Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 19 (10.5.1934)
- Date
- 1934-05-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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geworden und aus den 14 Angestellten vier, aber seine Hoffnung, mit seinem Geld dem Sohn die Zukunft zu ebnen, war dahin. Von der Wand des einen Zimmers blickte unterdessen unentwegt der Kops Reb Gedalses herab. Gr blickte wie immer ins Weite, sehr verstehend und etwas verschmitzt. Uebrigens sah auch Margot Raphael das Vild, als sie Paul besuchte. Sie sann vor sich hin, Paul hatte ihr gerade aus dem Rothschild-Brief vvrgelcsen, dann flüsterte sie: „Der Reb Gedalse weis; etwas, was er uns nicht sagt. Sieh seine Augen. Oder, wir verstehen es nicht." An diesem Abend sprach Gmil sehr ernst und sehr eindringlich uüt seinein Sohn: „Das mit dem Mädel gefallt mir nicht. Tu sagst selbst, sie hat nichts. Tu hast auch nichts, und das ist bestimmt zu wenig. Sie studiert Ratioualblonoiitte, schön, aber was tu ich damit'-l Tu muht sehen, mit Geld zu heiraten. Deine selige Mutter hat schon süufzehntausend Mark gehabt und mein Vater hat 300 Taler bekommen. Tu muht au deine Zukunft denken. Als Akademiker kannst du doch Ansprüche stellen." Kommt Zeit, kommt Rat, dachte Vater Emil. Tann aber kam eine Zeit, gerade als Paul sich für die Assessorprüfung vorbereitete. Eine neue Gesetzgebung vcrschlos; den jungen Juden den Zugang zu manchem Berus. Emil Blumberg war erschüttert, wirklich in den Grundfesten seines Gebens erschüttert, als er begriff, sein Paul sollte nicht Rechtsanwalt sein. Seinem Paul nüt;e die akademische Ausbildung gar nichts, auch nichts der Titel des Doktors. Biel schwerer würde er es im Leben haben, als er, Enril. als Rathau, ja, als Reb Gedalje. Tenn allen ivuehs das Brot ans der Fertigkeit ihrer Baud zu. Aber Paul? Er besah 500 Bücher und ein Wissen, vor dem es einem bisweilen Angst werden konnte. . . und doch stand er plötzlich hilflos da. Keine Aussicht. Keine Zukunft. Paul war seltsam ernst in diesen Tagen. Er beruhigte den Vater wie er konnte. Margot Raphael war viel im Hause. Ost standen sie vorVem Bild des Ahnen. Einmal erzählte ihr Paul dabei die Geschichte von den „untertänigst von Gottes Gnaden-Jnden" vor den; Kronprinzen von Preußen. „Batte damals iticht Reb Gedalje ohne Absicht eine Wahrheit ausgesprochen?" versetzte Margot langsam, als müsse sie sich sehr besinnen und ihr Auge ruhte unverwandt aiu dem Bild. „Tie Worte an Rothschild, sein Gesicht mit dem Blick in eine Ferne, die ich jetzt gleichsam zu erahnen beginne . . ., ich glaube, so ein Jude wie Reb Gedalje war erfüllt von . . sie suchte nach Worten, „nenn' es wie du willst, so kompliziert, so darum herumgeredet, wie wir zu sprechen gewohnt sind, ich will schlicht und einfach sagen: er war erfüllt von der Gnade Gottes." Und Paul zitierte leise aus dem Gedächtnis: „Ja. hochmögendcr Herr Baron, Euch hat der Herr auserwählt, wie er hat auserwählt am Sinai die Kinder Israel und hat ihnen gegeben den Reichtum seiner Offenbarung und hat sie gesetzt zu Verwaltern seines Wortes unter den Menschen." Er lrantte das alte Papier aus einer