Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 20 (17.5.1934)
- Date
- 1934-05-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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WchVV M netter ^rife.' Sen Zc. Arltzur önllfist granffurt a. M. $n einem Älreifc junger Zerrte spricht man über Umschichtung — Berussumschichtuug. Cie haben ivohl sämtlich das zwanzigste Lebensjahr überschritten, aber das dreißigste noch nicht erreicht, haben also ihre Lehrzeit, ihre Ausbildung schon hinter sich und sind in irgendeinen Beruf bereits eingegliedert. Einer iwu ihnen erhebt sich und erklärt resigniert: „Wir sind zu alt dazu. Wir tragen das Erbe der Väter, dcS liberaliftischeu und individualistischen Zeitalters — davon kommen wir nicht los. — Notwendig zur Umschichtung ist eine innere Wandlung von Grund auf, eine vollkommen neue Gesinnung. Unsere minder werden sie haben! Unsere Generation aber — sie ist verloren!" — Freilich, sie wäre verloren, wenn sie insgesamt so dächte, wenn sie am Erbe der Väter trüge nne an einer lähmenden Last, wie an einem niederdrückendeu, zermalmenden Felsblock, wenn sie sich nicht sagte, das; sie stark sein muß. gerade seht und gerade durch das „Erbe der Väter" mutig, unternehmend und zuversichtlich. Allerdings, und darin hatte der junge Redner recht: Voraussetzung ist eine neue Gesinnung, eine neue Berufsgesinming. Immer schon haben wir, die nur die Fugend;u beraten hatten, gefordert, daß Berufswahl nicht nur nach Neigung, nicht mir nach der Möglichkeit des Erwerbs, deS Verdienstes erfolgen dürfe, sondern nach ethischen und sozialen Grundsätzen. Nicht nur zu eigenem Unterhalt, sondern zum Lien st am Ganzen muß jede Berufsarbeit beitragen, So gesehen, so mifgefaßt, adelt jeder Beruf, jede Arbeit. Solche Ausso.ssiiug ist zugleich Forderung, jede Arbeit zu übernehmen, zu leisten, wenn sie dem Ganzen, der Gesamtheit von Nutze,! ist, sie enthält aber auch die gebieterische Forderung, sich über ursprüngliche Anlage und Neigung hinaus zu jeder Arbeit f ü h i g z u m a ch e u. Tie Generation zwischen zwanzig und dreißig, deren Kiudheitsjahre in die Kriegs- und Nachkriegszeit fallen, ist vielfach nicht in rechter Weise zur Arbeit erzogen worden, hat Wert und Wesen der Arbeit nicht immer in tiefster Seele erfahren. Gar viel ward in Schule und Haus, in der pädagogischen Welt erperimentiert, zu sehr wird die Arbeit zum Spiel, zu häufig wurden bescheidene Aeußerungen des kindlichen Gestaltungstriebes überwertet und nicht selten ward die ehrliche bewußt systematische Arbeit mit Geringschätzung be-, handelt. Planmäßige Erziehung zur Arbeit ward! bei diesem Betrieb nicht gefordert. Augenblickliche Einfälle erhielten den Borzug vor einer leitenden großen Idee. Eine Jugend aber, die aus solchem Betrieb m den Beruf eiutritt, wird nur schwer zum wahren Berufs-Ethos gelangen. Erziehung zur Arbeit ist Erziehung z u m B e r u f s e L h o S. So gebieterisch gerade die heutige Zeit für den jüdischen jungen Mensche,; Vorbildung zu einem Erwerbsberuf fordert, so notwendig ist für ihn Erziehung zur Arbeit schlechthin. Das soll nicht heißen, daß unsere Jugend ein buntes Vielerlei an Arbeit leisten müsse, oder daß es gleichgültig sei, was sie treibe, wenn sie nur ernsthaft arbeite, es soll auch nicht der „harmonischen Ausbildung" allerKräfte und Anlagen, dem Bildungs-' ideal einer früheren Zeit, hier daS Wort geredet werden. Aber die heutigen