Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 19 (10.5.1934)
- Date
- 1934-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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5.133; antra l- SMMon - Berlin, 10. Mai 1934 XIII. Jahrgang / Nr. 19. Preis 20 Pfennig 1 rr FS J i!;.i IV. BLUTE Fl rui PEMTSCHTUM UM JIIEI1U M r <£- 'I II ff? gü iij fc Z tz Q :ii ffl N jg (r J"ji| ->\ fr f,i!'i; iß { I Vsm §SG TKSck« Msprachs vsr Mt AWMHrrmg varr „Was Ihr wsUL" Lss Zsalral-AurssüMssss Ssr dsal-- fdjen 2vdea föc HAfe und Aufbau im Theater das Lulkurbundes deatfcher Sudsu am S. Mai V'.* ';’fxVA sVW.*-',' Mc*, »oaö bur mifcrcn Blicken liegt, zeigt nicht nur etioas, sondern stellt ctums dar; c» ist nicht nur etwas, sondern es bedeutet covlN?. Darin tut sich der Wert von etwas Iinib, daß cs so das Bild einer Bedeutung, k'.nc« Linnes sein kann, daß es sein Sinnbildliches Hoden darf. Was bedeutet es derart, dos; nur hier an diesem Abend zu diesen Jtmiden beisammen sind? Wir haben ja das innere Recht, zu diesem Abend zusammen zu sein nur, wenn das alles hier auch seinen Li »in hat, der über diese Stunden hinausistcht. Dieser Abend will bedeuten, daß wir alle, von unserem jüdischen Standorte, unserem silbischen Platze aus in die Welt Hinausblicken, dos; wir um unseres Iüdis ch e u, um unseres cn s ch l i ch e n willen in die Welt lstnausschcn, in die Welt des Großen, diese Welt der Lragödie, und in die Welt des .illeinen, diese IM der Komödie, um das Große in seiner töröjjc und das Kleine in seiner .Kleinheit zu ßchn. lls ist das Eigene, das Geniale, das Perstckiche Shakespeares, daß er in der Kraft ßiiies Denkens und Gestaltens den Menschen mit der Welt zu verbinden vermochte. Sei;: Eaiius hat die weite Fülle der Wirklichkeit, der Aalnr, der Geschichte und des Schicksals »nusaßt und sie in Menschengestalt eingesügt, sie zu dem menschlichen Standpunkt und auch dcr inenschlichen Verantwortung hingesührt. br Tiat' eine Synthese, eine Verknüpfung und Verwebung zur Einheit, zwischen Welt und llicnschlichem zu gestalten vermocht, mit allen Dsr AssssNfM? der KsIchsrsBewmg Anme!Ä6scist sür LlLkimmuNgsberschkigks nur bis zum 12. Mai! Tie Aeichsregiernng erläßt folgenden Aus-- Alf» ..Der Zeitpunkt, an dem die Saarbevölkeumg nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages im Wege der Volksabstimmung über ihr künftiges''Schicksal entscheiden soll, Elt heran. Ter genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest; fällig ist'die Volksabstimmung vom Januar li'KJ5 ab. Abstimmungsberechtigt ist ohne Unterschied bcs Geschlechts, wer am Tage der Unterzeichnung des Versailler Vertrages, d. h. am Juni 1010, im Saargebict gewohnt hat nnd am Abstiinmnngstag wenigstens 20 Jahr alt iß. An alte im Reich, außerhalb des Saarsicbietiwohnhaften Personen, die am 28. Juni iAb im Saargebict gewohnt haben und vor sun ii. 1015 geboren sind, ergeht die Anssordernng, sich in' der Zeit von Donn e r s t a g. de m .0. a i, bis So n n - ndend , d e m 1 2. 