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Central-Verein-Zeitung · 1934-05-17 · 20 (17.5.1934) · page 20

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
20 (17.5.1934)
Date
1934-05-17
Page
– (sequence 20)
Language
German
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^jSJnfu ^30^0 LJ Ol U v Ws*«2©. ÜUC S BcülbBa^ j CJ iet Jim&sn m BmlkeMmi 'MliESi ZUT .h&M< Von Br. AdoU Kober-Köln Dann sind die Juden nach Deutschland .-kommen? Diese Frage steht int engen Zuiammeichang mit der Geschichte der Römer- Ur'djait in Deutschland. Die weitreichenden Wäne des Kaisers Augnstus zur Unterwerfung Eermaniens, die die Verschiebung der ReichsarC1nc bis zur Elbe und durch Böhmen zum aro'M Tonauknie bezweckten, waren insheionbere durch die Niederlage des Varus im l'uwburger Walde im Jahre 9 zusammen- ^brochen. Nachdem es den flavischen Kaisern glückt war, den toten Winkel zwischen der :)(;Cui; und Tonaugrenze, der die beidericitige Verbindung ungemein erschwerte, dinch Anlage des obergermanisch - rätischen Limes wenigstens teilweise zu beseitigen, verdatete Rom ein für allemal aus größere Er- Dekret Kaiser Konstantins (321) Cod. Theodos. 3 XU S Val. Bibliothek ►n>i '“tv obernngcn im freien Germanien, während ein ähnlicher Winkel des Imperiums an der unteren Donau durch Errichtung der Provinz Tacken ausgeglichen wurde. So bildete schließlich die militärische Sicherung der Hein- und Tonaulinie die leitenden GesicküsinrnfiC der römischen Politik gegenüber den Germanen. Bis zum Jahre 260 folgte im Neinland die Periode friedlicher Koloni- Hon, während Rom an der Donau noch fojxm Kämpfe zu bestehen hatte. Aus den römischen Militärlagern an Rhein und Donau werden Kulturzentren. Händler, Marketender, Handwerker, Frauen und was sonst den Soldaten folgte, siedelte sich vor den Lagern in Lagerdörfern an. Aus diesen Lagerdörfern sind die Nömerstädte am Rhein- und Donau-Ufer, wie Nymwegen, Tanten, Neuß, Köln, Bonn, Remagen, Andernach, Koblenz, Voppard, Bingen, Mainz, Äorms, Speyer, Straßburg, Augsburg, Regensburg, Passau, Wien, erwachsen, und manche von chnen tragen den Stempel dieser Entstehung noch heute deutlich zurSchau. Mit der römischen Eroberung zogen römisches Handwerk, Handel und Verkehr, mit der römischen Kultur auch der römische.'Luxus in Gallien und Germanien ein. Diese Bedürfnisse wurden nicht nur durch Import aus den fernen klassischen Ländern befriedigt, sondern w der Provinz selbst begann bald eine rege Gütigkeit. Große Industrien wurden geschaffen mit dem Ziele, die importierten Waren durch einheimische zu ersetzen und die Ansprüche einer immer reicheren und immer üppigeren Lebensführung auch in der Provinz zu befriedigen. So blüht u. a. Tuch-, und Weinhandcl in der Moselgegend. Auch in kultureller und geistiger Beziehung wurde besonders das Ufer des Rheins ein wertvolles Glied des großen Weltreiches. Prachtbauten und Kunstwerke entstanden, die sich m mancher Beziehung mit denen Italiens messen konnten. Viereinhalb Jahrhunderte hat das linke Rheinuser, noch etwa ein halbes Jahrhundert länger, bis etwa 450, daS Moselgebiet und Trier dauernd unter römischer Herrschaft gestanden. Von all der offiziellen Architektur der großen Römerplätze ist ja bei uns leider sehr wenig erhalten geblieben; vom Erdboden verschwunden ist, was in- Köln, An Mainz, in Straßbura und anderen Römerstädten gestanden haben muß; wenn gerade Köln, Mainz, Trier im Rheingebiet, Augsburg, Regensburg und Wien im Donaugebiet kulturell wie politisch durch das ganze Mittelalter führend blieben, so ist dies ihr Erbe aus der Römerzeit. Zahlreiche Sagen wissen zu erzählen, daß Juden frühzeitig in diese deutschen Städte gekommen sind. Gehen wir einmal diesen Erzählungen nach und beginnen wir mit Xanten am Niederrhein. Aus