Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 20 (17.5.1934)
- Date
- 1934-05-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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17. Mai 1934 2. Beiblatt der C-V.-Zeitung Das Fest i Ewuos, das Fest der Erinnerung an die 1 ^iätaebuitg am Berge Sinai, fällt in die •; •vVt>er ersten Reife der Natur, des Grünens ' M Glühens, des Neuwerdens und Gestal- . ist auch nach der religiösen Ueber- ' Unniq das Fest der Erstlinge. Und es ist Ljter die Erinnerung an jene Zeit, da Gott ■j Mn Bell Israel die zehn Gebote verkündete. (vjT sind die grosten, im heutigen Sinn h io'ial'en Gesetze, die damals durch Moses z stundet wurden. Das vierte Gebot: „Sechs ~1(,c saunst du arbeiten und all deine Werke ’ ,Ta-vjcI;!xi!, der siebente Tag aber ist Feiertag ,i J.,n! örrrn deinem Gott", ist uns heute so G ickbiwerständlich. das; wir ganz ohne Dank niien Tag in der Woche ausruhen, ent-? iriumcn, von Arbeit und Geschäften. Nicht ■ £ werden sich am „Wochenende" auch daran 1 crimicvn, das; sie den Sabbath, den von Gott! ror Tausenden von Jahren eingesetzten ■ Jfcicrifio. begehen. vficft man in einer ruhigen Stunde diese; 2ifüc iii der heiligen Schrift, so wird man wil eiueuunal ganz neu und lebendig die! wie Weisheit dieser Gesetze erkennen. Es sind (fijchc der Lebensgestaltung, Gesetze für das . Lctsi der Menschen. reute noch gibt es Völker, die keinen lliuhetag haben. In China kennt man, ab- Mcu von den in weiteren Abständen austmrnidersolgenden religiösen Volksfesten,; leinen Feier. und Ruhetag der Woche. Tort nr&citcn die Menschen pausenlos, ohne die r erholsame, nach sechs Tagen unbedingt not-; wendige Zäsur im Arbeitsrhythmus. Wir aber haben diesen freien Tag der Mche. haben ihn als Gebot unserer Religion,; «mb wenn wir heute so modern und zeit-; jieniäB zum Weekend fahren, wenn wir hin- Egehen ins Freie, wenn wir auf einem Boot in der Sonne liegen oder uns am «trand ausruhen, oder durch die Wälder ziehen, dann sollten wir nicht ganz daran vergessen, wie alt und einig neu das Gesetz ist, auf dem unsere Wochenenderholung letzten Endes beruhst Und wir sollten dankbar und freudig an S-chcwuos die Tische und Räume nut frischem Grün auSschmücken, die Früchte und Gemüse des Sommers zuberciten für das seitliche Essen; und Tank wissen für das Gebot des Sabbat Hs. Nur dadurch, das; wir uns an einem Tag der Woche von den Sorgen und Kämpfen des täglichen Arbeit«- und Alltagslebens' lösen, ist es uns überhaupt noch möglich, den aufreibenden Anforderungen der heutigen Zeit gerecht zu werden. Wir sammeln immer wieder die Kräfte und beginnen die nächste Woche dann mit einem Fundament an Lebensfreude, die wir uns an dem freien Tag, dem Tag des Besinnens, des Sabbaths, schufen. Es gibt Menschen, die nie die innere Ruhe und Lvsgelöstheit ausbringen, einmal vollkommen zu pausieren. Sie rattern auch am freien Tag wre ein Motor weiter, vielleicht ein wenig gedämpfter und verhaltener, aber doch vernehmbar genug, um den andern spürbar zu werden. — Sie haben nicht die Gabe, einmal auszuruheu, einen Tag des völligen Eutspanntseins einzuschalten, sie reden weiter über ihren Werktag, sie „fachsimpeln" und such richtige Störenfriede der Feiertagsruhe. Diese Menschen haben noch nicht einmal die Bibel verstanden, und sie wissen es nicht, das; auch das geistige „da sollst du keinerlei Werk verrichten" notwendig ist zum Weiterleben, zum Leben überhaupt. Sie sündigen wirklich, diese Feiertagslosen. gegen die Gebote und gegen sich selbst. nest du einen neuen Schacht in deiner Seele und darfst aus dem Fahnenmast, der bis in den Himmel reicht, dem „arnor kati" hissen. Am Mittwoch war das große.Gewitter. Der Himmel zuckte manchmal schlohweiß ans, als ob er in Milch getaucht wäre. In das. R. Jl. Am Montag kam die Ann -ju mir. Die Sfon, mit verweinten Älugen, und rhre Stimme 'klierte beim Sprechen wie ein kleiner Vogel,; luenn man ihn zwischen den Händen hält. 