9Jf a i. bei ihrer Ge- Peuwebehörde (Einwohnermeldeamt), in den ^ndten aus den Polizcirevicrcu ihres j e ß i - Ncn ngohusißes zu melden. Das gilt auch mr Personen, die sich schon früher als Saarn-lilümmug^bercchtigte gemeldet haben. Pern'nglmunveise und, soivcit möglich, Nachs'eye über den' Wohusiß am 28. Juni UUO Gu und Abmeldcbescheiuigungeu. Beschäfti- Wngs;eugnisse usw.) sind mitzubriugen. Wo w zu loclchen Tageszeiten die Meldungen . Acgengenommcn werden, wird durch jede Amb^" H'chtzeitig besonders bekauut- Mj,, Bitten unsere Ws er. auch uns von der z'nncldung Pcitteilnng zu machen, um uns, T Jbei den Abstimmungen int Osten, lMcriitfj( jüdischer Beteiligung zu den Problemen auch, die darin gegeben sind — er ist ja auch mehr ein Meister der Probleme als der Losungen. Durch seine Kunst können wir in die Welt hinanssehen lernen. Wir Juden des vorigen Jahrhunderts, zumal wir deutschen Juden, haben uns viel darum bemüht, und uns viel daran hingegeben und auch daran sortgcgeben, die Welt durch die Kunst zu eigen zu gewinnen. Wir haben uns zu sehr und zu oft darin und daran fortgegeben, und »vir haben dadurch zumeist unseren jüdischen Standort verloren — und nur vom jüdischen, durch die Jahrtausende C.chPafsenen Standort ans können wir loahr ikNT Zutiefst die Welt sehen. Co viele von uns hatte eine Cchausucht und Schaugicr, eine Hörsucht nnd Hörgier ersaßt und hatte diese Menschen durch ihre Tage hindurch und in ihren Tagen umhergctriebcu. Wir kennen sic, um sie mit einem Worte des AristvphaneS zu benennen, diese „zehntausend Männlein und Weiblcinch deren Lebensinhalt es war, Kunst zu sehen, Kunst zu hören, über Kunst zu sprechen, diese ästhetisch Bcrkleideten, die immer dem Modernen nachwandeltcn. Sie haben den jüdischen Standort verloren, und sie haben darum auch nie von der Welt etwas erlebt ans einem Grunde vor allem. Ihnen war das, was die Kunst zeigte, bloßer Stofs, Stoff der Schausncht nnd Hörsucht, des Verlangens nach Neuem und Wechselndem, nur Stoff, aber nicht K r a f t, und es ist ihnen darum auch nicht zur Kraft geioordeu. Und es gibt nur eine Kraft im Menschlichen, die sittliche, die religiöse Kraft; alles andere Können ist nur Macht oder Talent, nur Gewalt oder Fertigkeit. Das Jüdische und Menschliche ist in jenem Treiben verzehrt worden. Eines kann hiervor retten, das ist die Besiuiumg ans den Sinn des Lebens, und alles Leben erschließt sich uns im eigenen, uns Inden im jüdischen Leben. Diese Besinnung auf uns, diese echte Selbsterkenntnis wird zur inneren Befreiung. Selbsterkenntnis ist nicht ein Blick in den glatten Spiegel, sondern ist der Blick zu der Pflicht, zu der ernsten, Opfer Es ist eine alte Streitfrage, ob das Unglück die guten oder schlechten Triebe stärke. Vielfältig wie die Neaktionsmöglichkeiten der Atenschcn überhaupt, ist ihre Art, sich mit einer Verschlechterung ihrer Lebensbedingnngen abznsinden. Mit ein tvcnig größerer Sicherheit darf man schon die Frage beantwvrten, wie sich g e m e i n s ch a f t l i ch erfahrenes Leid aus die betroffene Mcnschengrnppe answnrkt. Im allgemeinen wächst im gemeinsamem schweren Schicksal das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit nnd die Bereitschaft zn gegenseitiger Hilfe. Zweifellosyteht das deutsche Judentum in seiner Gesamtheit im Begriff, sich in der Prüfung, die ihm anfcrlegt ist, in solch tvürdiger Weise zn bewähren. Es ist nicht an der Zeit, selbstzufrieden oder gar dünkelhaft darüber zil quittieren — allzu groß ist die Leistung, die im Tun ilnd im Tragen noch von jedem einzelnen gefordert wird. Um so mehr aber ist es auch unsere Pflicht, darauf zn achten, daß dieses neu entstandene Gefühl der Zusammengehörigkeit erstarkt zu der Bcrpslichtnng der Gemeinbürgschast. Wohl haben >oir früher die .Solidarhaftung aller sür