Mappe hervor, reichte es Margot und sie las laut, als ob sie etwas zu verkünden hätte: ..Wie aber nach Blitzen und Donnern und stürmischen Winden das Wort des Herrn.ist gekommen zu: Israel, so soll Not und gewaltiges Unglück, was sich über die Juden legt, nur Erinnerung sein an den Sinai für die Nachkommen Jakobs. Tenn ein Jude darf niemals vergessen, das; er ein Jude ist, will heißen, das; er sein Leben hat nicht für sick, sondern es ist ihm eine Verpflichtung vor Gott und unter den Menschen. Und so ist es unser Schicksal." „Das schrieb ein Schuster/ sagte Paul. „Nein," und Margot, die in sich zusammengesunken war, richtete sich auf, „fühlst du nicht — wie ich — diese unzertrennliche Einheit von Mensch und Leben? Empfindest du nicht die , letzte Antwort, die alles wieder zusammenfügt, ' was uns seit langem auseinandcrbrach? Vor mir breitet sich ein unermeßlicher Ausblick ans. und für dich ist es ein Problem, ob einer Schuster ist oder Doktor. Ein Jude bleibt ein Jude. Ich spüre langsam, was das ist: Jude. Alles andere bedeutet dagegen nur soviel." Sie deutete mit ihren Fingern die Winzigkeit eines Stäubchens an. Die beiden jungen Menschen standen Hand in Hand vor dein Bild, dann blickten sie sich an;mb küßten sich. „Lieber Bater," schrieb Paul ans der großen Provinzstadt, „Du schicktest mich hierher, um neue Berufsmöglichkeiten zu suchen. Aber von vielen Möglichkeiten ist eine für mich zur Notwendigkeit geworden: seit zwei Tagen bin ich Lehrling in einer Schusterwerkstatt. Es ist schwer, was ich mir vornehme, meine Erziehung, mein früheres Leben und Erleben wollen sich dagegen ausbäumen, ich höre schon die Versuchung in deinen Worten, mir einen „angemessenen" Berns zu suchen. Aber seitdem der Urgroßvater durch der; Mund eines Mädchens zu nur gesprochen, werde ich nicht erlahmen. Margot ist Bausmädchen gewvrden. hier, bei einer jüdischen Familie, bis wir heiraten. Ich bitte, mir das kleine Erbteil von der Mutter zu schicken. Davon will ich jetzt leben und davon will ich mir eine bescheidene Werkstatt gründen, wenn es erst soweit ist. Von Dir wünsche ich nur nur das Bild des Urgroßvaters Gedaljah. Siehst Tn, diesen Schuster nennst Du selbst einen großen Gelehrten. Aber er war noch mehr, denn er war ein Jude. Ich fühle mich im Innersten von ihm aufgernfcn, in allem dort zu beginnen, wo er aufgehört. Du sagtest einmal, er war Schuster nur so nebenbei. Er war alles nur nebenbei, weil er zuerst und alles umfassend Jude war. Ich stehe am Anfang; meine Gedanken kreisen noch wild durcheinander, ich verstehe noch nicht den ganzen Gedaljah, aber ich komme ihm naher und näher und einmal werde ich nicht mehr begreifen, daß es je anders sein konnte. Vielleicht bilde ich eine Ausnahme, vielleicht denken Leute meines Alters und meines Herkommens in ähnlicher Lage anders. Ich weiß es nicht. Ich kann auch nicht entscheiden, ob sie recht haben oder ich. Vielleicht muß man für meiner; Weg von einem Reb Gedalje als seinem Vorfahren wissen. Ich bin gerufen. Ich folge." Zuerst tobte Emil Blumberg. Er wollte hinsahren, den Sohn aus der unwürdigen Stellung herausholen, ein Doktor sollte Handwerker fein . . . da blickte er auf das Bild Reb Gedaljes. Er brummte, trat näher, sah lange ans den Alten, bis er lächelte. Und seltsam, seine Augen gingen aus einmal ins Weite, sehr verstehend' und' auch' etwas' verschmitzt. . Heute träumt er wieder — wenn auch heimlich nur — besonder? M er da? Bild dem Paul gegeben, von eurer Schuhfabrck frrr seinen Sohn oder zumindest vor; einem eleganten Schuhsalon. Verlauten läßt er nichts davon seitdem ihm Paul dararrs gesagt, er werde das Jndenschicksal niemals verstehen, denn er sei ein Ewig-Gestriger. Und gerade diese Nachrede hat er doch von jeher gescheut. Nai Während das Wesen der allgemeinen deutschen Presse jetzt eines der meist behandelten Themata bildet, eröffnet Arno Herzberg das Maiheft des „Morgen" mit dein rvichtigei: Beitrag „Jüdischer Journalismus heute". Auf die Tatsache des wesentlichen Lesergeivinns ans Kreisen, die bis zur nationalsozialistischen Revolution jüdisch mehr oder weniger indifferent waren, stützt er die sachlichen Folgerungen und sittlichen Forderungen für den jüdischen Journalisten in; neuen Deutschland. An das Erscheinen des ersten Bandes von Benno Jacobs Genesis-Kommentar knüpft Ludwig F e n ch t w a rr g e r s gründlicher Aussatz über „Erneuerung der Bibelwissenschast" an, der gedanklich weit über beu Nahmen einer Buchanzeige hinansgeht. Ein Stück jüdischer Geschichte bietet Meta 2 a m s o n unter dein schlichten Titel „Das möblierte Ziinmer", das Zimmer nämlich. das jetzt Zuflucht für so viele deutsche Jude,; geworden ist. die bis vor kurzem noch in mehr oder weniger bürgerlichen — ..hochherrschaftlichen" wie sie so schön hießen — Wohnungen ihr Bein; hatten. Bvm Ghetto über die Nepräsentativnsrvohnung ins nröblierte Zinrmcr, drs ist lvirklich ein nicht mehr zu tilgendes Stück Geschichte der deutschen Inden, bedeutet außer den iriatcricllen und seelischen Wandlungen, die es nnrschließt, auch eine Umwälzung im Aufgaben- und Betätignngsgebiet der jüdischen Frau. Lev B i r s ch gibt Schvlem Alejchems 75. Geburtstag Anlaß nicht nur zu einer Wnrdigung des großen jndüchen Huuroristen, sondern auch zu einer kritischen Einordnung jüdischer Autoren in die Weltliteratur. Mar Spanier widmet „Jndi'chen Betern" visionäre Verse, denen sich die Fortsetzung von Ben- G a v r i e l s Erzählung „Ter Garten des Sergeanten Dardar" anschließt. Hans Joachirn Schoeps leitet von noch ungeordneten Rachlaßpapieren Franz Kafkas Betrachtungen über dessen religiöse Existenz: „Das verlorene Gesetz", ab. mit dem Schluß, daß „das einzige Gesetz, das uns cmserlegt ist, der Adel ist; und um dieses einzige Gesetz sollten wir uns selbst bringen wollen?" Margot Rieß nennt ihre Kritik an Kulturbund-Programmen „Uebcraltcrte Former; des Kunstlebcns". Tie Ueberschrist erweckt zu Unrecht den Eindruck einer Negation: der Inhalt bringt wertvolle positive Vorschläge, und solche aufbauende und schöpferische Kritik wird der Bedeutung und dem Gcrvicht der Ausgaben des Kulturbundes im heutigen deutschen Jndenttim erst in Wahrheit gerecht. Johanna M icha e l i s berichtet über .Was Tavidsschild" in ihrem „Versuch einer Wiederaufsinbing des Symbolinhaltes". Sie verfolgt die