Verhältnisse, noch mehr die kommenden Jahre werden den jüdischen Meuschen von Tag zu Tag, vor immer neue, andere Aufgaben stellen und iverdcn zugleich voir ihm höchste Arbeitsleistung verlangen. Hier liegt das eigentliche Problem: Onalitatsleistung muß vom jüdischen Menschen vor allem gefordert werden — in weichein Berus auch immer, zugleich aber muß er die Fähigkeit besitzen, iin Notfälle sich umzuschalteu, sich in andere Verhältnisse, wie in eine andere Tätigkeit zu finden. Ausbildung zu Oualitätsleii'tung aber verlangt Konzentration auf das eine, verbietet Zersplitterung der Kräfte, und dennoch darf die .Konzentration auf das Eine nicht bis zur völligen Ausschließung aller aildereu Jnteresieu und Anlagen getrieben werden. Tie Beweglichkeit der Seeleuträfte gilt eS zu erhalten wie die der physischen ,uräftc. Neben der erwählten Berufsarbeit wüsten in der Freizeit Fähigkeiten und Fertigkeiten entroiefelt werden, denen im Beruf selbst kein Raum gegönnt werden kaim. Auch der geistige Arbeiter sollte kaufmännische Kenntnisse und der Kaufmann handwerkliche Fertigfeiten erwerben, wie umgekehrt der Handwerker nicht ohne kaufmännische und allgemeine Bildung bleiben dürste. Zu solcher ergänzenden Tätigkeit ist niemand zu alt. Ich weiß von einem Rechtsanwalt, der die llO überschritten —er treibt Schreinerei; von einem über 50 — er lernt Sprachen -- von der 60jährigen Frau eiueS Arztes, die ernsthaft Kochen. Haus- und Landwirtschaft erlernt — sie sind zur Arbeit erzöge»; — und zur Umschichtung bereit. Und die Avisen 20 und 30, die in der Fülle jugendlicher Kraft stehen, sie müßte!; — auch Kenn sie tat Beruf sind - Kraft und Zeit zur Wei« terbildung finden, müßten ünstande sein, sich für einen zweiten Berns zu erziehen. ES gibt nicht wenige, die das zuwege bringen, die gerade in der " körperlichen Arbeit eine lvohltuende Ergänzung ihrer sonstigen Tätigkeit sehen. Die Kräftigung des Körpers, die Steigerung der physischen Anlagen, diese Rcgeucrativu, die das deutsche Judentum im Jahrhundert der vielgescholteneu Emanzipation erfahren. befähigt auch zu körperlicher Arbeit in erhöhtem Maße, steigert die Leistungsfähigkeit. ES gilt, dies nicht nur zu erkennen und zu wissen, sondern zu nützen zu werktätiger Arbeit. Blau muß wollen! Es gilt vor allem, diesen Willen der heutigen jüdischen Schuljugend ins Herz zu pflanzen. Sie muß frühzeitig erfahren, daß Arbeit eine sehr ernste Angelegenheit ist. Viag eine gewisse Methode die Aueigiliiug von Kemituisseu und Fertigkeiten erleichtern ivollcu,' die ernste, systematische, zielbewußte Arbeit tauil und darf nicht ersetzt werden — nicht die Arbeit des Kopfes und uicfjt die Arbeit der Hand. N u r durch Arbeit kann z u r Arbeit erzogen c t b e n. Tas gilt für allen Sprachunterricht ebenso wie für mathcinatisch naturwissenschaftliche Fächer und nicht minder für die künstlerisch-technische Unterweisung. Strenge Zucht des TeukeuS und größte Exaktheit der Ausführung in Schrift und Bild sei unerbittliche Forderung. Kops und Hand Uiüssen zusammenwirleik. Sie wirken zusammen auch bei deiu sogenannter; Werkunterricht: er sollte an keiner jüdischell Schule fehlen. (An; Philauthropiu in Frankfurt am Mai;; wird er seit Jahrzehnten erteilt.) Es ist feine Frage, daß dieser Unterricht heute für unsere Jugend von einimuit Praktischer Bedeutung ist. aber der erzieherische Wert, der einst für seine Einführuug maßgebend war,-ist lim