Funden in Vetera- Grabstein des Meschullam ben Kalonymos (vor 1000) auf dem Friedhof zu Worms Castrobei dem heutigen Xanten — Syrer haben - daselbst der ägyptischen Isis' einen Votiv-Altar gestiftet — wird die Vermutung geschöpft, daß' mit den römischen Legionen auch Juden als Soldaten oder Kaufleute ans,. Palästina und Syrien mitgezogen sind und sich in Vetera niedergelassen" haben. Auch befanden sich unter der römischen Besatzung von Betern Christen, die als Märtyrer fielen. ■ Für das hohe Alter einer jüdischen Siedlung in Xanten spricht der.noch im Grabstein des Rabbi Gerschom (960—1028) auf dem Friedhof zu Worms 18. Jahrhundert bezeugte Brauch der Xantener Juden, die Megilla nicht nur am 1-!., sondern auch am 15. Adar zu verlesen; denn sie hatten die Ueberlieferung, daß ihre Stadt seit den Tagen Josuas mit einer Festungsmauer umgeben wäre. Von Köln sprechen wir später. Für Mainz wird aus dem 15. Jahrhundert berichtet, daß ein bereits 1100 Jahre alter jüdischer Grabstein daselbst gefunden worden sei; inan kennt nur diesen Grabstein nicht mehr. Bon W o r m s wird erzählt, daß nach der Zerstörung des ersten Tempels viele Juden auch dorthin gekommen seien. Als nun nach der Wiedererbauung des Tempels Esra sie aufgefordert habe, an den Wallfahrtsfesten den Tempel in Jerusalem zu besuchen, hätten sie geantwortet, daß sie sich in Deutschland am Rhein ein neues Jerusalem aufgerichtet haben. Das Wormser Minhag-Buch von 1625 berichtet, daß im Jahre 1615 bei einer Judenverfolgung in Worms viele jüdische Grabsteine zertrümmert wurden und darunter einer, der über 15 Jahrhunderte alt gewesen ist. Wenn wir Schiller, dem Herausgeber der Königshoveuschen Chronik, die "bei Beschreibung der Festungsmauern den Judenturm erwähnt, glauben wollen, so wären in Straß bürg schon zur Zeit der Römer Juden gewesen. In Wirklichkeit behauptet die Königshovensche Chronik keineswegs, der Judenturm habe schon'zur Römerzeit bestanden. Fischer, ein Autor des 18.- Jahrhunderts, hält es nicht für wahrscheinlich, daß Juden schon im 4. Jahrhundert in Straßburg gewohnt haben, bringt aber keinen Beweis dafür. Und nun zu den Städten an der Donau. Felix Fabri, der 1490 schrieb teilt uns den Inhalt eines angeblich zur Zeit-Christi geschriebenen und 1618 bei den Ulm,er Juden ausgefundenen Briefes mit, in dem die Juden in Jerusalem ihren Glaubensgenossen in Ulm von der Kreuzigung Jesu Mitteilung machten. Derselbe Autor erzählt a'.uh von 'einem zu seiner Zeit ausgefuudeueu heben, ischen Leichenstein, der aus der Zeit' vor Christi Tod stammen soll. Eine jümnue Chronik der Stadt Ulm bringt uns sieben Inschriften von jüdischen Grabsteinen in l!'ni aus den Jahren 4003 -bis 4942 der We!E schövsung (243 bis 189). Doch der Gewähre mauu der Chronik hat das Datum in den noch jetzt vorhandenen hebräischen Inschriften'willkürlich ausgelegt, indem er den Jahrhnndcrten und Jahrzehnten, die allein in Iw Inschrift angegeben sind, 1000 vorletzte. D bei ist bei drei von diesen sieben Inschriften das 6. Jahrtausend ausdrücklich angegeben! Sprache und alles, was nur sonst ans jüdischen Grabsteinen alter Zeit wissen, lassen keinen Zweifel darüber, daß diese Denkmale nicht dem 5., sondern dem 6. Jahrtausend der Weltschöpfung angehören. Bezüglich A u g s b u r g bringt Ludewig - in seiner Erläuterung zur Goldenen Bulle sogar die Nachricht von jüdischen Grabsteinen in Auge-, bürg, die angeblich ans der Zeit vor Christi stammen. Als Zeugnis für den Aufenthalt der Juden in Augsburg zur Zeit der Römer hat mau früher den Denkstein des Purpurwarenhändlers Tib. Cleuphas angeführt, da dieser Name angeblich jüdisch sei; doch enthält die lateinische Inschrift nichts, was au einen jüdischen Grabstein erinnert. Unter den Inden in R e g e n s b u r g gilt die Tradition, daß