Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1934-05-10 · 19 (10.5.1934) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
19 (10.5.1934)
Date
1934-05-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2277379-2278044-2278063--08566-2289590
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

- ließet VS» EsiT PsrersvU r, MiÄirKm'BWhST, Otto kkTLsr - C.Wheodov HMösV Erik PeLerson: Die Kirche aus Frrverr unv Heiven. Verlag Anton Pustet, Salzburg 1933. „Tie Schicksale der Juden in der politischen 23$ sind letzthin nicht aus der politischen, sondern cH der theologischen Sphäre zu begreifen", so schreibt der latholische Universitätsprofessor Erik 'beterson in einer Anmerkung seines neuesten Luches: -Tie Kirche aus Juden und Heiden". Er spricht damit eine Ucberzeugung aus, Die in vielen Menschen, die in dieser Zeit zum Judenproblem kritische Stellung nehmen müssen, lcbendig ist. Tie Verflochtenheit der jüdischen Welt m't den Grundgehalten der christlichen Existenz ist iv'stark, das; das Gespräch über den Sinn des judi'ck)en Echickials nach allen inncrweltlichen Erklärungsversuchen immer wieder zur religiösen Fragestellung zurückkehren muß. Das Phänomen de:'jüdischen Glaubenswirklichkeit steht so erneut zur Tiskussion. Veterson sucht die besondere Situation des Judentums in der Welt durch eine zeitnahe Auslcaung der Kapitel 9 bis 11 des Römer-Brieses verstündlich zu machen. Tort schildert bekanntlich der ppoüel Paulus unter Zugrundelegung seines eigenen Weges vom Judentuin zum Christentum die Pelle, die Israel nach der Stiftung des Neuen Lundes im göttlichen Weltplan zugefallen ist. Nach inner Ileberzeugimg ist das Erstgeburtsrecht, das cin>l Israel zu eigen war, an die Christenheit überge.gangcn. Tie Kirche ist das wahre Israel geworden. Ill die Judenheit damit dem Untergang geweiht? Tavou kann nach Paulus' Meinung keine Rede sein. Tie Blindheit des jüdischen Volkes ist in den Ratschluß Gotes einbezogen. Sie ermöglicht cs, daß das Christentum zuerst zu den Heiden gebracht wird. Iireel bleibt des ungeachtet die „Wurzel", die alles trügt, das von Gott auserwählte Volk, das am bade der Tage, wenn die Vollzahl der Heiden belicht ist. das Heil schauen und von seinein falschen Weg laßen wird. Tann erst wird der neue Bund seiner Vollendung entgegengereist sein und die Kirche wird das Ziel erreicht haben, das mit der Lnstung gemeint war: sie wird die Kirche aus Heiden und Juden geworden sein. Luerwns Bemühen geht nun dahin, die Panlinische Vinon im Hinblick auf die heutige jüdische Situation auszudeuten und theologisch durchsichtig ::: wachen. Dabei richtet er sein Hauptaugenmerk Maus, das im Römer-Brief vorausgesagte Berchen des in seiner eigenen religiösen Anschauung verharrenden Judentums an naheliegenden Beispielen zu erklären. So meint er, der an der Wirklichkeit der Welt orientierte Blick des Juden, der schon im Alten Testament Gott an die Gesetzescnüllung des Menschen habe binden wollen, lasse es verständlich erscheinen, daß sich sein Gerechtigkeilseiier innner nur in der Sphäre des Natürlichen und Irdischen auswirke. Darum dränge sich der Jude so leidenschaftlich gern in die Politik, in den Cozialismus, in den Pazifismus, in die Publizistik. Satt aber dort für die Gerechtigkeit Gottes zu cnern, e r eifere er sich nur selbst, wolle er nur eine Welt, die seinem eigenen Ideal entspricht, ausrich. teu. Der so an sich und seine eigens Gesetzlichkeit gekettete Jude könne nie der wahren Freiheit in Cott teilhaftig werden. Es dürfe darum auch nicht wundernehmcn. daß die Judenheit, solange sie die Linde der Verstocktheit vor den Augen tragen ein Böen der Unfreiheit und Enge, der Knechtung und der Unruhe zu führen verurteilt sei. Tie theologische Ausrichtung, .die Peterson in all seinen Erörterungen zu wahren sucht, wird durch den Hinweis noch besonders unterstrichen, daß trotz aller auf- R;eigten Mängel keine Macht der Welt das Judentum ausrotten könne, ja, daß die Juden sich noch nicht einmal selbst zu vernichten in der Lage luärcn, weil das Schicksal Israels nach dem Zeugnis des Men und Neuen Testaments der Gnade Gottes überantwortet ist. Das Gebet der Kirche über das verlorene . Israel am Karfreitag bestehe daher zu Pecht. B!