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Central-Verein-Zeitung · 1934-04-26 · 17 (26.4.1934) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
17 (26.4.1934)
Date
1934-04-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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^rfty/'TTl üßüDQ mno® ($)(£& hSmüad; ->o <S 3®f@f SSs&te GrMs tzM kIZWMSN TZSSW 'ZW tag M' Das Ende der Eigenstaatlichkeit der deut- Mn Länder bringt die natürlichen Gemeinschaften der deutschen Stämme zur verdoppele len'Geltung. Das Schicksal der jüdischen' (Gruppe spielte sich bis zur Emanzipation so Aut wie außerhalb des stammhaften deutschen b'eüens ab. Die Juden blieben eine Welt für sich, streng an „Kehilla" und „Schul" gebunden': auch'als längst Wirtschaft und Religion nach Auslösung der mittelalterlichen Einheitsnrdnung voneinander geschieden und in selbsiäiidige Bereiche menschlichen Handelns gefallen 'waren, blieb jene Exklusivität der Juden als einer volksfrcmdcn Korporation sui »eiieris streng erhalten. In den deutschen Klld'ländigen Territorien lebten die jüdischen Ecmeindeii im Schutze der mannigfaltigen Lbrigleiten in dem Gemengelage politischer Einheiten abgeschlossen ihr eigenes Leben. So dehnte sich das jüdische Mittelalter bis an die Lchivelle des 19. Jahrhunderts. Als die staatsbürgerliche Gleichberechtigung erreicht war, traf der neue Rechtszustand ans eine geistige Situation in Deutsch- " land. in der .die deutschen Stämme wohl naturhaft weiter lebten, aber ein vom staatlichen Bereich unbeeinflußtes Sonderdasein Von Radilauer Manche Hoffnung müssen wir begraben, Viele heisse Wünsche nicht mehr nennen, Viele Freuden nicht mehr kennen, Die bis beut uns froh gelächelt haben. Erst wenn wir nicht an Vergangnes denken, Allem Schönen ohne Schmerz entsagen, Können wir das Morgen leicht ertragen, Denn Du wirst uns nahe sein und lenken. in Sprache. Brauchtum, kurz im einfachen täglichen Volksleben führten, ohne besondere Wiege, ja fast ohne Eigenbewußtsein. Der Liberalismus zog ein; der deutsche Jude schloß sich ihm enthusiastisch unter Selbstaufgabe seines eigenen stammhaftcn Seins, das er nur als Bindung und „Ghetto" sehen konnte, vorbehaltlos an. Liberalismrls und Einzelilängertuin gingen nach dem großen Weltlneg in einem schmerzhaften langen Prozeß Z» Ende. Die alten Bindungen waren längst Missen; die neu geknüpften, in einem stürmischen Jahrhundert fest und scheinbar volllmmnen haltbar geworden, schnitt der neue Wutsche Staat zunächst unerbittlich ab. Nun stand der deutsche Jude wie Hans im Glück W. grenzenlos uubewehrt, ausgesetzt, zunächst n>lch ausweglos, verloren an ein unfaßbares blindes Geschick. Dann kam die Fassung wie- Wr. die Welt lief weiter. Bei der ruhigeren Ilebcrprnfnng. lvie das alles kommen konnte, stießen mm auch die deutschen Inden, reichlich verspätet, auf das Wesen der Kräfte, die sie früher, vielleicht allzu sorglos und belangen in ihrer „voranssetzungslosen" Wisimspflege, im stolzen Besitz der verfeinerten Methoden des höheren Kritizismus. „V 0 l k s- Wr m s i d e 0 l 0 g i e" nannten und abtaten, haht ging auch ihnen die Tatsache der deutschen Stammesfülle auf, die der staatsbürgerlichen Denkweise ganzer Generationen so gut wie entrückt war. Wir deutschen Inden verlachten mit gespanntem Ernst die neueren Mrschnngen zur Stammeskunde des deutschen Loltes. Uns war das Grundwert des früher ^önigsbergcr, jetzt Wiener Literarhistorikers ü I c f Radler „Literaturgeschichte der Wutschen Stämme und Landschaften" wohl