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Central-Verein-Zeitung · 1934-05-10 · 19 (10.5.1934) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
19 (10.5.1934)
Date
1934-05-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Aemlern und wurden Dum «Keliijiundbcfeiuitmd unabhängig erklärt wird. Bemerkenswert ist ferner die Präambel der Verfassung, die folgenden Wortlaut hat: „Im Namen Gottes, des Allmächtigen, von denn alles Nccht auSgcht, erhält das österreichische Volk für seineil christlich'deutschen Bundesstaat auf ständischer Grundlage diese Bersassnng." Jedoch lann, ivie der Präsident der Wiener Israelitischen Kullusgeineinbe Dr. Desider Fried* mann in einer großen jüdischen Versammlung ausführte, diese Bestimmung in keiner Weise in .einem irgendwie gearteten antijüdischen Sinne miS«- gelegt iverden. Sie bedeutet nur eine stärkere Her-' Vorhebung des religiösen Gestchtspmlktes innerhalb de8 StachswesenS. Bericht des Sberksmmülars Maköonold . Am 2. 3Jlrti lvurde in London die zweite Tagung des Berwaltlingsrats eröffnet, der denr Oberkominissariat für Ansivandorerfürsorge ungegliedert ist und der aus den Vertretern der an der Hilfsaktion interessierten Staaten zusammengesetzt ist. Cbcv« löunnissar James G. Blacdonald erstattete einen anSsührlichen. Bericht über die Anfgaben und bisherigen Arbeiten des OberkonniiissariatS. Gr stellte zunächst fest, das; alle Pressemeldungen über umfangreiche Ansiedlungsa'itioncn den Tatsachen nicht entsprechen. Insbesondere seien die Meldungen über große Sicdlungsprojelte in südnmeritanisehen Staaten unrichtig. Alle Staaten, mit denen mau bisher verhandelt habe, seien zioar durchaus bereit, kleinere Gruppen von Siedlern bevorzugt zu behandeln, für Unternchiuuugeu größeren Ausmaßes, H'ic sie in den letzlen Tagen in Pressemeldungen in Aussicht gestellt ivurdeu, sei leider uocch leine Möglirhleit vorhanden. Gs scijlvebeu Plane für Ansiedlnngen großen AlaßstabS in einigen überseeischen Ländern, und einige dieser' Pläne würden Volk Grpcrtcnkvinmissivncn geprüft, doch gebe cS vorläufig leinerlei Iinanzinstrninente zu ihrer Tnrchsnhrnng. Nlacdonald hob hervor, daß heute Palästina so ziemlich das einzige Gebiet sei, das die Möglichkeit der Ansiedlnng von Ausgelvandcrten in nenilenswcrtem llmfang biete. Macdonald gab sodann einen lleberblicl über die Verteilung der aus Tentschland Aiisgeioanderten,. die sich schäßnngsweise ans »»)- bis 7<) 000 Inden und Nichtjndcn znsammensehen. Tie Zahl. der l'tün'ioanderer nach Tentschland sei durch lvcitere Ansioandernng aufgehoben ivvrden. Es sei gelungen, eine bessere Verteilung der Ansgclvanderten hcrbeiznfnhren, und insbesondere die Nachbarländer TentschlandS wesentlich zu entlasten. 10 000 Inden etiva hätten in Palästina ein Heim gesunden, dan.eben seien einige tausend Personen ans europäischen Ländern nach Nord- und Südamerika und in verschiedene asrilanisepe und australische Länder gelangt. Tie Zahl derjenigen Ausgewanderten, die von den Hilsslomitees unterstützt werden müssen, sei int ständigen Sinlen begriffen. Das Hauptproblem der Auswnndercrsnrsorge sei, die Menschen möglichst schnell ans den Ländern zeitweiligen Asyls in neue dauernde Heimstäiten zu bringen. Macdonald richtete an die Negierungen aller Länder die dringende Bitte, im Sinne der von der Böllcrbiindsversammliing angenommenen Resolution mitznhetfen, den Ausgelvandcrten den Ansban eines neuen Lebens zn ermöglichen. Gin besonders schlvieriges Problem ist nach Macdonalds Bericht die Lage der staatenlosen Ansivanderer. Bisher haben mir die polnische und die schlvedische Negierung sich bereit erklärt, staatenlose Auswanderer in der