Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 16 (19.4.1934)
- Date
- 1934-04-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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| Siegfried Simoni wÄ0,| t] Ciolscnhclmorstr. 27 - U 8 Wnpncr 008-4 0 H Frcif-r Makler'!, alle Ycrsichcrungsartcn. Unabhftng. von H f'j bestimmt, Gesellschaft. Verbamis-Mitgi. d. jüd. Mittelst. § und nicht -zulasten, dasi-du-beschämt wirst.Siehe, ich scheute dir Söhne, die sich um dich scharen, nee!}- che iRnljct ans Kindersegen hoffen .darf. — Und ivird dein Leben auch schwer und leidvoll fein, sv fei dein Tod sanft und voller Frieden. * -Rahel/ dre arme iMckliche NaheP-wird'inschweren^ Qualen dahingehen und allein am Wege begraben werden. Tu aber sollst ruhen an der Seite des Gatten und zu Füßen der Ahnen in der Höhle Müchpelah. in der einst Araham die Stammutter Sara ziir Nuhe bettete, lind viele Geschlechter der Völker werden zu deiner Ruhestätte Pilgern. . . . Aber auch Rahcls Grab. wird, nieinals vergessen, werden: weil sie sich deiner erbarmte . . . Ixaron. -lÄtmte,-- b'ic'MoitSc- Berlinerin anZ-'d>ln Westen der Rcichshauptstadt, Geschirrträgerin in einem Automatenrestaurant. Tort sah und sprach 55 66 in der Fremde Ein wahres Erlebnis von Fanny Schizlein (New-York) Als ich vor zwei Jahren nach Amerika kam und versuchte, in New-Pvrk möglichst rasch heimisch zu werden, gab es drei Lokalitäten, in welchen ich mich, beim ersten Besuch bereits, zu Hause fühlte. In den KinoS, den Woolworch-Lüden und den Automatenrestaurants. In den Kinos — da brauchte ich nicht zu sprechen, ivovor ich näinlich eine Art Lampensieber empfand. Stundenlang sas; ich, für tveni'ge Gents, in den billigen Bor- und Nachurittagsvorstcllungen und war dem Erfinder des Tonbziv. Sprcchsilins von Herzen dankbar, daß er eine so wenig kostspielige Sprachschule geschaffen hatte. Tann die Kettcnläden, die „Vivo and ton cenls slores“, die ich fa bereits aus Deutschland kannte. All die zahllosen Kleinigkeiten, die, auf Aiesentischen ansgebrcitet, zum Kauf einladen, üben eine hypnotische Wirkung aus. Wie stolz ist man, am zweiten Tag in AeioDfork, bereits Seife, Ansichtskarten oder Schreibpapier erstehen zu tonnen, ohne sprechen zu müssen. Fast alle Wewlwvrch-Lädcn haben Erfrischnngsabteilnngen mit Speisen und Getränken für fünf und zehn Gents, aber auch darüber. Und damit komme ich zum dritten Lokal, dem Automatenrestaurant, der Gafeteria, ivie sie gleichfalls zu Hunderten- und Tausenden in Aew- Aork anzutreffen sind. llebersichtlich angebrachte Preise erleichtern die Auswahl, der Gerichte, außerdem sind Täfelchen mit Bezeichnung der Speisen vorhanden. Eine Wohltat für das greenhorn, denn in Restaurants, in welchen man eine Karte ^gereicht bekommt, wieiß man doch nicht...was man mit all den seltsamen Namen tun soll — Frankfurters ■willi Sauerkraut ist dann oftmals die Rettung, der Neulinge, soweit sie ans Deutschland kommen. ' Ich habe meine Vorliebe fürdiese--drei. Lokale beibehalten, trotzdem meine Sprechschsu längst überwunden ist, trotzdem ich weiß, daß ein Theaterbesuch nicht mehr tostet als ein -Billett in. einem' der .großen ■ Lichtspielhäuser mit einer Niefeushow... Auch benötige ich hier und da einen Gegenstand, den man. nicht bei Wooüvorth kaufen kann. Ich weiß,- daß ein Reftanrantefien ü tu carte inirfjt teurer -ist als die zusammengeholteu Gerichte im Automatenrestaurant. 