Wrtrailt. Radler hatte noch Ende 1932 sehr üründlich und ohne Mißtvn mit der ihm mgenen immensen Kennerschaft des gesamten putschen Schrifttums, in seinen Breiten und 7-^fen, die Frage erörtert, „welcher Geist sich 'u der Literatur der deutschen Juden beur- ' l'chdct." Gr betonte ihre Vorliebe für das i Archts-als-menschliche, ihre Neigung, den , ju desillusionieren und seine Werte 3" i 3tt|toren, vor allem den ihnen immanenten i Bch zum Tragischen. Aber er wertete zum : Schluß die deutschjüdische Literatur in ihrer s lloschichtlicheu Gestalt als ein mißlungenes! 7-^^ünent, gleich bedrückend für Deutsche i für Juden. „Vielleicht mit keinem Volk i hat der Jude in solcher Hingabe Atztig eins werden wollen wie mit dem deut- ', und rein anderes hat gegen diele Angabe sich mit solchem Gemrden der Abt chVmg gewehrt. Die deutschsüdische Literaist ein Dokument stürmischen Werdens um den deutschen Geist, das Dokument der bitterel* und tragischen Einsicht des Unmöglichen und Rrchterfüllbaren. Unter den anderen Völkern wurde der Jude durch die scheinbare Leichtigkeit, mit der sich seine Angleichung an das Abendland vollzog, über die Unerfüllbar-- kert dessen, was er anstrebte, hinweggetäuscht. Im Zusammenleben mit dem deutschen Geist lvurde er sich der Tragik seines europäischen Lebensproblems bewußt. Und so ist die deutschjüdische Literatur eine Literatur der größten Enttäuschung, die ein Volk haben kann." Die geistesgeschichtlichen Belege und Tatsachen für die These, daß nach den natürlichen Gemeinschaften der Stämme, also aus dem Gemeinbesitz des geschichtlichen und zeitlichen Bewußtseins, jedenfalls ans einer gemeinschaftlichen seelischen Bereitschaft ein deutsches Sprachkunstwerk näher bestimmt ■ und wirklich verstanden werden muß sweil es aus dieser Stammeseigenschast seine Ureigentümlichkeit beziehe), den Beweis' für diese Theft sollte jene „Literaturgeschichte der deutschen Stämme" liefern, die übrigens in der ersten Fassung schon größtenteils vor dem Krieg erschienen war. Eine reine Stammeskunde des deutschen Volkes, die eine gedrängte und plastische Bescyreibung der einzelnen deutschen Stämme nach ihrem geistigen Gesicht, ihren charakteristischen imb repräsentativen Gestaltungen, besonders Schriftwerken und großen Persönlichkeiten enthält, legt Nadler erst jetzt, im Mai 1934, in einem ausgereiften Meisterwerk „D a s st a m m h a f t e Gefüge des deutschen Volkes" (Verlag Kösel und Pustet) vor. Es steht uns nicht an, in eine Kritik dieses Bekenntnisbuches einzutreten. Es hat mit Veröffentlichungen der Zeitmode oder gar der Konjunktur nichts zu tun. Denn es erscheint nach Abschluß eines imponierenden Lebenswerkes, das in reicher Gliederung und selbständiger souveräner Beurteilung das deutsche Schrifttum aller Zeiten und Räume gemäß dem neu entdeckten Prinzip der Stammeszugehörigkeit durchdringt.. Diese Bewältigung eines ungeheuren empirischen Stoffes ging der letzten Zusammenschau des Gesichts der deutschen Stämme voraus. Bei der lebendigen Darstellung der Stämme des deutschen Volkes und ihrer Lei- - stungen scheidet nach dem Thema die Beurteilung des dentschjüdischen Schrifttums aus; dieses ist nur hie und da die Folie zur Zeichnung des wahren Gesichts der deutscyen Landschäften und ihrer Stammeseigentümlichkeiten. „Berlin beginnt sich seit dem frühen 18. Jahrhundert ans Franzosen, Juden und dem Zuzug aller Staatsstämme neu anfzubauen" iS. UH). Von dein „breiten und sormenbuutcu" Schrifttum Prags heißt cs: „Es ist keine Literatur von volkhastcr, sondern