nichts geringer geworden. Tie Werkstattdisziplin, die strenge Sachlichkeit, die gewissenhafte Exaktheit, die Freude an; Schassen und au; vollendeten Werl, die Bervindm;g des Handwerkliche!; mit dem Künstlerischen vermitteln den; junger; Menschen ein Glücksgesühl. das keine Belehrung zu vermitteln vermag: „A r b c 11 i st nicht Fluch, s v t; b e r n 6 c g c n." Seit Dezember 1033 besteht in Berlin die „Arbwtsgenieinschast jüdischer Wissenschaftler", eine [Siegfried Sim@nT»sn «ielMnIioIrnoiwtr. »7 I! S Waffnor S Freier Makler f. alle Versichennigßarten. Unahh i* 1 bestimmt. Gesellschaft. Verbatuls-Mitgl. d. jtid 8 Organisation der Selbsthilfe, die sich beinübt v ungeheuren Schwierigkeiten zu überwinden 25 sich den jüdischen Wissenschaftlern eutgegenst'ell^ Ji; dem besonderen psychologischMagoaisss^ Kreise der Arbeitsgemeinschaft berichtete öcinroS Kuhn über die geleistete Arbeit und die anaestr^» Ziele. H. Kuhn hat seit Jahren im In- und * lande wissenschaftliche Erhebungen über Begabuna Anlagen und berufliche Eignung der Juden bnxt geführt. I» seinem Psychotechuischeu Laboratorium wurden von ihn; in neuerer Zeit au rund 5oo fehlen Anlagenanalysen vorgenvurmen. Für die Neugestaltung des jüdischen Lebens in Deutschland erklärte der Redner, sind neben den objektive,; Faktorei;, die wir nicht in der Hand haben die subjektiven Faktoren — die Menschen und'ihn Fähigkeiten — ausschlaggebend. Tie subjektiv-« Faktoren können tvir erfassen, studieren und big ZU einem hohen Grade lenken. Es ist dringend zu wünschen, fuhr der Referent fort, daß die psycho Physische Prüfung bei allen jüdischen SckMmderi; eingesetzt wird, damit berufliche Fehlleitnngen mim. liehst vermieden werden. Ferner sollen nbfolut wahrheitsgemäße Grundlagen erarbeitet werden, auf denen die Berussumschichtuug ausbaueu kann'. Tie bisherigen Ermittlungen an „Umschichtern'' haben gezeigt, daß gewisse überkommene Am schauungen nicht Stich halten. Beispielsweise wurden bei einer bestinnnten manuellen Prüfung die besten Stücke von „Intellektuellen", omem lllljährigeu Rechtsanwalt, einem Lehrer und einem Journalisten, geliefert, dagegen die schlechtesten von Angehörigen praktischer Berufe. So kam; die Anlageuforschuug dazu beitragen, eine Ehren- und Lebeusrettuug von jüdischen Intellektuellen zu ermöglichen, jener geistig geschulte!; Menschen. aus die mau früher so stolz war und die inan heute vielfach als unpraktisch und unbrauchbar beiseiteschiebeu möchte. 'Auf eine Breite Basis gestellt, kam; — so er-, klärte Heinrich Kuhn abschließend — die Anlagenforschmig einen fundamentalen Neuaufbau der jüdischen Wirtschastseristeuz vorbereiten helfen. Die Arbeitsgemeinschaft jüdischer Wissenschaftler, die noch andere brennend aktuelle Fragen be* arbeitet, wirbt um das nicht nur platonische Interesse der zuständigen Organisationen. K. M. S oi L©ME)©K1 'Nisi Lwisi eine dreiwöchige Amerikareise $ 172,5®. oder beim jetzigen Kursstand etwa 4!ks?üi RM. ab Hamburg und zuruck einschliesslich Bahnfahrt und Verpflegung Unabhängige und Gesellschaftsreisen zum Besuch der eiL¥^USSfilL[LIIM6 in SKICI» Rituelle Verpflegung auf allen unseren Dampfern Auskunft und Prospekte durch die k-, . SM LI□!it 1SSL1M 15 8,- Unter den Linden Sa Fernruf: AI, JSgep 26&S sowie Reisebüro TRAVERSUM, BERLIN W 15, Kurfürstendamm 224 (Ecke Meinekestr.). Fernruf: J 1, Bismarck 3123. 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