üher-Schoeps: „Streit um Israel". Hanseatische Verlagsarrstalt 1933 . Innerhalb der theologischen Sphäre bewegt sich vuch das „jüdisch-christliche Gespräch" zwischen. Hans ^lüher und Hans Joachim Schoeps, das die 'danieatische Verlagsanstalt (Hamburg 1933) als Buch unter dein Titel „Streitu m Israel" her- . vusgebracht hat. Dlühers Deduktionen gipfeln in dun Nachweis, daß es überhaupt keine Gemeinsamkeit ow'.schen Juden und Christen geben könne. Das Elanbensorgan des Juden sei sein von Abraham her ^gezüchtetes. durch den Sinai-Bund bestätigtes ..sakrales Blut". Das blutgebundene religiöse Er- 'cnntnisvermögcn Israels sei aber in den Tagen der ^ourt Jesu ausgewichcn und in die Irre gegangen, church, diese Fehlleistung in entscheidender Stunde Ki der Blutsegen in sein Gegenteil verkehrt worden, ^itdem habe das Judentum die Nvlle des Anti- Listen in der Welt übernommen. Tie Tatsache, daß I den Säkularisationsprozcß des Abendlandes entiujeidend beeinflußt habe, sei nicht zufällig, sondern ^escneinäßig in seinem religiösen Bundesbegrisf. in mv der Mensch aus eine Stufe mit Gott gestellt ^verde, gegeben. Ter Blutbann wirke sich so durch Generationen hindurch aus und könne auch nicht, svZ es vom Assimilationsjudentum versucht worden durch Mischehen aufgehoben und getilgt werden, jüdische Blut habe eben dank seiner sakramcn- -Vlen Bedeutung immer den Vorrang vor anderem springe deshalb auch immer aus den fremden Leibern heraus. Mit anderen Worten: im Grunde genommen könne das jüdische Blut sich gar nickst mrschen. Ein Untertauchen Israels in der Christenpert in geistlichem Sinne sei aber auch unmöglich, weil das Organ, mit dem im Christentum Gott ersaßt wird, ein ganz anderes sei, als im Judentum, ^.ort das Blut, hier die Liebe in Form des durch die Erscheinung Christi gewandelten heidnischen Eros. Hierzu aber habe der Jude keinen Zugang. Folglich unisse er immer im Ghetto, als Metöke (was Blüher mit „Mitbewohner" übersetzt) unter den Völkern leben. Sein so geartetes Tasein sei aber trotzdem sinnhast/ weil Gott offenbar diese Form für Israel gewählt habe, damit, cs als Vcrsuchungsmacht für die Christenheit seine Wirkung aus Erden ausüben könne. Es soll gern zugegeben werden, daß .Hans Joachim Schoeps in seiner Entgegnung sich die erdenklichste Mühe gibt, die Seele seines Widerparts zu verstehen und mit wohlgesetzten Worten für seine eigene Sache zu erwärmen. Er hofft, sein Ziel um so eher erreichen zu können, als er einen gesteigerten Wert darauf legt, sich desselben nicht leicht zu meisternden Stils und der 'gleichen eigenartigen Terminologie seines Gegners zu bedienen., Dabei übersieht er nur, daß die jüdische Position durch solche Sprachvermengung nicht deutlicher wird-und der Gegner, unangenehm durch die gewollte Angleichung berührt, die Brücke, die über den Abgrund «der Mißverständnisse gelegt werden sollte, frühzeitig hochzieht, um nicht weiter belästigt zu werden. gottesgedankens. Der konservative wie der revolutionäre Geist des Juden gründen so in ein und derselben Haltung. Das Judentum steht nicht an, die Unterschiede in der Welt zu bejahen, in der Hoffnung, daß der göttliche Geist, der ja oberhalb dieser