'Und' — so seltsam es auch klingt, ich habe dieser Anhänglichkeit nicht nur manch angenehme Stunde zu verdanken, sondern auch die Freundschaft einer Glaubensgenossin. A n n i e G o h e n (sie heißt jedoch anders), eine waschechte Berlinerin, fuhr vor einigen Jahren nach Amerika, um sich mal den Newchorker Wind um die Nase wehen zu lassen und eventuell einen dollarschweren Mann zu erobern! Tie Acrwandten, bei welchen sie wohnte, verloren, als sie gerade einige Monate bei ihnen war, ihr ganzes Vermögen, und Annie wollte eigentlich nach Hause fahren. Mitgesangcn — mitgehangen' — Ihre Mutter schrieb ihr vom Freitod des Vaters, der den Verlust seines Geldes (der Bankkrach erstreckte sich auch auf Europa) nicht ertragen konnte. Eine sogenannte gute Erziehung hatte Annie genossen und —' es konnte eigentlich mcht schief gehen. Cie nahm eine Stellung an als „Fräulein". Unglücklicherweise sührle sie das Schicksal in das Hans eines ans Rußland eingcwandcrtcn Juden, der seine klugen, aber ich sie.nun erstenmal! Diese modernen weiblichen Sklaven mit ihren zart gepuderten Gesichtchen und dem stets verbindlichen Lächeln um den herzförmig gemalten Mund führen kein -leichtes- Leben. In kurzen Kleidern mit koketter Mütze und in hellseidonen Strümpfen ähneln sie weit eher Tanzgirls als Kellnerinnen! Immer wieder schmutziges Geschirr zusammenstellen, Tische alnvischen, Stühle gerade rücken und — wieder Geschirr abtragen! Täglich 12 Stunden lang, ununterbrochen (die kurzen Eßminuten sind kaum zu spüren), das . ist eine Arbeit, die in die Knochen geht! Ununterbrochen läuftso ein Betrieb, die Gäste bedienen sich selbst und verlassen das Lokal, sobald sie gegessen haben;, dann räumen die Mädchen ab, flink und geräuschlos, das verbindliche Lächeln eingefroren! Wer nicht geivandt genug ist, in wessen Gesicht sich Ermüdung oder Aergcr zeigt — ist entlassen. Hunderte, Tausende von jungen Mädchen, die hübsch genug wären, in einer Revue nütznwirken,' warten ans diese — nicht sonderlich gutbezahlten Posten. Monate sind vergangen, seit ich in einem jener uniformierten Mädchen in der Ausmachung eines Revuegirls die Glaubensgenossin entdecktet"" Ich'lüs, während st'ch mein'MM. müsesuppe und craekers (Gates) bestehende Abendessen verzehrte, die deutsche, jüdische - Zeitung, die mir ein deutscher Rabbiner gegeben hatte. Während das Mädchen die 'soeben leer gewordenen Teller znchimnenstellte. sah ich, wie ihr Blick ans der „E.-B.-Zcitung"' hastete.' Ich schaute auf und sah.in schwermutige Augen, die sich rasch mit Tränen füllten. Sie schluckte tapfer und versuchte ihr so lebenswichtiges „keep smiling“ z„ halten. Absichtlich - ließ' ich meine Tasche fallen und, ' während wir uns gleichzeilig bückten, um sie aufzuhebeu. fragte ich, auf deutsch uatürlich, wauü ihre Arbeitzeit zu Ende sei. Zum Glück war idj au diesem Abend frei. Antz der Hintertür des Reslnnrants eilten lange nach Mitternacht mehr oder weniger elegant gekleidete Mädchen. EW freudiges „Guten Tag. Bielen Tank, daß Tie gekommen sind", war der .Beginn unseres Freundschaft, die nnS beiden ein Geschenk des Himmels isi. Annie Gohen isi ein tapferer Kerl, und ihre Mutter darf -sich glücklich preisen, eine so lebenstüchtige Tochter zu haben. Ich aber bin stolz auf meine Berliner Freundin in Rcwchork, auf die „GlaubcuSgenossin in Uniform", und wir beide danken der „E.-B.