's '.'lus ihrem Handtäschchen zog sie den Brief, stii jo viele von uns nt den letzten vierzehn Senaten erhielten, den Brief, der hinter . Mieren Beruf den Schlußpunkt setzte. Drei Uri', knappe Zeilen schneiden wie Stahlmesser mier Riesenmaschine im Bruchteil einer Gluiide das große schwarze Loch in die Zuistl'R so finster wie der Weg ins Nichts. Die •* •'Ußi'n, noch au das Licht gewöhnst ertrinken f ri der Tnnkelheit und werden blind. TausendmR. Ann, hast bn während des letzten Jahres stme Angeu geschlossen, um dich auf diese cchwärze vorzubereiten, tausendmal bist du i JJisbcm Schlaf ausgeschreckt, weil du vor; dem : Aies träumtest, und hast drr tausendmal ^aprerfeit zugeschivoren, für den Tag an dem - str Brief wirllich lommcn sollte. Doch hertte,; Am. bist du von dem tausendmal Erwarteten; nbcrfalleit, wie von einem völlig fremden i Kllnrereignis, betäubt von dem großen Uni sttannten, erstarrt vor dem gähnenden ^ch.und des Nichts. Denn tausendmal hat fchll heimlich in einem versteckten Winkel 1 A".ner Seele eine kleine Illusion anfgezuckt, j st-e die Hoffnung' wärmte, daß dir nichts paf-! könne, daß man mit dir eine Ausi J,a)mc machen tnüsie, daß man dir deine; tzwcit nicht ivegnehmen könne. Deine Arbeit, i Kind. Du hast sie gut und rechtschaffen, 1 Nt sie gütig getan, nach bestem Wissen l Gewissen. Niemand kann diese Arbeit i lieben als du, uieruaud sie zärtlicher 1 Hegen und besser kennen. Jahrelang habt ,i A euch, du und deine Arbeit, wie zwei s '^egcäameraden aneinander gewöhnt, eitch , stgenseitig die Tücken und Launen ans- ' Asslben versucht, euch gestritten und wieder jahrelang wart ihr beide so un- ■ .^trennlich, daß ihr euch wie alte Eheleute - nin'cr ähnlicher wurdest Ann, ihr wart zwei : stilvolle Partner, jetzt müßt ihr voneinuwer Abschied nehmen? würdig und tapfer, i;le cud)< geziemt. Fragt nicht mit lari Winter Stimme, warum und wieso, grübelt nicht mit Sätzen, die mit Wenn und Aber beginnen, reicht euch die Hand und sagst' „Sam su letauwo", auch dieses zum Guten. Kleine, traurige Witwe Ann. es ist alles zum Guten, glaube es mir. Morgen vielleicht schon werden dir Gedanken kvinmon, die mit eittem feinen Schimmer das große, fittstere Loch erhellett werden. Es ist noch kein blendendes Scheimverferlichst das eine große, breite Striche in die Zukunft erkennen ließe, aber das Schwarz ist einer Dämmerung getvichen, in die sich schmale Pfade einzeichneu. Das sind dir neue, fremde Pfade, bisher lagen sic tveit hinter den Grenzpsählen, die dir deine Arbeit steckte. Du konntest sie niemals sehen, weil du ja nicht einmal die Grenzpfähle kanntest, weil du dachtest, daß deine Welt dort anshöre, wo ein Zaun dein Arbertsfeld abschloß. Und manchmal wuchs der Zaun so hochdaß du veruttttetest, es sei nicht nur deine Welt, sondern die ganze, große allgemeine Welt, die du bis zrnn Zaun erblicktest. Amt, das soll kein Vorwurf sein, wir alle leben nur artf einer winzigen Fläche. des großen geschliffenen Kristalls