Treunungslinien weht, die Bürgschaft für die lebensmäßig zu schassende Einheit unter den Menschen gewährleistet. Das Judentum sagt es oft in seinen Schriften, daß die Gottestore offen stehen für alle, die durch sie eingehen wollen. Darum kann Buber der.Missionsabsicht, die in den ehrlichen Worten seines Gesprächspartners mitschwingt, mit der seines eigenen Glaubens sicheren Ruhe begegnen: „Der Christ braucht nicht durchs Judentum, der Jude nicht durchs Christentum zu gehen, um zu Gott zu kommen." Or. llugo Laim (Essen). Buber - Schmidt: „Zwiegespräch." Theologische Blätter, September 1933 Die vollgültige Antwort des Judentums auf die neu ausgeworfene Fragestellung hat von hoher theologischer Warte aus Professor Martin Buber in einem im Nahmen des Stuttgarter jüdischen Lehrhauses mit dem evangelischen Thevlogisprofessor Karl'Ludwig Schmidt geführten ZwiegespräckM gegeben (Theologische Blätter. Septein der 1233). Schmidts Anliegen ist es, zunächst die gemeinsame Ebene, von der aus ein solches Elaubensgespräch überhaupt geführt werden kann, herauszuarbeiten. Dabei ergibt es sich ihm, daß der Israel-Beruf, den Judentum und christliche Kirche für sich in Anspruch nehmen, das Band ist, das beide zusammenhält. Beide harren des Gottes- ' reiches auf Erden, des NeiäM der Wahrheit und der Einung. So gesehen existiert das Judentum nicht als Volk unter Völkern, sondern bei allem bluthaften Zusammenhang vom Rufe Gottes her. Soweit die Judenheit sich ihres Israel-Berufes bewußt bleibt, versteht sie sich je und je als der besonders ausgezeichnete Knecht Gottes. Während die Kirche nun glaubt, daß der Knecht GotteS in Jesus Personenhaft erschienen ist, lehnt das Judentum dies Bekenntnis ab. Das ganze Bemühen des Christentums kann darum nur darauf konzentriert sein, den Juden aus seinem unerfüllten Israel-Kreis in das erfüllte Israel der Kirche zu führen. Tie Gefahr, die ein von; Israel-Beruf abfallendes Judentum für die Völker der Welt haben könnte, wird durch diese Ausgabe der Kirche, die der Judenmissiou erst ihren Rang und ihre Würde gibt, aufgehoben. Martin Buber gibt zu, daß die Kirche auf Grund ihres Heilsanspruches das wahre Israel 31t sein, im Judentum ein von Gott verworfenes Wesen sehen muß. Ter Jude weiß aber um sein Jsrael-Sein von innen her: und da weiß er, daß er trotz tausendfachen Abfalls von Gott nicht verworfen ist, daß in aller Züchtigung, die über ihn verhängt wurde Gottes Hand ihn hält und ihn nicht losläßt. So steht ein au-s den Glaubenswurzeln erzeugtes Wissen gegen das andere. Ist da das Ziel aller Jsrael-Erwartung, die Einung unter der Königsherrschaft ■ Gottes, überhaupt noch erkennbar? Ter Weg über die Botschaft Jesu ist dem Juden versperrt, weil er in seinem Schicksal immer wieder die Unerlöstheit der Welt erlebt. So bleibt nur der andere Weg. „Jedes echte Heiligtum kann das Geheimnis eines anderen echten Heiligtmns anerkennen. Das Geheimnis des anderen ist innen in ihm und kann nicht von außen her wahrgenommen werden. Und kein Mensch außerhalb der Christenheit weiß um das Geheimnis der Christenheit. Aber nichtwisseud können sie einander im Geheimnis anerkennen." Nicht indem wir uns jeder um seine Glaubens- Wirklichkeit drücken, nicht indem wir trotz der Verschiedenheit ein Miteinander erschleichen Mollen, wohl aber indem wir unter Anerkennung der ' Grundverschiedenheiten in rückhaltlosem Vertrauen einander mitteilen, was wir von der Gestaltung der Einheit wissen, dienen wir getrennt und doch miteinander dem Aufbau der Welt. Kein Mensch außerhalb von Israel weiß um das Geheimnis Israels. Darum darf auch das Judentum trotz seiner Knechtsgcstalt unter den Völkern der Welt seinen SendungSaustrag nicht Preisgeben. Weil