-Zeitung", daß sie uns so zusiuumengcsnhrt hat . . .! Warum Kosmetik? / Von META SAMSON ■ maßlos verwöhnten Kinder mit viel Liebe erzögen'haben wollte. Annie hatte, als ihr die juwelenbehangene Mutter der vier - kleinen 'Teufel von den „a'ngels" (Engeln) erzählte, "ikeine'-Ahnnng,'' -wie-" verdorben Kinder sein können.' Mntloß verließ Annie das Prächtige . Gebäude, in dessen mit allem Komfort ausgestatteter Wohnung sic so schwere Stunden erlebt hatte. Sie versuchte es nun als Zimmermädchen. Ihr / ansprechendes Aenßere 'wurde ihr zum Verderben. Ter Sohn des Hauses, ein frühreiser^18jähriger Bengel,-stellte ihr auf-Schritt und Tritt nach, bis sie auch diesen Posten aufgab. Trotz guter Kenntnisse in Stenographie und Maschinenschreiben — kein „jod" (Arbeit) zu finden. Welcher Geschäftsmann braucht eine deutsche Korrespondentin? So wurde lieber den Beruf der Kosmetikerin sind heute sehr viele irrige -Meinungen im llmlaus. Alan gkaübt, daß Schönheitspflege zu dem Ernst dieser Zeit.iin Widerspruch steht, und daß es zwecklos wäre, sich für diesen Beruf vorzubereiten. Woher, fa. denkt .man, soll ein junges Mädchen zu einem Kundenkreis kommen, da die-reichen und verwöhnten Frauen, die' für Behandlung bei einer Kosmetikerin Zeit und Geld haben, nur noch eine Ansnähme bilden. Der. Bestich bei einer Kosmetikerin würde ihre Zweifel zerstreuen... Esisi ein Irrtum, anzünehmen, daß nur oder gerade die reichen Frauen zur Kosmetikerin gehen. Gerade die Berussfrnu, die von Sorgen und Pflichten belastete Frau isi es, die die. Kosmetikerin dringend nötig hat.; Tie Wichtigkeit der äußeren Erscheinung spielt bei der-wachsenden Härte des Eristenzkampses eine entscheidende Rolle. Tic ' ältere Frau vor allem würde niemals Erfolg haben, ivenn nicht Frische und Lebenskraft von ihr anssirahlken. Das aber erreicht sie nur dann, wenn sie selbst davon überzeugt ist, daß ihr Aenßcres sich nicht gegen sic richtet, sondern für sie spricht. - Es handelt sich auch nicht — wie man immer gern zu glauben geneigt ist — um ei,', bloßes Znrechtmachen, um Ta blickt die Greisin nachdenklich aus verträumten Augen — seine Bemerkungen? Ja, zioei sind'mir besonders in Erinnerung geblieben. . Es kam die Sprache auch auf den Bau des Alten Museums in Berlin durch den berühmten Baumeister Friedrich Schinkel und der damit. verbundenen- Veränderung des Lustgarleus, der Fällung prächtiger,' alter Bäume in großer Zahl. Ta meinte Goethe, „daß uäinlich die Architekten, wenn sie ihre Pläne ansführen wollten, nicht Rücksicht auf die Umgebung nehmen könnten". Auch sprach der Tichter von dem Besuche Zweier junger Berliner, des Altertumsforschers Parthey und des jüdischen Rechtsphiloivphen Gans, lvelche tags zuvor bei ihm zu Gaste waren, und er sagte: „Beide seien sehr tüchtig, Gaus ein bedeutender Jurist." Tann hat sich die kleine Johanna mit einem tiefen Knicks empfohlen. Am folgenden Tage schreibt Goethe an Zelter: „Tie Münzen erhielt ich . durch La Roche schon längst, Tein erklärendes Briefchen-durch die a r t i g e I ü d i n erst gestern." Wer noch mehr von der kleinen Johanna Gl kau erfahren will, dem sei erzählt, daß sie sich im Jahre 1882 mit dem bekannten Berliner Verleger Moriz Beit verlobte, Schüler und Freund Hegels, einem Mann, der durch sein ganzes Leben seine Kräfte in den Dienst des Judentums stellte und als erster Jude Preußisches Landtagsmitglied wurde, lieber die lleine Johanna aber, lesen wir .in den „Preußischen. Jahrbüchern" von 1861: „Sie war die Vertraute des begeisterten Jünglings sie wurde jetzt die Gefährtin des Mannes, und ihr eigenes Wesen ging fortan.ans in der idealen, Natur, in dem arbeitsreichen,- selbstlosen Wirken ihres Gatten." Johanna Beit, geborene Elkan, starb 1889. . Ausstellung „Die kunstschafferrde Frau". In einer Sonderveranstalkung des Kulturbundes deutscher Juden „Die