Entstehungsgeschichte des Mögen Tovid, als dessen tiefste Deutung sic das „Höre Israel" ergründet. Tie „Presseschau" würdigt einen Aufsatz von Margarete Snsmanu über das Spannungsverhältnis zwischen Verzweiflung und Leben fewie Vorschläge Martha Wertheimer-s zur Stärkung des Mischen Lebens der auf dein Land isoliert bw,* deutschen Juden. Unter „Buchbesprechungen" S Hugo Bergmann, Jerusalem, Arnold R.etzgers „n/s noinenologie und Metaphysik" an als grundl^F^ Werk über den Relativismus. Ferner wird V, „Nachlese der Gedichte von Hugo Kesmainua^'E angeküiidigt, weiterhin jüdische Anthologien^"^., Anssatzreihe „Bon; jüdischen Geist", und Mosel' debssohn kommt als Shakechenreälebersetzer zu verdienten neuen Ehren, schließlich wird ach sehr wichtige Werk von Oskar I. Jmmwtti ,,'g^ Jows and minorily rights“ hingewiesen. " | Ein. Kennzeichen besonderer Art trägt, vielleicl-» * ganz unbeabsichtigt, dieses Maihcst des ..lttereew'- i cs zeigt den überraschend großen Anteil der am jüdischen Geistesleben. Ein MKskÄMeArr j MHsßWskiMtzr ' In der deutschen Jndcnheit zeigen sich deutlich Aiisätza einer nenerivachenden Religiosität. E.s qiit diese Ansätze zu Pflegen, um den'Juden aus der bloß passiven Rolle, die er in den letzten Jahr. ’ zehnten vielfach im religiöser; Leben spielte. einer mehr aktiven Haltung, zu eigener, lebend!, ger Religiosität hinznsichren. Air Versuchen trat'es in der letzten Zeit nicht gefehlt, am wenigsten dort, wv jüdisch-religiöses Leben seit Jahrtausmden seine Orietle hat. beim Sabbnth. Taher sainmelt auch der Israelitische Tempel-Verband zrr Jam. barg seit mehreren Jahren seine Jugend au den > Freitagabenden, lim mit ihr vor oder nach beut. ■ Gottesdienste in dem für Jngendzwecke bereitgestckt.! ten ..Beinrich-Levy-Saal" des Tempels eine' Stt-! bathstrmde zrt begehen. Ter jeweilige Leiter versucht j dabei, die Ausgestaltung des Abends in die Hände t der Jiigendliehen selbst z;^ legen. Teinenl'prechc'iid! wird beispielsweise der <->egen über die Tabbalh.; lichter, über den Kiddnschbecher. das Tischgebet I». geiidlichen übertragen. Gemeinsaincs Gebet, ge, meinsame Gesänge, sorvie Anssprache über ein ligiöses Thema, das in Fvrnr eines brrzeu Reserates eiires Jugendlichen bziv. des Jngendleiters angeschnitten wird, schasse;; jene sabbathliche Athinosphäre sriedvolken Geborgetiseiiis und seelischer Verbundenheit, die die Voraussetzung bildet für das, was heute jedem Inden wieder als Ideal vvrschwebt — Gemeiiischaft. Für diese Sabbathstnnden hat sich ein gewisser Rahmen herausgebildet, der durch entsprechende Anregungen weiter ausgestaltet werden inüßte. Tiefem Zivecke bient ein P r c i s a u 8 s ch r e i b e n des Israelitischen Tcinpel-Derbandes. Es sollen alle diejenigen zum Wettbewerb angeregt werden, die — ob jung . ob alt — durch ein eigenes Leitwort, ein eigenes Gebet (hebräisch oder deutsch), ein Ge. dicht oder dergleichen zur Erhöhung der religiösem Feierstunde beitragen können. Ta Bie Absicht be. steht, die geplante ..Ordnung" zu vervielfältigen, um ihr gegebenen Falles ganz oder teilweise Eingang in das jüdische Baus für familiäre Feiertag, abendseiern gii verschaffen, sind