einzelne, abgelehnt, wohl müssen wir auch heute noch betonen, das; wir wissen, auch mnsere Gemeinschaft ist nicht frei von Schädlingen, von Außenseitern, die es immer und überall in jeder Gemeinschaft gibt. Und für diese 2lnßenseiter können »vir auch heute die Haftung nicht übernehmen. Aber wofür wir sorgen müssen, ist, daß nicht einzelne im Uebcrmaß ihres Leides sich zu Handlungen ckstnrcißcn lassen, die ihnen nichts nützen und Wer Gesamtheit schaden. Es wird setzt bekannt, daß jüdische Aleinchen, die aus ihren Berufen herausgchen müssen, in Verhandlungen mit Behörden sich aus die Behandlung berufen, die andere Inden erfahren -haben,, und zivar nur ans dem Gedanken heraus: Wenn der das Recht hat, dann muß auch ich cs haben. Die Wirkung aber sowohl im Moralischenyvie int. Tatsächlichen ist ganz anders als der Den>mziant glaubt. Er selbst wird sein vermeintliches Neckst dadurch niemals durchsetzen. Aber er seist die Existenz dessen aufs Spiel, den er als den Bcgünstigtercn beispielhaft anführt, nnd er bietet dem Dritten, in diesem Fall der "Behörde gegcnüber das Bild verachtenswerten Denunziantentums. Wenn so etivas geschieht, geschehen kann in einer Zeit, in der die Erhaltung jeder jüdischen Erislenz höclisie Gemeinschastspflicht ist, so ist es unsere Pflicht und die jedes einzelnen, diese Mißstände zn rügen. Schon lange wird darüber .Klage geführt, daß Inden in Verkennung der Verhältnisse es vermeiden, andere Inden mit der Wahrnehmung ihrer Jnteresse'n zu betrauen, und daß durch solche Leisetreter ein verächtlicher und fast komischer Eindruck ans die Außenwelt geinacht nnrd. Noch trauriger ist es, loenn in einem Besriednngsabkommen zwischen zwei Sportbünden ausdrücklich ansgcsührt werden muß, daß in Zukunft (!) „bei allen Berhandlnngen mit Behörden" der Versuch unterbleiben müsse, „die Tendenz des anderen Verbandes herabznsetzen"! Am schlimmsten aber ist das erwähnte dennnziatorische Treiben znnschen Berufskollegen. Es könnte einen am deutschen Judentum verzweifeln lassen. Aber »vir.»vollen nicht verpoeifeln. Wir haben uns unsere Hoffnung ans unsere Kraft so schlver erkämpft in Zweifeln nnd Aengsten, ans denen schließlich doch ein Lichtstrahl hervorbrechen muß, daß wir sie einigen Irrgängern nicht znm Opfer bringen können. Freilich: die Irrgänger erreicht »veder unsere , Empörung noch unsere Hossnnng. die über sie hinweg schreitet. Losgelöst vom indischen Gemcinschaftsbeionßtsein und seiner Verpflichtung werden sie »veiter ihre Arbeit fortsetzen. Alle andern aber, die mit uns darum ringen, ^daß diese Zeit durch Zusammenhalt nnd Hilfe 'geadelt »vcrde, alle andern loerden Nüssen, »nie sie ihnen zu begegnen haben: Verachtung und , .Ausschluß muß ihr Lohn sein.! LMs nme MefsMNNg Im SestSMsIch Durch Beschluß des Aatioualrats vom 30. April 1931 wurde die bisherige österreichische Verfassung außer Kraft gesetzt. Die neue „Verfassung 103-1". die an einem von der Negierung noch zu bestimmenden Zeitpunkte in Kraft tritt, weist einschneidende Veränderungen ans staatsand verwaltungsrechtlichem Gebiet aus. Jrgendivelche Condcrbcstiminnngeu, die den Juden eine Ausnalnnestellung - zuweisen, enthält die neue Verfassung nicht. Doch. Oboe und Fa^oit während der Orchesterprobe zu „Judas Mae cabäu3,t im Berliner Kulturbund Für die 1*.-/.cilini'j“ t/crir/md nur Mn.r l!ti;n:>tr gebietenden Pflicht. So hat der Nieister, der nach Shakespeare als Grösster 1 nieder Well nnd Leben sah, Goethe, es gesagt: „Versuche deine Pflicht zu tun, nnd du »ne!