von weltbürgerlicher Haltung, zumal unter dem Einfluß der zahlreichen Juden." Wir haben eS mit einem Hohen Lied ans die deutschen Stämme weit über die Staatsautzdelmung hinaus zil tim. In der Tat: Ein solches Lob deS jüdischen Stammes von den Urzeiten bis heute wünschten wir uns bald aus unserer eigenen. Mitte. In vier groß gesehenen Bildern, einem Vorspruch und einem Epilog breitet Nadler seine Stammeskunde — ein lehr-, wenn auch schmerzensreiches Grilndbnch für jeden deutschen Juden — vor inis aus: H u chdent - sch es Mutterv 0 lk (Fraiiken, Almnanen, Ballern) — N i e d e r d e n t f dj c § 9)1 u 11 c t - volk (Sachsen. Friesen) - Der deu tsche Herzraum (Thüringen) - Neustamme ,i n d S i c d e l g e m e i n d e n (mitteldeutsches, niederdeutsches, hochdeutsches, Tochtervolk, deiltsches Weltvolk), das sind die viermachtia-n Hauptpseiler der Darstelliiug. Wie die Landschaft den Geist formt: ist oft 311 stlMern versucht worden. Aus dem Geist der Wüste, aus den scharfen Konturen heißer - trockener ^ärd^r hat man den „Geist des Judentums und den verwandten „Geist des Kapitalrsmnö", die abstrakte, rationale, rechenhaste Denkform des westcuropäischeu. Gro.ß,tudcers ableiten wollen. Wie viel künstliche Konstemtion und Phantasie bei solchen Erklärung mitiv^lt wissen wir. . Nadler macht sich die Achw nicht so leicht; dazu ist fern Wissen vre! m fundiert und vertieft, ^eme Stamme», künde ist wohl ein prachtvoller, an vielen Sollen auch dem Fremden neue, Liese Ernsickcken vermittelnder Panegyrms. Dennoch MÄen die historisch-geographischen Tatsack-m ferner Gestalt irnd Wsrr der deutschen ^D^evunkt ist die Volkskunde von den HaiernVMbayern und Oesterreich sind dw ' . Studienrat J. Bernhardt, der Letter der neuen Volksschule der Berliner Jüdischen Gemeinde Fot. Hans Pinn, Berlin Roes Liechtenstein und Ludwig Lücidnar heim Tcecbend der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin Fotodienst Arno Kikoler, Berlin Dr, Fritz Bambcrger, iet Leiter der neuen A usbildungs* siätte für jüdische Volksschul- Jehrer in Berlin Fot. Herbert Sonnenfeld, Berlin . Die Emanzipntionsge schichte der Juden in Deutschland ist inn etne überaus wertvolle Untersuchung bereichert worden. Es war bereits - bekannt, daß die Emanzipatlonsbestrebungen im Anfang des vorigen Jahrhunderts int „V erein für K ultn r n n u Wiss 0 lischäft der Jude n" vom Jahre 1810 einen Mittelpunkt besaßen. Die genauere Entstehungsimd Jdeengeschichte des Vereins war jedoch bisher noch nicht geklärt. Erst jetzt hat Siegfried 11 cf 0 in einer tiefgreifenden Studie „Geistesgeschichtliche Grundlagen der Wissenschaft des Judentums" — mit dein Untertitel „Motive des .stnltnrvereins vom Jahre 1819" — eine Klärung herbeigesührt. - Die' Arbeit, die sich auf die Riaterialien des Archivs der Znnz-Stiftung stutzt, ist soeben im ersten Heft des fünften Jahrganges der „Zeitschrist für die Geschichte der Juden in Deutsch, land" (Philo-Verlag, Berlin W. 15) erschienen. Von jenem Kulturverein hat — wie Ucko zeigt — der Begriff 'der Wissenschaft des Judentums seinen AuSgang genominen. Fast alle Richtungen der jüdischen Gegenwart stehen ans dem Dasein der Wissenschaft des Judentums: sowohl die liberale Fassung des Judentums als Religionsgemeinschaft als auch der Gedanke einer nativnalen jüdischen Renaissance. Bedeutende Köpfe wirkten bei der Gründung des Vereins mit: I 0 st , Z n n z, M v sc r , R n b 0. Ga n s n. a. Unzweifelhaft ist es, daß der „Jndenschmerz", die Zurücksetzung in der Welt der deutschen Bildüng