinandersc'huug ist dem Zionismus nicht erspurt geblieben, ^ie ftitbct ihren Ausdruck in der Richtung der ZivnistenZstevisioni sten. Die rc'visionilci'ciie Partei, die entschlossen ist, Palästina ans dem Wege des politischen Akachtkampses zu einen! Indenstaat ansznbanen, und der der nalio-- nalistische Gedanle faschistischer Färbung einzige Richtschnnr ihres Handelns ist, irrt damit so weistvon dem Inbegriss jüdischer Geisligleil ab. daß stetsten Endes nur noch iijr An me fiiMfrlj ist. aber nicht mehr ihr Börsen, cn*. nurb durch diesen Irrtum zur dauernden Warnung gegen die dem nationalen Peinzio tuneivohnende Gefahr. Aber der Irrtum lvelt stärker als die Warnung droht, und der AcvisivniSmns befindet sich allenthalben bedenilich im Vormarsch. In dem Maße, in dem e^ ihm gelingen würde, das jüdische Gemeinweien Paläjtinas aus Gnade und Ungnade den siä> m Zeit und Raum niterbittlich erfüllenden Gesetzen staatlichen Seins zu überantworten, es ohne Rückhalt zum Spielball realpolitijeher nAächtegruppiernngen zu erniedrigen, auf daß es ein „Volk wie alle Völker" dem Schicksal f) Unser Lager echten T y PERSGR-Tcppiche aller iftf Yerkoufnurr~ "i Schönheit, f/ U Berlin C 2,h nB. .... , _ . F- PO, 3 Spandauer / I ös bis zu <Vs SÖJ'iÄOnTi 'äcy*