gleichen Weise zn beliandeln wne die noch im Besch einer Siaatsange- Ijörigleit Befindlichen. Tie übrigen Staaten haben sich dieser. Erklärung bisher noch nicht angesrhlosscn. B-acdonald bat den Verwaltungsrat, die vom ständigen Zlvinitee im Interesse der Staatenlosen beschlossene Empfehlung zn belräftigen und sic dahin zu ergänzen, daß Staaten allen jenen Staatenlosen, deren Identitätsmrd Neiscdotnmentc abgelanfen sind, neue dc'rarüge Dokumente ansstellen mögen, sofern sich die Belressenden nichts zn.Schulden kommen lassen. Tie Abschiebung von Staatenlosen in ein Land, das ihnen kein Visum erteilt hat. führe für die unschuldig Betroffenen 31t den schwersten Nachteilen. Jur Frage der Arbeitsbeschaffung erklärte Macdvnald: cs sei falsch, zn behaupten, die Auswanderer seien im allgemeinen eine Last für die Länder, in die sie gekommen sind. Es sind von Ausgewanderten vielfach Unternehmen eingerichtet ivvrden, die auch Einheimischen Arbeitsmvglichkcit geboten haben. Außerdem seien durch die Hilfst orgauisationeu große aus dem Ausland stannnende Beträge ansgcgeben worden, so daß in geivissein Umfang von einer durch die Einwanderer herbeigeführten Wirtschastsbelelmng gesprochen werden könne. Tie Frage der Verteilung von ArbeitSerlaubmssen solle daher nicht 31t streng behandelt werden. Wichtig sei die Berussumschichtung der Auswanderer, besonders in manuelle Berufe als Voraussetzung der Einordnung in neue Länder. Ter Obcrkommissar erwähnte die Hilssarbeit der jüdischen und nichtsndischen Organisationen, die sich gerade diesen Problemen besonders gewidmet hätten, und hob u. a. insbesondere die Tätigkeit der Gesellschaft Ort und der Ose hervor. Gr erivähnte die Einrichtung des Wcrkdvrses an der Zuidersee in Holland, die Ausbildungsstätten in England, Frankreich und Dänemark. Besondere Aufmerksamkeit sei der Akademikerhilfe geschenkt worden. Es gäbe wahrscheinlich über G000 ansgewanderte Angehörige freier Berufe. Etiva 400 Akademiker haben außerhalb Tcntschlands zeitweilig und dauernd durch Forschungsplätze, die aus besonderen Fonds sinanziert ivurdeu, Stellung gesunden. In Beantivvrtung einer Anfrage erklärte' Macdonald: die angegebenen Ziffern der AuLgeivandertcn in verschiedenen Ländern beruhen mir ans Schätzungen und seien vermutlich zu niedrig gegriffen. Es fehle vorläufig der notlvendige Apparat zur genaueren zahlenmäßigen Erfassung der Ansgeivauderlen. Gr hob als besonders bedeutungsvoll hervor, daß die jüdischen Organisationen sich überall durch die Tat bereit gezeigt hätten, ans den ihnen zur Verfügnng stehenden Fonds auch Nichtjndcn zu unterstützen. Das müsse um sv mehr hervvrgchobeu iverden, als ihn ba3 Versagen der christlichen Welt in der Hilfsaktion aufs stärkste enttäuscht habe. Wäre von dieser Seite so viel geschehe», ivie seitens der jüdischen reife, so gäbe cs überhaupt lein finanzielles Problem. Es sei wichtig, daß eine solche Feststellung gerade von einer .Nörperschast ivie dem Verivaltungsrat getrvfsen wird, in der Inden nicht vertreten, sind. Ter Oberkvmmissar schloß mit einem Tank all alle im Hilssiuerk tätigen Männer und Fracien. Besoliderer Tank gebühre der dauernden großzügigen Hilfsarbeit des American Tistributivn Eonntce. der Ica, dem Gentral British Fund und der Iewish Agency. Ohne die Arbeit dieser Organisationen hätte nur ivenig geschehen können. Kßüs GmEm hU FMMMM ' IulinS Streicher hielt anläßlich der liebernähme der Leitung der Negierung von Mittel¬ und Oberfranken durch den Gauleiter im Prunkfaal des Schlosses zu Ansbach eine Ansprache, in der er nach dem Bericht der „Fränkischen Tageszeitung" vom 7. Mai unter anderem überdie Kirchenfrage und über die