ßt gleich, »nas an dir ist. Was aber ist deine Pflicht? Die Forderung des Tages." Im Opfer, das wir bringen, lernen »vir »nahrhaft in die Lllelt hinanssehen, von unserem jüdischen Standort ans in sie lstueinblielen. Das Opfer sür Menschen befreit von ästhetischem Getriebe nnd Nindernitätsget,abe. Der heutige Abend ist der Knust geweiht, diesem Vliek in die Welt, nnd er ist zugleich einem Entschluß geineiht, diesem Wege zur Welt. Er »oill die Arbeit unseres Zentralansschnsses für Hilfe nnd Aufbau eiiifciten, dessen zweites Jahr mit alten nnd neuen großen, unentbehrlichen Ausgaben vor »ms hintrill, und dazu ansrnsen, daß jeder nach seinem .Können für dieses große Werk eintrete nnd beitrage. Lller das ersiillt, dem erschließt sich das Leben, der ist darin gereist »>nd geprüft, die Kunst zu erleben, in ihr die Welt zu erfahren, als J»»de die Welt mit ihren Fragen und Geboten. sind die Artikel 27 und 10, die sich mit der Guu>. beussreiheit und der (awig-peg aller ^Imüsbürger vor dem Gesetze befassen, indirekt muh für den jüdischen Bebölleruugsleil von erheblicher Bedeutung. Artikel 27 bestimmt: ..»'Ille religioiisuiäudigeu Eiuioohuer Desleereiehs genießen volle (ülunbeus- und E,e,Bissens srciheit sonne die Dreiheit der Iiäiisliltzeu und össeutlicheu hteligiousubung. sofern diese nia,t mit der ösfeiitlichen Drdiiiiiig oder den giilen Litten unvereinbar ist. Durch das religiöse Belenntnis darf deii staatsbürgerlichen Pflichten tein Abbruch geschehen. . Der Genuß der bürgerlichen nnd staatsbürgerlichen »Ilechte. smoie die Zulassung ,-zn öffentlichen Ltellmigen, Aemtern nnd Würden iß von dem »Ileligionsbefenntnis unabhängig. Für den Lehiildienst tönnen Ansnahmen voii' diesem Grundsätze diirch Gesetz ansgestelit iverden." Welche Art von Ansnahinen für den Lchnldienst hier riis Auge gesagt lourden, ist miS den: Text des Berfasscuigsgesetzes nicht zu ersehen. Durch Artikel 10 »oird über die Gleichheit vor deili Gesetze folgende »Ilegelniig getroffen: - „Alle Bundesbürger sind vor deiii Gesetze gleich. Die dürfen in den Gesetzen nur insoweit ungleich behandelt »verden, <i!s es sachliche Gründe rechtfertigen. Insbesondere sind Borrechte der Geburt, des Ltandes oder der Klasse ausgeschlossen." In dieser Bestimmung fehlt der Ausschluß von Borrechten der Neligivuszugehörigkeit. Zivar sind Vorrechte der »Nasse oder »Neligionszngehörigleit durch den Friedeu-wertrag von Lt. Germain, der mit anderen internationalen Verträgen einen Bestandteil der Verfassung bildet, ausgeschlossen. Im übrigen »verden aber, lote daS Vlatt der Union -Oester reicht scher Juden, die „Walirheit". mit Aecht ausführt, etivaige Bedenken durch den bereits oben zitierten Artikel 27 zerstreut, in loelehem der Genuß der bürgerlichen nnd staatbürgerlichen »liechte sowie die Zulassung zn öffentliche., Steilungen, Die vorliegende Nzsmswer umfasst 14 Stilen und enthält u. a.: Hauptblatt: Nicht mit Steinen werfen!, von Leo Hirsch — Hermann IVirth und die nordische. BetveRuntb von Dr. S. Samuel. 1. Beiblatt: Zum Muttertag am 13. Mai - Judas Maccabäus“ und „Baialt und Bilani ‘ — Sport. 2. Beiblatt: Der Urgrossvalcr, von Ernst Reich — Illustrationen zu ,JVas Ihr wollt , von Dodo — Zur Theologie der Judenfragc. 3. Beiblatt: Erziehung. Eltern, Schule — Wirtschaft der Woche. I