eS sich berufen weiß, die Verwirklichung des Königtums Gottes aus Erden mit herbeizuführen, darf es an der Ausgestaltung der gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung der menschlichen Gesellschaft nie uninteressiert sein. Zugleich zeigt sich ihm aber bei der Konfrontierung des Bestehenden mit dem von den Propheten gezeichneten Endziel die Unzulänglichkeit - aller menschlichen Realisierungsversuche. Darum darf sich der Jude einerseits nie vom Staate abwenden, anderseits muß er immer «ehnsucht haben nach der Erfüllung des'in der Bibel gekündeten Reichs- Theodor: £acdcvt „Was ist der Mensch?" Verlag Jalkob Hegener, Leipzig 1934. In der Formung des sich umgestaltenden und umwertcnden Lebens des gegenwärtigen deutschen Geschehens ist der merkliche, doch ungenannte Untergrund der sich vorwärtstreibenden Entwicklung durch eine neue Sinngebung des Begriffes „Mensch" gefestet. Alle Nassentheorie, aller energiegeladene Wille zu geistiger und seelischer Durchdringung politischen Zielstrebens nu'indet in jene uralte, die Menschheit bewegende Kulturfrage: „Was i'st der M c n s ech?" Unter den mannigfachen philosophischen Antworten der Gegenwart ragt eine Antwort hervor, nicht nur darum, weil sie gegen Spengler und Scheier (den zwei sprachgewaltigsteu und meistbeeinflussenden Gegenwartsphilosopheu) sich erfolgreich wendet, sondern auch, weil sie dein Zeitgeist ihren W a h r h e i t s s p i e g e l vorhält. Theodor Ha eck er hat bei Jakob Hegener in Leipzig ein Buch herausgestellt, das den Titel trügt: „W a s i st der M e n s ch?" Das Motto dieser Schrist lautet: „Fadannis Hominem ad iinngincm et wiinililudiiiem nostram“ — „Machen wir den Menschen in unserem Bild nach unserem Gleichnis!" Sie sollen schalten über das Fischvolk des Meeres, den Vogel des Himmels, das Getier, die Erde all, und alles Gerege, das auf Erden sich regt. (Gen. 1, 26.) Die a l t j ü.d i s ch e Antwort, auf das Problem der Sinngebung des Menschen, das Wort von seiner Gottesebenüilülichkeit, wird hier in der ganzen Kraft ihrer ewigen Aktualität von einem tiefkatholischcu, tiesphilosophischen Theologen als Forderung und Sinngebung mit glühender Ueberzeugungswucht wieder zum Leben erweckt. Daß Th. Haecker den Geist des „Alten Testamentes" durch das C h r i st e n t u in e r st erfüllbar und vollendet sieht, liegt in der Linie kirchlichen Denkens, das dem Judentum seine Daseinsberechtigung abspricht, weil es den alttestamentarischen Geist zn umspannen verineint. Doch das Requiem Hacckers für das Judentum ist so wohlwollend, daß es auch wohltuend wirkt. Mit welcher Ehrfurcht spricht er von der heiligen Geschichte d e s I u d e n t u m s! — „Es ist das erstaunliche, nie genug vorgestellte und bedachte, durch ihre Auserwühltheit bedingte Privilegium der Juden bis zur Entstehung des Christentums gewesen, eines, das es vorher nicht gegeben hat und das nachher nie wiederholt worden ist: eine Heilige Geschichte zu haben. Dem Judentum ist cs genommen worden, und das Christentum hat es nicht übernommen." Jenes Privilegium der Heiligen Geschichte hat demnach auch der Christ nicht, und ihm wird cs znr Ausgabe gesetzt, durch rechte Sinngebung des Begriffes „Mensch", durch das Streben nach Seelenheil, als Gottes Ebenbild, den letzten Sinn aller Geschichte, die „Gloria Dei“, zu erwerben. Der Sinn dieser Geschichte aber i st von Ewigkeit her da. Alle letzte Harmonie, alle Einheit der Menschen ist durch das zentrale Glaubenssaktum von der Vorherrschaft des G e i st e s über das Bmt, d. i. von der Gottcbenbildlichkeit des Menschen, bestimmt. Die wichtigste Bewährung der Theologie in der Gegenwart wird darum in der Kraft gesehen, mit der sie den Gedanken vertritt, daß