Indenfrage sprach. Aus seinen Ausführungen über die Kirchonfrage entnehmen wir folgenden Satz: „Niemand hat das Recht dazu, die Nachkommen der Ehristnsmörder als GotteSvvlk anzusprechcn ..." . - _ Zur Indensrage sagte er: „Das deutsche Volk hat die Verpflichtung, hier bis zum endgültigen Siege zu kämpfen und der deutsche Beamte muß da vorbildlich voran« gehen. Wer glaubt, gegen dieses Gesetz verstoßen zu müssen, der ivird mich znm uuerbitt« Itfljcn Gegner haben. Jedoch der Sieg in dieser Frage ivird nicht durch Ungesetzlichkeiten ge-- wonnen. Wohl mag mau mich in Emigrantenhetzblättcrn den blutigen Z-ireu von Franken nennen, mag herausschreien in alle Welt, ich würde nun die Tatsache, daß ich die Politische Führung übernommen liabe, benutzen, um ein Pogrom anzurichten. Ich erkläre hier feierlich vor aller Welt, daß'ich es war, der es verhütete, daß in dieser Beziehung Unheil angerichtet wurde. Niemals habe ich einen Befehl gegeben, der ungesetzlich ivar, obivohl diejenigen, die mich hier angre-iscu, die mich beschimpften und die nun unter meinem Schutz als Führer Frankens stehen, e8 verdient hätten, daß man sie, ob ihrer Verbrechen der letzten vierzehn Jahre, anders behandelt hätte als das geschehen ist. Aber iver die Iudenfrage erkannt hat, wer begriffen, daß die Nassenfrage der Schlüssel zur Weltgeschichte ist. der weiß auch, daß ihre Lösung nicht auf dem Wege ungesetzlicher Ginzelaktiouen, aus beut Wege von Geivaltakten zu suchen ist, sondern allein zustandekommt, indem wir das Volk aufklären, daß alle den Feind wahrhaftig erkennen und gegen ihn, wie eine eiserne Mauer, znsainmcnstehen in geistiger Abwehr, so, ivie wir hier in F-ranlcn es begonnen haben!" Was ist mW? Im „Zcntralblatt für Landärzte", Nr. 14, Neustadt an der Haardt, lesen wir unter der lieberschrift: „LllaS ist'arisch?" „Dr. Johann von L e e r s, Berlin-Dahlem: Zusammenstellung und Erläuterung des Begriffes. Arisch ist immer derjenige, der kein (im arischen Sinne) minderrassiges Blut trägt. Zn den Minderrassigen gehören, außer den Inden, die anßercnrvpäischen^Primitivrassen (Neger, Indianer usw.), die relativ kulturnnsähig sind. Tie hohen Kulturrassen des fernen Ostens sind nicht als primitivrassig, sondern als anderSrassig anznsehen." Die minderrassigen Juden haben die Zehn Gebote, die Bibel nnb die Grundlagen des EhristcntuinS nnd des Islam hcrvorgebracht. M OS' ßitsßc tßifoctticlfecn / Uoii ßco 6)it Ein Stein wird gegen mich geschleudert. ■ ich fange ihn aus und werfe ihn weiter aus den Nächsten. Auf meinen Nächsten.' Der . Nächste ist — der Ostjude. GZ gibt Hunderte unb aber Hunderte deutscher Juden, deren Nächster, wenn cs sich um das (theoretische) Steinigen dreht, der Ostjude ist. TaS ist eine sehr bequeme und freundliche Art, sich zu -verhalten, und ich sehe schon unzählige Fmger aus unzählige ängstliche Münder legen: pstt, pßt, bloft iiicht davon sprechen, cs geht, uns nicht so berühmt, daß wir auch noch mm internen Angelegenheiten . . . lieber nicht . . . Alan fennt ja diese Schalmei, es ist Vergangenheitsmnsik. wir wollen nichts mehr davon .hören. Es ist notwendig, offen und ehrlich ' zu sprechen, und ivenn wir uns jetzt nicht von . diesem Verschäuitheitssudeiituiu emanzipieren, ' wann denn? Und ivenn wir jetzt nicht Menschen werden, wann denn? Znm Menschwerden, zmn Jndesein gehört, daß man auch -sein Unglück allein für sich aussteht. Einen Prügelknaben sollten wenigstens wir nicht mehr nötig haben. Der Begriff „Ostjude" muß zunächst einmal mit Vorsicht verwendet iverden. Gr hat Widerhaken nnd Selbslschüsse. . „Ost" ist ja ein geographischer Ausdruck. Für den Franzosen sind ivir die Ostjuden, lind ivie häufig, wie peinlich haben die ganz assimilierten Pariser Inden ihre ärmeren, nicht so ganz assimilierten „Verwandten" ans dem Elsaß, , ans Frankfurt oder Mannheim als Ostjuden empfunden! Innerhalb von Deutschland findet man die gleiche Wertung von Ost und West, und nicht etiva seit heut nnd gestern. 