sie schon in vorchristlicher Zeit in Regensburg gewohnt hätten; das sollte ein Brief beweisen, in welchem die Juden 1:11 in Menora - Darstellung mit Dreifuss und jüdischer Symbotik (Aus der Römerzeit) m WM Um kM IWÄ Don RLchlZrö Bülsß „Ich Hab' ihn getroffen — mitten in die Ttirn. . I, frohlockte Rüben und senkte den Bogen, dessen Sehne noch. von dem Schuß rachzitterte^ „Und was weiter?!" sagte der rothaarige Ben Joschua. „Ein Römer weniger — werden tvir darum gerettet werden .. Aber Rüben, in dessen braunen Augen die Kampfeslust glühte, reckte seinen schlanken, sehnigen Jünglingskörper hoch auf und erwiderte unmutig: „ ,„So seid ihr alle! Ist nicht auch ein kleiner Erfolg ein Erfolg? Machen nicht viele Wenig em Viel?" Ben Joschua lachte auf. Ein hartes, spötilsches Lachen. „Und wenn es noch so viele wären: .uns könnte nur ein Mannaregen vom Himmel hetzen. Aber der Ewige läßt nicht regnen — uicht^Manna und nicht Wasser ..." Tie standen nebeneinander auf der Zinne des kleinen Bergkastells Bethar, in das die keh-en jüdischen Streiter sich mit Bar Kochba geflüchtet hatten. Julius Severus, der Feldherr Kaiser Hadrians, hatte mit eiserner Faust den Aufstand der Juden niedergeschlagen, die um die Wiedergewinnung ihrer nationalen Selbständigkeitzu den Waffen gegriffen hatten. Drei Jahre hatte das Ringen gedauert. Drei Jahre, während deren Bar Kochba, der „Sternensohn", der Messias, den widenschaftlichen Wunsch nach Befreiung vom Nömerjoch immer neu ausgestachelt, durch sein Zuspiel die Tapferkeit genährt, durch seine glühende Beredsamkeit die sinkenden Kräfte belebt hatte. Und dann war alles umsonst gewesen. Umsonst das Sterben von mehr als Fünfmalhunderttausend. umsonst der furchtbare Märkhrertod des Gesetzeslehrers Akiba. Julius ^'verus hatte Jeruschalajim mit stürmender Zand genommen, und die Letzten, die sich mn den Führer geschart hatten, ein , kleines, verlorenes Häuflein, hatten sich schnell in das Kastell Bethar geworfen. Wie eiw Vogelnest klebte es da oben an der- Felswand, unzugänglich den Geschossen der Legionen, die ihnen nachgerückt waren, die Feste dicht umlagert hielten. Keine- Widder und keine Sturmböcke hatten die Römer' mitgebracht — sie wußten, daß in Bethar selbst ein mächtiger Bimdesgenosse ihnen den Sieg schenken würde: der Hunger. Von Tag zu Tag waren die Rationen der Eingeschlossenen schmäler geworden. Bar Kochba, der auch hierin ein Vorbild war, verschmähte nicht selten sogar das Geringe, das ihm zustand, und schob seinen Teil einem der Verteidigerzu. Sein schwacher Körper, der allen Anstrengungen getrotzt hatte, schien auch gegen den Hunger gefeit zu sein. Und ungebrochen war sein Wille, bis zum letzten den Römern zu widerstehen, unerschütterlich sein Glaube, daß Jehovah seine Krieger nicht verlassen werde... Ben Joschua starrte durch-die flimmernde, sengende Mittagsglut hinunter ins Tal', wo die weißen Zelte der Legionen anslenchteten. Er war müde vom Wachen und Fasten, seine Wangen waren hohl, seine breiten Schultern wie unter einer drückenden Last nach vorn gezogen. Die Römer trugen gerade den Soldaten, den Rubens Pfeil ins Schattenreich geschickt hatte, nach dem Lager. Fäuste drohten herauf, abgerissene Worte kamen geflogen, und mit einer unwillkürlichen Bewegung griff- Rüben wieder zu dem Bogen, der neben ihm an der Mauer lehnte. Mer Ben Joschuas Hand klammerte sich um seinen Arm. „Wozu?" rief der Rotbärtige. „Willst du immer tun. was ohne Zweck ist? Wirst du die Stunde, die — bald — kommen muß, nur um den halben Lauf der Sanduhr hinauszögern, wenn du den Pfeil von der Sehne schnellst?" Rüben riß sich los. Schüttelte mit einer heftigen Bewegung des Kopfes das schwarze Gelock aus der Stirn. „War' ich nur nicht der Jüngste unter euch — hätte mein Wort nur bessere