und ahnen nicht, daß sich die Sonne auch in den anderen Flächen spiegelt und bricht. Erst wenn wir an die Kante rutschen, lernen wir die anderen Flächen kentten. Das ist dann ein fremdes Gebiet, das wir uns urbar machen müssen. Die Goldmitten sittd tief vergraben, und das Klima scheint uns rauh und ungemütlich. Ann, es müßte ein Mensch ohne Herz sein, der sich hier gleich heimisch fühlte und nicht durch den dicken Vorhang, den er hinter der Vergangenheit zuzvg. die Lichter der Erinnerung sähe. Ann, es müßte aber auch ein Mensch ohne Herz sein, der nicht ahnte, daß es eine Bereicherung bedeutet, hier in.dem.- fremden Gebiet fremde Schätze zu heben. Die alte Welt hat es uns bequem gemacht. Hier werden wir wieder abenteuerlustig. Die alte Welt kannten wir so gut, mit-geschlossenen Augen griffen wir nach den - Köstlichkeiten. Hier müssen -wir uns wieder anstrengen, hier müssen wir suchen, um zu finden. Das kommt beinahe einer Gnade gleich. Ein neuer Wind pfeift uns um die Ohren. Eines Tages erösf- Lucie Gflber leitet die Kindr.r-Nachmittage des Kulturbundes Zimmer flogen kirschengroße Hagelkörner. Ich ließ sie auf meiner Zunge zerfließen. „Schloßen und Hagel, lobet den Herrn, Preiset und rühmet ihn ewiglich!" Die Augen von Ann sahen heute klarer aus. * Als mir am Donnerstag der Autobus gerade vor der Nase wcgfuhr und bte Betrübnis darüber sich wahrscheinlich aus meiitem Gesicht breistnachte, stellte mir ein kleiner Junge seinen Roller zur Verfügung und meinte, ich könne so auch sehr rasch zu meinem Ziel gelanget!, wenn es tricht allzu weit sei. Und warum ich es eigentlich so eilig habe, ob jemand auf mich warte, und wohin ich wolle, ob ich irr die Schule ginge und Schokolade machen lernte wie seine Mutti. ob ich schon nmgeschichtet wäre, oder ob ich am Eltde gar noch ... alt sei. Prüfend sah er zu mir hinauf, studierte mein Gesicht und war das erste männliche Wesen, das mein Alter nicht von den Fültcheu unter den Augen ablas. Rein, er hatte einen anderen Maßstab, er sah svzttsagen das Alter als Atrsangsstadittm an, für ihn tvar matt nicht s ch o n alt, sondern noch alt. Roch alt. erst ansangen, wieder jung zu sein! Was sind das für Perspektiven, mein Junge. Meinst du tricht dasselbe, was ichvorgestern Auu sagte.und drückst du es nicht viel besser und knapper aus'L Das hätte ich ihr versichern müssen: Du mtrft schon jung, liebe Ann, und Ann hätte bestimmt die Tränen früher getrocknet. G. H. - JÜDISCHE FRAUENGESTALTEN Ruth spricht: „Sprichst Du, verlassen soll ich Dich; Rein — wo Du lstngehst, geh auch ich. Und wo Du weilst, dort weil auch ich! Dein Volk — mein Voll! Dein Gott — mein Gott! Wo Du sttirbst — sterb auch ich! — Ein Graln uns beiden! Was Gott verhängen mir auch mag —nur Tod Vermag noch. Dich und mich zu scheiden!" . ' Mein Lied . . . das singen die Mädchett in Juda am Brunnen: und die Braut Horts, wenn stie unter den Trauhimmel tritt. Und doch: nicht zum Liebsten Hab ich's gesprochen. Als der schöne, blasse Knabe aus Juda mein Gatte ward — von fern am Muttertag Nachts geh’ ich in dein Zimmer, In dem du einstens schliefst. Da war mir eben immer, . Als sah’ ich einen Schimmer Und so, als ob du riefst. Begegnen die Gedanken Sich manchesmal im Raum? Dann will ich leise danken, Dass über alle Schranken Du zu mir kommst im Traum. Vielleicht kann überbrücken Mau Ferne, Trennung, Leid, Wenn wir den Alltag schmücken Mit Träumen, die beglücken, Dann bist du nicht so weit? Du Sohn, in