auch Beiträge will, kommen, die durch die äußere künstlerische Ansgc. staltung. sei es der hebräischen bzw. profanen Schrift, sei e-3 dilrch Jllustrieriiiig (man deiike an die Pessach-Haggadah) dem Ganzen eine eigene Note geben. Die Tcilnehiiier für bei; Wettbewerb sind in Altersklassen unter und über 10 Jahren eingeteilt. Vier Preise in Fori;; von Kultusgegenständen ans dem häuslichen religiösen Leben des Juden sind ausgesetzt. Einreichungstermin bis 15. In in dieses Jahres. Alles Nähere, insbesondere die Teilnahmebedingungen sind durch das Büro des Jsrae. litischen Tempel-Berbandes, Hamburg, Oberst;-. 12u, zu erfahren. b. r. vom ungeschriebenen Recht, mit ./Michael Kohl- Haas", nicht fehlen dürfen). Gerechtigkeit, Humanität und Freiheit siiid die lebendigsten Ausdrucksforiiien dieser Gedaiikemvelt, das gemeinsame Zeichen, unter dem sich die beiden Klassiker immer wieder zchammenfanden — in „Temetrius" und in „Faust", in „Ton Garlos" und „Iphigenie", in „Wallenstein" und Egmont" und in vielen anderen Dichtungen. Nicht liiir in ihrer dichterischen, sondcri; aiich in ihrer kulturpolitischen Bedeutung haben diese Probleme wett über ihre Zeit hinaus sortgewirkt, und wen;; Schiller vor; der unveränderlichen Struktur der menschlichen st-eele, wenn Goethe von der schuldlose!; Schuld der Armen spricht und alle inenschlichen Gebrechen durch reine Menschlichkeit rühmen läßt, so hat eine solche schonende^ Behandlung der dem. Menschen eingeborenen Seclenkräste/wie der Redner bemerkte, zu einer Humanisierung der Justiz nicht unwesentlich bcigetragen. Ter Grundbegriff der Freiheit hat allerdings, so elementar sie auch m 3er klassischen Lichtung zum Tnrchbrnch kam. stets in Ordnung und Gesetz eine natürliche Schranke gesunden: am sichtbarsten in Goethes reifsten; epischen Werk, den „Wahlverwandtschaften", wo die weibliche Haupisignr nur in der freiwilligen Unterordnung unter das Sittengesetz ' Entsagung z;t über; und ihre Schuld zu büßen vermag. II. L. örmZkWsrl öcr SünilltHsfife Das Hanskonzert, das von der Künstlerhilse der Jüdischen Gemeinde bei Tr. Moses veranstaltet wurde, wies eine üppige Vortragssolge ans, die durch eine geradezu barbarische Art der Zusammenstellung ungetrübte Freude nicht aufkominen ließ. Wenn nach den edlen a-cupella- Ghören von Basler und anderen Weisen des 17. Jahrhunderts und vor Schubert-Liedern ans der „Winterreise" oder den; „Schwanengesang" ein großes Traviata-Tnett gesiingen wird, so 'muß nickst nur den wahren Musikfreund ein Schauer überlaufen, sondern es spricht auch gegen den künstlerischen Geschmack der ausübenden Sänger. Obwohl Elsa K o ch - S t a b i n s!; und Julius P e i s s a ch o w i t s ch über auffallend schöne Stimmittel verfügen. Ter Baritonist jedoch beivies diesmal mit srchiiberts „Wegweiser" und den; „Ich hört' ein Bächlein rauschen", daß er mehr als nur „schön singen" kann, daß diese Grundfehler eines Konzertprogramms sich also erübrigen lassen. Köstlich sang Paula Lindberg mit Chor eins der herrlichen Ständchen von Schubert, im ziveiten Teil konnte ihre Kunst eine Erstausführung zur Wirkung bringen, wenn sie auch musikalisch nicht von