der Mensch nicht nur in einer Gesellschaftsordnung steht, sondern auch ist, „eine göttliche Idee und also eine Tiefe des Seins, und mlso eine gewaltige Realität." Die. Theologie wird also in der Ordnung der Wissenschaften wieder' an der Spitze zu steheix haben, um die Realität wahren Menschseins gegen das Chaos abzugrenzem ' Das Chaos der Menschen wird immer vom Menschen selbst bewirkt, die die lvahre . Ordnung, die Hierarchie des Heiligen („heilig, heilig, heilig ist der Ewige Zebaoth") derkennen., und nicht ersürchteu. Die Pervertierung dieser Ordnung macht Pen Menschen aus einem Ebenbild Gottes zu einem „liomme machine“, der Sklave, des „Automaten", anstatt Herr des Werkzeuges ist. Wie in der Philosophie das Primat des Denkens vor dem Tun anzuerkenncn ist, so habe in der,Sphäre des praktischen Lebens immer nur der religiöse Geist zu entscheiden, der aus deur Alten Testament sich die Weisheit der Antwort zu holen Haber Der Mensch ist im Ebenbilde Gottes geschaffen. Für uns Juden enthält die Wertung des Judentums durch Haecker eine heiligernste Geschichts- Mahnung. Das Judentum stehe in einer natürlich und übernatürlich bestimmten. Eiuzigartiglieit, allen Völkern unvergleichbar gegenüber. Dieses Anderssein aber-zwingt uns doppelt, der Antwort ans die Frage der Sinngebung deS Menschen durch unser Streben nach - Gottebenbildlichkeit^u entsprechen,. - Wir müssen uns augerufen fühlen, 'von der Geistigkeit eines Menschen, der die Tiefe des jüdischen Falls mißt an dem Standort, den sie selbst der Verwirklichung dieser Sinngebn.Urg gegenüber einnehmen. Gesundung von Wirtschaft und Politik können weder vom Denken Spenglers hertvnunen, der inr Menschen nur ein übermächtiges „Raubtier" sicht, noch von Schelerscher Sinngebung, die den Vien-' scheu zum „Erlöser Gottes" machen will, sondern allein durch eine Erklär n n g d e s Rt e n s ch c it v 0 n oben her. Das heißt, daß vor der Frage nach dem Sein des Ntenschen, die nach Gott kommen muß. Nur wenn unsere Zeit diese Frage wieder stellen lernt, mir wenn sie Gott rveis; als die absolute Gerechtigkeit, als den Geist.-der dem Menschen Geist znr Sinngebung seines Wvllen.s geschenkt hat, mir daun, uummi d e r Mensch wieder nicht s andere s s e i n mi l l als 0 i u Bild Gott e s (was jc'i'.echllnn alles einbegreist), ivird er das von ihm, hervorgecusene Chaos ivaudcln köinieu in Ordnung. Bis dahin ist die Sinngebung deS Menschen so voll dem jüdischen Weltbild entsprechend, daß es für jüdische Ntenschen eigentlich keines besvndereir Erweises bedarf,. I)r. Davin Schönberger, Aachen. 5. Otto Karrer: „Das Neligiösc irr Ver Menschheit rrnd Vers EhristenLnm", Bcr^ lag Herder, Frciburg i. Br. 1934 Der Autor, der seine katholische Halümg immer wieder sehr deutlich zum Ausdruck bringt — sie erschwert i!),u wie so vielen nicht jüdischen Forsclierii, die das Gebiet der Religivnsgeschichte bearbeiten, ein richtiges Wesensverständnis des Judentums — ruft mit eindringlichen Wvrteu zu religiöser Toleranz auf. Schon in der Einleitung zu seiner Schrift umreißt er klar das Grundsätzliche seiner Stellungnahme. Wenn wir religiöses und sittliches Streben über die ganze Ntenschheit hin verbreitet finden, sind wir als Christen nicht gezwungen, es zu verleugn.eu. Mag auch der Gottesglaubc, wie ihn der Israelit vder Christ als den wahren schaut, in den verschiedenen ' Religionen vst durch einen seltsamen Wildwuchs von Mhthvlogien und Gedanleudichkuugeu, kultischen Bräuchen und aberglänbischeu Riten nur schwer erkennbar sein: ein Kern davoic ist überall da. so;vahrhast uüe der Geist „die Sprache die Sittlichkeit" (S. 3f.) . . . wer nur ans die Auswüchse des Religiösen sähe, wird nie das wahre Wesen erkennen — nicht einmal des Christentums selbst, dem cs kaum se an Entstellung und iRißbrauch gefehlt hat, unbeschadet der Reinheit seiner Idee. Wir beurteilen ja auch den Gesundheitszustand eines Volkes nicht, indem wir nur durch die Hospitäler gehen, und das sittliche Niveau,nicht nur, indem wir die Gcfängnisbewvhner befragen." (S. 4.) Sehr beachtenswert sind auch die folgenden Bemerkungen: „Eine Genugtuung erfüllt uns mit Recht darüber, daß im heutigen Kirchenrecht die Gewalt in Glaubenssachen verworfen ist. Man könnte ja freilich versucht sein, sich zu schämen, daß eine so primitive Selbstverständlichkeit noch eigens ausgesprochen werden muß. Indes, mit Recht freut man sich des Fortschritts. Was aber werden >vir sagen, ivenn man urit dein Himveis aus gewisse Vorkommnisse bis in die neueste Zeit uns fragt, was für ein Unterschied sei, ob man mit Tortur und Scheiter- - hausen gegen Andersdcickende vorgeht vder mit der verwundenden Schärfe liebloser Worte, die vst mit religiöser Festigkeit verwechselt werden: vb es ein religiöser Unterschied sei oder des rein profanen Kul'turuiveaus? Taick der Aufklärung stehen wir heute nicht mehr im Zeichen der Inquisition, aber sin.d wir auch gänzlich, aus religiösem Grunde, fern ihrem Geiste?" (L. 243.) In diesem Zrümnmenhaug -ruft Karrer nock) einmal zu mustergültiger religiöser Toleranz auf. „Cs gibt einen ,dunklen Geist', und vor den Pforten der Kirche sageir uns ehrliche religiöse Menschen, er sei das große Aergernis und die große Hemmung für die Gutgesimrten: daß mnu nichts sehen und anerkennen wolle als — sich selbst: bei sich nur Großes und Göttliches außer sich nur Trüminer und Finsternis und ,Welt', in den Mängeln und Irrungen der anderen Schäden, die das Mark der Religiolr aushöhlen, in den eigenen, wenn man sie überhaupt zugebe, selbstverständlich nur zufällige, das Heilige selber nicht berührende Menschlichkeiten, für die Religion vvn keinem Belang, weil jn dvch ,alles Große klein wird in Meüschanhand!' Eine Inkonsequenz und objektive Unwahrhastigleit an der Stelle, wo sie zu allerletzt bestehen kann, inr Religiösen!" (S. 243.) Dr. Ernst Steckclmachcr. W’higad'to l'wiaeho. Hagodoh sehel Pessach. Nach den Forschungen prabbtucv Samson Na.pl)acl Hirschs erläutert von Tr. 2t. Michalstr. Frazrkfurt, I. Kausfruann- Bevlag, 1934. Brosch. 2 NM, geb. 3 NM. Wenn wir auch erst nach Pessach auf diese neue - Hagadah Hinweisen, so setzt dies den ihr eigenen Werk und ihre spezielle Aufgabe nicht herab. Es ist nämlich nicht so sehr ein Hagadah für den praktischen Gebrauch am Ssederabend — schon die äußere einfache Aufmachung ohne jeden Bildschmuck unterscheidet sie von anderen Ausgaben — als ein Buch für den nachdeukcndeu orthodoxen Juden-, der in den Sinn des Ganzen eingesührt werden will. Zu allen Abschnitten werden religiöse- Erklärungen gegeben, die sich an das System S. R. Hirschs anschließen. Dabei kommt-der eigentliche eiufackie Sinn der Lätze oftmals zu kurz, und kleine philologische Erklärungen oder Hinweise aus den Ausbau, die Zusammenstellung oder die Herkunft der einzelnen Stücke sonne ans den historisch.realen Sinn .würden bei den sich oft wiederholenden-religiösen Darlegungen angenehm empfunden werden. l . . I-\ Ar. Der Jüdischen Buch-Vereinigung (Berlin W15, ' Pariser Straße 7; Tel. J 2 Clios 6?6) ist es gelungen, den letzten großen Roman Jaeob Wassermanns für ihre Mitglieder zu erwerben. Ter Roman . .führt ben Titel „Kerkpovens dritte Existenz" und ist - der letzte Teil der Trilogie, die mit dein „Fall Atauritius" begann. Ter Roman enthält 6-10 Seiten und erscheint in zwei Bänden. Ter erste. Band wird am 15. Juni ausgegeben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.