fernsten Weiten! Den Kuss geh’ ich dem Wind. Er soll ihn weiterleiten Und ihm den Weg bereiten Von mir zu dir, mein Kind. Anca Liebermann. her war er gekommen, und alle Weisen meines Volkes widerrieten mir's, mich mit ihin zn vereinen — da war ich stumm vor Gluck. Stumm auch blieb ich. als mir heimtückische Krankheit den jungen Gemahl raubte. Am Kreuzweg stand ich mit der blühenden Schtvester und der alten, einsamen Frau, die Gatten und Söhne verloren hatte und allein aus der Fremde mit zitterndem Fuße der einst in jugendlichem Glücke verlassenen Heimat znstrebte. Mutter Rvorni wehrte uns. daß wir mit ihr kämen; schon hatte Schwester Orpa den Schleier über den weinenden Augen, sich rückwärts gewandt. Auch mich wollte sie zurückweisen . . < Aber wenn mich auch die Mutter in Moab nicht singen und spielen gelehrt hatte wie die Tochter Judäas: eins wußte ich — uralte Weisheit, die einst der Ahnherr vom Vater aller Völler, vom geretteten Noah, gelernt hatte — Treue gilt'S zu halten, den Alten wie den Iuttgctt. Drum lomck ich auch damals die alte Mutter, die einst sich in Mann und Söhnen sonnte und nun arm und bloß zurückkehrte ins Heimatland, nicht allein lassen — ob sie mir auch noch so viel erzählte von dein strengen Lose und dem strengen Gotte, dem ich mich anvertraut hätte. — Als wir nach Bethlehem kamen, da war viel Volk auf den Gassen. Ist's nur das Erntegewühl? fragten wir. Ta hörten wir, das Weib des Richters Boas sei gestorben, des treuesten Mannes in Israel. An allen Straßenecken klagten die Waisen, Knaben und Mädchen; denn eine Mutter und Helferin war ihnen geraubt. Noomi sah mich ctfl und lächelte unter Tränen: „Eine fromme Frau hat Bethlehem verlassen — eine andre hat Bethlehem betreten!" sagte sie leise zu mir. Heiß ward der Sommer und karg unsere Nahrung. „Boas!" der Name klang mir seltsam im Ohr. Zögernd mir folgt ich der tNahnnng der Atntter: Aehren sollte ich sammeln auf Boas' Feld. Bald sah ich ihn selbst, den Herrn des Hofes; grau wallte ihm der Bart, doch rüstig schritt er einher; wie ein Vater und König grüßte er die Schnitter: „Gott mit euch. Leute!" — „Gott segne dich, Herr!" gaben sie fröhlich zurück. Weit hinten blieb ich und sammelte fleißig; mit keinem der Schnitter sprach ich ein Wörtchen — sie wussten nicht, ob ich stunnn sei oder nicht. Bis Boas mich ries und freundlich mich ansprach: „Vergelt dir's Gott, daß du Eltern und Heimat aus Treue zur kRutter verließest! — Da Hab ich in ihin den Verrvandten gefunden, lang ehe mir die Alte die Märe erzählt. Und furchtlos wagt ich. was sie mir riet: ich ging zur Tenne im Dunkel der Nacht. Ilm Nlitternackst schrak Boas auf vom Lager: da sah er ein Mädchen zu Füßen sich liegen. „Bist du ein Geist oder bist du ein Weib?" „Ruth bin ich, die Fremde!" sagte ich zaghaft. Da tröstete mich der gerechte Manu. Er führte mich heim als sein ehlich Weib; ich durfte den Cohn, den Ersehnten ihm schenken. Aücr wir haben der alten Frau nicht vergessen. Dos Kind, das bracht ich aus ifjrcit Schoß; sie pflegte es und hütete sein . . . und vergaß ihr Leid, wenn der Knabe jauchzend nach ihr langte. Noch lange sparte mich Gott der Herr. Ten Sohn des Sohnes durfte ich sehen: David, den DAS SPEZIA LH AUS FÜR: Wäsdie Stoffe Kleidung Gardinen •Teppiche ‘Möbel Q^erlcmjSen cfie den reich illustrierten C^Jommerlcatalo^ - T f! jf 1 M I u j'ü\\l 1 Li jI\u |U )> juD) )i Jv NM 1 Jl, j UL, •BERUfeä 'S3 .JEAfciBAMER STRASSE . KP.NI.QSIRASSE . ßESRfltäDEI ISIS