cs gewesen ist, ums den Zusammenschluß zu .einem jüdischen Verein vor allein veranlaßt hat. Die Rtenschen, die den Kultlcrverein schufen, sind selbst schon fast Kinder der Assimilation, von ihren Eltern im Geiste der Aufklärung oder halber Aufklärung erzogen. An Hand der Dokumente weist Ucko nach, wie das Ringen auf dem großen geistesgeschichtlichen Grunde der Philosophie des deutschen Idealismus sich auf das Innere der Jndentnmsproblematik übertrügt: das Ringen der nunmehr absinkcnden naturrechtlichen-losmopolitischen Tendenzen mit den national-individnalistischen Tendenzen. Der - Wille, die Bildnngsarbeit der Inden vom Judentum anS,-wie es sich in seinen Quellen und Lite- -• raturzengnissen darstellt, zu unternehmen, ist offensichtlich auch eine Hauptqnellc für den Ursprung der Wissenschaft des Judentum?. Gerade die cihze Verknüpfung mit den ÖlegenU'artsfrageu der jüdischen Geineinschast ist es amtz, die dem Begriff der Wissenscl>aft des Jndentnins eine so breite Grundlage gibt. So schenkt man 11. a. dein Bemühen große Anfmerksamkeit, den Inden den Weg zur Landwirtschaft zu ebnen; vorerst will man eine Liste aller jüdischen Gutsbesitzer anfstcllen, die jüdische Eleven aufnehmen können. Reben derartigen Praktischen Gegemvartsaufgaben folgt die Wissenschaft als Dienerin der Wahrheit ihrcin inneren Gesetz, wenn sie zur All-cinheit, Allvcrcinignng strebt. Die Wissenschaft zeigt gerade die Einmaligkeit des Jndentnins, die nur im Eigenbeunlßtsein der Inden spricht. Sehr erleuchtend behandelt Ucko die Stellungnehme von Eduard G a n 8, dem großen Rechts- Philosophen der Hegelschen Schule, der später dem Judentum untren umrde. Man muß sich, sagt Ucko, vergegenwärtigen, daß die jüdische Realität, die Gans vor Auger: hat, zu der er sich in Beziehung setzt, ihm zunächst und ans den ersten Blick kein „Judentum", kein geistiger Inhalt ist, dem er sich ans Notwendigkeit oder ans Glaubensgründen verbunden fühlen muß. Die jüdische Realität, die er sieht, ist der jüdische Mensch — in seiner Hilfsbedürftigkeit und in seiner Kultnrbcdnrftigkeih Sehr scharf übt Gans an dern Geist der Aufklärung Kritik, neben den Vorzügen sieht er auch seine großen Nachteile für die Inden: die Aufklärung hat den jüdischen Menschen zwar in ein Reich einer gewissen Freiheit geführt, hat ihm aber zugleich die Geschlossenheit, „die Gediegenheit des jüdischen Lebens" geraubt. Nach Gans' Meinung hat Europa ein Recht auf die Juden; denn auch der jüdische Gedanke ist in Europa, wirkt dort fort. Eine Einführung der Inden in den Organismus Europa könnte jedoch einem bewußten und radikalen Anfgeben des Jndeseins gleichkonnnen. Diesen Weg haben die Männer des KnltnrvereinS nicht beschritten. Trotzdem war der bewegende Flug der Gedunsen mtf eine ferne Zukunft, die erst den höchsten Wert in sich barg, der damaligen Generation versagt. Eie war von dern Gedanken erfüllt, daß im Wissen vom Jrrdentum. das ein Teil des Ganzen, der Weltenvernmrst und des Weltcngeistes sei, sich die jüdische Existenz rechtfertigte, weil der Teil, den man im Judentrrm erfaßt, Teil des Ganzen ist und das Ganze in den Teilen lebt. Dr. F. F. <3wv bo'W Eine sehr würdige und erfreuliche Veranstaltung der „Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde" fand als Teeabend im Indischen Museum statt zur Feier des Geburtstages der beiden Maler Engen Spiro und Ludwig Meidner.