kunstschnfsende Frau" - findet eine - Kunsigewerbeschan statt. Tie Kunstgewerbherinnen. die sich beteiligen nwllcn, werden gebeten, sich schriftlich unter Angabe der Art ihrer Arbeiten" bis zum '30. April an das Büro des Kulturbundes, (charlottenstraße' 90—92, Abteilung Kunstgewcrbe (Sprechstunde: Mittwoch von 4 bis 6), zu wenden. Betriebsamkeit Ten ganzen Tag telephoniert sie. Den ganzen Tag hat sie unendtich viel zu tun. Ten ganzen Tag hat sie keine Zeit, den ganzen Tag macht sie sich Notizen, tut sie sich.wichtig, gibt sie an. hat sie ein Programm, gefällt sie sich in einem mächtigen Aufruhr ... die.Betriebsamkeit. Sie isi eine entsetzliche Person. Schaut man sie ein wenig näher an, dann ist an allem, was sie ansstellt.. überhaupt nichts dran. Bon den Verabredungen, Programmen, Telephonaten und Gesprächen wäre kaum die Hälfte notwendig, und die Arbeit würde doch getan. Tas aber wird die Betriebsamkeit niemals zugeben. Nein, im Gegenteil, herrscht mal wirklich ein wenig Ruhe, tritt eine Atempause ein, im Ablauf des geschäftigen Tages, dann macht sich die Betriebsamkeit einfach etivaszu-tun. Sie tut um den Tuns, nicht um des Erfolgs willen. Sie rennt herum, geschäftig, angeregt. Sie klappt die Türen, .redet immer ein wenig zu laut, ist stets eine Nuance, zu erregt, zu hastig, zu verhetzt. — und es geschieht dabei doch nur wenig. Madame Betriebsamkeit' muß so sein,- es ist ihre Veranlagung. Sie ist charakterlich ein wenig zu kurz gekommen, ist eine „Möchte gern und kan» nicht", sie möchte nämlich gern so sein, wie ihre große Schwester, die Tatkraft, aber es hat nicht ausgereicht. - Zur Tatkraft sohlt der Betriebsamkeit der ruhige feste Wille. Nur aus Schwäche ist sie 'so eifrig, strengt sie sich so übermäßig an, muß sie so eilig sein und alles schneller verstehen und schneller erledigen als alle anderen. Es sieht schlinnn mit der Betriebsamkeit! Im Augenblick hat sie . schwer zu-kämpfen. Ihre Art ist.nicht mehr sehr modern. Man findet allgemein, cs sei notwendig, den Betrieb mit der Betriebsam, keit einzustellen. Wozu dieser ganze Aufwand an Kraftvergeudung? Wir haben besseres zu tun! Schon , aus Gründen der äußeren Wirkung, sollte man der Betriebsamkeit ohne Mitleid den Gapans machen. Sie ist überflüssig geworden. Wir brauchen dringend Menschen mit Tatkraft, Ruhe Stärke und — festem Willen. Nur sie haben die Kraft des Entschlusses und die große Sicherheit dem Leben gegenüber, llnd ans diese kommt es uns heute an. Nicht mehr auf die Betriebsamen, die. denen alles so leicht von der Hand geht, daß es „im Nu" und oberflächlich „erledigt" ivird. Erledigen, dies isi.-ein Wort, daß die Betriebsamkeit so gern im Munde führt. Aber erledigen ist halb getan. Schaffen ist besser, als erledigen. Tatkraft besser als Betriebsamkeit. Für die Betriebsamen ist die Zeit vorbei. Gut Ding will Weile haben. lintü. Befrei mich, Herr.... Befrei mich, Herr, von dieser dunklen Qual, die auf mich stürzt in unerhellten Nächten — wenn aus der Finsternis die irre Zahl verlorner Stunden — von verborgnen Mächten gejagter Tage höhnisch auf mich starrt, und bittrer Schmerz um frevelnde Verseil Wendung und tiefer Zorn um. seltsame Verblendung das müde Herz in dumpfer Abwehr narrt -- Befrei mich, Herr, und schenke mir die Kraft . . des Ringens um -den Atem Deiner . Zeiten — befiehl der Flut, die die Sekunde schafft, sich ganz in meiner Seele auszubreiten — zwing mich als Pendel an denStundenschlag — ■ verkette mich an ihn mit allen Sinnen UMlege stumm .das bittre Zeit- ' - : verbringen . als