Belang ivar. Die Neue Madrigalvereinigung folgte ihrem Leiter Tr. M e i s ch zu feinsten Abstufungen, manchmal fehlt dem Zusammenklang die einheitliche Fülle, die für jeden Chor ohne Begleitung von besonderer Bedeutung ist. 1<ai. München Otto Bernstein trug im Musemnssaak in München ein reichhaltiges Programm zeitgenössischer jüdischer Schriftsteller vor. Weitaus am besten gelang ihm die Wiedergabe der Prosastücke „Tie große und die kleine Menschenliebe" von Emil Bernhard Cohn, „Sara MalcAm" von Jakob Wassermann und einige chassidische Legenden von Martin Buber. Bon den vorgerragenen Gedichten litten die von Ludwig Strauß und Manfred Sturmann unter geringer Gestalthaftigfeit, während das „Schlaflied für Mirjam" und „Altern" von Richard Beer-Hosmann in. ihrer schlichten Sprache ziim Herzen gingen. Manfred Sturmann ivar persönlich anwesend und wurde wiederholt an die Rampe gerufen. Die Leistung von Otto Bernslein, der alle Stücke aus den; Gedächtnis sprach, war meisterhaft. Ulm Das Konzert des Münchner Jüdischen Vokalquartetts brachte einen erlesenen Genuß. Vier herrl'che Stimmen, geführt von dem als Komponisten synagogaler Musik hochgeschätzten Chordirigenten der Münchner großen Synagoge. Joseph Z ie g l o r, vereinten sich zu schönster Harmonie und ernteten herzlichen Beifall. Das Programm brachte Brahms ergreifendes Quartett „An die Heimat" und sein neckisches ..Wechsellied zun; Tanz". Sonja Ziegler hatte mit ihren; silbernen, hellen Sopran in Liederl; von Mendelssohn vollen Erfolg. Der frühere Bassist an der Münchener Staatsoper, Walter Nies, gab Lieder von Schubert und Schumann er- ' greifend wieder. Mit ihrer weichen Altstimme erfreute die zahlreiche Zuhvrersck)aft die von ihrer Tätigkeit am Landestheater Stuttgart her gefeierte Emma Färber.Straß e r; sie bot Lieder von Ioh. Brahms, außerdem entzückende Duette von Schmnanii zusammen mit dem bekannten ehemaligen Tenorbusfo der Atünchner Staatsoper. Kammersänger Tr. Pani Kuhn. Zum Lchluß vereinten sich in den ivnndervollen Zigeunerliedern von Brahms alle vier Stimmen. Joseph Ziegler wirkte als anschmiegsamer, musikalisch sein empsiirdender Begleiter. MM Das am 2. Mai vom Kulturbund veranstaltete Konzert brachte ausschließlich Kasseler Künstler ans das Podium. Der Pianist Kurt Havelland zeigte in Werken von Beethoven und "Chopin künstlerisch und technisch beste Leistungen. Eine Heberraschung für die Kasselaner war das Aufreten von Elisabeth Dellevie, die man hier noch nicht gehört hatte, und die durch ihre kultivierte, guttragende Stimme und wirksamen Vortrag die 'Zuhörer zu lebhaften; Beifall hinriß. Tie Sängerin A. Beine m a n n und der Geiger G e l o n k a ernteten wohlverdienten Beifall. Tie Begleitung lag bei Frieda Weiler und Dr. Alfred Dellevie in besten Händen. Slcufs Ter israelitische Männerverein veranstaltete ein Konzert m der überfüllten Synaooae. Oberkantor Fleischmnnn, Köln, auf der Orgel begleitet von Musikdirektor P t e ruber g. Köln, gab in jüdischen und. jiddischen Gesängen Proben seines vorzüglichen Könnens. Ebenso gefiel der jugendliche Geigenkünstler HanS Kaufmann, Essen; er wurde begleitet voi; Studienrat