^ Dr. Lutz Weltmai,n ging in wohlgebauter, gepflegter Rede mehr ans die menschliche Entrvicklnng der beiden Künstler ein; als ans die rein malerischen Elemente ihrer Kunst und versuchte, für die beiden so verschieden Gearteten und Gerichteten eine Gleichung in ihrer-beider innigen Verbundenheit mit deutschem Boden zrr sinder,. Alan hörte von den entscheidenden Einflüssen des französischen Impressionismus auf Spiro, der sich zum klassischen Ehrorristen der Gesellschaft entivickelte, zrun Meister der soviel anssagcnden Porträts, und von Modigliani, dem großerr jüdischen Italiener, der Meidner den Weg zum erpressionistisch Ekstatischer, wies. — Rose Liechtenstein las klug, die Verse rmd getragene Prosa' mit ihrem volle» Organ erfüllend, ans Rleidirers Dichtmrgen, die mit ihrer uirbeirrbaren, unerbittlichen Ehrlichkeit, ihrer Fülle der gläubigen Empfindung, ihrer znpackenden. Phrase'.,- losen Gegenständlichkeit der Sprache tiefen Eindruck machten. — Ans der Fülle dessen, waS sich ans den Werken der beiden Maler an den Wänden ansbreitete, gewann man lebendigen Eindruck von Spiros reifer Kunst, die ans Musikalität und der Freude an der Farbe gleichermaßen angeregt, schöpft, und diskutierte davor noch lange, ebenso „ne vor Meidners immer wieder in Zeichnungen abgewandelten, betenden und schreitenden Inden, und vor den ergreifenden Arbeiten Else Meidners, früher. Schülerin, jetzt Gattin des Maler-Dichters. L. B. Die Sonderauvstellung vgr, Werken von Engen Spiro und Ludwig Meidner im Jüdischen Museum, Berlin, Oranienburger Straße 31, ist täglich von "10 bis 1 Uhr 311 besichtigen (außer Sonnabend). Eintritt 20 Pfennig. organischen Teile diescZ Stammes. Dem Anteil der staatlichen und-kirchlichen Kräfte im Ausbau, dieses doppclteiligen merkwürdigen Kernvvlkcs. wird von Nadler die größte Beachtung geschenkt; sein Begriff des „Völkischen" ist geläutert durch ein tiefes Erfassen der E historischen, namentlich der geistes-' geschichtlichen Tatsachen und erhebt sich weit über alles schlagwortartige und konventionelle Pathos. „Das österreichische Volk ist weder durch volkhafte noch durch kirchliche, sondern durch staatliche Wehen geboren worden." „Staat tonnte hier nicht abschließende Gestalt des eigenen volkhaften Daseins heißen." Der österreichische Staat war^ nicht Voltsgestalt, sondern ' Naumschickfal. ( Das enge Nebeneinander - der Völker, die Nachbarschaft der Türken zu der „Vorburg der Ostalpen", wie Nadler den ostbayerischen (österreichischen) Raum bezeichnet, drängte zu einer rechtlich geordneten Wohngemeinschaft. „Staat hieß hier nicht selbstbeftiedig-e Vollendung eines eigenen vvlkhasten Daseins, sondern sinnvolle Durch- Gliederung, Gesittung, Gleichgewicht, eines vorgezeichneten Raumes, Einordnung der b rechtigten eigenen Ansprüche in ein hoh Ganzes. Den gewordenen Gebilden m stammhaften Grupppn sui generis lä Nadler hohe Gerechtigkeit zuteil werden. Di ist das wichtigste für uns selbst. So tritt für das Eigenrecht Oesterreichs ein, das dur 1918 kein Museum Europas geworden f „Es ist ein Zlörper, der lebt, und in ihm der Ertrag und die Erfahrung eines halb, Jahrtausends aufgespeichert, lvie im Körp des Mannes, der das eine Werk getan hc und der sich auf das andere rüstet." Diese Gerechtigkeit wünscht sich auch bi alte historische Stamm der deutschen Jude Wir blicken gebannt auf die dem Buche vr Nadler beigegebene äußerst instruktive Stau meskarte. Wann wird der ausstehen, der b: Kulturleistungen der deutschen Juden in drei (v>tuUl!/ HUI 4>cl uli vuiuai va manist von den Schöpfungen der deutsche Stämme gekündet hat. Ludwig Fcuditwanger.

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