strenge Mahnung auf den künft’gen Tag! Margaret© Licbmnnn. eine Behandlung mit Puder nud Schminke Auc der geringste Teil der Zeit wird dazu verwendet und dieses imike up ordnet sich völlig der indwidm eklen Beschaffenheit des Gesichts unter. Die Wichtigkeit der Beseitigung von Schönheitsfehlern erkennen heute schon die Krankenkassen an. indem sie ihren Patienten eine notwendig gewordene Behandlung ermöglichen. Längst weiß man auch! daß örtliche Mängel und Erkrankungen m ihrer Wirkung ans.den Gesa,ntorganisinus...einen nicht, uw bedeutenden -Einfluß -haben. - Je geübter eine Kosmetikerin isi. um so wenige: Mittel ivird sie amvendc-n, die iu jedem Autlü verborgene Schönheit hervorznholen. Oft erscheint uns das Geheimnis der menschlichen Schönheit wjr ein Btpsterium. So ivie alles, >vas die Natur erschassen, durch irgendeine lleine Berändorung vom N'egativen ins Positive gekehrt iverdeu kann, vam Gift zum Heilmittel,- so isi auch das Gesicht durch einen Schimmer zu verwandeln, ebenso rätselhait und zart wie das Lebendige selbst, das als ,.Tdem' dem Btenschen cingeblasen wurde. Tiefes Gesiilil der Ehrfurcht, man könnte sagen, eine starke [miülc« . rische Fähigkeit muß es sein, die eine Kosmetikerin für ihren Beruf mitbriugen muß: denn iveder Geschmack noch Geschick genügen, gemessen an dem Ernst und der großen Bcrantnwrtung, die dieser Beruf vvranssctzt. Kosmetikerinnen werden überall gebraucht: ihr Beruf setzt lein großes Kapital voraus und sit nicht wie ein Handwerk an Plasästnen und Ardeiisräume pon besonderem Ausmaß gebunden Tes> halb hak auch die jüdische Gemeinde vielen sungeu Niädchcn eine Ausbildung erniöglnht. Es liegt au ihnen.- sich während ihrer Ausbildungszeit .Nenntniste zu erwerben, die über eine bloße Schduheiistechnik hinausführen. Tie Pflege der Haut, die Verjüngung des Gesichts, das 'durch Neinigung. Straffung und Ernährung aufs neue belebt werden soll,, ist die hauptsächliche Aufgabe der kosmetischen Behandlung. Dazu kommt die grone pshchische Derändernng, die mit der Behandlung verbunden ist. Tie Kvsinetikcriu — so seltsam es klingen mag — streicht nicht mir äußerlich Fanen hnd Sorgen ans dein Gesicht. Tas Ausruhcn auf dem behaglichen Liegestiihl. die wärmende Teck', das völlige Loslassen all dessen, ivaS soeben .noch das ganze Denken und Sinnen nnssüllte, sch-Nsi allmählich eine Reserve an Kraft und Gleichmn!;, die den Patienten aus seiner Gebennntheit befreit. Tas „gute Aussehen zu Gelegenheiten" hilft einem Ntenschen nicht. Nicht das festliche, sondern da-Mb!' tagsgesicht soll verändert loerden. Unter der Fi'tz' ' rung der Kosmetikerin wird es erarbeitet, und damit wird nicht ein „Sichentfrcmden", sonderu ein „Sichfinden'' erzielt. Kurzbehandlungeil ermöglichen es mich den weniger Bemittelten, sich einer Kosmetikerin auz»' vertrauen; sie tun besser daran, als mit nnzulang' liehen Alitteln. die ebenfalls Geld losten, nutzlos hernmznerperiinentiercn. Mit dem Wort: „Leben auf Leben" spricht die Kosmetikerin ihr Grundprinzip ans. NichE R wichtiger als ihre führende und wissende Handdie um so erfolgreicher arbeitet, je weniger M forcieren will. Schönheit isi nicht Ebenmaß, sondern Aus' drucksfähigkeit! Wer fi.e als ..Aeußerlichkeit' lohnt, hängt seiner Willensschwäche ein moralische. Mäntelchen um. Je härter die Zeit, um so wiop tigcr. ist-dieser Beruf..'Jede Frau würde M den Anforderungen, die der Tag heute an sie'steln, viel schneller altern,-wenn nicht die Kosnietikerm für die Erhaltung der Schönheit und Harmonie des Ausdrucks tätig wäre.