Geltung im Rat der Mattherzigen! Wir-" „Ich weiß", unterbrach ihn Ben Joschua, „wir hätten schon längst einen Ausfall gemacht ... Als ob dir nicht bekannt wäre-wie uns allen, daß-der enge Pfad, der hiuunterführt, bloß ein Schreiten einer hinter dem andern gestattet! — Ist das ein Ausfall? Sollen sie uns einzeln abschlachten?" Rüben ballte mgrimmig die harte,, sonnverbrannte Faust. Dann wendete er sich stumm nach dem Ansgang, der schmalen Stiege zu. Mer er trat zurück. Denn eben leuchte dort etwas heraus — ein Manu — Eleasar aus Etham. Er stolperte, sieh raffte sich auf, nahm mit einem Satz die letzten Stufen. Nun stand er — mit irrem, flackerndem Blick, Schaumflocken vor dem Mund, der lautlos Worte formte. Ein Krampf zog seinen Leib zusammen, daß er sich krümmte. Eleasar preßte die Hände dagegen, schlug in Zuckungen gegen die Mauer, richtete sich jäh empor. Und dann brach es. aus ihm heraus — in schrillen, gurgelnden Lauten: - „Bar Kochba, Messias, hast du uns versprochen das Reich unserer Väter und die Herrlichkeit und die Macht? - Verflucht sollst du .sein, und tausend Tode sollst du sterben, und dein Körper soll liegen wie-Aas, zum Fraß den Hunden - und den Geiern! Und deine Gebeine —-" Er verstummte plötzlich. Sah wild um sich, reckte einen abgezehrten Arm in die Lust. Rüben wollte ihn stützen, da er wankte. Aber Eleasar. stieß ihn zurück, schrie: „Ich will euch weisen den Weg aus der Not", schwang sich auf die Mauerbrüstung und neigte sich, bevor Ben Joschua, Nuben ihn zurückhalten konnten, weit vornüber. Ein dumpfes Aufschlagen des Körpers — dann nichts mehr . . . - . Rüben bedeckte schaudernd das Antlitz mit den Händen. Ben Joschua aber sagte: „Ein Esser weniger.. . Sie saßen in dem engen Turmgelaß, eine Hcmdvoll Männer, der- Rest derer, die dem mächtigen römischen Imperium Trotz geboten hatten.. Mitten unter ihnen Bar Mchba. Er hatte das Haupt gesenkt, in dessen dunkles Haar sich viele weiße Strähnen mischten.' Mit blicklosen-Augen starrte er oor sich hin, seine blassen Lippen murmelten Unhörbares. Und immer wieder, unerbittlich, schmerzhaft, bohrte sich in sein Hirn die Frage: „Hatte es so kommen müssen?" Er dachte zurück, wie er predigend, auseuerud durch Judäa gezogen war, den Brand zu lichter Flamme geschürt hatte. Wie sie sich um ihn geschart, ihn den König in Israel genannt hatten. Fünfzig Städte hatten sich erhoben, um die Knechtschaft zu brechen — mm waren es weit unter fünfzig Menschen, die noch übrig waren. Uebrig von all den Begeisterten, Zuversichtlichen, die ihn jubelnd gegrüßt hatten, wo er sich gezeigt hatte. ES war ein feindseliges, böses Schweigen, das ihn umfangen hielt. Diese Männer, die — von ihm geleitet, aber aus eigener Entschließung — die Fahne des Aufruhrs entrollt hatten, maßen ihm allein die Schuld au dem bitteren Ende bei. Dachten nicht au die alte Uneinigkeit unter den Stämmen, die wieder einmal großes Wollen vernichtet hatte. Müßige Erwägungen . . . Die da waren auSgemergelt, geschwächt vom Hunger, sinnlos in der triebhaften Gier, sich den Magen zu füllen. Als man die letzte Handvoll Rieht ausgeteilt hatte, waren sie zusammengetreten. Drohend, heischend. Und über seinen Kops hinweg,t ohne auch nur auf ihn zu hören, hatten sie entschieden, das; Bethar übergeben werden solle. Er selbst hatte sich der Stimme enthalten — bloß Rüben, der junge, glühende Rüben, den er liebte wie einen Sohn, hatte sich gegen sie gestellt. Nun saßen sie, dumpf, stumm, warteten aus den Spruch der Römer, den Rüben bringen sollte. Sie hatten ihn hmuntergeschickt — als einzigen, der noch Kraft genug besaß, um den Weg über Steine und Geröll znrückzuleaen. Geräusch von draußen — Bar Kochba schreckte auf. Dann stand Rüben im Raum,

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