1847 sollte die „Rechtsgleichheit mit den christlichen Untertanen" allen preußischen Juden gewährt iverden, nur den Poseuern nicht. Die Pvsener ivaren damals „Ostjuden". Der süddeutsche Jude nannte im Vollgefühl seines fränkischen oder schiväbischen Dialekts Pas fast dialektlose Deutsch der Pvsener Inden oft genug ein „Gemanschel". Das Mauscheln aber, miinltd) das Idiom der „echten" Ostjuden, ist ja ursprünglich die Sprache des Nibelungenliedes. .Wau sieht, „Ostjude" ist ein relativer Begriff. Es ist der uom 60 guerre, den der Jude 31t seinen eigenen Judenverfolgungen gebraucht, für den Verfolgten. Es ist der feine, kleine Unterschied, den die Krähe in ihrer zoologischen-Terminologie nur macht, wenn sie einer Krähe ein Auge anspicken null. Sollte es früher vielleicht begreiflich gewesen sein, ivenn Juden, die selbst als Inden noch nichts zu leiden hatten, andere verfolgten, iveil diese Juden Ostjuden ivaren, so ist es jetzt eine unverzeihliche Schwäche. Wie verhält es sich mit den tatsächlichen Ostjuden? Es jinb die deutschen Juden, die ivährend der zwei Jahrhunderte vom ersten Kreuzzng au Deutschland verlassen mußten, nnd in Polen, Litauen, Rumänien eine neue .Heimat fanden. Sie bewahrten die deutsche Sprache jener Zeit, ivegen deren man sie heute beschimpft, sie beivahrten die Tracht jener Zeit, ivegen deren man sie nun verhöhnt, durch die Jahrhunderte. Warum hatten sie in Deiitschlaud die deutsche Sprache angenommeil und im Osten keine slawische? ltnb warum behielten sie in der slaivischen Umwelt die deutsche Sprache bei? Professor Perlcs sagt: weil sich die Inden immer instinktiv für die höhere 'Kultur entschieden hätten. Aber nehmen wir. selbst einen weniger idealisiereudeli Grund an, nehmen wir an, daß auch das Gesetz der Trägheit, des Berharrcus eine Rolle spielt, daß die Juden bei der deutschen Sprache blieben, weil es nun einmal ihre Sprache war, weil sie wenigstens die Sprache, die geistige Heimat sich erhalten wollten, wenn man sie schon aus der landschaftlichen Heimat hinauspeitschte, nnd nehmen wir vor" allem an, daß wohl einzelne Menschen mitunter ihre Sprache wechseln wie ein Kleidungsstück, aber Menschengruppen. Gemeinschaften, Meuschenbünde nie .... so kann all das ja fürdeutsche Juden nicht als Anlaß gelten, jene — ehemals deutschen Inden zu diffamieren, von ihnen abznrücken, im Gegenteil . . . Und daß unter den Ostjuden bessere Bibeknnd Talmud-Kenner sind, daß sic Ghassidim sind oder sonstwie intensiver jüdisch? Oder daß die-Mehrheit von ihnen nicht Bankiers, Rechtsanwälte, Aerzte, Kanflcnte ist, sondern Handwerker nnd Arbeiter? Daß sie ärmer , sind? Daß sie anders sind? Ach nein, die Gründe, wetzhalb deutsche Juden gegen Ostjnden auftreteu, sind nicht bei diesen, sondern .- bei-den deutschen Jnden zn suchen. Der Ostjude hat vom Schleppen nnd Ertragen, von Talmud nnd Pogromen einen lruinm«, Buckel, also packt ihm der deutsche Jude and noch sein schlechtes jüdisches Gewissen aus Bor dem Krieg lebten etiva 45 000 Och jnden in Deutschland. Im Krieg verpilm, die deutsche Regierung Ostjuden z.T. pnnrL weise nach Tentschland. Rach der Regulicrung aller Wanderöeivegungcn, die durch dm Krieg, die polnische Wehrpflicht und die deutsche Inflation entstanden waren, alie 1927, gab es etiva 55 009 Ostjuden in Tentsct,- land. Jetzt gibt es lvohl kaum 00 000. Die Barmats