Sauerland. SMldork Im Hause Klcsitadt spielten Hoskonzertmeister Julian Gumpert und Erwin Palm Bach, Beethoven und Schubert. Dtit reifem Können und tiefgründiger Atusikalität brachte Julian Gumpert das L-ckuc-Konzert von Bach und die Chaconne zu überzeugender plastischer Darstellung. Großzügig angelegt die Sonate 0-ckur Op. 90 von Beethoven und mit liebevoller Nachzeichnung aller feinen Details das A-inoU'Scherzo von Schubert. Eriviu •jtafai musizierte dynamisch fein ausgewogen und stilgerecht. Mit ausgesprochener Tonbegabung, absolut männlick, in der Auffassung spielte 'Erna At agnus-Hagen im Hause Loeb die Sonaten Är-wr f°P^;sar Frank und O-moll von Brahrns. Mit tresssicherem Einfühlungsvermögen in die Stilarten wurde die Cäsar-Frank-Sonate schwungvoll gestaltet und der herbere Brahcus inipvnierend aus. gebaut^ Julia Rosenberg.Hngeu verfügt über eure große, in ihren Registerr; ausgeglichene Stimme, mit der sie vornehmlich Lieder ernstei; Charakters mit großen Melodiebögen vorzüglich zu interpretieren weiß. Erstaunlich ihre enorme Musikalität. Erwin Pa ln; auch hier ein guter Sachwalter des pianistischen Teils. StCDfSlÖ Glaire L e v y. H i l s e n r a t h. diplomiert bon Mary Wigman, gab vor einem 'interessiertenPuschauerkreis einen Tanzabend. Sie zeigte in einem abendfüllenden Programm zwölf eigene Taust schvpfnngen, ans denen wir als besonders eindrucksvoll die Tänze „Ter Alte" und „Tie Muttest, getanzt nach jüdischen Votksweisen. und die grmck-leir Tänze „Ter Unwiderstehliche" und „Tie TRanzierte" hervorhcben. Ans der Ausgestaltung all er Tänze, so unterschiedlich auch ihr Inhalt sem mochte, war neben der bei einer dicst Tanzlmnt Ausübenden selbstverständlichen Beherrschung de» Körpers bis zum Aeußersteneine eindruckültarke mimische Begabung erkennbar, der es vor alllm zu verdanken ist, daß statt der bei „Tanzabenden gewohnten stereotypen „Tänze" das Programm -a einer die Zuschauer . bis zum Letzten feße.nden „Tanzpantomime" wurde. Geschmackvolle, . i^) eigenen Entwürfen verfertigte Kosinme gaben icdem Tanz, auch rein äußerlich genommen, eine betonoerc Achte. Tie Begleitung hatte Dr. Ernst Levn um'.- nommen. starker Beifall des zahlreich e'."chm;c:.e. Publikums zwang die Künstlerin zu Wiederholung::.- KuIMrkrriZ ikisfcm gcgrün&cf Breslau der „K u l t u r k r c i 3 (GememchM Z Freunde jüdischer Kultur)" gegründet. .PP Wahrung der vollen Selbständigkeit^aller beiteyu den kulturellen Bereinigungen Schlesiens. in. die Veranstaltungen eine gewisse psi Mäßigkeit bringen und künsilerische Tachieu geu auch finanziell stützen. Ter Kulturkreis ■ in vier Fachgruppen: Theater. bOhifif unb Sitcjj 7 feioie Wissenschaft und bildende KunsJgGtzP I die von erprobten Kennern dieser ©elneiiarbeitet werden. Die Gruppe „Theater,Ztz seit längerer Zeit erfolgreich tätig ift, nurt> H;7 bisher der Durchführung der Gastspiele öc-j tnrbmibeS deutscher Inden Berlin widmen, stu Vorsitzenden des KultiirkreiseS onim' u S; lborberg gervählt. Ihm steht auß^o Fachgrnppenletterit ein Ehrenausschutz Sj!e. tretern aller jüdischeit Vereinigungen RE B.Z Geschäftsstelle Breslau 13, Kchiser-Wilhelm-ApR (Büro: Georg Prinz), (