sind Juden russischer. fcje Sklareks deutscher Herkunft. Hermann Gvl,e„ ist deutscher, Henri Bergsvn ist Ostjude. Air meinen, die -.Kolkten stehen leidlich gleich. p-.j ist möglich, daß das Konto der Ostjuden in Deutschland ein ivenig mehr zn belasten 'wäre. Aber nur in Deutschland! Tenn das iß lei»! typische Ostjudensache, sondern eine Sache jeder Emigration. ' Wo auch immer eine Ansivanderwig er- .folgt, da ivandern vor allem die asoziale» 'Elemente ans. Ebenso ivie jetzt sehr viele von den deutschen Emigranten nicht als Gesandte nnb Prvlotypen deutscher .MulIuv und deutschen Wesens genommen iverden dürfe», so darf man auch diesen oder jenen Schnorrer. Schieber oder vermeintlichen „Rabbi", der (er ivird ivvhl wissen, warum) aus dem Dste» hierher gekommen ist, nicht für „den" LP jndcn halten. Hat man sich noch nie darum gekümmert, was die Ostjuden von uns denken? Es gab zivei Wellen deutscher „Liebe" zn den L»- jnden. Die erste, es war eine Entdellim». kam durch den Zionismus, man sanrmcüe Volkslieder, übersetzte die (sehr überschätztmi jiddischen „Klassiker", nnd Atartin BuAr sammelte, übertrug und verivektanschanlichir chassidische Geschichten. Tie nächite BKlle kam im Krieg, als die immerhin noch dentsche Sprache der Ostinden der deutschen Armee ur Nußland unschätzbare Dienste tat. all Lndendvrff seinen berühmten Ausruf in dieser Sprache erließ nnd als die jüdisc!,cn Soldaia, der deutschen Armee von ihren Glanbni-n genvssen im Feindesland besser ansgeliommc» ivurdeu, als sie selber gemeinhin Gäste a»l dem Osten ausgenommen hätten. _ Das alles sei. wie es. wolle; fest steht dasi die deutschen Jnden im Vollgefühl ihiV Deiltschtnms die ostjüdische Kultur auch nch in den Wellen zionistischer Vegeisterung-ch ivenig gönnerhaft angesehen und daß die O» jnden die zivilisatorischen Errnngeuschasio! nnd Fähigkeiten der deutschen .Juden beuunu dert haben. Für das religiöse Judentum dcr Deutschen, gleichviel ob es die starre Orthedoxie oder das reformierte Judentmn waa hatten die Ostjuden von jeher ein ln'Z Lächeln. Aber auch dies Lächeln war ohne Mi nnd ohne Mehr- oder ONinderivertigteill-- gefühl. Als vollends das denische IndentM in die Krise seines neuesten Zustandes sich zeigte sich, ivie.inimer, der arme Bruder »» Osten herzlicher als der reiche iin 21 ru'1'- Tie Ehöre der Berliner Jüdischen Gewemu'. nm nur ein Beispiel zn nennen, begalniol ihre Tournee in Warsclian. Unzählige Len sammtimgeil wurden abgehalten, Fonds »»- gründet, Pfennige von den Aermsten.flu opfert für Aktion eil zugunsten. der deutM» Juden, voll denen inan sich hier lanm e>n>- Borstellnng macht. Es ist nicht möglich nnd nicht nong, f)u Einzelheiten mitzntelten. Woraus es^an kommt, das muß heute jeder ehrliche, verain ivortliche, einen moralischen modus suchende deutsche Jude erkennen. Es absurd, die Unterschiede zwischen den jnden nnd uns plötzlich ableugnen > ivollen: sonst könnte man ebensogut ß s Unterschiede zivischen nordnnd sildainen» nischen Urbewvhneru ans der Welt renkt - Aber darum sind die einen nichts . die andern nicht minder ivert. tzu - Not vollends soll man sich ans, +[ tive nnd Gemeinsame, nicht ach da-.- sprechende und Trennende besinnen. - kennt man endlich in den kleinen, nlecl n Gehäjsigkeit-en deutscher Inden gegen W jnden das unmenschliche, unjüdische, zur . mordende Element? Hört man mcht cm ans. Steine zu werfen?! Die dicsjälirige Iahrcoversammlun! .Hilfsvereins bcr bculschcir I"dch Dienstag, den 1 5. Bl a i 1 ü -!. - , abends, püiiltlich, im Logenlwus. Bcrl.m.> 9 straße 10, statt. Die Ntitglieder des Hlls-. sind höflichst cingeladcn. 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